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Geschichten aus Amicitia

SammlungDrama, Fantasy / P12 / Gen
07.12.2020
07.12.2020
1
1.985
 
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07.12.2020 1.985
 
Beitrag für: [Projekt] Story Cubes-Alea iacta est [Freie Arbeiten]
Meine Auswahl:  2x orange (Blitz, Fragezeichen) und 2x blau (laut rufen, eine Weltraumrakete stürzt ab)

~*~

Es war eine lauwarme Nacht im Spätsommer und das neue Schuljahr hatte erst vor wenigen Wochen begonnen. So war es auch kein Wunder, dass fast alle Schüler und Lehrer der kleinen Schule schon fest am schlafen waren, als sich am Himmel in dieser Nacht ein Ereignis ankündigte. Nur ein junger Mann beobachtete zu diesem Zeitpunkt den Nachthimmel und bemerkte ein helles Leuchten am Himmel, welches mit einem Mal in einem grellen Blitz, gefolgt von einem lauten Donnerschlag und einer deutlich spürbaren Vibration in dem alten Gemäuer endete. „Meister Anian, Meister Anian!“, rief der blonde, junge Mann so laut wie noch nie und rannte wenig später aus seinem Zimmer heraus. Da hatte er einmal nicht schlafen können und dann passierte auch noch so etwas! So schnell wie noch nie zuvor durchquerte der Jugendliche das alte Gemäuer und kam wenig später vor der Tür seines Schulleiters an.

An eben diese trommelte der junge Mann heftig an, so dass er wenig später von einem etwas verschlafenen Direktor empfangen wurde. „Joshua, was ist denn los? Es ist drei Uhr nachts. Du solltest wirklich schlafen“, sprach der Mann, welcher vom Aussehen her etwa Mitte dreißig zu sein schien, ruhig und musterte seinen aufgebrachten Schüler. „Meister Anian, habt ihr das nicht mitbekommen? Dieses grelle Licht und den Schlag?“, wollte Joshua aufgeregt wissen. Er konnte sich einfach nicht vorstellen, dass er der einzige war, der dies mitbekommen hatte. „Das war sicher nur der Beginn eines Gewitters, Josh. Geh wieder ins Bett, du hast morgen wie alle ...“, mitten im Satz brach der Dunkelbraune ab, als eine weitere Schülerin zu seinem Zimmer gelaufen kam. „Meister Anian, es ist etwas in der Nähe des Marktplatzes eingeschlagen. Ich konnte Rauch sehen“, sprach eine hochgewachsene, schwarzhaarige Schülerin in ihrer gewohnt ruhigen Art, doch ihrem Lehrer war klar, dass auch sie aufgebracht war. „Ich komme sofort. Joshua, du gehst bitte ins Bett. Für einen Menschen ist es wirklich spät und auch zu gefährlich. Amy, du gehst bitte schon mal in die Vorhalle. Dort treffen wir uns und du zeigst mir dann genau, wo du den Rauch gesehen hast.“

Ohne auf eine weitere Reaktion der beiden zu warten, verschwand der Dunkelbraune in seinem Zimmer, um sich etwas anzuziehen. Anscheinend war es wohl doch kein aufkommendes Gewitter gewesen, was Joshua da beobachtet hatte. „Amy, was kann das gewesen sein? Ich habe einen grellen Blitz gesehen, dann kam ein Donnerschlag und danach hat sogar das Gebäude vibriert“, wollte Josh wissen, als er gemeinsam mit seiner Schulkameradin in Richtung der Vorhalle ging. Von dort aus war es nicht mehr weit zu seinem Zimmer, also konnte er die Schwarzhaarige auch begleiten. „Ich weiß es nicht, Josh. Ich habe das Vibrieren auch gespürt und habe dann aus dem Fenster gesehen. Da kam dann auch schon der Rauch aus Richtung des Marktplatzes. Aber Meister Anian hat wirklich recht. Für einen Menschen ist so eine Nachtaktion zu gefährlich. Wir wissen nicht, was da geschehen ist. Deshalb sollten wirklich nur wir Wesen der Nacht nachschauen gehen“, gab Amy ruhig von sich und deutete in die Vorhalle, wo noch einige andere Schüler inzwischen wach und verwirrt standen. Ihnen allen war ein regelrechtes Fragezeichen ins Gesicht geschrieben. „Manchmal ärgert es mich wirklich, dass ich nur ein einfacher Mensch bin und kein magisches Wesen wie ihr.“

An der Stimme des Blonden und auch an seinem Gesichtsausdruck konnte man erkennen, dass er es nicht wirklich ernst meinte. Deshalb konnte die junge Vertreterin der Todesengel auch nur darüber schmunzeln. „Wir wissen beide, dass du gerne ein Mensch bist. Und jetzt ab ins Bett mit dir, bevor Meister Anian dich noch nachsitzen lassen wird.“

„Du sagst mir doch aber Bescheid, was ihr da findet, ja?“

„Klar, aber erst morgen nach der Schule.“

Grinsend wuschelte die junge Frau dem etwas Kleineren durch die Haare, welcher ihr nur die Zunge raus streckte. „Ist ja gut. Gute Nacht euch allen und passt auf euch auf“, mit diesen Worten wandte sich Joshua dem nächsten Gang zu und war kurz darauf auch verschwunden. „Ich glaube er wäre gerne mitgekommen. So ein Abenteuer will sich doch keiner entgehen lassen“, meinte ein etwas stämmigerer Junge, welcher lässig an der Wand lehnte. „Natürlich wäre er das, aber er ist auch zu ängstlich, um uns zu begleiten. Zwar glaube ich nicht, dass da wirklich eine Gefahr lauert, denn dann hätte mich Meister Anian nicht gebeten ihm die Stelle zu zeigen, aber für einen Menschen kann ja schon ein feindlicher Vampir oder so gefährlich werden“, erklärte Amy sachlich und ließ ihren Blick über die anwesenden Schüler schweifen. Sie alle würden sich von ihrem Direktor nicht abbringen lassen, bei dieser Erkundungstour dabei zu sein. Neben Philip, dem leicht stämmigen Schüler, einem geborenen Werwolf, stand auch noch Ceron, ein rothaariger, sportlicher junger Dämon in der Vorhalle. „Ich sehe, dieses vermeintliche Gewitter hat einige von euch um den Schlaf gebracht. Aber gut, bei euch kann ich mir sicher sein, dass euch nichts geschehen wird“, sprach der Direktor ein wenig schmunzelnd, als er ebenfalls in der Vorhalle ankam.

Zu seiner Erleichterung war aber Joshua nicht mehr dabei, um welchen er sich doch einige Sorgen machte. Er war sich noch nicht sicher, ob dieser überhaupt für diese Schule geeignet war. Aber das war heute Nacht nicht das Thema. „Meister Anian, meinen Sie, dass Amicitia angegriffen wurde?“, wollte Ceron mit ruhiger Stimme wissen, doch an seinen nach hinten gebogenen Hörnern konnte man sehen, dass ihm die Situation Angst machte. Er war eben noch ein sehr junger Dämon, gerade einmal 17 Jahre alt und in diesem Alter konnte er seine Emotionen in den Hörnern noch nicht so steuern, wie es die Älteren konnten. So wurden seine Hörner rot, wenn er wütend war und gerade waren sie in einem leichten Lila, weil er etwas Angst hatte. Normalerweise waren seine Hörner schwarz.  „Nein, Ceron. Wenn ich davon ausgehen würde, dann würde ich keinen von euch mitnehmen. Ich gehe eher davon aus, dass es einen Unfall gab und unsere Hilfe gebraucht wird. Deshalb gehen wir jetzt auch los“, mit diesen Worten wandte sich der Mann dem Ausgang der Schule zu und verließ diese nur wenig später mit seiner kleinen Gruppe. Er glaubte wirklich nicht, dass ihre Schule oder ihre kleine Stadt, je nachdem was Ceron gerade meinte, angegriffen wurde. Es war manchmal etwas schwierig zu sagen, von was jemand sprach, wenn sowohl die Schule, als auch die Stadt genau den selben Namen trug. „Amy, könntest du bitte schon mal vor fliegen und uns sagen, was du von da aus siehst?“

Die Angesprochene nickte nur verstehend, ließ ihre schwarzen Flügel erscheinen und erhob sich in den Nachthimmel. Von ihrer Schule war es nur ein Katzensprung zum Marktplatz, wo sie vorhin den Rauch gesehen hatte. So war sie auch schon nach wenigen Augenblicken wieder über der kleinen Gruppe. „Der Brunnen ist nicht mehr zu sehen, da ist ein riesiger Krater im Boden, aus dem es immer noch raucht. Einige Anwohner sind schon am Löschen“, erklärte sie fliegend und verschwand danach wieder in Richtung der Unglücksstelle, während die anderen einen Zahn zulegten und kurz darauf ebenfalls an einem riesigen, qualmenden Loch ankamen. „Ah, gut das sie da sind. Wir bekommen es nicht so richtig gelöscht, Herr Anian. Können sie uns da nicht helfen?“, worden sie auch gleich von einem älteren Mann, dem Leiter der örtlichen Polizeistation, angesprochen. „Natürlich.“ Mit einer leichten Handbewegung ließ Anian eine große Regenwolke über dem Krater erscheinen und diese einen kräftigen Schauer abgeben. Nach nur wenigen Minuten kam kein Rauch mehr, so dass er die Wolke und das daraus gekommene Wasser wieder verschwinden ließ. „Was genau ist hier passiert?“, wollte er mit ernstem Blick wissen, während er sich die Unglücksstelle genau ansah. Der Krater maß etwa zehn mal zehn Meter und war gut drei Meter tief. Da musste eindeutig etwas Schweres eingeschlagen sein. „Das wissen wir leider auch nicht. Ich bin auch erst von dem Einschlag aufgewacht und bin dann hier her. Die anderen haben leider auch nichts mitbekommen“, gab der Leiter der Polizei von sich. „Es muss etwas Schweres gewesen sein, sonst wäre das Loch nicht so tief und so groß.“

Während sich die Erwachsenen unterhielten, umkreiste Amy immer noch fliegend das Trümmerfeld und entdeckte kurze Zeit später am Rand des Kraters, zwischen den Resten des Brunnens und des Fußbodens, etwas Glänzendes. Umgehend landete sie daneben und besah sich das Metallteil. „X-15“, murmelte sie leise, während sie die Aufschrift auf dem verbeulten Teil entzifferte. „Irgendwo habe ich das doch schon mal gelesen, irgendwo ...“ Mit einem Mal fiel es ihr wie Schuppen von den Augen und sie rannte um den Krater herum. „Meister Anian, ich weiß was passiert ist“, rief sie laut, so dass die beiden Herren ihr Gespräch unterbrachen und neugierig zu ihr sahen. „Was weißt du denn, junge Dame?“, wollte der Kommissar interessiert wissen. Er glaubte nicht daran, dass die junge Dame wirklich etwas wusste. Sie war ja auch erst mit dem Leiter der Schule, welcher gleichzeitig auch ihr Bürgermeister war, angekommen. „Ich habe ein Metallteil gefunden, auf welchem man noch X-15 lesen kann. Das hier war eine Weltraumrakete!“ Ungläubig sahen sich die Anwesenden an. „Eine was?“, mischte sich nun auch Ceron ein, welcher alles stillschweigend mitangehört hatte. „Eine Weltraumrakete, damit fliegen die Menschen ins Weltall. Über uns kreist eine große Raumstation, auf welcher einige Menschen arbeiten und alle paar Jahre werden neue hoch geschickt und alte werden wieder zur Erde geholt“, erklärte die junge Todesengel aufgeregt.

Sie konnte den anderen aber auch verstehen, denn dieser war erst seit Beginn des Schuljahres auf ihrer Schule und hatte vorher die Unterwelt niemals verlassen. Wie sollte er da dann wissen, was eine Weltraumrakete war? „Amy, du musst uns jetzt auch noch den Zusammenhang erklären“, meldete sich nun auch Meister Anian wieder zu Wort. „Ich habe vor ein paar Tagen im Fernsehen gesehen, dass die Menschen wieder eine Rakete zur Raumstation schicken wollten zum Austausch einiger Mannschaftsmitglieder. Und die Rakete, die sie im Fernsehen zeigten, hatte auf der Seite einen Namen, welcher mit X-15 endete. Ich bin mir ziemlich sicher, dass das hier diese Rakete ist“, beendete die Schwarzhaarige ihre Vermutung und sah die beiden Erwachsenen erwartend an. Wenn dies hier wirklich diese Rakete war, dann mussten sie nach Überlebenden suchen. „Kommissar, rufen sie die große Polizeidirektion an und berichten sie von dem Absturz. Vielleicht wissen die schon mehr.“ Eilig nickend machte sich der Angesprochene auf den Weg in sein Haus, um eben dieses zu tun.

„Und ihr geht zurück in die Schule. Der Unterricht morgen wird ausfallen, teilt das euren Zimmergenossen gleich mit und du Philip, machst einen Aushang im Speisesaal. Nach diesem Erlebnis würdet ihr euch doch sowieso nicht auf den Unterricht konzentrieren können und die anderen nur stören“, meinte Anian ernst und sah seine Schüler streng an. Diese verstanden sofort und machten sich artig auf den Rückweg zur Schule, während ihr Lehrer noch vor Ort blieb und auf die Rückkehr des Kommissars wartete. Eben dieser tauchte nach etwa einer viertel Stunde wieder auf. „Die Kollegen werden in etwa einer halben Stunde da sein, um die Unglücksstelle abzusichern und zu untersuchen. Der Marktplatz wird wohl für einige Tage gesperrt werden. Und noch etwas. Es war wirklich diese Rakete, die deine Schülerin erwähnt hat. Die Besatzung konnte sich aber rechtzeitig mit der Rettungskapsel raus sprengen und sie sind etwa 50km von hier entfernt sicher auf einem Acker gelandet. Der Rest der Rakete ist in der Umgebung verstreut“, gab der Ältere bereitwillig Auskunft, als er den fragenden Blick seines Bürgermeisters sah und konnte dabei seine Erleichterung nicht verbergen. Auch wenn sie die Besatzung nicht kannten, wollte wohl keiner von ihnen, dass irgendjemand zu Schaden kam und das am Ende noch Überreste hier im Krater gefunden wurden. Hier bei ihnen war wirklich nur ein Teil der Rakete gelandet. Dies würde noch für einige Jahre Gesprächsstoff in ihrer kleinen Stadt geben.
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