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Sternenlicht

OneshotRomance, Familie / P12 / Gen
Hanamaki Takahiro Matsukawa Issei
13.12.2020
13.12.2020
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Wichtelgeschenk für eine Freundin, die mir die drei Worte "Sterne, Gänseblümchen und Bäume" dafür gegeben hat. <3

**

Erbarmungslos fiel der Schnee in dicken Flocken vom Himmel herab, während die grauen und bedrückten Wolken die Sterne verdeckten. Ein weiterer Blick aus dem Flugzeugfenster versicherte Hanamaki, dass es wohl auch in den nächsten Stunden nicht aufhören würde zu schneien.

Der Schnee hatte sich im vergangenen Monat geweigert in auch nur geringster Weise zu erscheinen, doch nun musste er sich natürlich ausgerechnet dafür entscheiden aufzutauchen und den gesamten Flug zu verderben. Genervt blickte der ehemalige Aoba Johsai Spieler erneut auf sein Handy, nur um festzustellen, dass der Flug bereits vor einer Stunde hätte starten sollten, aber aufgrund des aufkommenden Schneesturmes war dies nicht möglich gewesen.

Hanamaki war nicht gerade der beste, wenn es um Jobwahlen ging, aber er hatte vor zwei Monaten endlich ein interessantes Angebot auf der anderen Seite Japans bekommen, welches er einfach nicht abschlagen konnte, auch wenn dies bedeutete, dass er seinen festen Freund, Matsukawa, dafür für ein paar Monate verlassen musste. Es war eigentlich geplant gewesen, dass er nach Erfüllung des Jobs im Januar wieder zurückkehren konnte, aber Hanamaki war einfach nicht fähig mit dem Gedanken zu leben Weihnachten ohne seine Familie und seinen Geliebten zu verbringen, was auch der eigentliche Grund war wieso er nun im Flugzeug saß. Makki konnte eigentlich nur mit dem Gedanken leben auch die nächsten Jahre nur mit Matsukawa und seinen Eltern zu verbringen, auch wenn seine Eltern einzige Male bereits nachgefragt hatten, ob die beiden nun heiraten würden, um eventuell auch eines Tages einem Kind die Möglichkeit zu geben ein neues Zuhause zu finden.

Hanamaki war allerdings nicht besonders begeistert von der Idee gewesen ein Kind zu sich zu nehmen. Er wusste nie wirklich wie genau er mit Kindern umgehen sollte und ob er sie auch wirklich glücklich machen konnte. Oikawas Neffe zum Beispiel mochte Hanamaki nicht sonderlich.

Er hatte allerdings keine Ahnung warum.

Trotz der jährlichen Diskussionen freute sich Makki jedes Mal auf die gemeinsamen ruhigen Feiern und das gegenseitige Beschenken.

Unglücklicherweise fand der einzige Flug, den er noch bekommen hatte, genau in der Weihnachtsnacht statt – und nun schien genau dieser Flug aufgrund eines verdammten Schneesturmes auch noch abgesagt zu werden.

Vor sich hin murrend blickte Hanamaki erneut aus dem Fenster und betete insgeheim doch noch einen Blick auf die Sterne, und damit auf die Hoffnung Matsukawa an Weihnachten doch noch sehen zu können, zu erhaschen.

Vergeblich.

Normalerweise war Hanamaki immer fröhlich und optimistisch gestimmt, aber selbst er verlor gerade all seine Hoffnung. Er hatte sich wirklich darauf gefreut seinen Freund wieder zu sehen und mit ihm Heiligabend zu verbringen. Ihre eigentlichen Traditionen gemeinsam Kekse zu backen und dabei die gesamte Küche zu versauen und die Christbaumkugeln beim Schmücken zu zerstören, waren dieses Jahr bereits nicht möglich gewesen.

Doch nun schien es beinahe so als würde er Heiligabend ebenfalls einbüßen müssen. Und unglücklicherweise hatte er nur zwei Wochen frei, weshalb er wirklich bezweifelte, dass es sich noch lohnte später zurück in seine Heimat zu fliegen. Er wusste, dass er in spätestens einem Monat wieder mit Matsukawa vereint sein würde, aber die Zeit verging quälend langsam ohne ihn.

Es war einfach nicht das Gleiche seinem Freund über das Telefon stundenlang zuzuhören wie er von Beerdigungen und trauernden Menschen sprach. Er vermisste Mattsuns Gestiken, während er sprach und er vermisste es von einem Eimer Wasser geweckt zu werden, wenn er es mal wieder nicht schaffte morgens aus dem Bett zu kommen.

„Verehrte Fahrgäste, wir müssen Sie leider bitten das Flugzeug zu verlassen. Der heutige Flug muss aufgrund von schlechten Wetterbedingungen leider abgesagt werden. Wir werden sie baldmöglichst über andere Gelegenheiten informieren“

Die über die Lautsprecher ertönende Stimme der Stewardess raubte Hanamaki letztendlich auch die letzte Hoffnung doch noch zurück nach Miyagi zu kommen. Fluchend schlug er seinen Kopf gegen das Fenster, bereute jedoch die Aktion nach nur wenigen Sekunden. Nun noch schlechter gelaunt als zuvor rieb er sich die schmerzende Stelle an seinem Kopf und gab sich danach schließlich geschlagen. Es schien beinahe so, als würde er doch noch die Nacht hier verbringen müssen.

Hanamaki wartete, bis die Traube an ebenso genervten und enttäuschten Flugpassagieren das Flugzeug verlassen hatte, bevor auch er seine Sitzreihe verließ und schließlich aus der Maschine kletterte.

Na super.

Der Flughafen war eine Stunde von seiner Wohnung entfernt, was bedeutete, dass es keine Möglichkeit gab bei diesem Wetter zu dieser zu kommen.

Hanamaki begann daher sofort das Internet nach weiteren möglichen Bleiben in der Nähe zu suchen, nur um festzustellen, dass diese natürlich entweder komplett ausgebucht oder nicht erreichbar waren.

Er würde wirklich am liebsten einfach das Handy gegen die Wand schmeißen und beginnen zu schreien. Dies war auch der Grund wieso er Mattsuns Nummer wählte und daraufhin das Telefon an sein Ohr hielt. Der einzige Weg, um ihn nun einigermaßen bei Laune zu halten, war seinen Freund anzurufen und sich erstmal bei ihm über das Wetter zu beschweren. Im Grunde liebte Hanamaki Schnee sehr. Sein Geburtstag war immerhin im Januar und er verbrachte diesen meistens damit Mattsun mit Schnee einzureiben und danach einen Schneemann mit ihm zu bauen.

Aber im Moment würde er am liebsten einen Flammenwerfer kaufen und damit den gesamten Sturm schmelzen – nicht, dass das wirklich möglich wäre, aber Makki fand den Gedanken definitiv amüsant.

„Mhh, hat mein lieber Windbeutel ein Problem?“, meldete sich sein Freund an dem anderen Ende der Leitung, was dafür sorgte, dass Makki die Augen verdrehte. Er mochte den Spitznamen nicht besonders, aber er hatte sich mittlerweile gezwungenermaßen damit abgefunden.

„Mattsun, es gibt schlechte Neuigkeiten“

„Du hast schon wieder eines meiner Shirts gefunden, weil du es aus Versehen statt meinem eingepackt hast?“

„Was- Nein… Außerdem ist es sehr mutig von dir anzunehmen, dass dies ein Versehen war“, Makki musste sich das Grinden verkneifen, während er diesen Satz sagte, wurde aber daraufhin sofort wieder ernst. „Nein, mein Flieger kann nicht starten, weil ein schlimmer Schneesturm gestartet hat… Ich hatte eigentlich vor dich zu überraschen und Heiligabend vor deiner Tür zu stehen, aber leider scheint dieser Plan nicht zu klappen. Es tut mir Leid, Mattsun…“

Am anderen Ende der Leitung wurde es plötzlich komplett still, was Makki etwas irritierte. Matsukawa war normalerweise kein wirklich stiller Mensch, seine Worte und Taten waren immer gefüllt mit Späßen und Sarkasmus, für welchen Hanamaki seinen Freund einfach nur vergötterte. Allerdings war dem nun nicht der Fall, was ihm ein sehr schlechtes Gefühl gab.

„Mattsun?“

„Du wolltest mich damit überraschen?“, konnte er nun endlich erneut die Stimme seines geliebten Freundes hören, was ihm zumindest ein etwas besseres Gefühl gab.

„Ja und nun sind alle Straßen gesperrt, was bedeutet, dass ich nicht einmal zurück zu meiner Wohnung kann. Rate mal, wer die heutige Nacht auf einer Bank am Flughafen verbringen muss“

„Pfft, bist du jetzt also offiziell zu einem Obdachlosen geworden? Ohne mich? Wow Makki, ich bin enttäuscht. Wir hatten gemeinsam eine Pappkarton-WG eröffnen können“

Hanamaki konnte nun einfach nicht anders als laut loszulachen. Dies war genau der Grund wieso er Matsukawa so sehr liebte. Er war ein verdammter Idiot, aber er war sein Idiot.

„Wir hätten die coolste WG eröffnet. Mit richtig fancy großen Kartons unter der nächsten Brücke… aber nun mal ganz ehrlich, Mattsun. Ich hab keinen Plan was ich tun soll“

„Abwarten“ Dieses eine Wort machte Hanamaki für einen Moment stutzig, weshalb er stehen blieb.

„Abwarten?“, wiederholte er erneut.

„Ja genau, abwarten. Das wird schon alles wieder werden, Makki. Vielleicht bekommst du morgen noch einen Flug. Mach dir keine zu großen Gedanken darum, so kenne ich dich nicht“

„..Na schön, da hast du wohl recht“, gab er seinem Freund sofort Recht, „Dann hoffe ich, dass wir uns morgen sehen werden. Ich werde jetzt einen Platz suchen, um dort die Nacht zu verbringen“

„Viel Glück, Makkilein. Erkälte dich nicht, ich will noch Zeit mit dir verbringen“

Und mit diesen Worten hatte Mattsun bereits aufgelegt.

Hanamaki ließ sein Handy seufzend in seiner Jackentasche verschwinden, bevor er beschloss erst einmal seinen Koffer aufzusuchen. Dieser sollte nicht auch noch verloren gehen.

**

Hanamaki beobachtete die aufgebrachten Gäste um sich herum, da die Serie, die er eigentlich gestartet hatte, doch nicht so interessant war wie er zunächst gedacht hatte. Er hatte sich in einen der Wartebereiche gesetzt, um dort die Nacht irgendwie zum zu bekommen. Leider hatte er weder ein Kissen, noch eine Decke zur Verfügung, weshalb er sich wohl auf seine Jacke legen musste. Diese Nacht rumzubekommen würde vermutlich härter werden als er zunächst gedacht hatte.

Die romantische Aura, die durch die warme Weihnachtsbeleuchtung verursacht wurde, schien ihn beinahe schon zu verspotten.

Dies war definitiv kein schönes Weihnachten. Zumindest nicht ohne Matsukawa.

Hanamaki lehnte sich zurück, um seinen Kopf in den Nacken zu legen und an die Decke zu starren. Ihm funkelten tausende goldene Sterne entgegen, die wohl von dem Personal angebracht worden waren. Einige der Lichter waren bereits ausgfallen, aber niemand schien die Kraft oder Motivation zu haben diese wieder auszuwechseln. Hanamaki vermisste seine Heimat. Er vermisste sein bequemes Bett und vor allem vermisste er seinen Freund.

Weihnachten war einfach nicht das Gleiche ohne Matsukawa.

„Mommy, können wir jetzt zu Papa?“, zog ihn eine zarte Stimme aus seinen Gedanken. Hanamaki richtete sich auf, um zur Seite zu blicken. Er erspähte ein kleines Mädchen, das ungeduldig begann am Mantel ihrer Mutter zu zupfen.

„Ich habe dir doch schon gesagt, dass wir ihn leider nicht sehen können. Unser Flug ist ausgefallen“, antwortete die Frau, die das Mädchen nun hochhob und auf ihren Schoß setzte.

„Aber ich vermisse ihn“

„Ich vermisse ihn doch auch“, entgegnete die Mutter sofort, während sie damit begann ihre Hände über den Rücken ihrer Tochter zu streichen. Es war nicht gerade besonders warm am Flughafen. Alle anwesenden Gäste hatten sich in ihre Jacken gekuschelt, um sich zumindest selbst etwas zu wärmen. Hanamaki war irgendwo wieder erleichtert, dass er nicht der einzige war, dem es so erging. Viele Leute schienen anscheinend keine Bleibe gefunden zu haben, weshalb sie nun gemeinsam mit ihm am Flughafen saßen. Dies war zumindest besser als komplett alleine zu sein, auch wenn es ihm natürlich seinen Matsukawa nicht zurückgab.

„Wir können ihn vermutlich morgen wiedersehen, ja?“, meinte die Mutter daraufhin, während sie weiterhin versuchte ihre Tochter aufzuwärmen.

„Aber ich habe ihn nun schon seit Monaten nicht mehr gesehen! Ich vermisse ihn! Und es ist Weihnachten! Weihnachten ist nicht Weihnachten ohne ihn!“

Weihnachten ist nicht Weihnachten ohne ihn.

Die Worte des kleinen Mädchens hallten beinahe schon in Hanamakis Kopf wieder, bevor er erneut an die hohe Decke des Gebäudes starrte, um die Sterne bewundern zu können. Das warme Licht strahlte ihm entgegen, was beinahe schon einen Kontrast zu der Kälte im Raum bahrt.

Hanamaki konnte sich noch gut an sein erstes Weihnachten mit Matsukawa erinnern. Er hatte voller Freude einen Korb voller Lichterketten mitgenommen, um damit Hanamakis Zimmer zu dekorieren. Die Lichter waren wie kleine Sterne geformt gewesen. Und obwohl Weihnachten nur wenige Wochen darauf bereits wieder vorbei gewesen war, so hatte Makki es nicht übers Herz gebracht die Lichter wieder abzuhängen.

Und auch heute hingen sie noch über dem Bett von Hanamakis und Matsukawas gemeinsamen Schlafzimmer. Einige der Lichter waren bereits abgefallen oder wollten einfach nicht mehr anspringen, aber dennoch wollte keiner von ihnen die Kette wieder wegwerfen.

Irgendwie hatten Sterne ihn schon immer an seinen Freund erinnert.

„Ich kann das verstehen“, meldete sich Hanamaki plötzlich zu Wort, „Ich kann dich voll und ganz verstehen. Ich vermisse im Moment auch jemanden sehr stark, weißt du?“

Der Pinkhaarige setzte sich wieder gerade auf, um das Mädchen anzublicken. Er lehnte sich etwas nach vorne, um seine Ellbogen auf seine Knie zu stützen und seinen Kopf auf seine Hände zu legen. „Weihnachten ist auch nicht Weihnachten ohne ihn. Das hast du wirklich sehr schön gesagt. Ich bin auch wirklich traurig, dass der Flug nicht stattfindet. Ich hätte ihn auch sehr gerne gesehen“

„Oh, vermisst du deinen Vater auch?“, fragte das Mädchen nun, während sie sich auf dem Schoß ihrer Mutter umdrehte, um Hanamaki mit großen Augen anzusehen. Eigentlich hatte Makki noch nie besonders viel mit Kindern zu tun gehabt. Sogar Oikawas Neffe war ihm immer schon zu viel gewesen. Aber irgendwie wollte er nicht, dass dieses kleine Mädchen weiterhin in ihrer Trauer das Weihnachtsfest komplett vergaß.

„Mh, nein, es ist nicht mein Vater“ Hanamaki hielt kurz inne, da er sich unsicher war, ob er die nächsten Worte wirklich aussprechen sollte. Aber da er auch nicht lügen wollte, sprach er dann einfach doch weiter. „Es handelt sich um meinen festen Freund. Ich liebe ihn und habe ihn schon einige Monate nicht mehr gesehen, weil ich eine Arbeitsstelle hier bekommen habe. Ich werde erst in ein paar Monaten wieder nach Hause ziehen. Aber ich vermisse ihn so sehr, es ist kaum auszuhalten“

„Und darum wolltest du heute auch das Flugzeug benutzen?“

Hanamaki nickte kurz. „Genau“

„Mama und mir geht es genauso! Wir wollten Papa eigentlich auf der Arbeit überraschen, aber leider hat dies nicht so ganz geklappt“

„Bei mir auch nicht. Aber ich denke, dass wir uns davon nicht den Tag versauen lassen sollen. Was meinst du?“, fragte er das Mädchen nach, während er einen kurzen Blick aus dem Fenster warf. Leider schien es immer noch keine Aussicht auf eine Besserung des Sturmes zu geben, weshalb Hanamaki kurz aufseufzte.

„Aber was sollen wir denn tun? Ich glaube nicht, dass das hier besser werden kann“, seufzte das Mädchen auf, während sie sich an ihre Mutter schmiegte. „Ich mag es hier nicht… Die Stühle sind unbequem und die ganzen Leute hier sind viel zu laut. Ich will einen Weihnachtsbaum und ich will heiße Schokolade trinken, während wir alle in Decken gekuschelt uns Geschichten erzählen. Ich will Weihnachten nicht hier am Flughafen verbringen, Mama. All meine Freundinnen sitzen jetzt bestimmt daheim und öffnen ihre Geschenke. Zusammen mit ihren Vätern!“

„Ach Hana, sei doch nicht so negativ. Du wirst deinen Vater spätestens morgen wiedersehen. Und ich bin mir sicher, dass er sich mindestens schon genauso sehr auf dich freut wie du dich auf ihn. Keine Sorge, wir holen das Weihnachtsfest noch nach, okay?“, ermahnte diese ihre Tochter, worauf Makki kurz aufblickte.

„Hana? Was für ein Zufall, mein Name lautet Hanamaki. Hanamaki Takahiro. Aber wenn du willst, kannst du mich Hiro oder Makki nennen“, stellte er sich nun bei dem Mädchen vor, woraufhin diese hastig nickte und ihm ein strahlendes Lächeln schenkte. Dieses Kinderlächeln schien beinahe heller zu sein als die an der Decke leuchtenden goldenen Sterne.

Hanamaki war eigentlich immer gegen Kinder gewesen, aber irgendwas in ihm schien sich nun umzuschalten.

Er wollte der Kleinen ein schönes Weihnachtsfest bieten, auch wenn dies wohl sehr schwer werden würde. Sie war vielleicht gerade mal sieben Jahre alt und musste das wohl wichtigste Fest des Jahres ganz ohne ihren Vater verbringen, welchen sie noch dazu eine ganze Weile nicht mehr gesehen hatte. Es war vermutlich auch schon mehr als schwer für ihre Mutter sich alleine um das Kind und all die anderen Verpflichtungen zu kümmern. Irgendwie mussten sie diese Nacht überstehen, bevor sie ihre Liebsten am nächsten Tag wieder in die Arme schließen konnten. Und Makki würde davor sorgen, dass diese Nacht zumindest einigermaßen schön für die junge Familie sein würde.

„Weißt du was? Ich glaube ich habe eine Idee. Ich habe beim Herkommen einen sehr interessanten Ort entdeckt. Kommt mal mit“, forderte Hanamaki Mutter und Tochter auf, während er bereits aufstand. Es war zumindest einen Versuch wert.

**

Hanamaki hatte tatsächlich bei seiner Ankunft ein sehr hübsches Eck am Flughafen erblickt. Es war ein Teil des Flughafens, der ebenfalls sehr weihnachtlich geschmückt worden war. In der Mitte des Raumes standen drei Bäume aneinandergereiht. Diese waren mit diesen kitschigen Zuckerstangen verziert, die Hanamaki eigentlich so sehr hasste. Sie schmeckten nicht und sahen noch dazu extrem kitschig aus. Eigentlich hielt er wirklich nicht viel von dieser Art von Weihnachtsdeko, aber er konnte genau sehen wie sich die großen Augen des Mädchens noch mehr weiteten. Der Boden unter den Bäumen war mit diesem künstlichen Gras ausgelegt, während an den Wänden fröhlich weitere Sternenlichter flackerten. Einige gepolsterte Stühle standen an der anderen Seite des Raumes vor einem Kaffeeautomaten.

Es war tatsächlich ein typischer Platz an einem Flughafen, der für Weihnachten extrem verkitscht worden war. Aber dennoch hatte er das Potenzial zumindest die Illusion eines friedlichen Heiligabends für das kleine Mädchen zu bieten.

Hanamaki dachte nicht lange darüber nach, sondern nahm die Lichterketten von der Wand, bevor er zu den Bäumen blickte.

„Welcher der drei Bäume gefällt dir denn am besten?“, fragte er das Mädchen, welches daraufhin überlegte.

„Hm… Ich glaube der in der Mitte!“, antwortete sie. Makki wusste, dass die drei Kunstbäume genau gleich aussahen, aber aus einen ihm unverständlichen Grund hätte er ebenfalls zu dem in der Mitte tendiert. Er nickte kurz, bevor er die Lichterkette aussteckte und einige Male um den Baum herumwickelte. Er wurde hin und wieder von den Plastikzweigen und dem falschen Lametta gestört, aber dies hinderte ihn dennoch nicht daran die Lichter einige Male um den Baum zu wickeln.

Daraufhin öffnete er seinen Koffer, um nach etwas zu suchen. Mattsun und er stritten sich grundsätzlich immer über die einzelne Steckdose in ihrem Schlafzimmer. Und wissend, dass Mattsun sicherlich nicht daran gedacht hatte, hatte Hanamaki eine Dreifachsteckdose eingepackt, um späteren Konflikten aus dem Weg zu gehen.

Hanamaki nutze das Verlängerungskabel, um die Lichterkette anstecken zu können. Sofort erstrahlte der mittlere Raum in vollem Licht und wärmte somit den ganzen Raum viel schöner als zuvor. Makki fragte sich sowieso wieso man die Lichter an der kahlen Wand angebracht hatte.

Daraufhin ging er zurück zu den Stühlen, um die Kissen von diesen zu nehmen und stattdessen auf den Boden vor den Baum zu legen.

„Somit können wir uns hinsetzen und den Baum ansehen. Das wird es wohl etwas bequemer machen, auch wenn es immer noch ziemlich kalt ist“ Makki kratzte sich nachdenklich am Hinterkopf. Er hatte keine Ahnung wo er eine Decke herbekommen sollte, also würden die Jacken wohl reichen müssen.

Hana schien dies jedoch nicht zu stören. Sie zog ihre Mutter and deren Jackenärmel sofort zu der improvisierten Sitzgelegenheit und ließ sich auf die vielen Kissen fallen.

„Mama, schau! Dieses Jahr haben wir nicht nur einen Weihnachtsbaum, sondern gleich drei! Und der in der Mitte leuchtet so schön!“

Hanamaki konnte nicht anders als seine Mundwinkel zu einem Lächeln anzuheben.

„Und weißt du was gegen die Kälte hilft?“, fragte er daraufhin.

Hana schüttelte ihren Kopf, aber Makki konnte deutlich erkennen wie ihre Augen noch größer wurden als sie ohnehin schon waren.

„Heiße Schokolade“, antwortete er sofort, woraufhin er zum Automaten ging. Er prüfte kurz nach, ob sie auch wirklich Kakao anboten – es wäre sehr peinlich, wenn dem nicht der Fall gewesen wäre – bevor er genug Geld einwarf, um drei Tassen herunterlassen zu können. Mühevoll balancierte er die Becher zurück zu der wartenden Mutter und ihrer Tochter, bevor er diese überreichte.

Makki setzte sich selbst auf eines der Kissen, bevor er seinen störenden Koffer zur Seite schob und sich gegen die kühle Fensterscheibe lehnte. Die Lichter waren bereits gedimmt worden, was nur noch für eine bessere Atmosphäre sorgte. Makki lächelte leicht, als er einen erneuten Blick nach draußen warf. Die weißen und dicken Schneeflocken flogen in einem unregelmäßigen Wirbelwind vor den Fensterscheiben umher, bevor sie auf die Erde niedersanken und diese mit einer weißen Schicht verdeckten. Vor noch einer Stunde hätte er den Schnee am liebsten mit einem Flammenwerfer verbrannt, aber nun schien es ihn etwas weniger zu stören.

Das zufriedene Lächeln auf Hanas Lippen war mehr als genug, um auch ihm etwas bessere Laune zu geben. Das kleine Mädchen nippte hin und wieder an ihrem Becher, während sie sich an ihre Mutter schmiegte, die ihren freien Arm um sie schlang.

Makki selbst begann seine kühlen Hände an dem warmen Kakao zu wärmen. Für einige Minuten herrschte komplette Stille im Raum. Die drei Anwesenden beobachteten stumm die flackernden Lichter im Raum, während sie hin und wieder an dem viel zu süßen Kakao nippten.

Irgendwann brach Makki die Stille jedoch, indem er einen erneuten Vorschlag brachte. „Magst du Geschichten?“, fragte er das Mädchen, das daraufhin hastig nickte. Makki lächelte, während er sein Handy aus seiner Hosentasche kramte und sofort im Internet nach Weihnachtsgeschichten für Kinder suchte. Nachdem er eine passende gefunden hatte, begann er auch schon diese vorzulesen. Sie handelte von einem Rentier, das sich verlaufen hatte, aber an Heiligabend zurück sein musste, um dem Weihnachtsmann bei seinem Rundflug über die ganze Erde zu unterstützen. Makki hatte noch nie viel von Kindergeschichten oder Kindern generell gehalten. Er wusste einfach nie wie er mit diesen umgehen sollte, aber dieses Mal war dies irgendwie anders. Er wollte, dass dieses kleine Mädchen eine schöne Erinnerung an diese Weihnachtsnacht hatte, auch wenn sie nicht bei ihrem Vater sein konnte. Auch, wenn sie nun nicht Zuhause sein konnte. Sie konnte nun nicht in eine Decke eingehüllt vor dem Kamin sitzen und gemeinsam mit ihren Eltern die Pakete unter dem Weihnachtsbaum öffnen. Aber er konnte ihr zumindest diese kleine Freude machen, um sie davon abzulenken, dass sie diese Nacht in einem Flughafen festsaß.

Makki trank den letzten Schluck Kakao, bevor er den Becher neben sich auf den Boden stellte und nach einer weiteren Geschichte suchte.

Die nächste handelte von einem Waisenmädchen, das unbedingt einen Kuschelbären zu Weihnachten haben wollte, aber das Waisenhaus hatte leider nicht genug Geld, um ihr diesen Wunsch zu erfüllen. Beim Lesen der Geschichte konnte Makki deutlich spüren wie sich seine Brust zusammenzog.

Irgendwie war das unfair. Millionen von Kindern hatten nicht die Möglichkeit Weihnachten gemeinsam mit einer liebenden Familie zu feiern. Manche Kinder lebten in Waisenhäuser, andere lebten sogar auf der Straße.

Dies änderte sich nicht. An keinem einzigen Tag im Jahr. Nicht mal an Weihnachten, obwohl dieser Festtag doch immer als friedlich und besonders eingestuft wurde. Makki musste sich kurz auf die Unterlippe beißen, als das Mädchen in der Geschichte darüber sprach wie sehr sie sich freuen würde auch die Möglichkeit zu haben gemeinsam mit einer Mutter und einem Vater zu leben.

Hanamaki las noch drei weitere Geschichten vor, bevor er bemerkte, dass das Mädchen endlich eingeschlafen war. Sie lag friedlich in den Armen ihrer Mutter, welche Hanamaki nun anlächelte.

„Dankeschön. Das war wirklich sehr nett von dir. Sie hat sich solche Gedanken darüber gemacht, dass ihr Vater dieses Jahr nicht bei ihr sein kann, sie hat sich geweigert ruhig zu sein und den Tag zu genießen. Es freut mich wirklich, dass du ihr eine kleine Freude bereitet hast“, bedankte diese sich nun bei Hanamaki, welcher daraufhin nur lächelnd nickte.

„Keine Ursache… Es tat mir irgendwie weh sie so traurig zu sehen… Ich hoffe, dass ich zumindest etwas helfen konnte“, erwiderte der junge Mann daraufhin nur, bevor er sich zurücklehnte und in seine Jacke kuschelte.

„Das hast du auf jeden Fall. Ich kann dir gar nicht genug danken. Ich hoffe sehr, dass du deinen Freund spätestens morgen besuchen kannst. Weihnachten ist nicht das Gleiche ohne die Menschen, die man liebt“

Hanamaki konnte dem nur zustimmen. Allerdings war diese Nacht nun doch besser geworden als er gedacht hatte. Er saß auf alten Kissen auf dem kühlen Boden eines heruntergekommenen Flughafens, während vor ihm die Sternenlichter einer billigen Lichterkette an einem Plastikchristbaum fröhlich an und aus flackerten.

Und dennoch war dies ein schöneres Weihnachten geworden, als er zunächst erwartet hatte.

Immerhin hatte er einer Person diese Nacht eine Freude bereiten können.

Und dies war das beste Geschenk, das er sich vorstellen konnte.

**

Hanamaki war wohl irgendwann ebenfalls eingeschlafen. Zumindest wurde er nun aus seiner Traumwelt gerüttelt. Hanamaki blinzelte einige Male, um zu sehen wer wirklich den Mut hatte ihn aufzuwecken.

Diese Person konnte etwas erleben!

Er wollte dem Schuldigen schon einige genervte Sätze an den Kopf werfen, als er jedoch die Person vor ihm erkannte. Dunkle Augen funkelten ihm frech entgegen, aber er würde wohl nie in der Lage sein wirklich sauer auf deren Besitzer zu sein.

„Mattsun!“, murmelte Hanamaki mit verschlafener Stimme, bevor er sich ruckartig aufsetzte, um seine Arme um seinen festen Freund zu schlingen und ihn an sich zu drücken, „Gott, ich hab dich so vermisst… aber was machst du denn hier?“

„Ich war total erschrocken, als du mir erzählt hast, dass du mich überraschen wolltest. Denn zufälligerweise hatte ich genau den gleichen Einfall gehabt. Allerdings saßt du gestern Abend hier am Flughafen fest. Also konnte ich nicht zu dir. Ich bin heute Morgen so früh wie möglich hergefahren, um dich zu suchen und hier bin ich. Ich habe dich vermisst, Idiot“ Grinsend begann Mattsun durch die Haare seines Freundes zu wuscheln, welcher ihn daraufhin angrinste.

„Ich habe dich auch vermisst. Weihnachten ist nicht Weihnachten ohne dich“

Ein Blick hinter Mattsun verriet Hanamaki, dass die Sterne an dem Baum bereits ausgeschaltet worden waren. Er rieb sich kurz seine Augen, um auch den letzten Schlaf aus ihnen zu verbannen, bevor er sich seine Jacke überzog.

„Du scheinst ja hier dein eigenes kleines Weihnachtsfest gefeiert zu haben“, entgegnete Mattsun nur mit einem Grinsen, während er das Setup begutachtete.

„Ja… ich habe versucht einem kleinen Mädchen und ihrer Mutter eine Freude zu bereiten… warte, wo sind die beiden denn überhaupt?“ Erst jetzt bemerkte Hanamaki, dass die beiden gar nicht mehr hier waren. Er wusste gar nicht wann er selbst eingeschlafen war. Waren die beiden etwa schon wieder aufgebrochen?

Dies war eigentlich ziemlich schade… Nun konnten sie gar nicht Matsukawa kennenlernen!

„Ja, ich weiß“, entgegnete Matsukawa allerdings zu seiner Überraschung, „Als ich in den Raum gekommen bin, sind die beiden gerade aufgestanden. Sie wollten dich allerdings nicht wecken. Sie haben mich aber darum gebeten dir etwas zu geben. Du hast wirklich ihren Tag gestern gerettet, weißt du das?“

Mattsun konnte nicht anders als zu lächeln, während er seinem Freund ein Stück Papier überreichte, welches Hanamaki sofort an sich nahm und öffnete. Beinahe wäre ihm das Gänseblümchen herausgefallen, welches zwischen das Blatt gepresst worden war. Makki beugtachtete dieses für eine Sekunde, bevor er begann den Brief zu lesen.

‚Lieber Hiro, wir wollen uns hiermit noch einmal für dieses besondere Weihnachtsfest bedanken. Hana hat dieses Gänseblümchen diesen Sommer gepflückt und gepresst, um es ihrem Vater bei seiner Rückkehr geben zu können. Allerdings hat sie darauf bestanden, dass du es nun bekommen sollst. Ich weiß, dass es nicht viel ist, aber sie wollte dir zumindest ein kleines Dankeschön dalassen. Wir haben heute Morgen einen Flug zu meinem Mann bekommen. Ich hoffe, dass du auch in der Lage sein wirst das restliche Fest gemeinsam mit deinem Liebsten verbringen zu können.

Frohe Weihnachten

Mayu und Hana‘

Mit einem Lächeln wickelte Hanamaki die Blume wieder vorsichtig ein, bevor er sie behutsam in seinen Koffer packte.

„Ich kann es nicht abwarten das restliche Fest mit dir zu verbringen, Mattsun. Wir müssen noch vieles nachholen, richtig?“, begann er, während er sich von Matsukawa aufhelfen ließ. Sein Freund nahm sofort Hanamakis Koffer an sich, während dieser sich seine Jacke und seine Mütze anzog.

Kurz bevor die beiden jedoch den Flughafen verließen, blickte Hanamaki noch einmal zurück und griff nach Matsukawas Hand.

„Mattsun, denkst du, dass wir irgendwann ebenfalls eine Familie gründen werden? Es würde mich sehr freuen einem einsamen Kind eines Tages ein Zuhause zu geben“
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