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Hopelessly Devoted

von Schrotti
Kurzbeschreibung
GeschichteLiebesgeschichte / P16 / MaleSlash
Florian David Fitz OC (Own Character)
08.12.2020
24.12.2020
68
74.024
6
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Dieses Kapitel
1 Review
 
17.12.2020 1.738
 
Die Nacht war lang und anstrengend. Ich schlief immer wieder im Sessel ein, aber ich wollte auch nicht ins Bett gehen. Er war schon wieder so heiß und ich wollte das lieber im Auge behalten.
Irgendwann wachte ich mal wieder auf und sah automatisch zum auf dem Sofa sitzenden Flo.
„Wieso schläfst du nicht?“, fragte ich und setzte mich auf.
„Keine Ahnung. Hab wahrscheinlich genug geschlafen. Außerdem muss ich pinkeln und trau mich nicht aufzustehen. Mir wird sofort schwarz vor Augen.“
„Okay, dann komm.“ Ich stand auf und hielt ihm eine Hand hin. Er sah auf die Hand. „Ganz sicher nicht Lena.“
„Man, ich bring dich nur ins Bad.“
„Nee lass mal.“
„Und wie willst du das Problem sonst lösen Flo? Soll ich dir einen Eimer holen?“
„Oh Gott nein.“
„Dann komm und steh jetzt auf.“
Er seufzte, rappelte sich aber hoch. Ich stellte mich neben ihn.
„Mein Kreislauf ist echt am Arsch.“, sagte er und schloss die Augen.
„Lass die Augen lieber auf, sonst kippst du wieder nach hinten.“
Ich legte einen Arm um ihn. „Halt dich an mir fest.“, sagte ich.
Er legte seinen Arm um meine Schulter und wir gingen langsam Richtung Bad.
„Du weißt schon, dass ich dich mitreiße, wenn ich umkippe, oder?Ich meine, du bist nicht gerade The Rock.“
„Dann kipp besser nicht um.“, erwiderte ich trocken.
Ich öffnete die Badezimmertür. „Schaffst du das da drin alleine?“, fragte ich.
„Unter normalen Umständen würde ich jetzt einen Witz über Hilfe beim Stange halten machen, aber dazu bin ich erstens zu schlapp, zweitens muss ich wirklich wirklich dringend pinkeln und drittens glaube ich, dass der Witz bei dir nicht so gut ankommen würde.“
„Das hast du richtig erkannt.“, erwiderte ich, musste aber widerwillig grinsen.
Als Flo die Badezimmertür nach einer Weile wieder öffnete, veranstalteten wir die selbe Prozedur zurück zur Couch.
Er stöhnte, als er sich endlich wieder hinlegen konnte.
„Scheiße man, wieso bin ich denn soo schlapp?“
„Weil es dich richtig erwischt hat.“
„Ich hoffe ich stecke dich nicht an.“
„Ich denke nicht.“
„Meinst du, du kannst jetzt schlafen?“, fragte ich.
Es war 3 Uhr nachts, ich war völlig erschlagen nach dem Wochenende  in Tel Aviv, dem Rückflug, und dann dem, was mich hier erwartete hatte.
„Geh ins Bett Lena. Ich bleibe hier liegen, ist ja egal, ob ich schlafen kann oder nicht.“
„Ich mache dir erst noch einen Tee.“, sagte ich und wollte aufstehen.
„Nicht.“, sagte Flo schnell. „Wirklich, du hast schon genug getan. Danke. Ich weiß, dass du mich am liebsten von hinten siehst.“
Ich holte tief Luft. „Das stimmt nicht.“
„Doch das stimmt. Du kannst es nicht ertragen, wenn ich in deiner Nähe bin. Und du hast alles Recht der Welt dazu.“
Er sah mich traurig an. „Ich werde es bis an mein Lebensende bereuen, dass ich meine Klappe nicht gehalten habe an diesem Tag und Sachen gesagt habe, die ich nicht so gemeint habe.“
„Das ist ewig her Flo. Wir müssen das nicht wieder aufwärmen.“
„Doch müssen wir. Ich will dir das schon die ganze Zeit sagen, schon direkt nachdem es passiert war. Aber du wolltest mich ja nicht anhören.“
„Ich will es immer noch nicht hören.“
„Das weiß ich. Aber jetzt musst du es. Weil ich auf deiner Couch liege, ich Fieber habe, es mitten in der Nacht ist und du weißt, dass Kinder und Kranke immer die Wahrheit sagen.“
„Kinder und Besoffene.“, sagte ich.
Er sah mich irritiert an. „Wie auch immer. Wir kommen wahrscheinlich nie wieder in so eine Situation, und jetzt lass es mich bitte endlich sagen.“
Ich seufzte. „Okay Flo. Was willst du sagen?“
Er atmete tief ein. „Ich habe nichts von dem, was ich gesagt habe, so gemeint. Nichts! Ich habe oft mit Freunden und Familie darüber gesprochen. Keiner hat dir die Schuld gegeben, alle haben mir bestätigt, dass ich mich wie ein riesiges Arschloch verhalten habe. Nicht, dass ich das nicht schon selber wusste. Ich weiß immer noch nicht, warum ich so gemein war. Ich glaube, ich hatte Angst, dass du irgendwann merkst, dass ich doch nicht so toll bin, wie du gedacht hast oder einen besseren findest und mich dann verlassen wirst. Ich habe gesehen, wie Elyas dich ansieht, wie Freunde und Kollegen dich betrachten, Kellner, der  Bäcker, selbst Matthias ist ein bisschen verliebt in dich. Du bist dir gar nicht bewusst, was du für eine Wirkung auf andere Menschen hast. Ich war frustriert, weil ich meine Angst so lange in mich rein gefressen habe, dass Ellas Bemerkung über diesen Marc Typen zur Explosion geführt hat. Du kannst dir nicht vorstellen, wie oft ich es seitdem bereut habe.“
Ich öffnete den Mund, um etwas zu sagen, aber Flo sprach weiter.
„Auch wenn du mir nicht glaubst, aber ich hasse mich dafür, dass ich dir solchen Schmerz zugefügt habe.“
„Ich weiß nicht, was ich dazu sagen soll Flo. Im Grunde weiß ich ja, dass du es nicht ernst gemeint hast. Aber es hat mich trotzdem verletzt. Vielleicht habe ich auch übertrieben darauf reagiert, nach meiner letzten Beziehung wo solche Szenen  Alltagsprogramm war. Heute würde es mich immer noch verletzten, aber ich denke, ich würde anders reagieren. Aber vielleicht war es auch am Ende auch gut so. Es hat dich dazu gebracht zu erkennen, dass du nicht immer gleich zu losschießen solltest. Vielleicht hilft es ja bei deiner nächsten Beziehung. Und mich hat es auch weiter gebracht. Wir haben also alle daraus gewonnen.“
„Gewonnen? Nein Lena, vielleicht hast du daraus etwas gewonnen. Du managst alles perfekt. Du bist erfolgreich im Job wie du geplant hast, du hast einen neuen Freund, Matthias hat es mir erzählt. Du kriegst es sogar hin, für deinen verhassten Ex die Krankenschwester zu spielen. Du hast daraus gewonnen. Ich finde nicht, dass ich was gewonnen habe.“
Ich sah ihn fassungslos an. „Ich hasse dich nicht Florian.“
Er erwiderte meinen Blick. „Doch das tust du.“
Er wirkte so verletzlich wie er da saß, krank, schwach und fiebrig.
„Ich hasse dich nicht.“, wiederholte ich. „Ich hasse, was du gesagt hast, und ich hasse, dass du mir sowas zugetraut hast. Aber wer könnte dich hassen?“
„Vielleicht hasst du mich nicht, aber wir sind nicht mehr zusammen.“
Er war wirklich verletzt, und mein Mitgefühl überwog vor der Genugtuung, dass es ihm richtig schlecht ging für das, was er mir angetan hatte.
Ich stand auf und setzte mich neben ihn.
„Hör zu Flo. Wir beide, das wäre eh nicht gut gegangen. Dafür sind wir einfach zu verschieden. Du brauchst eine andere Frau. Eine, die sich voll und ganz auf dich einlassen kann. So wie Ella für Matthias. Sowas könnte ich nie leisten.“
Er drehte den Kopf und sah mich an. Seit über einem Jahr hatte ich nicht mehr so nah neben ihm gesessen, und beim Blick in seine verletzten Augen begann mein Herz schneller zu schlagen.
„Was muss eine Frau leisten, um mit mir zusammen sein zu können?“
Ich seufzte. „Ich will sagen, dass du eine Frau brauchst, die stark genug ist, auch mal hinten anzustehen, mehr auf deine Bedürfnisse eingehen kann. Kein schwaches Weibchen, aber eben eine, die sich mehr nach deinem Leben richten kann.“
„Also so eine wie du.“, sagte er leise und sein Blick traf mich tief im Inneren.
Ich sah weg. „Wie du gemerkt hast, bin ich nicht so stark um das auszuhalten.“
„Aushalten? Muss man es mit mir aushalten?“
„Nein, natürlich nicht. Aushalten muss man, wenn du unüberlegte Dinge sagst.“
Er schwieg einen Moment. „Wenn ich dich richtig verstehe, warst du nie glücklich mit mir oder?“, sagte er dann und sah mich wieder an.
Mein Herz zerbrach fast an seinem traurigen Tonfall. Ich wollte nicht, dass er litt. Ich hatte es mir lange gewünscht, aber jetzt konnte ich ihn nicht mehr leiden sehen.
„Es ist spät Flo. Wir sind beide übermüdet, du bist krank. Lass uns versuchen zu schlafen ja?“
Er griff nach meiner Hand. „Lena. Sag es mir. Warst du glücklich mit mir?“
Ich sah auf die Hand die mich festhielt. Dann hob ich den Kopf und sah ihn.
„Nein Flo. Ich war nicht glücklich. Aber es lag nicht an dir. Ich habe mich zu früh nach meiner Trennung von Liam auf dich eingelassen. Ich war noch nicht so weit. Jeder Streit den wir hatten, jede kleinste Diskussion war für mich ein lückenloser Übergang zu der vorherigen Beziehung. Du hast es nicht so gemeint, aber wenn du mich kritisiert hast, oder Witze gemacht hast wie über diesen doofen Stuhl im Schlafzimmer oder diese dämliche Brötchen Sache, hatte ich Liams Stimme im Kopf, die mir wieder sagte, wie dumm und unfähig ich war. Ich habe mir einfach nicht genug Zeit genommen, das eine abzuhaken, bevor ich mich auf die nächste Beziehung eingelassen habe. Ich bin da schneller rein gerutscht als ich wollte. Alles was wir diskutiert haben, war nur ein Messer, das sich tiefer in die Wunde bohrte. Ich konnte die kleinste Meinungsverschiedenheit nicht aushalten.“
Er hatte mich während meiner Erklärung angesehen. „Ich hatte keine Ahnung Lena.“, sagte er und seine Augen schimmerten verdächtig feucht.
„Ich habe es dir ja auch nicht gesagt. Aber trotz meiner Probleme habe ich dich geliebt. Sehr.“
Er sah mich immer noch an. Lange sahen wir uns in die Augen. „Ich liebe dich auch.“, sagte er dann leise. Er schluckte hart. „Aber dass wir das ausgesprochen haben, ändert nichts, oder?“
Ich schüttelte den Kopf. „Manchmal reicht Liebe eben nicht. Egal wie sehr man es sich wünscht. Wir können nicht zurück, wir können das Geschehene nicht rückgängig machen. Wir können nur nach vorne sehen. Vielleicht kriegen wir es ja doch noch hin, sowas wie Freunde zu werden.“
Er schloss für einen Moment die Augen. Dann nickte er und sah mich wieder an.
Ich stand auf. „Versuch noch ein bisschen zu schlafen, das mache ich auch. Ich muss in 2 Stunden wieder aufstehen.“

Flo blieb drei Tage. Er schwankte immer wieder zwischen Fieber und fieberfreien Stunden.
Ich arbeitete tagsüber zuhause an meinem Laptop und kümmerte mich zwischendurch um Flo.  Er lag immer noch viel auf dem Sofa, aber die fieberfreien Phasen wurden länger.
Obwohl Florian und ich nicht mehr darüber sprachen, was in der ersten Nacht Thema war, hatte sich unsere Beziehung zueinander verändert.
Wir konnten wieder miteinander lachen, einen Abend saßen wir sogar zusammen auf dem Sofa, knabberten Popcorn und sahen gemeinsam einen Film.
Als er wieder fit genug war, um nach Hause fahren zu können, fühlte ich mich fast ein bisschen, als hätten wir uns zum zweiten Mal getrennt.
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