Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Funkenflug - die Funkensaga Teil 4

von Roskva
GeschichteAbenteuer, Sci-Fi / P12 / Gen
Banshee / Sean Cassidy Beast / Henry "Hank" Philip McCoy OC (Own Character) Professor X / Professor Charles Francis Xavier Storm / Ororo Munroe
15.12.2020
30.05.2021
8
14.050
1
Alle Kapitel
6 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
19.12.2020 1.907
 
Charles ließ die Hand noch einen Moment  auf dem Hörer liegen, nachdem er bereits auf der Gabel des Telefons lag.
Wenn sie nicht da war, dann könnte er ihn erreichen. War Melody so besessen darauf, nicht gefunden zu werden? Charles seufzte. Zumindest hatte er die Gewissheit dass es ihnen gut ginge. Ein kleiner Trost. Allerdings hatte er sich nicht getraut, direkt nach ihr zu fragen. Nick schien aufgewühlt und besorgt.
Eine Unruhe überkam Charles erneut. Genauso wie eine seltsame Vorfreude. Doch er schüttelte schnell den Kopf, um seine Gedanken zu ordnen. Er durfte jetzt nicht schon wieder glauben, dass alles gut werden könnte. Das hatte er schon einmal geglaubt und war bitter enttäuscht worden.
Melody hatte sich bewußt gegen ihn entschieden. Daran musste er immer denken. Sie war gegangen. Trotz all ihrer Versprechungen und ihrer Worte, sie würde ihn lieben, konnte sie ihm nicht genug vertrauen, um ihn an ihren Entscheidungen teilhaben zu lassen. Was sagte das also aus? Sicher nicht, dass sie eine gesunde Beziehung hätten führen können.
Trotzdem flatterte sein Herz erneut, wenn er an sie dachte. Trügerisches Herz! Er durfte nicht schon wieder mit dem Herzen entscheiden. Er musste einen klaren Kopf behalten, Stella finden und Nick davon in Kenntnis setzen. Vielleicht gab es irgendwann danach endlich die Zeit, sich wieder mit Gefühlen auseinander zu setzen.

Sofort machte er sich auf den Weg in den unterirdischen Trakt der Schule, um Cerebro wieder zu aktivieren.

***

Im Keller unter der Schule angekommen, flankierten weiß leuchtende Lampen den Weg des Professors, der langsam durch die Flure fuhr. Es war ruhig hier unten, fast schon beängstigend ruhig. Es war mittlerweile schwer vorstellbar, dass sie vor einigen Wochen noch ständig hier unten gewesen sind. Sei es zum Training, zu Forschungszwecken oder Gesprächen. Charles atmete tief durch. Cerebro lag am Ende des nächsten Flures und er würde viel Kraft aufbringen müssen, um Stella zu finden. Es war nicht so, dass er es nicht bereits versucht hatte, aber auch sie schirmte sich gut ab.  Das hatte er Newton allerdings noch nicht so direkt sagen wollen. Sollte er seine Hoffnungen schon jetzt schmälern? Charles war so froh gewesen, als er angerufen hatte, da brauchte er nicht auch noch von seinen unzählige Fehlschläge berichten.
Stellas Fähigkeiten waren eine harte Nuss. Er kannte diese Blockade schon, aber er hoffte, dass er einfach irgendwann etwas Glück hätte und Ariel die Barrieren noch nicht stabil genug halten konnte. Er sah keine andere Chance, als es einfach immer wieder zu versuchen.
Als er den Eingang zu Hanks Büro passierte, sah dieser auf und kam sofort an Charles’ Seite geeilt.
„Charles!“ rief er, um ihn zu stoppen, „Was machst du hier?“
„Ich wollte…“ Charles wandte den Blick ab und sah auf die verriegelte Tür vor sich. „… zu Cerebro.“
„Dann willst du es nochmal versuchen, Melody zu finden?“ fragte Hank.
Charles aber schüttelte den Kopf. „Nein, ich will Stella suchen.“
„Stella? Aber… willst du etwa selbst nach ihr suchen? Was ist mit Melody und Nick?“
Charles hielt inne und seufzte schwer. Er war unsicher ob all der Dinge, die hier stattfanden, aber er wollte seine Freunde natürlich auch nicht im Ungewissen lassen. Das würde alles nur wieder schlimmer machen. Hank war clever. Er würde nichts überstürztes tun.
„Nein“ sagte er also und sah Hank nun doch an. „Ich will sie suchen, um es dann Nick mitzuteilen.“
Hank verstand nicht ganz. „Nick? Aber wie willst du..“
„Ich habe mit ihm gesprochen. Er braucht Hilfe.“ Charles’ Blick heftete sich wieder auf die Metalltür direkt vor ihm.
Hanks Augen weiteten sich, als er hörte, was Charles ihm da sagte. „Aber das ist ja großartig. Dann haben sie sich endlich gemeldet?“
„Nun ja, Nick hat sich gemeldet. Allerdings klang er sehr angespannt, wollte Newton genannt werden und sprach davon, dass sie sie abschirmen würde. Deshalb war es nicht möglich gewesen, sie zu kontaktieren.“
„Du meinst Melody?“
Charles wischte sich mit den Handflächen einmal über das Gesicht. „Ich denke schon. Aus irgendeinem Grund, versteckt sie sich vor uns.“
Hank trat einen Schritt zur Seite, so dass er direkt vor Charles stand und sah ihn mitleidig an. „Du weißt doch warum, Charles.“
„Ja vielleicht“ brummte er leise und sah zu Boden.
Natürlich hatte er nicht vergessen, dass sie der Meinung gewesen war, allein gehen zu müssen, um sie zu beschützen, aber er hatte nicht geglaubt, dass sie wirklich so leichtsinnig sein würde, sich tatsächlich komplett von ihnen abzuwenden. Charles hatte geglaubt, dass er weiter ein Auge auf sie haben könnte. Aber selbst das war ihm nicht vergönnt gewesen.
Um so mehr spürte er die Aufregung in seiner Brust, dass er endlich wieder Kontakt zu Nick bekommen hatte.
„Nun gut. Ich will es noch einmal versuchen. Vielleicht klappt es ja heute.“
„Ich begleite dich,“ sagte Hank und ging langsam neben Charles her.
Nachdem durch den Laserscanner seine Identität bestätigt wurde, öffnete sich das schwere Tor und Charles bewegte sich zum Zentrum der riesigen Hohlkugel von Cerebro. Hank war dicht hinter ihm und beobachtete jetzt seinen Freund, der sich den Metallhelm vom Bedienpult nahm.
Nach der Aktivierung leuchteten mehrere Lichter um sie herum auf. Charles konzentrierte sich auf Stella. Versuchte irgendwo eine Spur zu finden.

Aber nichts. Enttäuscht ließ er den Kopf hängen.
Hank sah besorgt auf ihn hinunter.
„Nichts!“ sagte Charles leise und wollte sich abwenden.
„Nein, warte!“ hielt Hank ihn auf.
„Worauf denn? Ich kann sie nicht finden, Hank.“
„Nicht sie direkt, aber vielleicht sind wir immer falsch an die Sache ran gegangen?“
„Wie meinst du das?“ fragte Charles jetzt interessiert.
„Wo sind Nick und Melody gerade?“
„Washington.“
„Dann haben sie sie dort irgendwo gesehen?“
„Vermutlich.“
Hank grinste. „Dann musst du nur ihren Spuren folgen.“
„Ich fürchte, ich kann dir nicht ganz folgen, mein Freund.“
„Ich meine,“ begann Hank wieder, „Such in den Köpfen der Menschen nach ihrem Bild. Fang in Washington an. Und dann folge ihrer Spur durch die Erinnerungen der Menschen, denen sie begegnet ist.“
Charles begann zu verstehen, worauf sein Freund abzielte, und spürte vorfreudige Aufregung. „Das ist brillant, Hank.“
Hank legte den Kopf schief und bedankte sich schüchtern bei seinem Freund, der bereits wieder in die Weiten von Cerebro sah.
Tausende Menschen in dieser riesigen Stadt und in all ihren Köpfen waren unzählige weitere Menschen zu sehen. Charles durchforstete Bilder, Stimmen und Emotionen in lauter fremden Gedanken. Er hatte keine Ahnung, wie lange er das tat, wieviele Menschen er kontaktierte.
Plötzlich fand er etwas. Die roten Haare von Stella waren unverkennbar einem Beamten am Bahnhof in Erinnerung geblieben, als er sie dort gesehen hatte. Sie war in einen Zug gestiegen, der in Richtung Roanoke fuhr.
Ab hier war es einfach, ihrer Spur zu folgen. Schnell fand er einen Mitreisenden, der Stella beobachtet hatte, wie sie in Roanoke ausstieg, fand den Taxifahrer, der sie zu einem Motel brachte. Und schließlich sah er ihr Bild in einer Verkäuferin im Supermarkt, die in gerade diesem Moment beobachtete, wie Stella mit Kopfhörern im Ohr leise summend, an ihrer Kasse stand.
Charles hätte weinen können vor Glück. Warum war er nicht schon früher auf diese Idee gekommen?
Er drehte sich zu Hank um und strahlte ihn gerade zu an.
„Sie ist in Roanoke!“

***

Es war dunkel geworden. Newton stand unbewegt vor dem Fenster in ihrem Motelzimmer und starrte auf sein eigenes Spiegelbild, das von der Fensterscheibe zurückgeworfen wurde, als er die Stimme des Professors vernahm.
Aufgeregt sah er sich um. Tesla war im Badezimmer. Und trotzdem konnte er mit dem Professor sprechen? War alles in Ordnung mit ihr? Ein kurzer Impuls in ihm wollte, dass er nachsah, ob sie bei Bewusstsein war. Aber ihm blieb keine Zeit zum nachdenken.
Newton? Die Stimme war leise, aber deutlich.

„Professor!“ sagte Nick leise mit Blick auf sein Spiegelbild, dass sie jetzt veränderte und die Konturen von Charles Xavier annahm. In dem Moment, als das Bild des Professors deutlich vor ihm stand, spürte Newton einen dicken Kloß in seinem Hals. Gleichzeitig spürte er wachsende Unruhe in sich, weil er immer noch Angst hatte, dass Tesla jeden Moment hereinkommen konnte.
Ohne Zweit zu verlieren fragte er also gleich: „Haben Sie sie gefunden?“

***

Newtons Aufregung war fast greifbar gewesen, doch auch Charles bemerkte, wie das Herz in seiner eigenen Brust stärker schlug, als er durch Newtons Augen die Umgebung sah, in der er sich befand. Ein Motelzimmer.
Newton stand vor einem tiefen Fenster, das von hellblauen Vorhängen eingerahmt wurde. Der Boden war mit einem etwas in die Jahre gekommenen Teppich ausgelegt. Durch die Fensterspiegelung sah Charles zwei Betten, einen Sessel und einen niedrigen Tisch. Auf dem hinteren Bett stand ein Rucksack, den Charles sofort erkannte. Er gehörte ihr.
Charles schluckte und versuchte sich auf Newton zu fokussieren, merkte aber schnell wie sein Blick immer wieder durch den Raum im Hintergrund schnellte, um irgendein Detail seiner Umgebung zu erhaschen.
Jetzt war aber nicht die Zeit dafür. Wenn er gewußt hätte, dass ihn ein einfaches Gespräch selbst über diese Entfernung so in Aufregung versetzen würde, er hätte vielleicht noch etwas gewartet. Andererseits war keine Zeit, um zu warten. Wer wußte schon, ob Ariel morgen noch im selben Ort zu finden war.

***

Ja, das habe ich.Es war nicht einfach, aber ich habe sie gefunden. sagte der Professor nun und Newton atmete direkt aufgeregt tief ein.
Sie ist in Roanoke. Dort habe ich sie gesehen. Leider nur kurz.
„Roanoke“ raunte Newton.
Kannst du dir vorstellen, was sie dort tut? fragte der Professor. Habt ihr vielleicht Verwandte dort?
Newton schüttelte den Kopf, „Nein. Es muss aus Ariels Vergangenheit kommen. Oder es ist Zufall.“
Ja vielleicht.
„Aber das ist egal, wir müssen schnell dorthin, bevor sie wieder verschwunden ist.“
Ich werde es morgen früh noch einmal versuchen und dich dann kontaktieren.
„Vielen Dank, Professor.“

***

Charles nickte und wollte die Verbindung zu Newton abbrechen, als er hinter Newton eine Bewegung sehen konnte. Hinter ihm ging eine Tür auf. Er konnte das helle Licht des kleinen gekachelten Raumes erkennen und auch die Silhouette der Person, die gerade heraustrat.
Newton drehte sich um und sah Tesla direkt an. Charles’ Herz setzte einen Schlag aus. Sie trug Shorts und ein lockeres T-Shirt und hatte ein Handtuch über die Schultern gelegt. Das feuchte Haar war deutlich kürzer als es bei ihrem letzten Gespräch gewesen war. In glänzenden, leicht zerzausten Strähnen fiel es ihr in die Stirn und reichte nur noch bis an ihr Kinn.
Charles ließ den Blick einmal über ihre Figur wandern. Er hatte sich jetzt schon so lange gewünscht, sie wieder zu sehen und mit ihr zu sprechen. Jetzt war plötzlich die Möglichkeit da und er stockte etwas erschrocken.
Sie lief zu einem der beiden Betten und rubbelte noch einmal mit dem Handtuch über ihr Haar, bevor sie es auf einen Stuhl warf. Ihr Gesicht war gerötet, vielleicht vom heißen Wasserdampf der Dusche, dachte er. Besonders ihre Augen hatten ganz offensichtlich Probleme mit den hohen Temperaturen gehabt. Sie waren deutlich gerötet. Charles wollte mit ihr sprechen. Ganz egal was, er wollte endlich wieder mit ihr sprechen.

Und ohne, dass er darüber nachdachte, tat er etwas, was er eigentlich nicht tun wollte. Er überwand eine Grenze und übernahm Newtons Körper, drängte sich in den Vordergrund, um das tun und sagen zu können, was er einfach tun wollte.  Er holte tief Luft und wollte durch Newtons Lippen sagen, was ihm alles auf der Seele brannte, als sie plötzlich den Kopf hochriss und ihn anstarrte wie ein verwundetes Raubtier, das zum letzten Schlag ausholen wollte.
Die Augen zu Schlitzen verengt, fixierte sie ihn und zischte: „Jemand ist hier!“
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast