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Who are you really?

KurzgeschichteAllgemein / P16 / MaleSlash
Edmund Pevensie Lucy Pevensie Prinz Kaspian X.
12.12.2020
12.03.2021
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12.12.2020 1.312
 
Prinz Kaspian ist überfordert und verunsichert von dem tobenden Sturm, der seine Mannschaft auf der Morgenröte inmitten der tobenden Gewässer gefangen hält. Edmund will ihn eigentlich nur aufmuntern, doch der Ozean macht beiden einen Strich durch die Rechnung.


"Also wollen sie Rhince mitteilen, dass wir die Suche nach seiner Frau abbrechen?!" Kaspians Stimme klingt rau und verzweifelt, als er Drinian antwortet. Seine Stimme ist selten so voller Emotionen, jedenfalls in den letzten Tagen. Er versteckt sie lieber, reißt sich zusammen.
Es ist kein Wunder. Schon seit zwei Wochen kämpfen seine Männer gegen den scheinbar nie endenden Sturm. Schon seit zwei Wochen ist der Himmel von grau-schwarzen Wolken bedeckt und schon seit zwei Wochen haben sie den blauen Stern, ihren Wegweiser, nicht mehr gesehen.
Drinian hat Recht. Ihre Vorräte werden knapp. Die Kräfte der Männer lassen nach. Doch jetzt umzudrehen könnte noch gefährlicher sein. Nur mit Mühe würden sie es in der Zeit zurück schaffen, in der sie hier gelandet sind. Und überhaupt:
Wer konnte ihnen versichern, dass der Sturm dort endete, wo er angefangen hatte? Es war einfach zu riskant.

"Ich sage ja nur, dass die Männer nervös werden." Drinians Stimme reißt den jungen Telmar aus seinen verzweifelten Gedanken. Doch bevor er auch nur über eine Antwort nachdenken kann, hat der Schiffskapitän sich schon umgedreht und ist aus der Kabine verschwunden.
Kaspian lässt seine Schultern fallen.
Er verliert doch selbst immer mehr die Hoffnung aus diesem Höllensturm herauszufinden, wie soll er da seiner Mannschaft eben dies vermitteln? Wenn selbst Drinian, der erfahrenste und beste Kapitän Narnias, solche Gewässer fürchtet, besteht dann überhaupt noch Hoffnung?

"Ich denke es ist der Nebel", meldet sich dann Edmund zu Wort. Stimmt, der junge Pevensie war ja ebenfalls bei dem Gespräch dabei.
Seine Stimme ist sanft, zuversichtlich und irgendwie beruhigt sie Kaspian. Langsam dreht er sich zu dem dunkelhaarigen Teenager, sieht ihm in die Augen. Edmund kann viel durch seine Worte sagen, doch nur in seinen Augen sieht man seine wahren Gefühle. Das hatte Kaspian schon damals, im letzten Kampf zwischen den Narnianen und den Telmaren, gelernt.
Edmunds Augen strahlen, ruhig und gefasst, doch Kaspian erkennt die Sorge des jungen Königs trotzdem.

"Das kannst du nicht wissen", antwortet er dann auf Edmunds Theorie. Natürlich ergibt es Sinn, was der Jüngere sagt, doch woher sollen sie sich sicher sein? Und was, wenn sie wirklich nur Pech mit dem Wetter haben?
Schon wieder sinken Kaspians Schultern weiter ab und überfordert lässt sich der junge Erwachsene auf die Couch gegenüber des Tisches fallen. Edmund steht immer noch an derselben Stelle wie vor dem Gespräch. Seine schlanken, langen Beine federn jede noch so hohe Welle gegen die das Bug des Schiffes schlägt perfekt ab und kurz fragt Kaspian sich, woher dieser junge, schlanke Bursche solch eine bemerkenswerte Beinmuskulatur hat.
Dann erinnert er sich daran, dass Edmund bereits erwachsen und bestimmt schon sehr viel öfter auf schlimmeren Schiffsfahrten gewesen war, als er es sich jemals vorstellen könnte.

"Selbst wenn es der Nebel ist, können wir nichts dagegen tun. Wir werden es niemals hier raus schaffen", spricht der telmarische König dann seine dunklen Gedanken aus. Es tut weh, die Worte auszusprechen, noch mehr sich einzugestehen, dass sie wahrscheinlich wahr sind.
"Sag das nicht."
Jetzt bewegt Edmund sich doch. Ohne die Kontinuität seines Standes scheint der Dunkelhaarige doch nicht so gut mit dem Schwanken des Schiffes klar zu kommen. Nur wackelig schafft er es, sich vor Kaspian zu stellen, um ihn intensiv ansehen zu können.
"Das ist genau das, was es will. Dir deine Hoffnung rauben. Wir müssen jetzt alle zusammenhalten, nur noch ein bisschen länger", murmelt Edmund gegen das laute Rauschen des Meeres. Seine tiefbraunen Augen verlassen Kaspians kein einziges Mal. In ihnen liegt eine Sicherheit, eine Überzeugung, die den Älteren erschaudern lässt.
Es erinnert ihn an damals, als die beiden nebeneinander standen, kurz bevor ihr letzter Kampf gegen die Telmaren begann. Und es erinnert ihn an Edmunds Mut. An seinen nie erschütterbaren Mut, selbst wenn alle Hoffnung verloren scheint.

Erneut kommt Kaspian nicht dazu, zu antworten. Bevor er überhaupt ansetzen kann, schlägt die Morgenröte wieder auf eine Welle auf. Selbst in seiner sitzenden Position hat Kaspian das Gefühl nach hinten zu fallen und so kommt es für ihn kaum überraschend, dass Edmund, quietschend wie ein kleiner Junge, den Halt verliert und auf ihn fällt.
Sein Kinn schlägt unsanft auf Kaspians Schulter auf und aus Reflex streckt der Jüngere seine Hände nach vorne aus, um seinen Fall abzufangen. Das sorgt allerdings nur dafür, dass sich seine Hände in Kaspians Seiten krallen. Dieser zischt auf.
Doch gleichzeitig greift er nach Edmunds Schultern, versucht ihm zumindest ein wenig Halt zu geben, als er bemerkt, dass das Schiff sich gegen die nächste Welle erhebt und Edmund in seiner Position sonst sicherlich auch noch gegen den Tisch gefallen wäre.
Danach ist es ruhig.

"Kommt es mir nur so vor oder sind diese Wellen noch höher gewesen?", zischt Edmund dann schmerzerfüllt auf, weswegen Kaspian das erste Mal zu seinem langjährigen Freund herunter sieht. Der Braunhaarige reibt sich langsam sein rechtes Handgelenk, lehnt sich immer noch gegen ihn. Sein Kinn ist gerötet und beim Aufprall muss er sich wohl auf die Lippe gebissen haben, denn etwas Blut klebt verschmiert an seinem Mundwinkel.
Erst jetzt fällt dem jungen Erwachsenen auf, wie wunderschön blass Edmunds Haut ist. Und dass dieser lauter hellbraune Flecken im Gesicht hat.
Was sie sind, weiß Kaspian gar nicht so genau. Bei den Telmaren hat er diese seltsamen Flecken jedenfalls noch nie gesehen. Und bei den Narnianen schon gar nicht. Ihre Gesichter sind eher mit Narben und Schweiß bedeckt, als mit diesen hunderten, wunderschönen kleinen Flecken.

"Was ist das?", schießt es aus seinem Mund, bevor er überhaupt darüber nachdenken kann, ob er diese Frage überhaupt stellen möchte. Er bemerkt gar nicht, wie nah er dem Jüngeren eigentlich ist, stattdessen ist er wie in Trance.
Wie außer seiner Kontrolle hebt er seine Hand von Edmunds Schulter, legt seine Finger stattdessen zitternd an Edmunds Wange. Der Jüngere keucht überrascht auf. Kaspians Hände sind kalt und rau, doch seine Berührung ist oh-so-sanft. Der Jüngere fragt sich, was gerade passiert.
Kaspians Blick liegt intensiv auf seinem Gesicht, seine großen, braunen Augen starren unverblümt auf seine Wangen und seine Nase und Edmund würde Lügen, wenn er sagen würde, dass es ihm keinen Schauer den Rücken herunterjagt, so von dem jungen König angeschaut zu werden.

"Was ist was?", presst er dann unter seinen tiefen Atemzügen hervor.
"Diese Flecken. Auf deinem Gesicht."
Kaspian scheint ein wenig aus seiner Trance herausgefunden zu haben, hört aber trotzdem nicht auf mit seinen Fingern über Edmunds Wange zu streicheln. Sein Zeigefinger scheint ein Muster auf Edmunds Gesicht nachzufahren, das der Jüngere nicht kennt.
Seine Haut prickelt unter den Berührungen seines Gegenübers und sein Atem verlässt ihn zunehmend in abgehackten Stößen. Noch nie hat er sich so wohl dabei gefühlt, berührt zu werden. Er fragt sich, ob er sich schon öfter so wohl bei Kaspian gefühlt hat und erinnert sich dann daran, dass dieser ihn ja etwas gefragt hatte.

"Sommersprossen", keucht er also atemlos, seine Augenlider flattern, "Das sind Sommersprossen."

Kaspian lacht atemlos: "Sie sind wunderschön"
Das lässt Edmund ebenfalls lachen. Gleichzeitig gibt er sich nun mehr Kaspians streichelnden Fingern hin, lehnt sich an sie und vergisst völlig, dass diese Art Berührung zwischen zwei männlichen Freunden nicht normal ist. Kaspian scheint auch nicht daran zu denken.
Viel zu vertieft sind beide in den Berührungen, in der Nähe, des jeweils anderen. Dass Kaspian eigentlich verzweifelt und besorgt ist und dass Edmund seinen langjährigen Freund eigentlich nur aufmuntern wollte, haben beide längst vergessen. Und auch den wilden Wellengang blenden beide aus.

Und dann stürmt Lucy in die Kabine und ruft voller Freude, dass der Sturm endlich aufgehört habe.
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