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Save me

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 / Gen
Daryl Dixon Negan OC (Own Character)
11.12.2020
07.05.2021
27
97.522
18
Alle Kapitel
28 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
 
11.12.2020 1.532
 
Diese Geschichte handelt von der Macht der Veränderung über die jeder von uns verfügt, wenn wir den Mut dazu haben. Es geht um die Geister der Vergangenheit, schmerzhafte Narben und deren Wirkung in der Gegenwart und Zukunft. Es ist eine Geschichte über das Loslassen und über Heilung. Und um zu heilen, braucht man manchmal nur einen einzigen Menschen, nur muss es der richtige sein.

1.Kapitel

"Kein Mensch weiß, was in ihm schlummert und zutage kommt, wenn sein Schicksal anfängt, ihm über den Kopf zu wachsen."

Marie von Ebner-Eschenbach

*******************************************

Ein qualvoller, stechender Schmerz durchzuckte ihren vor wenigen Sekunden noch ruhig schlafenden Körper.
Ein Schmerz der so stark war, dass er ihr fast die Luft zum Atmen nahm.

Panisch riss die junge Frau die Augen auf und schnappte wie wild nach Luft.
Es war Still. Einzig ihr schneller, gieriger Atem war zu hören.
Unaufhörlich bohrte und drückte es tief in ihr.
Reflexartig zog die Dunkelhaarige die Beine an, um sich so möglicherweise ein wenig Linderung zu verschaffen.
Sie konnte ein schweres Stöhnen in die Stille des dunklen Raumes dabei nicht unterdrücken.
Zu sehr quälte sie dieser ekelhafte, krampfhafte Schmerz, der ihr keinerlei Verschnaufpause gönnte.

Was zum Teufel passierte hier gerade mit ihr?
Was war hier los?
War es ein Traum? Wieder einmal einer dieser schrecklichen Alpträume?

Hektisch tastete sie mit ihren Händen auf den Untergrund auf dem sie lag, und ließ ihre Augen schnell durch den dunklen Raum wandern.
Sie lag noch immer auf ihrer harten Matratze, und in dem engen Bett.
Dasselbe Zimmer in dem sie eingeschlafen war, und das seit einiger Zeit ein Teil ihres Zufluchtsortes war.
Und dann traf sie die klare Gewissheit, dass dies kein Alptraum war, keine Einbildung ihres vernebelten Verstandes. Es war Realität.
Der Schmerz war echt.

Ihre ruhelosen Augen blieben an dem niederen Fenster am Ende des kleinen Raumes hängen.
Es war noch dunkel draußen, doch der sanfte, kaum sichtbare rosarote Schimmer, welcher ganz leicht durch die verstaubte Scheibe drang, verriet ihr, das es bereits früher morgen sein musste.
Durch die dünne Glasscheibe erkannte sie die dunklen, vertrauten Silhouetten der hohen Bäume. In schlaflosen Nächten hatte sie diese oft studiert, und sie hatten ihr immer eine gewisse Sicherheit gegeben, wenn sie wieder einmal aus einem dieser schrecklichen Träume hochgeschreckt war.

Doch gerade hatte sie keinen Blick dafür.
Sie biss die Zähne zusammen bis ihr Kiefer schmerzte und krallte ihre Fingernägel in das spärliche Bettlaken das über ihr lag.
Dieser quälende Schmerz ließ einfach nicht nach. Noch nie zuvor hatte sie derartige Schmerzen verspürt.
Es fühlte sich an, als hätte man ihr ein heißes Messer tief in den Bauch gerammt.
Bohrend und brennend stach es in ihrem Unterleib.
Unaufhörlich.
Keuchend versuchte sie sich aufzusetzen, scheiterte jedoch kläglich und sank schmerzerfüllt zurück auf ihr zerdrücktes Kissen.
Es war unmöglich, ihr geplagter Körper ließ keine Bewegung zu.
Tränen der Verzweiflung stiegen in ihr auf.
Tränen der Verwirrung und Ungewissheit über diese sich aus dem Nichts auftuende, völlig abstruse Situation.

"Was ist los Hannah?"
Ein hellwaches, dunkles Augenpaar hing plötzlich im Halbdunkel über ihr, und blickte fragend auf sie nieder.
Gefangen in ihrem Schmerz, hatte sie nicht bemerkt das er neben ihr wach geworden war.
Trotz das sie Unterschlupf in dieser kleinen Hütte gefunden hatten und es relativ sicher war, schlief er nach wie vor nur einen sehr leichten Schlaf.
Und so war es nicht verwunderlich daß er auch jetzt aufgewacht war.
"Was ist mit dir?"
Vollkommen klar saß er aufrecht neben ihr.
Fast so, als hätte er nur darauf gewartet geweckt zu werden.

Seit sie hier lebten, war er permanent in Alarmbereitschaft und auf sofortigen Angriff eingestellt.
Und es gab auch keinen Zweifel, dass er jeden erledigen würde der ihnen ungewollt zu nahe kam.
Er hatte sich verändert.
Sehr sogar.
Doch wenn es darum ging sie und ihr Leben das sie nun führten zu beschützen, war er gewissenloser denn je.

Doch jetzt, in dem Moment in dem er realisierte in welchem Zustand sie sich befand, waren seine Augen voller Sorge.

"Was hast du...was ist mit dir Hannah?"
Er strich ihr die langen Haare aus dem schmerzverzerrten Gesicht und ließ seine Hand auf ihrer Wangen liegen...sie war eiskalt.
Auf ihrer Stirn stand der Schweiß und ihr Atem ging schnell.
Abermals fuhr er ihr über die zerzausten Haare, die Stirn in tiefe Sorgenfalten gelegt.
"Scheisse was ist hier los?"
Sein Blick wurde unruhig, fast schon gehetzt.
Auch er war sichtlich überfordert mit dieser unerwarteten, verwirrenden Situation.
"Meinst du es..." setzte er an,  wurde jedoch von einem schweren Keuchen ihrerseits unterbrochen.
"Nein..." stieß sie atemlos und in dem Wissen was er gerade sagen wollte, hervor
"...nein das ist es nicht, irgendetwas...irgendetwas stimmt hier nicht!"
Ruckartig griff sie seine Hand und drückte sie fest.
Sie musste sich seiner Nähe gewiss sein.
Seiner Nähe die sie so sehr brauchte.
Gerade mehr denn je.
Und er hielt ihre Hand. Erwiderte den Druck der von ihr ausging und versuchte irgendwie ruhig zu bleiben, doch seine dunklen Augen verrieten, dass auch er maßlos überfordert war und keine Ahnung hatte was er tun sollte.
Keiner von ihnen beiden hatte damit rechnen können einer solchen Gegebenheit ausgeliefert zu sein.

Gestern war alles noch normal gewesen.
Sie hatten einen guten Tag gehabt...einen sehr guten sogar.
Es war ein Tag gewesen wie schon lange nicht mehr.
Die Ängste die sie seit einiger Zeit plagten, waren weitestgehend verstummt und hatten wieder den kleinen, unbeschwerten Momenten Platz gemacht. Und die hatte sie so sehr vermisst.
Doch es schien ihr einfach nicht vergönnt zu sein, dass diese Momente blieben.
Es zog sich wie ein rotes Band voller Spott und Hohn durch ihr Leben.

Erneut versuchte sie sich aufzusetzen, wurde jedoch abermals von ihrem eigenen Körper zurück gezwungen.
Ein schreckliches Gefühl absoluten Kontrollverlustes packte sie daraufhin und hielt sie mit eiskalten Händen fest.
Eine immense Panik stieg in ihr auf und machte ihr das Atmen noch schwerer.
Völlig kopflos versuchte sie die Decke von sich wegzuschlagen. Sie hatte das Gefühl sie würde erdrückt werden, doch jede Bewegung ließ sie erneut in einen tiefen Schmerz fallen.

Geistesgegenwärtig griff er sich das Laken und schlug es mit einer einzigen, schnellen Bewegung zurück.
Und dann erstarrte er.
Blieb absolut regungslos stehen und starrte auf sie hinab.
Der weiße Stoff glitt ihm aus der Hand und landete sacht auf dem dunklen Holzboden.
In seinen Augen lag blankes Entsetzen.
Ein Ausdruck den sie so noch nie bei ihm gesehen hatte und es war ihr sofort klar, dass diese Reaktion etwas sehr ernstes bedeutete.
Er war derjenige der immer die Kontrolle hatte, der normalerweise die Fäden in der Hand hielt und bei dem sie eine Gefühlsregung wie Angst nur ein einziges Mal seit sie gemeinsam unterwegs waren wahrgenommen hatte.
Doch in diesem Moment stand ihm genau diese völlig ungeniert ins Gesicht geschrieben.

"Scheisse Hannah..." stieß er laut aus
"...da ist alles voller Blut!"
Augenblicklich richtete er sich auf und seine Augen wurden unruhig
"Wir...wir müssen dich hier wegbringen...wir...wir müssen zu einem Arzt, jetzt sofort!"

Ihr Herz begann zu rasen, als seine schwerwiegenden Worte zu ihr durchkamen.
Es rauschte in ihren Ohren und ihr Verstand drohte sich komplett abzuschalten.
Wie betäubt schüttelte sie den Kopf, wollte nicht wahrhaben was hier gerade passierte.
"Nein..."

Doch im Gegensatz zu ihr, wurde er mit einem Mal wieder klarer, die Unruhe die ihn eben noch gepackt hatte nahm ab.
Der bittere ernst der Lage und die schmerzende Gewissheit das ihr Leben jetzt mehr als je zuvor in seinen Händen lag, holte ihn aus seinem Schock.

Ohne auch nur eine weitere Sekunde nachzudenken, hob er sie so behutsam wie irgend möglich hoch.
"Komm her..."
Zittrig und gekrümmt vor Schmerz, schlang sie die Arme um seinen Hals und vergrub ihr
Gesicht an seiner Schulter.
Er hielt sie eng an sich gedrückt in seinen Armen
In den Armen in denen sie schon so oft Schutz und Trost gefunden hatte.
Doch jetzt ging es um mehr als nur das, und das wussten sie beide.
Es ging um ihr Leben.
Um ihrer beider Leben.

Tränen rannen ihr über die Wangen, Tränen purer Verzweiflung und Angst.
Er hielt sie noch ein wenig enger an sich um ihr jedwede Erschütterung zu ersparen und stieg geschickt die knarrende, enge Holztreppe hinab.
Vorbei an der kleinen Küche mit dem winzigen Holztischchen, an dem sie gestern ihre notdürftigen Vorräte gegessen hatten und auf dem noch die Spuren ihrer Wasserflaschen zu sehen waren.
Sie hatten geredet und die Zeit die ihnen gegeben war genossen, so wie sie es schon lange nicht mehr getan hatten.
Doch dieser unbeschwerte Moment der nur wenige Stunden zurück lag schien gerade wie eine Ewigkeit entfernt.

Er schlüpfte in seine verschlissenen schwarzen Stiefel, öffnete die knarrende, sporadisch verriegelte Türe und trat hinaus in die noch kühle und dunkle Morgenluft.
Sie wussten beide wo sie der Weg hinführen würde, nur wusste keiner von ihnen was sie dort erwartete.
Nur eines war klar.
Es würde nur einer, oder keiner von ihnen lebend wieder da raus kommen.



Über jegliche Form von Kritik würde ich mich freuen und wäre dankbar dafür (•‿•)
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