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Hopelessly Devoted

von Schrotti
Kurzbeschreibung
GeschichteLiebesgeschichte / P16 / MaleSlash
Florian David Fitz OC (Own Character)
08.12.2020
24.12.2020
68
74.024
5
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Dieses Kapitel
1 Review
 
16.12.2020 1.163
 
An Dorons letztem Abend in München gingen wir aus. Wir waren noch nie zusammen wirklich aus gegangen, überhaupt war ich seit Monaten nicht mehr weg gewesen.
„Was machst du als erstes, wenn du in Tel Aviv landest?“, fragte ich ihn, nachdem wir im Restaurant an unserem Tisch Platz genommen hatten.
„Ich werde zu meinen Eltern fahren, lasse mir von Mama Essen kochen, unterhalte mich mit Papa über die Weltpolitik und spiele mit meinen Neffen und Nichten. Und danach fahre ich nach Hause in meine Wohnung und schlafe vermutlich drei Tage am Stück in meinem eigenen Bett.“
„Wow. Klingt nach dem perfekten Plan.“
„Sehe ich auch so. Und irgendwann muss ich dann ins Theater. Ich habe mich für München im März beworben und ich versuche, ob ich von Tel Aviv aus was machen kann. Wenn ich Pech habe, werde ich für Berlin eingesetzt.“
„Ich hoffe, es klappt mit München.“
„Und wenn nicht, dann kommst du?
Ich sah ihn zweifelnd an. „Ist Tel Aviv gefährlich?“
„Nicht gefährlicher als Berlin. Ich würde dich nicht einladen, wenn ich Bedenken hätte.“
„Meldest du dich mal zwischendurch, wenn du wieder zuhause bist?“, fragte ich. Der Gedanke, meinen Vertrauten nach diesem Abend erstmal nicht mehr sehen zu können, machte mich trauriger als ich erwartet hatte.
„Jeden Tag.“ Er lächelte.
Nach dem Essen spazierten wir durch das Viertel in dem das Restaurant lag. Wir wollten noch irgendwo etwas trinken gehen. Es waren viele Leute auf den Straßen und ich genoss die Stimmung und die Atmosphäre. Ich konnte mich nicht mehr erinnern, wann ich das letzte mal so viel Spaß hatte, einfach nur durch die Straßen zu laufen und die Partystimmung zu erleben.
Auf einmal blieb Doron stehen. „Lass uns hier rein gehen.“
Er zeigte auf eine Bar.
„Das ist eine Tango Bar.“, sagte ich und deutete auf das Schild über dem Eingang.
„Genau.“
„Da tanzt man Argentinischen Tango.“
„Na das ist ja eine Überraschung in einer Tango Bar.“
„Kannst du Tango tanzen?“, fragte ich.
„Na klar.“
Ich sah ihn skeptisch an. „Wirklich?“
„Ja.“ Er lachte und hielt mir seine Hand hin. „Komm mit, ich zeigs dir.“
„Warte mal. Ist ja schön, wenn du Tango tanzen kannst. Ich kann es nicht.“
„Das macht nichts. Ich führe dich.“
„Doron, ich glaube nicht...“
„Du traust dich nicht.“ Er zog eine Grimasse. „Hör mal, in solchen Läden tanzen nicht nur Profis. Da findet man die unterschiedlichsten Leute. Sieh es dir an. Wenn du nicht willst, tanzen wir einfach nicht, dann gucken wir nur.“
Ich seufzte. „Na gut.“
Der Laden lag in einem Keller und sah aus wie aus einem Film. Er bestand fast nur aus einer Tanzfläche, wo die unterschiedlichsten Paare zu südamerikanischen Rhythmen tanzten.
Rund um die Tanzfläche standen Leute die den Tänzern zusahen, mit dem Körper wippten oder an Drinks nippten.
Die Musik war so laut, dass man sich nicht unterhalten konnte. Doron drehte sich zu mir um. Er strahlte, bewegte sich zur Musik und führte mich an die Theke. Kurz darauf standen wir mit unseren Rumcocktails ebenfalls an der Tanzfläche und beobachteten die Tänzer. Es waren tatsächlich nicht nur professionelle Tänzer unterwegs, manche tanzten auch Schritte, die sie sicher nie in einer Tanzschule gelernt hatten. Sie bewegten sich einfach so, wie sie es fühlten. Es sah so leicht aus und ich bekam tatsächlich Lust, selber zu tanzen.
Irgendwann beugte Doron sich zu mir. „Sollen wir es auch mal versuchen?“, brüllte er.
Ich nickte. Doron grinste, stellte unsere Gläser auf einen Tisch und hielt mir seine Hand hin. Ich ergriff sie, und kurz darauf bewegten wir uns zur Musik. Es dauerte ein bisschen, bis wir einen Rhythmus fanden, aber dann war es ganz einfach.
Doron führte mich so sicher und selbstverständlich, es war überhaupt nicht schwer, seiner Führung zu folgen. Wie die anderen Tänzer, führte Doron mich hauptsächlich durch engen Körperkontakt und ich ließ mich von ihm über die Tanzfläche schieben.
Ich vergass völlig die Zeit, es war einfach nur schön, einen anderen Menschen wieder so nah zu spüren. Doron hatte seine Wange an meine gelegt, seine Hand lag fest an meinem Rücken und manchmal bei ruhigeren Passagen schloss ich die Augen und genoss es einfach.
Wir verließen die Tango Bar erst nach Stunden wieder. Auf der Strasse wandte ich mich an Doron. „Ich hätte nie gedacht, dass das so viel Spaß machen würde. Oder ich mich überhaupt trauen würde, da zu tanzen.“
Er lachte nur.
„Nein wirklich Doron, das war mega gut.“ Ich tanzte ein bisschen vor mich hin und stieß mit einem Mann zusammen der uns entgegen kam. „Ups, sorry.“, sagte ich, musste aber lachen. Der Mann lachte auch, und Doron lachte noch mehr.
Auf dem Weg zu meiner Wohnung redete ich die ganze Zeit, tanzte und hüpfte vor mich hin. Ich fühlte mich, als hätte sich irgendwas in mir gelöst.
„Was tun die denn in den Rum? Ich glaube ich bin besoffen.“, sagte ich, als wir in meine Straße einbogen.
„Ich denke, du bist einfach glücklich.“, erwiderte Doron.
Ich blieb stehen und sah ihn an. „Meinst du?“
„Ja das meine ich.“
Nachdenklich ging ich weiter bis zu meiner Haustür. Wir blieben stehen.
„Ich kann mich nicht erinnern, wann ich mich das letzte mal so gefühlt habe.“, gab ich zu. „Nicht mal mit Flo habe ich mich so leicht gefühlt.“
Doron stand mir gegenüber und sah mich an. „Halt das Gefühl fest.“, sagte er. „Dann kannst du dich daran erinnern, wenn es mal nicht so gut läuft.“
Ich nickte. „Ich weiß gar nicht, wie ich dir für alles danken soll was du für mich getan hast. Vor drei Monaten waren wir noch Fremde, aber jetzt habe ich das Gefühl, du warst schon immer da. Du hast mir so geholfen Doron.“
„Du musst dich einfach nur mal gehen lassen und an dich glauben, dann passieren die tollsten Sachen.“
„Vielleicht hast du recht.“
„Natürlich habe ich das.“ Er lächelte. Dann wurde sein Gesichtsausdruck ernst. „Wir sehen uns bald wieder ja?“, fragte er.
Ich nickte. „Ich hoffe.“
Er trat einen Schritt vor und stand jetzt sehr nah vor mir. Ich sah in seine wunderschöne blauen Augen mit den langen Wimpern.
„Okay, ich könnte das jetzt noch stundenlang raus zögern, aber ich sollte jetzt wirklich besser gehen.“, sagte er.
Ich atmete tief ein. „Bis bald Doron.“
Er beugte sich vor und wollte mir einen Kuss auf die Wange geben, aber ich drehte mein Gesicht so, dass er meine Lippen traf.
Er zuckte zurück, seine Lippen nur Millimeter von meinen entfernt. „Das macht den Abschied noch schwerer.“, sagte er leise.
„Ich weiß.“, antwortete ich.
Er legte seine Lippen auf meine und küsste mich. Für einen Moment spürte ich, wie sich etwas in mir regte, von dem ich geglaubt hatte, dass ich es nie mehr spüren würde.
Aber dann trat er einen Schritt zurück und betrachtete mich. „Das sollten wir lassen, das könnte sehr kompliziert werden.“, sagte er rau. Sein Blick drückte Bedauern aus.
„Ich weiß.“, sagte ich wieder.
„Wir sehen uns Lena.“ Er atmete tief ein, sah mich noch einmal an und ging dann davon.
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