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Dein rettendes Lachen

GeschichteSchmerz/Trost, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
Alexis Rhodes Hakase Fudo Jaden Yuki Yusei Fudo
17.12.2020
25.04.2021
25
118.129
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17.12.2020 4.763
 
Hallo liebe FF Fans! Kurzes Vorwort: Es treten einige Charaktere aus 5Ds und GX auf, jedoch nicht in der Welt aus der Serie, sondern in Japan (Gut ok, Neo Domino, aber nur weil ich den Namen der Stadt so mag :D). Ich hatte Lust auf eine Oldschool Schul-FF, da ich bei der anderen aktuell ne Schreibblockade habe xD

Protagonisten sind Yusei und Jaden. Ich habe ihre grundlegenden Wesenszüge beibehalten, auch wenn Yusei ein klein wenig anders als im Anime ist, was einfach daran liegt, dass er in meiner Geschichte eine ganz andere Kindheit hat.

Edit: Da mich das jetzt schon viele gefragt haben: Das japanische Schulsystem ist wie folgt aufgebaut:
6 Jahre Grundschule
3 Jahre Unterstufe
3 Jahre Oberstufe
4 Jahre Uni

Wer Yaoi nicht mag, wird hier nicht glücklich :) für alle anderen: Viel Spaß beim Lesen!


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Der Wecker klingelte. Jetzt schon? Grummelnd stellte ich das nervige, kleine Gerät aus und öffnete meine Augen. Wie immer schlief ich unruhig in der Nacht. Ich ließ meinen Blick durchs Zimmer schweifen. Die Wände weiß, das Zimmer minimalistisch eingerichtet. Mein Bett, ein Schreibtisch auf dem mein Laptop und eine Lampe steht, Drehstuhl, Kleiderschrank und ein großer Spiegel. Das wars. Naja, wenn man von den drei Umzugskartons absah, die mit einem Laken abgedeckt hinter meinem Spiegel standen. Ein Seufzer kam über mich und ich schlug die Decke zur Seite, um mich für die Schule fertig zu machen.

Ich ging ins Bad und stieg unter die Dusche. Meine schwarzen Haare, mit den blonden Strähnen, ließen sich, wie immer, nicht bändigen. Sie standen zu allen Seiten ab, aber irgendwie mochte ich es. Als ich fertig war, zog ich mich an und sah noch einmal kurz in den Spiegel. Meine Schuluniform bestand aus einer schwarzen Hose mit dazu passender Jacke, auf dem das Schulwappen prangte. Ein roter Drache auf gelbem Grund. Dazu ein weißes Hemd und eine Krawatte, ebenfalls mit dem Wappen der Schule. Letztere hasste ich wie die Pest. Wie soll man mit dem Ding richtig Luft bekommen? Ich band sie mir deshalb nur sehr locker um, und hoffte, die Lehrer würde es nicht stören. Ich packte meine braune Umhängetasche für die Schule und ging die Treppe runter zur Küche, wo ich sie gleich abstellte. Da begrüßte mich mein Vater.

„Hey, mein Junge, gut geschlafen?“ sagte er gut gelaunt und reichte mir mit einem Lächeln mein Frühstück. Mehr als ein zustimmendes „Hm“ bekam er nicht als Antwort. Ich kann nicht verstehen, warum er so gut drauf ist, oder zumindest so tut. Ich glaube, diese Fassade hält er nur meinetwegen aufrecht. Damit ich mich besser fühle, aber damit erreicht er nur das Gegenteil. Missmutig stocherte ich auf meinem Teller herum, was ihm natürlich nicht entging. „Die neue Uniform steht dir“ versuchte er mich aufzumuntern. „Die Alte gefiel mir besser“ gab ich leise zurück. Vor etwas mehr als einer Woche sind wir aus dem Nichts von Osaka nach Neo Domino gezogen. Dabei musste ich all meine Freunde zurücklassen. Zu allem Überfluss war ich der Kapitän des Fußballteams und wir standen kurz vor der Schul-Regionalmeisterschaft.

Er seufzte. „Yusei, du weißt warum wir umziehen mussten. Meine neue Stelle bringt uns etwas mehr Geld ein, was wir auch brauchen.“ Nein, rede dir nicht ein, dass das der einzige Grund war. Ich hatte einen Nebenjob in der Werkstatt, wir hätten das auch ohne die neue Stelle geschafft. Du weißt, warum wir wirklich weg von alldem sind. Das hätte ich ihm gern gesagt. Stattdessen antwortete ich nur mit einem Wort: „Sicher.“ Er drehte sich um, um den Teller in die Maschine zu stellen, dabei sagte er fast schon gezwungen beiläufig: „Sag mal, hat sich Kalin mal wieder gemeldet?“ Der Griff um die Gabel in meiner Hand wurde fester. Er war mein bester Freund in der alten Schule und ich vermisste ihn schrecklich. „Ja. Er ist jetzt der neue Kapitän und es läuft wohl ganz gut mit dem Team.“ Ich hatte es endlich geschafft, mir das Frühstück reinzuzwingen. „Ich muss los“ sagte ich und stand auf um mir die Tasche zu schnappen. „Soll ich dich hinfahren?“ „Nein, schon gut ich nehm das Motorrad“ antwortete ich schnell, ehe er mir widersprechen konnte und ging zur Tür raus. Er mochte es nicht, wenn ich damit fuhr. Er fand es immer zu gefährlich. Vor allem in letzter Zeit versuchte er ständig es mir auszureden. Aber es ist eines der wenigen Dinge, die ich aus meinem alten Leben hatte, ich wollte das nicht auch noch verlieren. Außerdem habe ich zwei Jahre gebraucht um es zu restaurieren. Vorher war es nur ein Haufen Schrott.

Die Straße war herrlich frei trotz der Uhrzeit. Ich genoss das Gefühl des Windes in meinem Gesicht und der Sonne, die mich wärmte. Ich liebte die Schnelligkeit, mit der ich über die Straßen dieser Stadt fahren konnte. Ich gebe zu, das ist ein Pluspunkt gegenüber Osaka. Die Schule war nicht sehr weit entfernt, ich brauchte nur 15 Minuten. Ich fuhr mein Motorrad auf den Parkplatz vor der Schule und nahm den Helm ab. Anscheinend war ich nicht der Einzige, der auf diesem Weg in die Schule gelangte. Hier standen ein paar wirklich schöne Maschinen herum. Ich betrachtete den Ort, an dem ich mein letztes Jahr in der Oberstufe verbringen würde. Das Schuljahr hatte schon vor einigen Wochen begonnen, also wäre ich wieder der Neue. Ich seufzte. Wirklich Lust auf neue Freunde hatte ich nicht. Ich wollte nur meine Alten wiedersehen. Neben mir lief eine kleine Gruppe Mädchen vorbei. Als sie mich sahen fingen sie an zu tuscheln und zu kichern. Vermutlich erster Jahrgang.

Langsam ging ich ins Gebäude und sah mich um. Wo war das verflixte Direktorat? „Hey, du musst neu hier sein, kann ich dir helfen?“ ertönte eine Stimme hinter mir. Ich drehte mich um und sah in die bernsteinfarbenen Augen eines rothaarigen Mädchens. Sie trug die gleiche Uniform wie ich, nur hatte sie statt der Hose einen Rock an, der vermutlich nicht standardmäßig so kurz war. Mit einem höflichen Lächeln und einem leichten Rotschimmer auf ihren Wangen wartete sie auf meine Antwort und legte den Kopf schief. Sie war wirklich niedlich. „Ja, weißt du wo ich den Direktor finden kann?“ „Direktor Crowler? Sicher, der ist die Treppe hoch und dann rechts den Gang entlang. Dritte oder Vierte Tür auf der linken Seite, ist ausgeschildert“ sagte sie. „Ich bin übrigens Aki Izayoi aus der 11B, freut mich dich kennenzulernen!“ Schade, ein Jahrgang unter mir. Wäre schön gewesen, zumindest jemanden aus meiner Klasse zu kennen. Ein kleines Lächeln huschte über meine Lippen. „Mein Name ist Yusei Fudo, freut mich ebenfalls. Und Danke.“ Damit folgte ich ihrer Beschreibung und bemerkte nicht, dass ich sie mit hochroten Wangen zurückließ.

An der Tür angekommen, klopfte ich und wurde hereingebeten. Es war ein typisches Zimmer für den Direktor einer Schule. Die Wände waren voll mit Aktenschränken und Bücherregalen, sowie Auszeichnungen für akademische Leistungen vergangener Jahrgänge. In der Mitte des Raums stand ein großer Schreibtisch, hinter dem ein langer, dünner Typ mit blondem Pferdeschwanz saß. Trug der Kerl ernsthaft lila Lippenstift? Dann riss er mich mit seiner schrillen Stimme aus meinen Gedanken. „Ah Willkommen, willkommen! Du musst Yusei Fudo sein. Setz dich doch.“ Damit deutete er auf einen der beiden Stühle vor dem Tisch. Während ich mich setzte, holte er eine schmale Akte von einer Ablage hinter ihm, setzte sich und blätterte sie durch. „Also Fudo-kun du hast hervorragende Noten und ausgezeichnete Bewertungen aus den Klubs in Osaka. Wie ich sehe warst du Kapitän der dortigen Fußballmannschaft, ist das richtig?“ Ich nickte „Nun, wir haben ebenfalls ein gutes Team an der Schule, vielleicht willst du dich ja mal vorstellen." Nein danke. Ich hatte ein Team, wieso sollte ich mir ein Neues suchen? Das kam mir wie Verrat vor. „Nein, ich wollte noch keinem neuen Klub beitreten“ antwortete ich stattdessen wahrheitsgemäß.

Er stutzte. „Schade. Nun, wie dem auch sei, hier ist dein Stundenplan. Deine Bücher hast du sicher bereits?“ Wieder nickte ich und nahm den Zettel an mich. Es klingelte. Verdammt, war ich wirklich so spät dran? „Oh der Unterricht beginnt bereits, nun aber husch, husch in die Klasse! Ich begleite dich noch bis zu deinem Klassenzimmer!“ Während wir die Gänge entlangliefen, schwafelte der Kerl mich über die Geschichte dieser Schule zu. Das Gerede war nicht mehr als ein Rauschen im Hintergrund, stattdessen betrachtete ich den Stundenplan in meiner Hand. Ich hatte gleich Mathe, Klasse 12C, bei Sensei Flannigan. Wir waren angekommen.

Crowler machte die Tür auf, schob mich rein und ließ mich dann völlig perplex vor der Klasse direkt neben der Lehrerin stehen. Bevor er die Tür zuschob, sagte er schnell noch: „Sensei Flannigan, das ist Ihr Neuzugang, viel Spaß!“ Was war das denn? Die Lehrerin klatschte einmal in die Hände und ließ sie dann in der Position, während sie mich euphorisch anlächelte. „So, ein paar Minuten zu spät, ich hoffe das wird nicht zur Gewohnheit. Freut mich dich in unserer Klasse willkommen zu heißen! Willst du dich kurz selbst vorstellen?“ Ab ins kalte Wasser. Sie sah unscheinbar und nett aus, mit ihren langen, blauschwarzen Haaren, doch ich fürchte mit ihr darf ich es mir nicht verscherzen.

„Ähm, sicher.“ Ich drehte mich zu den neugierigen Augen meiner neuen Klasse. Was sollte ich denn jetzt sagen? „Mein… Name ist Yusei Fudo und ich bin vor kurzem aus Osaka hergezogen.“ Das reicht doch als Information, oder? Anscheinend wollten sie noch irgendwas hören. Einen gefühlt unendlichen Moment legte sich eine peinliche Stille über den Raum, bis Sensei Flannigan sie durchbrach. „Na schön, dann Willkommen in Neo Domino Fudo-kun. Da hinten ist noch ein freier Platz, ich hoffe du hängst im Stoff nicht zu sehr hinterher.“ In der vorletzten Reihe sah ich einen freien Platz am Fenster und ging hin um mich zu setzen, während alle Augen auf mich gerichtet waren. Wie ich es hasse im Mittelpunkt zu stehen. Als ich mich setzte um meinen Notizblock, sowie das Mathebuch und ein paar Stifte rauszuholen, galten die Blicke meiner Mitschüler noch immer mir. Ich versuchte stur auf die Tafel zu sehen, an der die Lehrerin gerade eine Gleichung schrieb. Langsam drehten sich auch die Köpfe der anderen um, bis auf einen ziemlich großen Jungen, mit kurzen, blonden Haaren und zwei längeren, dünnen Strähnen, die sein Gesicht umrahmten. Er saß schräg vor mir und seine violetten Augen schienen mich zu fixieren. Was schaut der Typ denn so? Ich starrte zurück und endlich wanderten auch seine Augen wieder nach vorn.

Von wegen ‚Ich hoffe du hängst im Stoff nicht zu sehr hinterher‘. Den Stoff, den sie an die Tafel schrieb, hatten wir bereits am Ende unseres zweiten Jahres. Ich versuchte ihr trotzdem zu folgen, doch nach einer Weile stütze ich den Kopf auf meiner Hand ab und schweifte mit meinem Blick aus dem Fenster. Unten auf dem Platz hatte eine andere Klasse Sport. Ich erkannte den Rotschopf wieder, der gerade ein Paar Aufwärmrunden lief. Wie war ihr Name? Aki glaube ich. Der Platz sah sehr gepflegt aus. Um das große Rasenstück führte eine Leichtathletikstrecke und dahinter konnte man einige Sandbahnen sehen. Vermutlich wurden die nur für den Weitsprung genutzt. Um diesen Platz waren teilweise Tribünen aufgebaut.

Ein Knall riss mich aus meinem Gedanken und ich zuckte zusammen. Ich war anscheinend nicht der Einzige, der geträumt hatte. Der Junge mit dem nach obenstehendem, orangefarbenem Haar rechts neben mir ist gerade von seinem Stuhl gefallen und der Rest der Klasse lachte. Sensei Flannigan hatte ihr Lineal auf dem Tisch aufschlagen lassen und blickte wütend auf die Stelle, an der der Junge sich hochzog um sich wieder zu setzen. „Hogan-kun, wie oft habe ich dir schon gesagt du sollst in meinem Unterricht nicht schlafen? Und du“ damit zeigte sie auf mich und nahm ein Stück Kreide „für dich scheint das alles Wiederholungsstoff zu sein, also komm doch bitte nach vorn und löse die Gleichung an der Tafel!“ Ich schluckte und hörte das Getuschel einiger Schüler. Zögerlich stand ich auf und ging auf die Tafel zu. Währenddessen musste ich mir die Gleichung selbst einmal ansehen, da ich wirklich nicht zugehört hatte. An der Tafel angekommen nahm ich das mir gereichte Stück Kreide und schrieb ohne zu zögern den Lösungsweg samt Lösung daneben. Ein Raunen ging durch die Klasse und ich hörte das Getippe auf den Taschenrechnern. Die Lehrerin sah mich verwundert an. Hatte ich was falsch gemacht? Die Lösung ist doch richtig.

„Kann ich mich wieder setzen?“ fragte ich sie kühl und wusste nicht recht was ich jetzt tun soll. Als sie mir als Antwort ein Nicken gab, legte ich das Stück Kreide wieder hin und ging zu meinem Platz. „Streber“ hörte ich es neben mir grummeln. Ich bin mir sicher, das kam von diesem orangefarbenen Igelkopf, und ignorierte ihn. Einige Zeit später hörte ich endlich das erlösende Klingeln und holte meinen Stundenplan wieder hervor.

„Wir haben jetzt Japanisch bei Sensei Banner, hier im Klassenzimmer, also musst du den Raum vor Sport in der Dritten nicht verlassen!“ hörte ich eine Stimme hinter mir. Als ich meinen Kopf drehte, sah ich ein Mädchen mit langen, blonden Haaren und nussbraunen Augen, die über meine Schulter auf den Zettel in meiner Hand blickte. Zwischen ihrem Gesicht und meinem lagen nur wenige Zentimeter. Dafür, dass ich sie nicht kenne, kommt sie mir ganz schön nah. Ich bemerkte auch die kleine Traube an Mädchen aus meiner Klasse, die sich um meinen Tisch gebildet hatte. Die Blondine stellte sich als Alexis Rhodes vor. Ihre zwei Freundinnen zu meiner Rechten waren Luna und Mizuki. Als ich an ihnen vorbei sah, blickten mich einige Jungs, darunter auch der lange Blonde und der Igelkopf, missmutig an. Hatte ich mir etwa jetzt schon Feinde gemacht? Wie?

Währenddessen schnatterten meine Mitschülerinnen munter weiter, doch ich war zu abgelenkt und bekam nur die Hälfte der Namen mit. „Wie ist es denn in Osaka?“ fragte mich eine kleine Braunhaarige. Ich glaube ihr Name war Anzu. „Ähm… ganz schön, ich habe gern dort gelebt.“ „Und warum seid ihr dann umgezogen?“ Ich glaube sie hieß Mizuki. Sie hatte schwarze Haare, jedoch viel kürzer als die von dieser Anzu. Die Antwort auf diese Frage ließ mich verstummen. Ich hatte plötzlich einen dicken Kloß im Hals. Das war doch meine Sache. „Jobwechsel“ antwortete ich kühl und entschuldigte mich um aufzustehen und den Raum zu verlassen. Hinter mir standen die jungen Frauen mit verdutzten Gesichtern.

Ich wollte nur allein sein, verdammt! Nicht schon wieder! Ich ging ins Bad und spritzte mir kaltes Wasser ins Gesicht, um die aufkommende Panik zu unterdrücken. Ich biss die Zähne zusammen, stützte mich mit den Armen am Waschbecken ab und hielt es dabei so fest, dass meine Knöchel weiß wurden. Ich versuchte angestrengt meine Atmung zu kontrollieren, die immer schneller ging. Was ist nur los mit mir? In letzter Zeit hatte ich das ständig.

„Alles in Ordnung?“ hörte ich eine Stimme hinter mir. Erschrocken ließ ich von meiner Starre ab und drehte mich um. Vor mir stand ein Junge, etwas kleiner als ich, mit braunem, kurzem Haar, dass in der Länge dunkler wurde. Seine kastanienbraunen Augen waren so warm. Ich hätte mich in seinem besorgten, weichen Blick verlieren können. Mein Herzschlag beschleunigte sich, mein Magen verkrampfte. Wie lange starrte ich ihn jetzt eigentlich schon an? Es dauerte, ehe ich meine Stimme wiederfand. „J- Ja, es geht schon, mir … ist nur etwas übel.“ Er kam ein paar Schritte auf mich zu. Ich spürte wie mir die Hitze ins Gesicht stieg. Warum? Ich war doch sonst immer so ausgeglichen? Was ist hier los? Er war mir schon ganz nah, als er seine Hand auf meine Stirn legte. Ich ging einen Schritt zurück, stieß mit dem Rücken gegen das Waschbecken und hielt mich daran fest. Was macht der Kerl da? Wieder sah ich hinab in diese warmen, kastanienbraunen Seen und mein Herz legte noch einmal an Tempo zu. Langsam tat es weh, so wie es gegen meine Rippen hämmerte.

„Ich glaub du hast Fieber, soll ich dich ins Krankenzimmer begleiten?“ sagte er und schaute mich noch immer besorgt an. „Nein“ sagte ich langsam und schüttelte leicht den Kopf „Nein, ich schaff das schon allein.“ Sein Gesicht erhellte sich. „Ach was! Komm schon, du bist neu hier oder? Ich hab dich noch nie gesehen.“ Er packte mich am Handgelenk und zog mich zum Ausgang. Völlig verwirrt, und mit wackligen Beinen folgte ich ihm wie ferngesteuert Richtung Krankenzimmer. Auf dem Weg dahin stellte er sich als Jaden Yuki vor. Er ging in die 11A. Am Ziel angekommen, ließ er endlich von meinem Arm ab und öffnete die Tür.

„Martha!“ rief er. „Hey, Martha der Neue fühlt sich nicht wohl!“ Da ratterte es bei ihm. Er drehte sich zu mir um und ich schreckte kurz zurück. „Du hast mir noch gar nicht gesagt wie du heißt!“ sagte er und zog eine Augenbraue hoch. Ehe ich antworten konnte, kam eine etwas ältere Frau mit dunkelbraunen, fast schwarzen, langen Haaren um die Ecke, legte die Hände in die Hüften und maßregelte den Jungen vor mir. „Yuki-kun, jetzt brüll doch nicht so rum, hier brauchen ein paar Schüler Ruhe!“ Ihr Blick war streng, doch als ihre Augen zu mir wanderten, wurde ihr Gesicht wieder weich und herzlich. „Dich habe ich hier noch nie gesehen, du musst neu sein. Oder sonst bei bester Gesundheit. Was fehlt dir denn, Junge?“ Bevor ich jedoch antworten konnte, übernahm das Jaden für mich. „Ich hab ihn im Bad kennengelernt. Er war erst kreidebleich und hat dann Fieber bekommen.“ Martha musterte mich. „Hat denn der Schüler, der anscheinend keine eigene Stimme hat“ in dem Augenblick sah sie Jaden an, bevor sie wieder mit mir sprach. „auch einen Namen?“ „Yusei Fudo“ sagte ich kleinlaut. Sie lächelte. „Ein schöner Name. Na komm, leg dich auf ein freies Bett, dann untersuche ich dich. Bei welchem Lehrer hast du denn jetzt Unterricht?“ Ich setzte mich in Bewegung und versuchte mich an den Namen zu erinnern. Alexis hatte ihn mir extra noch gesagt, dann fiel er mir wieder ein. „Sensei Banner.“ Sie nickte und ging wieder zu Jaden, der, warum auch immer, noch im Türrahmen stand, um ihm irgendetwas zu sagen. Dann verschwand er, nachdem er mir noch kurz gewunken hat.

Wieder wurde ich rot. Sein Lächeln war dabei so ehrlich und herzlich. Martha kam wieder auf mich zu, zog die Vorhänge zurecht, sodass uns niemand sah und bat mich meinen Oberkörper frei zu machen, um mich abhören zu können. Im Hintergrund hörte ich das Schellen der Klingel. Sie schaute mir vorher nochmal in den Rachen und legte mir ein Thermometer in den Mund. Als sie fertig war, zog ich mich wieder an. „Also deine Vitalwerte sind sehr gut, auch deine Temperatur ist in Ordnung. Allerdings bist du wirklich etwas blass. Bis zum Ende der Stunde kannst du dich etwas hinlegen, dann fühlst du dich gleich besser.“ Ich nickte, schließlich hatte ich seit Wochen nicht mehr durchgeschlafen. Vermutlich war ich wirklich nur erschöpft.

Ich legte mich hin und döste weg, bis die Schulklingel mich wieder weckte. Ich fühlte mich etwas gerädert, doch besser als vorher. War ich wirklich nur müde?

Ich bedankte mich bei Martha und lief zurück in das leere Klassenzimmer. Wir hatten jetzt eine Doppelstunde Sport. Schnell packte ich meine Sachen zusammen und rannte raus, um pünktlich zu sein. Ich hatte zwar nicht erwartet am ersten Tag gleich Sport zu haben, und deswegen hatte ich auch keine Wechselsachen dabei, doch wollte ich zumindest nicht zu spät kommen. Auf dem Sportplatz angekommen sah ich den Lehrer. Verdammt wie war sein Name? „Sensei Ushio?“ fragte eine Stimme. Sie kam von dem Orangehaarigen. Der Lehrer drehte sich zu ihm als der Junge, beladen mit Hütchen, weitersprach. „Wohin damit?“ „Verteil sie da hinten! So wie in der letzten Stunde!“ antwortete der dunkelhaarige Mann mit der Narbe im Gesicht. Dieser Hogan rauschte genervt ab als er mich sah. Was zum Teufel hat er gegen mich? Wir haben nicht mal ein einziges Wort miteinander gewechselt! Der Lehrer starrte mich an. „Hey du, wer bist du und warum bist du noch nicht umgezogen?“ „Ich bin Yusei Fudo. Ich habe leider meine Sportklamotten nicht mit“ sagte ich, wobei ich bei meinen letzten Worten etwas kleinlaut wurde.

Der Typ stöhnte genervt. „Dann leih dir welche beim Zeugwart, der sollte deine Größe noch haben. Wenn du zu spät kommst, lass ich dich fünf Strafrunden laufen! Du hast noch neun Minuten!“ Dann pfiff er in seine Pfeife und erwartete vermutlich, dass ich zum Zeugwart renne. Aber ich hatte nicht die leiseste Ahnung wo zum Teufel der steckt. „Wird’s heute noch?“ fragte er und funkelte mich wütend an. „Kann ich helfen?“ ertönte eine Stimme hinter mir. Ich drehte mich um. Es war Alexis. Endlich ein freundliches Gesicht. „Ja, ich habe meine Sportsachen vergessen, kannst du mir zeigen wo ich mir welche leihen kann?“ Sie nickte. „Klar, folge mir!“ Zügig gingen wir vom Platz. Hinter mir hörte ich die Stimme von Sensei Ushio. „Acht Minuten!“ Der Kerl geht mir jetzt schon auf den Keks.

„Da hinten!“ sagte Alexis. „Dort kannst du dir die Sachen ausleihen, und dort drüben sind die Umkleiden. Also, bis gleich!“ Sie schenkte mir noch ein Lächeln, hob die Hand und rannte wieder auf den Platz. Langsam musste ich mich beeilen. Ich holte mir die Klamotten und zog mich um. In letzter Sekunde schaffte ich es pünktlich auf den Platz. Zumindest die Strafrunden blieben mir erspart. Nach zwei Runden zur Erwärmung gingen die Mädchen zu einer anderen Trainerin und wir hatten weiterhin diesen Sensei Ushio. Da hier wohl bald ein Zehnkampf stattfand, trainierten alle Schüler in den unterschiedlichen Disziplinen für den Wettbewerb. Heute waren es Weitsprung und 100m Lauf. Beim Weitsprung schaffte ich es zumindest in die Top drei der Klasse. Das brachte mir schon wieder diese feindseligen Blicke dieser beiden Jungs ein. Wenn sie ein Problem mit mir haben, könnten sie auch einfach auf mich zugehen, aber nein. Stattdessen veranstalten die hier so einen Kindergarten.

Beim 100m Lauf startete ich natürlich auch unbedingt gegen diesen orangehaarigen Sturkopf. „Auf die Plätze!“ schrie der Trainer. Mein Kontrahent sah noch einmal zu den Mädchen und grinste. Was soll das, müsste der sich nicht konzentrieren? „Fertig!“ Ich spannte meinen Körper an. Sprintübungen waren nicht schwer für mich, ich war meist schneller als die anderen. „Los!“ Der Pfiff ertönte und wir rannten los. Er ist schnell, das muss ich zugeben, aber ich habe nicht vor gegen diesen Sturkopf zu verlieren. Wir rannten über die Ziellinie, und der Trainer stoppte die Zeit. Es war eng aber den Zweikampf hatte ich gewonnen. Als ich meine Atmung langsam wieder unter Kontrolle hatte, reichte ich ihm meine Hand. Das war eine Frage des Respekts. Er sah mich an, ebenfalls außer Atem, knurrte und schlug kurz ein. Dann ging er zu seinen Freunden. War das jetzt ein Erfolg oder hasste er mich nun noch mehr?

Ich hörte die Stimmen unserer Mitschülerinnen. „Gut gemacht, Fudo-kun! Crow hat bisher noch niemand im Sprint geschlagen!“ Damit hatte ich jetzt wohl meine Antwort. Anscheinend sah er mich als Bedrohung. Klasse.

In der Mittagspause ging ich zu den Tribünen und setzte mich in die vierte Reihe von unten. Ich wollte mich zurückziehen und die Spannung zwischen mir und meinen männlichen Klassenkameraden nicht weiter ausbauen. Anscheinend waren der lange Blonde und dieser Crow so etwas wie die Anführer der Gruppe. Da passte ich natürlich nicht ins Bild. Ich kannte Kerle wie die Beiden aus meiner alten Schule nur zu gut, auch Kalin war anfangs so. Aber da habe ich mich ihnen gestellt. Nach dem Essen hatte ich noch zu viel Zeit, als dass ich ins Zimmer gehen konnte, also holte ich ein recht dickes, abgegriffenes Buch aus meiner Tasche heraus und las darin.

„Wer sind Miako und Hakase?“ erschrocken blickte ich zu der bekannten Stimme. „Aki“ sagte ich überrascht. Sie setzte sich zu mir. „Also?“ wollte sie wissen und legte ihren Kopf wieder leicht schräg. Ich seufzte. Sie hatte die Widmung auf dem Einband meines Buches gelesen. „Meine Eltern“ sagte ich knapp und machte Anstalten weiterzulesen. Darüber wollte ich wirklich nicht reden. Den Wink verstand sie wohl nicht. „Sie müssen sich wirklich lieben“ sagte sie und lächelte dabei. „Zum ersten Jahrestag an meine geliebte Miako. In ewiger Liebe, dein Hakase“ las sie laut vor. „Das ist echt süß!“ Meine Hände verkrampften sich wieder. Danke, ich kann lesen. Ich weiß was dort steht. „Darüber will ich lieber nicht reden“ murmelte ich nur. „Verstehe. Entschuldige.“ Sie klang geknickt. Klar, war sie zu neugierig gewesen, aber sie hatte mich ja nicht absichtlich verärgern wollen. Ich seufze wieder und klappte das Buch zu. Ihre bernsteinfarbenen Augen sahen mich traurig an. „Schon gut“ sagte ich „Tut mir leid, ich wollte dich nicht vor den Kopf stoßen.“ Das heiterte sie auf. Vorsichtig fragte sie weiter. „Worum geht’s denn in dem Buch? Das behandeln wir doch erst in der Uni, nicht?“

Ich blickte wieder auf den Einband. Shakespeares Hamlet. „Kann sein“ sagte ich und sah wieder in ihre Augen. „Es geht um einen Prinzen, Hamlet, der den Tod seines Vaters rächen, und den Thron von Claudius, seinem Onkel, zurückerobern will. Natürlich eine ziemliche Tragödie, bei der so ziemlich jede Hauptfigur am Ende stirbt.“ Aki zog die Augenbrauen zusammen. „Nicht sehr romantisch. Warum dann die Widmung?“

„Naja“ sagte ich. „Hamlet verliebt sich in die schöne Ophelia, doch ihre Liebe war verboten.“ Jetzt lächelte sie wieder. „Das klingt doch schon eher nach Romeo und Julia. Was passiert mit ihr?“ Ich überlegte einen Moment wie ich es am besten beschreiben sollte. „Sie stirbt und Hamlet verfällt dem Wahnsinn“ sagte ich knapp. Bei dieser Ironie musste ich bitter lächeln. „Hm, stehst du auf solche alten Tragödien?“

Ich schmunzelte. „Nein, ich habe das Buch in einem unserer Umzugskartons gefunden. Ich habe es nur wegen der Widmung gelesen. Aber Hamlet ist ein interessanter Charakter.“ Sie fragte mich weiter über die Geschichte aus und ich musste ihr Rede und Antwort stehen.


~ Währenddessen ~


Unten auf dem Platz spielten ein paar Mitschüler Fußball. Am Rand standen zwei bekannte junge Männer.

„Sieh dir diesen eingebildeten Fatzke an! Erst reißt er Alexis auf und dann auch noch Aki! Die zwei beliebtesten Mädchen aus ihren Jahrgängen. Dem geht’s wohl zu gut!“ sagte Crow, während er den Ball auf den Knien springen ließ und mich dabei fixierte. Der Ball fiel zu Boden und er drehte sich wütend zu seinem Freund. „Jetzt sag doch auch mal was Jack!“ Dieser lachte nur. „Du bist doch nur eifersüchtig, weil du Alexis seit der Grundschule hinterherrennst und sie trotzdem nur Augen für den Neuen hat!“ Zornesröte stieg Crow ins Gesicht. „Sag das nochmal, du Penner!“ Jack packte ihm am Kragen. „Nenn mich noch mal Penner, du Krähe!“

„Hey Jack, Crow!“ die beiden drehten sich um und ließen voneinander ab. „Hey Jaden, was willst du denn schon hier? Das Training beginnt doch erst nach der Schule“ sagte Jack. „Ich weiß, aber ich muss euch noch dringend was sagen! Leo hat sich am Wochenende das Bein gebrochen. Bis zum Wettkampf ist er definitiv nicht fit.“

„Shit, dann müssen wir wohl mit Syrus vorliebnehmen“ sagte Crow. Jaden schüttelte den Kopf. „Der ist ausgestiegen. Zu wenig Zeit, zu viele Klubs.“ Jack überlegte. „Chazz?“ Jaden hob die Augenbraue „Der hat doch vor den Sommerferien die Oberstufe beendet und geht nicht mal mehr auf diese Schule. Ist dir das nicht aufgefallen?“ Er zuckte zur Antwort nur mit den Schultern.

Entrüstet stöhnte der Orangehaarige auf. „Wo bekommen wir jetzt bitte in drei Wochen einen halbwegs akzeptablen Stürmer her?“

„Hey, Vorsicht!“ riefen einige vom Spielfeld. Der Ball flog in hohem Bogen zur Tribüne.


~ Auf der Tribüne ~


„Verstehe!“ sagte Aki und lächelte. Keine Ahnung ob sie das Ernst meint oder mich nur aufzieht. Da hörte ich einige Mitschüler vom Spielfeld schreien: „Hey, Vorsicht!“

Ich drehte mich in die Richtung, aus der der Ruf kam und sah eine Flanke direkt auf Aki zufliegen. Ziemlich guter Schuss, nur das Ziel wurde anscheinend verfehlt. Ich stand auf, nahm den Ball mit der Brust an, brachte ihn mit dem Knie in die richtige Position und schoss ihn Richtung Tor, das etwa 50 Meter entfernt war. Zu meiner Überraschung hielt der Torwart den Schuss nicht mal und er ging glatt rein. Aki folgte dem Ball mit ihren großen Augen „Das war fantastisch!“ „Hm“ sagte ich nur und sah auf die Uhr. „Wir sollten langsam wieder ins Gebäude zurück gehen.“ Sie nickte, ich packte meine Sachen zusammen und wir gingen gemeinsam die Tribüne runter, um zum Schulgebäude zurückzukehren. Plötzlich hörte ich von weiten eine bekannte Stimme. „Hey, Yusei!“ Mein Herz machte schon wieder einen Satz, als ich den braunhaarigen Jungen auf mich zu rennen sah. Geht das schon wieder los? Im Schlepptau hatte er meine beiden Lieblingsmitschüler.


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Huiuiui fast 5000 Wörter. Entschuldigt den langen Auftakt aber am ersten Tag passiert immer so viel :3
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