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Dämonenflüsterer

Kurzbeschreibung
GeschichteRomance, Liebesgeschichte / P16 / MaleSlash
Anthony J. Crowley Erziraphael
06.12.2020
30.05.2022
18
26.741
14
Alle Kapitel
33 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
19.01.2021 1.474
 
Guten Abend ihr Lieben,
gerade fliegen die Tage nur so an mir vorbei und ich sitze den ganzen Tag im Arbeitszimmer  und schwupp, sind schon 10 Tage vergangen und man hat nichts geupdatet. Entschuldigt, ich gelobe Besserung und hoffe, dass ich wieder zügiger update.
Erstmal ganz viel Spaß
Kitty

Kapitel 8 – geheime Geständnisse  



In fremden Federn

Kapitel IV



Einige Wochen waren bereits ins Land gezogen und die neue Nähe zwischen Engel und Dämon war nur noch enger geworden. Meist fanden sie sich im Hinterzimmer des Buchladens wieder, so wie es schon seit Jahrzehnten der Fall war. Allerdings trennte sie nicht länger die Distanz, die die ursprüngliche Wahl der Sitzplätze mit sich gebracht hatte. Arziraphale saß nicht mehr länger in seinem Lieblingssessel, in sicherer Entfernung zu seinem alten Weggefährten, Verbündeten, Freund. Nein, nun waren sie Liebende und ihre neuen Positionen auf dem ebenso alten Sofa zeigten genau diesen neuen Umstand. Ein winziges Wunder, niemand wusste genau, ob es dämonischer oder himmlischer Natur gewesen war, hatte den Umfang des Möbelstücks so angepasst, dass die zwei irdischen Hüllen der übernatürlichen Wesen bequem Platz fanden.

Ihr Leben war wundervoll unaufgeregt geworden. Der Engel lag auf dem Sofa ausgestreckt, seine Garderobe war, dem Anlass angemessen, ein wenig weniger offiziell, der Gehrock fehlte, die Arme seines Hemdes waren hochgekrempelt und gaben den Blick auf seine Unterarme frei. Trotz der gemütlichen Atmosphäre hatte er aber dennoch Prinzipien und er kam nicht umhin, diesen durch seine Fliege weiterhin treu zu bleiben. Dies hatte ihm ein entwaffnendes Lächeln des Dämons eingebracht, als dieser den etwas legereren Aufzug des Engels zum ersten Mal gesehen hatte und sein Blick an Hals des Engels hängen geblieben war.

Crowley lag halb auf ihm, halb zwischen seine Beine drapiert. Den Kopf hatte er an der hellen Brust abgelegt, die Beine beinahe kunstvoll um die Beine des Engels gewickelt. Dieser wunderte sich nicht zum ersten Mal, wie der Dämon es schaffte den irdischen Körper zu diesen Positionen bringen konnte, die scheinbar jeder physischen Einschränkung trotzten. Träge fuhr seine Hand über den Unterarm Arziraphales und er lauschte, wie so oft, der sanften Stimme des Engels, während dieser vorlas. Es war zu einer Gewohnheit geworden, dass Arziraphale Crowley an seiner aktuellen Lektüre teilhaben ließ und Crowley genoss diese neue Tradition. Es beruhigte ihn, dem ebenmäßigen Ton der Stimme des Engels zu folgen, die Bewegungen, die das Sprechen in dessen Körper erzeugte, unter seinem Kopf zu spüren. Das Lachen, dass die amüsanten Stellen des Buches in der Brust des Engels aufbauten, nicht nur zu sehen und zu hören, sondern es auch zu fühlen.

Für Arziraphale waren diese Stunden himmlischer, als der Himmel selbst jemals hätten sein können. Das Gewicht des Wesens, dass er liebte, auf seinem Körper, die Wärme, die davon ausging, das federleichte Streichen der langen Finger an seinem Unterarm… es war absolut perfekt. Meist suchte er Bücher aus, die er so gut kannte, dass er kaum noch ins Buch sehen musste, um sie zu lesen, es war mehr ein Rezitieren. Viel zu verlockend war die Möglichkeit Crowley von dieser erhabenen Position in Ruhe zu beobachten, dieses Gesicht, frei von den Versuchen wie ein Dämon auszusehen, zu betrachten, die feinen Gesichtszüge zu erkunden. Jede einzelne Facette, die das Licht im roten Haar vor ihm zeichnete, zu erkennen und in seinen Gedanken zu verankern. Bei Gott, er liebte dieses Wesen und egal wie viele große Literaten er auch las, wie viele Gedichte er verschlang, so waren doch alle Worte dieser Welt kaum stark genug, um dies auch nur ansatzweise angemessen auszudrücken.  

Crowley wurde sich der Tatsache bewusst, dass die Stimme nicht länger die Stille durchschnitt und dass diese überaus bequeme Unterlage, die seinen Kopf beherbergte, ein wenig in Bewegung kam. Dann folgte eine Spur federleichter Küsse auf seinem Kopf, die ihm ein Lächeln auf das Gesicht zauberte, ohne dass er es hätte verhindern können. „Was tust du da, Engel?“, wollte er wissen. „Mir fiel nur gerade wieder einmal auf, wie sehr ich dich liebe, Crowley.“



Arziraphale hatte das Gefühl, seine Gedanken, die zu Geschichten wurden, flößen einfach so aus ihm heraus. Es geschah völlig ohne Anstrengung und oft hatte er am Ende eines Kapitels den Eindruck, dass er es noch nicht mal in direktem Bewusstsein tat, es war ein beinahe meditativer Prozess, in dem er schlichtweg das formulierte, was sein Innerstes bewegte und ersehnte.

Er war gespannt auf die Reaktion des DämonischenAlptraums und deswegen wartete er auch nicht länger, sondern lud das Kapitel unmittelbar nach Fertigstellung hoch. Der Engel hoffte sehr, dass dieser besondere Leser zufrieden sein würde, auch wenn er ihn überhaupt nicht persönlich kannte, und dessen Meinung ihm eigentlich recht egal sein konnte. Doch aus nicht vernünftig nachvollziehbaren Gründen, war es ihm ganz und gar nicht egal, was der Mensch von seinen Geschichten hielt.

Um sich ein wenig vom erwartungsvollen Warten auf eine Antwort, wie auch immer sie ausfallen würde, abzulenken, entschied er sich, dass seinem irdischen Körper ebenso wie seinem himmlischen, leicht erhitzten Gemüt ein wenig frische Luft guttun würde. Also legte er einen der Jahreszeit angemessenen Mantel um, schloss den Laden, der sowieso nur zum Alibi geöffnet gewesen war, gänzlich und trat hinaus in das belebte Treiben Sohos.

Wie hunderte Male zuvor schlenderte er durch die vielen kleinen Straßen seines Viertels, vorbei an unzähligen bekannten Geschäften und den immer wieder neu hinzukommenden Läden. Er liebte dieses bunte Durcheinander. Seine Schritte führten ihn automatisch in die Richtung wo Soho an Mayfair grenzte. Hier wurde die Umgebung ein wenig gediegener, die Häuser größer, die Stimmung weniger quirlig. Große Prachtbauten säumten die Straßen. Edel und erhaben. Crowley hätte sich kaum einen besseren Standort für sein Quartier in London aussuchen können, fand Arziraphale. Mayfair passte einfach perfekt zu dem Dämon. Beide teilten die gleiche Schönheit, Erhabenheit und nicht zuletzt die Ruhe, die beides auf den Engel ausübte, wann immer er sich in der Nähe des einen oder des anderen befand.

Das Schreiben hatte das Denken Arziraphales massiv verändert, stellte er mit steigendem Bewusstsein immer mehr fest. Gedanken, die er sich lange verboten hatte, drangen immer häufiger an die Oberfläche und wurden in Worte gefasst. Aber es blieb nicht nur beim Formulieren dieser Geschichten. Der Dämon beherrschte mittlerweile auch abseits des Schreibens einen Großteil der Gedanken des Engels. Dieser war sich manchmal nicht so sicher, ob das nun ein Fluch oder eher ein Segen für ihn darstellte. Auf der einen Seite war es überaus befreiend, seine Wünsche zumindest in Gedanken zuzulassen und in Worte zu formulieren. Auf der anderen Seite geißelten ihn diese ausführlichen gedanklichen Ausschweifungen aber auch massiv. Die Diskrepanz zwischen Wünschen und Realität waren manchmal nicht leicht zu ertragen und besonders, wenn er eine besonders emotionale Situation beschrieben hatte, fiel es ihm schwer wieder in die Realität aufzutauchen und die Grenzen dahin zurück zu rücken, wo sie sich seit Jahrtausenden befanden.

Beinahe meinte er das Gefühl der roten Haare zwischen seinen Fingern spüren zu können, also zumindest die Vorstellung, wie er glaubte, dass es sich anfühlen könnte, wenn er seine Hände durch die Haare des Dämons führen würde. Fast bedauerte er, dass diese mittlerweile doch recht kurz waren. Natürlich war auch diese Frisur Crowleys, wie alle, bis auf wenige Ausnahmen, die 70er waren hart gewesen, nahezu perfekt auf dessen irdische Hülle abgestimmt. Aber wenn der Engel ehrlich zu sich war, hatte er die langen Haare, wie der Dämon sie zu Beginn ihrer Zeit auf der Erde getragen hatte, sehr geschätzt. Die langen, sanft fallenden Wellen, das satte Rot, welches die Strahlen der Sonne und das Scheinen des Mondes einfing, wie sonst kaum etwas Sichtbares auf dieser Erde. Viele Tausend Male hatte Arziraphale versucht die verschiedenen Töne, die in dem Haar changierten zu kartographieren und jedes Mal, wenn er dachte, nun müsste er endlich alle gesehen haben, wurde er bei ihrer nächsten Begegnung eines Besseren belehrt.  Wie sehr hatte es ihn gefreut, seinen ältesten Freund zu Beginn der 2000er wieder mit längeren Haaren zu erblicken, als sie sich in einem der vielen roten Busse Londons getroffen hatten. Der damaligen Mode gemäß trug Crowley sein Haar etwa schulterlang, einen Teil zu einem dieser modischen kleinen Knoten gebunden.

Völlig in Gedanken versunken fand der Engel sich plötzlich vor dem Häuserblock wieder, in dem Crowley residierte. Wenn er schon einmal hier war, so dachte er sich, könnte er ja schauen, ob der dieser nicht zufällig für ein spontanes Mittagessen zu haben wäre.  

Er klingelte und hörte nur Sekunden später die bekannte Stimme durch die Gegensprechanlage. „Ja?“, tönte es reichlich genervt. „Hallo Crowley, ich bin es. Ich war durch Zufall in der Nähe und dachte, wir könnten vielleicht Essen gehen. Also natürlich nur, wenn du nichts Besseres zu tun hast.“ „Ngr, Engel. Natürlich. Bin in zwei Minuten bei dir.“ Arziraphale hörte das Knacken, mit dem die Verbindung der Gegensprechanlage getrennt wurde und wurde sich des breiten Lächelns in seinem Gesicht bewusst, die Vorfreude auf das spontane Treffen wärmte seine Brust.
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