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Slices of Life

GeschichteRomance / P16 / MaleSlash
Ingo "Easy" Winter Richard "Ringo" Beckmann
08.12.2020
30.01.2021
4
2.223
5
Alle Kapitel
11 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 
08.12.2020 546
 
Slices of Life ist als kleine Schwester meines Kuriositätenkabinetts gedacht: Viel Ringsy-Fluff, ein bisschen Angst, ein bisschen Hurt/Comfort, einiges an Romantik, dabei inhaltlich eigenständige Kapitel - allerdings alles auf jeweils 500 Wörter eingedampft.

Viel Spaß beim Lesen & bleibt gesund,
eure Lene


* * * * * *


„Ich bin so. Ein. Idiot.“

Ringo bringt die Worte nur mühsam zwischen seinen aufeinandergepressten Zähnen hervor. Die Hand, welche den weichen Stoff von Easys T-Shirt umklammert hält, zittert, die Knöchel weiß unter der dünnen Haut.

Easy kann Ringos Gesicht nicht sehen, nur seinen dichten braunen Haarschopf, der ihn unter dem Kinn kitzelt. Sie liegen auf ihrem Bett, im Halbdunkel, in der Mitte der Matratze, die Decke nur bis zu ihren Knien hochgezogen, Easy auf dem Rücken, Ringo halb auf ihm.

„So. Dumm.“

Easy fühlt Ringos rapiden Herzschlag durch seinen Brustkorb hindurch. Er hat an Gewicht verloren, nicht viel, doch bei einem schmalen Mann seiner Größe macht sich jedes Pfund weniger bemerkbar.

„Zwei Monate war ich an dem Projekt dran.“

Mittlerweile vibriert Ringos ganzer Körper vor hilfloser Wut.

„Und wofür? Für nichts.“

Ringo zieht das letzte Wort in die Länge, zischt wie eine Giftschlange, die sich gerade auf die eigene Zunge gebissen hat. Er rollt sich in sich selbst zusammen, so weit es ihm in ihrer Position möglich ist.

„Es war nicht deine Schuld.“ Das hätte Easy jetzt sagen können. Oder: „Jeder macht mal Fehler.“ Oder: „Morgen ist ein neuer Tag.“ Stattdessen sagt er:

„Mhm.“

Es ist nicht mal ein Wort, eher ein Laut, durch Easys tiefe Stimme samtig und weich und voller Verständnis. Er tastet blind nach Ringos verkrampfter Hand, streichelt vorsichtig über die kalten Finger, die in einem ersten Reflex noch fester an seinem Shirt ziehen.

„Ich wollte alles besonders gut machen.“

Ringo klingt nicht mehr wütend. Seine Stimme ist tonlos und brüchig.

„Aber jetzt kann ich froh sein, wenn Huber mich nicht einfach feuert.“

Easy weiß, dass das nicht passieren wird. Ein Ringo Beckmann wird nicht gefeuert, weil die Ausschreibung auf ein Großprojekt an eine andere Baufirma gegangen ist. Er weiß auch, dass Ringo das weiß, doch manchmal gibt es an einer Situation nichts, absolut gar nichts Tröstliches. Dann ist jeder noch so gutgemeinte Ratschlag ein weiterer Schlag in die Magengrube, jedes aufmunternde Wort purer Hohn.

Also schweigt Easy und hilft auf seine eigene Weise. Er streichelt weiter über diese schlanken, grazilen Finger, löst voller Engelsgeduld einen nach dem anderen von seinem zerknitterten Shirt, knetet Wärme hinein, nimmt die Hand schließlich in die seine, umschließt sie mit seinen eigenen, kürzeren Fingern, und aus Ringo scheint plötzlich sämtliche Anspannung zu weichen - er liegt nun schlaff und mit seinem ganzen Gewicht auf Easy.

Schließlich fragt Easy: „Sollen wir das Licht anlassen?“

Er weiß von der Schwärze, die Ringo in solchen Nächten heimsucht, von den schlimmen Träumen, der Angst. Er würde seinem Mann das alles sofort abnehmen, wenn er könnte, aber im echten Leben haben Wünsche leider nur eine sehr begrenzte Wirkung.

Ringo bleibt stumm, aber er nickt auf Easys Brust. Mit einem langen Arm greift er nach der Bettdecke, zerrt sie am Saum bis über seine Schultern, sodass auch Easy zugedeckt ist. Sie sagen sich nicht Gute Nacht, es gibt keinen Kuss.

Unter der Decke drückt Ringo zärtlich Easys Hand, ein wortloses Danke.

Easy lächelt. Morgen ist ein neuer Tag.
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