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Vergangenheit ist, wenn es nicht mehr weh tut...

GeschichteDrama, Familie / P16 / MaleSlash
Marc Westerhoven Moritz Breuer OC (Own Character)
07.12.2020
19.04.2021
42
81.878
15
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07.04.2021 1.996
 
Ein Zittern ging ihm durch den kompletten Körper während er die eiskalte Klinge an seiner Kehle spürte. Sein Blick war auf die Spritze gerichtet, voll mit der Droge, die sein Opfer umbringen sollte.
"Nimm die Spritze zurück, ansonsten wirst du qualvoll bluten", raunte die Stimme erneut in sein Ohr und im nächsten Moment erkannte John, wem diese Stimme gehörte.
"Westerhoven? Du schützt deinen Bruder?", fragte er. Die Stimme ähnelte die von Marc und für John würde keine andere Person in Frage kommen, die auf so eine Weise sein Opfer beschützen würde.
"Gib mir die Spritze, dann werd ich dir deine Fragen beantworten", erwiderte Adrian. John zögerte, biss sich auf die Unterlippe. Marius wollte, dass er Marc umbrachte. Und gegen Marius stellte man sich nicht. Allerdings befand er sich gerade in einer unangenehmen Situation.
"Willst du wirklich draufgehen für Wölfers?", raunte Westerhoven, drückte die Klinge an seinen Hals. John lief ein eiskalter Schauer über den Rücken. Er atmete durch. Er hatte schon mehrmals sein Leben riskiert für seinen Chef. War in vielen verzwickten Lagen gewesen, aber hier würde er nicht einfach rauskommen. Konnte er Westerhoven irgendwie überlisten? Seine Karten standen im moment schlecht. Vielleicht sollte er erstmal mitspielen, das Blatt irgendwie zu seinem Gunsten drehen.
"Schon gut", murmelte John, zog vorsichtig die Spritze vom Zugang weg und hob den Arm. Adrian nahm ihm die Spritze ab, das Messer verschwand von seinem Hals und John drehte sich um.

Die grünen Augen von Westerhoven musterten ihn von oben bis unten. Er trug im Gegensatz zu ihm einen Arztkittel über seinem schwarzen Shirt. Reichte aus um als Doktor durchzugehen für den ersten Blick.
"Woher wusstest du, dass ich hier bin?", fragte John, blickte seinen Gegenüber kalt an.
"Ihr haust in meiner Villa. Glaubt ihr, ich lasse euch unbeobachtet? Ich habe Marius nie vertraut und werde es auch nie tun", raunte Adrian, spuckte den Namen wortwörtlich aus.
"Und wieso schützt du deinen Bruder? Hegst doch noch Gefühle für ihn? Für einen Polizisten, der dich Verbrecher wahrscheinlich sowieso verachtet", entgegnete John kühl und überlegte währenddessen wie er Westerhoven überwältigen konnte. Der Blick des Braunhaarigen war kalt, für eine Weile schwieg der Mann. Nur die medizinischen Geräte sorgten dafür, dass es nicht komplett still war in dem Raum. Johns Blick ging kurz an ihm vorbei zum Fenster. Schließlich konnte jeden Moment jemand vom Klinikpersonal vorbeilaufen. Dies schien Westerhoven allerdings nicht zu kümmern.
"Ich bin es ihm schuldig. Ich hab meine Rolle als großer Bruder nie wahrgenommen, hab ignoriert, was Marius ihm angetan hat. Hätte nie erwartet, dass ich jemals Reue fühle. Aber jetzt ziehe ich einen Schlussstrich. Ich lasse nicht zu, dass sich Marius nochmal an ihn vergeht und ich sorge dafür, dass er seine Strafe bekommt. Ich hasste ihn schon damals und jetzt kann ich Marius aus dem Weg räumen", entgegnete Adrian schließlich und fing an zu grinsen. Sein Blick wurde dunkel, ließ John wieder einen Schauer über den Rücken laufen. In diesem Moment wusste er, dass er gegen den Mann keine Chance hatte.

"Was planst du?", zischte John.
"Mmmh, er wird im Knast landen. Im tschechischen Knast, versteht sich. Dort ist es interessanter als hier. Andere Länder, andere Sitten. Und du wirst ihm folgen, außer, du entscheidest dich für mich zu arbeiten. Ich kann dir weitaus mehr bieten als Marius", schlug Adrian ihm einen Deal vor.
"Wieso sollte ich das machen?", fragte John. Sein Blick ging immer wieder nervös zum Fenster. Schließlich war schon eine ganze Weile vergangen.
"Weil du im Knast landen wirst oder unter der Erde", sprach Westerhoven als er ein Schritt näher trat. Das Messer war wieder gefährlich nah seinem Hals.
"Oder hier in der Leichenhalle. Schließlich warst du kurz davor meinen Bruder umzubringen", zischte Adrian ihm ins Gesicht.
John blinzelte, überlegte, ob er nicht doch versuchen sollte ihn zu überwältigen. Er zischte auf als im nächsten Moment seine Haare gepackt und sein Kopf zurückgezogen wurde. Die kalte Klinge legte sich wieder an seinen Hals.
"Deine Antwort", raunte Westerhoven, funkelte ihn an. John verspürte Angst vor ihm. Marius war zwar auch emotionslos und gefährlich, aber dieser Mann war ein ganz anderes Kaliber.
Wölfers hatte ihm viel gegeben, rausgeholt aus einigen Situationen. Sollte er ihn hintergehen, die Seiten wechseln? In der Welt des Verbrechens herrschten andere Regeln. Macht war hier das Mittel, Geld und Treue, die auf die Taten sprach. Man wusste, wer der Wolf und wer das Schaf war. Und man musste Entscheidungen treffen, immer und immer wieder. Den auch Verrat konnte tagtäglich auf einen zukommen.
"Was bietest du mir an?", raunte John, beobachtete wie ein amüsiertes Glitzern in Adrians Augen auftrat.
"Das gefällt mir, aber nicht hier. Wir gehen zu dem Wagen mit dem du hergekommen ist", raunte Westerhoven mit gefährlich leiser Stimme und ließ von John ab. Dieser wuschelte sich durch die Haare, sein Kopf pochte leicht von dem Griff. Unter Westerhovens Blick wurde ihm übel, wieder bekam er Angst. Der Kerl war wirklich eine ganz andere Hausnummer als Marius.
"Verstanden", brummte er und schritt vor. Da war ihm sein Leben doch kostbarer. Doch es brachte ihn zum Grübeln. Sollte er Marius wirklich hintergehen oder Adrian seine Treue vorgaukeln? Oder sollte er einfach verschwinden? Aber würde er weit kommen? Er biss sich auf die Unterlippe. Je nachdem wie er sich entschied, wer weiß, ob er danach noch am Leben war.

Er sah John nach, dann fiel sein Blick auf die noch volle Spritze. Adrian trat zu der Zimmerpflanze, entleerte das Teil. Danach schritt er zu Marc ans Bett, sah mit einem unleserlichen Blick auf ihn hinab.
Er war sich eigentlich sicher gewesen, dass er mit seiner Familie abgeschlossen hatte. Nachdem er drei Jahre im Knast saß, hatten sich seine Eltern von ihm abgewandt. Marc jedoch nicht, er hatte ihm sogar Hilfe angeboten. Ein Polizist, der einem Kriminellen die Hand reichen wollte. Adrian hatte ihn damals abgewiesen. Er konnte keinem trauen, der bei der Polizei war… noch nicht mal seinem Bruder. Schließlich war dieser verpflichtet zu reden, wenn er vermutete, dass Straftaten im Raum standen. Marc wollte ihm helfen, ihn wieder auf die richtige Spur bringen. Doch das ging nicht so einfach. Adrian war zu sehr in einige Machenschaften verwickelt, am Ende hätte er seinen Bruder unfreiwillig reingezogen. So hatte er sich von ihm abgewandt. Ohne Emotionen hatte er ihn einfach stehen lassen, hatte jeglichen Kontakt blockiert. Und auch, wenn sie in der selben Stadt waren, so ist er ihm immer aus dem Weg gegangen. Er wusste, wo sein Bruder wohnte, wo er arbeitete und kannte seine Kollegen vom Aussehen her. Marc wiederum wusste kaum was über ihn.

Er blinzelte, musterte das Gesicht seines Bruders. Er hatte wirklich gedacht, dass er jegliche Gefühle für ihn abgeschottet hatte, aber anscheinend war es doch nicht so. Da war noch etwas Bruderliebe übrig und so ganz falsch fand dies Adrian nicht. Eigentlich war es ok. Auch wenn sich Marc wohl nicht mehr für ihn interessierte bei seinem Strafregister. Dass Marc überhaupt damals seine Hilfe anbot, hatte Adrian überrascht, schließlich war er so gut wie nie für seinen Bruder dagewesen. Hatte ihn nie in Schutz genommen, obwohl er wusste, was Marius mit ihm anstellte.
Er hatte seinen kleinen Bruder oft weinen hören, jedoch nur die kalte Schulter gezeigt. Er bereute es ein wenig. Damals fand er es als selbstverständlich. Ihr Vater hatte sich nicht wirklich für sie interessiert. Ihre Mutter war zwar zuvorkommend gewesen, dennoch war ihr der Beruf immer wichtiger. Oftmals waren sie alleine daheim. Verwandte hatten sie keine bzw. wurde nie Kontakt zu ihnen gesucht. So blieb das Verhältnis kühl.
"Ich werde das klären. Er wird dir nichts mehr antun kleiner Bruder", sagte Adrian und streifte sich die silbern schillernde Armbanduhr ab. Ein Familienerbstück. Das Einzige, was ihr Vater ihm hinterlassen hatte. Mit den Gravuren ihres Nachnamens in der Innenseite. Er legte die Uhr auf den Tisch ab, sah nochmal zu seinem Bruder und strich ihm vorsichtig durch die braunen Haare.
"Vielleicht hätte ich mich um dich kümmern sollen, aber man kann die Zeit nicht verändern. Seit Marius mich aufgesucht hat, frage ich mich ständig wie es aussehen würde, hätte ich deine Hilfe damals angenommen. Aber es ist zu spät. Wenigstens ein Problem will ich aus der Welt räumen. Es wird nicht nur dir zugute kommen. Komm auf die Beine Marc", sprach Adrian, dann wandte er sich ab und verließ das Zimmer. Schnell huschte er über den leeren Flur, die Treppen hinab und tauchte auf dem Parkplatz auf. Er stieg zu John ins Auto und der Wagen verließ das Gelände der Klinik.

***

Moritz kaute auf der Schokolade herum als ein Klopfen ertönte. Kurz darauf wurde ein Bett hineingeschoben und Peter grinste ihm und seinen Besuchern entgegen.
"Was willst du denn hier?", kam es fragend von Michael. Er, Robin und Daniel waren bei Moritz zu Besuch. Jonas war vor dem Mittagessen noch entlassen worden. Sein Bruder hatte ihn abgeholt, mit zu sich genommen. Schmidt war für den Rest der Woche krankgeschrieben.
"Wenn ich nicht erwünscht bin, dann gehe ich eben wieder", erwiderte Rothmayer.
"Du meinst eher, du rollst wieder weg", sagte Klattmann schief grinsend. Robin kicherte daraufhin während Weber die Augen verdrehte.
"Man, seid ihr frech. Ist irgendwas passiert?", fragte Peter. Der Pfleger verabschiedete sich, ließ die Polizisten alleine.
"Du weißt es noch nicht? Es gibt super Neuigkeiten und zwar ist Mammmmmh", fing Stürmchen an als Michael ihm den Mund zu hielt. Daniel funkelte ihn finster an. Peter blinzelte irritiert, auch Moritz wirkte sichtlich verwirrt.
"Bitte was?", fragte Rothmayer.
"Nichts, sagt er dir besser selbst", kam es von Klattmann.
"Wer?", fragte Peter, war nun neugierig. Er wollte wissen, was hier los war.
"Ähm… Ben", sagte Michael und lächelte bloß.
"Waff mif Ben?", nuschelte Moritz mit der halben Tafel Schokolade im Mund.
"Ach, fragt ihn einfach selbst. Wir wollen es nicht direkt ausplaudern", winkte Weber ab und funkelte dabei Robin an. Klaus hatte ihnen verboten Moritz zu sagen, dass Marc wieder da war. Er wollte noch etwas Zeit verstreichen lassen bis der Junge wieder einigermaßen auf dem Damm war. Anscheinend wusste Peter es noch nicht und beinah hätte Daniel die Bombe platzen lassen. Breuer durfte sich noch nicht aufregen und sicherlich würde er direkt zu Marc wollen bzw. wussten sie nicht wie der Blonde auf die Information reagierte. Klaus wollte es langsam angehen.

"Oookay", meinte Peter mit hochgezogener Augenbraue. Fand das Verhalten seiner Kollegen doch etwas sehr merkwürdig.
"Hier Peter… deine Landebahn ist aber auch schon ziemlich zugewachsen, ne?", kam es auf einmal von Daniel. Jetzt war Rothmayer noch irritierter. Er kam gerade gar nicht mehr mit. Was für eine Landebahn bitte?
"Hä?', fragte er während auch die anderen den Polizisten fragend ansahen.
"Aiii, dein Strich auf dem Kopf", löste Daniel das Rätsel auf. Es herrschte eine Stille. Moritz unterbrach diese zuerst, da er laut anfing zu lachen. Kurz darauf stimmten auch die anderen Beamten mit ein.
"Landebahn! Ich kack ab!", lachte Robin, musste sich an seinem Stuhl festhalten, ansonsten wäre er runtergefallen. Selbst Michael lachte Tränen, sowas hatte der Hauptkommissar auch noch nicht gehört.
"Danke Daniel… wirklich danke", lachte Rothmayer nur. So hatte noch nie jemand seine Frisur genannt. Sie war nicht wirklich vertreten, so war sie auch mal ein schöner längerer Irokesenschnitt gewesen. Aber durch den Polizeidienst hatte er sich entschieden seinen geliebten Irokesen radikal zu kürzen. Er hatte schon vieles zu seinem Schnitt gehört, aber Landebahn? Das war einfach zu wild.
"Immer gerne doch Kollege", lachte Daniel, war froh, dass er für so eine gute Stimmung gesorgt und von der Neuigkeit abgelenkt hatte.

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Habt ihr zurzeit auch alle Jahrzeiten an einem Tag? So langsam hab ich genug, will Sommer xD

Grüße DarthSokratis
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