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Lofnlove

GeschichteLiebesgeschichte / P18 / MaleSlash
16.12.2020
23.12.2020
2
6.729
28
Alle Kapitel
18 Reviews
Dieses Kapitel
7 Reviews
 
 
16.12.2020 3.557
 
Ein ganz klein wenig Liebe für euch in diesen schwierigen Zeiten. Hoffe, ihr habt Freude daran.
Das zweite und letzte Kapitel gibt es nächsten Mittwoch.

Wünsche euch nur das Beste.
(●´□`)♡


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L o f n l o v e



Hearts are wild creatures

that's why our ribs are cages.

(unknown)






e i n s




B e v i n

Durch die angelehnte Tür fällt das warme Glimmen des Kamins, der das ganze Haus in Wärme hüllt. Doch im Moment spüre ich nichts von dieser Wärme. Ich friere, als würde der kalte Schnee Montanas mein Herz überhäufen. Schuldbewusst, aber zu stolz, um einzulenken, verharre ich in meinem Bett und betrachte die Tür, die mich von Atticus trennt, während der nordische Gott Uller gierig in meinem Schlafzimmer die Herrschaft an sich reißt. Wütend auf mich und auf ihn vergrabe ich mein Gesicht im zweiten Kissen, an dem noch ein Hauch seines Geruches haftet.

Zu verloren in meinen Empfindungen, bemerke ich nicht die Veränderung, als sich plötzlich ein anderer Körper an meinen Rücken schmiegt. Eine sonnenwarme Hand stiehlt sich unter mein Schlafshirt und streicht bedächtig über die Muskulatur meines Bauches. Sofort entspanne ich mich, werde weich und nachgiebig in seiner Nähe.

Ich bin so beschissen erleichtert, dass er zu mir kommt. Habe nicht damit gerechnet. Nicht nach meinem Auftritt eben. Nicht nachdem ich gesagt habe, dass er sich endgültig zum Teufel scheren kann und unsere ganze Zeit praktisch bedeutungslos für mich war. Ein lockeres Verhältnis neben meinen Verpflichtungen und seiner Berufung. Aber er wusste, dass ich nicht ehrlich war. Obwohl ich nicht zu Gefühlsduselei neige, berührt mich die Erkenntnis, dass er mich so gut kennt. Die Angst, dass er auf meinem Sofa schläft und wir unser kurzes Wiedersehen im Streit verbringen, verflüchtigt sich unter seiner Zärtlichkeit. Ich atme tief ein und sauge seinen ureigenen Duft, den ich so gut kenne, in meine Lungen.

„Bevin“, murmelt er und sein warmer Atem streicht über meinen Nacken. Ein warmer Schauer flimmert durch meinen Körper und mit einem Mal geht es mir bedeutend besser, obwohl ich mich wegen der ganzen Schwierigkeiten und meinen vielen kurzen Nächten wie erschlagen fühle. Er ist mein Hafen. Das spüre es jedes Mal wieder. Er ist mein Hafen, aber für alle anderen ist er wie ein Schiff, das über die Weltmeere segelt und ich niemals festgebunden habe.

Und dafür bekomme ich jetzt die Quittung.

Ich dränge mich näher an ihn, der leise brummt und seine große Hand über meine Hüfte und meinen Hintern streichen lässt. Es erstaunt mich immer wieder, wie viel diesem tonangebenden, extrovertierten Mann sanfte Berührungen bedeuten. „Wenn ich nicht so müde wäre, würde ich ganz andere Dinge mit deinem Hintern machen“, raunt er mir ins Ohr und ein Schauer durchfließt meinen Körper. Aber auch ich bin einfach zu erschöpft, um mich zu bewegen.

„Ein Abschiedsfick?“, frage ich provozierend und benutze absichtlich dieses harte Wort. Atticus schweigt und ich rechne schon gar nicht mehr mit einer Antwort, als er sie mir doch gibt.

„Wir haben niemals nur gefickt“, bestimmt er und ich weiß nicht, ob es mich freuen soll, dass er sich diesen Teil meiner Worte ausgesucht hat. Es ist ein Abschied. Wie sooft. Unwillkürlich spanne ich mich an, als würde ich meinen Panzer verstärken, um mich gegen den Schmerz zu wappnen.

Er tastet unter der Decke nach meiner Hand und schiebt seine Finger zwischen meine. Ich erwidere den Druck seiner Berührung, halte mich an ihm fest, weil ich weiß, dass er sich genauso schlecht fühlt wie ich. Und es ist nicht das erste Mal, dass ich darüber nachdenke, dass ein Neustart möglicherweise das Beste für ihn wäre. Dann könnte er einen Partner finden, der mit ihm reist und ihn nicht wie etwas behandelt, das man bei Bedarf im Schrank versteckt.  

Als ob Atticus meine Gedanken gehört hätte, schmiegt er sich noch enger an mich. Er küsst ohne Hektik die empfindliche Haut meines Nackens und hüllt mich ein in seine vertraute Wärme. Ich genieße die sanften Berührungen, die mich beruhigen und noch schläfriger machen, bis ich in seiner Umarmung einschlafe.



~*~


„Wie lange brauchst du noch?“, frage ich ungeduldig und beobachte, wie Atticus seine Klamotten in zwei Reisetaschen packt. Obwohl in mir ein herzverzerrender Sturm tobt, lehne ich mich mit einem gleichmütigen Gesichtsausdruck und mit vor der Brust verschränkten Armen an den Türrahmen. Seine Bewegungen wirken erhaben und entspannt – als würde er nicht gerade sein Leben in zwei Taschen verpacken, um meines zu verlassen. Auch wenn er etwas anderes sagt, weiß ich nicht, ob er wiederkommt. Warum sollte er? Sex kann er an jeder Ecke bekommen.

Besonders er. Attraktiv und reich und berühmt.

Und doch … es wäre so leicht, ihn aufzuhalten. Ich müsste nur zwei Schritte auf ihn zu gehen, meine Arme um ihn legen und ihn anflehen, dass er bleiben soll. Dass alles besser wird. Dass es mit uns funktionieren kann. Aber das tue ich nicht. Das kann ich nicht. Es wäre egoistisch. Er müsste sein Leben aufgeben, damit wir richtig zusammen sein könnten. Das will ich nicht. Es wäre kein guter Tausch. Und er hat verdient, dass er mit jemand anderen glücklich wird. Ich schnaube leise.

Als ob er jemals mit mir wirklich glücklich war.

„Hast du es sehr eilig?“ Er schaut mich erheitert an und streicht sich eine lange, zimtbraune Strähne hinter sein rechtes Ohr, die sich aus seinem geflochtenen Zopf gelöst hat. Auf der Bühne spielt er immer den Coolen und Unnahbaren. Wehmut jagt durch meinen Körper,  als ich daran denke, wie anders er bei mir ist. „Wenn du los musst, kann ich die Tür auch zuziehen. Ich werde schon nichts stehlen“, redet er weiter und grinst mich konspirativ an.

Ich hasse es, dass er lacht. Dass er lachen kann. Er wird er die Stadt, meine Heimat, verlassen. Für Monate wird er fort sein, um die Welt glücklich zu machen. Und ich werde hier bleiben. Allein. Und alles was ich bekomme, sind ein paar Stunden im Schnee, die wir mit Körperlichkeiten füllen, weil reden ja zu schmerzhaft wäre. Dass er dieses Jahr nicht mal Weihnachten bei mir sein wird, tut zusätzlich weh. Scheiße, was tue ich hier eigentlich. Und was tue ich ihm und mir an. Eigentlich will ich doch nur…

„Bevin?“ Ich erschrecke mich, als er direkt vor mir steht. In der rechten Hand hält er die Taschen. Nein! Er darf noch nicht fertig sein! War da nicht noch viel mehr im Schrank? Obwohl ich mich doch gleichmütig geben wollte, muss die Panik mir ins Gesicht geschrieben sein. Die Taschen fallen zu Boden, nur Sekunden später umfangen zärtliche Finger mein Gesicht und sein breiter Körper presst meinen ebenso stämmigen Körper gegen die Wand.

„Bevin…“, flüstert er gegen meine Halsflanke.

„Willst du mich jetzt doch ficken?“, frage ich und betone das letzte Wort absichtlich verächtlich. „Tu dir keinen Zwang an.“ Natürlich haben wir auch miteinander geschlafen, aber niemals nur. Atticus ist mein Ankerplatz und ich bin seiner – auch wenn ich mich hüte, so gefühlsdusliges Zeug auszusprechen.

Atticus funkelt mich wütend an, dann packt er mich und drängt mich zum Bett. Ich schwanke zwischen Erleichterung, dass er noch nicht verschwindet, und Enttäuschung, dass er mich offenbar tatsächlich nur beschlafen möchte. Mein Ein-paar-Tage-im-Jahr-Gefährte beugt sich über mich und drückt seine Lippen auf meine. Doch wider Erwarten ist der Kuss nicht aggressiv, beherrschend und ungeduldig, sondern sanft und zurückhaltend.

„Das hier ist kein Schlussmachen, Bev. Und ich gehe auch nicht, weil mir etwas an dir oder unserer Beziehung missfällt. Ich genieße jeden Augenblick mit dir und hasse es, dass es so wenige sind. Aber ich kann auch meine Band nicht hängen lassen.“ Atticus betrachtet mich eindringlich und greift nach meiner Hand. Ich spanne mich erneut an und will ihm meine Finger entziehen, aber er hält sie in einem eisernen Griff weiter fest. Er war immer schon der Stärkere von uns, obwohl ich ihn überrage und durch meine Polizeiausbildung auch muskulöser bin. Aber ich weiß, dass Atticus jeden Sport liebt. Wenn er nicht gerade auf der Bühne steht, probiert er neue Sportarten aus oder verfeinert seinen Kampfstil. Er macht Krav Maga. Zum Schutz gegen Verrückte vermutlich.

„Das ist doch keine Beziehung, Atticus, wenn wir uns niemals sehen?“ Ich zwinge mich zu einem herablassenden Lachen, um die Hoffnung niederzukämpfen, die gerade von mir Besitz ergreift. „Ich finde, wir sollten uns trennen. Das mit uns ist sinnlos und kann nicht funktionieren, wenn du hunderte Kilometer weit weg…“

„Fängst du schon wieder damit an?“ Atticus stößt ein ungehaltenes Knurren aus und stoppt mein verletzendes und verlogenes Mundwerk, das wohl nur mein Herz beschützen möchte, mit seinen Lippen. Er erobert meinen Mund ohne Rücksicht. Doch je länger der Kuss dauert und je nachgiebiger ich werde, und letztendlich den Kuss sogar erwidere, desto sanfter wird er. Er stupst seine Zunge sachte zwischen meine Lippen und beißt fast zärtlich in meine Haut. Nach ein paar Momenten löst er sich von mir und schaut mich vorwurfsvoll an.  

„Wir haben beide bei unseren Verpflichtungen nie Abstriche gemacht. Du bist ein Workaholic und du hast dich in einen verliebt. Ich würde nie von dir verlangen, dass du deine Existenz aufgibst, um mit mir zu kommen.“ Er lächelt traurig. „Möglicherweise ist es ein zusätzlicher Wehmutstropfen, das wir uns wegen unserer Berufe etwas bedeckt halten müssen. Aber unsere Gefühle füreinander, Bev, waren nie das Problem.“

Ich atme nach seiner offenen Liebeserklärung tief durch, während ich vor Rührung fast zerspringen könnte. Am liebsten würde mein Verstand ihm widersprechen, aber mein Herz weiß, dass er Recht hat. Er schaut mich abwartend an, ich nicke leicht und streiche über meinen Dreitagebart – eine Ableitungsgeste, wenn ich gerührt bin.

„Ich weiß. Ich bin ein Idiot…“, flüstere ich und schlinge meine muskulösen Arme um seinen Oberkörper. „Tut mir leid, dass ich…“, versuche ich meine fiesen Worte von eben zu revidieren. Atticus lächelt wissend und küsst mich noch einmal kurz auf den Mund.

„Ich weiß, Bev.“ Er seufzt. „Vielleicht kannst du ja Urs überreden, ob er dich für eine Woche im Februar vertreten kann, dann zeige ich dir mal den Frühling in Cornwall.“ Seine Heimat. Ich würde sie gerne mal sehen.  

„Die Idee gefällt mir. Urs wird ausrasten. Das ist es allemal wert.“ Mein Sergeant wird dem nie und nimmer zustimmen. Wenn ich als wortkarg gelte, dann ist er stumm. Er ist der effizienteste Cop, den ich kenne, solange er nicht mehr als ein Wort sagen muss.

„Du bist wirklich ein Idiot.“  

„Den du trotzdem nicht verlassen willst.“

Er schüttelt den Kopf und lächelt. „Niemals.“ Ich greife nach seinem Hemdkragen und küsse ihn. Stürmisch und grob. Ich bin viel impulsiver als er. Daher ist vermutlich höchst optimal, dass ich lieber unten liege. Eine Tatsache, die meinem Image als raubeiniger County Sheriff vermutlich den Todesstoß versetzen würde. Wir entkleiden uns ziemlich unspektakulär. Nach sieben Jahren sind wir routiniert und wissen, wie wir schnell zum Ziel kommen. Bevor ich meine Unterhose abgestreift habe, zieht mich Atticus an seinen nackten Körper.

An meinem Mann ist nichts weich, außer seinem Herzen. Wir haben immer viel Sport zusammen gemacht, weil wir in dieser Zeit unverfänglich miteinander umgehen konnten. Der hochgewachsene, muskulöse Mann ist eine beeindruckende Persönlichkeit. Ich bin der wortkarge Workaholic, er der charismatische. Ich überrage Atticus um wenige Zentimeter, bin eher ein mürrischer Zeitgenosse – was auch an den Unfallnarben in meinem Gesicht liegen mag. Ich liebe meine Arbeit. Atticus liebt seine Arbeit und das ist eines unser Hauptprobleme. Wir arbeiten beide in zwei relativ homophoben Branchen und die Erfahrung hat mich gelehrt, meine Vorlieben bedeckt zu halten. Auf der kleinen Polizeiwache bin ich geoutet vor Urs, meinen drei Deputys und unserem Telefonisten in der Notrufzentrale – schließlich bin ich der Boss –, aber meine Sexualität hat anderorts auch schon zu Missstimmung geführt. Deswegen bin ich nur unter engen Freunden oder den Männern geoutet, mit denen ich schon Jahre zusammenarbeite und die mich ohne Ausnahme respektieren. Für Atticus ist es vertraglich vereinbart, dass er nicht offen homosexuell ist. Möglicherweise kommt mir dieser Vereinbarung auch gelegen, denn bei so vielen weiblichen Groupies wäre mein Leben vermutlich nicht mehr sicher. Hahaha, nicht.

Vor neun Jahren hat Atticus aus dem Nichts mit drei Kommilitonen eine Alternative Rockband gegründet, die inzwischen in aller Munde ist. Es war eine meiner größten Ängste, dass auch er in aller Munde ist. Ob er je andere Männer in seinem Bett hatte, weiß ich nicht. Ich nehme es allerdings an. Mir war nie so klar, wie fest unsere Beziehung nun tatsächlich ist, und seien wir mal ehrlich: Welcher Musiker kann sich bei derart freigebigen Offerten von teilweise bestechender Qualität zurückhalten? Die paar Mal, die ich vor Sehnsucht und Einsamkeit nicht mehr klardenken konnte, kann ich an einer halben Hand abzählen und ich habe mich danach monatelang schlecht gefühlt. Er hat mich für alle Zeiten für andere Männer verdorben. Aber das ist okay. Er ist mit all seinen Macken und Päckchen, die er zu tragen hat, der Mann, mit dem ich immer alt werden wollte.



Kennengelernt haben wir uns vor neun Jahren auf der Hochzeit unserer gemeinsamen Freundin Frigg, die in Portland lebt. Als ich Atticus auf ihrer Hochzeit traf, war seine Band noch unbekannt. Wir waren uns auf Anhieb sympathisch, doch ich hätte niemals gedacht, dass das mit uns ein so langes Haltbarkeitsdatum haben würde. Ich hätte nie erwartet, dass ich diesen verdammten Musiker nach sieben Jahren Fernbeziehung immer noch so verzweifelt lieben würde.

Ich habe schon oft darüber nachgedacht, ob ich Montana verlassen sollte. Aber selbst wenn ich meinen Job in einer anderen Stadt ausüben würde, wird Atticus nicht plötzlich sesshaft. Und ich bin mit Leib und Seele Polizist. Das möchte ich nicht verlieren. In einer anderen Stadt hätte ich dann höchsten eine bessere Anbindung an einen Flughafen und müsste nicht erst fünf Stunden mit dem Rand Rover durch eine Gebirgslandschaft fahren. Allerdings liebe ich meine Heimat und die Arbeit, die ich hier tue. Hauptsächlich schlagen wir uns mit kleineren Delikten und Bison-Wilderern rum. Ich fand es schon als Kind grausam, die majestätischen Tiere zu jagen.

Aber ich liebe auch Atticus und das ist der Grund, warum ich entschieden habe, ihn freizugeben. Ich weiß, dass er das nicht verstehen wird. Ich wollte es ihm eigentlich nach Weihnachten sagen. Doch als er gestern zwei Wochen vor dem 25. Dezember vor meiner Tür stand, um mir zu erklären, dass er dieses Jahr wegen eines Konzertes nicht kommen kann, ist mein Temperament mit mir durchgegangen. Dass er stundenlang gefahren ist und nach nicht mal vierundzwanzig Stunden wieder aufbrechen muss, nur um mir ins Gesicht sehen zu können, wenn er mir diese Hiobsbotschaft überbringt, rechne ich seiner Freundlichkeit zu. Er wird mich schnell vergessen, wenn ich ihm die Chance dazu gebe.  

Ich küsse den rothaarigen Mann voller Inbrunst und Verzweiflung, weil ich weiß, dass ich keine Möglichkeit mehr haben werde, das zu tun. Ich schiebe ihn so energisch zu meinem Bett, weil ich ihm nah sein muss, dass er mit der Schulter den Türrahmen touchiert.

„Aua, nicht so stürmisch, Bev. Sonst haben wir beide nichts davon.“ In seiner Stimme schwingt Amüsement, aber auch ein ernst gemeinter Rat. Ich bin fast gewillt, ihn noch etwas zu provozieren, aber ich bin zu erschöpft von der Arbeit, um mich auf eine intensive Spielerei mit ihm einzulassen. Also murre ich zustimmend, was Atticus mit einem Streicheln über meine Hüfte lobt. Wir fallen in enger Umarmung auf das Bett und lassen unsere Lippen und Finger zärtlich den anderen erkunden, bis wir beide nach mehr verlangen.  



Atticus kramt aus dem Karton unter dem Bett das nötige Zubehör hervor. Er kennt sich in meinem Haus besser aus als ich. Hier liegen überall so viele Sachen von ihm herum und fünfundneunzig Prozent der Bücher in meinem Wohnzimmer gehören ihm. Ich werde alles in Kisten verpacken und ihm schicken. Er wird verstehen, dass das das Ende unserer Verbindung ist.  

„Wo bist du mit deinen Gedanken, Bev?“, raunt mir der begehrenswerte Mann ins Ohr und zieht mir die eng sitzende Pants von den Hüften. Mein harter Schwanz wippt nach oben, während Atticus’ Hände über meine Pobacken streichen. Ein raues Stakkato aus Stöhnlauten fließt über meine Lippen, als ein Finger sich in meine Spalte stiehlt, um kühles Gel dort zu verteilen. Atticus massiert mit geübten Bewegungen meinen Schließmuskeln und dringt mit zwei Fingern ein, um ihn zu dehnen. Ich keuche, kralle meine Hand ins Kopfkissen und wälze mich halb auf den Bauch, um ihm besseren Zugang zu gewähren. Meine Erektion schreit nach Aufmerksamkeit. Aber es geht mir wie Atticus. Ich will auch erst kommen, wenn er in mir ist. Zum letzten Mal.

Bei dem Gedanken zerbricht etwas in mir und ich verkrampfe mich unwillkürlich, als Atticus seine Eichel gegen meinen Schließmuskel drückt. „Bev, entspann dich…“ Warme, vertraute Küsse in meinem Nacken lenken mich ab, geben mir das Gefühl von Behütetseins, von Atticus, der sich in meinem Bett nie grob oder egoistisch verhalten würde. Weil er weiß, dass ich nicht der Typ bin, der jedem seinem Arsch hinhält. Meinen Arsch kriegt nur er. Seit sieben Jahren schon.

Keuchend klammere ich mich an mein Kopfkissen, während Atticus sich ein Kondom überstreift und sich an meinen Rücken schmiegt. Wir haben nie darüber gesprochen, warum wir safe miteinander schlafen. Das ist der Hauptgrund, warum ich glaube, dass es neben mir noch andere Männer und vermutlich sogar Frauen gibt. Aber ich will darüber jetzt nicht nachdenken.

Mit sanftem Druck schiebt Atticus seine Erektion in meinen Hintern, während er immer wieder innehält und meinen Nacken küsst, um mir das Eindringen zu erleichtern. Mein Oberkörper kippt nach vorne, als er anfängt, in einem langsamen Rhythmus in mich zu stoßen. Seine Bewegungen sind exakt und erfahren, lassen mich jedes Mal erzittern. Er kennt meinen Körper genau und achtet auf seine Sprache. Ein paar Strähnen, die sich aus seinem Zopf gelöst haben, streichen bei jedem Ruck über meine Schultern. Alles an diesem Mann ist mir vertraut. Sein Geruch, sein raues Keuchen, die muskulösen Arme, die haltgebend meinen Bauch umfangen. Und die Nähe von allem, was ich morgen nicht mehr haben werde. Es zerfetzt mir fast das Herz und füllt es gleichzeitig mit unsagbarer Wärme.

Atticus zieht sich ganz aus mir zurück und greift nach meiner Hüfte. Er dreht mich um und drückt mit sanfter Gewalt meine Schenkel auseinander, um sich dazwischen zu legen. Ich weiß wie sehr auch er diese Nähe, den Augenkontakt, die Intimität braucht. Ein tiefes Keuchen entkommt unseren Lippen, als er wieder in mich gleitet. Er füllt mich so tief aus, bis ich seine Hoden an meinen Hintern spüre. Seine Lippen bedecken meinen Mund und er küsst mich tief und verlangend. Er funkelt mich an. Sein Blick ist ernsthaft, lustvoll und erfüllt mit unterschiedlichen Gefühlen. Atticus packt meinen Nacken und küsst mich erneut. Seine Stöße werden schneller und härter. Ich greife zwischen uns nach meiner Erektion und gleite im gleichen Rhythmus, in dem er mich fickt, an ihr entlang. Mein Herz klopft so begeistert und heftig, als hätte ich mit diesem Mann nicht schon hunderte Mal geschlafen. Es ist immer wieder schön, nicht weil es perfekt oder die ultimative Befriedigung ist, sondern weil es Atticus ist. Ich versuche mir jede Nuance, jede Bewegung, jeden Laut und jede Empfindung einzuprägen, damit ich davon zehren kann, wenn das alles fort ist.



Später liege ich zufrieden und mit geschlossenen Augen an Atticus‘ Brust gelehnt und lausche den Klängen von Nat King Coles Christmas Song. Während er mich ab und zu auf eine Passage in einem Lied hinweist, die er mag, streichen seine Hände zärtlich über meinen Körper. In dieser Hinsicht bin ich wie eine Katze und brauche diesen Abschluss, bei dem sich mein Partner um mich kümmert und mich mit Zärtlichkeiten überschüttet, um den vorangegangenen Akt genießen zu können. Ein Überbleibsel aus meiner Jugend mit einem homophoben Vater, wo jedes Treffen auf ein kurzes, liebloses Intermezzo festgelegt war.

„Ich muss langsam los, Bev…“ Mein Plus ist sofort auf hundertachtzig und es kommt mir wie Hohn vor, dass Frank Sinatra gerade von liebevollem Zusammensein und Sorglosigkeit singt. Aber trotzdem weiß ich, dass ich kein Recht habe, ihn zu halten, von dem so viele andere auch ein Stück haben möchten.

„Ich weiß“, erwidere ich nur und grinse ihn leidlich an. Er seufzt unglücklich und drückt mir einen festen Kuss auf die Lippen. Ich vergesse manchmal viel zu schnell, dass es für ihn auch schwer ist.

„Ich liebe dich, Bev.“ Ich schenke ihm ein ehrliches Lächeln und er reißt mich in eine knochenbrechende Umarmung, ehe er das Bett verlässt und sich anzieht. Er hat eine lange Fahrt vor sich, denn diese Gegend Montanas ist nicht mit dem Flugzeug erreichbar. Seufzend bequeme ich mich auch aus dem Bett, um für ihn Kaffee zu machen und noch etwas vom gestrigen Abendbrot einzupacken.

Ich werde einfach versuchen, nicht daran zu denken, wie sehr ich ihn schon morgen vermissen werde und dass ich mich nie wieder damit aufmuntern kann, dass er irgendwann auf meiner Türschwelle auftauchen wird. Wenn ich ihm alle seine Sachen geschickt habe, wird er begreifen, dass das das Ende unserer verdammt sinnlosen Beziehung ist. An Weihnachten in zwei Wochen mag ich gar nicht denken. Ich habe ihm zwar erzählt, dass ich zu Freunden gehen würde, aber das war gelogen. Ich werde hier bleiben und darüber nachdenken, warum ich so verzweifelt der geheime Gelegenheitslover eines Weltstars sein wollte.

Aus Liebe vermutlich.
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