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Out of Reach

von Rien
KurzgeschichteAllgemein / P12 / Gen
12.12.2020
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Out of Reach


Diese Geschichte entstand, weil ich seit langem wieder das Lied "Am I Supposed To Apologize?" von Maria Mena hörte. Ich habe gefühlte Ewigkeiten gebraucht, um zu begreifen, an was es mich eigentlich erinnert.


—·—


Als sie das Lied zum ersten Mal hörte, dachte sie sich nicht viel.

Als sie es ein zweites Mal hörte, beachtete sie es nicht.

Als sie es ein drittes Mal hörte, erinnerte es sie an Etwas. Die sanften Töne des Klaviers, die ruhige Stimme, der energiereiche Refrain. Alles führte sie zu einer Erinnerung zurück, eine Erinnerung, die weit außerhalb ihrer Reichweite lag. Es war beunruhigend; Sie wusste, dass man sich nicht an jeden Moment des Lebens erinnern konnte, doch versuchte sie verzweifelt, nach dieser verschwommenen, unklaren Erinnerung zu greifen, die doch nichts als ein Gefühl war.

Die Sonne versank am Himmel und schickte warmes Licht durch die Fenster ihres Zimmers. Sie stand da, Kopfhörer in den Ohren, auf der Suche nach dieser Erinnerung, die sich nicht Preis gab. Diese Erinnerung, die sich hinter einem Nebel versteckte.

Ein Nebel ähnlicher Dichte, wie jener, der den Beginn der kühlen Jahreszeiten nur Tage später erläuterte. Sie rannte durch eben diesen grauen Schleier, Kopfhörer in ihren Ohren, auf der Suche nach dieser Erinnerung, die nicht klarer wurde, wie weit sie auch rannte. Diese Erinnerung, die sich in ihrem Kopf als ein weit entfernter Punkt darstellte, ein unerreichbarer Fleck in den Tiefen ihres Kopfes.

Der Schnee glitzerte blendend hell und weiß im Licht der Wintersonne. Es erinnerte sie an die Farbe des Flecks in ihrem Kopf.

Das Klopfen ihrer Schuhsohlen war regelmäßig. Klapp, klapp, klapp. Es erinnerte sie an den unscheinbaren Takt des Lieds. Sie tanzte durch das Treppenhaus, immer darauf bedacht, den Rhythmus des Liedes mit ihren Stiefelsohlen zu klopfen.

Mit der näher rückenden Wärme der nächsten Monate verschwand auch der Schnee. Sie blickte in den wolkenlosen Himmel, in der Hoffnung, dort ihre Antwort zu finden. Die Erinnerung, die weder verblasste, noch klarer wurde.

Das Wasser des Sees plätschert in seichten Wellen über den kiesigen Boden. Sie hielt die Füße ins Wasser, Kopfhörer in den Ohren, und überblickte die kleinen Steine, die das Ufer bildeten, in der Hoffnung, die Erinnerung unter einem von ihnen zu finden.

Die Wärme des Sommers erinnerte sie daran, dass es ein schönes Lied war.

Das Rot des Himmels erinnerte sie daran, dass ihre Erinnerung wie die Sonne am Horizont verschwinden könnte.

Es machte ihr Angst.

Als sie wie so oft in die Dunkelheit der Nacht starrte, erinnerte diese sie daran, dass die Erinnerung weit außerhalb ihrer Reichweite lag.

Ende
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