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Adventskalender-Tür 9: Sei mein kleiner Engel ~ Teil 3 ~ Kapitel 1

GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P12 / Gen
Chris "The Lord" Harms Class Grenayde Gared Dirge Niklas 'Nik' Kahl OC (Own Character) Pi Stoffers
10.12.2020
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Sei mein kleiner Engel ~ Teil 3 ~
Kapitel 1



Die Eisheilige Nacht in Stuttgart stand an. Ebenso eisig waren auch die Temperaturen draußen geworden. Für die kommenden Tage war sogar Schnee angesagt. Fröstelnd zog Antonia ihren Kopf etwas ein, sodass auch nicht nur ein Hauch von dem kalten Wind in ihren Nacken gelangen konnte. Coco und Heidi schienen die Kälte gekonnt zu verdrängen. Schon wieder standen sie minutenlang vor dem eigentlichen Einlass vor der Location und unterhielten sich gut gelaunt über die bevorstehende Veranstaltung und darüber, dass Lord of the Lost ihr eigentlicher Hauptact des Herzens war.
Wenigstens drehte sich das Gesprächsthema nicht wieder um Chris, dachte sich Antonia erleichtert. Das konnte sie heute beim besten Willen nicht gebrauchen. Sie hatte weder Coco noch Heidi von jenen Ereignissen vom vergangenen Wochenende in Linz etwas erzählt. Nicht, weil sie den beiden nicht vertraute, sondern weil sie selbst noch nicht wusste, wo sie Chris Verhalten ihr gegenüber einordnen und vor allem damit umgehen sollte. Um irgendwelche Kommentare zu vermeiden, hatte sie sich sogar weitgehend von Instagram ferngehalten. Sie hatte keine neuen Fotos gepostet und lediglich nur auf die Beiträge ihrer Freundinnen und denen, welchen sie folgte, mit einfachen Likes reagiert.
„Wir stehen ganz vorne.“ sagte Coco bestimmt, „Nur auf welcher Seite? Pi, Mitte oder Gerrit?“
„So wie ich dich kenne, willst du doch eh wieder vor den Keyboards stehen und Gerrit anschmachten.“ entgegnete Heidi scharf, „Toni, wo sollen wir stehen?“
Antonia horchte überrascht auf, ehe sie kurz überlegte. Ganz bestimmt nicht in der Mitte der ersten Reihe, denn das war Chris Platz. Die Seite von Pi war mehr nach ihrem Geschmack, denn dort herrschte für gewöhnlich ausgelassene Stimmung.
„Pi…“ sagte Toni deshalb ganz schnell.
„Pi?!“ stieß Coco überrascht aus, „Wir sollten in die goldene Mitte!“
„Heidi hat doch mich gefragt und ich möchte gerne auf Pis Seite stehen.“
„Aber Chris folgt dir doch auf Instagram!“
„Was hat das denn jetzt damit zu tun? Gerrit folgt dir schließlich auch.“
„Ich stand aber zufälligerweise neben ihm, als er auf das Folgen gedrückt hat.“
„Ja und…“
„Kinder!“ polterte Heidi im nächsten Augenblick los und drängte sich zwischen die zankenden Freundinnen, „Ist doch ganz egal, wer wem wo folgt. Tonis Wunsch ist es, bei Pi zu stehen, also suchen wir uns auch genau dort ein schönes Plätzchen.“
Erleichtert atmete Antonia auf. Heidi hatte ein mächtiges Machtwort gesprochen und das zu ihren Gunsten. Coco verschränkte entnervt ihre Arme, sagte jedoch kein Wort mehr, bis sie im Inneren des Clubs angekommen waren.

Zu früh. Sie waren einfach zu früh da, fand Antonia. Noch war der große Saal der BKA Concerthall gefühlt menschenleer, bis auf wenige Ausnahmen. Und eine dieser Ausnahmen waren Coco und Heidi samt Antonia. Da es bis zum Auftritt von Lord of the Lost noch mehr als zwei Stunden dauerte, beschloss Heidi einen der Tische im Sitzbereich zu ergattern, um dort die restliche Zeit zu verbringen. Die Auswahl an Tischen war groß. Coco entschied sich für den Platz, von welchem man die Bühne ohne Probleme im Auge behalten konnte. Gut gelaunt kniete sie sich auf die hölzerne Sitzbank und starrte verträumt nach vorne. Heidi und Toni taten es ihr gleich.
Direkt links neben der Bühne befand sich eine breite Treppe, diese führte hinauf in den Backstagebereich. Dieser war wohl der interessanteste und auch durchsichtigste aller Locations, in denen Lord of the Lost je gespielt hatten. Ging man durch die Tür am oberen Ende der Treppe, kam man in eine Art kleines Bistro, das eigens für die Künstler gedacht war. Dort befanden sich eine Bar mit Essensausgabe, Billardtische und eine kleine Sitzecke. An der einen Seite waren Fenster angebracht, durch welche man prima auf die Bühne und in den Saal hinunterblicken konnte. Dort standen auch Tische und Bänke.
Cocos Blick klebte förmlich an den Fenstern, wo sich auch schon einige Leute tummelten. Sie erspähte Eric Fish von Subway To Sally sowie Niklas von Lord of the Lost. Leise, jedoch so laut, sodass Heidi und Toni es hören konnten, sinnierte sie darüber wie schön es doch wäre, Gerrit jetzt schon zu sehen.
„Das Einhorn hat es dir echt angetan.“ flötete Heidi und knuffte Coco dabei grinsend in den Arm.
„Gar nicht wahr!“
„Und ob!“ entgegnete Heidi, „Seit dem Wochenende in Hamburg sprichst du von nichts anderem mehr außer von ihm. Gib es zu, er hat dir doch so ein bisschen den Kopf verdreht.“

Wenn Coco und Heidi nur wüssten, dachte sich Antonia im Stillen, während sie dem Gespräch der beiden lauschte. Wenn jemand hier irgendeinen Kopf verdreht hat, dann war es Chris. Und der hatte ihr den Kopf verdreht. Zugegeben, nicht auf die Art und Weise, wie es Gerrit allem Anschein nach bei Coco geschafft hatte, dennoch verlor Toni seit den letzten Tagen zu oft ihre Gedanken an diesen bestimmten Sänger. So wie sie es gerade auch schon wieder tat.
Gedankenverloren blickte Antonia zu der Fensterfront hinauf. Chris war dort nicht zu sehen. Leicht verdutzt über sich selbst runzelte Toni ihre Stirn. Fühlte sie da etwas wie leichte Enttäuschung? Nein, ganz sicher nicht. Sie wollte Chris doch gar nicht mal sehen, wieso sollte also sollte sie enttäuscht sein?
Ihn wenigstens nur einmal ganz kurz für eine Sekunde sehen. Empört über sich selbst wandte sich Antonia im nächsten Moment von der Fensterfront ab, drehte sich um und ließ sich richtig auf die Sitzbank fallen. Sie wollte Chris nicht sehen. Auch nicht kurz und nicht einmal für eine Sekunde. Der aufgeblasene Machoarsch ging ihr bereits jetzt schon gehörig auf die Nerven. Hoffentlich schaffte sie es, sich mit dem Anschmachten von Pi später auf bessere Gedanken zu bringen. Genervt griff Antonia in ihre Handtasche und stellte keinen Augenblick später fest, dass sich ihr Smartphone, mit welchem sie sich ablenken wollte, nicht darin befand. Ein genervtes Stöhnen entwich ihr. Wahrscheinlich lag es noch in ihrem Auto. Da ihr Wohnort lediglich eine knappe Stunde von Stuttgart entfernt lag, war sie an diesem Abend selbst gefahren und hatte deswegen ihr Handy für gute Musik gebraucht.
„Ich gehe schnell mein Handy holen.“ sagte sie kurz und knapp, während sie auch schon aufstand, „Ich hab’s im Auto vergessen.“
„Du solltest deine Karre vielleicht doch abdecken, könnte heute Nacht frieren.“ meinte Coco und klatschte sofort erfreut in die Hände, „Oh, da ist ein Klaas!“

Aus- und Einlass war den ganzen Abend über mit Ticket samt gültigem Stempel möglich. Ein Hoch auf die Security, dachte sich Antonia, während sie aus dem Gebäude schritt und die Straße entlang ging. Noch waren massenhaft Parkplätze direkt vor dem Eingang der BKA Concerthall frei, wieso hatte sie ihr Auto dann gefühlte fünf Kilometer weit weg und einmal um den Gebäudekomplex herum abstellen müssen? Sie mochte es erstens nicht, so weit laufen zu müssen und außerdem war ihr zu kalt.
Antonias Auto stand gegenüber dem Zugang zu einer Art Innenhof, welcher zu dem Gebäudekomplex gehörte. Sicherlich diente dieser einmal als Anlieferzone und war extra für Lastfahrzeuge konzipiert worden, zumindest ließ das die Breite darauf schließen.
Als erstes kramte Antonia ihr Smartphone aus dem Auto und überprüfte es kurz auf irgendwelche Nachrichten. Nichts, bloß Coco hatte sie in einem ihrer Fotos auf Instagram verlinkt. Lautlos seufzend verstaute Toni das Handy in ihrer Tasche, ehe sie an den Kofferraum ihres Wagens ging und den Fensterschutz herausholte. Gerade als sie wieder zum vorderen Teil ihres Autos schritt, horchte sie überrascht auf. Hörte sie da etwas eine Stimme, noch dazu eine ganz bekannte? Sie blieb einen Augenblick lang stehen, starrte in den schummrigen Innenhof und versuchte angestrengt darin auch nur irgendetwas zu erkennen.

„Was?!“

So schnell sie nur konnte duckte sich Antonia. Erschrocken versteckte sie sich hinter ihrem Kleinwagen. Das durfte jetzt nicht wahr sein. Wieso stiefelte ausgerechnet Chris hier draußen in der eisigen Kälte herum? Dummerweise hatte er auch noch genau in Tonis Richtung geblickt. Deshalb war sie sich einfach nicht sicher, ob er sie womöglich entdeckt hatte.

„Du machst was?!“

Chris Worte hallten nur so durch die Straße im Gewerbegebiet. Pure Fassungslosigkeit wohnte ihnen inne. Antonia blickte sich unsicher um und wusste nicht, was sie nun tun sollte. Einfach hinter dem Auto hervorkommen und weggehen wollte sie jetzt nicht. Vor allem da sie nicht wusste, ob Chris sie gesehen hatte. In einer so unbequemen Position wie sie gerade kauerte, wollte sie aber nicht länger bleiben als nötig. Also entschloss sie sich dazu, sich so lautlos wie nur möglich auf den kalten Boden seitlich hinter ihrem Auto zu setzen. Ganz in der Hoffnung, dass Chris nicht allzu lange da herumschlich.

„Das darf jetzt nicht wahr sein, oder?“

Antonia schluckte. Es hörte sich an, als kam Chris immer näher auf sie zu. Er hatte sie doch gesehen, ganz bestimmt. Binnen von Sekunden beschleunigte sich ihr Herzschlag, während in ihren Ohren ihr eigenes Herzklopfen widerhallte.

„Ich habe da… hallo, lässt du mich bitte aussprechen. Ich habe da vielleicht auch noch ein Wörtchen mitzureden.“

Antonia starrte vor sich auf den geteerten Boden. Mit wem auch immer Chris da telefonierte, er klang alles andere als fröhlich, sondern eher verzweifelt. Sehr verzweifelt, um genau zu sein und aufgebracht zugleich. Beinahe automatisch und ohne, dass sie es überhaupt wollte entwich Toni ein lautloses, jedoch mitfühlendes Seufzen.

„Ich sehe ihn schon nicht an Weihnachten… was? Klar bin ich beruflich unterwegs, aber…“

Nun schien es Antonia, als trennten sie wirklich nur noch die wenigen Meter der Straße voneinander. Hoffentlich lief er jetzt nicht hinüber. Hoffentlich trat er dann nicht vor ihr Auto. Und hoffentlich entdeckte er sie nicht. Nicht jetzt. Nicht hier.

„Lia… Lia, jetzt hör mir mal zu. Er hat sich auf Silvester mit mir gefreut. Er hat schon Pläne gemacht… wie, das ist dir egal? Lia… Lia!“

Kurz herrschte Still. Plötzlich ließ ein Schlag Antonia zusammenzucken. So sehr, dass sie sich erschrocken beide Hände vor den Mund hielt. Chris hatte wohl gegen die nächstbeste Mülltonne getreten.

„So ein verdammter Mist!“

Wieder zuckte Antonia zusammen. Dieses Mal hatte sie sich vor Chris Stimme erschrocken. Plötzlich vernahm sie Schritte. Schritte, die sich entfernten und das sogar ziemlich zügig.
Lia. Nachdenklich runzelte Antonia die Stirn, während sie sich vom kalten Boden erhob. War das seine Frau? Wahrscheinlich. Irgendwie glaubte Toni gerade Zeugin eines sehr unschönen Gesprächs geworden zu sein. Was hatte Chris gerade gesagt? Er hatte sich auf Silvester mit ihm gefreut? Meinte er damit seinen Sohn Darius? Wenn ja, dann sah er ihn wohl nicht an Weihnachten. Und das würde auch passen, schließlich war Chris bis auf Heilig Abend mit Lord of the Lost unterwegs. Bedeutete das auch, dass Darius nicht bei ihm lebte? Und wenn der Kleine nicht bei ihm wohnte, dann tat es seine Frau wohl auch nicht.
Lia.
Und wenn seine Frau nicht bei ihm wohnte, dann lebte er wohl getrennt.
Alleine. Vielleicht war er einfach alleine.




ACHTUNG -> Kapitel 2 folgt in den nächsten Tagen. Um es nicht zu verpassen, am besten Alert Alarm aktivieren.
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