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Seelengefährten für immer

GeschichteFamilie, Tragödie / P6 / Gen
OC (Own Character) Ran Mori Shinichi Kudo
14.12.2020
04.05.2021
9
11.275
 
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Dieses Kapitel
1 Review
 
04.05.2021 1.220
 
Happy Birthday, Shinichi Kudo und Conan Edogawa!

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Kapitel 8: Wutentbrannt

Weinend kauerte sich Ran über Shinichi zusammen.
"Komm zurück, Shinichi, bitte. Komm zurück..."
Die vier Kinder hörten ihr herzzerreissendes Flehen, sie rannten zu ihr, doch vor der Blutlache stoppten sie. Sie alle sahen, was los war. Sie alle sahen, was ihr Vater getan hatte.
"Dad, nein!"
Reika brach in Tränen aus und fiel auf die Knie, Miyuki umarmte sie und wollte sie trösten, aber sie weinte selbst.
Shinichi Jr. und Shunsaku standen stocksteif da.
"Dad spielt nur den Toten", murmelte der Sechzehnjährige und schaute auf Shunsaku, der den Blick nicht von seinem Vater lösen konnte. "Dad spielt nur den Toten. Sobald hier alle weg sind, steht er wieder auf. Nicht wahr?"
Ran weinte herzzerreissend, es war nicht gespielt.
"Shinichi, komm zurück! Verlass mich nicht!"
Langsam dämmerte es Shinichi Jr., dass seine Worte nichts weiter als eine Wunschvorstellung waren.
Die rote Flüssigkeit am Boden unter Shinichi... das war keine Farbe. Das war Blut. Echtes Blut.
Mit wackligen Beinen ging er auf Ran zu, kniete sich neben sie und legte ihr tröstend einen Arm um die Schulter, doch seine lieb gemeinte Geste erzielte das genaue Gegenteil.
Ran weinte noch lauter und noch verzweifelter. Sie war untröstlich. Vor ihr lag ihr toter Ehemann, der sein Leben für sie geopfert hatte. Neben ihr kniete ihr erstgeborener Sohn, der wie sein Vater aussah.
Einen Shinichi hatte sie verloren. Einen Shinichi hatte sie noch...
Ran liess vom Detektiv ab und schloss Shinichi Jr. in die Arme, der nun auch um seinen Vater weinte.


Shunsaku wollte es als Einziger nicht wahrhaben. Er ignorierte seine Schwestern, seine Mutter und seinen Bruder, stürzte auf Shinichi und fiel vor ihm auf die Knie. Er kniete in der Blutlache, seine Hosen sogen sich voll, doch es war ihm egal.
"Dad, du darfst nicht gehen! Lass uns nicht allein! Daddy! Daddy!"
Er rüttelte am leblosen Körper, doch sein sehnlichster Wunsch wurde nicht erfüllt. "Daddy!"
Shunsaku rüttelte noch heftiger an Shinichi, seine Kleidung wurde noch blutverschmierter, aber es nützte alles nichts. "Daddy! Nein!"
Shunsaku wollte es immer noch nicht wahrhaben, er rüttelte so stark an seinem Vater, dass er ihn schliesslich erst auf den Rücken und danach auf die andere Seite drehte.
Ran schluckte, um den Kloss in ihrem Hals loszuwerden, doch es funktionierte nicht wirklich.
"Shunsaku, bitte..."
"Nein! Daddy! Du darfst nicht gehen!"
Als Shunsaku noch einmal heftig an seinem Vater rüttelte, hörten sie es alle.

Ein leises und schwaches Husten.

Alle, auch Reika und Miyuki, rissen die Augen auf.
Kam dieses Husten etwa gerade von-?
Sofort war Ran an Shunsakus Seite und drehte Shinichi zurück auf den Rücken.
"Shinichi, warst du das?"
Keine Antwort.
Eilig, aber mit neuer Hoffnung tastete Ran an Shinichis Halsseite nach seiner Schlagader, in der Hoffnung, den Puls des Lebens zu spüren.
Er musste doch da sein-!
Ran erstarrte.
"Mum?"

Sie tastete ihre Taschen ab, doch sie fand ihr Handy nicht.
"Reika, ich weiss, dass du dein Handy dabei hast. Gib es mir, schnell."
"Mum?"
"Sofort!"
Ran drehte sich zu ihr um, sie hatte Tränen in Augen. "Euer Vater hat noch einen Puls, wenn er jetzt sofort ärztliche Hilfe bekommt..."
Ran war selbst überrascht, wie gefasst und ruhig sie diese Worte sagen konnte, doch es half immens dabei, Shinichi Jr., Reika, Miyuki und auch Shunsaku zu beruhigen. Es war genau das, was sie nach dem schrecklichen Anblick gebrauchen konnten.

Nachdem Ran den Krankenwagen gerufen und dann solange bei Shinichi knien blieb, bis die Notärzte bei ihnen waren und sie ihren Ehemann in guten Händen wusste, ging sie voller Wut auf die Polizei los.
Einen der Scharfschützen streckte sie mit einem gezielten Fusstritt mitten ins Gesicht nieder, der andere machte Bekanntschaft mit ihrer Faust. Auch er landete hart auf dem Boden.
"Fünf Sekunden!", schrie sie, bevor sie auf Kommissar Megure losging und ihn ebenfalls mit einem perfekt ausgeführten Schulterwurf auf den Boden verfrachtete. "Hätten Sie sich nicht fünf Sekunden früher einmischen können? Oder Shinichi wenigstens die Pistole aus der Hand schiessen können?"
"Ran, bitte-"
"Haben Sie eigentlich eine Ahnung, was Shinichi getan hat?"
"Ran, bitte beruhige dich-"
"Nein!"


Mit Tränen in den Augen, voller Wut und mit der grössten Lust, dem Kommissar ein farbiges Aussehen zu verpassen, stand sie über ihm und versuchte mit aller Macht, ihre Tränen zurückzuhalten.
Megure war sprachlos, er hatte Angst vor ihr, aber als er zu Shunsaku sah, vergass er die Angst.
"Oh mein Gott, bist du verletzt, Junge?"
"Hä?"
Der Zehnjährige verstand erst nicht, was los war, doch als er an sich hinunterblickte und seine blutverschmierten Hosen sah, war alles klar.
"Das ist Dads Blut", sagte er und ballte seine Hände zu Fäusten. Nun stieg auch in ihm die Wut hoch. "Das ist Dads Blut! Weil Sie zu langsam waren!"
"Ich weiss, und das tut mir schrecklich leid", entschuldigte sich Megure und meinte es tatsächlich ernst.
Es tat ihm wirklich sehr leid, dass sie nicht früher eingetroffen waren, und dass er die Familie bis jetzt nicht beachtet hatte. Er durfte in Zukunft nicht mehr nachgeben und sich irgendwelche Grünschnäbel aufschwatzen lassen, die frisch von der Polizeischule kamen. Wegen ihnen war sein bester Mann jetzt in einer Situation, in die er nie hätte kommen dürfen.

Shinichi Jr. und seine Geschwister waren ebenfalls sehr wütend auf ihn.
"Die Polizei, dein Freund und Helfer", knurrte der Sechzehnjährige und hielt Miyuki zurück, die ebenfalls auf Megure losgehen wollte. "Das ich nicht lache. Sie helfen doch nur, wenn es darum geht, unseren Dad ins Jenseits zu befördern!"
Im ersten Augenblick wollte Ran ihn zur Höflichkeit und Ruhe ermahnen, doch dann liess sie es bleiben. Ihr Sohn hatte absolut Recht.
Sie wandte sich wieder mit erhobenen Fäusten dem Kommissar zu, der immer noch unter ihr lag.
"Ich bete für Sie, dass Shinichi das Ganze heil übersteht. Denn wenn nicht..."
Rans Drohung zeigte Wirkung, Megure machte sich ganz klein. "Fünf verdammte Sekunden!"
Megure entschuldigte sich noch einmal in aller Form bei der vierfachen Mutter und deren Kindern.
"Darf ich euch als kleine Wiedergutmachung ins Krankenhaus fahren?"
"Sie dürfen nicht, Sie müssen!"
Dieser Meinung waren auch Shinichi Jr., Reika und Miyuki, und so kam es, dass sie alle eine halbe Stunde später ziemlich verloren, aber trotzdem voller Hoffnung auf den Stühlen vor dem Operationssaal sassen und auf eine gute Nachricht warteten.

Shinichi Jr., Reika, Miyuki und besonders Shunsaku waren in einer Achterbahnfahrt der Gefühle gefangen, einzig bei Ran überwogen die negativen Gefühle und die Angst.
Natürlich hoffte sie, dass sie eine gute Nachricht aus dem OP erhielten, dass Shinichi bald wieder gesund war und er keinerlei Schäden vom heutigen Tag davontragen würde. Natürlich hoffte sie, dass sie schon bald wieder einen normalen Alltag hatten, zumindest so normal wie es für sie möglich war.
Das Problem war nur...
Ein schlagendes Herz war immer gut, aber besonders in Shinichis Fall hiess das keinesfalls, dass er auch wirklich überlebte. Schliesslich hatte er sich nicht in die Brust geschossen, sondern in den Kopf. Ins Gehirn...

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Fortsetzung folgt...
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