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Dämonenflüsterer

Kurzbeschreibung
GeschichteRomance, Liebesgeschichte / P16 / MaleSlash
Anthony J. Crowley Erziraphael
06.12.2020
30.05.2022
18
26.741
14
Alle Kapitel
33 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
03.01.2021 1.516
 
Hallo alle,
ich hoffe, dass ihr alle einen wundervollen Start in das neue Jahr hattet, was uns allen hoffentlich ein wenig mehr Normalität bescheren wird.
Genießt das neue Kapitel :)


Kapitel 6 - Ablenkung


Arziraphale saß, wie die meiste Zeit in den letzten Wochen an seinem Laptop und schrieb. Heute erst hatte er eine Nachricht von DeinDämonischerAlbtraum666 erhalten, die ihn, trotz ihrer Kürze, sehr erfreut hatte. Natürlich waren es bei weitem nicht die üblichen Lobpreisungen gewesen, die ihn von den anderen Lesern meist erreichten, aber irgendwie hatte Arziraphale das dringende Bedürfnis gehabt, gerade diesen Unbekannten umzustimmen. Ohne ihn zu kennen, maß er der kritischen Meinung dieser Person, er ging aufgrund des Pseudonyms davon aus, dass es sich um einen Mann handelte, doch eine besondere Wichtigkeit zu. Aus irgendeinem Grund war es ihm wichtig, dass dieser Mann mochte, was er schrieb. Vielleicht war es eine Art Wettbewerb, den er mit sich selbst austrug, aber er wollte gerade von diesem Menschen ein positives Feedback. Seine anderen Leser mochten so ziemlich alles, was er produzierte, nicht aber dieser spezielle. Dieser schien wirklich kritisch zu hinterfragen und das gefiel Arziraphale. Er selbst war oft nicht mutig gewesen Fragen zu stellen, vermutlich imponierte ihm dieses Verhalten daher so sehr. Seine Antwort war dementsprechend euphorisch ausgefallen und er hatte versucht offene Fragen zu formulieren, um die ein oder andere Antwort zu provozieren. Diese Nuss wollte definitiv geknackt werden.

Plötzlich wurde die Tür zum Buchladen aufgestoßen. Arziraphale blickte ergeben nach oben, Kunden konnten wirklich enervierend sein. Er erhob sich von seinem Arbeitsplatz und wollte gerade seinen üblichen Platz hinter dem Verkaufstresen einnehmen, um den Eindringling möglichst charmant zum zügigen Gehen zu bewegen, als er die bekannte Silhouette ausmachte. Groß, schlank, gehüllt in schwarze Kleidung, das rote Haar ein wenig wild frisiert, lehnte Crowley an eben diesem Tresen und grinste den Engel an. „Hey, Engel. Ich dachte, ich schaue mal vorbei.“ „Oh Crowley, mein Lieber, wie schön dich zu sehen. Warum stehst du hier im Laden herum? Komm doch mit ins Hinterzimmer und mach es dir gemütlich, ich mache uns eine Tasse Tee.“, damit verschwand der Engel auch wieder, sorgte mit einem Schnipsen dafür, dass sein Laptop keine verräterischen Dinge auf dem Desktop aufwies, sicher war sicher, und ging weiter in die Küche, um Tee zuzubereiten.

Währenddessen fläzte sich Crowley in bester Manier auf das Sofa, wie er es seit seinem ersten Besuch in dem Buchladen bereits tat. Mit dem Wissen, dass der Engel noch eine kurze Weile beschäftigt war, gestattete er sich, ein wenig nervös mit seiner Sonnenbrille zu spielen. Die Gedanken an die Geschichte des Dämonenflüsterers ließen sich nicht so einfach abschütteln und so war es ihm nur schwer möglich die Handlungen des fiktiven Engels nicht auf die des realen zu übertragen. Er hätte Einiges darum gegeben von Arziraphale so begrüßt zu werden, wie es in den Geschichten immer wieder geschah, aber das war natürlich völlig vermessen. Dieses Wesen war weiter weg von diesen Dingen als die Erde von Alpha Centauri und Crowley hatte sich oft genug die Finger verbrannt, um es noch weitere Male darauf anzulegen. Aber trotz allem ließen sich diese Gedanken nicht mehr so leicht zurückdrängen. Vielleicht war das auch einer der Gründe, warum er die Geschichten, in denen Arziraphale derart körperlich auftrat, so sehr hasste. Sie hielten ihm immer und immer wieder vor, war er ersehnte, aber natürlich nie erhalten würde. Der Engel machte sich nichts aus diesen Dingen und wer wäre er, sich ihm in irgendeiner Weise unangemessen zu nähern. Natürlich war er ein Dämon, er war gemacht aus Verführung und ein Wesen der Lust. Also, das war wohl mal seine ursprüngliche Bestimmung gewesen, bevor er es auf ganzer Linie verkackt hatte und ein liebeskrankes Herz entwickelt hatte.

Crowley schnaufte ob dieser für einen Dämon recht erbärmlichen Entwicklung. Aber wenn er ehrlich zu sich war, war es genau das. Diese Geschichten rissen Wunden auf, die er nur zu gern ignorierte. Die neueren Kapitel schmerzten nicht weniger, aber es fühlte sich trotzdem anders an. Es war einfacher zu ertragen, vielleicht weil diese Art der Liebe, die dort beschrieben wurde, viel eher mit dem Wesen des Engels zu vereinbaren war. Vielleicht war es auch einfach dieses verräterische Herz, was sich diese Art des Zusammenseins noch mehr wünschte und so seine Wut bändigte.

Arziraphale kehrte mit einem Tablett mit Tassen, einer Teekanne und natürlich einigen Keksen zurück, servierte selbigen und setzte sich in seinen üblichen Sessel. „Was verschafft mir das Vergnügen, mein Lieber? Du warst einige Tage quasi vom Erdboden verschluckt. Hattest du viel zu tun?“, wollte der Engel wissen und knabberte an einem Keks. „Ach du weißt, wie das ist, ein Dämon von Welt hat immer etwas zu tun.“ „Hm, so etwas dachte ich mir schon. Hast du eigentlich schon etwas von unserem neuen Freund gehört?“, versuchte Arziraphale vorsichtig die für ihn wichtigen Informationen zu erfahren. „Nrg, welcher Freund, Engel?“ „Nun ja, dieser junge Autor, der deinen Zorn heraufbeschworen hat. Hast du bereits etwas über ihn in Erfahrung gebracht?“, Arziraphale schob einen weiteren Keks in seinen Mund. „Jupp, ich habe tatsächlich versucht etwas herauszufinden. Hab‘ versucht die IP-Adresse herauszufinden, damit wäre es ein Leichtes gewesen den Standort zu ermitteln. Hat nicht funktioniert. Die Technik hat sich offensichtlich gegen mich verschworen, trotz des ein oder anderen dämonischen Wunders. Meine Zunft hat offensichtlich ein wenig zu gut gearbeitet in diesem Metier. Aber ich bleibe dran, Engel.“ „Oh, wie… erfreulich, mein Lieber. Aber bitte, mühe dich nicht zu sehr. So schlimm ist es schließlich auch wieder nicht. Wirklich, es macht mir nicht so viel aus, also bitte nimm‘ es nicht so ernst.“, versuchte der Engel zu beschwichtigen in der Hoffnung, dass Crowley seine Bestrebungen aufgeben möge. „Was auch immer du meinst, Engel.“, wiegelte Crowley ab. Um ehrlich zu sein, war er sich gerade gar nicht so sicher, was er über diese Person in Erfahrung bringen wollte, aber das musste der Engel gerade nicht wissen, es würde nur Fragen nach sich ziehen, wenn er seine Meinung so plötzlich ändern würde.

Also tat er das, was auf jeden Fall für eine angemessen Ablenkung bei seinem Engel sorgen würde. „Was hältst du von einem frühen Dinner, Engel? Wir könnten ins Ritz gehen oder worauf auch immer du Lust hast. Sushi vielleicht?“ „Oh, wie aufmerksam von dir mein Lieber. Ich könnte tatsächlich einen Happen vertragen und ich würde mich freuen, wenn du mich begleiten würdest.“, der Engel schenkte ihm eines dieser besonderen Lächeln, welches immer kleine Gewitter in seinem Inneren auslösten und bei denen der Engel förmlich zu strahlen schien. Mieses, verräterisches Herz.



Und so fanden sie sich einige Zeit später in einem der Lieblingsrestaurants des Engels wieder. Arziraphale arbeitete sich genießend durch mehrere Gänge, während Crowley ein exzellentes Glas Wein nach dem anderen vertilgte. Die Töne, die den Genuss des Engels begleiteten, brachten ihn fast um den Verstand. Und wieder vermischten sich der Geschichten-Arziraphale mit dem realen Engel. „Ist alles in Ordnung bei dir, mein Lieber? Kann ich dir etwas anbieten? Die Crêpes Suzette sind ganz vorzüglich. Du solltest sie probieren.“, und dann hob er die Gabel mit einer kleinen Menge des besagten Desserts in die Nähe des Mundes des Dämons. Was, zur …zum Hi… zu wem auch immer, tat dieser Engel denn nun schon wieder?!? Er hat keine Ahnung, was er da gerade auslöst. Und da schmeckte Crowley bereits den süßen Teig, die fruchtigen Orangen und das etwas herbe Aroma des Orangenlikörs. Völlig überrumpelt riss er die Augen auf, so weit, dass sie beinahe über die Ränder der dunklen Gläser seiner Brille hinaus ragten. Und alles, was er erntete, war ein belustigtes Zupfen an den Mundwinkeln des Engels, welches überaus selbstgefällig wirkte. Geschlagen kaute er sein Stück des Crêpe. „Und, schmeckt es nicht ganz außergewöhnlich? Sie sind fast so gut, wie die, die ich damals in Paris hatte.“, kicherte Arziraphale. Die offensichtliche Irritation des Dämons nutzend, bohrte Arziraphale erneut nach. Es war ihm wirklich daran gelegen herauszufinden, was der Dämon in Sachen des Dämonenflüsterers im Schilde führte. „Und mein Lieber, was planst du denn nun in Bezug auf diesen kreativen Kopf?“ Verdammt, wieso wollte der Engel das unbedingt wissen?!? Dieser kleine Bastard. Was sollte er denn nun sagen? Dass er sich gar nicht mehr so sicher war, was er eigentlich wollte? Dass er sich nicht mehr sicher war, ob er den Schreiberling stoppen wollte? Dass ihm die letzten beiden Kapitel in der Tiefe seiner nicht mehr ganz so dämonischen Seele eigentlich ganz gut gefallen hatten. Arziraphale wartete äußerlich ruhig darauf, dass der Dämon vor ihm die Sprache wiederfand. „Nrg, dämonisches Zeug eben. Vielleicht schleiche ich mich in dieses Forum und versuche sein Vertrauen zu wecken.“ Das war gut, es war sicheres Terrain. Dass er bereits in Kontakt getreten war, ließ er geschickt unter den Tisch fallen. „Aber versprich mir bitte, dass du nicht allzu rüde mit diesem armen Kerl umgehst. Ich kann mir nicht vorstellen, dass er es böse meint, mein Lieber.“, damit beendete er den letzten Gang seines Menüs. „Was meint du, wollen wir noch ein wenig spazieren gehen? Das Wetter ist ganz passabel.“, schlug Arziraphale vor. Und nachdem sie die zugegeben recht opulente Rechnung gezahlt hatten, taten sie genau das.
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