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Dein Match

von Feinstein
GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P6 / Gen
13.12.2020
13.12.2020
8
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„Cäcilia, warte mal!“ Cäcilia drehte sich um und sah Sophie heransprinten, ihre Kameradin aus dem Leichtathletik-Team der Schule und neben ihr die zweite Läuferin in der gemischten Sprintstaffel. Sie hatten gerade Training gehabt, und Cäcilia war auf dem Rückweg ins Sportinternat. Sie hatte gedacht, Sophie wäre längst weg, denn sie war selbst reichlich spät dran.
Der Anlass dafür – nicht der Schuldige! – war Viktor, der Staffelkapitän. Er und Cäcilia waren richtig gute Freunde, aber sie hatten vor nicht allzu langer Zeit auch eine sehr unglückliche Dating-Geschichte erlebt. Während Cäcilia jedoch sanft aufgefangen worden war und inzwischen wusste, warum selbst der Junge, den nicht nur sie für den tollsten der ganzen Schule hielt, bei ihr nicht das berühmte Kribbeln im Bauch auslöste, war Viktor in ein tiefes Loch gefallen. Das hatte auch die Freundschaft belastet, und Cäcilia hatte die Vertrautheit und das gemeinsame Lachen vermisst, einfach alles, was sie mit Viktor verband, auch wenn sie sich nicht in ihn verlieben konnte. Nach dem Training, bei dem Viktor absolut mies drauf gewesen war, hatte sie sich zu ihm gesetzt und versucht, ihn aufzubauen. Es schien geklappt zu haben, denn als sie ihn am Ende umarmt hatte, da hatte es sich fast wieder angefühlt wie früher, bevor sie angefangen hatten zu daten.
Cäcilia wunderte sich, hatte nämlich keine Vorstellung, was Sophie von ihr wollen könnte. Sie waren zwar seit dem letzten Schuljahr zusammen in der Staffel und verstanden sich ganz gut, aber direkt Freundinnen waren sie nicht. Trotzdem blieb sie stehen, denn was auch immer Sophie wollte, es schien wichtig zu sein.
„Sag mal“, Sophie schnappte noch nach Luft nach dem schnellen Lauf, „was ist eigentlich mit Viktor los? Ist es immer noch, weil du...“ Verlegen verstummte sie. „Aber er weiß doch, jetzt, dass du ihn nicht...“, setzte sie dann noch hinzu. „Ich weiß es auch nicht so genau“, gab Cäcilia zu. „Ich glaube schon, dass er mich versteht, aber versetz dich doch mal in seine Lage! Wenn du in jemanden verliebt wärst und dir Hoffnungen machst, und dann stellt sich raus, dass es mit ihm oder ihr doch nicht klappen kann, aber es ist immer noch der gleiche, tolle Mensch – könntest du deine Gefühle dann einfach so abschalten und sagen: Okay, wenn das so ist, dann bin ich ab sofort nicht mehr verliebt?“ Sophie wurde leicht rot. „Ist doch Unsinn“, behauptete sie. „Keiner könnte das.“ „Eben“, bestätigte Cäcilia. „Ich sage nicht, dass Viktor noch in mich verliebt ist, aber wenn’s so wäre, dann könnte man es ihm nicht verdenken.“
Sophie antwortete nicht direkt. „Na ja“, sagte sie schließlich, „dann kann man wohl nichts machen. Hoffen wir, dass er bald wieder der Alte ist!“ Damit setzte sie sich in Trab, und Cäcilia schaute ihr verblüfft nach. Was war das denn für ein Auftritt gewesen? Okay, wenn Viktor durchhing, dann belastete das natürlich die ganze Staffel, denn es war nicht nur seine Zeit, die im Eimer war, wenn er den Start oder die Übergabe verpatzte. Aber irgendwie war Sophies Verhalten trotzdem komisch, und sie hatte, fiel Cäcilia im Nachhinein auf, die Staffel oder das Training mit keinem Wort erwähnt.
Erst als Sophie schon hinter der nächsten Ecke verschwunden war, ging Cäcilia eine Festbeleuchtung auf. Augenblicklich zog sie einen Spurt an, und eine halbe Minute später hatte sie Sophie ein. Die war offensichtlich auch nur gesprintet, bis sie außer Sicht war, und dann in normales Gehtempo zurückgefallen.
„Du bist nicht traurig, dass es mit ihm und mir nicht geklappt hat, oder?“, sagte Cäcilia ihrer Staffel-Kameradin auf den Kopf zu. Sophie schüttelte den Kopf, aber das Blut, das ihr ins Gesicht stieg, verriet sie. Sie schien es selbst zu spüren, denn nach ein paar Augenblicken zuckte sie mit den Schultern. „Wenn du es eh schon weißt...“, sagte sie verlegen. Dann straffte sie sich, versuchte sich wenigstens den Anschein zu geben, völlig beherrscht zu sein. „Aber egal, wenn er noch in dich ist, dann ist das eben so.“ „Ich weiß es nicht“, wiederholte Cäcilia. „Vielleicht braucht er Zeit. Aber wenn du es nicht probierst, dann wirst du nie erfahren, ob ihr beide...“
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