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Die Flucht vor den Schatten

von FionaM
GeschichteRomance, Schmerz/Trost / P16 / Het
OC (Own Character) Reiner Braun
16.12.2020
16.10.2021
17
17.771
5
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16.12.2020 1.041
 
Vollkommen konzentriert sah ich auf die Papiere vor mir runter bis ein dumpfes Klopfen mich erschreckte, so dass mein Herz für einen kleinen Moment aussetzte. Schnell fasste ich mich wieder und bat denjenigen rein. Zögernd und ganz leise trat meine Praktikantin, Emily, in mein Büro. „Guten Tag Frau Weiß. Auf Leitung eins ist ein Herr der mit ihnen reden muss." Nachdem sie mir das sagte, nahm ich den Hörer ab. „Hallo Stella Weiß am Apparat." „Guten Tag Frau Weiß. Mein Name ist Michael Rein, ich glaube wir haben uns schon mal bei einer Ausstellung getroffen." Direkt dämmerte es mir und innerlich verdrehte ich die Augen. „Ja ich kann mich erinnern Herr Rein. Was gibt es denn?" „Nun ich habe hier einen Patient, dem ich und andere Kollegen nicht helfen konnten. Der Patient ist ein ehemaliger Soldat und hat ein schlimmes Trauma. Das Institut in dem sie arbeiten ist ja auf Kriegstraumata und Angstzustände spezialisiert und da dachte ich mir ich schreibe eine Überweisung an sie." Sofort nahm ich meinen schwarzen ledernen Terminkalender in die Hand um zu schauen ob ich diese Woche noch Zeit habe. „Sie konnten ihm nicht helfen? Das wundert mich aber ein bisschen. Also Herr Rein, sie haben Glück, genau morgen habe ich eine Sitzung frei." Meinen ersten Satz entging ihm natürlich nicht, auch nicht die versteckte Botschaft dahinter. „Das hört sich doch perfekt an. Der Patient heißt Reiner Braun und er würde sich heute nochmal persönlich melden um mit ihnen über den Termin zu reden." „Alles klar. Sagen sie ihm, dass er mich bis 16 Uhr erreichen kann." „Ich danke ihnen Frau Weiß." „Gar kein Problem Herr Rein wir sind ja alles Kollegen." Ich spürte allein durch den Hörer wie er die Zähne zusammen biss und mit seiner Freundlichkeit rung. Mit einer kurzen Verabschiedung legten wir beide auf und wandte mich meiner Praktikantin zu, die mich ganz komisch beobachtete. „Ist irgendwas? Sie schauen mich ganz komisch an." „Ich möchte ja nicht unhöflich sein Frau Weiß. Aber ich habe gemerkt das sie Herr Rein nicht besonders mögen können." Ich lehnte mich zurück und dachte über meine Worte nach. „Ach wissen sie Frau Schmidt. Herr Rein ist zwar ein guter Therapeut, aber überheblich gegenüber anderen Therapeuten. Ich habe ihn mal bei einer Vorlesung kennengelernt, aber bei Gott ein unsympathischer Mensch." „Dann möchte ich sie nicht weiter stören Frau Weiß.“ Bevor meine Praktikantin auf ihren schwarzen hohen Schuhe kehrt machen konnte, erinnerte ich sie daran das sie heute früher Schluss machen kann

Unmittelbar nachdem Emily ging rief mich auch schon Reiner Braun an. "Guten Tag Stella Weiß am Apparat." "Guten Tag Frau Weiß. Mein Name ist Reiner Braun und ich wollte mit ihnen den Termin klären." "Ach sehr gut. Also ich hätte morgen um elf Uhr ein Termin frei. Klappt das bei ihnen?" Ich hörte im Grund wie er sich etwas aufschrieb. "Ja das klappt. Von Herr Rein habe ich schon die Adresse. Und ich weiß nicht ob er Ihnen gesagt hat, aber er würde Ihnen meine ganzen Informationen rüber faxen." „Nein hat er nicht, aber das ist ja nicht schlimm. Er wird sicherlich daran denken. Gut, dann sehen wir uns morgen Herr Braun.“ Mit freundlichen Worten verabschiedeten wir uns und ich legte den Hörer zurück. Mit meiner zierlichen weißen Hand fuhr ich mir durch meine langen roten Haare während ich mich zurück lehnte. Da bekam ich auch plötzlich schon das Fax. Müde und etwas ausgelaugt erhob ich mich von meinem schwarzen Sessel. Während dem gehen bemerkte ich den wenigen Schlaf den ich in der vorherigen Nacht bekam. Im schnell Durchlauf las ich die bisherigen Informationen über Reiner Braun. Er war ein Soldat der im nahen Osten stationiert war, er war einer der wenigen die einen Granatenanschlag überlebt haben. Laut seinen Erzählungen war er sich sicher das auch Eren Jäger, einer der jüngsten aus der Truppe, überlebt hatte. Reiner hatte nach dem Anschlag mehrere Verbrennungen gehabt, verletzte Trommelfell, Gehirnerschütterung und Splitter von paar Granaten. Herr Rein schrieb auch noch das Herr Braun seit dem ein großes Problem damit hat zu schlafen weil er immer die Schreie hörte und die toten Körper seiner Freunde sah. Das er es nicht ertrug wie seine zweite Familie vor seinen Augen in tausend Fetzen flogen. Einander mal sagte Reiner das es ihm eigentlich egal sein sollte ob seine Kameraden starben oder nicht, denn er war nicht auf dem Schlachtfeld um Freunde zu finden sondern um für seine Familie Ehre und Stolz zu bringen. Er sprach mit voller Liebe von seiner Familie, insbesondere von seiner Mutter, dann wechselte auch schon wieder seine Worte.

Während ich den Bericht las wurde mir sofort klar, dass er auch schon vor dem Anschlag einen Hang zu physischen Problemen hatte. Es gab vieles aufzuholen, aber was genau musste ich erst herausfinden. Obwohl ich schon einige Patienten hatte und vieles schon gehört habe, dachte ich immer wieder über sie nach. Ich konnte bestimmte Leute retten und andere nicht, als ich vor paar Jahren das erste Mal davon gehört habe, dass sich einer meiner Patienten umgebracht hatte ging mir das sehr nah. Ein Therapeut darf nicht vergessen was für ein Platz er einnimmt und egal wie heftig das gesagte auch war ein Therapeut muss stark sein und für denjenigen da sein. Ich war noch nie eine die von Medikamenten sehr angetan war, ich sah und sehe es immer noch als falsch an einen Patienten mit Antidepressiva voll zu stopfen. Das Kern Problem wird durch Medikamente nicht aufgelöst werden, viel mehr, es verschlimmert alles nur, wenn man sie mal absetzen möchte. Eine Heilung für den Kopf, für den Geist und für die Seele braucht es keine Wand sondern einen Weg damit umzugehen. Nicht jeder Therapeut kann jedem helfen, ich würde auch nach jemandem suchen den ich sympathisch fände und ich das Gefühl habe der oder diejenige könnte mir helfen.
Mein Kopf war voller Fragen und ich erschrak beinahe vor der Uhr, denn wir hatten schon halb 5. Verdammt! Schnell sammelte ich all meine Papiere zusammen und nahm hektisch meinen Aktenkoffer, meinen großen rot schwarzen Schal und meinen schwarzen Mantel in die Hand um umgehend zu meiner besten Freundin, Hanji, zu kommen.
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