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Nur der Anfang einer langen Nacht

Kurzbeschreibung
OneshotAngst, Horror / P16 / Gen
Jäger
17.12.2020
17.12.2020
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Ein purpurner Schleier trübte ihren Blick. Zaghaft lief er über ihre Augen, die Nase entlang und tropfte geräuschlos auf die nassen Pflastersteine unter ihren müden Füßen. Es störte sie wenig, dass ihr Gesicht voller Blut war, es war der Preis, den man zahlte, wenn man ihrer Tätigkeit nach ging. Sie war froh, dass es nur zum Teil ihr Eigenes war. Doch der beißende Geruch, der von der veränderten zähen Flüssigkeit ausging, würde bald noch andere Gegner anlocken. Auch wenn sie sich bewusst war, dass eine schnelle Flucht die beste Lösung war, blieb sie dennoch stehen. Ihr Körper schien ihr jeden Dienst zu verweigern, als bräuchte er länger, um das zu verarbeiten was ihr Verstand schon lange abgeschlossen hatte.

Ein Versprechen von Heilung hatte sie nach Yharnam gebracht, doch nicht Genesung, sondern der Tod hatte mit seinen filigranen Fingern nach ihr gegriffen und hielt sie nun in einer eisigen Umklammerung. Was immer hier praktiziert worden war, es hatte eine unmenschliche Seuche über die Stadt, den kompletten Bezirk, gebracht und war weitaus schlimmer als alles was man sich außerhalb an Schauergeschichten erzählte. Wer wusste schon ob sie ein Wundermittel erhalten hatte, oder einem stillen Hilferuf gefolgt war und nun etwas viel düsteres in sich trug, als die Krankheit, die sie im Wahn hierhertrieb. „Jägerin der Jäger“, schwer lag die modifizierte Groteske einer Waffe in ihren Händen. Sie würde Antworten suchen und einen Weg aus der langen Nacht finden. Es war nicht ihre Aufgabe, das Leid der Menschen zu beenden, die ihr den Eintritt verwehrten. Sie war nicht wie die Krähe, eine Jägerin und gleichzeitig eine Gejagte.

Kalter Wind weckte sie aus ihrer Trance und ihr Blick fiel auf die Laterne vor ihr. Wie viele Male würde sie dem Alptraum entfliehen müssen? Wie oft würde sie die Realität in den Traum des Jägers treiben, um ihr Vorhaben zu meistern und zurück in ihre Heimat zu kehren? Ohne noch einen weiteren Gedanken an die Zukunft oder den vergangenen Kampf zu verschwenden, entzündete sie die Lampe und empfing die wohlige Wärme des Traums.
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