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Dämonenflüsterer

Kurzbeschreibung
GeschichteRomance, Liebesgeschichte / P16 / MaleSlash
Anthony J. Crowley Erziraphael
06.12.2020
30.05.2022
18
26.741
14
Alle Kapitel
33 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
11.04.2021 1.289
 
Hallo ihr Lieben,
da viel mir doch auf, dass ich hier furchtbar lange nicht geupdatet habe... Asche auf mein Haupt.
Ich wünsche euch ganz viel Spaß!

Macht's euch nett
Kitty


Kapitel 14 Dem Wahnsinn nahe


Wie er diesen Tag in der Therme überstanden hatte, vermochte Arziraphale im Nachhinein kaum mehr zu rekonstruieren. Die Episode mit diesen zwei überaus unangenehmen Damen war schließlich nur der Anfang seiner persönlichen Hölle gewesen. Offensichtlich musste der Himmel doch eine neue Vendetta gegen ihn gestartet haben. Anders konnte er es sich beim besten Willen nicht erklären, dass das das Ergebnis war, wenn er mit dem Dämon einen entspannten Tag in der Therme verbringen wollte.

Arziraphale drehte nun seit gefühlten Stunden unruhige Kreise durch den Buchladen, versuchte seine Nerven zu beruhigen und seine verräterischen Gedanken zu zügeln. Er konnte das Gewicht des dämonischen Körpers an seine Seite gepresst beinahe noch spüren, obwohl bereits mehrere Tage vergangen waren, und sie sich seitdem nicht mehr gesehen hatten. Jeden einzelnen schlanken Muskel, der sich unter der glatten Haut abzeichnete, jede knochige Kante, die sich in seine weiche Seite gebohrt hatte. Und dieser verlockende Duft… es war zum Haare raufen. Unweigerlich glitten seine Erinnerungen an das Gefühl der fünf schlanken Finger, die sich bestimmt auf seinen unteren Rücken gelegt hatten, nur noch knapp im Bereich des Schicklichen. Wie ihn diese Hand recht bestimmt in Position gehalten hatte, sodass Crowley tun konnte, was immer er sich da überlegt hatte, um diese Situation, in dämonischer Manier, zu lösen.

Arziraphale musste zugeben, dass er, nachdem er sich vom ersten Schock erholt hatte, die Situation auf eine merkwürdige Art doch auch irgendwie genossen hatte. Wenn er ehrlich zu sich selbst war, war es doch genau das gewesen, war er sich doch erwünschte, ohne den Mut zu besitzen es in der Realität zu starten. Aber die possessive Art des Dämons hatte ihm doch reichlich imponiert. Und auch, dass er es offensichtlich für nötig erachtet hatte, die Ehre des Engels wieder herzustellen, in dem er sich derart offen zu ihm bekannt hatte und eine Liebesbeziehung mit ihm vorgetäuscht hatte, um diese beiden dummen Gänse in ihre Schranken zu weisen, entlockte Arziraphale neben einer warmen Röte, die in seinem Gesicht aufstieg, ein ziemlich unengelhaftes Grinsen.

Doch nun, in der Retrospektive betrachtet, war das nur der Anfang vom Ende seines Versuchs um Entspannung gewesen, denn nachdem Arziraphale nach einigen Anläufen seinen leicht hormongesteuerten menschlichen Körper wieder unter Kontrolle gebracht hatte, hatte sein dämonischer Badepartner das nächste Feuerwerk an diesem Tag zünden wollen und ihm freudestrahlend den Plan unterbreitet, nun eine der zahlreichen Saunen der Therme aufsuchen zu wollen. Arziraphale hatte in dem Moment, als er diese Idee hörte, gewusst, dass das Ganze nur in einem kleinen Drama würde gipfeln können. Es war völlig ausgeschlossen gewesen, dass dies keine Tortur für ihn werden würde, denn er hatte natürlich ganz genau gewusst, was der Besuch einer Sauna bedeutete – nackte, erhitzte Haut, ein dämonischer Körper, dem er nur schwerlich widerstehen konnte, ausgebreitet auf einer der Holzbänke, gerötete Wangen – Oh Hi… Höl… wer auch immer, möge ihm beistehen. Aber wie hätte Arziraphale verhindern sollen, wofür sie doch hergekommen waren. Einmal mehr hatte er sich dafür gescholten, dass er so unbedarft reagiert hatte, er hätte besser überdenken sollen, was ein Besuch in der Therme wirklich bedeutete.

Aber ein „Nein“ war völlig inakzeptabel gewesen und so war er den schwingenden Hüften seiner persönlichen Folter in Richtung des Saunabereichs hinterher getrottet, beider Handtücher tragend, da Crowley für solche weltlichen Tätigkeiten scheinbar gerade nicht empfänglich gewesen war.

Selbst nun spürte Arziraphale beim bloßen Gedanken an das, was dann folgte, die Hitze erneut durch seinen Körper fahren. Der Dämon hatte es sich nämlich ganz offensichtlich zur Chefsache erklärt, den Engel in möglichst viele prekäre Situationen zu bringen und hielt schlichtweg nichts davon, das Entledigen seiner Schwimmbekleidung subtil zu vollziehen. Nein, kurz bevor der textilfreie Bereich begonnen hätte, hatte sich Crowley zu ihm umgedreht und kurz die Umgebung sondiert. Als er festgestellt hatte, dass keine Menschen durch sein kleines Wunder irritiert hätten sein können, war ein leises Schnipsen zu vernehmen gewesen und schon stand er dort, wie Go.. Sat… wer auch immer ihm diesen Körper geschenkt hatte. Arziraphale hatte dort gestanden, zur sprichwörtlichen Salzsäule erstarrt… und natürlich nur ein ganz kleines Bisschen geguckt. „Erde an Engel, Erde an Engel! Wäre es zu viel verlangt, wenn du mir mein Handtuch reichen würdest?“, hatte sich schließlich die amüsierte Stimme Crowleys nebst ein paar weiteren Schnipsgeräuschen, die durch das Fuchteln einer Hand vor Arziraphales Gesicht hervorgerufen worden waren, durch den Nebel, der das Hirn des Engels verhüllte, gebahnt. „Hrm, natürlich, Crowley.“, die Stimme war nicht mehr als ein raues Räuspern gewesen, da Arziraphales Mund mit einem Mal der Wüste Gobi geglichen hatte. Wenig elegant, dafür aber sehr hastig, hatte er eines der Handtücher an den Dämon übergeben, in der Hoffnung, er möge diesen Anblick für die Götter schleunigst verhüllen. Arziraphale war derart abgelenkt gewesen, dass er noch nicht einmal, seiner eigentlichen Gewohnheit nach, Crowley für seine unangebrachten Wundereien gerügt hatte.

„Komm schon, Engel. Ich muss mich dringend aufwärmen. Du weißt, dass es mir schwer fällt meine Körpertemperatur selbst zu halten… Schlangendasein… und so...“, hatte Crowley daraufhin unerträglich fröhlich geflötet. „Es könnte vielleicht daran liegen, dass du keine Hosen mehr trägst.“, hatte der Engel gemurmelt, was Crowley aber offensichtlich schon nicht mehr registriert hatte, denn er war schon durch eine Tür in einen undurchdringbaren Nebel entschwunden.

Die Erinnerung daran, welcher Anblick sich Arziraphale geboten hatte, sobald auch er diese Wand aus Nebel durchdrungen hatte, ließ ihn auch jetzt noch leise aufstöhnen. Als der weiße Vorhang sich gelichtet hatte, hatte sich Arziraphale mit der Rückseite des Dämons konfrontiert gesehen, der es sich bereits, auf dem Bauch liegend, gemütlich gemacht hatte. Natürlich, alles andere wäre dem Dämon auch überhaupt nicht angemessen gewesen, hatte sich der auserkorene Platz dieser Schlange gänzlich zentral in der Sauna befunden, sodass es für Arziraphale keine Möglichkeit gegeben hatte, sich zu platzieren, ohne ihn permanent ansehen zu müssen. Und so war ihm die nächsten zwanzig Minuten nichts anderes übriggeblieben, als das sanfte Auf und Ab der verführerischen Waden und dieses verführerischen Hinterns zu verfolgen. Immer wieder hatte er sich, peinlich berührt, dabei erwischt, wie er einzelne Scheißtropfen verfolgte, die sich ihren Weg vom dämonischen Nacken zwischen den scharfen Kanten der Schulterblätter hindurch gebahnt hatten. Nur um schließlich an den feinen Mustern, die die Sommersprossen auf eben jenen Schultern bildeten, hängen zu bleiben. Arziraphale war recht sicher, dass an dieser Stelle des dämonischen Körpers noch immer der himmlische Ursprung dieses Wesens vor ihm zu erkennen war. Ein letzter Verweis auf Crowleys Partizipation in der himmlischen Schöpfung in Form von Abbildern der Sternenformationen aus Sommersprossen.

Er fuhr sich mit der Hand ergeben über die Augen, in dem verzweifelten Versuch diese Bilder von Crowley, der sich auf einer der Saunabänke drapiert hatte, selten hatte er die pure Versuchung, die er nun mal war, derart ausgefüllt, wie in diesem Moment. Diese neuen Erfahrungen wollten verarbeitet werden wie könnte das besser funktionieren, als sich den Frust von der Seele zu schreiben.

Ein Optimismus, der eines Engels des Herrn endlich mal wieder alle Ehre machte, ließ ihn dann endlich produktiv werden. Er wunderte sich noch flux eine frische Tasse Tee und machte es sich vor seinem PC gemütlich. Immerhin hatte er ja noch eine kleine Herausforderung, die auf ihn wartete. Sein besonderer Freund hatte ihn ja förmlich provoziert, in dem er Crowley als derart gefährliches Wesen dargestellt hatte respektive den Engel selbst als naiv. Mit dem neuen Kapitel würde Arziraphale beide Vorbehalte fortwischen. Er freute sich bereits auf die Antwort des dämonischen Alptraums, in dem er den Engel um Entschuldigung bitten würde. Fast meinte er die Stimme des Dämons zu hören, der etwas von ‚Bastard genug, um ihn kennen zu wollen‘ säuselte.
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