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Wieso, weshalb, warum

OneshotAllgemein / P6 / Gen
Justus Jonas OC (Own Character)
13.12.2020
13.12.2020
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1.610
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13.12.2020 1.610
 
Diese Geschichte wurde als Beitrag für den Jahreskalender 2020 geschrieben und dort bereits am 19. Oktober veröffentlicht. Vielen Dank an die vier Review-Schreiber dort und lula-chan für die Organisation des Projektes! Als Inspiration diente folgendes Zitat von Biene Maja: „Warum erklärst du es mir nicht? Aber so, dass ich es auch wirklich verstehe! Wie soll ich denn was lernen fürs Leben, wenn mir keiner was erklärt?“
Viel Spaß beim Lesen


Wieso, weshalb, warum



„Ob ein Mensch klug ist, erkennt man viel besser an seinen Fragen als an seinen Antworten.“
Pierre-Marc-Gaston de Lévis



Das Geräusch eines auf den Hof des Gebrauchtwarencenters fahrenden Autos ließ Justus von seinen Basteleien in der Freiluftwerkstatt aufschauen. Es war kurz vor Ladenschluss und sein Onkel Titus hatte ihn gebeten in der letzten halben Stunde ein Auge auf den Schrottplatz zu haben, während er selbst die Tageseinnahmen zur Bank brachte. Schulterzuckend hatte er ihm zugestimmt. Es war ein ruhiger Tag auf dem Hof gewesen, wer würde jetzt wohl noch kommen?
Neugierig, einen letzten Blick auf das traurig aussehende Innenleben des Radios werfend, an dem er erfolglos hantiert hatte, machte er sich auf den Weg. „Guten Abend, kann ich -“, der Rest des Satzes blieb Justus im Halse stecken, „Ty!“, rief er erfreut als er seinen Cousin Ty Cassey neben dessen Oldtimer erblickte. Es war schon eine ganze Weile her, seit er ihn das letzte Mal gesprochen hatte, vom Sehen ganz zu schweigen. „Endlich bist du mal wieder da! Wie geht es dir? Was treibt dich nach Rocky Beach?“, sprudelte es förmlich aus dem ersten Detektiv heraus. Er überbrückte die letzten Meter zwischen ihnen und zog seinen Cousin in eine herzliche Umarmung.
„Mensch Justus, bist du groß geworden! Wie geht es dir? Sind deine Tante und dein Onkel auch da? Wie läuft der Laden?“, wollte Ty im Gegenzug von ihm wissen, ohne zunächst auf Justus Fragen einzugehen. Dem machte das aber nichts. Er begann viel eher enthusiastisch vom letzten, wie immer spannenden, Fall, den Bob, Peter und er, im Zuge ihres Detektivunternehmens, bearbeitet hatten zu berichten. Dabei bekam der sonst so aufmerksame Erste Detektiv jedoch nicht mit wie eine kleine Gestalt ausstieg und um das Auto herum lief. „Papa, wer ist das?“

Baff sah Justus zu dem Kind. Erstens, wie hat er es übersehen können und zweitens - Papa?! Seit wann war der sonst so rastlose Ty Vater? „Seit wann hast du ein Kind?“, platzte es aus ihm heraus. Während er beobachtete, wie Ty das kleine Mädchen auf den Arm nahm. „Maja, das ist dein Großneffe Justus. Justus, mein Sonnenschein Maja“, stellte der Ältere die beiden einander vor. Doch Maja drehte schüchtern ihren Kopf und versteckte ihn an der Schulter ihres Vaters. Der, so konnte es Justus sehen, ihr zärtlich über den Kopf strich. „Sonnenschein, magst du Justus nicht sagen wie alt du bist? Du kannst die Zahlen doch schon, oder?“, lockte er und hatte Erfolg. Majas Kopf flog herum und zwei Kinderaugen sahen ihn an. „Ich bin schon drei!“, rief das Mädchen und hielt drei Finger in die Höhe. „Wohnst du hier?“, fragte sie dann und sah Nase rümpfend über den Schrottplatz. Ihre Augen blieben dabei an den Bergen von Gebrauchtwaren aller Art hängen. „Nein. Das hier ist nur das Firmengelände des Gebrauchtwarencenters meines Onkels, Titus Jonas. Ich wohne mit ihm und meiner Tante Mathilda dort“, sagte er und zeigte auf das angrenzende Wohnhaus, aus dem passenderweise gerade seine Tante trat.

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Es waren kaum mehr als 18 Stunden her, dass Justus Maja kennengelernt hatte und schon freute er sich darauf, dass sie und Ty irgendwann wieder fahren würden. Sie war einfach ... hmpf ... Justus fehlten die Worte. Ein neunmalkluges Dreikäsehoch würde es wohl am besten beschreiben. Schon während des Abendessens fragte sie ständig nach.
Warum war der eine Käse gelb, der andere aber weiß?
Wieso hieß Rotwurst auch Blutwurst und war da -ihh- Blut drin?

Und auch zum Frühstück wollte sie vieles wissen.
Warum hat die Banane eine Schale, Erdbeeren aber nicht?
Warum bildet sich auf der Milch eine Haut? Und wieso musste sie warten bis alle am Tisch saßen, bevor sie mit dem Essen beginnen durfte?

Kurz gesagt, mit ihrer kindlichen Fragerei ging sie Justus auf die Nerven. Gern hätte er ihr einige Fragen höchst wissenschaftlich beantwortet, doch Tante Mathildas mahnender Blick hielt ihn davon ab. Umso freudiger blickte er dem Nachmittag entgegen. Er war mit Peter und Bob verabredet. Sie würden gemeinsam zum Meer fahren und sich dort einen ruhigen Tag machen. Doch auch hier machte Tante Mathilda Justus einen Strich durch die Rechnung. Wenn er etwas mit seinen Freunden unternahm, dann würde ihr die Arbeitskraft der Jungs auf dem Schrottplatz fehlen, die sie schon fest eingeplant hatte. Zwar bot Ty an aushelfen, aber ihm fehlte dann in der Zeit jemand, der Maja beaufsichtige. Kurzum, Justus konnte sich entscheiden: entweder er passte während seines Ausfluges mit Peter und Bob auf Maja auf oder er müsse auf dem Schrottplatz helfen. Punkt. Ende. Finito. Da ließ Tante Mathilda nicht mit sich reden..

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So blies Justus Trübsal als Bob und Peter gut gelaunt auf den Schrottplatz radelten. „Na Just? Bereit dir die Sonne auf den Pelz scheinen zu lassen?“, begrüßte der zweite Detektiv ihn, während er vor ihm eine Vollbremsung hinlegte. Der aufgewirbelte Staub ließ Bob husten. „Mensch Peter! Fahr vernünftig“, schimpfte er und sah erwartungsvoll zu ihrem Ersten. „Was ist denn los Erster, du blickst so, als ob unser Ausflug ins Wasser fallen würde. Lass mich raten, wir müssen auf dem Schrottplatz helfen“, kombiniere er, unterstrich seine Aussage mit einem tiefen Seufzen und stieg ab. „Ja oder wir müssen Maja mitnehmen“, lautete Justus grimmige Antwort. „Sie ist Tys Tochter“, fügte er noch an, als er die verwunderten Blicke seiner Freunde sah. Ob sein hinterher geschobener Kommentar „Und nervtötend!“ noch gehört worden war, wusste der Erste Detektiv nicht. Maja unterbrach ihn, indem sie mit einem alten Kinderfahrrad auf sie zugeschossen kam. Kurz vor ihnen benutzte sie ihre Füße zum Bremsen. „Das ist so toll! Toll, toll. Guck mal, wie gut ich fahren kann!“, rief sie aus, deutete auf das Rad und war im nächsten Moment schon wieder auf und davon. Ob es ihr erstes Fahrrad war? Ein lautes Klirren ließ jedenfalls darauf schließen, dass das nächste Bremsmanöver nicht so gut ausging und etwas zu Bruch gegangen war.
„Das Bremsen muss sie noch üben. Aber von mir aus können wir sie mitnehmen“, beschloss Bob Momente später. Hauptsache war, sie konnten ans Wasser und mussten nicht auf dem Schrottplatz helfen. Peter währenddessen war sich da nicht so sicher. Kleine Kinder hielt er gerne auf Abstand. Aber wie so oft ließ er sich viel zu schnell breitschlagen. „Na gut. Dann kommt sie eben mit. Aber ihr beaufsichtigt sie!“, gab er nach.
Mit der Aussicht an diesem Tag doch nicht auf dem Schrottplatz aushelfen zu müssen, machte sich Justus auf den Weg zu seiner Tante ins Haus.

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Mit Maja dauerte die Fahrt zum Meer deutlich länger, aber Justus war das ganz recht. So war er einmal nicht der Langsamste! Und noch etwas anderes gutes hatte es, durch das Fahren war die Kleine abgelenkt und nervte ihn nicht mit Fragen. Das änderte sich aber, sobald sie ihre Fahrräder angeschlossen und sich einen schönen, nicht zu überfüllten Platz nahe der Wasserkante gesucht hatten.
Warum müssen wir Sonnencreme benutzen?
Warum ist der Sand am Wasser viel fester?
Warum ist das Meerwasser salzig, das in Seen aber nicht?

Während Bob und Peter wenigstens versuchten die Fragen so gut es ging kindgerecht zu beantworten, schnaubte Justus nur ab und zu. Die Antworten waren für ihn einfach zu absurd und vor allem unwissenschaftlich. „Ich geh dann schwimmen“, beschloss er, wurde aber von dem Mädchen aufgehalten. „Warum erklärst du's mir nicht?“, fragte sie ihn direkt. „Vielleicht weißt du ja, ob Fische pinkeln müssen?!“, fügte sie an und sah ihn aus großen Augen an. Als er sich kurz zierte warf sie ihre Arme in die Luft. „Wie soll ich denn was lernen für's Leben, wenn mir keiner was erklärt?“, maulte sie. Ihre Frage ließ Justus seufzen. „Na gut, hör zu“, ergab er sich und begann zu erklären. „Im Grunde hängt die Antwort deiner Frage von der chemischen Eigenheit ab Ionenkonzentrationen, die durch eine halbdurchlässige Wand getrennt sind auszugleichen. Im Fachjargon – in der Chemie - wird dieser Vorgang als Osmose bezeichnet. Je nachdem ob der Fisch jetzt im Süß- oder Salzwasser lebt, fließt das Wasser durch die Fischhaut in den Körper des Fisches oder aber hinaus um die Konzentration auszugleichen. Bei Salzwasserfischen fließt die Körperflüssigkeit in das Meer hinein. Um nicht zu verdursten müssen sie Flüssigkeit aufnehmen, also trinken. Bei Süßwasserfischen ist es genau umgekehrt. Sie werden vom Süßwasser, im Versuch des Konzentrationsausgleiches, durchspült. Damit der Wassergehalt im Fisch nicht zu groß wird und er wohlmöglich platzt, muss ein Süßwasserfisch viel Wasser ausscheiden, also pinkeln. In etwa pro Tag 20 % ihres eigenen Körpergewichts.“ Zufrieden mit seiner Antwort blickte Justus zu Maja, die ihren Kopf schräg gelegt hatte und ihn mit großen Augen sprachlos ansah. Deutlich sah man ihr an, dass sie erstens keine Antwort auf ihre Frage erwartet hatte, wenigstens nicht aus dem Stehgreif, und zweitens nicht wusste was sie damit anfangen sollte. „Aber, wie ...“, begann sie, doch Peter hatte genug. Er wollte nichts mehr von Fischen und deren Eigenarten hören. Sie waren zum Vergnügen da und nicht, dass Justus ihnen mal wieder einen Vortrag hielt. Nicht einmal in der Schule hatten sie das durchgenommen! „Ich geh mir jetzt ein Eis holen. Möchte jemand mit?“, fragte er und lief wenig später zusammen mit Bob zum Kiosk. Justus und Maja hingegen blieben bei ihren Handtüchern und gingen voll in ihrem Frage-Antworten-Spiel auf. „Na, da haben sich ja zwei gefunden!“

~ Ende ~
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