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Hungry Eyes

von Hwanhee
GeschichteDrama, Fantasy / P18 / MaleSlash
Bang Chan Han / Han Jisung Hwang Hyunjin Kim Seungmin Lee Felix Lee Know / Lee Minho
11.12.2020
16.05.2021
29
104.245
8
Alle Kapitel
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Dieses Kapitel
2 Reviews
 
01.04.2021 5.102
 
Hyunjin POV

„Ich will dich, Felix."

Die Augen des Blonden unter mir weiteten sich, sein Atem wurde flach und er öffnete seinen Mund leicht, als wollte er etwas sagen - doch er blieb still. Ihn völlig wehrlos unter mir liegen zu haben, machte mich noch ganz wahnsinnig vor Ungeduld.

„Du bist so wunderschön...", flüsterte ich und fuhr sanft um eins seiner Beine. Ich hob es leicht an und rückte es zurecht, sodass es leicht anwinkelt war. Sofort verfiel der Kleine seiner Gewohnheit und biss ich auf die Lippe. Verlegen legte er seine Kopf zur Seite und mied Augenkontakt mit mir. Das zarte Rosé, dass nun mit seinen zahlreichen Sommersprossen harmonisierte und seine Wangen zierte, entging mir keinesfalls. Felix strahlte so etwas Reines und Unschuldiges aus, es weckte meine Neugier. Das Verlangen, das seine anderen Seiten kennenlernen wollte, wurde von Sekunde zu Sekunde stetig größer in mir. Ich wollte sehen, wie er sich vollkommen der Sinnlichkeit hingab, wie er durch das gute Gefühl meiner Berührungen zu schwächeln begann und welchen Blick er mir ihm Moment der Ekstase schenken würde. Ich wollte, dass Felix wie eine liebliche Lilie vor mir erblühte.

Ich ließ meine Fingerspitzen an der Kontur seines Kinns entlangfahren und richtete sein Gesicht wieder zu mir. Sieh mich an. Ich will, dass du jetzt nur Augen für mich hast....

„Felix... du wolltest doch wissen, was ich gefühlt habe, oder?", fragte ich den Jüngeren und nahm eine seiner Hände. „Das.", ich hielt seinen Handrücken vor meine Lippen, platzierte einen Kuss auf diesem und übertrug all die Gefühle, die ich in diesem Moment spürte, auf ihn. Ich wollte ihm unbedingt zeigen, dass es echt war. Das alles echt war, es war keine Show.

Er sah mich wieder mit seinen Bambi-Augen an, ganz überwältigt von meinen Gefühlen. „Hyunjin...", hauchte er meinen Namen unschuldig und kniff seine Augen fest zu, als ich eine meiner Hände unter sein Shirt wandern ließ. Seine weiche, makellose und verletzliche Haut war die perfekte Leinwand für unzählige, kleine Markierungen. Sie lud mich praktisch dazu ein, besitzmarkierende Bisse auf ihr zur verteilen.

Intimität – für die einen ein verruchtes Tabuthema, welches sie um jeden Preis in Unterhaltungen umgehen wollten, für die anderen wiederum eine Droge, die die ergreifende Lust eines jenen befriedigen und stimulieren konnte. Die Menschen schienen schon immer besessen von ihr zu sein. Sie lebten ihre Intimität nicht nur aus, sie vermarkteten sie, teilten sie und erfanden sie neu. Bislang war es nur Mittel zum Zweck für mich, die Menschen fielen schon immer für meine Attraktivität – meinem Sexappeal - und so war es ein Kinderspiel für mich, sie für mich auszuspielen.

Ihre Pupillen erweitern, ihr Blut in Wallung bringen, ihren Puls erhöhen - dieses Kinderspiel meisterte ich auch ohne Einsatz meiner Kräfte. Es wäre nur zu verlockend und vor allem einfach gewesen, in diesem Moment einmal von meiner persönlichen Norm abzuweichen und Felix' Libido anzuregen. Ihn für einen Augenblick ganz mein werden zu lassen, ein Wunsch, der sich immer weiter in mir ausbreitete.

Felix, ich will dich so sehr...

Ich sah ihm tief in seine braunen Augen und schob meine Hand immer tiefer.

Es wäre so einfach, dich mir gefügig zu machen...

„Hyunjin... ich...", wimmerte eine leise Stimme.

... doch es wäre falsch.

„Ich kann nicht...", meinte Felix schließlich und schüttelte leicht seinen Kopf. Etwas enttäuscht sah ich den kleinen Australier unter mir an. „Felix... meine Gefühle für dich sind echt. Wirklich! Bitte glaub mir.", wiederholte ich noch einmal und strich behutsam über seine Wange. „Ich weiß, ich spüre es...", Felix sah nun nicht mehr weg, er sah mich direkt an, „Aber ich kann derart Gefühle leider nicht erwidern. Es tut mir leid, Hyunjin, aber ich denke, mein Herz gehört bereits jemand anderem."

... autsch.

Mein Herz – falls ich denn noch eins besaß – brach erneut und alte Narben rissen wieder auf. Genau aus diesem Grund hasste ich schon immer diese ganze Gefühlsscheiße. Obwohl es nur Worte waren, taten sich sie dennoch verdammt weh. Es war ein Schmerz, den ich kaum in Worte fassen vermag. Ich konnte es noch nie und werde es auch nie können. Ich bereute es, meinen selbst umgelegten Schutzmantel ausgezogen zu haben und dass ich es anschließend soweit habe kommen lassen. Doch tief in mir löste sich etwas, das mich die ganze Zeit schon geplagt hatte. Als hätte sich ein dicker Knoten entwirrt, der sich wie eine Verspannung durch meinen Körper gezogen hatte.

Ich richtete mich etwas auf und ließ niedergeschlagen den Kopf hängen. „Irgendwie... hatte ich das bereits vermutet...", murmelte ich und bemerkte selbst, wie erbärmlich ich dabei klang. Ich saß auf Felix' Schoß und versuchte wieder Herr über meine Gefühle zu werden. Dies gelang mir jedoch nicht, da es einfach viel zu viele waren – ein ganzer Cocktail aus Emotionen. „Scheiße...das hätte alles nie passieren dürfen. Ich dummer Sturkopf werde wohl nie aus meinen Fehlern lernen...", fluchte ich und schlug mir gegen die Stirn. „Es tut mir leid, Felix, wirklich... so verdammt leid...", auch wenn ich dagegen ankämpfte, begannen vereinzelt Tränen über meine Wangen zu laufen. Ich hasste es, wie emotional ich immer in seiner Nähe wurde. Es war wie ein Fluch.

Auch wenn ich dieses süße Gefühl der Unbeschwertheit, welches ich in deiner Gegenwart verspüre, vermissen werde, muss ich es wohl endlich akzeptieren. Lixie, du hast dich mir offenbart, ich werde deine Gefühle respektieren müssen und mein Begehren überkommen.

Inzwischen bin ich mit dieser Art Abfuhr bestens vertraut, ich weiß, wie ich damit umzugehen habe.

Vielleicht bin ich es einfach nicht wert, geliebt zu werden. Ich habe so viel Leid den Menschen angetan, wie kann ich es ihnen dann überhaupt verübeln?

Ich habe es nicht verdient. Ich bin nicht gut, das ist mir klar. Es war schön, eine Weile in dem Glauben zu leben, dass sich jemand um mich schert, aber diese Illusion ist nun vorbei.

Ich werde alles tun, damit es sich nie wieder wiederholt... es muss geknebelt, gebrochen und wegsperrt werden...

Damit es mir endlich gehorcht, mein armes Herz.


Plötzlich spürte ich eine angenehme Wärme an meiner rechten Wangen. Es war menschliche Wärme. Felix versuchte sehr behutsam mit seiner kleinen Hand meine Tränen wegzuwischen. Ich sah zu ihm auf und bemerkte, wie der Kleine selbst den Tränen nah war. Ich hatte ihn, ohne es zu wissen, an meiner Trauer, an meinem Frust und an meinen Selbstzweifeln teilhaben lassen. Noch nie hatte ich jemandem diese Gefühle übermittelt. „Sorry, Lix...", schniefte ich und versuchte mich zusammen zu reißen.

Daraufhin schüttelte er wild seinen Kopf und meinte verständnisvoll: „Schon gut. Hyunjin, lass alles raus. Du hast immer alles in dich hineingefressen, also lass einfach mal alles raus. Danach wird es dir besser gehen, vertrau mir." Er sah mich voller Besorgnis an. Ich verstand nicht, wie er nach all dem Drama mich nicht einfach von sich wegstieß. „F-felix... darf ich dich um... umarmen?", fragte ich vorsichtig, „Bitte?". Ohne zu zögern, nahm mich der Australier in den Arm und ich klammerte mich an seinem wärmespendenden Körper fest. In diesem Moment ließ ich zum ersten Mal seit einer Ewigkeit komplett los und ließ meiner aufgewühlten Gefühlswelt freien Lauf. „Danke, Lix...", schluchzte ich und vergrub mein Gesicht in seiner Halsbeuge.

Es verging bestimmt eine Viertelstunde, in der ich mich an seiner Schulter ausheulte und er mir dabei meinen Rücken in beruhigenden Kreisbewegungen streichelte. Felix war wahrhaftig ein gütiger Engel, der sich selbst um Typen wie mich kümmerte. Ich wollte den Kleinen gar nicht mehr loslassen, doch ich wusste, dass ich ihn nicht für immer bei mir behalten konnte – auch wenn ich das in diesem Augenblick wirklich wollte.

Wir lösten uns langsam wieder von einander und ich wischte mir die restlichen Tränen aus meinem Gesicht. „Kein Wort darüber zu den Anderen, ok?", wollte ich noch einmal sicherheitshalber erwähnt haben. Er schmunzelte und versprach, dass seine Lippen versiegelt wären.

„Also bin ich jetzt offiziell in der friendzone?", fragte ich und wir beide mussten etwas lachen. „Ein Versuch war's wert." Auch wenn wir nie mehr als Freunde sein würden, würde er für immer einen speziellen Platz in meinem Herzen tragen.

Ich wusste nicht warum, aber Felix gab mir das Gefühl, dass mein Leben nicht ganz verloren war, wie ich ursprünglich annahm. Ich war ihm nicht egal. Er hatte mich nicht aufgegeben und gab mir zugleich neue Hoffnung. Er sah etwas in mir, dass ich selbst nicht sah. Durch ihn bekam ich die Motivation mein Leben nicht völlig aufzugeben und nochmal von vorn anzufangen. Ich wollte mich ändern, wusste aber nie, ob es dafür nicht schon längst zu spät war. Aber Lix' aufmunterndes Lächeln gab mir die Antwort auf diese Frage. Danke Felix.

Felix wollte gerade etwas sagen, da öffnete sich die Zimmertür und Seungmin kam zu Vorschein. Er hielt kurz inne und analysierte die Szene vor ihm. Zwei verheulte Typen saßen komisch auf- und ineinander verworren auf einem Bett, während sie sich gegenseitig im Arm hielten. „Ich frag am besten erst gar nicht.", meinte Seungmin knapp, warf uns einen missbilligend Blick zu und verließ das Zimmer wieder. Der und sein Timing ...

Ich seufzte und ließ mich zurück in meine Matratze fallen. „Hyunjin?", piepte der Blonde und sah mich schräg an. „Darf ich dich noch etwas fragen?", er machte es sich wieder neben mir bequem. „Hast du doch gerade schon, oder?", scherzte ich und bekam einen spielerischen Schlag gegen meine Brust von dem schmollenden Australier. „Ne, klar. Frag was du willst.", meinte ich und verschränkte meine Arme hinter meinem Kopf. Erwartungsvoll schielte ich zu dem Jüngeren herüber, der sich wohl unschlüssig war, ob er seine Frage wirklich stellen sollte.

„Was ist damals wirklich zwischen dir und Seungmin vorgefallen?"

Stille.

Felix schien es sofort zu bereuen, dass er das gefragt hatte. Er merkte wohl, dass es mir nicht guttat, mich daran zu erinnern. „Du musst mir natürlich nicht antworten...", murmelte er und spielte unbeholfen mit seinen Ärmeln. Ich schüttelte meinen Kopf. „Nein, ist schon ok.", meinte ich, „Du bist mir wichtig Lix und ich mag dich, also kann ich dir das auch anvertrauen." Ich setzte mich in einen Schneidersitz und er tat mir gleich.

„Er hat dir doch sicher erzählt, wie wir uns kennengelernt haben, oder?", fragte ich und Felix nickte. „Gut. Du musst wissen, nicht alle Menschen reagieren so gelassen auf unsere Existenz, wie es Minho nach seiner Verwandlung getan hatte. Ihm war das Ganze erstaunlich egal, er hatte nur Augen für Jisung und nahm all die ungemütlichen Konsequenzen in Kauf. Hauptsache er konnte für immer an seiner Seite sein. Dasselbe kann man jedoch nicht von Seungmin behaupten..."

//Flashback; was nach Seungmins Verwandlung geschah//

„Schweigt er immer noch?", fragte mich Chan mit verschränkten Armen. Ich nickte. Wir befanden uns in einem abgelegenen Motel irgendwo im Nirgendwo, nachdem wir die letzten drei Tage damit verbracht hatten, Seungmin zu suchen. Er war planlos durch die Gegend gestreunt, verwirrt, verzweifelt und verloren.

Es war echt nicht einfach seine Leiche aus dem Sarg zu bekommen, bevor sie in begraben konnten. Jedoch war es noch schwerer, ihm davor klarzumachen, dass er sich bis zu diesem Zeitpunkt totstellen musste. Zuerst hatte er natürlich protestiert und schien die Welt nicht mehr zu verstehen, aber nachdem Chan und Changbin mit ihm geredet hatten – die beiden Aufklärer waren in dem Punkt einfühlsamer als ich - folgte er bereitwillig unserem Plan. Wir rechneten allerdings nicht damit, dass Seungmin kurz nach seiner Befreiung fliehen würde. Dabei hatten Han, Minho und ich uns doch so viel Mühe bei unserer Hausmeister-der-Leichenhalle-Verkleidung gegeben.

Nach einer tagelangen Suche fanden wir ihn schließlich zusammengekauert in einer Gasse hinter mehreren Mülltonnen. Wir brachten ihn in das Motel und versuchten mit ihm zu kommunizieren, doch er sagte kein Wort. Es fühlte sich an wie eine persönliche Strafe, die er insbesondere an mich richtete. Er verweigerte mir den Klang jener schönen Stimme, die ich einst so in den Himmel lobte.

„Hyunjin, versuch es doch bitte noch einmal. Er sollte langsam wirklich etwas Blut zu sich nehmen, er ist schon einiges über dem Limit für Neulinge...", merkte Jisung an, welcher auf einem der Betten des gemieteten Zimmers saß. „Wenn du willst, komme ich mit. Vielleicht hilft es, wenn ein halber Mensch noch mit im Raum ist?", schlug Minho vor, welcher sich von hinten an seinen Freund ankuschelte. „Danke, aber ich muss das allein klären.", wimmelte ich ihn ab und machte mich auf den Weg in das Zimmer nebenan. Aus Sicherheitsgründen – und weil wir nicht noch einmal auf Vermisstensuche gehen wollten – hatten wir die Tür von außen abgeschlossen. Ich mochte es auch nicht, aber es ging nun mal nicht anders.

„Hey Seungmin...", grüßte ich ihn vorsichtig und schlich in das Zimmer. Er saß auf seinem Bett und starrte den ausgeschalteten Fernseher an. Sein Blick war leer, als hätte seine Seele seinen Körper bereits vor geraumer Zeit verlassen. Er zeigte keine Reaktion auf mein Eintreten, also setzte ich mich einfach neben ihn aufs Bett.

„Ich weiß, das alles zu verarbeiten ist nicht leicht, aber gemeinsam bekommen wir das hin, ja?", meinte ich und lächelte ihn dabei an. Ich legte eine Hand auf seine. Als sie sich berührten, schien sich seine Winterstarre zu lösen und er zog ruckartig seine Hand zurück. „Gemeinsam bekommen wir das hin? Willst du mich verarschen?! Wegen euch bin ich doch erst in dieser beschissenen Lage!", fauchte er, „Nein, halt... wegen dir. Es ist alles deine Schuld, Hwang Hyunjin." Er warf mir einen kalten Schulterblick zu und alles, was ich in seinen Augen sah, war purer Hass. Ich presste meine Lippen zusammen und blieb still, nun hatte ich nicht das Recht etwas einzuwenden. „Wieso? Wieso hast du mir das angetan?!", schrie er und packte mich am Kragen. Die Tränen flossen bereits in Strömen über seine Backen, er war nervlich komplett am Ende. „Weißt du überhaupt, was du Monster mir angetan hast? Oder wie schmerzhaft es ist, die eigene Familie und all deine Freunde glauben zu lassen, du seist tot? Scheiße, es gibt nichts Schmerzhafteres auf der Welt. Du hörst ihre Trauer, ihre Wünsche, dass du zurückkommst und dann verabschieden sie sich das letzte Mal von dir...", er bekam vor lauter Aufruhr gepaart mit diesem herzzerreißendem Schluchzen fast keine Luft mehr, also machte er eine kurze Pause. Die Schuldgefühle erdrückten mich, also war es mehr als nur gerecht, mich für mein Vergehen selbst zu bestrafen. Ohne dass er es merkte, wand ich meine Kräfte an ihm an und spürte dementsprechend alles, was er in diesem Moment selbst ertragen musste. Selten fühlte derart emotionalen Schmerz, kein Mensch könnte diesem standhalten.

„Und willst du wissen, was das Schlimmste an allem ist? Ihnen hinterher zu sehen und zu wissen, dass ich sie alle nie wieder sehen darf... Ich wollte aufstehen, ihnen hinterherrufen, ich wollte in die Arme meiner Mutter rennen... doch ich durfte nicht.", wimmerte er und ließ mich endlich los. Er vergrub seinen Kopf in seinen Händen und ich sah, wie sein ganzer Körper heftig zitterte. „Jetzt bin ich dazu verdammt als Monster weiterzuleben... für den Rest meines Lebens... und alles deinetwegen. Ich habe dir vertraut, Hyunjin, wieso hast du mir das angetan...?", fragte er mit heiserer Stimme. „Was hätte ich denn tun sollen? Dich vor meinen Augen sterben lassen?", traute ich mich als Gegenfrage zu stellen. Er sah nun mit seinen bereits angeschwollenen Augen zu mir auf. „Du hättest es mir davor sagen sollen.", sagte er und klang ziemlich enttäuscht. „Hättest du mir denn noch vertraut oder überhaupt geglaubt, wenn ich dir von meiner wahre Identität erzählt hätte?" Er sah kurz auf den Boden, zuckte mit den Schultern und meinte anschließend: „Naja, vertrauen tu ich dir jetzt so oder so nicht mehr."

Wir schwiegen einander eine Weile an. Ich musste ihm zu Glück nicht mehr Einzelheiten über unsere Spezies und unsere Regeln erklären, das hatten Chan und Changbin bereits größtenteils erledigt. „Hyunjin... wieso... hast du nicht irgendeinen anderen als dein Opfer auserkoren? Warum ich? Du wusstest doch von meinen Träumen, von denen ich mich jetzt verabschieden muss...", hörte ich den Jüngeren mich frustriert fragen.

Seungmin, die Wahrheit ist... seit dem Moment, indem wir das erste Mal einander in die Augen sahen, spürte ich eine Verbindung. Ein Band, das für die Ewigkeit halten sollte, schlang sich um uns. Du bist mir so verdammt wichtig, siehst du das nicht? Ich habe mich in dich verliebt, ja, ich der Vampir, der keine Liebe verspüren kann. Ich habe mich in dich verliebt und wollte dich nicht verlieren, niemals. Ich habe es mir erlaubt aus meinem Egoismus heraus zu handeln und habe dich nun dazu gezwungen, für immer an meiner Seite zu bleiben. Dabei habe ich keine Acht auf deine eigenen Gefühle gegeben. Es tut mir so unendlich leid, Minnie. Ich bin ein fucking Egoist.

„Warum hast du es getan...?", fragte er noch einmal. Ich schwieg, da ich ihm den einfältigen und egozentrisch Grund nicht auch noch antun wollte. Ich kann es dir nicht sagen.

„Wahrscheinlich hast du mich auch noch mit deinen komischen Kräften manipuliert, sodass ich dir blind vertraue...", er klang nicht wirklich überzeugt von seiner eigenen Aussage, als würde er es selbst nicht wahrhaben wollen. Das stimmt nicht, ich habe deine Gefühle nie beeinflusst.

„Hast du das alles nur wegen meinem Blut getan...?", spekulierte er und ballte dabei seine Hände zu Fäusten. Nein, weil ich dich liebe.

Nachdem ich einfach kein Wort herausbekam, sah er mir direkt in die Augen und sagte emotionslos: „Ich hasse dich. Ich hasse dich für das, was du mir angetan hast." Du warst wundervoll, ich war so erbärmlich, doch gemeinsam waren wir perfekt. Nun habe ich alles ruiniert. Du hast jedes Recht, mich zu hassen, denn ich tue es auch.

„Sag jetzt endlich auch mal was, Hyunjin!", schrie Seungmin so laut es seine spazierten Stimmbänder es noch zuließen. Ich schloss meine Augen und meinte anschließend: „Du hast Recht. Es tut mir leid, Seungmin." Es war eine Lüge, aber ich konnte ihm nicht die Wahrheit sagen. Diese Entscheidung würde ich die nächsten Jahre sicher bereuen, doch nun war es bereits zu spät.

Bevor er mich noch weiter anschreien konnte, kamen die anderen Vampire ins Zimmer. Sofort beruhigte sich Seungmin wieder und kauerte sich wieder auf seinem Bett zusammen. „Hey Seungmin, wie geht's dir heute?", fragte Chan ruhig und nährte sich dem in die Ecke getriebenen Rehkitz. Man konnte Seungmin ansehen, wie viel Angst er vor uns hatte. „Sorry, war eine dumme Frage, ich weiß. Du musst gerade einiges durchmachen, hmm?", Chan versuchte ihm seine Furcht mit seinem warmen Lächeln etwas zu nehmen, es schien zu funktionieren. Wie er das nur immer machte? „Auch wenn es sich anfangs etwas komisch anfühlt, aber du solltest ab und zu etwas Blut zu dir nehmen.", erklärte unser Leader ihm. Seungmin verzog angewidert sein Gesicht und hielt sich eine Hand vor den Mund, als Changbin ihm eine zweckentfremdeten Cola-Flasche mit dunkelroter Flüssigkeit entgegenstreckte. „Vielleicht ist es so einfacher für dich.", meinte der Dunkelhaarige, als Seungmin die Flasche annahm. „Stell dir einfach vor, das sei Cherry Cola ... es sieht zwar gar nicht so aus und schmeckt auch überhaupt nicht danach und... ich halte jetzt besser meine Klappe.", kam es von Minho, der sich nun hinter seinem Freund versteckte. Han konnte nur schmunzeln und dessen Kopf kraulen.

Wie bei dem letzten Elfmeter bei der WM, sahen wir gespannt Seungmin dabei zu, wie er zögerlich die Flasche öffnete und die dickflüssige Substanz begutachtete. Es kostete ihn einiges an Überwindung, aber er hatte es wohl selbst gespürt, wie der Duft dieser Flüssigkeit ihn schwach werden ließ. Er wollte es nicht, aber brauchte es. Zuerst nahm er nur kleine Schlucke, aber dann packte ihn der Rausch und er trank gierig die komplette Flasche leer. „War doch gar nicht so übel, oder?", Chan legte eine Hand auf seine Schulter und nahm ihm die leere Flasche ab. „Was habe ich nur getan...?", nuschelte Seungmin und sah völlig entsetzt auf seine Hände. „Das war das Blut eines Menschen, mir sollte kotzübel sein, aber wieso war es so... gut?", er konnte selbst nicht glauben, was er da gerade gesagt hatte. „Mit der Zeit gewöhnst du dich daran.", behauptete Minho, der aus eigener Erfahrung sprach. „Wenn es dir verständlicherweise zuwider ist, es direkt von Menschen zu nehmen, wird Hyunjin es dir einfach immer in eine Flasche abfüllen.", fügte er noch hinzu und hakte sich dabei bei Jisung ein. Seungmins und meine Blicke trafen sich kurz und wieder war alles, was ich sah, totale Abneigung.

Auch wenn ich dich in die Scheiße geritten habe, würde ich dennoch alles Erdenkliche für dich tun, um dir dieses Dasein so erträglich wie nur irgend möglich zu machen. Ich verspreche es.

//end of flashback//


Felix POV

Seine Gesichte war so tragisch, dass ich nicht mal auf die Idee kam, zu behaupten, ich könne nachvollziehen, wie sich einer der Beiden gefühlt haben musste.

„Das folgende Jahr war für alle etwas anstrengend, aber irgendwann hatte er sich dann doch damit abgefunden und hat sich gut in unsere Gruppe integriert. Er hasst es immer noch, Menschen zu verletzten und ihr Blut zu trinken, deswegen hat er auch noch nie direkt welches zu sich genommen ...", meinte Hyunjin noch, „Inzwischen reden wir auch wieder normal miteinander, er toleriert es sogar, wenn ich von ihm trinke. Komischerweise findet er das überhaupt nicht schlimm." Irgendetwas schien den Älteren weiterhin zu beschäftigen, er sah sehr nachdenklich aus. „Ob er wohl nach all den Jahren noch denkt, ich sei ein Monster...?"

Er denkt vermutlich, dass Seungmin immer noch einen Groll gegen ihn hegt. „Jinnie...", fing ich vorsichtig an und erntete ein „Aww" vom Älteren, da er angeblich die Art, wie ich diesen Namen aussprach, putzig fand. „Hast du denn noch Gefühle für ihn? Auch wenn du mich... naja, du weißt schon...", ich wurde immer leiser, da es mir unangenehm war, es noch einmal anzusprechen. „Seit der Sache im Motel, habe ich angefangen meine Gefühle wieder hinter verschlossener Tür zu halten, aber ich denke, sie waren trotzdem tief in mir immer da.", antwortete er überraschend ehrlich. Es war irgendwie frustrierend zu wissen, wie unglücklich beide über all die Jahre waren, obwohl sie die ganze Zeit etwas für den anderen empfunden hatten. „Wirst du es ihm sagen?", auf diese Frage schüttelte er wild seinen Kopf. „Ich weiß nicht, ob das so eine gute Idee ist. In letzter Zeit ist er eh etwas abweisend drauf.", nahm er als Ausrede. Da ich wusste, wie Seungmin fühlte – zumindest dachte ich das – ermutigte ich den Älteren, sich diesen Gedanken doch noch einmal durch den Kopf gehen zu lassen.

Er meinte, er überlegt es sich, wenn er dafür nochmal eine Umarmung bekam. Ich grinste und ging dieser Forderung liebend gern nach. Umarmungen fand ich schon immer toll. Ich war stolzer Vertreter der „we-need-more-hugs"-Fraktion und hatte somit keine Probleme, den Vampir in meinen Armen zu empfangen. „Lixie~", säuselte er und rieb seinen Kopf an meiner Schulter, „Warum bist du so kuschelig~? Darf ich dich als Teddy behalten?" Ich musste lachen und wuschelte ihm durch sein langes Haar.

Während wir uns in den Armen hielten, konnte ich nicht aufhören an Seungmins Reaktion zu denken. Auf einmal kam mir Gedanken auf, die ich zuvor immer heimlich zurückgestellt hatte und so getan hatte, als wäre sie nicht da. Was... haben sie wohl mit mir vor? Werden sie mich auch verwandeln? Würden sie mich demselben Schmerz aussetzten wie Seungmin damals? Ich will mich nicht von meiner Familie verabschieden...

Ich versuchte mir nicht allzu sehr einen Kopf deswegen zu machen, es würde mich nur kaputt und deprimiert machen. Ich wollte noch eine Weile in meiner heilen Welt leben, bevor mich die bittere Realität einholte.

Nach einer Weile lösten wir uns wieder und beschlossen gemeinsam ins Wohnzimmer einen Blick zu werfen, um zu schauen, ob die anderen zwischenzeitlich zurückgekommen waren. Wie erwartet, saß Changbin immer noch vor dem TV, aber er war nicht allein. Jeongin und Han saßen bei ihm und stritten sich um das Fernsehprogramm. Als das Eichhörnchen mich sah, sprang es voller Elan auf und entführte mich in die Küche. „Warum so aufgeregt? Ist dir was schönes passiert?", fragte ich lachend das hyperaktive Eichhörnchen, das vor Freunde bereits auf und ab sprang. „Soo... eins nach dem anderen. Ich bin so froh, dass es dir gut geht, Lix! Ich hab mir solche Sorgen um dich gemacht!", meinte er und musterte mich von Kopf bis Fuß, um zu checken, ob auch wirklich alles ok war. „Ja, bei mir ist alles in Ordnung.", gab ich lächelnd zu.

„Gut. Ah und Lixie, schau mal...", flüsterte er und kramte ein kleines, samtüberzogenes Kästchen hervor. „Oh mein Gott. Ist es das, was ich denke, dass es ist?", fragte ich und auf einmal war ich genauso aufgeregt wie er. Er nickte stolz und öffnete das Kästchen. Tatsache, es war ein Verlobungsring. Han wollte Minho einen Antrag machen! „Ich weiß, wir sind zwar schon seit Jahren zusammen, aber ich will ihn endlich offiziell meinen Mann nennen können. Ich weiß auch, dass ihm manche Traditionen von euch Menschlein immer noch sehr am Herzen liegen und dazu gehört nun mal das Heiraten. Damals ging es zwar nicht, aber heutzutage sollte es kein Problem sei, also...", erklärte und schaute mit glitzernden Augen den Ring im Kästchen an.

Ich war zwar nur auf einer einzigen Hochzeit in meinem Leben – ich war damals noch sehr jung – aber in meiner Erinnerung war es etwas ganz Magisches. Die Atmosphäre war überwältigend und alle Gäste hatten sich besonders schick gemacht. Das frisch verheiratete Paar war so verliebt und sie strahlten unendliche Glückseligkeit aus - es war zum Beneiden. Wann auch immer ich an diese Zeit zurückdachte, wurde mir ganz warm ums Herz. So sehr in jemanden verliebt zu sein, dass man sich schwört, für den Rest des Lebens zusammen zu bleiben, muss einfach wunderbar sein...


„Ahh Hanniiiee~!", kreischte ich wie ein Cheerleader, „Oh, oh, oh, wann wirst du ihn fragen?!" Er steckte das Kästchen wieder ein und verriet mir, dass er ihm den Antrag machen würde, sobald er von der Arbeit zurückgekommen war. Meine Gefühlen fuhren derweil Achterbahn, einerseits nahm mich die Sache von Hyunjin und Seungmin total mit, andererseits freute mich extrem für Jisung und Minho. Es war Chaos in mir. Gemeinsam gesellten wir uns wieder zu den anderen ins Wohnzimmer, wo wir geduldig auf die restliche Truppe warteten.

Nach ca. einer Stunde hörten wir, wie jemand laut die Eingangstür zuknallen ließ. Da ist jemand aber mies gelaunt. Es stellte sich heraus, dass es Minho war. Als er den Raum betrat, schmiss er achtlos seine Tasche in eine Ecke und ließ sich aufs Sofa fallen. „Ich hasse alles.", warf er in den Raum und lockerte seine Krawatte. Na das war mal eine Aussage. „Baby~ wie war die Arbeit?", fragte Jisung ihn sogleich und fiel ihm direkt um den Hals. Doch das schien ihm in diesem Moment nicht zu passen, da er seinen Freund wieder von sich wegdrückte. „Erwähn diesen Saftladen nie wieder.", knurrte Minho und war sichtlich genervt. „Ist was passiert?", fragte Innie naiv nach.

„Wurde gefeuert.", haute der Ältere einfach so ohne weiteres raus.

„Gleich am ersten Tag? Krass. Minho du geile Sau, das ist 'n neuer Rekord!", lachte Changbin und schlug sich auf den Schenkel. „Ach, fick dich.", seufzte der nun Arbeitslose. „Baby, wie ist das denn passiert?", wollte Jisung wissen. „Ach, denen hat's nicht gepasst, dass ich gleich am ersten Arbeitstag zu spät kam. Dabei waren es doch noch nur schlappe eineinhalb Stunden, mal ehrlich, die übertreiben doch. Dann habe ich denen halt meine Meinung gesagt und ja... gut, vielleicht hätte ich diesen einen Kerl nicht als fette Ratte bezeichnen sollen und der Witz mit der Flaute in seinem Ehebett fand er auch nicht so lustig. Es stellte sich heraus, dass der Kerl Mitglied im Vorstand ist und der Rest erklärt sich von allein...", Minho zuckte mit Schultern und schien weder Reue noch Einsicht für seine Kündigung zu zeigen. „Du bist eine Legende.", gab Hyunjin grinsend zu und Changbin fiel vor Lachen fast vom Sofa.

„Es hat mir dort eh nicht gefallen, die Arbeitszeiten waren Katastrophe.", beschwerte er sich noch und fuhr seinen Nacken entlang, der verspannt zu sein schien. „Mach dir nichts draus, Schatz~", säuselte Jisung vergnügt und versuchte erneut, sich dem genervten Halbblüter zu nähern, „Dann bleibst du einfach noch ein Weilchen Zuhause und hältst hier die Stellung, ist doch auch nicht so schlecht, oder? Dann hast du auch mehr Zeit für mich~" Er wollte ihn nur aufmuntern, bekam aber einen schnippischen Kommentar zurück, da er meinte, er würde es nicht für immer so aushalten und es würde ihn noch in den Wahnsinn treiben. Klar, diese Aussage bezog sich auf das ständige Nichtstun und die Langweile, die es mit sich zog, dennoch waren es unnötig harsche Worte, die leicht missinterpretiert werden konnten. Jisung wollte ihn doch nur etwas aufheitern, jedoch war dieser Versuch ohne Erfolg. Minho stand auf und meinte, er würde den restlichen Abend gerne nicht gestört werden. Nachdem er das Zimmer verlassen hatte, sah ich sofort zu Jisung, der seinem Freund etwas gekränkt nachsah. Er wusste genauso gut wie ich, dass dies nicht der beste Zeitpunkt für einen Antrag war.

Ich wollte mich zu ihm setzten, da hörte ich erneut die zufallende Eingangstür und urplötzlich erstarrte mein gesamter Körper. „Was ist los, Lix?", fragte Hyunjin neben mir, der wohl mitbekommen hatte, dass irgendetwas nicht stimmte. Ich wusste ja selbst nicht was es war, also behauptete ich, es sei nichts.

„Bin wieder da."

Alle drehten sich zeitgleich zur Tür und sofort befiel mich ein fesselndes Gefühl, als hängte man mich an Fäden auf. Es war ein schreckliches Gefühl der Machtlosigkeit.

„Felix... können wir reden?"




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Huch, das war's schon wieder!^^

Hey ho, Freunde des langen Wartens~ wie fandet ihr dieses Chapter? Habt ihr damit gerechnet~?

Wir nähern uns langsam dem Höhepunkt der Story und wie es von da an weitergehen wird... Ja... Steht noch in den Sternen (oder auch nicht?)

Wie wird es mit Hyunjin und Minnie weitergehen? Werden sich Lixie's Befürchtungen bewahrheiten?? Und wird Minho es schaffen, einen geeigneten Job zu finden?!?

So viele Fragen~ habt ihr auch noch welche?

STAY tuned
P.S. thank you so much for all your patience and all your support <3 always remember: you're doing great and I'm proud of you!
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