Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Hopelessly Devoted

von Schrotti
Kurzbeschreibung
GeschichteLiebesgeschichte / P16 / MaleSlash
Florian David Fitz OC (Own Character)
08.12.2020
24.12.2020
68
74.024
5
Alle Kapitel
36 Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
21.12.2020 1.563
 
An einem Abend, Sophie war inzwischen zwei Jahre alt, gingen wir mal wieder zusammen aus.
Meistens gingen wir in unseren Lieblingspub, tranken ein paar Bier, spielten Dart und Billard und trafen andere Bekannte.
Nachdem ich als erste beim Dart raus geflogen war, setzte ich mich an unseren Tisch. Kurz darauf kam Liam.
„Ich brauche mal eine Pause.“, stöhnte er und setzte sich neben mich.
Ich lachte. Sharon hatte ihn gnadenlos abgezogen.
„Wieso spielst du überhaupt noch gegen sie, sie gewinnt doch jedesmal.“
Er grinste. „Ich habe keine Ahnung.“
Ein Mann stellte sich an unseren Tisch. „Liam?“, fragte er und ich sah auf. Der Mann hatte schwarze Haare, dunkle Augen und man konnte ihn durchaus als attraktiv bezeichnen.
„Tim, was machst du denn hier?“, fragte Liam überrascht und stand auf. Die beiden Männer umarmten sich brüderlich. „Setz dich doch!“, forderte Liam ihn auf. „Trink ein Bier mit uns. Das ist Lena.“
Dieser Tim lächelte mich an. „Hi Lena.“
„Hi.“, sagte ich.
Kurz darauf stieß Tessa zu uns. „Ich spiele nie mehr gegen deine Frau!“, sagte sie zu Liam.
Liam grinste. „Erinnerst du dich an Tim?“, sagte er zu Tessa, und diese registrierte jetzt erst den Mann an unserem Tisch. „Klar erinnere ich mich. Auch mal wieder im Lande?“
„Ja, für eine Weile. Ich ziehe hier ein neues Musical auf. Das wird ein paar Monate dauern. Außerdem brauche ich eine neue Sandy, unsere ist leider krank geworden und die zweite Besetzung kann das nicht für die verbleibenden acht Wochen.“
Liam sah mich an. „Tim ist Musical Director. Wir sind zusammen zur Schule gegangen, aber er ist dann nach New York gegangen und jetzt ein Star da drüben. Aber seit ein paar Jahren kommt er jedes Jahr zurück in seine Heimat und bringt hier ein Musical auf die Bühne für drei Monate. Ist immer das Highlight des Jahres.“
Ich sah Tim interessiert an. „Und wieviele Shows werden dann gespielt?“, fragte ich.
„Jeden Samstagabend eine. Das ist keine professionelle Show, wir haben meistens Laiendarsteller, die aber trotzdem richtig gut sind.“
„Klingt spannend. Wieso waren wir noch nicht in einer Show?“, fragte ich Tessa, aber sie starrte mich nur an. „Lena könnte  Sandy sein.“, sagte sie plötzlich.
Tim und ich fragten gleichzeitig. „Bitte?“
Tessa klatschte aufgeregt in die Hände. „Du hast doch im Internat in diesem Musical gespielt. Wir haben alle die Videos gesehen. Ella hat sie uns allen gezeigt.“
Liam nickte. „Stimmt. Du warst großartig.“
Tim sah mich nun interessiert an. „Du hast in Grease gespielt?“
Ich schüttelte den Kopf. „Nein. Ich habe in Mamma Mia gespielt. Aber das ist ewig her.“
Tim lächelte. „Mamma Mia wird mein nächstes Projekt. Hättest du Lust, mal vorzuspielen?“
„Ich habe überhaupt keine Zeit dafür. Ich arbeite und habe eine Tochter.“
Tessa nickte eifrig. „Mach das Lena. Wir passen auf Sophie auf.“
Liam stimmte zu. „Sie kann auch bei uns bleiben wenn du probst oder an den Showabenden. Singen hat dir doch immer so viel Spaß gemacht.“
„Wie wäre es, wenn du einfach am Montag mal ins Theater kommst?“, schlug Tim vor. „Du schaust dir erstmal alles an und dann sehen wir weiter.“
„Wieso eigentlich nicht?“, erwiderte ich.
Tessa grinste. „Unsere Lena wird ein Musical Star. Warte ab bis du sie hörst, dann wirst du sie mit nach New York nehmen wollen.“
Ich lachte. „Glaub ihr kein Wort. So gut bin ich wirklich nicht.“
„Das werden wir ja dann hoffentlich am Montag sehen.“, meinte Tim.

„Und hier ist unsere Bühne.“
Ich trat neben Tim auf die Bühne und sah auf den leeren Zuschauerraum hinunter. Es war ein kleines Theater mit nur ein paar hundert Plätzen, aber es war trotzdem beeindruckend. Ich hatte noch nie auf so einer Bühne gestanden.
Eine Frau kam zu Tim. „Sorry Tim, aber da ist eine Sandy zum Vorsingen da.“
„Schick sie raus.“, meinte Tim und sah mich an. „Wollen wir sie uns mal anhören.“
Wir gingen von der Bühne runter in den Zuschauerraum und setzten uns in die erste Reihe.
Eine junge Frau namens Kira kam auf die Bühne. Sie sah kein bisschen aus, wie man sich die Sandy aus Grease vorstellen würde. Sie hatte dunkle Locken, war etwas fülliger, hatte ein sympathisches Lächeln und wirkte sehr selbstsicher.
Tim unterhielt sich kurz mit ihr, dann fragte er, ob sie soweit war.
Er gab ein Zeichen und schon erklangen die ersten Töne von Hopelessly Devoted.
Die Musik traf mich wie ein Schlag, und als Kira begann zu singen, überkam mich eine Gänsehaut und mein Magen krampfte sich zusammen.
Mir war nicht bewusst gewesen, dass dieses Lied mich so sehr an Florian erinnern würde. Und schon mal gar nicht, dass ich bei dem Lied fast körperliche Schmerzen haben würde. Aber offensichtlich hatte mein Unterbewusstsein dieses Lied mit der ersten Begegnung mit Florian verknüpft.
Glücklicherweise war er nicht mehr täglich Teil meiner Gedanken, er gehörte nicht mehr zu meinem Leben. Was mir seit unserer Begegnung über Jahre nicht gelungen war, war in Edinburgh langsam passiert. Er war nicht mehr ständig in meinen Gedanken.
Obwohl ich sein kleines Ebenbild zuhause hatte. Sophie war Sophie, nicht Florians Tochter. Bis auf die blonden Haare, die sie von mir hatte, entwickelte sie zwar immer mehr Ähnlichkeit mit ihm, sie hatte seine grünen Augen und jetzt, wo sie langsam ihren Babyspeck verlor, kamen auch die Grübchen hervor. Aber es war nicht so, dass ich bei ihrem Anblick sofort an ihn denken musste.
Die Erinnerungen an ihn kamen nur manchmal, wenn ich abends im Bett lag und nicht einschlafen konnte. Aber sie wurden seltener, manchmal dachte ich über Wochen nicht an ihn.
Doch dieses Lied, das Kira jetzt sang, brachte alles wieder zurück. Wer hätte damals, als ich in Österreich dieses Lied für Flo gesungen hatte, gedacht, dass ich ihm wirklich einmal hoffnungslos ergeben sein würde, ihn hoffnungslos lieben würde?
Kira beendete das Lied und Tim nickte anerkennend. „Das war ziemlich gut Kira. Kannst du noch ein anderes Lied aus Grease singen?“
Während die beiden sich unterhielten, atmete ich tief ein und aus. Ich zitterte immer noch leicht und ärgerte mich über mich selber.
Nachdem Kira auch das zweite Lied gesungen hatte, meinte Tim, er würde sich bei ihr melden. Dann sah er mich an. „Möchtest du es mal versuchen?“, fragte er.
„Was?“
„Möchtest du mal die Sandy singen?“
„Was? Nein, auf keinen Fall!“, stieß ich hervor.
Tim sah mich erstaunt an. „Okay....?“
„Sorry. Dieses Lied bringt keine guten Erinnerungen, ich könnte das nicht singen.“
„Verstehe...“ Er nickte, obwohl er ganz sicher nicht verstand. „Wir haben für Mamma Mia erst wenige Schauspieler, das geht ja auch erst in einem halben Jahr los. Wenn du magst, kannst du gerne was dafür vorsingen. Ich brauche noch eine Sophie, eine Ali, eine Lisa. Das volle Ensemble eigentlich. Wir haben nur schon unsere Donna.“
Ich sang zwei Lieder. Obwohl ich schon ewig nicht mehr gesungen hatte, fiel es mir immer noch leicht. Ich fühlte mich an die Internatszeit zurück versetzt und ich hatte richtig Spaß beim singen.
Tim schien zufrieden. „Das war wirklich gut Lena. Wir sehen noch andere natürlich, aber wenn du wirklich Interesse hast, bleiben wir in Kontakt und eventuell laden wir dich dann noch mal zum Casting ein.“
„Klar.“, sagte ich.

An diesem Abend, nachdem Sophie schon im Bett lag, setzte ich mich an meinem Laptop und googelte nach Florian. Ich hatte sein Gesicht seit unserer letzten Begegnung auf dem Münchner Flughafen nicht mehr gesehen.
Es gab immer noch nichts Privates über ihn zu lesen. Er hatte weitere Filme gemacht, es gab Interviews und Videos, die ich mir aber nicht ansah. Seine Stimme zu hören schaffte ich nicht. Aber ich scrollte eine Weile durch die Fotos, und mit jedem Blick auf sein Lächeln wurde mir wieder der unendliche Verlust bewusst, den ich verspürte, seit ich München verlassen hatte. Ich hatte es zwar geschafft, nicht mehr ständig an Flo denken zu müssen, er war mit dem neuen Umfeld, dem neuen Job, den Freunden und vor allem durch Sophie tatsächlich wie gehofft fast verschwunden.
Aber er hatte ein riesiges Loch hinterlassen. Das Gefühl, das etwas fehlte. Als hätte er einen Teil von mir mitgenommen, das sich nicht wieder regeneriert hatte.
Trotzdem war ich froh, dass ich gegangen war. Ich hatte einen wirklich guten Job, bei dem ich zwar keine große Karriere machen konnte, aber ich ging gerne zur Arbeit, hatte geregelte Arbeitszeiten und den großzügigsten Chef der Welt.
Ich hatte Freunde, ich hatte eine schöne Wohnung und  natürlich Sophie, die so fröhlich und selbstbewusst war, dass sie einfach ansteckte. Schon jetzt konnte man merken, dass sie eine starke Persönlichkeit war und Leute um den Finger wickeln konnte. Sie war eben nicht nur äußerlich ein Ebenbild ihres Vaters.
Ich klappte den Laptop zu und schüttelte den Kopf. „Wieso tue ich mir das an?“, fragte ich leise mich selber tadelnd.
Dieses Kapitel war doch vorbei, es brachte nichts mir wieder vor Augen zu halten, was ich verloren hatte.

Ein halbes Jahr später stand ich tatsächlich zur Premiere von Mamma Mia auf der Bühne des kleines Theaters und spielte die Sophie. Dass mein Rollenname so hieß wie meine Tochter, musste einfach nur Glück bringen.
Und tatsächlich stand ich von da an drei Monate lang jeden Samstag auf der Bühne.  
Tim und sein Freund Gary, der ab und zu aus New York kam, wurden richtig gute Freunde, die oft mit uns anderen zusammen waren. Dazu gehörte dann auch bald noch Leo, der im Musical meinen Verlobten Sky spielte.
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast