Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Vergangenheit ist, wenn es nicht mehr weh tut...

GeschichteDrama, Familie / P16 / MaleSlash
Marc Westerhoven Moritz Breuer OC (Own Character)
07.12.2020
14.05.2021
44
85.769
16
Alle Kapitel
234 Reviews
Dieses Kapitel
3 Reviews
 
12.04.2021 1.807
 
"Aber jetzt ehrlich mal, wieso haben sie dich hier rein geschoben?", fragte Michael, musterte seinen Kollegen neugierig.
"Fabian liegt doch immer noch im künstlichen Koma und unser Klinikpersonal weiß, wer hier bei der Polizei ist. Ein gesprächiger Mitbewohner ist doch jedem lieber. Außerdem wollen sie einen neuen Patienten zu Fabian legen, der wegen einem VU auch ins künstliche Koma gelegt wurde. Sie legen solche Patienten meist zusammen", erwiderte Rothmayer.
"Da hat er das Personal wohl richtig ausgefragt", kam es von Robin. War aber eigentlich ganz gut nachvollziehbar. Schließlich waren komatöse Patienten nicht anwesend. Jetzt hatte er allerdings den Drang bei Fabian vorbei zu schauen.
"Wollen wir gleich Fabi besuchen gehen?", fragte Daniel, der mal wieder den gleichen Gedanken hatte.
"Wollte ich dich auch fragen", erwiderte Stürmchen darauf.
"Zwei Dumme, ein Gedanke", grinste Peter und brachte seine Kollegen etwas zum Lachen.
"Tja, wir sind eben ein super Team", lächelte Klattmann und boxte seinem besten Freund gegen den Arm.
"Genau", brummelte Michael nur als sein Handy klingelte. Prompt ging er ran und unterhielt sich kurz bevor er aufstand.
"Mein Sohn, muss weg. Ich komme sicher nochmal vorbei! Moritz, halt die Ohren steif. Du auch Peter mit deiner Landebahn da", grinste Weber schief und verließ das Zimmer.
"Landebahn", kicherte Robin.
"Ihr seid mir echt welche", schüttelte Rothmayer bloß den Kopf. Sowas hatte er auch noch nie gehört.
"Ansonsten wäre es doch langweilig", grinste Daniel und die Beiden neckten ihren älteren Kollegen nochmals bis auch sie sich verabschiedeten.

Peter schüttelte den Kopf als sie das Zimmer verließen, dann richtete er seine Aufmerksamkeit auf Moritz. Der junge Kommissar hockte in seinem Bett, knabberte an einer XXL-Schokolade. Die zweite Tafel wohlgemerkt.
"Schmeckt's?", fragte Rothmayer. Der Blonde zuckte leicht zusammen, sah zu ihm und nickte dann. Unsicherheit war in seinem Blick zu erkennen. Dies bereitete Peter Sorgen. Eben hatte der Jüngere so fröhlich gewirkt als Daniel Witze über seine Landebahn gerissen hatte. Mit einem Mal fiel Peter was ein und er schlug seine Decke zurück. Er durfte ja aufstehen, sollte es nur langsam angehen.
"Soll ich dir mal was zeigen Kleiner?", fragte er und schritt vorsichtig zum Bett des Blonden rüber, ließ sich auf der Kante nieder und holte sein Handy hervor, welches ihm seine Kollegen gebracht hatten. Ein Grinsen schlich sich Rothmayer aufs Gesicht während Moritz ihn abwartend anschaute, an seiner Schokolade knabberte.
"Das Bild habe ich bis jetzt nur Heidi, Jule und Christian gezeigt. Also schön leise sein, ist ein Geheimnis zwischen uns", meinte der Ältere augenzwinkernd und hielt dem Blonden das Handy hin. Die Augen des Kommissars wurden groß. Er blickte zwischen seinem Kollegen und dem Display hin und her.
"D-Das bist du Peter?", kam es überrascht von Breuer. Peters Grinsen wurde noch breiter. Jede Reaktion auf das Bild war das Gleiche, wenn man ihn erst während seines Polizeidienstes kennengelernt hatte.
"Ja, das bin ich und ich habe sie jeden Abend mindestens eine Stunde gepflegt", erwiderte Peter und strich sich über die Haare.
"W-Wow", entkam es Moritz nur, der faszinierend die Frisur betrachtete. Wie einzelne Eiszapfen waren die Haare nach oben gestylt. Am Ansatz waren sie schwarz, dann wurden die Haare grün und verwischten sich mit der blauen Farbe, die schön deutlich an den Spitzen erkennbar war.
"Stolze 30 cm", grinste Peter breit.
Breuer blinzelte ihn an.
"30 cm?", fragte er nach. Sein Kollege nickte grinsend darauf.
"Hat mich aber immer viel Haargel gekostet bzw. viel Pflegemittel für die Haare", meinte er.
"D-Das glaub ich", murmelte Moritz, konnte es eigentlich immer noch nicht glauben. Peter lachte auf bei seinem Gesichtsausdruck und wuschelte ihm durch die Haare.
"Ja, da ist erstmal jeder sprachlos. Aber so bin ich rumgelaufen und es hat mir gefallen", lächelte Rothmayer. Irgendwie freute es ihn schon, dass er immer mal jemanden damit überraschen konnte. Dennoch hielt er sich damit zurück. Wegen seinem Aussehen hatte er Ärger und Spott sozusagen angezogen, da manche Leute ihn als nutzlos und Belastung des Staates angesehen hatten. Selbst seine eigenen Kollegen. Schließlich hörte man immer schlechtes über diese Personengruppe, zu denen er allerdings nicht gehört hatte. Zu der faulen, aggressiven Variante jedenfalls nicht.

"W-Warst du also… so ein richtiger Punk?", kam die schüchterne Frage von Moritz.
"Joa, aber ich gehörte zu den Friedlichen. Nicht zu denen, die auf Krawall aus waren und dazu immer gegen die Regeln. Ansonsten wäre ich ja nicht Polizist geworden. Ich wollte frei sein und dennoch… brauchte ich auch diese gewisse Ordnung bzw. Grenze, die manche nicht einsehen", erwiderte Peter.
"Verstehe und wieso hast du ihn abgeschnitten, wenn du ihn so gemocht hast? Ich meine, Jule verbirgt ihre bunte Mähne ja auch nicht", fragte Breuer.
"Ich wollte es so. Ich musste mich zwar überwinden, aber bei dem Einstellungsverfahren für die Polizei hatte ich schon etwas negative Erfahrungen gesammelt. Du musst wissen, nach dem Studium bei der Polizei habe ich erstmal was anderes gemacht bevor ich doch wieder auf den Berufsweg zurückgekehrt bin. Auf der Akademie sah ich nicht so extrem aus, trotzdem gab es Kommilitonen, die mich deswegen nicht ausstehen konnten. Ich hab das Studium zwar durchgezogen, wollte aber dann erstmal nicht bleiben, weil ich das Gefühl hatte, ich gehöre nicht dazu. Ich hatte zwar auch gute Freunde, aber ich hab mich trotzdem abgewandt. Als ich mich entschieden hatte doch wieder zur Polizei zu gehen habe ich mich vor dem ganzen Bewerbungszeugs umgestylt, weil ich nicht erneut solchen Ärger erleben wollte. Obwohl ihr mich sicher auch so akzeptiert hättet. Dennoch waren da die Zweifel von der Akademie", erklärte Peter.
"Oh… wie waren sie zu dir?", kam es vorsichtig von Moritz. Denn schließlich war es für seinen Kollegen wohl ein sensibles Thema.
"Spott, Beleidigungen waren Alltag. Einige Lehrer haben ein Auge zugedrückt, da sie solche Leute wie mich nicht ausstehen konnte. Aber die Meisten waren dennoch auf meiner Seite, haben diese Deppen zurechtgewiesen. Sie sind aber auch hin und wieder handgreiflich geworden, aber nicht extrem. Schubsen unter anderem", antwortete Rothmayer.
"Hast du sie gemeldet?", fragte Breuer entsetzt. Der Ältere schüttelte den Kopf.
"Ich konnte es nicht. Ich weiß nicht warum, aber ich habe mich das nie getraut. Aber jetzt ist es sowieso Vergangenheit. Schließlich bin ich auf einer Polizeiwache gelandet, wo jeder zu jedem hält. Auch in schwierigen Zeiten", entgegnete Peter und legte Moritz lächelnd einen Arm um die Schultern, drückte den Blonden etwas an sich. Dazu konnte er sich etwas mit Jule austauschen. Er hatte echt wirklich Glück gehabt, dass er auf so eine tolle Dienststelle verwiesen wurde.

Breuer lächelte ihn an. Seine Unsicherheit war verschwunden.
"Wir stehen alle zu dir Moritz. Du hast nichts falsch gemacht. Merk dir das bitte", meinte Peter und der Blonde nickte darauf, wandte jedoch den Blick ab. Der Oberkommissar vermutete, dass Breuer trotzdem noch Schuldgefühle spürte. Aber das würden ihre Kollegen ihm sicher ausreden und bis dahin war Ablenkung von diesem Thema die beste Idee.
"Ah… da wir jetzt in einem Zimmer sind, solltest du vielleicht auf der Hut sein", fing Peter an zu grinsen. Fragend schaute der Jüngere zu ihm hoch.
"Vielleicht verpasse ich dir im Schlaf einen schicken Irokesen. Ich brauch nur Haargel und eine schrille Haarfarbe. Ich bin mir sicher, dass pink dir stehen wird", grinste Rothmayer breit. Die Augen des Blonden wurden groß und dessen Hände wanderten automatisch zu seinen Haaren.
"D-Das würdest du nicht machen!", erwiderte Moritz schockiert.
"Doch natürlich. Mit deiner Länge kann man auch was anfangen", grinste Peter und lachte auf als Breuer etwas vor ihm davon kroch.
"Aber doch net pink!", entgegnete Breuer.
"Dann grün oder neonorange! Einfach etwas verdammt schrilles!", lachte Peter und wuschelte seinem jungen Kollegen durch die Haare.
"Peter, neiiiin", jammerte Breuer bloß.
"Ach Moritz, ich mach doch nur Spaß", lachte Rothmayer und musste sich festhalten, damit er nicht vom Bett fiel. Sein Kollege blinzelte ihn an, dann wurde er rot und grinste unbeholfen. Peter lachte noch mehr. Vielleicht sollte er ihm doch einen Irokesen verpassen.

***

Ein Piepen durchdrang die Stille, schob die Dunkelheit langsam beiseite. Leichte Schmerzen durchzuckten seinen Körper, der sich ziemlich schwer anfühlte.
"Ma… Augen… uf…", hörte er Wortfetzen. Ohne es wirklich zu bemerken gab er einen schwachen Laut von sich, versuchte seinen Kopf bisschen zu drehen und die Augen zu öffnen. Allerdings funktionierte dies alles nicht so einfach.
"Marc? Bitte wach auf", erklang die Stimme erneut. Sie hörte sich vertraut an und dennoch fremd. Es war merkwürdig.
"Mach die Augen auf Marc", ertönte eine weitere Stimme. Sie klang auch so vertraut und gleichzeitig fremd wie die erste Stimme. Dennoch fühlte er sich als wäre er in Sicherheit. Er konnte diesen Stimmen vertrauen. Sie hatten keine Kälte in sich, keinen Hass und keine Verspottung wie die Stimmen, die er die letzten Monate immer gehört hatte. Sie klangen freundlicher, deutlich freundlicher.

Endlich schaffte er es die Augen zu öffnen, blinzelte erstmal gegen die Helligkeit an und sah dann an eine weiße Decke. Das Piepen war die ganze Zeit dabei gewesen, ertönte nun von seiner rechten Seite. Doch sein Blick ging woanders hin. Er spürte eine angenehme Wärme an seiner linken Hand, sah, dass jemand diese hielt. Seine Augen wanderten den Arm entlang, musterten den jungen Mann mit dem Bart und den eisblauen Augen. Es schien als würde er kurz vor dem Heulen sein, obwohl ein Lächeln seinen Mund zierte.
"Marc", sprach dieser und die ersten Tränen liefen ihm über die Wangen. Westerhoven blinzelte, versuchte sich ins Gedächtnis zu rufen, wer das war. Er brauchte einige Sekunden bis es ihm dämmerte.
"Erik?", fragte er schließlich mit rauer Stimme und blinzelte.
"Ja, ich bin's Marc", lächelte Stein und umgriff seine Hand fester, drückte sie vorsichtig gegen seine Wange. Westerhoven blinzelte erneut und blickte zu einem blonden Mann, der neben Erik saß.
"Ben", murmelte Marc darauf und der Blonde strich ihm vorsichtig über den Kopf. Auch er lächelte, hatte Tränen in den Augen.
"Willkommen Zuhause Marc", sagte dieser und allmählich dämmerte es Westerhoven, dass es wirklich seine zwei Kollegen waren, die vor ihm saßen. Seine Kollegen, die er so sehr vermisst hatte. Er war endlich Zuhause, würde alles jetzt ein Ende finden?
"Erik… Ben…", hauchte Marc, spürte wie ihm einzelne Tränen über die Wangen liefen und seine Kollegen lächelten. Sie lächelten einfach nur und blieben bei ihm, gingen nicht fort.

----------

Bin nicht so erfahren mit Punks, aber denke, habe es gut hinbekommen ;)

Grüße DarthSokratis
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast