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Schneeengel

OneshotRomance, Schmerz/Trost / P12 / MaleSlash
06.12.2020
06.12.2020
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Das hier ist die zweite kleine Nikolaus Überraschung von mir. Schaut gerne auch bei der ersten rein - ein Joygi OS. :3

Ich hoffe, der OS gefällt euch und hinterlasst mir gerne etwas Kritik! ^-^



Seufzend starrte Hwang Yeji hinaus in das weiße Schneetreiben. Die sonst so farbenfrohe Welt war von einer dicken, weißen Schicht überzogen, die vereisten Blätter und Zweige der Bäume glitzerten verspielt und immer mehr kleine Flocken Schnee fanden ihren Weg vom Himmel zum Boden. Die Welt hatte sich über Nacht in eine bilderbuchartige Winterwunderlandschaft verwandelt und Yeji hasste es.

Die Beine an die Brust gezogen, hockte die Schwarzhaarige auf dem Fensterbrett und versuchte ihre zitternden Finger, an dem warmen Kakao in ihren Händen, zu wärmen. Ansonsten sah sie aus wie ein großer, lebendiger Deckenhaufen. In zwei warme Decken hatte sich Yeji Frostbeule gekuschelt, aus denen nur ihre Hände und ihr Kopf, mitsamt schwarzem Haarschopf und braunen schmalen Katzenaugen, hervor schaute.

Die tiefen Schatten unter ihren Augen sagten mehr als es Worte je gekonnt hätten. Sie, und die Tränen, die in Yejis Augen brannten. Dabei liebte sie die Weihnachtszeit doch eigentlich.

Ja, eigentlich. Aber heute war der sechste Dezember und auch wenn die scharfzüngige junge Frau normalerweise hervorragend allein zurecht kam, fühlte sie sich heute schrecklich einsam. Es war das erste Mal, dass sie die Weihnachtszeit allein verbrachte, nachdem sie dieses Jahr von zu Hause ausgezogen war. Und da sie leider hier ihre Verpflichtungen hatte und der Weg zu ihrer Familie zu weit war, fiel ein Besuch leider ins Wasser. Und ihre Freunde... Nun, entweder sie konnten dank eines kurzen Weges tatsächlich ihre Familie besuchen oder sie verbrachten diese eigentlich so schöne Zeit mit ihren Mitbewohnern oder Partnern und da störte Yeji wohl einfach nur.

Schniefend zog sie die Nase hoch und nippte an ihrem Kakao, der sie zwar wärmte, aber in der Einsamkeit nach nichts zu schmecken schien. Wie war es nur so weit gekommen, dass ausgerechnet sie heute so sentimental wurde? Es war doch nur ein verdammter Tag; ein wahlloses Datum. Es sollte ihre Gefühle nicht derart beeinflussen. Und doch fühlte sie die brennende Einsamkeit in ihrer Brust, als sie an die geputzten Stiefel in ihrem Schuhschrank dachte. Sie hatte sich nicht die Mühe gemacht, sie überhaupt hinaus zu stellen, das wäre vergebliche Liebesmühe.

Seufzend wandte sie den Blick vom Fenster ab und drehte ihren CD Player, aus dem laute Rockmusik schallte, noch lauter. Weihnachtsmusik hätte sie heute nur noch trauriger gemacht und nicht einmal die anderen Bewohner des Wohnhauses würden sich beschweren, immerhin waren alle verreist. Alle. Yeji konnte es nicht fassen. Nur sie saß alleine zu Hause und je öfter sie diesen Gedanken fasste (und das war ziemlich oft), umso schmerzhafter wurde es.

Frustriert schnaubte sie, als selbst der Kakao in ihrer Hand kalt geworden war. Heute funktionierte aber auch wirklich gar nichts! Sie schälte sich widerwillig aus ihrem Deckenhaufen, stellte das Getränk mit lautem Rums auf dem Küchentisch ab und wollte gerade wieder zurück huschen, als es an der Tür klingelte.

Verblüfft hielt Yeji in ihrer Bewegung inne. Ihr Blick schnellte Richtung Flur und im ersten Moment dachte sie, sich verhört zu haben, als es ein paar weitere Male klingelte. Wäre Yeji nicht so fassungslos gewesen, hätte sie über die Ungeduld ihres Besuches gekichert. So aber sprintete sie zur Tür, schlug sie auf, ohne darauf zu achten sich passendere Sachen als den riesigen roten Pullover, schwarze Leggings und die dunkelgrünen Kuschelsocken anzuziehen. Und dann starrte sie ins Nichts.

Yeji blinzelte verwirrt, weil niemand vor der Tür stand und versuchte die bittere Enttäuschung, die sich in ihr ausbreiten wollte, herunterzuschlucken. Da hatte sich wohl jemand einen Scherz mit ihr erlaubt! Sie wollte gerade mit schmerzendem Herzen die Tür vor sich zu knallen, als ihr Blick auf den Boden fiel und ihr Herz anfing vor Überraschung etwas schneller zu pochen.

Vor ihrer Haustür hatte jemand einen etwas schrägen Weihnachtsengel gemacht, in dessen Mitte ein abgerissenes weißes Blatt Paper lag - bereits ganz feucht und durchweicht. Durch, die im Schnee gut getarnte, Farbe hatte Yeji das Blatt und den Schneeengel erst übersehen. Auf Zehenspitzen hüpfte sie in Socken aus der Wohnung, schnappte sich das Blatt und huschte zurück auf die Türschwelle, um die schnell gekritzelten Zeilen darauf zu lesen.

Kein Engel wie du, sollte an so einem Tag, traurig aus dem Fenster starren!

Magst du vielleicht lieber mich besuchen kommen?

P.S: Schau mal aus dem Fenster!

Mit pochendem Herzen und einer Welle von Glückseligkeit, die sie überrollte, drehte sich Yeji um und eilte in ihre Wohnung.

Die Tür fiel knallend ins Schloss, sie rannte die Treppen hinauf in ihre Küche und starrte mit großen Augen aus dem Küchenfenster. Dort, im gegenüberliegendem Wohnhaus, war ein Fenster auf ihrer Höhe geöffnet und ein grinsendes Mädchen mit pinkem Haarschopf schaute heraus. Dazu strahlten ihre schönen, braunen Augen Yeji schüchtern an und sie hob  eine Hand, um ihr zögernd zuzuwinken.

Für einen Moment war Yeji wie erstarrt, doch dann nahm sie sich ein Herz, riss sich zusammen und lächelte dem Mädchen entgegen.

Die andere lächelte erleichtert zurück und ein roter Schimmer legte sich auf ihre Wangen, als sich Yeji umdrehte und sich strahlend auf den Weg in die andere Wohnung machte.

Vielleicht würde der Tag doch noch schön werden und sie bedankte sich still für dieses kleine Weihnachtswunder, dass sie an diesem Tag erleben durfte.
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