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Forget Yesterday

GeschichteFamilie, Liebesgeschichte / P18 / Gen
15.12.2020
26.05.2021
35
49.593
5
Alle Kapitel
74 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
16.12.2020 1.288
 
Hier kommt schon das nächste Kapitel :D
Ich weiß noch nicht genau, wie oft ich ein neues Kapitel hochladen werde, aber dieses wollte ich euch auf keinen Fall vorenthalten. Ich freue mich schon auf eure Reaktionen und Meinungen.
Vielen Dank für die vielen Klicks, die Herzchen und Reviews!
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Kapitel 2

Drei Monate zuvor


Ein lautes Rumpeln weckte mich auf. Verschlafen setzte ich mich im Bett auf und blickte auf den Wecker.
3:44 Uhr.
Das Gepolter wiederholte sich und unverständliches Fluchen war zu hören.
Ich stöhnte genervt, es war doch immer dasselbe mit diesem Kerl!
Seit ich vor ein paar Wochen spontan zu meinem Bruder nach Hamburg gezogen war, spielte sich hier jedes Wochenende das gleiche Drama ab. Mir war ja klar, dass Sven sein ausschweifendes Partyleben sehr genoss, aber mir wurde es manchmal zu viel. Immerhin hatten wir uns letzte Woche darauf geeinigt, dass er nicht jeden One-Night-Stand mit Nachhause brachte und dass das Wohnzimmer ganz generell tabu für solche Spielchen war.
Hier auf dem Kiez war es natürlich ein leichtes, in der nächtlichen Clubszene abzutauchen und mein Bruder nahm wirklich alles mit, was er kriegen konnte.
Auch wenn ich davon sehr genervt war, im Grunde genommen beneidete ich ihn. Er schleppte die Männer ab, die ich niemals haben konnte und es war so gut wie ausgeschlossen, dass ich jemals hemmungslosen Sex auf der Couch haben würde.

Ich schüttelte den Gedanken beiseite, als ich ein lallendes „Scheiße man, dass kannscht du doch nischt bringen“ hörte.

Ach ne, der werte Herr Bruder war also doch nicht alleine heim gekommen!

Das Gefluche verstummte nicht und ich stand dann doch auf, um die Lage zu checken. Ich ging durch den Flur in Richtung Bad. Die Tür war geöffnet und ein heller Lichtschein erleuchtete den Boden.
   
„Sven? Ist alles ok?“
„Man Maria“, begann er zu jammern „hilf mir doch mal!“

Ich warf einen Blick ins Badezimmer.
Mein sichtlich betrunkener Bruder versuchte einen noch betrunkeneren Mann zu stützen und bevor ich auch nur ein Wort sagen konnte, erbrach dieser lautstark auf die Fliesen. Mein Bruder ließ ihn erschrocken los, hielt sich die Hände vor den Mund und stürmte aus dem Bad.
„Bäääääh, da kotzt der mich auch noch voll, scho ein Schpinner“, lallte er, während er an mir vorbei rannte. Wobei, es war mehr ein Torkeln als ein Rennen. Ich hörte kurz darauf seine Zimmertür und das Knarzen des Kleiderschrankes.
Die Gestalt vor meinen Füßen hing inzwischen über dem geschlossenen Klodeckel und erbrach noch einmal.

Oh Gott, so eine ekelhafte Sauerei!

Ich zog den Kerl ein wenig zur Seite, öffnete den Klodeckel und versuchte ihn so davor zu schieben, dass er das nächste Mal auch traf.
Schnell huschte ich in die Küche, holte Putzzeug und Gummihandschuhe und begann die Sauerei zu beseitigen.
Wieder einmal war ich froh um meine Ausbildung in der Tierarztpraxis, was ekelhafte Dinge anging war ich abgehärtet.
Ein bisschen Kotze hier, eitrige Wunden da - kein Problem für Maria!
Wobei das hier schon echt eine Hausnummer war und mir etwas übel wurde.

Nachdem ich das meiste aufgewischt hatte, begann der Mann erneut zu würgen und ich schaffte es gerade noch, seinen langen Pferdeschwanz zur Seite zu halten, bevor er diesen auch noch getroffen hätte.
Jetzt erst schaute ich ihn mir zum ersten Mal genauer an. War er überhaupt noch bei Bewusstsein? Er hatte sich komplett vollgekotzt und ich konnte ihn unmöglich so liegen lassen.

Und wo war überhaupt Sven? Er sollte sich gefälligst selbst um seine Eroberung kümmern!

Ich lief in das Schlafzimmer meines Bruders und fand ihn dort halb umgezogen und laut schnarchend auf dem Bett vor. Auf meine Weckversuche reagierte er nicht und ich gab auch schnell auf. Eine große Hilfe wäre er eh nicht gewesen. Aus dem noch geöffneten Schrank zog ich ein T-Shirt heraus und eilte wieder ins Bad. Der Kerl auf dem Boden lag inzwischen wimmernd neben dem Klo.

„Wehe du kotzt auf den frisch geputzten Boden!“, schimpfte ich laut, doch er reagierte nicht. Ich seufzte, kniete mich neben ihn und begann ihn auszuziehen. Mit der Jacke war das ja noch recht einfach, aber bis ich das T-Shirt darunter auch aus hatte, war ich nass geschwitzt. Er hing wie ein nasser Sack Mehl da und bekam so gar nichts mit. Ich überlegte zwischendurch, ob ich das Shirt vielleicht aufschneiden sollte, aber irgendwie ging es dann doch.
Wie kann man sich nur so voll laufen lassen? Fragte ich mich in Gedanken und war sehr froh, dass wenigstens seine Hose verschont geblieben war. Nachdem ich mit großer Mühe das frische Shirt über seinen Kopf gezogen hatte, ging das Würgen wieder los.

Himmel, es muss doch langsam mal gut sein!

Am liebsten hätte ich ihn einfach liegen lassen, aber ich bin ja kein Unmensch und wer weiß, vielleicht erstickte er ja an seiner eigenen Kotze. Nachdem er sich wieder beruhigte, schaffte ich es, seine Arme durch die Öffnungen des Shirts zu stopfen und ließ mich erschöpft neben ihn sinken. Er erbrach schon wieder und lallte unverständliches Zeug.

Eines musste man meinem Bruder ja lassen, er hatte einen ausgezeichneten Männergeschmack. Ich musterte die tätowierten Arme des jämmerlichen Kerls vor mir. Während des Umziehens hatte ich noch mehr Tattoos entdeckt, konnte sie aber nicht in Ruhe betrachten. Der Blonde war groß und schlank, die schwarze Schminke um seine Augen war inzwischen komplett verschmiert und etwas Rotze hing ihm aus der Nase.
Uurgh!
Unter anderen Umständen bestimmt ein netter Anblick, aber heute würde ihn wahrscheinlich nicht mal seine eigene Mutter erkennen.
Während ich überlegte, was als nächstes zu tun war, schüttelte es ihn schon wieder durch und ich hielt erneut seine Haare zur Seite. Er zitterte am ganzen Körper und ließ sich nach dem Erbrechen kraftlos zur Seite fallen.
So wie es aussah, würde ich den Rest der Nacht hier verbringen, konnte ich mich doch nicht dazu überwinden, ihn alleine seinem Elend zu überlassen.

Nun denn, sollte es eben so sein!

Ich erinnerte mich daran, dass mein Onkel mir bei meinem ersten (und bisher einzigen) Vollrausch viel Wasser eingeflößt hatte, holte eine Flasche aus der Küche und versuchte das jetzt auch bei dem Blonden. Ich war richtig stolz auf mich, es gelang mir mühelos, ihm die halbe Flasche Wasser einzutrichtern.

Wie man ihm ansah, war schlucken wohl kein Problem für ihn!

Es war inzwischen bestimmt eine Stunde vergangen, seitdem er sich das letzte Mal übergeben hatte.
Ich wurde langsam müde und wollte nur noch raus aus dem Bad. Ich suchte einen Eimer und stellte ihn gemeinsam mit der Wasserflasche ins Wohnzimmer. Aber wie den Kerl da rüber bringen? Der war viel zu schwer und zu groß für mich. Also rüttelte ich an seiner Schulter und sprach auf ihn ein, bis er irgendwann zu reagieren schien.
„Komm, steh jetzt aaaauf“ zeterte ich, während ich versuchte ihn am Arm hoch zu ziehen. Endlich schien er zu verstehen was ich wollte, hievte sich hoch, torkelte und wäre fast wieder gefallen. Stattdessen landete er halb hängend auf meiner Schulter und ich ging direkt in die Knie.

„Fuck! Das darf doch nicht wahr sein, du Vollidiot!“ heulte ich erschrocken auf.

Meine gebrochenen Rippen waren zwar schon seit einiger Zeit verheilt, trotzdem hatte mich direkt ein mir nur  allzu bekannter Schmerz durchfahren.
Sven würde was erleben, sollte er wieder zu sich kommen! Muss ich hier den Babysitter spielen und er schläft seelenruhig dabei.
Durch mein Jammern schien der Blonde kurz zu sich zu kommen, schaute mich schief an und rappelte sich auf. So konnte ich ihn stützen und ins Wohnzimmer zur Couch navigieren. Doch das mit dem Bewusstsein hielt nicht lange an, sobald er lag, war er auch schon wieder weg. Ich setzte mich neben ihn auf den Sessel und begann langsam weg zu dämmern.


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Teil 2 folgt bald ;)
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