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Hopelessly Devoted

von Schrotti
Kurzbeschreibung
GeschichteLiebesgeschichte / P16 / MaleSlash
Florian David Fitz OC (Own Character)
08.12.2020
24.12.2020
68
74.024
5
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09.12.2020 2.170
 
Am nächsten Tag zeigte ich Erbarmen mit Ella und wir wanderten einfach nur an einem Bach entlang.
Deswegen war sie am Abend noch relativ fit, und nach dem Essen, dass wir diesmal im Hotel einnahmen, machten wir uns auf den Weg in die einzige Kneipe im Ort. Es war schon Anfang Oktober, viele Urlaubsgäste gab es nicht um diese Zeit nicht mehr hier. Und die Wandergruppen, die tagsüber und abends den Ort besuchten, waren schon weiter gezogen.
Trotzdem war relativ viel los in der Kneipe. Anscheinend gab es irgendein wichtiges Fußballspiel, dass sich die Einheimischen dort ansahen.
Ella und ich verzogen uns an einen Stehtisch im hinteren Bereich der Kneipe.
„Was machst du als erstes, wenn du in deiner neuen Wohnung bist?“, fragte ich sie.
„Hm. Ich glaube, ich werde als erstes ein richtig geiles dänisches Frühstück genießen. Das volle Programm!“ Sie sabberte schon fast.
Lachend stimmte ich zu. „Oh ja. Frühstück wird toll.“
„Und du?“, fragte sie.
„Ich brauche erst mal eine Wohnung in München. Aber ich werde dann als erstes die Dekogeschäfte stürmen, um es mir in der Wohnung, die ich hoffentlich bald haben werde, gemütlich zu machen.“
„Darauf trinken wir!“; meinte Ella und sah auf ihr leeres Glas. „Oder auch nicht.“ Sie lachte. „Ich hole uns noch mal eine Runde.“
Zehn Minuten später kam sie wieder. „Guck mal, wen ich an der Theke gefunden habe!“
Sie strahlte. Hinter ihr tauchten Matthias und Florian auf. Beide waren mit vollen Gläsern beladen, die sie nun auf unserem Tisch abstellten.
„Hey.“, sagte Matthias und umarmte mich zur Begrüßung. „So ein Zufall.“
Auch Florian umarmte mich kurz. „Mit euch haben wir hier nicht gerechnet. Wir haben mal ein bisschen Vorrat mitgebracht.“ Er deutete auf die Gläser.
„Ich seh es schon.“, sagte ich und lachte. „Wie war euer Tag?“
Matthias verdrehte die Augen. „Der Wahnsinnige hier hat mich wieder auf einen Berg gescheucht, nur um dann gleich wieder abzusteigen.“
„Es waren Gewitterwolken im Anmarsch!“, verteidigte sich Florian. Es schien, als hätten die die selbe Diskussion schon mehrfach gehabt an diesem Tag.
„Aber es gab doch gar kein Gewitter heute.“, meinte Ella.
Florian seufzte. „Streu noch Salz in die Wunde! Ich hab mich halt verschätzt. In den Bergen weiß man ja nie.“
„Und was steht bei euch so an?“, fragte Matthias.
„Wir haben gerade darüber gesprochen, was wir machen werden, wenn wir wieder zuhause sind.“
„Und? Was ist der Plan?“, fragte er.
„Ella will ein richtiges gutes dänisches Frühstück. Keine fetten Würstchen, keine baked beans oder Kartoffeln zum Frühstück.“
„Örks.“ Florian verdrehte die Augen. „Ich konnte noch nie verstehen wie man sowas frühstücken kann. Und was hast du vor?“
„Ich werde mir eine Wohnung suchen und sie dann weihnachtlich schmücken.“
„Wir haben Oktober!“, sagte Florian und sah mich skeptisch an.
„Ja und? Meine erste eigene Wohnung, und die bekommt ein Weihnachtsdorf und einen Baum und Fensterschmuck und Lichter und Kerzen überall.“
„Oh Gott.“ Florian stöhnte und tat so, als müsste er würgen.
„Ich liebe sowas! Weihnachten ist toll! Und nach Weihnachten kommt die Frühjahrsdeko. Und danach ...“
„Okay, ich glaube ich habe das Konzept verstanden.“, unterbrach Florian mich und grinste. Er hob sein Glas und trank einen Schluck. Kurzzeitig war ich gebannt von seinen langen, schlanken Fingern. Ich hatte ein Faible für schöne Männerhände, und dieser Mann hatte, neben seinen schönen Augen und den Grübchen, auch noch die perfekten Hände. Wieso war mir das nicht schon am ersten Abend aufgefallen?
Matthias sprang mir zur Seite. „Ich mag auch Weihnachtsdeko. Solange es nicht zu viel wird.“
„Oh es wird viel!“, sagte ich und wir mussten alle lachen.
„Ich geh mal für kleine Jungs.“, meinte Matthias nach einer Weile und sah Florian dabei vorwurfsvoll an.
Florian verdrehte die Augen. „Du kannst noch keine Blasenentzündung haben. So schnell geht das nicht. Außerdem bekommt man von kaltem Wasser keine Blasenentzündung.“
„Ich schon!“, behauptete Matthias und verschwand in der Menge.
„Was ist los?“, fragte Ella.
„Ach, das Mimöschen meint, er hätte sich eine Blasenentzündung geholt heute, weil wir in den See gesprungen sind. Okay, weil ich ihn überredet habe, in den See zu springen.“
„Ihr seid in den See gesprungen? Warum macht man sowas? Hattet ihr eure Badehosen dabei oder wie?“ Ella sah Florian fragend an.
Matthias tauchte wieder auf. „Natürlich nicht. Wer rennt schon im Oktober mit Badeklamotten durch die Gegend?“
„Ja also, wenn man so mit nasser Unterhose rumläuft, kann man sich schon mal verkühlen.“, warf Ella ein.
„Wir hatten weder nasse Unterhosen noch nasse Badeklamotten an.“
„Ihr wart nackt im See?“ Ella starrte Florian mit großen Augen an.
Florian senkte seine Gesicht zu Ella herab. „Ja liebe Ella, wir waren nackt im See.“, schäkerte er in einem Lehrerton.
„Oh.“
Ich hatte die Szene beobachtet und lachte. „Ella, hör auf mit dem Kopfkino!“
Matthias und Florian lachten auch.
„Nackte Männer sind doch auch wirklich nichts, was man sich gerne vorstellt, oder?“, fragte Matthias und sah zwischen Ella und mir hin und her.
„Na du vielleicht nicht.“, erwiderte Ella trocken.
Florian sprang Matthias zur Seite. „Ich finde auch, dass nackte Männer nicht schön anzusehen sind.“
„Und ich kann nackten Frauen nichts abgewinnen.“, sagte ich. „Ich meine... Brüste. Was ist daran so toll? Jede Frau hat welche.“
„Sogar manche Männer haben welche.“, gab Matthias zu. „Aber es gibt doch nichts schöneres als einen hübschen Frauenkörper zu betrachten. Nicht mal sexuell. Einfach, weil man sich gerne etwas schönes ansieht.“
„Genau. So wie ein Gemälde.“, warf Florian ein.
„Du kannst doch kein Gemälde mit einer nackten Frau vergleichen!“, sagte ich und sah Florian entsetzt an.
„Warum nicht? Wenn es schön ist, sehe ich mir beides gerne an.“
„Ich auch.“, stimmte Matthias zu.
Ella schüttelte den Kopf und sah Matthias an. „Also willst du sagen, dass du eine schöne nackte Frau einfach ansehen kannst, ohne sexuelle Gedanken zu haben?“
„Ja klar.“, antwortete Florian für Matthias. „Wir sind doch keine Tiere. Was habt ihr denn für eine Meinung von Männern?“
„Ich würde es eher Erfahrung nennen.“, sagte ich.
Florian sah mich nachdenklich an. „Okay, vielleicht sieht das noch anders aus, wenn man sich in eurer Altersklasse bewegt. Aber lasst es euch von zwei älteren Herren sagen: Wir müssen nicht immer alles flach legen was wir schön finden.“
„Eben.“, bestätigte Matthias. „Ich will ja auch kein Gemälde vögeln.“
Wir lachten.
„Wie alt seid ihr denn?“, fragte Ella.
„Auf jeden Fall zu alt, um im Oktober in einen Bergsee zu springen.“, meinte Matthias und sah Florian wieder an.
Der verdrehte die Augen, grinste aber.
Das Fußballspiel schien zu Ende zu sein, dafür baute jetzt jemand auf einer Mini Bühne eine Karaoke Anlage auf.
Ella klatschte begeistert in die Hände. „Karaoke, wie toll! Ich liebe Karaoke. Lena du musst singen!“
Florian sah mich an. „Kannst du singen?“
„Naja, geht so.“
Ella schüttelte den Kopf. „Lena kann großartig singen, wirklich. Wir hatten im Internat eine Theater AG, und die haben ein Musical aufgeführt im letzten Jahr. Lena war der Star des Abends!“
Florian lächelte und seine grünen Augen funkelten. Wie schon am Abend zuvor fiel mir auf, wie gutaussehend er war.
„Was war das denn für ein Musical?“, fragte er.
„Mamma Mia.“ , gab ich zurück. „Aber Ella übertreibt. So gut bin ich wirklich nicht.“
„Hallo?“, protestierte Ella. Sie sah Florian an. „Es gibt sogar Videos bei Youtube von dem Auftritt. Die haben richtig viele Likes.“
„Ja, von den Schülern halt.“, meinte ich.
„Und Lehrern. Und Eltern. Und Freunde von Schülern.“, beharrte Ella.
Florian sah mich an. „Dann sollten wir zusammen was singen.“
Ich sah ihn skeptisch an. „Kannst du singen? Ich meine, du hasst ja gerade gehört wie gut ich bin, meinst du, du kannst da mithalten?“
Er grinste. „Vermutlich nicht, aber ich möchte es trotzdem gerne versuchen.“
Matthias sah Ella an. „Also, wenn die beiden zusammen singen, dann müssen wir auch zusammen singen.“
Ella hob abwehrend die Hände. „Ich war in der Schülerzeitung AG. Mit singen hab ich so gar nix am Hut.“
„Muss ja auch nicht.“, meinte Matthias. „Das ist Karaoke, keine Grammy Verleihung.“
Ella seufzte und ich lachte. „Da musst du jetzt durch.“
Matthias hielt Ella seine Hand hin. „Komm wir fangen an, dann haben wir es hinter uns.“
Sie seufzte, nahm seine Hand und kurz darauf standen sie auf der Bühne.
Während sie sich ein Lied aussuchten, wandte ich mich an Florian. „Und was singen wir?“
„Lay all your love on me aus Mamma Mia, ist doch logisch.“, sagte er grinsend.
„Na da kann ich wenigstens den Text.“, sagte ich achselzuckend.
„Eben. Ich auch.“
Matthias und Ella klangen wirklich gut zusammen. Sie hatten sich für Alles nur geklaut von den Prinzen entschieden.
Als sie wieder zu uns kamen, gab es viel Applaus.
Ella strahlte. „Es war gar nicht so schlimm.“, meinte sie.
„Natürlich nicht. Ich habe schon immer gesagt dass du gut singen kannst.“
Anschließend gingen Florian und ich auf die Bühne.
Als er die ersten Worte sang, staunte ich nicht schlecht. Er hatte nicht nur eine wunderbar weiche und warme Stimme, er hatte definitiv auch eine Musikausbildung gehabt oder wenigstens Gesangsunterricht.
Es machte Spaß mit ihm zu singen. Am Ende des Liedes kam er näher zu mir und schaute mir in die Augen. Für einen kurzen Moment machten sich Schmetterlinge in meinem Magen bemerkbar, und als das Lied endete, war ich enttäuscht, dass wir schon von der Bühne mussten. Das sahen die Gäste auch so, sie riefen Zugabe und johlten.
Matthias und Ella empfingen uns mit nach oben gehaltenen Daumen.
„Mega.“, meinte Matthias. „Ihr solltet ein Album zusammen aufnehmen.“
Ich lachte. „Aber nur wenn ihr unsere Background Sänger seid.“
Wir stießen darauf an. Ein Sänger nach dem anderen kam auf die Bühne, Karaoke schien in dieser Kneipe das Highlight des Monats zu sein.
Wir sahen uns die anderen Sänger an, sangen und gröhlten mit. Eine Gruppe Touristen, die noch spät in die Kneipe kam, sang We are the Champions. Flo legte seinen Arm um mich und wir schunkelten zum Lied. Dabei zog er mich ganz schön nah an sich, so dass die Schmetterlinge wieder anfingen zu flattern. Ich wunderte mich selber darüber, normalerweise war ich da eher nicht so gefährdet. Vielleicht lag es auch nur an der Stimmung an diesem Abend und dem Alkohol. Aber sein Blick und sein Lächeln und dazu auch der Duft seines Aftershaves, das mir ständig in die Nase stieg, diese Kombination war schon ziemlich unwiderstehlich.
Irgendwann betrat Florian wieder die Bühne. Er redete kurz mit dem Karaoke Mann, dann begann er zu singen. „Will you still love me tomorrow.“ Dabei sah er mich immer wieder an, und spätestens jetzt veranstalteten die Schmetterlinge in meinem Bauch eine Party.
Ella beugte sich zu mir. „Soll ich mir ein Einzelzimmer für diese Nacht nehmen?“
„Quatsch.“, sagte ich sofort und sah sie entsetzt an. „Ist doch nur Spaß.“
Als er von der Bühne kam, grinste er mich an und nahm einen Schluck von seinem Bier.
Ich richtete mich auf. „Okay, du hast es nicht anders gewollt.“
Entschlossen ging ich zum Karaoke Mann, besprach kurz was von ihm und schon erklangen die ersten Töne von „Hopelessly devoted“ aus Grease.
Während ich von meiner unsterblichen Liebe zu irgendeinem Typen sang, sah ich Flo an, der meinen Blick erwiderte. Für die wenigen Minuten die das Lied dauerte, unterbrachen wir kaum den Blickkontakt.
Als ich von der Bühne kam, sah Matthias mich an, als würde er mich zum ersten Mal sehen. „Ehrlich Lena, scheiß auf Mediendesign. Mach ein Album. Ich habe da Connections.“ Ich lachte nur, aber Flo nickte zustimmend. „Du könntest da wirklich was draus machen.“
„Ich singe lieber zum Spaß.“, wehrte ich ab.
Dieser Abend war einer der besten, den ich seit langem hatte, und auch Ella und die beiden Männer bestätigten das.
Aber uns war klar, dass wir uns nach diesem Abend nicht wieder sehen würden. Wir tauschten nicht mal Telefonnummern aus. Wir hatten einfach zwei schöne Abende gehabt.
Als wir spät in der Nacht vor der Kneipe standen und uns verabschiedeten, hielt Matthias mich lange im Arm. „Es war so schön, euch kennen zu lernen.“, sagte er und gab mir einen Kuss auf die Wange.
Dann ging er zu Ella und umarmte sie. Florian kam zu mir. Er lächelte mich an und umarmte mich auch. Sein Rasierwasser drang mir in die Nase. Er hielt meine Schultern noch einen Moment fest und sah mich an. „Matthias hat recht. Ich werde euch sicher so schnell nicht vergessen und ganz bestimmt noch oft an die Abende mit euch denken.“
Ich nickte. „Geht mir genauso. Es war sehr nett mit euch.“
„Kommt gut nach Hause.“, sagte Matthias.
„Ihr auch!“
„Und viel Spaß bei deinem Deko Marathon.“, rief Florian noch, als sie langsam davon gingen.
Wir lachten noch mal alle, dann waren sie um eine Ecke verschwunden.
Ich sah Ella an. Sie seufzte. „Schade.“
„Allerdings.“
„Ich dachte echt, bei dir und Flo geht was. Matthias meinte das übrigens auch.“, meinte sie.
„Ach das war nur ein bisschen flirten, mehr nicht.“
Ich versuchte, mich selber zu überzeugen. Am besten schlug ich mir Flo ganz schnell aus dem Kopf, egal wie überraschend schnell er meine schlafenden Schmetterlinge aktiviert hatte. Ich würde ihn sowieso nie mehr wieder sehen.
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