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Adventskalendertür 16: Ein Engel für Chris

OneshotMystery / P12 / Gen
Chris "The Lord" Harms Class Grenayde Gared Dirge Niklas 'Nik' Kahl OC (Own Character) Pi Stoffers
16.12.2020
16.12.2020
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Ein Engel für Chris

Es war kurz vor Weihnachten, Lord of the Lost waren auf der letzten Etappe ihrer Tour und alle saßen schwatzend und lachend zusammen in der vorderen Lounge des Busses, während sie ihr nächstes Ziel – Dresden – anfuhren. Chris freute sich wohl am meisten, denn er hatte für sich die Besichtigung alter Kirchen entdeckt. Sie waren meist sehr prunkvoll und vor allem hatte er dort seine Ruhe, konnte vom Alltagsstress Abstand nehmen und mit sich selbst in Einklang kommen. Er hatte im Internet eine kleine Kirche im barocken Stil etwas am Rand des Stadtkern gefunden und diese wollte er gerne besichtigen. „Hey Chris! Was machen wir, wenn wir endlich da sind? Der Auftritt ist doch erst morgen Abend und wir haben es dazu gleich erst 17 Uhr. Also massig Zeit, die Stadt zu erkunden!“ meinte Pi neben ihm. „Ich wollte eigentlich eine Kirche besichtigen.“ antwortete Chris. „Echt jetzt? Du und deine Kirchen! Man könnte meinen, du wärst gläubig geworden.“ meinte Pi und runzelte die Stirn. „Nicht unbedingt. Viele dieser alten Kirchen sind sehr schön und dort hab ich mal Ruhe, um zu mir selbst zu finden. Das hat nicht zwangsläufig etwas mit Glauben zu tun.“ erläuterte Chris. „Trotzdem...“ widersprach Pi. „Lass ihn doch! Wenn es ihn glücklich macht.“ warf Gared gutmütig ein. „Ja, schon gut..“ seufzte Pi. „Wenn es dich beruhigt… Gut 500 Meter weiter beginnt die Einkaufsstraße, wenn ich richtig informiert bin. Da kannst du ja hingehen, wenn du nicht mit willst. Wir schreiben einfach, wann wir uns wo treffen“ schlug Chris vor. „Klingt vernünftig.“ sagte Pi zufrieden und auch die anderen Mitglieder der Band stimmten mit ein, so war es beschlossene Sache. Genau in diesem Moment hielt der Bus vor der Veranstaltungshalle und sie stiegen aus. Gemeinsam mit ihrer Crew verluden sie das Equipment und anschließend verteilte sich die Gruppe. Ein paar aus der Crew wollten mit shoppen gehen, andere wollten sich lieber im Bus etwas hinlegen, denn die Fahrt war anstrengend gewesen.
Chris googelte, wo die nächste Straßenbahnhaltestelle war und welche in den Stadtkern fuhr. Zum Glück taten das alle Linien und die nächste Haltestelle, lag grade mal 150 Meter entfernt um die nächste Ecke. Und die Linie, die in 10 Minuten dort abfahren sollte, hielt auch noch fast direkt bei der Kirche. „Perfekt!“ dachte sich Chris, informierte die Anderen und gemeinsam gingen sie los, die Haltestelle suchen. Als sie diese relativ zügig gefunden hatten, fuhr auch grade die richtige Bahn ein und sie stiegen hinzu. „Zum Glück gab´s vom Veranstalter Wochenendtickets gesponsert. Hätten wir vorher noch welche kaufen müssen, hätten wir auf die nächste Bahn warten müssen.“ meinte Chris und der Rest stimmte ihm mit einem Kopfnicken zu. „Nächster Halt: St. Annabel“ ertönte es aus dem Lautsprecher und Chris stupste Pi an, der neben ihm stand. „Wir müssen hier raus. Dann könnt ihr zur Einkaufsstraße gehen und ich gucke mir die Kirche an.“ sagte Chris auf Pi´s fragenden Blick. „Alles klar, ich geb´s weiter.“ sagte Pi und tat dies. Als die Bahn hielt, schafften es alle, wie durch ein Wunder, auszusteigen und nicht aus Versehen doch weiter zu fahren. „Gut Leute! Geht ihr mal einkaufen, ich tue etwas für die Bildung.“ meinte Chris grinsend und stiefelte los. „Warte! Wann und wo treffen wir uns?“ fragte Gared. „Schreib mir einfach eine Nachricht!“ sagte Chris im Gehen und damit war für ihn das Thema durch. Gared zuckte die Schultern und folgte den Anderen, die schon vorgegangen waren.
Chris dagegen betrat St. Annabel und staunte nicht schlecht. Die Kuppel bestand aus mehreren rundbogenartigen Säulen und die freien Felder der Kuppel waren mit Engelsbildnissen bemalt. Es gab zwei Reihen mit jeweils 15 Holzbänken und dazwischen verlief der Hauptgang zum Altar. Hinter dem Altar an der Wand, stand eine Orgel mit goldfarbenen Flötenrohren und zwischen dem Altar und der Orgel hing das Kreuz mit Jesus daran von der Decke. An den Seiten gab es hohe Fenster aus Buntglas, doch zu seinem Leidwesen musste Chris feststellen, dass der Innenraum der Kirche an den Seiten mit Folien ausgelegt und behangen war und Gerüste teilweise dort standen, was vieles zum Teil verdeckte. Sie schien restauriert zu werden. „Komisch, dass sie dann geöffnet ist. Andererseits ist niemand außer mir hier.“ dachte sich Chris und schritt langsam den Mittelgang entlang. Er setzte sich auf die Bank in der ersten Reihe, schloß die Augen und atmete tief ein und aus. Erinnerungen stürmten auf ihn ein, Erinnerungen, die nicht schön waren. Seine Frau hatte sich von ihm getrennt, ihren gemeinsamen Sohn mitgenommen und wollte die Scheidung. Einfach so! Er verstand die Welt nicht mehr! Vor seinen Freunden spielte er weiter heile Welt, doch lange würde das nicht mehr gut gehen! Class und Gared schienen schon was zu merken. Er war halt nicht der beste Schauspieler. „Darf ich mich zu Euch setzten?“ fragte plötzlich eine weibliche Stimme neben ihm. Genervt öffnete er die Augen und wollte die Frau schon mit einem unfreundlichem Satz verscheuchen, doch als er sie ansah, vergaß er, was er hatte sagen wollen. Die Frau vor ihm war wunderschön! Schlank, mit langen schwarzen gewellten Haaren, grünen Augen, einem zartem Gesicht auf dem ein sanfter Ausdruck lag und sie trug recht altmodische Kleidung. Eine einfache helle Bluse, mit einem schlichten schwarzen Rock unter einem schwarzen Umhang und das Ganze wurde durch derbe schwarze Stiefel abgerundet. Ihr Outfit passte zu ihrer antiquierten Sprache. Da die Frau immer noch auf eine Antwort wartete, nickte Chris nur und die Frau setzte sich mit etwas Abstand neben ihn. „Danke!“ sagte sie freundlich. „Es ist schön hier, findet Ihr nicht?“ „Ja schon, aber schöner wäre es ohne die Planen und Gerüste.“ erwiderte Chris, der nicht wusste, was er von dem Ganzen halten sollte. „Ihr habt Recht! Sie verdecken einige der schönen Bildnisse!“ gab sie zu und anschließend verfielen sie wieder ins Schweigen. „Ihr kennt euch hier aus?“ fragte Chris nach ein paar Minuten und war unbewusst in ihre Art zu sprechen verfallen. Sie nickte. „Das trifft zu.“ sagte sie nur und sah Chris an. „Warum seid Ihr hier?“ fragte sie sanft. „Eheprobleme. Meine Frau will sich scheiden lassen und ich weiß nicht, wieso! Sie sagt es einfach nicht.“ sagte er nach kurzem Zögern. Warum Chris ihr dies anvertraute, wusste er nicht. Er hatte einfach nur das Gefühl, ihr vertrauen zu können. „Vertraut mir, es wird sich wieder alles zum Guten wenden. Sie hat einfach nur Angst, weil so viele Frauen um Euch herum sind.“ erwiderte sie. Chris runzelte die Stirn. Woher wollte sie das wissen?
Plötzlich wurde sie neben ihm unruhig. „Was ist los?“ fragte Chris. „Gefahr kommt! Bitte folgt mir!“ bat sie ihn eindringlich und stand hastig auf. „Warum sollte ich Euch trauen? Ich kenne nicht einmal Euren Namen.“ sträubte sich Chris. „Ich heiße Annabel König und bitte, folgt mir!“ bat sie ihn wieder sehr eindringlich und da hörte auch Chris das leise Geräusch. Irgendwo knackte es und Stein schien auf Stein zu reiben. Da bekam er es mit der Angst zu tun, sprang auf, ergriff Annabels dargebotene Hand und folgte ihr zu einer kleinen Tür an der Seite des Gebäudes, als auch schon mit lautem Krachen ein Stein an der Stelle einschlug, wo er und Annabel eben noch gesessen hatten. „Schnell, sputet Euch!“ sagte sie gehetzt, als er stehen bleiben wollte. Sogleich, hetzte er weiter und stolperte hinter Annabel ins Freie, wobei er ihre Hand aus seiner verlor.
Sie erreichten das rettende Freie grade früh genug, ehe ein Großteil vom Dach der kleinen Kirche in den Innenraum stürzte. Schockiert schaute er auf das Bild welches sich vor ihm bot und konnte es nicht fassen! Die Frau, welche sich Annabel nannte, hatte ihm das Leben gerettet! „Danke, Annabel! Du hast mir..“ sagte er im Umdrehen und blieb wie angewurzelt stehen. Sie war weg! Nur der alte Friedhofsgärtner vom Friedhof neben der Kirche war dort und sah ihn mit merkwürdigem Blick an. „Wen suchen Sie?“ fragte er. „Annabel König. Sie hat mir grade das Leben gerettet! Sie müssen sie doch gesehen haben!“ sagte Chris zu ihm. „Wie sah sie aus?“ fragte der alte Friedhofsgärtner. „Sie ist schlank, lange wellige schwarze Haare, grüne Augen und..“ zählte Chris auf. „.. trägt altmodische Kleidung. Ich habe schon andere Personen über sie reden hören und kenne Geschichten aus alten Überlieferungen. Sie ist immer da, wenn im Umkreis um die Kirche guten Menschen etwas Schlimmes geschehen soll. Und das schon seit mehreren hundert Jahren.“ sagte der Friedhofsgärtner. „Unmöglich! Sie ist eine junge Frau!“ empörte sich Chris. Er kam sich verschaukelt vor. „Folgen Sie mir! Ich will Ihnen etwas zeigen!“ sagte der alte Mann, doch bevor Chris ihm folgen konnte, hörte er schon aufgeregte Rufe. Pi, Nik, Class und Gared kamen angerannt, da sie auf dem Weg zurück zur Kirche gewesen waren und den Einsturz mitbekommen hatten. „Oh Gott Chris! Dir ist nichts passiert!“ rief Pi und fiel ihm um den Hals. Die Anderen taten es ihm gleich. „Ihr Freund hatte einen Schutzengel! Folgen Sie mir, dann zeige ich es Ihnen.“ sagte der alte Mann und ging los, immer tiefer auf den angrenzenden Friedhof, während schon Sirenen in der Ferne zu hören waren. Die Jungs von Lord of the Lost folgten ihm mit etwas Abstand, bis er etwa in der Mitte des Friedhofes vor eine Frauenstatue stehen blieb. „Das ist sie!“ rief Chris aus. „Das ist wer?“ fragte Gared. „Die Frau, die mich aus der Kirche geführt hat, bevor sie einstürzte.“ sagte Chris aufgeregt. „Das ist Annabel König!“ „Richtig, das ist Annabel König oder auch die heilige Annabel. Sie war eine Bauersfrau, die im Jahre 1610 viele Menschen aus einer Kirche führte, die einzustürzen drohte. Leider kam sie bei dem Versuch, noch ein Kind zu retten, ums Leben. Das Kind jedoch überlebte. Ein paar Jahre später wurde sie heilig gesprochen und seit jeher geht das Gerücht um, dass sie jenen Menschen mit reinen Herzen zu Hilfe eilt, wenn ihnen Unheil droht.“ sagte der Friedhofsgärtner und sah Chris durchdringend an. „Sie müssen reinen Herzens sein, junger Mann!“ Chris war wie vor den Kopf geschlagen. Ein Geist hatte ihn gerettet? Geister gab es doch nur im Märchen, oder nicht?
 
 
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