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Trust, Affection and Love

von Uhrzeiten
KurzgeschichteHumor, Romance / P16 / Gen
Chuya Nakahara Osamu Dazai
09.12.2020
09.12.2020
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Das Gefühl von Zuneigung...
Das Gefühl, in den Arm genommen zu werden wenn man sich schlecht fühlt...
Das Gefühl, wirklich geliebt zu werden...


Das alles kannte Dazai nicht. Natürlich hatte er schon unzählige Male davon gehört, jedoch nicht selbst erfahren und es hatte ihn bisher auch nie sonderlich gestört. Es gab immer etwas anderes, das seine volle Aufmerksamkeit benötigte. Und es war ok so. Die Nächte, in denen er sich mit fremden Frauen in einem Hotelzimmer vergnügt hatte um den lästigen Druck loszuwerden, waren ausreichend gewesen.
Chuuya erging es nicht anders. Auch er hatte Spaß mit einigen Frauen - noch mehr mit Männern - gehabt. Dabei ging es hauptsächlich darum die Lust zu stillen und den Stress wenigstens ein wenig abbauen zu können.
Schnell.
Effektiv.
Lieblos.
Nichts von all dem war von Bedeutung. Am nächsten Morgen war die vergangene Nacht schlichtweg unwichtig und nicht der Rede wert.
So war es die letzten Jahre, Monate, Wochen und Tage gewesen.

Doch nach diesem einen verdammten Abend an Chuuya's 23. Geburtstag, an dem das ehemalige Duo in der Bar 'Lupin' ausnahmsweise zusammen etwas trank, um auch auf den Waffenstillstand ihrer beider Organisationen anzustoßen, war nichts wie vorher.
Zugegeben, sie hatten es beide maßlos übertrieben. Die Neckereien, die Meinungsverschiedenheiten, die darauf folgende heftige Diskussion. Und schließlich die enorme Menge an Alkohol, die überhaupt erst alles auslöste.
Chuuya hatte halb auf dem Tresen gelegen und über Gott und die Welt gelallt, während Dazai den Barkeeper mehrmals um ein Messer bat, weil er selbst nervlich am Ende war. Den Mann schien das Szenario kaum interessiert zu haben, polierte mit seinem Tuch weiter seelenruhig die Gläser.


Beinahe fühlte es sich an wie damals...


...damals, als sie noch fast jeden Tag beisammen waren, nach der Arbeit Stunden in Spielotheken verbrachten, in einem der gemütlicheren Räumen des Mafiagebäudes Alkohol tranken, sich gegenseitig mit ihrem kindischen Verhalten auf die Nerven gingen oder die Stadt unsicher machten.
Es fühlte sich vertraut an...
Und voller Leben...
Der Kleinere hatte dem Größeren früher gezeigt, was es hieß ein Jugendlicher zu sein. Und an so manchen Tagen waren die beiden wirklich nichts anderes als normale Teenager gewesen, trotz der dunkelroten, in Blut getränkten Vergangenheit Chuuya's und der pechschwarzen emotionslosen Dazai's.

Sie waren wie zwei Puzzleteile, die zwar nicht aneinander passten, aber dennoch zum gleichen Bild gehörten...
Wie zwei unterschiedliche Blumen, die man ohne Probleme mit Grünzeug zu einem Strauß stecken konnte...
Wie zwei schöne, aneinander hängende Kirschen, die doch beide innerlich von Würmern zerfressen wurden...


Als sie es dann beide irgendwann mitten in der Nacht aus der Bar schafften, zurück an die frische Nachtluft, zog Chuuya den anderen plötzlich am Kragen herunter und drückte ihm grob seine Lippen auf, wodurch Dazai's letztes bisschen Verstand dahin flog wie ein Blatt im Wind. Auch er kannte keine Zurückhaltung mehr, ließ sich auf das gefährliche Spiel ihrer Münder in der dunklen Gasse ein. Denn beide sehnten sich nach Liebe.
Nach ein wenig Zuneigung und Zärtlichkeit.
Nach gefühlvollen Berührungen, die sich als Erinnerung in den Kopf brannten und es wert waren daran zurückzudenken.
Und nach viel mehr Vertrauen...


_______________________________



"So langsam glaub' ich, dass der Wein der Grund dafür ist dass du nicht recht gewachsen bist...", meinte Dazai mit einem amüsierten Grinsen. Im nächsten Moment traf ihn eines der Kissen der dunkelgrauen Couch hart im Gesicht.
"Klappe! Sonst kannst du gleich wieder gehen!", antwortete Chuuya gereizt, während er die Weinflasche in seiner Hand beäugte und die Finger prüfend über das dunkle Glas fuhren. Der Braunhaarige bekam seine Augen nicht von dem Älteren, der in einem schwarzen T-shirt mit der Aufschrift 'Sheep' und einer weißen Jogginghose mit etwas Abstand neben ihm saß. Ein kleines Handtuch um die Schultern, damit die noch feuchten fuchsroten Haare die Kleidung nicht durchnässten. Die Strähnen glänzten in dem schwachen, warmweißen Licht der Stehlampe in der Ecke des Wohnzimmers.

Dazai sah den anderen die letzten drei Wochen nicht. Seit sie sich in der Gasse unter Alkoholeinfluss fast gegenseitig aufgefressen hatten. Und immer wenn er daran zurück dachte, wie wund seine Unterlippe dank Chuuya danach war, so wurde ihm ganz komisch. Es fühlte sich gänzlich anders an als mit einer fremden Frau, die man nach dem Spaß kein zweites Mal traf. Dazu kam noch, dass ihn das bloße Rumgeknutsche mit dem Chibi so durcheinander bringen konnte. Denn mehr war nicht passiert. Und mehr konnte er sich auch nicht vorstellen. Immerhin hasste er diesen Zwerg doch...
Instinktiv knabberte er an der Unterlippe und versetzte sich damit selbst einen angenehmen Stich, der sich wie ein Blitz bis zu seinem Brustkorb zog. Verträumt durch die Erinnerung schloss das ehemalige Mitglied die Augen und schrak unbemerkt auf, als Chuuya die Flasche wieder auf dem niedrigen Holztisch abstellte, nachdem er Spuren gesucht hatte die gar nicht vorhanden waren. Eigentlich traurig wie wenig er dem Größeren manchmal traute. Er hätte sein kleines Geschenk auch nicht annehmen brauchen, doch dafür war er zu scharf auf die rote Flüssigkeit. Schnell versuchte Dazai seine Gedanken unter Kontrolle zu bekommen und wandte sich dem Kleineren zu, der noch zu grübeln schien.

"Sag' schon was du hier willst, Dazai! Du tauchst am späten Abend hier auf, mit nem Wein, den ich gerne trinke.", sagte das Mafiamitglied mit skeptischem Blick. Angesprochener lachte leise, vergrub seine langen Finger in dem dunkelroten Stoff des Kissens, das nun auf seinen überkreuzten Beinen lag. In der Hoffnung der andere würde nichts von seiner inneren Anspannung merken.
Doch Chuuya war nicht dumm. Längst fiel ihm Dazai's geistige Abwesenheit in den schokobraunen Augen auf. Sowie er vorhin aus dem Augenwinkel beobachten konnte wie dieser sich mit den Zähnen an der Lippe zu schaffen machte. Allein dieser Anblick hatte ihn schwer schlucken lassen. Nacht für Nacht hatte er in seinem Bett gelegen, mit dem stillen Wunsch noch einmal diese großen Hände an seinem Oberkörper spüren zu können. Wie sie ihn festhielten...
Wange an Wange, stark ein- und ausatmend...

Dazai's versteckte, scheinbar weiche und gefühlvolle Seite reizte Chuuya bis zum Äußersten. Nie glaubte er sowas bei dem anderen zu finden...

...sowie Dazai nie glaubte dass Chuuya's Hände auch anders konnten, als als Fäuste alles niederzuschlagen. Oder dessen Mund, aus dem zur Abwechslung mal kein einziges Wort kam.

Beide wussten genau, was sie mit ihrem unkontrollierten Handeln in dieser gottverdammten Nacht heraufbeschwören hatten: Ein nicht lösbares Rätsel. Wie ein Schatten verfolgte es sie und sorgte für ein kleines Flämmchen in deren Brustkörbe, das bei jedem Augenkontakt mit dem anderen zu einem Feuer wurde.

"...naja...", fing Dazai an. "...vielleicht wollte ich dich einfach nur besuchen?"
Er versuchte zum Ende hin ein wenig fröhlicher zu klingen, damit es sich so anhörte, als wäre es nur eine seiner vielen, nicht ernstgemeinten Aussagen. Als ob er einen fiesen Plan im Hinterkopf hatte, mit dem er dem anderen zur eigenen Erheiterung so richtig den Abend vermiesen wollte. Aber so spöttisch, wie es eigentlich halbwegs hatte klingen sollen, war es nicht. Und wäre zwischen den beiden alles normal gewesen, dann hätte Chuuya genauso spöttisch darauf geantwortet oder wenigstens gelacht.
Doch stattdessen saß er da, den Blick gesenkt und stieß einen ungläubigen Laut aus. Unsicher, wie er sich nun verhalten sollte.

"Sei' ehrlich...es geht um die Sache von vor der Bar.", meinte der Ältere schon nach kurzer Zeit, um eine bevorstehende peinliche Stille zu vermeiden. Er hatte es sich denken können, aber ignorieren wollen und gehofft, Dazai würde einfach den Mund halten.
Der andere verlor derweil sein Grinsen und seufzte hörbar. Mit dem Ellenbogen stützte er sich auf dem Knie des obenliegenden Beins ab und legte seinen Kopf in die Handfläche.

"Das ist alles deine Schuld, Chuuya. Du hast es mit dem Alkohol übertrieben."

"Wie bitte?!", stieß der Mann mit den fuchsroten Haaren empört hervor. "DU hast mich doch permanent angerufen und damit genervt, ich solle mit in die Bar kommen! Wisch' das nicht an mir ab!"

Chuuya war wieder gereizt. So hatte er sich den Freitagabend nicht vorgestellt. Ganz sicher nicht. Er stand mit Schwung von der Couch auf und wollte an dem Braunhaarigen vorbei gehen, um sich ein Weinglas aus der Vitrine zu holen. Dabei stieß er mit seinen Beinen gegen die des Jüngeren, der keine Anstalten machte sie weg zu bewegen.

"Damals hattest du dich besser im Griff! Wegen dir kann ich mich nicht richtig konzentrieren! Kunikida ist deswegen unerträglich!", jammerte dieser nun auch lauter werdend.
In dem Führungsmitglied stieg Wut auf, die sein Blut beinahe so zum Kochen brachte wie Corruption es immer tat. Und sowas schaffte nur dieser wandelnde Verbandskasten.
Fest griff er mit seiner rechten Hand in den braunen Schopf, zog diesen grob nach hinten, sodass Dazai zu ihm auf sah. Er hatte die Schnauze so voll...

"Du magst zwar ein genialer Stratege sein, aber auch du kannst mal etwas falsch machen. Suche die Fehler nicht nur bei anderen. Außerdem lief bei mir auch nicht alles rund. Hättest du es nicht gewollt, dann hättest du den Kuss nicht erwidert.", flüsterte Chuuya, während seine stechend blauen Augen den anderen gefährlich anfunkelten. Überrascht über diese kleine Belehrung wanderten Dazai's Brauen in die Höhe. Nur wenige Sekunden später wechselte dessen Gesichtausdruck zu einer nachdenklichen Miene.

"Du hast recht...ich wollte es so...", flüsterte er genauso ruhig zurück, schob das Handtuch von den Schultern des Kleineren, das achtlos auf den Boden fiel und ließ seine kalten Fingerspitzen über dessen Hals fahren. Der Griff in seinen Haaren lockerte sich, auf der Haut breitete sich eine Gänsehaut aus und bevor Chuuya mit einem verwirrten "Was meinst du?" zurückweichen konnte, nahm der Braunhaarige sein Gesicht in beide Hände und zog ihn zu sich. Überrascht von dieser Aktion stützte er sich links und rechts von Dazai an der Rückenlehne ab und landete wegen dem kurzzeitigen Gleichgewichtsverlust unsanft auf dessen Schoß.

Im nächsten Moment spürte er die ebenso kalten, dennoch weichen Lippen auf den eigenen, die nur sanften Druck ausübten. Beinahe so, als wollten sie erst um Erlaubnis bitten. Sie bewegten sich langsam, behutsam und zärtlich. Diese Berührung fegte den Kopf des Mafiamitglieds komplett leer und entfachte diese eine lodernde Flamme in ihm, die ihn von innen heraus verbrannte.
Alles um sie herum wurde ausgeblendet. Wie in einer Parallelwelt, in der nur sie beide existierten. Und gerade als Dazai die Hoffnung auf Erwiderung aufgeben und sich abwenden wollte, kam der federleichte Druck zurück. Chuuya's Arme legten sich locker auf die Schultern, drückte ihn mit seinem Oberkörper weiter ins Polster, saugte und knabberte vorsichtig an der Unterlippe.

Der Größere war wie berauscht von den Gefühlen, schmolz unter den heißen Lippen wie ein Eiswürfel in der prallen Sonne. Die Wärme drang selbst durch die Kleidung und den Verband hindurch. Sie war überall.
Seine Hände ließen von den Wangen ab und legten sich auf die angewinkelten Beine des anderen. Mit den Daumen strich er über die Oberschenkel, die noch immer von der weißen Jogginghose bedeckt wurden, was nun mehr zu stören schien.

Chuuya gab den Mund frei und betrachtete seinen ehemaligen Partner aus halb geöffneten Augen. Auf den braunen Iriden lag ein dunkler Schleier, der ihn an Zartbitterschokolade erinnerte. Ein heißer Fluss aus Bitterschokolade, in der die schwarze Perle namens Pupille versank, obwohl sie einen Großteil der Iris einnahm. Noch nie hatte er so schöne und gleichzeitig furchterregende Augen gesehen...
Ihre Münder waren nur wenige Zentimeter voneinander entfernt.

"Du bist deswegen hergekommen, oder?", flüsterte der Kleinere.

"Wer weiß?", flüsterte Dazai mit dezentem Lächeln zurück. "Ich hätte niemals gedacht dass so ein Chibi wie du mich so etwas fühlen lassen kann..."

"Achso? Und was-"

"Es ist Hass, Chuuya. Purer, unbändiger Hass."

Wie von einer Tarantel gestochen legte Chuuya mit Druck seine Hände um den eingewickelten Hals der kichernden Person vor ihm.

"Ich werde dich umbringen, du Suizidfanatiker! Genieß' deine letzten Atemzüge!", schimpfte der Fuchsrote, hielt jedoch inne, als der Braunhaarige mit einem Schulterzucken wieder zu sprechen begann:



"Ist ok. Jetzt kann ich ja glücklich sterben. Beinahe besser als ein Doppelsuizid."



Der Ältere spürte schon fast heftig den eigenen unregelmäßigen Puls, als hätte er Herzrhythmusstörungen. Sein wichtigstes Organ sprang im Dreieck, schien einen imaginären Hindernisparcour mitzumachen. Die Finger der rechten Hand schoben den Verband ein wenig nach unten, nur damit Chuuya instinktiv in die weiche Haut dort beißen konnte. Dazai's Körper spannte sich augenblicklich an, die Fingernägel in den weißen Stoff drückend und ihm entwich ein erschrockenes Keuchen. Wie von selbst schlossen sich seine Lider und der Kopf legte sich wieder nach hinten auf die Lehne. Lippen liebkosten ihn an jeder freien Stelle seines Halses, die heiße Zunge hinterließ eine feuchte Spur auf ihrem Weg zu seinem Mund, in den sie sich drängte.

Dieser Kuss fühlte sich besser an als jeder Sex den der Braunhaarige bisher gehabt hatte.
So viel gefühlvoller.
So viel intensiver.
Wie sich ihre Zungen umschmeichelten, den anderen zu dominieren versuchten. Den heißen Atem des jeweils anderen spürend.

Verdammt, Dazai verhungerte!

Der feste Griff des Mafiamitglieds in seinem Nacken, den Oberkörper so nah wie nur irgendwie möglich an seinen gepresst. Die kaum merkliche Bewegung auf seinem Schoß ließ beide in den Kuss keuchen und in seiner Lendengegend zog es...

"Wir sollten das nicht tun.", brachte er zwischen zwei Küssen hervor, woraufhin sein Gegenüber die Augen aufschlug und dunkle, glänzende Saphire ihn etwas abwesend ansahen. Dessen Stirn lehnte sich an die seine.


"Du willst also aufhören?"


Chuuya's raue Stimme setzte das Denken des anderen kurzzeitig außer Kraft, weshalb er hörbar mit geschlossenen Lidern seufzte. Unentschlossen wie er nun handeln sollte. Denn wenn sie beide nicht JETZT aufhörten, dann würde Dazai definitiv nicht in seinem eigenen Bett schlafen. Er wollte ursprünglich nur einen Kuss...doch diesmal nahm ihm das Führungsmitglied die Entscheidung ab, in dem er mit kreisenden Hüftbewegungen in Dazai's Schoß weiter die Lust entfachte. Der Braunhaarige gab ein unterdrücktes Stöhnen von sich und versuchte die Hüfte des Rotschopfes still zu halten, wodurch das schwarze T'shirt wegen der Bewegungen immer weiter nach oben rutschte und seine Hände bald auf der nackten Haut lagen.
So heiß und weich...
Die Erregung des auf sich Sitzenden an seinem Unterbauch spürend, während seine eigene sich gegen den von Stoff bedeckten Hintern drückte. Dazai's Augen funkelten warnend, doch Chuuya war diesmal derjenige der grinste. Ein dreckiges überhebliches Grinsen, und es gefiel dem anderen insgeheim. Sie beide waren dominante Männer die gern die Kontrolle über alles behielten.

Chuuya lehnte sich nach vorne, knabberte zärtlich an dem Ohrläppchen, küsste die empfindliche Haut darunter, nur um kurz darauf etwas zu flüstern:

"...auch wenn es mir nicht sonderlich gefällt...lass' uns einmal außerhalb des Kampfes funktionieren. Diese eine Nacht-"

Im nächsten Moment schubste der Braunhaarige seinen ehemaligen Partner, der überrascht das Gesicht verzog, zur Seite auf die Couch und schmiss die großen Kissen hinunter, die mit einem dumpfen Geräusch auf dem Boden aufkamen. Dazai schob seine angewinkelten Beine unter die Kniekehlen des unter ihm Liegenden, der seine Arme neben seinem Kopf liegen hatte und mit geöffnetem Mund zu ihm aufsah. Mit verschleiertem Blick verfolgte er Dazai's Finger, die sein T'shirt nach oben schoben und die gut sichtbaren Bauchmuskeln nachfuhren.
Chuuya sehnte sich so stark nach den Berührungen, dass sich sein Körper allein bei diesem noch harmlosen Hautkontakt wand. Bestimmt lag ein rötlicher Schimmer auf seinen Wangen, so warm wie ihm war. Er genoss die Streicheleinheit sehr, atmete hörbar aus. "Zieh' dein Oberteil aus.", sagte der Jüngere, woraufhin Chuuya sich langsam aufsetzte und das Shirt kurz darauf ebenfalls auf den Teppich fiel. Doch mit dem einen Kleidungsstück war der Kleinere nicht zufrieden. Ungeduldig vergriff er sich mit zittrigen Fingern an der Weste des Fanatikers und öffnete die Knöpfe, woraufhin sie sich schnell zu den anderen Dingen gesellte. Der Größere musterte den anderen, wie er nun auch sein gestreiftes Hemd öffnete. Trotz der Zwergengröße war der Kleinere ein Blickfang. Unter der Kleidung sah man so gut wie nie die breiten muskulösen Schultern, die von dem Training und den zahlreichen Kämpfen kamen. Die längeren Haare rundeten das Bild nochmal ab. Natürlich war der Anblick nichts Neues, aber in dieser Situation fand Dazai seinen Gegenüber beinahe unverschämt attraktiv. Von den Augen brauchte er gar nicht erst anfangen zu sprechen.

Chuuya schob das Hemd langsam von den Schultern und verwickelte seinen ehemaligen Partner in einen weiteren leidenschaftlichen Zungenkuss. Ihre Lippen passten hervorragend zusammen und keiner der beiden wollte das kleine Spiel beenden, bis sich mittlerweile warme Fingerspitzen in den Bund der weißen Jogginghose hakten. Zeitgleich verlor auch die helle Hose des anderen an Halt, als der Gürtel mit einem Mal aus den Schlaufen gezogen wurde und der Knopf sowie der Reißverschluss offen stand.

"Rein nur aus Interesse: Dein erstes Mal mit nem Kerl?", fragte das Mafiamitglied gerade heraus, wodurch er einen verdutzten Blick erntete. Die Augen etwas geweitet und den Kopf fragend zur Seite geneigt.
"Mehr als Geknutsche war nie drin. Ich hab Respekt vor Sex mit Männern. Hast...du etwa schon???"

"Natürlich! Öfter als mit Frauen! Komm' mal mit!"

Dazai entfloh ein ungläubiges "Hä?". Der Fuchsrote stand recht umständlich auf, packte des Größeren Handgelenk und zog ihn hinter sich her durch den Flur zu einer der geschlossenen Türen in der hintersten Ecke.



Chuuya stieß Dazai in Richtung Doppelbett. Die Schlafzimmertür wieder hinter sich schließend. Die Vorhänge waren nicht zugezogen und die Lichter der Stadt erhellten den Raum spärlich um etwas erkennen zu können. Das Apartment befand sich im siebten Stock, deshalb war ein Zuziehen nicht notwendig.
Der Jüngere landete auf dem Rücken, stützte sich auf seinen Unterarmen ab.

"Dann werde ich wohl die Führung übernehmen.", sprach der Kleinere nochmals mit einem dreckigen Grinsen, ehe er langsam zum Bett schritt und sich mit haltendem Augenkontakt an seiner Jogginghose und Shorts zu schaffen machte. Im nächsten Augenblick stand er schon nackt da, wartete aber nicht auf eine Reaktion des anderen, der ihn nur mit glänzenden Augen musterte. Die Vorfreude stieg ins Unermessliche, als er mit den Lippen über die Haut am Unterbauch strich, die nicht von Verbänden verdeckt wurde. Es war anders als bei all den anderen Bettpartnern. Bei keinem wollte sich Chuuya so viel Zeit lassen wie bei Dazai. Bei keinem flatterte sein Herz wie ein Schmetterling in seiner Brust. Nicht mal nach einem guten Orgasmus. Und hier geschah dies allein beim Vorspiel.
Mit einem Ruck wurde die helle Hose heruntergezogen und die heißen Lippen verteilten weiterhin am Rand der engen Boxershorts hauchzarte Küsse, während die linke Hand des Führungsmitglieds auf der pochenden Beule zum Liegen kam und sanften Druck auf den dunklen Stoff ausübte. Chuuya hob kurz den Kopf, um in Dazai's Gesicht zu sehen.
Die Augen halb geschlossen.
Auf die Unterlippe beißend.
Und weil dieser Ausdruck nicht genug war, verstärkte er den Druck auf dem besten Stück und massierte es so gut es eben ging. Und schon bekam er etwas anderes präsentiert.
Der Kopf lag nun auch auf der Matratze, ein weiteres kaum hörbares Stöhnen drang durch zusammengebissenen Zähnen hindurch, sich mit den Fingern krampfhaft an der grauen Bettwäsche haltend. Der Brustkorb hob und senkte sich schnell und unregelmäßig.
Der Ältere genoss die derzeitige Dominanz und den Anblick eines sich beherrschenden Osamu. Aber er wollte ihn richtig stöhnen hören, wollte ihm zeigen wie viel besser der Sex mit einem Kerl sein konnte. Also sorgte er kurzerhand dafür, dass auch der Braunhaarige nackt und nur von Verbänden geschützt vor ihm lag.
Der Fuchsrote nahm sich ein paar Sekunden um sich dessen Glied anzusehen. Zu Dazai's Körpergröße passte er genau richtig und nun verstand er auch wieso die Frauen so scharf auf ihn waren.


Er war perfekt.


Mit den Fingerkuppen berührte er sachte den Schaft, hauchte dagegen und drückte seine Lippen leicht auf die Spitze. Auch dabei die Augen fest auf dem Gesicht des anderen, das er ihm wieder zugewendet hatte.

Mit beinahe kindlicher Neugier beobachtete der Suizidfanatiker seinen Partner. Wie er sich verhielt, wie er sein Glied immer mehr und mehr in den Mund nahm und dabei zwischen seine Beine rutschte. Dazai keuchte, winkelte diese an. Ein weiterer Blitz zog durch seinen Körper und ein nun klares, dunkles Stöhnen rollte über seine Zunge. Er stand unter Strom.
Der Kleinere leckte, saugte, nahm ihn bis zum Anschlag auf, bis Dazai letzendlich aufgab es zu unterdrücken. Seine Stimme klang wie eine leise Melodie in den Ohren des Rotschopfes.


"Kannst die Augen nicht von mir lassen?"


Chuuya's Stimmlage klang noch tiefer als vorhin im Wohnzimmer, setzte sich zurück auf den Schoß des anderen, beugte sich für einen kurzen Kuss zu ihm runter.

"Beobachten und lernen.", antwortete Dazai ihm grinsend und noch immer nach Luft ringend. Chuuya beherrschte diese Sache ausgesprochen gut. Er ließ den Braunhaarigen nicht kommen, hatte kurz davor aufgehört. Und wie er jetzt auf diesem saß, die Arme auf seiner Brust abgestützt und hungrig nach unten blickend. Ja, er wollte Dazai regelrecht fertigmachen...

Der Größere fühlte die Berührung der eher kleinen Hände, die mit Druck über seinen Verband fuhren und über die Stellen kreisten wo seine Brustwarzen waren. Ständig hatte er geglaubt der Kleinere musste sich für seinen Körper schämen, doch eigentlich war nichts daran irgendwie peinlich. Selbst seine Kronjuwelen sahen überhaupt nicht schlecht aus. Es lag rein nur an der mangelnden Körpergröße, die ein 'göttlich' lediglich zu einem 'traumhaft' machte. Er drehte den Kopf zur Seite, schloss genießerisch die Lider. Versucht die wieder aufsteigende Nervosität zu verdrängen, denn in dieser Ausnahmesituation konnte Dazai die Handlungen des anderen nicht vorhersehen. Er stand so gar nicht auf Schmerzen, doch so ein Akt war oftmals mit welche verbunden wenn man selbst das 'Opfer' darstellte. Das war auch der Grund warum er sich bisher nie auf Sex mit Männern eingelassen hatte...trotz des Interesses.

"Oi, Dazai. Entspann' dich."

Er zuckte zusammen, als Chuuya's Atem plötzlich an seiner Wange zu spüren war.

"Angst, dass ich dich nicht gut fühlen lassen würde?"

"Behandel' mich nicht wie eine Jungfrau!", motzte das ehemalige Mafiamitglied gereizt entgegen, woraufhin der Rotschopf kicherte.

"Wie du meinst."

Mit diesen Worten griff Chuuya etwas umständlich zum Nachttischkästchen, schob die oberste Schublade auf und nahm eine kleine Tube heraus. Er platzierte sich zurück auf den Schoß und tropfte sich ein wenig von der durchsichtigen, gelähnlichen Flüssigkeit auf die Finger, die er aneinander rieb. Daraufhin lehnte er sich nach vorne, wieder die linke Hand zur Stütze an der Brust des unten Liegenden und ließ langsam einen Finger in sich gleiten. Seine Augen schlossen sich konzentriert, der Mund einen Spalt weit geöffnet und das Gesicht nach unten gerichtet.

Dazai war versucht sich zu fragen, ob er sich dies alles nur einbildete. Er hatte mit etwas anderem gerechnet! Sein ehemaliger Partner war im Bett ein komplett anderer Mensch. Und verflucht nochmal! Sein Glied, das zuvor wegen seiner Gedankengänge erschlafft war, stand wie eine eins! Dieser Chibi war besser als jedes Kurzfilmchen im Internet. Und als er bemerkte dass der zweite Finger dazu kam, legte er eine Hand an des anderen Gesicht, damit dieser ihn ansah. Dunkle, tiefe Seen starrten ihn an. Der rötliche Schimmer auf den Wangen schwach, aber dennoch gut erkennbar. Chuuya ließ von sich selbst ab, setzte sich auf und rutschte provokant auf Dazai's bestem Stück hin und her, leckte sich über die Lippen, die durch das einfallende Licht und dem Speichel glänzten.

Das Führungsmitglied fand nichts erotischer als Dazai unter ihm. Dieses verdammte Genie, das meist allen meilenweit voraus war und dessen Hirn einem einzigen riesengroßen Archiv an Informationen jeglicher Art gleichte. Ja, dieser jemand ließ sich gerade von ihm zeigen wie man es mit Kerlen trieb, damit er es nicht nur in der Theorie wusste.
Chuuya bewegte sich reizvoll und so langsam wie es ihm selbst möglich war. Das Becken des Braunhaarigen stieß ein paar Male reflexartig nach oben und allmählich kam auch er an seine Grenzen. Er wollte ihn unbedingt in sich spüren, die eigene Erregung schmerzte schon.
Also langte er zwischen die Beine, umfasste Dazai's Glied und setzte es an seinem Hintern an.

"Warte, Chuuya, wir haben noch kein-"

"Nicht heute. Heute ist es egal."

Vorsichtig senkte er sich, nahm zuerst die Spitze auf. Der andere schnappte mehrmals nach Luft, krallte die Fingernägel in Chuuya's Seiten.
Wie in Zeitlupe zog es sich in die Länge.
Wie ein zäher Kaugummi.
Aber das Gefühl war für beide Parteien unglaublich.
Dazai wurde überrascht von der heißen Enge. Sein Verstand wie benebelt. Alles was nicht mit diesem blauäugigen Chaoten zu tun hatte wurde erfolgreich herausgefiltert.
Der Kleinere verharrte in seiner Position, das Gesicht nach oben zur Decke gerichtet und die Augen geschlossen.

"...hast du Schmerzen?"

Oh nein, Chuuya hatte keine Schmerzen. Ganz im Gegenteil: Es war atemberaubend so ausgefüllt zu sein. Er genoss nur den Augenblick, das war alles.

"Nein.", antwortete er und fing an sich zu bewegen.

Auf und ab, auf und ab.

Zuerst langsam und gefühlvoll.

Durch die Menge an Gleitgel war das Gleiten keineswegs schwierig. Vielleicht war das Geräusch etwas störend, doch bei ihrem 'Gesang' ging es sowieso bald unter.

Das Keuchen und anfänglich leise Stöhnen der beiden wurde von Mal zu Mal, an dem der Rhythmus sich mehr beschleunigte, lauter und tiefer. Ihre Laute und Bewegungen passten zusammen wie ihre Schreie und Angriffe im Kampf, genau da wo sie miteinander harmonierten. Dazai führte den Rotschopf mithilfe seiner Hände, half ihm ein wenig das Tempo beizubehalten, wobei schon kurze Zeit später eine die Erregung des anderen umfasste und sich den Stößen anpasste. Chuuya warf ihm einen lustvollen Blick zu, bei dem er dachte er würde gleich darauf in ihm kommen. Doch das war glücklicherweise nicht der Fall. Wenn es jedoch so weiter ging, dann hielt er es wirklich nicht mehr allzu lange aus.
Und diese raue Stimme, die so gar nicht lieblich klang, trieb ihn zusätzlich weiter dem Höhepunkt entgegen.
Die fuchsroten Haare, die an der verschwitzten Haut klebten.
Die Finger, die an seinem Verband Halt suchten.
Die mittlerweile unkoordinierten Bewegungen, die darauf hinwiesen, dass der andere auch nicht mehr lange benötigte.
Also strich Dazai mehrmals mit dem Daumen über die Spitze, pumpte weiter mit stärkerem Druck.

Aber das, was dieser Zwerg als nächstes mit ihm tat, brachte ihn dazu den Rücken durchzudrücken und sich mit einem hellen, lustvollen Stöhnen in Chuuya's Unterarme zu krallen. Der Rotschopf hatte seine Hände um den Hals des Braunhaarigen gelegt, packte zu ohne ihm den nötigen Sauerstoff zu rauben und grinste herausfordernd, ihn weiter reitend.

Dazai's Hobby lag darin, sich mit allen Arten des Selbstmordes auseinanderzusetzen. Mit allen nicht schmerzhaften, verstand sich. Und genau das wollte der Kleinere unbedingt nutzen. Es schien dem Fanatiker zu gefallen, denn er wand sich in seiner Ekstase wie eine gefangene Makrele im Wasser. Die Nägel kratzen an der Haut, das erregte Wimmern unterstrich die tiefbraunen verklärten Iriden. Ein gefährliches Lächeln schlich sich auf dessen Züge und trieb Chuuya eine Gänsehaut ein.
Schon kurz darauf kam Dazai mit aufgerissenen Augen und einem Stille zerreißenden Laut. Und verflucht, dieser Ausdruck war wie Mentos in ner Cola. Chuuya sprudelte über wie das kohlensäurehaltige Getränk, ergoss sich auf der Bauchdecke des anderen. Die Zähne fest aufeinander beißend.

Schwer atmend warteten beide darauf, dass die befriedigende Welle, die der Höhepunkt mit sich gerissen hatte, abklang und sich auch der Puls normalisiert hatte. Aber so leicht war dies nicht. Das Herz schlug den zwei'n bis zum Hals, wollte sich schier nicht beruhigen. Selbst Dazai schaffte es nicht seinen sonst kontrollierbaren Herzschlag zu normalisieren.
Im nächsten Moment löste Chuuya seinen Griff, hob seinen Hintern, damit der Fanatiker aus ihm heraus glitt und synchrones Seufzen folgte.
Der Kleinere ließ sich erschöpft auf das Bett fallen.

"Gott, Chuuya...", sagte Dazai fasziniert, fasste sich an den Hals und grinste wie verrückt. "...das war unglaublich."
Bisher hatte er noch keinen so heftigen Orgasmus gehabt. Bei keiner einzigen Frau. Das Erlebnis war ebenfalls unvergleichbar gewesen. Als hätte er erst herkommen müssen um zu erfahren was echter Sex war. Sein Herz sprang vor Glück und anhaltender Aufregung.

"Nein, das war scheiße.", nuschelte der Fuchsrote in das Kissen.

Der Braunhaarige blickte fragend zu ihm, doch recht überrascht über die Wortwahl direkt nach ihrem gemeinsamen Abenteuer. Die Haare auf dem grauen Bezug verteilt und das Gesicht größtenteils darin vergraben.

"Wir hätten doch Kondome benutzen sollen! Sieh' dir die Sauerei an!"

Dazai lachte herzhaft auf. Es war unverständlich wie Chuuya sich gerade jetzt über das zähe Zeug aufregen konnte. Obwohl es wirklich unschön seine Beine herunterlief und somit zeigte, dass sie ernsthaft miteinander geschlafen hatten. Es hinterließ Flecken auf der Decke und dem Spannbettlaken.

"Ich hatte ja kein Mitspracherecht.", meinte der Größere belustigt und strich seinem Bettpartner verträumt über das Schlüsselbein. Was war dies nur für ein erdrückendes Gefühl? Anfangs mochte es nur die Neugier und das starke Verlangen nach Zärtlichkeiten gewesen sein, doch nun strahlte er wie ein Flutlichtstrahler. Immer wenn er an dieses Schaf, mit der Wolle die an die Abendsonne erinnerte, dachte. Ihn beschlich eine leise Vorahnung, die er aber mitnichten einfach so akzeptieren wollte.

Chuuya seufzte in sein Kissen, genoss die streichelnde Geste. So sehr er sich selbst für diese dumme Aktion von vorhin schlagen könnte, so sehr schwelgte er auch in dieser nachhallenden Empfindung. Um ehrlich zu sein war er fest der Meinung, Dazai würde nach dem Liebesakt einfach wieder abhauen wie all seine nächtlichen Sünden. Doch stattdessen suchte er Nähe und grinste dabei wie ein Honigkuchenpferd, während der Kleinere die Röte nicht aus dem Gesicht bekam. Nur sein rechtes Auge lugte hervor und musterte den anderen, der sich zögerlich aufsetzte und auf seinen Bauch hinunter sah, wo der Verband beschmutzt war.

"Wo hast du nochmal deinen Verbandskasten?"

"Besorgst du mir dann einen Neuen? Wenn nicht dann Finger weg!"

"Ich bin diesen Monat wieder knapp bei Kasse. Aber nur für dich würde ich als Gegenleistung eine zweite Runde in Betracht ziehen."

Das Mafiamitglied hob ungläubig den Kopf, dachte er höre nicht richtig. Er rollte sich auf den Rücken und stemmte die Hände gegen Dazai's Brust, der Anstalten machte sich über ihn zu beugen. Seine Beine wurden auseinander gedrückt und der Jüngere drängte sich dazwischen, bevor er es realisieren konnte. Die Arme an das Bett gepinnt und Glied an Glied reibend.

"Du stehst noch so sehr unter Strom, da brauchst du das doch sicherlich.", neckte Dazai und beobachtete den überforderten Blick und die lächerlichen Befreiungsversuche, die rein seinem Stolz zu verschulden waren. Ein wohliges Brummen verließ Chuuya's Mund, der nur Sekunden später die Lippen des anderen spürte. Ihre Zungen fechteten einen kleinen Kampf aus, den Dazai haushoch gewann. Der Speichel lief aus dem Mundwinkel hinab bis zum Hals, zog eine feuchte Spur nach sich.
Sah man ihm die Lust so deutlich an? Hatte der Fanatiker es aus seinem größtenteils versteckten Gesicht ablesen können, dass es nicht genug war? Dass er zu stolz war nach einer weiteren Runde zu fragen, in der er ihn tief in sich spüren wollte?
Dazai ließ von ihm ab, ihr Atem vermischte sich und dunkles, gefährlich blitzendes Braun traf auf tiefes, rauschendes Blau. Ihre Iriden leuchteten in dem Schein der Stadtlichter, versuchten in das Innere des anderen zu sehen. Und alles was sie sahen war kein Hass, sondern Vertrauen.
Vertrauen.
Lust.
Zuneigung.
Und...


...Liebe?


Der Kleinere drehte den Kopf weg, damit er nicht mehr in das andere Augenpaar blicken musste, so hart traf ihn die Erkenntnis. Schon an dem Abend in der Bar war ihm sein eigenes Verhalten unklar gewesen. Er hatte selbst unbewusst die Nähe zu dem Braunhaarigen gesucht, wollte mit ihm die Zeit totschlagen, sich zanken, sich betrinken. Ja, Chuuya hatte Dazai, seinen damaligen unausgesprochenen besten Freund, vermisst ohne es zu bemerken. Und seit drei Wochen schwirrte nur er ihm im Kopf herum, sorgte für schlaflose Nächte und Konzentrationsprobleme bei der Arbeit. Für verbrannte Spiegeleier und tollpatschige Momente.


Er hielt es nicht aus.

Ihm wurde abwechselnd warm und kalt.


Der andere liebkoste seinen Hals, biss zärtlich in die weiche Haut, leckte mit seiner rauen Zunge darüber, küsste sich bis zum Schlüsselbein runter und legte sich mit dem ganzen Körper auf ihn. Sie konnten die Herzschläge des jeweils anderen spüren, schnell und stark. Überdeutlich.
Chuuya's Arme wurden freigelassen, stattdessen hielt man seinen Kopf an Ort und Stelle. Die Finger in der fuchsroten Mähne vergraben. Dazai fing die zarten Lippen wieder ein, fuhr mit der Zungenspitze über die untere Lippe.  

"Ich will dich nicht hassen. Nicht heute Nacht...", hauchte der Jüngere dagegen. Verwickelte den unten Liegenden in einen sinnlichen Kuss, der die Arme und Beine um ihn schlang, als könne er jeden Moment fallen.

"...und ich denke dass du es auch nicht willst...", nuschelte Dazai weiter. Natürlich hatte er Chuuya durchschaut, dafür war der Blick zu offensichtlich gewesen. Ihm ging es ja nicht anders, auch er kämpfte mit sich selbst. Denn echte Gefühle wären in vielerlei Hinsicht eine Last. Sie beide arbeiteten für verschiedene Organisationen, was ihnen zum Verhängnis werden konnte, trotz des Bündnisses. Plus die unangenehmen Fragen wenn dies jemand erfuhr. Und dabei wünschte sich Dazai doch nur einen Liebessuizid mit einer schönen Frau...

...naja, das hatte er sich zumindest gewünscht.

Alles was der Braunhaarige jetzt wollte, war mit seiner Hand den Oberkörper des Rotschopfes zu streicheln. Mit den Spitzen um die Nippel zu fahren und eine daraufhin zwischen zwei Fingerkuppen zu zwirbeln. Ein angetanes Keuchen drang an sein Ohr, das ihn breit grinsen ließ. Der Körper unter ihm reckelte sich, an den braunen Haaren wurde leicht gezogen und der Kuss komplett gelöst. Er rutschte nach unten, nahm die andere Brustwarze zwischen die Lippen und spielte mit der Zunge damit. Saugte auch daran ein paar Male, was Chuuya verrückt werden ließ. In dessen Unterleib kribbelte es vor Erregung und Ungeduld. Dazai's Spitze stieß gegen die Öffnung, drückte sich nur wenige Millimeter hinein und entfernte sich anschließend. Dann wieder, und wieder, und wieder.
Chuuya's Beine versuchten den Suizidfanatiker näher an sich heran zu drücken, jedoch fand dieser es recht amüsant den Kleineren so zappeln zu lassen.

"Verflucht, Dazai, bitte!", presste Chuuya angestrengt hervor, wimmerte so wie es Dazai vorhin getan hatte. Wieso konnte der andere die Neckereien nicht auf später verschieben?! Schließlich hatte er ihn auch nicht so lange warten lassen!

"Naww, sag' das unbedingt nochmal! Aber etwas netter."

Der Ältere richtete sich ein wenig auf, sich auf den Unterarmen abstützend und flüsterte mit verführerischem Blick gegen den anderen Mund:

"Da-zai...


.......


...ICH MACH' ES MIR LIEBER SELBST!"


Der Größere hielt gerade noch rechtzeitig die flinke Hand auf und lachte wegen der grimmigen Miene des Rotschopfes. Wobei angepisst eher zutraf. Er hatte doch tatsächlich versucht es sich selbst zu besorgen, nicht zu glauben!
Mit einem festen Stoß drang Dazai ein, brachte den anderen dazu den Kopf in den Nacken zu werfen und ausgelassen zu stöhnen. Die Stöße schnell und hart, so wie es Chuuya wollte. Die Hüfte wurde gepackt, in der Hoffnung man könne noch tiefer eindringen.
Selten durfte Dazai sich so austoben, war für viele Frauen unangenehm oder schmerzhaft. Doch der Kleinere war nicht so zierlich oder schmerzempfindlich, sodass er sich hätte zurückhalten müssen.
Es fühlte sich so gut an, so verdammt gut! Die heiße Haut, der grobe Umgang, die Lippen. Diese...lebendigen Augen, in denen er so viel sehen konnte, so viel sehen DURFTE, zeigten ihm dass er in Gegenwart seines ehemaligen Partners immer er selbst sein konnte. Nur Chuuya kannte Dazai's wahren Charakter. Hatte ihn lachen, jammern, albern, betrunken, schlafen, fluchen und töten sehen. Und nun auch in Ekstase.
Beide ließen ihren Gefühlen freien Lauf, ertranken in der Lust, hielten sich an allem fest was sie ergreifen konnten. Das Glied des Braunhaarigen versank in noch schnellerem Tempo in Chuuya und der Verband klebte mittlerweile ekelhaft an seiner verschwitzten Haut, lockerte sich bereits an Hals, Armen und Beinen.

Der kleine Körper spannte sich an, die Finger links und rechts in das Kissen gekrallt und die Luft plötzlich anhaltend. Sekunden danach kam endlich die Erlösung mit voller Wucht. Er zitterte, wand den Kopf hin und her. Durch die stetigen Bewegungen des Größeren zog sich der Höhepunkt etwas in die Länge, bescherte Chuuya ein unfassbares Glücksgefühl. Leise stöhnend genoss er noch die zusätzlichen Stöße des anderen, bis dieser ebenfalls kam.
Die kurzzeitige Stille, die im Zimmer herrschte, wurde nur von dem Ein- und Ausatmen der beiden durchbrochen.
Dazai wollte nicht dass es aufhörte, wollte nicht dass am Morgen alles vergessen sein sollte. Dennoch war dies notwendig, um normal weiterleben zu können. Wenn es überhaupt noch möglich war nach so einer Nacht...
Der Braunhaarige zog sich aus dem Fuchsroten, streichelte die Innenschenkel und musterte den anderen, der den Unterarm auf die Augen gelegt hatte.

"Hat es dir gefallen?", fragte Dazai einfach drauf los, woraufhin ein blaues Auge hervorblitzte.

"Was für eine dumme Frage..."

"Hihi, stimmt. Immerhin musste man dich nicht zusätzlich berühren, bist einfach so gekommen. Anscheinend geht's bei dir schneller wenn man grob mit dir ist."

Chuuya setzte sich auf, verpasste seinem Bettpartner einen Klaps auf den Hinterkopf. Sah ihn ein wenig genervt an.

"Lass' diese Neckereien, Dummkopf! Du hilfst mir dann beim neu beziehen!"

"Jaja, Chibi. Gleich nach der dritten Runde."

"Nein!", rief Chuuya beinahe panisch aus. "Bist du wahnsinnig?! Ich weiß ja nicht wie du so drauf bist, aber ich bin kein 13-jähriger Junge mehr, der es fünfmal hintereinander machen kann, nachdem er die Selbstbefriedigung für sich entdeckt hat!"

Der ehemalige Mafioso lachte ein weiteres Mal herzhaft auf, wedelte mit der Hand als Zeichen, dass der andere sich wieder beruhigen konnte.
"Nur Spaß, nur Spaß. Ich kann auch nicht mehr. Aber ich muss wirklich deine Dusche benutzen..."

Ja, das musste Dazai echt dringend. Die Haare wirr, die verschwitzte Haut, den Verband auf halb acht und der Unterleib komplett verschmiert mit Gleitgel und...

Chuuya wollte nicht wissen wie er selbst aussah. Das Spannbettlaken unter ihm war schon unangenehm feucht und er schwor bei Gott, dass er es nie wieder ohne Gummi tun würde.
"Du hast da was am Bauch.", meinte Dazai so nebenbei und zeigte mit einem neckenden Lächeln darauf. Der Rotschopf wusste nicht ob er lachen, weinen oder toben sollte, als Reaktion auf die blöde Bemerkung, die sich diese wandelnde Mumie offensichtlich nicht verkneifen konnte. Er versuchte ruhig zu bleiben, schwang das eine Bein über den Fanatiker und stand vorsichtig auf.

"Ich geh' zuerst. Gib' mir zehn Minuten.", meinte Chuuya angeekelt und ging zügig in das große Badezimmer, ließ den kichernden Osamu auf dem Bett zurück.  


____________________________



Chuuya hatte sich nach dem Sex noch nie so ausgeglichen gefühlt. Plötzlich war all der Stress, all die innere Unruhe und die Sorgen über zukünftige Aufträge, die er wegen seiner momentanen Stimmung durch Dazai vermasseln könnte, wie verflogen. Der etwas stechende Schmerz war erträglich, würde in ein paar Stunden schon wieder besser sein.
Als er aus der Dusche gestiegen war und sich kurz im Spiegel besah, schien ihm sein eigenes Aussehen fremd zu sein, denn selten strahlte er so eine Ruhe aus wie in diesem Augenblick.
Das Führungsmitglied schritt gedankenverloren zu der schönen Eckbadewanne, tropfte die mattschwarzen Fließen auf dem Boden nass, setzte sich auf den Rand und beugte sich zu dem Hahn vor um Wasser einzulassen. Ihm war jetzt nach einem heißen, entspannenden Bad. Mit Rosenblättern, Duftkerzen, einem teuren Wein und leiser Musik im Hintergrund...
Teelichter befanden sich im Badschrank, fanden auch schnell ihre Plätze am Wannenrand in der Ecke und auf der Badkommode. Doch noch bevor Chuuya das lange Feuerzeug in die Hand nehmen konnte, ging die Tür auf und ein brauner Schopf lugte fragend hinein.

"Kann ich reinkommen?"

"Ja, du kannst jetzt duschen. Ich geh' noch baden.", antwortete Chuuya noch immer in Gedanken. Er kontrollierte mit der Hand die Wassertemperatur, starrte wie hypnotisiert auf die Oberfläche, durchschnitt sie mit den Fingern. Doch dann dämmerte ihm was...
Entschuldigend blickte er zu Dazai, stoppte das fließende Wasser und machte Anstalten aufzustehen und Richtung Tür zu gehen.
"Verzeih', ich hab das mit den Verbänden vergessen. Du willst allein sein."

"Nein. Du kannst ruhig planschen.", meinte der Größere. "Ich wollte nur wissen wo der Verbandskasten ist."

"Der ist-"

"Ach, da fällt mir ein." Dazai kam nun vollständig ins Bad, hielt einen kleinen weißen Kasten mit Griff in die Höhe und grinste. "Ich hab ihn ja schon."

Der Rotschopf verkniff sich ein genervtes Stöhnen, massierte sich behutsam die Schläfen und nahm wieder am Rand der Badewanne Platz. Es war vorhersehbar gewesen dass dieser Mann sein Apartment danach durchsuchen würde.
Die Tür fiel ins Schloss und der Verbandskasten wurde auf einer zweiten Kommode neben dem Waschbecken abgelegt. Das Wasser floss weiter in die mittlerweile halbvolle Wanne, als die kurzen Beine in das klare Nass traten und der Kleinere sich vorsichtig hineinsetzte. Es war ein wenig zu heiß, weswegen es kurz auf der Haut brannte, doch schon im nächsten Moment breitete sich eine Gänsehaut auf dem Körper aus. Ein wohliges Seufzen verließ seinen Mund.

Der Braunhaarige summte vor sich hin, wickelte den alten Verband ab und schmiss ihn in den kleinen Mülleimer neben der Toilette. Das Gesumme sollte ihn lediglich ablenken, denn es war das erste Mal dass er den zusätzlichen Stoff in Anwesenheit eines anderen Menschen abnahm. Nun war er wirklich nackt. Also so wirklich richtig...
Chuuya saß mit dem Rücken zu ihm, lag entspannt im Wasser und gab keinen Mucks von sich. Anscheinend hatte der Mafioso es sich mit den Kerzen gemütlicher machen wollen. An sich keine schlechte Idee, fand Dazai, doch wenn diese nicht brannten dann brachte das auch nicht recht viel.
Er betrat die begehbare Dusche und begann damit sich zu waschen.

Der Ältere war jedoch nicht ganz so entspannt wie von dem anderen angenommen. Zu wissen, dass sein ehemaliger Partner tatsächlich ohne Verbände dort stand, machte ihn etwas nervös. Er widerstand dem Drang einfach einen Blick zu riskieren, denn es wäre irgendwie respektlos. Viel lieber sollte er doch das enorme Vertrauen genießen, das dieser Riese ihm entgegen brachte.
Chuuya fasste sich an die Brust, aus Angst sein Herz könne herausspringen. Es war schon fast peinlich wie sehr er sich wie ein verliebter pubertärer Junge fühlte. Auch wenn ihm die Vorstellung zutiefst missfiel, dem Fanatiker hoffnungslos verfallen zu sein, so mochte er sich selbst keine Lügen mehr auftischen. Es würde...nein, es musste einen Weg geben dies zu unterdrücken. Der Rotschopf lebte regelrecht für seinen Job. Und Gefühle waren dort definitiv Fehl am Platz. Erst recht wenn die Hafenmafia wieder mit der Detektei zusammenarbeiten musste.
Das Wasser wurde abgestellt und ein frisch duftender Osamu trat heraus.

"Hmmm~, das tat guuut~", schwärmte der Größere und stapfte noch komplett nass zurück zur Tür, die er öffnete und offensichtlich vorhatte das Bad so zu verlassen.

"Hey! Nimm' dir verdammt nochmal ein Handtuch!"

Der Rotschopf sah reflexartig zu Dazai, erfasste mit seinem Blick dessen Rücken. Wie gebannt starrte er auf den Körper, der um die Ecke verschwand und die Badtür offen ließ.
Er hatte diesen Fanatiker für einen kurzen Augenblick doch tatsächlich ohne Bandagen gesehen! Zwar nur von hinten, aber das spielte im Moment keine Rolle. Es gleichte wahrlich einem Wunder, denn es war wahrscheinlicher einem Prominenten die Hand zu schütteln als Dazai's nackte Haut zu Gesicht zu bekommen. Doch was viel wichtiger war, war, dass Chuuya nur wenige Narben hatte erkennen können.
Er setzte sich wieder aufrecht hin, spritzte sich eine Hand voll Wasser ins Gesicht und versuchte klar zu denken. Im Hintergrund hörte er das Geräusch von Glas und das stetige Patschen von nassen Füßen auf Laminat. In der nächsten Sekunde tauchte Dazai auf, der mit einem Bein die Tür vorsichtig zu stieß und sie daraufhin ins Schloss fiel. Der Mafioso zwang sich nicht aufzusehen, bis sich etwas über ihn beugte und zwei Weingläser in der Ecke der Eckbadewanne ihren Platz fanden. Gleich daneben die Weinflasche die der andere als Geschenk mitgebracht hatte.

"Was soll das werden wenn's fertig ist?", fragte Chuuya ein wenig überrumpelt, fixierte Dazai's Augen. Er hatte schon so eine Ahnung...
Statt eine Antwort kam nur weiteres Gesumme aus dem Mund, sämtliche Schubladen wurden durchstöbert bis ein Feuerzeug in der rechten Hand lag.

"Siehst du gleich, Chibi.", sagte der Braunhaarige nur mit einem übertriebenen Lächeln, ehe er die Teelichter anzündete und das Feuerzeug zurücklegte. Ein Tippen auf den Lichtschalter und der Raum versank in der Dunkelheit. Einzig allein die kleinen Kerzen sorgten für etwas Licht und beinahe ekelhaft romantische Stimmung.

"Mach' mal Platz."

Der Rotschopf rutschte schweigend ans eine Ende, zog die Beine an und guckte auf die im Kerzenlicht schimmernde Wasseroberfläche, die in seinem Augenwinkel von einem Fuß des anderen durchbrochen wurde. Ein leises Zischen ertönte, gefolgt von unverständlichem Gemurmel. Doch schnell sank Dazai ihm gegenüber hinein, die langen Beine streckten sich seitlich von Chuuya aus. Das heiße Wasser entspannte die Muskeln und Müdigkeit breitete sich aus.

Es war nicht so dass Dazai sich für seinen Körper schämte, jedoch gehörten die Verbände zu ihm wie eine zweite Haut. Es hatte ihm wirklich viel Überwindung gekostet so vor die Augen seines ehemaligen Partners zu treten, doch es erschien ihm richtig. Besonders nach so einem Erlebnis im Bett. Hätte er früher gewusst dass dieser Zwerg so offen für Sex war, dann hätte er-

...Moment. An was dachte er da?! Niemals wäre eine Freundschaft Plus-Beziehung eine Option gewesen! Nicht zwischen ihnen! Dafür kannten sie sich zu lange. Und zu gut. Und die Arbeit hätte es ebenfalls nicht zugelassen. Und...

...es waren Ausreden.....das Hauptproblem, und damit das eigentlich einzige Problem, lag darin dass Dazai bereits Gefühle für diesen scheiß Chibi übrig hatte. Vielleicht wäre es auch nicht ganz so schlimm gewesen wenn es auf Einseitigkeit beruhen würde, doch er durchschaute Chuuya. Es beruhte verdammt nochmal auf Gegenseitigkeit! Das war doch eine Katastrophe!
Zudem sorgte er noch dafür, dass sie zu zweit ein romantisches Bad nahmen. Er war so ein Idiot...sonst war immer alles sorgfältig durchgeplant!

"Über was denkst du nach?"

Chuuya musterte den Braunhaarigen zögerlich, was diesen amüsierte. Sein Blick war nicht verurteilend, eher interessiert und mutig strichen die Finger des Kleineren über den Oberkörper. Fuhren die wenigen langen und kurzen verblassten Narben nach, die sich auch auf den anderen Körperteilen befanden. An dessen Hals konnte er einen dunkleren Part ausmachen, der möglicherweise von einem Seil stammte. Der Rotschopf besaß selbst zahlreiche Narben von Kämpfen. Recht viel anders konnte er also nicht aussehen. Und auch wenn er es nicht laut zugab, Dazai sah ohne die lästigen Bandagen noch attraktiver aus als so schon!

"Hehe...ich bin einfach nur froh dass ich die Sache mit Fyodor endlich hinter mich gebracht hab.", meinte das frühere Mitglied, während er zur Flasche griff und diese mit einem Ploppen öffnete. Die Gläser füllten sich nicht ganz bis zur Hälfte.

"In der Tat..."
Chuuya glaubte dem anderen nicht so ganz, nahm dennoch ohne weiter nachzufragen das Weinglas entgegen. Die fast liebevolle Stimmung war völlig ungewohnt, denn sonst gingen sie aufeinander los wie wildgewordene Tiere oder fechteten heftige Wortgefechte aus.


Es war...zur Abwechslung mal ganz angenehm.


"Auf was stoßen wir an?"

"Auf unsere Partnerschaft? Was meinst du, Chuuya?"

"Wir sind keine Partner mehr."

"Ach nein? Dabei sehe ich dich noch immer als meinen an. Nun denn, dann eben auf das ehemalige Doppelschwarz. Soukoku, das zahlreiche Feinde niedergemetzelt und der Hafenmafia enorme körperliche sowie geistige Stärke verliehen hatte. Auf den König der Schafe und den Mann, der trotz mehrerer Versuche einfach nicht stirbt."

Der Rotschopf blinzelte einige Male, musste dann jedoch grinsen und nickte zustimmend. Ihre Gläser wurden gehoben, ein synchrones "Auf uns!" folgte und ein helles Klirren erklang, als das Glas aufeinander traf. Beide Männer nahmen einen kräftigen Schluck.

Der Größere umfasste Chuuya's Weinglas und stellte es zurück in die Ecke, woraufhin er einen säuerlichen Ausdruck kassierte. Doch statt sich zu beschweren, beobachtete er wie Dazai nochmal einen Schluck nahm, jedoch nicht herunter schluckte. Er schob den anderen mithilfe seiner Beine zu sich heran, sodass sich dessen Beine um seine Hüfte legten. Mit der linken Hand umfasste er Chuuya's Kinn, hob den Kopf ein Stück und presste die Lippen gegen das andere Paar. Er zwang ihn dazu den Mund zu öffnen, damit sich ihre Zungen berühren konnten. Der Wein lief an den Mundwinkeln hinab zum Kinn und tropfte in das klare Wasser, sank sichtbar hinein um sich daraufhin zu vermischen. Der Rotschopf liebte den Geschmack. Er musste feststellen, dass die rote Flüssigkeit in Kombination mit Dazai noch besser schmeckte, auch wenn dabei wertvolle Tropfen drauf gingen.

Ein edler Wein konnte wahrlich teuer sein, doch das hier war unbezahlbar!
Das Gefühl.
Die Nähe.
Und diese funkelnden Augen, in denen man sich nur zu leicht verlieren konnte.

So erging es beiden Männern. Und der Körperkontakt ohne Verband fühlte sich unglaublich an! Die nasse Haut rieb aneinander und sie wollten sich gar nicht trennen! Sie klebten aneinander als hätte man Sekundenkleber benutzt. Ihre Münder bewegten sich zärtlich, Dazai's Hand strich den schmalen Rücken auf und ab, während Chuuya's Finger wieder in der braunen Mähne verschwanden und vorsichtig eine einzelne Strähne um einen davon wickelte.

"Wie lang bleibst du?"

"Die ganze Nacht. Ich bin pünktlich zum Sonnenaufgang weg.", flüsterte Dazai zurück, den Blick fest auf den blauen Iriden. "Und da wir schon ein Uhr haben, darf ich nicht schlafen. Da wird Kunikida wieder böse sein..."

"Du musst arbeiten?", fragte Chuuya mit großen Augen, denn damit hatte er nicht gerechnet wenn der Braunhaarige so lange bei ihm blieb.

"Ja, diesen Samstag schon. Aber wenn ich im Büro neben dem Papierkram ein Nickerchen mach', dann ist das ja nichts Neues.", meinte der Größere so nebenbei schulterzuckend. Es war tatsächlich normal, dass er während der Arbeitszeit ein Schläfchen hielt oder zwischendrin mal kurz verschwand ohne jemandem aus der Detektei Bescheid zu geben. Es schien niemanden zu stören - selbst dem Chef nicht - doch der Mutter der Detektei ging es gewaltig gegen den Strich. Dieser brauchte dringend eine Frau, doch bei seinen Erwartungen fand er so schnell ganz sicher keine...
Chuuya seufzte, schloss die Augen und drückte sein Gesicht in die Halsbeuge des anderen, genoss den direkten Hautkontakt.
"Du hast dich schon damals nie sonderlich für die Arbeit eingesetzt. Nur dein Kopf hat volle 100 Prozent gegeben, mehr nicht. Körpereinsatz gleich Null.", hauchte er zwischen zwei federleichten Küssen, die er dem Suizidfanatiker aufdrückte und sogleich eine dezente Gänsehaut ausmachen konnte, als er zusätzlich den Nacken kraulte.

"Dafür hast du hirnloses Rumgehopse jeden kalt gemacht der sich 'Feind' genannt hatte...irgendwer musste das doch ausgleichen.", kicherte Dazai vergnügt. Der fuchsrote Mafioso war ein gefährlicher Partner gewesen, dennoch auch der Beste. Und wäre Chuuya damals nicht gewesen, dann hätte er wohl seine ganze Jugend 'verpasst'. Denn außer sämtliche - in hohen Mengen tödliche - Medikamente zusammenzumischen hatte er kein Hobby gehabt. Letzten Endes konnte er dem anderen wirklich dankbar sein.
Ein fester Biss seitlich seines Halses ließ ihn vor Schmerz zusammenzucken. Seine Fingernägel krallten sich in die Schultern.

"Chuuya..."

Beleidigt brummend ließ der Rotschopf los, leckte über die malträtierte Stelle. Ein paar Minuten herrschte Stille, ehe Chuuya zurück nach hinten rutschte und langsam aufstand. Er nahm sich ein Handtuch, legte auch eines für Dazai auf die Seite und fing an sich abzutrocknen. Besagter beobachtete ihn schweigend und schwenkte den Wein im Glas hin und her...


____________________________



Dazai schnappte sich seinen hellbraunen Mantel von der Garderobe, zog sich diesen über und schritt dann die einzelne Stufe runter zu den Schuhen vor der Tür. Die Nacht war lang gewesen, und besonders die letzten vier Stunden hatten sich gezogen. Hauptsächlich weil er müde war und sie die Zeit auf der Couch verbracht hatten. Mit Film, Decken und heißem Tee. Es stellte sich als furchtbar schwierig heraus nicht einfach einzuschlafen, jedoch würde es wirklich Unannehmlichkeiten geben wenn er nach Sonnenaufgang hier in der Nähe gesichtet werden würde. Auf unangenehme Fragen konnte er - wie schon zuvor erwähnt - getrost verzichten. Er sollte die Dunkelheit ausnutzen.
Chuuya lehnte ebenfalls müde an der Wand, die Arme vor dem Oberkörper verschrenkt und die dünne Jacke über dem Hoodie eng um sich gezogen. Die Augen halb geschlossen.
Es gefiel dem Älteren so gar nicht dass der andere schon gehen wollte, aber er würde es nicht laut aussprechen. Am liebsten hätte er ihn schlafend in seinem frisch bezogenen Bett, wo sie beide bis zum späten Vormittag darin lagen. Doch nachdem Dazai sein Apartment verlassen hatte musste alles wieder wie vorher sein.

Vergessen der Abend in der Bar.
Vergessen die verträumten und verwirrten Wochen danach.
Vergessen die wundervolle Nacht.

Und es brach Chuuya beinahe das wichtigste Organ. Denn so sehr er den Suizidfanatiker hasste, so sehr liebte er ihn auch. Eine Hassliebe, die auf Vertrauen gebaut hatte. Und wer wusste schon was nicht alles noch möglich war?

"Musst du nächsten Samstag arbeiten?", fragte Dazai plötzlich und richtete sich wieder auf, nachdem seine Schuhe an seinen Füßen saßen. Der Rotschopf zog die Brauen hoch, überlegte kurz und antwortete mit einem kurzen "Nein, vielleicht Sonntag.".

"Freitag Abend um die selbe Zeit? 22 Uhr in Ordnung? Hier bei dir?"

Die braunen Augen blickten ihn fast hoffnungsvoll an. Und wenn es nicht eh schon so offensichtlich für beide war, dann spätestens jetzt: Sie interessierten sich füreinander.
Würde Dazai nur einmal einen blöden Satz über das Thema 'Liebe' verlieren, so würde Chuuya mit aller Kraft ausholen und die Ohrfeige seines Lebens vollbringen. Denn kitschiges Gerede brachte ihn dazu über der Toilette einen Regenbogen auszukotzen. Und der Braunhaarige wusste nur zu gut, dass der Kleinere lieber tat als sprach.

"Bei dir geht ja schlecht. Deine Wohnung befindet sich direkt neben denen der anderen Detektiven.", antwortete Chuuya schnippisch.
'Natürlich ist es in Ordnung', fügte er noch in Gedanken hinzu. Hier war es ihm sowieso lieber. Hier waren sie größtenteils sicher.

"Das stimmt.", lächelte der andere. "Dann bis nächstes Wochenende."

Für einige Sekunden sahen sie sich still an, als würden sie auf etwas warten. Doch dann drehte sich Dazai um und wollte die Hand auf die Klinke legen.

"He...warte."

Chuuya trat zu ihm, nahm sein Gesicht in beide Hände und gab ihm einen leichten, gefühlvollen Kuss. "Bis Freitag."

Der Fanatiker grinste wie verrückt, verließ nun endlich das Apartment. Die schwere Tür fiel mit einem Klacken ins Schloss und der Rotschopf zog die Kapuze tiefer ins Gesicht, die Wangen schwach gerötet...




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NACHWORT:

Heyhey, ^_^

die Geschichte hab ich schon vor einiger Zeit geschrieben, allerdings im Nachhinein noch etwas abgeändert/verbessert und hoffe dass es Dir gefallen hat. Ich würde mich riesig darüber freuen, wenn Du mir ein kurzes Review da lassen könntest, damit ich weiß was ich im zweiten Kapitel (noch am Schreiben) besser machen kann.
Achja, und mehr als zwei werden es wahrscheinlich nicht, da es ursprünglich ein einzelnes Kapitel sein sollte, ich aber noch was hinzufügen will da ich noch Ideen dazu hab. :D

Ich danke Dir noch, dass du Dir die Zeit genommen hast um mein Werk zu lesen, für das ich wirklich zufrieden bin.

Bleib' gesund und pass' auf Dich auf!

LG Uhrzeiten/Natalie
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