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Die Flucht vor den Schatten

von FionaM
Kurzbeschreibung
GeschichteRomance, Schmerz/Trost / P16 / Het
OC (Own Character) Reiner Braun
16.12.2020
16.01.2022
24
24.227
7
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Dieses Kapitel
1 Review
 
15.06.2021 1.138
 
Stella


Mit extremen Augenringen ging ich zur Arbeit und quälte mich durch den Tag, als Therapeut war das mehr als nur schlecht. Andere hätten mich ausgelacht, wenn ich ihnen gesagt hätte, wieso es mir so schlecht ging. Viele hätten vermutlich gesagt, dass ich mich nicht so dran stellen sollte, weil es nur ein Kuss war. Wenn es nur ein Kuss, ein unbedeutender Kuss, gewesen wäre, dann wäre das nicht so schlimm. Aber die Tatsache das ich Gänsehaut bekam, während ich an seinen Augen dachte, diese Tatsache konnte man leider nicht leugnen. Ich wusste nicht wohin mich diese Reise brachte, ich wollte so gern mit jemanden darüber reden, aber ich traute mich nicht meine beste Freundin anzurufen. Das gesagt zu bekommen, was ich schon wusste, aber vielleicht sagte sie auch was anderes.

Ich kämpfte mich durch die Termine und den Papierkram, grad als ich zu meinem Auto laufen wollte rief mich Hanji an. Mein Herz blieb für paar Sekunden stehen, bevor ich dran ging. „Hey Stella. Wollte fragen ob du Lust hast gemeinsam zu essen? Ich habe so viel gekocht und du hast garantiert keine Lust mehr selbst zu kochen.“ Wie recht sie hatte, aber ich war mir unsicher. „Stella bist du da?“ „Oh..ehm..ja ich hätte echt Lust. Ich bin grad auf dem Weg zu meinem Auto. Ich wäre so in so 30 Minuten da.“ Wir verabschiedeten uns und ich stieg schnell ins Auto ein. Meine Hände waren vor Aufregung komplett feucht. „Stella es ist nur ein entspannter Abend mit deiner Freundin. Du musst ihr nichts erzählen.“ Diese Worte sagte ich mehrmals zu mir selbst bevor ich aussteigen konnte.

„Wow du siehst ja fertig aus. Hattest anscheinend einen langen und anstrengenden Tag gehabt.“ „Meine Nacht war ziemlich kurz gewesen und der Papierkram war etwas zu viel. Ich bin müde und habe Hunger.“ Ich umarmte Hanji länger als ich es sonst tat, aber ich hatte das Gefühl, dass ich das in dem Moment bräuchte. Sie fragte noch nicht nach, aber ich sah in ihrem Blick das sie sich fragte was wirklich los sei. Ich ging den Flur entlang bis zum Wohnzimmer und legte meine Sachen ab, dann folgte ich Hanji, in ihre große dunkelbraune Küche. Die Küche war im amerikanischen Stil angelehnt, war darauf doch schon ein bisschen neidisch, aber ehrlich gesagt war diese Wohnung für eine einzelne Person übergroß. „Was gibt es denn eigentlich zu essen?“ Ich schlich mich an ihr vorbei, direkt zum Herd. „Eins deiner Lieblingsessen.“ Sofort hob ich den Deckel von dem großen Topf und sah wie das Curry vor sich hin blubberte. Mich beschlich das Gefühl, als würde Hanji schon den ganzen Tag wissen, dass mir etwas durch den Kopf geht.

Ich liebte das Curry meiner besten Freundin, sie kann zwar nicht viele unterschiedliche Rezepte, aber Curry war immer ihr Meisterwerk. Mit vollem Magen, der mir bald zu zerplatzen drohte, lehnte ich mich nach hinten. Für diese wenigen Minuten vergaß ich meine Sorgen oder wie auch immer ich das nennen sollte. Es war wie eine Achterbahn meiner Gefühle. „Nun mal Karten auf den Tisch, Stella. Was ist wirklich los? Und sag mir nicht es ist wegen der Arbeit, diese Arbeit hat dir noch nie so sehr die Nerven geraubt, außer es hat mit einen der Patienten zu tun.“ Ich fühlte mich wie gestern, kurz nach dem Kuss, das Gefühl der Glückseligkeit verschwand und anstelle kam eine gewisse Leere.

 Unbewusst rieb ich mir mehrmals über die Augen und spannte meine andere Hand an, bis Hanji sie nahm und mir lange in die Augen sah. Ich biss mir auf die Unterlippe und brauchte meine Zeit, bis ich reden konnte. „Gestern nach der Arbeit bin ich noch in die Bar gegangen, wo wir letztens noch waren. Reiner war auch da, wir haben viel geredet und ich habe ihn mehr von mir erzählt. Ich habe ihm von meiner Schwester erzählt und gemeint das ich es nachempfinden kann.“ Die Tränen stiegen mir in meine Augen. Vor Reiner hatte ich keine Angst meine Mauern fallen zu lassen, ich konnte ihm die Seite an mir zeigen, die ich stets versuchte zu verbergen. „Ich habe mich in seiner Nähe wohl gefühlt. Später am Abend, standen wir dann draußen vor der Bar.“ Für eine Millisekunde blickte ich in ihre Augen und dann wieder weg.

„Ihr habt euch geküsst?“ Mein Blick wanderte runter auf den Tisch und von mir kam nur ein Nicken. „Ich habe wirklich daran geglaubt er wäre nur ein Patient von mir. Ich wollte daran glauben, aber du hattest Recht.“ „Ich will eigentlich nicht sagen das ich Recht hatte, aber ich hatte Recht. Wir haben zwar im Fitnessstudio darüber geredet, aber auch da habe ich es dir nicht abgekauft. Beim besten Willen, Stella…ich kenne dich nun schon so lange. Glaubst du nicht, dass ich langsam wüsste, wie du tickst? Am meisten in Bezug auf Männer? Ich würde mich ja gerne darüber freuen, aber wir wissen beide was für Folgen es haben wird. Entweder ihr habt weiter ein normales Therapeut und Patient Verhältnis oder du vermittelst Reiner zu einem anderen Therapeut und wärt ein Paar. Das Risiko das Reiner wieder zurück fällt mit seinen Fortschritten, ist leider hoch, wenn er wieder einen anderen Therapeuten bekommt. Und wenn du die Regeln nicht einhältst und jemand bekommt das mit in der Firma, bekommst du großen Ärger.“ „Danke Hanji. All das weiß ich auch. Was glaubst du wieso es mir so scheiße geht? Aber ich weiß nicht was ich machen soll.“ „Was hat denn Reiner gesagt? Habt ihr nach dem Kuss noch geredet oder bist du sofort ab?“ „Ich wollte sofort gehen, aber Reiner hielt mich am Handgelenk fest. Er sagte mir, dass er alles ernst gemeint hatte, was er gesagt hatte. Er hat mich auch gefragt, ob ich alles so gemeint habe wie ich es gesagt habe, in Bezug auf ihn. Und ich habe ihm die Wahrheit gesagt, dass meine Komplimente ernst gemeint waren, aber ich Zeit bräuchte und diese Zeit will er mir auch geben.“

In diesem Moment sah ich diesen Blick, den ich erwartet hatte, von Hanji. Dieser Das-ist-eine-scheiß-Situation Blick und ich saß zwar mit ihr an diesem Tisch, aber diese Entscheidung konnte mir niemand abnehmen. „Sind wir ehrlich. Falls ihr beide wieder in diesem normalen Verhältnis wärt, würdet ihr euch nur selbst damit verletzen und müsstet euch selbst irgendwas einreden. Dann wäre das wie in einem Klischeehaften Drama Film.“ Dies war wohl eine Tatsache. Nun saßen wir beide, mit dem Blick unter uns auf den Tisch gerichtet, da. Bis Hanji mich zu sich zog, um mich zu umarmen. „Es tut mir leid für dich. Ihr zwei seid schon echt süß miteinander. Und ich habe es sofort bemerkt. Ich bemerke zwar oft nie die richtigen Sachen oder erst sehr spät, aber dies ist unverkennbar.“ Bei diesen Worten musste ich gleichzeitig lachen und weinen.
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