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Moonlight

GeschichteAllgemein / P16 / MaleSlash
GOT7
17.12.2020
25.02.2021
31
23.633
 
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23.02.2021 824
 
Schon aus der Ferne erkannte sie ihn.
Er stand etwa hundert Meter entfernt unter einem großen Kirschbaum, der noch immer in voller Blüte stand.

Dieser Anblick triefte ja förmlich vor Kitsch und Romantik.

Und was war das überhaupt für ein riesiger Garten mitten in der Stadt und wieso war der ihr vorher nie aufgefallen?
"Was willst du hier?", der liebevollen Szenarie zum Trotz klang Jacksons Stimme kühl.
Sumi interessierte das kaum, hatte sie sich doch die Nacht um die Ohren geschlagen und sich die perfekten Worte für genau diese Situation jetzt überlegt.

Entschlossen öffnete sie den Mund.
Und schloss ihn wieder. Alles war weg, ihr Kopf war leer gefegt.
Das konnte doch wohl nicht wahr sein.

War sie ernsthaft schon so durch den Wind, dass der bloße Anblick dieses schwarzhaarigen jungen Mannes ihr Hirn zu einem Klumpen Wackelpudding verwandelte?
"Hey, Jackson."
Sumi und auch der Angesprochene selbst drehten sich in die Richtung aus der der Zuruf gekommen war.

Ein junger blasser Typ mit raspelkurzen braunen Haaren kam grinsend auf sie zugelaufen.
Aus dem Augenwinkel konnte Sumi an Jacksons Mimik erkennen, dass ihm das mehr als miesfiel. Wow, scheinbar ließ der kalte Eisblock nur tagsüber Gefühle zu und zeigte diese auch seinen Mitmenschen.
"Ich stör euch doch wohl hoffentlich nicht?", grinste der Unbekannte weiter.
Sumi zuckte unwissend die Schultern, ein kurzer Blick zu Jackson, der nur gequält lächelte.

"Wie läuft dein Studium?", der Unbekannte drehte den Kopf und sah jetzt direkt Sumi an: "Du musst wissen, Jackson und ich sind Komilitonen."
Sie schaute selbigen fragend an, der allerdings, wie so oft, keinerlei Regung zeigte.
"Er ist der Star an der Uni und der Beste im Jahrgang der Wirtschaftswissenschaften.", erzählte der Unbekannte weiter.
Doch Sumi hörte kaum noch hin.

Student also.

Von wegen geheimnisvoll oder gar gefährlich.

Er hatte sie, kurz gesagt, einfach nur auf den Arm genommen.

In ihr begann es zu brodeln.
"Jihoon, lässt du uns einen Moment allein?", hörte sie plötzlich Jacksons Stimme.
"Alles klar, ich versteh schon.", der Angesprochene grinste erneut, diesmal noch breiter als vorher und besah sich Sumi von oben bis unten.
Das machte ihn ihr nicht gerade sympathischer.
"Wir sehen uns ja in der Uni.", er setzte zum Rückzug an. "Übrigens gute Wahl.", und zwinkerte Jackson zum Abschied zweideutig zu.

Der fuhr sich mit der Hand durch seine Haare und drehte den Kopf wieder seufzend zu ihr.
"Entschuldige, ich..."
Sumi unterbrach ihn zornig.
"Ist das ein Spiel für dich? Findest du das lustig?", fragte sie ihn mit zusammengebissenen Zähnen. "Dumme kleine Schulmädchen an der Nase herum führen?"
"Ich dachte, du bist kein kleines Mädchen?", grinste er ihr entgegen.
Das machte sie sogar noch wütender, sie ballte die Fäuste: "Von wegen du arbeitest für diesen JB. Was machst du denn? Seine Buchhaltung?"

"Verurteilst du mich gerade, weil ich studiere?, fragte er mit zusammengekniffenen Augen.
"Nein, ich verurteile mich selber, weil ich auf deine Lügen reingefallen bin. Und dein tolles Auto hast du auch nur vom Geld deines Onkels bezahlt, oder?"
"Eigentlich nicht.", antwortete er ruhig.
"Ich frage mich wirklich, wie ich mich in einen wie dich..."
"Jackson?"
Schon wieder eine unbekannte Stimme.

Sumi verdrehte genervt die Augen: "Was denn jetzt noch?", drehte sich um.

Und erstarrte.
Da stand ihr Vater. Mit Mister Wang.
Der sah genauso einflussreich und respektvoll aus wie auf dem Foto, was Sumi veranlasste, augenblicklich den Mund zu schließen.

"Sumi, was machst du hier?", fragte ihr Vater verständnislos.
Verdammt.

Sie sah zu Jackson auf, der ebenfalls einfach nur da stand. Und wieder zurück zu ihrem Vater und seinem Begleiter.
"Ich...", begann sie stotternd. "Also..", sie räusperte sich, drückte dann aber den Rücken durch und antwortete: "Ich dachte, wenn du schon ein Interview mit Mister Wang machst, solltest du auch seinen Neffen dazu holen. Wusstest du, dass er studiert? Wirtschaften oder so."
"Wirtschaftswissenschaften.<<, flüsterte ihr Jackson unbemerkt zu.
"Wirtschaftswissenschaften.", wiederholte Sumi überfreundlich lächelnd.  "Also wird er wohl irgendwann die Geschäfte seines Onkels übernehmen."

"Das ist angedacht", antwortete Mister Wang tonlos. Sein ernster Blick wanderte zwischen ihr und Jackson immer wieder hin und her.
"Nun, wenn Sie nichts dagegen haben?", fragte Sumis Vater vorsichtig.
"Sicher.", die Stimme von Mister Wang wirkte kühl. Jetzt wusste Sumi wenigstens, von wem Jackson das augenscheinlich geerbt hatte.  "Allerdings nicht hier. Wir gehen in mein Arbeitszimmer.", er drehte sich zum Gehen. "Und Ihre Tochter begleitet uns, nehme ich an?"
Das klang weniger nach einer Frage, sondern einem Befehl.
Sumi lief es eiskalt den Rücken herunter. Sie hatte ein ganz merkwürdiges Gefühl in der Magengrube.

Und daran konnte nicht einmal die Anwesenheit von Jackson etwas ändern.
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