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Der Brief

OneshotAllgemein / P6 / Gen
Dirk "Bela B." Felsenheimer Jan "Farin Urlaub" Vetter
09.12.2020
09.12.2020
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„Ich kann das nicht!“, meinte Bela und legte den Telefonhörer ab ohne die gewünschte Nummer überhaupt zur Hälfte gewählt zu haben.
„Wie stellt er sich das überhaupt vor?“, murmelte er dann, während er zu seinem Tisch schaute und damit auf den Brief.
Der Brief, der alles verändern konnte! Dann Griff er wieder zu seinem Telefon.
„Nur ein Anruf. Ich sag ihm, dass ich drüber nachdenken werde. Ich muss mich schließlich nicht gleich entscheiden“, versuchte er sich Mut zu machen, doch konnte auch sehen, dass seine Hand, in der das Telefon lag, deutlich zitterte. Kurz betrachtete er seine Hand ehe er auflachte. Es war doch nur Jan, sein bester Freund. Sie hatte sich zwar seit fünf Jahren nicht mehr wirklich gesehen und sich bestimmt beide verändert, aber sie hatten auch einiges miteinander erlebt und kannten sich lange genug. Außerdem war es Jans Idee. Er hatte diesen Brief geschrieben, also erwartete er auch diesen Anruf.
Zögernd wählte Bela die Nummer komplett und rief so seinen ehemaligen Bandkollegen an.

„Vetter“, kam es nach nur kurzer Zeit durch die Leitung.
„Jan, hi…“, begann Bela langsam, wurde aber direkt unterbrochen.
„Bela!“, rief Jan begeistert aus, ehe er ein zögerliches „Du hast den Brief bekommen, oder?“ anschloss.
„Ja, hab ich, du…“ fing der Ältere an, wurde aber wieder unterbrochen.
„Und was sagst du?“, fragte der Gitarrist und klang dabei unsicher und nervös.
„Jetzt lass mich doch mal ausreden. Ich weiß es ehrlich gesagt nicht, die Ärzte waren geil, aber sie wieder gründen? Ich weiß es einfach nicht.“
„Du willst also nicht?“
„Das hab ich so nicht gesagt, aber meinst du wirklich, dass das was wird? Es spricht einfach so viel dagegen.“
„Und seit wann kümmern wir uns darum, was gegen unsere Aktionen spricht. Wir haben die Band aufgelöst, obwohl eigentlich alles dagegen gesprochen hat.“
„Du hast die Band aufgelöst“, murmelte Bela leise.
„Was? Sprich lauter ich versteh dich so nicht“, reagierte Jan darauf.
Kurz sagte keiner was, ehe der Blonde meinte: „Ach das bringt doch so nichts. Ich komm zu dir und dann besprechen wir das mal.“
Kurz dachte Bela daran zu widersprechen, er brauchte mehr Zeit um nachzudenken, doch Jan würde sich damit wahrscheinlich nicht zufrieden geben und doch bei ihm auftauchen.
„Gut dann komm her, weißt ja wo ich wohne.“
„Klar, dann sehen wir uns nachher.“
„Bis nachher“, konnte Bela noch sagen ehe Jan auflegte.

Langsam legte der Schwarzhaarige den Hörer wieder weg, Jan würde also demnächst hier auftauchen. Er merkte, dass seine Nervosität stieg.
„Stell dich nicht so an, es ist nur Jan, der Typ mit dem du sogar schon zusammen gewohnt hast“, raunte er und versuchte sich zu beruhigen. Jan hatte in dem Brief so anders geklungen als früher, mal davon abgesehen, dass der Blonde früher eigentlich überhaupt keine rührseligen Briefe geschrieben hätte. Das passte irgendwie nicht zu dem Jan Vetter den er kannte, auch diese erwachsene, nachdenkliche und melancholische Art in der der Text geschrieben war, passte eigentlich nicht.
Vielleicht passten sie jetzt auch nicht mehr zusammen, waren einfach nur Jugendfreunde die mal eine recht erfolgreiche Band zusammen hatten. Sie waren schon immer unterschiedlich, doch dachten irgendwie gleich. Hatte sich das in den letzten fünf Jahren geändert? Hoffentlich nicht!
Bevor der Schlagzeuger sich noch verrückt machen konnte, beschloss er seine Wohnung zu putzen, er war zwar nicht mehr ganz so chaotisch wie zu seinen WG Zeiten mit Jan, doch richtig ordentlich war er auch nicht, also konnte er sich damit zumindest für eine Zeit lang beschäftigen, doch nicht lange genug um die Zeit bis zu Jans Ankunft zu überbrücken.

Er wusste nicht warum, doch langsam schritt er zu seiner Plattensammlung. Ganz unten im Eck hatte er sie aufgestellt, die Schalplatten nach denen er jetzt nach und nach griff und sie aus dem Regal zog von „Debil“ bis „die Ärzte früher“ hatte er alle Alben da und auch die Singles zog er heraus. Bei jeder Platte die er in der Hand hielt ging er die Lieder durch und erinnerte sich daran wie es war, sie live zu spielen. Sie hatten Spaß auf der Bühne, das würde er nicht leugnen, aber war das Kapitel nicht abgeschlossen? Sie hatten sich auf ihrem Höhepunkt aufgelöst. Was sollte jetzt noch kommen?

Nachdem Jan aufgelegt hatte, fragte er sich doch ob es die richtige Entscheidung war. Bela hatte am Telefon so zögerlich geklungen. Hatte er sich nur nicht getraut, ihm zu sage, dass er die Ärzte nicht neu gründen wollte? Aber jetzt war es zu spät, er hatte sich bei seinem, hoffentlich bald wieder, Bandkollegen eingeladen und würde auch hin fahren. Wenn der Schlagzeuger nur ein wenig offen für eine Réunion war, dann würde er ihn überzeugen können, da war er sich sicher.
„So sehr kann sich Bela doch in fünf Jahren nicht verändert haben, dass ich ihn nicht mehr kenne“, dachte sich Jan, ehe er zu seinem Auto ging um das Gespräch zu führen, dass alles verändern konnte.
Bei Bela angekommen, schritt er schnell zu Tür und klingelte bevor er noch einmal darüber nachdenken konnte.

Es dauerte auch nicht lange, da wurde dem Blonden die Tür geöffnet.
Bela stand einfach nur da und blickte den Größeren an, der wiederum versuchte sich an einem Grinsen.
„Komm doch rein“, sagte der Ältere einen Augenblick später.
Jan nickte, schritt in die Wohnung und schaute sich kurz um.
„Nett hast du es hier“, versuchte er das Schweigen zu durchbrechen.
„Danke, ähm willst du vielleicht was trinken oder so?“ fragte Bela unsicher.
„Ein Wasser wäre klasse“, antwortete Jan, auch er war unsicher.
Bela ging also in die Küche um Jan sein Wasser zu besorgen, währenddessen beschloss Jan, das er nicht sinnlos im Flur stehen wollte, also ging er in Belas Wohnzimmer und wollte schon über die Unordnung den Kopf schütteln, als er sah, was da auf dem Boden verteilt lag.

Nachdem er erkannt hatte, welche Platten da verteilt lagen, kniete er sich auf den Boden und hob eine auf, blickte sie beinahe ehrfürchtig an.
Bela betrat das Wohnzimmer und sah den Jüngeren zwischen ihren Platten knien.
„Ich hab sie mir schon eine ganze Weile nicht mehr angehört“, gab der Schwarzhaarige leise von sich.
Daraufhin drehte Jan sich zu ihm.
„Ich hab sie auch nicht mehr gehört, bis vor kurzem. Und dann hab ich letztens, zufällig Westerland gehört und dann hab ich die alten Platten raus gekramt. Wir haben echt gute Musik gemacht und wir hatten Spaß“, erklärte der Jüngere.
„Ja, wir hatten Spaß“, gab auch Bela zu.
Langsam stand Jan auf legte dabei die Platte wieder zu den anderen und stellte sich dann vor Bela.
„Ich will das wiederhabe, die Ärzte waren etwas Besonderes und vielleicht schaffen wir es nochmal. Vielleicht war das damals auch noch gar nicht unser Höhepunkt“, kam der Größere direkt zum Thema.
„Und vielleicht will uns auch keiner mehr sehen und wir machen uns nur lächerlich“, antwortete Bela und verschränkte die Arme vor der Brust.
„Wie oft hast du in den letzten Jahren gehört, dass wir wieder als die Ärzte auftreten sollen? Also ich persönlich habe das von allen Seiten zu hören bekommen. Die Leute wollen uns wieder zusammen auf der Bühne sehen und ich will das auch. Also was hindert uns daran?“ fragte Jan jetzt enthusiastisch.
„Keine Ahnung, vielleicht was ich will?“ fragte Bela daraufhin genervt.
„Was soll das jetzt heißen?“ meinte der Blonde dazu verwirrt.
„Wie was soll das jetzt heißen? Du meinst, die Leute wollen uns sehen und du willst wieder mit mir auf die Bühne, also entscheidest du jetzt, dass wir die Ärzte wieder gründen. Genau wie du gesagt hast, es wäre doch klasse die Ärzte aufzulösen.“ Regte Bela sich auf und drehte sich dann weg um wütend aus dem Raum zu stiefeln. Allerdings reagierte Jan schnell genug, griff nach dem Arm des Älteren und drehte ihn wieder zu sich.
„Moment mal, wir waren uns doch einig, dass wir uns auflösen sollten“, sagte er, sobald der Schlagzeuger ihn wieder ansah.
„Was hätte ich denn sagen sollen? Du wolltest nicht mehr und ich wollte nicht mit jemandem auf der Bühne stehen, der keinen Bock mehr hatte!“ meinte Bela, während er versuchte seinen Arm zu befreien, doch Jan verstärkte seinen Griff.
„Ich hatte es nur vorgeschlagen, du hättest mir jederzeit sagen können, dass du es nicht willst. Aber ganz, ehrlich, du klangst nicht so, als würdest du die Auflösung nicht wollen. Du warst doch begeistert von dieser absurden Idee und kurz darauf hattest du hoch schon neue Projekte“, gab Jan seinem Gegenüber zu verstehen.
„Dann bin ich wohl ein besserer Schauspieler als ich dachte“, meinte Bela dazu und schaute zu Boden. Jan ließ seinen Arm los und Bela ging langsam zu seiner Couch um sich darauf fallen zu lassen, gefolgt von seinem früheren Bandkollegen.
„Die Idee war auch absurd und natürlich fand ich das lustig. Und nachdem ich mich damit angefreundet hatte, war es auch okay. Aber als du das damals vorgeschlagen hast, da wusste ich nicht was ich machen soll. Die Ärzte waren ein großer Teil meines Lebens, auf der Bühne zu stehen und einfach nur zu machen worauf wir Bock haben, das war alles für mich. Und dann sagst du mir du willst aufhören. Plötzlich war mein Traum weg. Und dir zu sagen, dass ich das nicht möchte? Wie hätte ich das machen sollen? Ich wollte dir kein schlechtes Gewissen machen und später als ich ständig gesagt bekommen habe, dass wir die Ärzte wieder gründen sollen, da hätte ich die Leute am liebsten angeschrien, dass das nicht nur mein Entscheidung ist“, versuchte Bela zu erklären.
Jan nickte langsam und dachte einen Moment nach, bevor er antwortete.
„Bela es tut mir leid, ich wollte dich nie dazu drängen die Band aufzulösen. Ich fand die Idee damals super und ja ich wollte auch noch anderes ausprobieren. Außerdem dachte ich, dass nicht mehr viel kommen würde für uns. In meinen Augen hatten wir schon alles erreicht.“  
„Schon in Ordnung, ich kann es ja auch verstehen, aber ganz ehrlich wenn du denkst wir hatten damals alles erreicht. Warum willst du dann jetzt wieder zurück?“ fragte der Schwarzhaarige nach.
„Ich will nicht zurück. Ich will die Ärzte wieder haben ja, aber ich will nicht zurück. Wir sind beide älter geworden, haben andere Erfahrungen gesammelt und uns sicher verändert.“
„Das heißt du willst eine neue Band gründen?“
Bela klang jetzt verunsichert.
„Nein, keine neue Band. Die Ärzte, aber eine neue Version“, erklärte Jan.
Bela schaute ihn darauf fragend an und Jan verstand, dass der Schwarzhaarige sich nicht ganz sicher war wie er das meinte.
„Ich meine, wie wir waren. Auf der Bühne den größten Blödsinn erzählen und Fans haben, die genau das gut finden. Genau das machen, was wir wollen, die Musik spielen die uns gefällt und mit meinem besten Freund auf Tour zu sein uns gegenseitig anspornen beim Song schreiben. Als das will ich wieder haben, aber ich will nicht zurück gehen. Nicht in das Schema verfallen, dass wir schon kennen.“
Und mit jedem Wort klang der Gitarrist mehr und mehr begeistert und wurde immer überzeugender. Auch Bela konnte die Begeisterung jetzt nicht nur verstehen, sondern sogar nachfühlen.
„Gut, sagen wir ich will das auch und wir Gründen die Ärzte wieder. Glaubst du wirklich die Leute wollen uns tatsächlich sehen?“ erklärte Bela seine bedenken.
„Ganz ehrlich, ja das glaube ich. Aber selbst wenn nicht, dann haben wir es zumindest probiert“, war Jans Meinung.
„Naja, so viele Menschen wie mir und anscheinend auch dir, gesagt haben, dass wir uns wieder gründen sollen, glaube ich auch nicht, dass wir vor einer leeren Hallen spielen. Im Gegensatz zu meinen letzten Konzerten.“
Daraufhin grinste Jan nur wissend, auch er hatte in letzter Zeit wenig Publikum gehabt. Auch etwas das zu seiner Entscheidung beigetragen hatte. Ihm fehlten die Fans und Bela ging es da vermutlich nicht anders.
„Also gut, wenn wir also, rein hypothetisch gesehen, wieder als die Ärzte auf die Bühne gehen. Wie sollen wir das machen? Wir sind nur zwei. Hagen arbeitet nicht mehr als Musiker und Sahnie ist definitiv keine Option“, gab der Ältere zu bedenken.
„Du hast recht, aber wir werden sicher jemanden finden, der Bass spielen kann. Wir haben Beide in den letzten Jahren in Bands gespielt, deren Musiker sicher Zeit hätten uns zu unterstützen. Und ansonsten haben wir genug Kontakte.“
„Also schön, gehen wir davon aus wir finden jemanden…“ fing Bela daraufhin an musste dabei aber Grinsen und wurden von Jan unterbrochen.
„Jetzt hör schon auf und gib mir eine Antwort mit der ich arbeiten kann“, meinte der Blonde ebenfalls grinsend, er hatte bereits einen Verdacht wie die Antwort lauten würde.
„Sagen wir so, du kannst die Ärzte nicht alleine wieder auferstehen lassen und was für ein Freund wäre ich, dich hängen zu lassen“, antwortete Bela also und Jan verdrehte kurz die Augen.
„Sehr aufopfernd von dir. Aber jetzt mal ehrlich. Hast du Bock darauf?“ fragte er sicherheitshalber nach. Schließlich wollte er diesmal sicher sein, dass Bela nicht nur mitzog, weil er dachte er hätte keine andere Option.
„Natürlich hab ich Bock und um ehrlich zu sein, ich hab da was geschrieben, dass nur zu den Ärzten passen würde.“
„Das trifft sich gut, ich hab da nämlich auch was geschrieben.“
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