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Adventskalender - Türchen 17: Jährliche Instrumentenwartung

GeschichteHumor, Fantasy / P6 / Gen
Chris "The Lord" Harms Class Grenayde Gared Dirge Niklas 'Nik' Kahl Pi Stoffers
17.12.2020
17.12.2020
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Einen wunderschönen Vorweihnachtstag. Auch heute darf ich Euch ein Türchen präsentieren und hoffe, ihr habt viel Freude beim Öffnen! Liebe Grüße, lasst es Euch gut gehen.

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Jährliche Instrumentenwartung

Es ist doch jedes Jahr das Gleiche! Wir beschenken unsere Band zu Weihnachten. Ich persönlich finde, das ist reiner Stress! Aber wer fragt schon den ollen Gared nach seiner Meinung? Der hat einfach gutauszusehen, der ist ja der Allrounder und hat einfach mit zu latschen! Also ist es so, dass wir kurz vor Weihnachten alle los dackeln. Wir haben hier auf dem Kietz viele Musikgeschäfte. Jedoch wählen wir jedes Jahr ein kleines Hinterhoflädchen, zu dem auch eine kleine Werkstatt gehört. Sie wird von einem alten Herrn betrieben und seiner Enkelin. Beide verstehen sich wie kaum jemand auf die Wartung und Reparatur von Instrumenten und haben auch eine erlesene Auswahl von Neuinstrumenten im Geschäft. Auf knapp 30 Quadratmetern ist alles gequetscht. Durch kommt man dort kaum. Ein kleiner separater Raum lädt zum Ausprobieren ein. Gefolgt von besagter Werkstatt. Gut, ich gebe zu, auf den Besuch beim alten Zausel freue ich mich schon! So ein richtiger Eigenbrödler ist er. Genau nach meinem Geschmack.
Wie jedes Jahr frühstücken wir erst gemeinsam im Studio und gehen noch mal durch, was wir brauchen. Pi hat die noch warmen Semmeln beim Bäcker besorgt, Chris sorgt für Getränke. Wir anderen Drei teilen uns immer den Aufschnitt- und Marmeladeneinkauf. Na klar, auch so was wie Gurke und Tomate gehören dazu.
„Der Bass braucht dringend neue Seiten!“ stellt Claas fest, „Auch würde ich gerne den Steg überholen lassen!“ zustimmendes Nicken.
„Ich brauche unbedingt ein neues Becken! Und Felle!“ brummt Nic vor sich hin. Auch hier nicken alle.
„Wie wärs mit einem neuen Mikro?“ möchte unser Sänger wissen. Schulterzucken.
„Ich brauch an sich nix.“ Meint Pi. Alle Blicke richten sich auf mich.
„Ich lasse das Bühnenkeyboard aufpimpern.“ Äußere ich meine Wünsche. „Und auch neue Felle, auf jeden Fall müssen alle Schlaginstrumente neu bezogen werden!“
„Können wir die Alten wieder an die Fans versteigern.“ Meint Chris zustimmend.
Wir beißen in die bis eben noch warmen Bäckersemmeln und trinken unseren Kaffee. Und Tee, natürlich braucht der Lord seinen Tee. Die Gespräche gehen in Alltägliches über, bevor wir die zu überholenden Instrumente einpacken und uns zu dem alten Zausel und seiner eigenwilligen Enkelin auf den Weg machen. Die Enkeltochter ist eine unscheinbare, ruhige junge Frau. Wenn sie sich ein wenig zurecht machen würde, wäre sie sicher schön zu nennen. Wir laufen keine 10 Minuten und stehen vor dem Haus, auf dessen Hinterhof ein kleiner Anbau mit verstaubten Fenstern auf uns wartet. Ein scheinbar uraltes Werbeschild, die Farbe blättert schon lange ab, verrät, dass hier eine „Musikinstrumentenwerkstatt Harms & Co“ ist. Durch einen hohen Torbogen, die Türen stehen einladend offen, gehen wir über alten Pflasterstein auf den Hinterhof. Wenn man davor steht denkt man, dass der Laden verlassen ist. Nur wer genau hinsieht erkennt durch die verdreckten Fenster, dass Licht brennt. Wir betreten die ausgelatschten 4 Stufen, die ein wenig nach unten führen und öffnen die schwere Holztür, die leise knarrt. Ein lautes Dingdong kündet unser Kommen an. Schlurfende Schritte, die sich langsam von hinten nähern künden den alten Zausel an. Lange weiße Locken liegen schwer auf seinen Schultern und fallen lang auf den alten, gebeugten Rücken. Wache, lebhafte hellblaue Augen mustern uns. Wie immer hängt in seinem Mundwinkel die Pfeife. Kalter Rauch verkündet, dass sie seit Kurzem aus ist. Der alte Mann muss einmal um die 2 Meter gemessen haben. Tief und immer noch kräftig klingt seine Stimme:
„Ich hab‘ auf Euch gewartet! Ihr kommt nun das siebente Jahr zu mir und es ist heute an der Zeit! Kommt, kommt, trödelt nicht!“
Er winkt uns, ihm zu folgen und schlurft erstaunlich schnell für sein Alter nach hinten. Verwirrt folgen wir ihm. Normalerweise schauen wir uns immer erst vorne um.
„Kommt, kommt, dafür ist jetzt keine Zeit!“ grollt seine Stimme. Wir folgen ihm zögerlich, mit den Schultern zuckend.
„Wer weiß was der alte Zausel hat…“ flüstert Chris und schreitet schneller voran. Gefolgt von uns Vieren. Wir durchqueren den leeren Proberaum und betreten die Werkstatt. Seine Enkelin steht an der Drechselbank und arbeitet ohne aufzusehen.
„Ja, Moin! Wird ja auch Zeit!“ erklingt ihre kraftvolle helle Stimme.
„Ähm… Moin! Was‘n hier los?“ will Chris wissen. Doch die Enkelin ist vollkommen in ihre Arbeit vertieft.
„Schwätzt nicht, lasst die Instrumente in der Werkstatt und kommt!“ verlangt der alte Harms und öffnet eine Tür zu privaten Räumen. Hier waren wir noch nie. Eine Treppe führt hinauf, aber auch hinab.
„Einen Keller hat der Schuppen also auch!“ meint Pi anerkennend, während der Alte voran die Treppe nach unten betritt, sich dabei die Pfeife entzündend. Das schwere Aroma eines Kirschtabaks schwebt nach oben. Wir folgen ihm, verwundert, nachdem wir die Instrumente sorgfältig auf einem leeren Tisch gelegt haben.
„Ich kümmer‘ mich gleich um Eure Klimperdinger!“ meint die Enkelin, ohne von ihrer Arbeit aufzusehen, laut genug, dass wir es beim Betreten der Treppe vernehmen können.
Der Alte öffnet am Ende der Kellertreppe eine schwere Eichentür. Schwarze Beschläge zieren sie. Alles scheint hier alt zu sein.
„Was ist denn nun los?!“ will Chris wissen und fragt mit Nachdruck.
„Gleich, min Jung, gleich!“ grollt die Stimme des Alten, während er den Raum durchschreitet. Er ist spärlich beleuchtet und 2 Türen sind sichtbar. Eine links, eine rechts. Er tritt zu der Linken, öffnet sie und winkt uns zu, sie zu durchschreiten. Vor uns ist ein stockfinsterer Raum. Schulterzuckend geht zuerst Chris durch, gefolgt von Pi und Klaas. Ich folge mit Nik. Hinter mir schließt sich die Tür mit einem lauten Quietschen. Da ich noch im Schwung des Laufens bin, gehe ich noch drei Schritte, bevor ich stehen bleibe. Während dieser Schritte ist mir, als ob ich durch Spinnenweben gehe. Angewidert entweicht nicht nur mir ein
„Ihhhhh! Waaaaaahhhhh!“. Ich will mich umdrehen, aber da ist es auf einmal Hell vor mir. Taghell. Eiskalt. Erschrocken schaue ich mich um. Meine Bandkollegen stehen genauso ratlos. Mitten in etwa 30 cm hohem Schnee. Über uns ist klarer, blauer Winterhimmel mit einer leuchtenden Wintersonne. Keine Wolken. Vögel zwitschern in der Ferne. Berge sind in der Ferne zu sehen mit Dunstverhangenen Spitzen, Wälder ringsherum. Geradezu führen Schlittenspuren und Abdrücke von behuften Tieren auf ein altes Bauernhaus mit Anbau zu, der Schornstein qualmt. Ringsherum sind die Bäume mit Kerzen geschmückt, die fröhlich flackern. Die Kellertür ist weg. Verwirrt schauen wir uns an. In Hamburg ist das übliche Schmuddelwetter – grau, regnerisch, knapp Null Grad. Auf so heftige Minusgrade sind wir nicht gefasst und auch nicht entsprechend gekleidet. Wir frieren. Jedes Mal Ausatmen sorgt für kleine Wölkchen. Verwirrt breche ich das Schweigen:
„Was zum Fuck ist das hier?“ und alle zucken mit den Schuhen.
„Der Nordpol?“ fragt Chris scherzhaft.
„Hahaha!“ kommt es genervt von Pi, der frierend die Arme um sich schlingt.
„Gehen wir da zum Haus und fragen mal. Vor allem wärmen wir uns auf!“ schlägt Nik vor. Stillschweigend stimmen wir zu und setzen uns in Bewegung. Der Schnee knirscht unter unseren Füßen. Ich kann nicht widerstehen und bücke mich. Greife mir Schnee. Habe durch all die nahezu schneelosen Jahre fast vergessen, wie toll sich frischer sauberer Schnee anfühlt. Grinsend forme ich einen Ball und werfe ihn, aufstehend, gegen Chris. Treffe ihn am Kopf.
„Was zum…. Na warte!“ keucht dieser erschrocken auf, stürzt auf mich zu. Und im Nu wälzen wir uns lachend im tiefen Schnee. Während dem Spaßbalzen bemerke ich, dass unsere Freunde eine Schneeballschlacht beginnen.
„Komm, machen wir mit!“ schlage ich unserer Bühnensau vor. Chris stimmt lachend zu. „Wir beide auf die Drei!“ meint er nur lapidar und schubst mich von sich runter. Wir formen schnell mehrere Bälle und mischen uns dann ein.
„Ey!“ kommt es gespielt böse von Pi, dann ist die Schneeballschlacht des Bestehens von Lord oft he Lost im Gange. Erst wir Zwei gegen die Drei, dann jeder gegen jeden. Klaas seift Nik ein, während Pi mich und Chris bewirft….
Wir vergessen die Zeit, die Umstände wie wir hier her gekommen sind und toben uns aus. Wann bitte hat man schon so viel Schnee….
Einige Zeit später, wir sind erschöpft, haben Muskelkater vom Lachen, sind durchnässt vom Schnee, stehen wir uns mit hochroten Gesichtern gegenüber. Wir umarmen uns, immer noch lachend, klopfen uns auf die Schultern. Unsere Haare sind weiß vom Schnee, es bilden sich kleine Eiskristalle. Eigentlich schön anzusehen, denke ich und greife nach meinem Handy um Fotos zu machen.
„Scheiße! Geht nicht!“ entfährt es mir. Fragende Blicke. Nik zieht, verstehend, sein Handy.
„Meins ist Wasserdi…“  er unterbricht mitten im Wort. „Mist! Geht auch nicht?“ Halb aussagend, halb fragend. 5 Handys sind inzwischen gezogen. Alle funktionieren nicht. Sind einfach aus…
„Merkwürdig!“ stellt Chris fest, „Kommt, wir gehen zum Haus!“ Wir sind alle ernst, vergessen der Spaß, den wir eben noch hatten. Langsam nähern wir uns dem Bauernhaus.
Vorsichtig spähe ich durch das Fenster neben der dunklen Holztür. Das Haus ist ein Fachwerkhaus, weiß mit dunklen Balken durchzogen. Das Dach leuchtet kräftig rot. Ich sehe in ein gemütliches Wohnzimmer. In einem Kamin prasselt einladend ein Feuer, durch das Fenster glaube ich das Knistern der brennenden Holzscheite zu hören. Überall liegen Spielsachen und Naschereien herum. Kleine Wesen mit spitzen Mützen, an denen Bommeln und Glöckchen hängen, laufen planlos in dem großen Zimmer umher.
„Ähm… ich glaube wir sind beim Weihnachtsmann?“ haue ich ohne zu Überlegen heraus.
„Hast Du nen Koller?“ will Pit wissen, während Chris sich neben mich stellt.
„Lacht nicht, Gared hat recht!“ knurrt er verblüfft. Schon drängen wir uns zu Fünft vor dem Fenster. Das beschlägt von unserem Atem. Eins der kleinen Wesen wird aufmerksam, spricht seine Kollegen an und deutet auf das Fenster. Erschrocken weichen wir zurück und Nik, der hinten steht, stolpert. Fällt laut fluchend in den Schnee. Wir alle auf ihn drauf. 5 Musiker, die vergeblich versuchen, Arme und Beine zu entheddern, während sich die Haustür öffnet. Helles Lachen ertönt.
„Was macht Ihr denn da? Macht das Spaß?“ fragt eine helle Männerstimme. Oder Jungsstimme? Was weiß denn ich. Ich weiß nur, dass auf einmal ganz viele von den kleinen Wesen da sind. Sie sehen aus wie kleine Erwachsene. So einen halben Meter, würd ich sagen. Und sie nehmen alle Anlauf und stürzen sich auf uns rauf.
„Aua! Nein! Aufhören!“ rufen wir wild durcheinander, können dann aber nicht anders und werden von dem Spaß der kleinen Wesen angesteckt. Vergessen ist die Kälte, das Frieren, als wir mit den putzigen Wesen gemeinsam balgen, uns erneut einseifen und – einfach mal wieder, nach langer Zeit, kindischen Spaß haben.
Erst einige Zeit später ertönt eine harmonische, melodische weibliche Stimme.
„Schluss jetzt! So werden wir doch nie fertig! Wir wissen immer noch nicht, wer all die Geschenke verteilt….“ mault sie. „Kommt rein, wärmt Euch am Feuer und trinkt Schokolade!“ fordert sie dann auf. Und…. „Überhaupt, wie begrüßt Ihr denn Gäste? Habt Ihr alles vergessen? Ich schäme mich ja für Euch!“
Endlich komme ich aus dem Knäul von Leibern, Gliedmaßen und Köpfen heraus. Stehe auf, klopfe mir den glitzernden Schnee ab. Atme die kühle, reine Winterluft ein und betrachte die Besitzerin der melodischen Frauenstimme. Sie ist größer als diese kleinen Wesen. Bestimmt 1,70, denke ich. Schlank, eine Schönheit mit langen braunen Locken, die bis zum Gürtel ihres Kleides reichen. Spitze Ohren erregen meine Aufmerksamkeit.
„Eine Elfe?“ denke ich laut.
„Nein ein Oger! Sieht man doch, dass ich eine Elfe bin, oder? Wo kommst Du denn bitte her, dass Du keine Elf… oh.. oh! Hat der Opi Euch geschickt? Opi Harms?“ Ihre Stimme, vorher fast aggressiv, wird weicher, sanfter. „Jetzt kommt schon rein, bevor Ihr Euch was wegholt! Reicht, wenn der alte Mann mit hohem Fieber flach liegt!“ Seufzt sie. Wir gehorchen verwirrt.
Es ist warm und gemütlich in der großen Stube, zwischen all den Geschenken, die von den kleinen Wesen verpackt werden. Uns werden große Sessel mit solch hohen Lehnen und Seitenteilen, ich glaube die heißen Ohrensessel, im Halbkreis ans Feuer geschoben. Wir setzen uns und bekommen jeder einen großen Becher angenehm duftender heißer Schokolade in die Hand. Ein Hauch von Zimt liegt in der Luft. Weihnachtlich. Die Elfe setzt sich vor uns auf das weiche Fell.
„Trinkt! Und wenn Eure Kleidung trocken ist, müsst Ihr die Geschenke verteilen!“
„Hä? Heute ist doch kein 24.?“ Wundert sich Klaas.
„Sehen wir vielleicht wie Weihnachtsmänner aus?“ will Chris wissen.
„Und wie sollen wir bitte überall zur gleichen Zeit sein?“ frage ich. Natürlich reden wir alle durcheinander. Wie es sich gehört. Wie es sich natürlich nicht gehört! Lachend meint die Elfe:
„Einer nach dem anderen! Natürlich geht alles nur mit Magie! Ihr reist dafür, wie der Weihnachtsmann, durch die Zeit! Hat Opi Euch denn nichts erklärt?“ möchte die Elfe wissen. Wir schütteln synchron verneinend die Köpfe. Synchron können wir. Offenbar nicht nur musizieren.
„Auch das noch…“ stöhnt sie, während die kleinen Wesen mit bunte Funken versprühenden Stäben die Spielsachen und das Süße berühren. Die berührten Sachen packen sich alleine in ebenfalls buntes Papier ein, Schleifen binden sich, dann verschwinden die Sachen in plötzlich auftauchende grobgewebte Leinensäcke.
„Der Weihnachtsmann ist krank! Er hat deshalb nicht alle Geschenke verteilt. Fragt nicht – dank Magie verteilt er Wochenlang, aber bei den Kindern sind die Geschenke erst Weihnachten – ach, was rede ich, Ihr glaubt ja eh nicht an das alles!“ sie klingt frustriert, fügt dann hinzu: „Jedenfalls… deshalb müsst Ihr helfen, die Säcke zu verteilen!“ beginnt sie zu erklären. „Die Schlitten sind magisch. Ihr werdet für eventuelle Zuschauer wie der Weihnachtsmann aussehen, der durch die Luft fährt. Die Säcke wissen in welchen Schornstein sie müssen. Ihr werft sie durch die Öffnung und fliegt weiter. Bei vielen Häusern jedoch müsst Ihr dann durch den Schornstein und Kekse essen und Kakao trinken. Oder Tee.“ Erklärt sie. „Fünf Leute, fünf Schlitten, würde ich sagen!“ Ich verschlucke mich bei ihren Erklärungen an der wirklich gut schmeckenden heißen Schokolade. Huste. Sie schaut mich an, die linke Augenbraue schießt in die Höhe. Dann fährt sie fort:
„Vier meiner Schwestern und ich werden Euch begleiten. Dann geht das schon. Einige sehen uns als Engel, einige als Fee, oder Elfe. Je nach dem an was sie glauben. Also trinkt aus, dann geht’s los….“
„Ähm…“ räuspert Chris sich, „Wie kommen wir bitte dann wieder nach Hause? Wie lange dauert das Ganze?“
„Also für Euch wird es nachher sein, als ob ihr keine fünf Minuten weg wart. Magie, schon vergessen? Ich schaffe Euch dann ein Portal ins Haus vom alten Harms. Keine Sorge.“ Plaudert die hübsche Elfe, während eine Tür aufgeht und 4 weitere, nicht weniger schöne Elfen erscheinen. Sprachlos lasse ich meinen Kakao sinken.
Unsere Kleidung trocknet schnell und hinterlässt kleine Dampfwölkchen, während wir weiter fragen:
„Und das schafft sonst der Weihnachtsmann alleine?“
„Ja klar, der ist geübter als Ihr!“ nickt eine der Schwestern.
„Ähm. Und wie funktioniert diese Magie?“ will Pi wissen. Darauf bekommt er – natürlich – keine Antwort.
„Wir helfen doch gerne…“ meint Chris sarkastisch, „Haben ja keine Wahl!“ Herzhaftes Lachen setzt ein. „Nein ehrlich, wir helfen, ist doch klar.“
Und so kommt es dann auch. Fünf Schlitten stehen vor dem Haus. Angeblich sehe ich auf meinem Schlitten dann aus wie ein Weihnachtsmann. Mit dickem Bauch und wallendem weißen Bart unter der Kapuze des schweren roten Mantels.
„Mensch, steht Dir gut!“ lacht Klaas. Ich betrachte ihn und lache, als ich sehe, dass meine 4 Gefährten aussehen wie ein klassischer Weihnachtsmann.
„Wo bitte sind wir hier eigentlich?“ frage ich dann doch.
„Naja, der Nordpol halt. Aber er gefiel uns nicht, also haben wir außer Berge, die uns schützend umgeben, Wald erschaffen.“ Meint meine Begleiterin lakonisch.
„Na dann…“ brumme ich, „Lasst die Spiele beginnen!“
„Das sind keine Spiele!“ protestieren fünf helle, melodische Elfenstimmen lauthals.
„Sorry… meinte das ja nicht so.“ rudere ich schnell zurück und steige auf meinen vollbeladenen Schlitten. Mir ist unwohl dabei. Ist ja nicht so, dass ich keine Höhenangst habe, nein, ich doch nicht….denke ich noch, als mein Schlitten sich rasant in die Höhe begibt. Tapfer schlucke ich und halte mich krampfhaft am Schlitten fest, als dieser im 90 Gradwinkel zum Himmel emporsteigt. Immerhin – die Kleidung wärmt perfekt! Die Elfe leitet mich gut an, sagt mir, wann ich was abwerfen muss – der richtige Sack liegt immer griffbereit. Magie halt. Ab und an muss ich aussteigen und mich durch einen Schornstein zwängen. Hört sich schlimm an, was? Aber auch hier greift die Magie und ich rutsche sanft hinab. Nehme mir dort, was für den Weihnachtsmann hingestellt wurde, trinke ein wenig, begebe mich zum Kamin – im Idealfall – manchmal auch zum Fenster – und schwebe dank der Elfe zum Schlitten hoch. Na, hoffentlich ruft keiner die Polizei wegen mir und behauptet ich sei ein Einbrecher!
Eine gefühlte Ewigkeit später, mir ist übel von den vielen Getränken, die Taschen habe ich mit den Keksen gefüllt, die ich nicht mehr essen konnte und unter dem Mantel verbergen sich tausende lieber Briefe und Bilder von Kindern, komme ich mit dem Schlitten und der sichtbar amüsierten Elfe wieder am Haus an. Weiße Eiskristalle verleihen dem blonden Lockenhaar meiner Begleiterin zusätzlichen Glanz, treffe ich meine Freunde vor dem Bauernhaus wieder. Sie sehen alle etwas grünlich um die Nase herum aus und stöhnen.
„Habt Ihr auch so viele Briefe?“ frage ich gequält. Mein Magen schmerzt. Sie nicken, alle Vier.
„Ob wir die dem richtigen Weihnachtsmann…“ beginne ich vorzuschlagen und treffe auf Zustimmung:
„… bringen können! Ja, super Idee!“ die Elfen nicken zustimmend. „Er ist so besorgt… kommt, wir führen Euch in seine Kammer!“
Die Stiefel sorgfältig abtretend folgen wir den Elfen. Die kleinen Wesen, ich weiß inzwischen, dass es Kobolde sind, turnen zwischen uns umher und wollen wissen, wo es den leckersten Tee gab und welche Kekse besonders gut sind. Lachend entleere nicht nur ich meine riesigen Taschen und gebe den Kobolden die erbeuteten Kekse. Dann stehen wir vor einer weiteren großen Holztür. Leise öffnet die Elfe, die uns anfangs begrüßt hat, die Tür. Sie betritt die Kammer und zieht die Tür hinter sich zu. Wir verstummen, halten fast den Atem an. Bis die Tür sich öffnet.
„Es geht ihm schon besser. Er ist total besorgt und wartet auf Euren Bericht. Kommt!“ fordert sie uns auf. Wir folgen ihr leise. Betreten eine geräumige Kammer mit großen Fenstern. Die Wände sind geschmückt mit unzähligen Kinderzeichnungen. Ein Schreibtisch, riesig und scheinbar uralt, steht schwer vor dem Fenster. Auch hier lodert ein freundliches Feuer im offenen Kamin, daneben ein schwerer alter Wandschrank. Überall stehen Truhen um her. Ein großes altes Bett, mit Blau-weiß karierter Bettwäsche bezogen, steht  mitten im Raum. Das klassische Bild eines Weihnachtsmannes liegt dort drin: faltig das Gesicht, lächelnde wache Augen, auch den Mund zieren unzählige Lachfalten. Gutmütigkeit ist im Gesicht zu sehen. Das lange weiße Haar liegt auf dem Kopfkissen, in das der Kopf schwer versinkt. Eine dicke Federdecke bedeckt den Körper, die Arme liegen auf der Decke. Bei unserem Näherkommen setzt der alte Mann sich auf. Freundlich klingt seine Stimme und warm, als er uns begrüßt:
„Ich bin Euch so dankbar für die Hilfe! Setzt Euch aufs Bett und erzählt!“
Gerne kommen wir dem nach und berichten. Er will alles wissen. Wir geben ihm die unzähligen Briefe und Bilder, während wir berichten. Er hört uns aufmerksam zu, stellt hier und da eine Frage. Dann nickt er erschöpft.
„Die Elfen werden Euch entlohnen. Ich ruhe jetzt und dann schaue ich mir die Briefe und Bilder an! Auf jeden Fall bin ich Euch unendlich dankbar! Ihr habt gute Herzen!“ lobt er uns. Verlegen murmeln wir was wie
„Ist doch selbstverständlich!“ und „Gern geschehen!“, bevor wir aufstehen und leise die schöne Kammer verlassen.
Draußen empfängt uns die Elfe, die wir als Erstes sahen. „Kommt, Ihr Lieben! Eure Belohnungen liegen bereits beim alten Harms! Es wird Zeit….“ Wir folgen ihr. Aus der angenehmen Wärme in die Kälte. Dort sind die kleinen Kobolde und die anderen Elfen versammelt. Sie bilden Spalier. Wir bleiben gerührt stehen. Am Ende des Spaliers steht ein golden glänzendes Portal. Es schimmert, strahlt.
„Wir sind Euch so dankbar!“ hören wir, und „Hoffentlich dürft Ihr uns mal besuchen kommen!“ Herzlich werden wir umarmt, manch ein Kobold springt hoch und gibt uns Fünfe, wie es so schön heißt.
„Dort entlang geht es zurück.“ Meint die Elfe mit heller Stimme. „Bleibt gesund und vergesst uns nicht!“
Irgendwie verschwimmt der Weg vor mir. Was nur mit meinen Augen ist, ich glaube ich brauche eine Brille, denke ich, als Chris mit verweinter Stimme meint:
„Nie könnte ich das hier vergessen! So glücklich habe ich mich nicht mal als Kind gefühlt…“ Ich wische mir über die Augen. Sehe mich um und merke, dass es nicht nur mir so geht. Leise lache ich, als ich zusammen mit meinen Bandfreunden durch das schimmernde Portal schreite. Langsam.
Der Keller ist dieses Mal erhellt. Vor uns ist die Tür zur Treppe. Benommen schüttle ich mich ein wenig und überlege, ob ich geträumt habe. Aber die leisen Gespräche der Anderen sagt mir, dass es die Wirklichkeit war. Wir gehen langsam die Treppe hinauf. In die Werkstatt. Dort arbeitet die Enkelin wieder oder immer noch an der Drechselbank, während der alte Harms uns breit grinsend entgegenkommt. Ein wenig sieht er selber aus wie ein Weihnachtsmann, denke ich, als er uns einen nach dem anderen auf die Schulter klopft.
„Bin stolz auf Euch, Jungs!“ bemerkt er und schlurft dann zum großen Tisch. „Hab hier bisschen was für Euch…“ brummt er. Er reicht uns nacheinander jedem kunstvoll verzierte Instrumente: Ein Cello für Chris, ein 8seitiger Bass für Klaas. Niklas bekommt zwei neue Becken und Pi eine Gitarre mit Doppelsteg. Mir reicht er eine kunstvoll verzierte Konzertgitarre. Unsere eigenen Instrumente liegen ebenfalls dort.
„Alle überholt und heile!“ brummt er, auf die alten Instrumente deutend. „Nun probiert mal den neuen Kram!“ Gehorsam, immer noch verblüfft – was für ein Abenteuer! – betreten wir den kleinen Proberaum. Stöpseln die Instrumente ein. Stimmen, was zu stimmen ist. Schon dabei fällt der Klang besonders auf: sehr reine Klänge, volltönig und sauber. Als ob die Instrumente schon eingespielt sind.
„Wau…“ entfährt es mir, als ich die Saiten erklingen lasse. Wie von selber spielt das Instrument, als ob es ahnt, was ich vorhabe. Nur wenige Minuten später erklingt Credo – als Instrumental. Wie von selbst. Ohne uns zu besprechen. Was für eine Melodie… Klar, klangvoll, fast elfisch. Begeistert lauschen wir dem Klang der letzten Töne nach, dann …. Reden wir alle durcheinander. Lachend unterbricht uns der Alte:
„Schluss jetzt! Hab noch viel zu tun mit meiner Kleinen da! Hopp, ab nach Hause mit Euch!“ wirft er uns gutmütig regelrecht aus seiner Werkstatt.
„Sehen uns ja nächstes Jahr wieder!“
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