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Forget Yesterday

GeschichteFamilie, Liebesgeschichte / P18 / Gen
15.12.2020
06.05.2021
32
45.426
4
Alle Kapitel
69 Reviews
Dieses Kapitel
3 Reviews
 
 
15.12.2020 1.339
 
Hallo und herzlich Willkommen,

hier kommt eine ungeplante Story von mir. Nachdem ich mich dazu entschieden hatte, beim Adventskalender nicht mitzumachen, hat sich diese Geschichte in meinen Kopf geschlichen. Aus einzelnen Szenen formt sich langsam etwas größeres und ich habe begonnen es aufzuschreiben.

Vielen Dank an dieser Stelle an die liebste Fhaiye, dank dir traue ich mich zu diesem Schritt!

Kleine Anmerkung zu Beginn: Die Story spielt vor zehn Jahren und gleichzeitig in der heutigen Gegenwart. Orte, Daten, Personen oder Zusammenhänge müssen nicht mit der Wirklichkeit übereinstimmen.

Viel Spaß beim ersten Kapitel. Ich freue mich über jede Kritik, haut eure Meinung ehrlich raus!

Eure Tante
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Kapitel 1

„Also Chris kann es schon mal nicht sein“ sagte mein Bruder in die Runde. „Warum nicht“, fragte unsere Mutter und Ares, unser Onkel wollte wissen, wer dieser Chris überhaupt war.
„Chris ist mein Chef. Und das ist ausgeschlossen, das würde er niemals wagen“, war mein Bruder sehr überzeugt.

Ich seufzte lautlos. Es hatte mich einiges an Überwindung gekostet, meiner Familie zu erzählen, dass es da „jemanden“ gab. Sie waren total aus dem Häuschen und wollten natürlich alles wissen. Denn das gab es noch nie und ich musste mir eingestehen, dass ich tatsächlich zum ersten Mal in  meinem Leben so richtig verliebt war. Aber wer es war und was da überhaupt zwischen uns lief, das wollte ich noch nicht verraten. Konnte es auch gar nicht verraten. Denn obwohl mir meine Gefühle so langsam bewusst wurden, so wusste ich noch immer nicht, was da überhaupt zwischen uns lief. Es war für mich nicht greifbar, entwickelte es sich zu einer Beziehung? Oder blieb es bei einer Affäre? Ich hatte mich noch nicht getraut, es überhaupt anzusprechen und er sah bis jetzt scheinbar auch keine Notwendigkeit dazu. Und wenn ich mich ihm öffnete, meine Geschichte offenbarte, würde er dann nicht schreiend davon laufen? Musste ich ihm überhaupt alles erzählen oder konnte ich nicht lieber einiges für mich behalten? Warum war das alles nur so kompliziert?!

Es war direkt klar, dass es jemand aus dem Freundeskreis meines Bruders sein musste. Denn obwohl ich schon ein paar Monate bei ihm in Hamburg lebte, hatte ich bisher noch keine anderen Leute kennengelernt.

Während Sven weiter rätselte, wer es denn sein könnte, legte Ares einen Holzscheit im Kamin nach. Das Feuer knackte und knisterte und ich ließ meine Gedanken kreisen.

Wir waren schon eine unkonventionelle Familie, anders konnte man das gar nicht sagen. Und wie so oft stellte ich fest, dass ich etwas aus der Art geschlagen war. Ich war das schwarze – na wohl eher das weiße Schaf der Familie. Ein bisschen langweiliger und unscheinbarer als die anderen. Mein Bruder mit seiner Vorliebe für halbdurchsichtige Netz-Shirts war inzwischen dazu übergegangen, von seinen letzten Bettgeschichten zu erzählen. Meine Mutter schüttelte ihre schwarzen Locken vor Lachen und wischte sich eine Träne aus dem Augenwinkel. Unser Verhältnis war schon immer offen und freundschaftlich, wobei ich eher etwas verschlossen war und solche Details nie so offenherzig meiner Mutter erzählen würde. Aber Sven war eben Sven und so schamlos wie eh und jeh.
Ares saß wie immer ruhig in seinem Sessel und beobachtete die Szene amüsiert. Obwohl sein Aussehen mit den von oben bis unten tätowierten Armen und den schwarz geschminkten Augen das Gegenteil vermuten ließ, war er der stillste und in introvertierteste der Familie. Er war eine treue Seele und hielt unsere kleine Familie immer zusammen. Ares hatte immer einen guten Rat und es gab kein Problem, das er nicht lösen konnte.
Sven und ich waren mit der schwarzen Szene aufgewachsen, zwischen lauten Konzerten, schwarz gekleideten Menschen und dem unverwechselbaren Lachen unserer Mutter. Ich war die einzige unserer kleinen Gemeinschaft, der man die Zugehörigkeit zur Szene nicht auf den ersten Blick ansah. Ich trug keine engen Lederröcke wie meine Mutter oder bodenlange schwarze Mäntel wie Ares. Meine Augen waren nicht schwarz geschminkt und die Haare nicht von Natur aus pechschwarz, so wie bei den anderen. Generell konnte man mir die spanischen Wurzeln meiner Mutter nicht ansehen, ich kam wohl eher nach meinem mir unbekannten deutschen Vater.
Gedankenverloren fuhr ich mit der Hand durch meine langen braunen Haare. Meine Familie war schon einzigartig, mit alle ihren Peinlichkeiten und dem lauten und auffälligem Verhalten. Wir stachen überall aus der Masse, ob wir wollten oder nicht. Und ich als kleine graue Maus mittendrin, die ich Aufmerksamkeit oder gar im Mittelpunkt stehen überhaupt nicht leiden konnte. Aber was wäre ich nur ohne sie? Ohne sie hätte ich die schwere Zeit, die hinter mir lag, wahrscheinlich gar nicht –

Bevor meine Gedanken noch trübsinniger werden konnten, wurde die Tür geöffnet und der Lebensgefährte meiner Mutter steckte den Kopf hindurch.
„Das Essen ist fertig, ihr könnt jetzt kommen. Maria, du wirst dich besonders freuen“, sagte er mit einem Augenzwinkern in meine Richtung und die anderen lachten.

Ich verdrehte die Augen und seufzte laut. Ich liebte unsere Weihnachtstradition in dieser kleinen finnischen Holzhütte, aber das Essen hier war absolut nicht nach meinem Geschmack. Das traditionelle finnische Weihnachtsessen bestand hier jedes Jahr aus Stockfisch und mit Nelken gespicktem Schinken, alleine der Gedanke daran löste in mir Übelkeit aus. Wie immer würde ich mich hauptsächlich von Brot und gesalzener Butter ernähren. Denn Brot backen, das konnten die Finnen. Ich liebte das grobe runde Sauerteigbrot mit dem Loch in der Mitte. Als ich noch ein Kind war, gab es einmal Elchbraten an Weihnachten und Jussi fand es lustig uns zu erzählen, dass dieser Elch Olaf hieß. Genau wie in meinem Kinderbuch „Olaf der Elch“. Das Essen endete in einer Katastrophe, Sven und ich brachen in Tränen aus und wir haben niemals auch nur ein Stück vom Elchbraten versucht.
Ja, die finnische Küche war absolut nicht meins!

Ach Jussi, er hatte unsere Familie irgendwie komplett gemacht, auch wenn er nicht immer das perfekte Gespür für uns Kinder hatte. Dank ihm verbrachten wir jedes Jahr an Weihnachten eine Woche in Kiikka, seiner Heimat in Finnland. Seine Familie hatte dort ein großes Anwesen und wir lebten immer in der kleinen Holzhütte neben dem Haupthaus.
Jussi und meine Mutter hatten schon lange eine sehr anstrengende on-off-Beziehung, aber irgendwie schafften sie es immer, sich vor Weihnachten vertragen und die gemeinsamen Urlaube waren das Highlight des Jahres. Seit ein paar Jahren war es ruhiger und harmonischer zwischen den beiden geworden und als ich vor drei Monaten von zuhause auszog, beschloss meine Mutter ihn und seine Band zu begleiten. So waren sie in der letzten Zeit durch Europa und Russland getourt und wir alle freuten uns, dass wir uns jetzt endlich wieder sehen konnten.
Endlich gelang es mir, mich auf das hier und jetzt zu konzentrieren und ich nahm an den Gesprächen während des Weihnachtsessens teil. Wir hatten eine tolle Zeit, aßen, tranken und lachten gemeinsam.

Spät am Abend zog ich mich in mein Zimmer zurück. Bevor ich die Tür hinter mir schließen konnte, passte meine Mutter mich nochmal ab und umarmte mich fest.
„Ich freue mich wahnsinnig für dich und hoffe er tut dir gut.“
„Ach Mama, ich weiß doch auch nicht…“, stotterte ich vor mich hin „Warum ist alles so kompliziert? Ich weiß gar nicht, wie es jetzt weiter gehen soll.“
„Denk nicht so viel darüber nach und genieße es, Liebes! Das hast du dir verdient, nach all dem was passiert ist…“
Sie verstummte und nickte mir noch einmal zu, während ich in meinem Zimmer verschwand. Noch viel verwirrter als zuvor legte ich mich auf das Bett und nahm mein Handy in die Hand. Es hatte den ganzen Tag hier im Zimmer gelegen und ich hatte einige Nachrichten verpasst. Eine davon war von meinem Liebsten.

„Genieße den Urlaub, Süße. Ich freue mich auf nächste Woche“

Mein Herz schlug plötzlich schneller und ich geriet ins Träumen. Wer hätte nach unserem ersten Zusammentreffen vor ein paar Monaten damit gerechnet, dass er mir einmal solche Nachrichten schrieb?

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Und, wie hat es euch gefallen? Auch wenn das erste Kapitel zunächst unscheinbar wirkt, es ist wichtig für den weiteren Verlauf. Übrigens sind alle Charaktere außer Maria und den Lotls an Schauspieler, Musiker oder Filmfiguren angelehnt. Kommt euch jemand bekannt vor? ;-)
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