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Vergangenheit ist, wenn es nicht mehr weh tut...

GeschichteDrama, Familie / P16 / MaleSlash
Marc Westerhoven Moritz Breuer OC (Own Character)
07.12.2020
31.05.2021
46
89.707
17
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19.04.2021 1.715
 
"Der Arzt kommt gleich. Oh, die Kollegen werden sich so freuen", lächelte Ben, strich Westerhoven weiterhin vorsichtig über den Kopf. Er merkte die Tränen in den Augen. Endlich war ihr geliebter Kollege zurückgekehrt, jetzt kam endlich wieder die gute Stimmung auf der Wache zurück nach dieser langen, schwierigen Zeit.
Sein anderer Arm lag um Erik, er konnte das leichte Zittern seines Freundes spüren und das Zucken, wenn er unterdrückte Schluchzer von sich gab.
Marc blinzelte ihn an, nickte langsam. Einzelne Tränen liefen ihm über die Wange. Ben konnte es immer noch nicht fassen, dass wirklich Marc vor ihnen lag. Es wirkte immer noch so unreal, aber das würde sich sicher mit der Zeit legen.

Die Tür öffnete sich, kurz darauf tauchte Linus auf, schritt um das Bett herum und ergriff auf der anderen Seite das Handgelenk von Westerhoven. Die Augen des Patienten wurden groß als er den Arzt sah.
"Schön, dass du wach bist Marc. Hast uns einen ganz schönen Schrecken eingejagt", sprach Hoffmann als der Beamte seine linke Hand aus Eriks Griff zog und sie zittrig nach dem Arzt ausstreckte.
"Mo-Moritz?", fragte Marc mit rauer Stimme. Linus blinzelte irritiert, auch Ben und Erik verstanden es gerade nicht. Ein schwacher Aufschluchzer entkam dem Patienten, noch mehr Tränen flossen ihm über die Wangen.
"Oh Moritz… e-es tut m-mir so Leid", jammerte er und schluchzte erneut auf.
"Marc? Das ist nicht Moritz. Das ist Linus, der Notarzt", versuchte Decker vorsichtig zu erklären, da er jetzt verstand wieso ihr Kollege so reagierte. Hoffmann und Breuer sahen sich ziemlich ähnlich und Marc war damals mit dem Kleinen entführt worden. Wahrscheinlich hegte er große Sehnsucht nach Moritz.
"W-was… n-nein… Moritz", murmelte Marc als der Intensivmediziner die Hand des Patienten ergriff.
"Marc, ich bin nicht dein Kollege. Ich bin Linus Hoffmann, dein Kollege vom Rettungsdienst", sprach Hoffmann leise auf ihn ein. Westerhoven blinzelte ihn an.
"L-Linus? A-Aber Moritz?", fragte Marc, drehte den Kopf zu seinen beiden Kollegen. Nun schimmerten Angst und Unsicherheit in seinem Blick auf. Decker legte ihm vorsichtig die Hand auf den Nacken.
"Moritz geht es gut. Wir bringen ihn, sobald es möglich ist, hierher, ok?", entgegnete Ben.
"Mo-Moritz lebt?", kam es ganz leise von Marc.
"Ja, Moritz ist am Leben", erwiderte Decker und musterte seinen Kollegen. Wieder schluchzte Westerhoven auf und wimmerte leise. Anscheinend war Moritz der Schlüssel für irgendwas. Allerdings war dieser auch nicht wirklich in der Lage für einen Ausflug außerhalb des Krankenhauses. Da mussten sie doch noch paar Tage warten.

"Wir bringen ihn her Marc, dann kannst du dich selbst davon versichern, ja?", kam es von Erik, der wieder die Hand des Patienten ergriffen hatte. Freundlich lächelte er den Älteren an, welcher daraufhin nickte.
Linus begann währenddessen mit einigen Untersuchungen und Tests, schrieb sich die Ergebnisse auf einen kleinen Notizblock.
"Spürst du das Marc?", fragte er und ergriff die rechte Hand seines Patienten.
"Ja", kam es nach einer kurzen Stille.
"Kannst du die Hand bewegen?", fragte Linus und wartete ab, es geschah nichts. Langsam schüttelte Marc den Kopf, Unsicherheit tauchte wieder in seinem Blick auf.
"Ok und fühlst du das?", fragte Hoffmann und strich ihm am rechten Bein entlang, ergriff seinen Fuß. Sein Patient nickte.
"Kannst du das Bein bewegen?", stellte er die nächste Frage, aber wieder geschah nichts in dieser Richtung.
"Warum ist das so? Ich… Bleibt das jetzt?", fragte Westerhoven verunsichert.
"Ich kann dir sagen, dass es nicht für immer bleibt. Nur für eine vorübergehende Zeit. Durch deinen Schädel-Basis-Bruch ist diese Lähmungserscheinung zustande gekommen. Du hast den Bruch zwar links, aber diese Gehirnhälfte steuert die rechte Körperseite. Und andersherum. Wir haben ein CT von deinem Kopf gemacht, konnten nichts weiteres feststellen. Wir konnten aber auch nicht sagen, ob du deine Bewegungsfähigkeit auf dieser Seite zurückbekommst. Allerdings fühlst du etwas, das heißt, dass die Bewegung mit der Zeit zurückkehren wird. Du musst nur etwas geduldig sein", erklärte Linus. Westerhoven blinzelte, dann nickte er darauf. Hoffmann legte ihm die Hand auf die Schulter, lächelte.
"Das wird alles wieder. Keine Sorge", meinte er und schaute sich nochmal die Vitalwerte an bevor er dann dich zufrieden das Krankenzimmer verließ. Stille herrschte im Zimmer, welche nur vom Piepsen der Geräte unterbrochen wurde und dem leisen Schnarchen von Vojacek.

"Ich… ich habe ihm nichts angetan", murmelte Marc irgendwann, sah mit Tränen in den Augen zu Erik und Ben.
"Wem?", fragte Stein irritiert, hatte wieder die Hand ihres Kollegens in seinen.
"Moritz… ich habe Moritz nichts angetan. Ich… ich könnte dem Kleinen nie wehtun g-genauso wenig wie P-Petr… Petr! Er… lebt er?", wurde Marc auf einmal unruhig. Ben legte ihm die Hand vorsichtig auf die Brust.
"Petr schläft, schau selbst", lächelte er und rückte ein Stück zur Seite. Westerhoven drehte den Kopf etwas mehr, sah das andere Bett und ein Lächeln formte sich auf seinen Lippen als er Vojacek darin schlafen sah.
"Ihm geht es den Umständen entsprechend. Immerhin besser als dir", erklärte Decker.
"Ein Glück", seufzte Marc. Er hatte es also doch geschafft den Jungen dort rauszuholen. Seine Bemühungen waren nicht umsonst gewesen. Er hatte ihn von Marius befreit. Wenigstens dies hatte er Petr geschuldet nachdem er so lange nur zugesehen hatte. Er war ein schrecklicher Mensch, dass er sich so kontrollieren ließ und andere geschadet hatte. Wegen ihm waren zwei Unschuldige gequält worden. Hassten sie ihn dafür? Bei Petr war er sich unsicher, so hatte der Junge  Trost bei ihm gesucht in dem Moment, wo alles vorbei schien. Dafür hasste Moritz ihn… Marius hatte ihm doch das Video gezeigt. Moritz verachtete ihn. Aber solange er am Leben war, war doch alles gut. Er hatte es schließlich nicht verdient zu sterben und zwar nur wegen ihm. Er hatte all das nicht verdient gehabt.
"Moritz…", murmelte Marc, bekam wieder von Ben über den Kopf gestrichen.
"Wir bringen ihn her, wenn es möglich ist. Der Kleine hat dich vermisst", meinte Decker.
Westerhoven blinzelte. Hatte Moritz ihn wirklich vermisst? Aber er hatte doch seine hasserfüllten Worte gehört… wollte der Blonde ihn wirklich wiedersehen? Er erinnerte sich an den Traum, wo alles weiß war. Dort war Moritz gewesen, hatte ihn im Arm gehalten. Vielleicht war der Blonde gar nicht böse auf ihn und wenn doch, was würde dann passieren? Marc hatte nicht mehr die Kraft irgendwas durchzumachen. Eigentlich war er ziemlich müde davon, wollte nur noch seine Ruhe haben. Wenigstens ein Stückchen Ruhe nach dieser harten Zeit.

Ben beobachtete wie Marc in den Schlaf fiel und biss auf seiner Unterlippe herum. Er war wirklich glücklich darüber, dass er wieder aufgetaucht war. Auch wenn da doch noch etwas Misstrauen war. Aber jetzt mit diesem seriösen Zeitungsartikel und dem Video von Moritz, sollte ihm eigentlich klar sein, dass sein Kollege nicht kriminell sein würde und sie im Stich gelassen hatte. Dies passte alles nicht miteinander zusammen. Da steckte wohl noch irgendwas großes dahinter und anscheinend brauchten sie Moritz um diesem Fall ein Ende zu bereiten.
Er spürte wie Erik sich an ihn lehnte, legte daraufhin einen Arm um seinen Freund und drückte ihm einen Kuss auf den Kopf, vergrub die Nase in dessen Haaren.
"Ich bin so glücklich, so glücklich. Endlich sind wir wieder alle zusammen", murmelte Stein brüchig.
"Wurde auch langsam Zeit", brummelte Decker. Sie wollten einfach die alte Zeit zurück und das würde so kommen oder nicht? Sie würden wieder gemeinsam arbeiten, lachen und füreinander da sein. Diese Zeit kehrte doch zurück oder war das zu viel verlangt?

***

Er packte ihn unter den Schultern, setzte ihn langsam auf und ließ sich neben ihm nieder. Er lehnte den Jungen an sich, legte ihm den Arm um die Brust und griff nach der Schüssel.
"Komm, du musst etwas essen Julian", sprach er und löffelte, hielt diesem dem Jüngeren vor den Mund. Zimmling schüttelte leicht den Kopf, murmelte was schwaches vor sich hin.
"Julian bitte. Nur paar Löffel", bat Hintzen, rüttelte leicht an ihm. Sein Kollege blinzelte, dann öffnete er den Mund und Martin konnte ihm etwas Suppe geben. Paar Löffel aß der Jüngere bis er nicht mehr wollte.
"Nur noch paar Löffel, bitte Julian. Du hast gestern schon nichts gegessen", meinte Hintzen. Es dauerte nochmal einen Moment bevor Zimmling einwilligte. Nach drei weiteren Löffeln, drehte er sich allerdings und schmiegte sich an seinen Kollegen, murmelte irgendwas. Martin zog eine Augenbraue hoch, dann seufzte er. Wenigstens etwas hatte der Junge gegessen.

Er stellte die Schüssel auf den Tisch ab, lehnte sich wieder zurück. Julian kuschelte sich enger an ihn, krallte sich in seinen Pullover und murmelte etwas unverständliches. Mit einem leichten Lächeln strich Martin ihm über die Seite.
"Du bist mir vielleicht einer. Mir erstmal so einen Schrecken einjagen, dann krank werden und jetzt so kuschelbedürftig. Ach Julian", meinte Hintzen leise, bekam nur ein Brummeln als Antwort. Der Hauptkommissar lachte auf und freute sich dann auf das Gesicht seines Schützlings, wenn er ihm erzählte, was er so alles getan hatte während er krank war. Dazu hoffte er, dass der Kleine bald wieder munter war. Er war immer noch ziemlich heiß, bei 39,3 Fieber nichts verwunderliches. Es machte Martin Sorgen. Er hatte die Temperatur vor zwei Stunden gemessen. Sollte es noch schlimmer werden, würde er seinen Hausarzt bitten herzukommen. Schließlich sollte man sowas nicht auf die leichte Schulter nehmen.

Nachdem Julian eingeschlafen war, löste Martin den Jungen vorsichtig von sich und legte ihn auf die Couch ab. Er verschwand in die Küche, schnappte sich paar Küchentücher und durchnässte zwei davon. Dann schritt er ins Wohnzimmer zurück, wickelte die nassen Tücher um Julians Waden, wickelte daraufhin Trockene darum. Anschließend holte er nochmal einen kalten Waschlappen, legte dem Jungen diesen auf die Stirn.
"Musst du mir denn immer Sorgen bereiten, mein Junge?", fragte er nur und musterte seinen schlafenden Kollegen bevor er sich abwandte um selbst etwas zu essen.

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Es soll demnächst einfach wieder schneien... Wie oft soll ich noch am Bahnhof erfrieren?!
Hallo Deutschland? Sonst hattest du nie Bock auf Schnee!

Grüße DarthSokratis
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