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Dämonenflüsterer

GeschichteRomance, Liebesgeschichte / P16 / MaleSlash
Anthony J. Crowley Erziraphael
06.12.2020
04.05.2021
15
22.491
8
Alle Kapitel
30 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 
06.12.2020 1.228
 
Kapitel 1 – Dämonenflüsterer



Dampfend stand eine heiße Tasse Tee neben seinem Laptop. Die kleinen Wölkchen kräuselten sich kurz in der Luft und verschwanden dann schließlich. Er griff nach der Tasse und nahm genießend einen Schluck Tee. Wie jeden Tag in der letzten Zeit saß er an seinem Schreibtisch und verbrachte bereits einige Stunden auf einer ihm mittlerweile gut bekannten Website. Gerade las er sich durch die neusten Nachrichten, die ihn erreicht hatten.



***Lieber Dämonenflüsterer,
ich war so gespannt auf das neue Kapitel. Und natürlich hast du mich nicht enttäuscht. Du bist wirklich ein Meister der Worte. Ich kenne kaum jemanden, der es schafft diese prickelnde Leidenschaft zwischen den Beiden so packend in Worte zu fassen wie du. Meine Güte, wie sehr ich mir wünsche selbst einmal in einer ähnlichen Situation zu sein, wie du sie kreierst. Danke dafür. Ich hänge am Bildschirm und lechze darauf, dass du das nächste Kapitel hochlädst.
LG Angelgirl***



***Oh mein Gott, ich kann nicht mehr. Du machst mich wirklich fertig. Ich bin verliebt in beide deiner Hauptpersonen gleichzeitig. Wie sehr kann man denn bitte aufeinander abfahren??? Harry und Sally, Jack und Rose, Romeo und Julia, alle Traumpaare dieser Welt können einpacken!
Mache bitte auf jeden Fall so weiter!
Deine MissFell***



***Oh zauberhafter Dämonengeflüster,
wie ungewöhnlich, dass ein Mann solche empfindsamen Worte findet. Eine Menge deiner Leserinnen würden dich vermutlich vom Fleck weg heiraten. Du musst der Traum einer jeden von ihnen hier sein.
Das war ein traumhaftes Kapitel und ich kann es kaum erwarten zu erfahren, wie es weitergeht.
VG DesDämonsFetteBeute86***



Das neueste Kapitel seiner Fanfiktion schien besonders gut angekommen zu sein. Aufgeregt las er sich durch die Kommentare, die seine mittlerweile recht zahlreichen regelmäßigen Leser ihm hinterlassen hatten. Das warme Gefühl in seiner Brust steigerte sich von Kommentar zu Kommentar. Dass fremde Menschen bereit waren so viel Liebe zu geben, machte ihn ganz freudentrunken. Keinen dieser wunderbaren Menschen kannte er in der Realität und trotz allem fühlte er sich ihnen so nah, wie es nur selten vorkam.



Als er angefangen hatte sich auf dieser Plattform zu tummeln, hatte er überhaupt nicht den Plan gehabt, selbst etwas zu veröffentlichen, vielmehr war er durch Zufall darauf gestoßen, kurz nachdem er sich einen Laptop angeschafft hatte und die weite Welt des Internets erkundet hatte. Zuerst hatte er sich gebannt durch die vielen Geschichten der unterschiedlichsten Fandoms gelesen, begeistert von der Kreativität und Liebe, mit der diese Menschen ihre Arbeiten anfertigten. Irgendwann war er auf eines gestoßen, dass sein Interesse sehr schnell geweckt hatte, als er es einmal entdeckt hatte. Auch hier hatte er die geistigen Ergüsse der anderen Autoren, bibliophil wie er nun mal war, verschlungen. Und je mehr er eintauchte in diese fantasievollen Geschichten, desto mehr hatte es in den eigenen Fingern gejuckt, sich selbst schriftstellerisch zu betätigen. Wenn so viele Menschen auf dieser Plattform so wundervolle Dinge schaffen konnten, wieso sollte er es nicht selbst auf einmal versuchen.

An einem besonders ungemütlichen Sonntagnachmittag, an dem man sprichwörtlich nicht einmal seinen Hund vor die Tür schicken würde, hatte er sich schließlich überwunden und einen Account erstellt und eine erste, noch sehr kurze Geschichte (kurz danach hatte er gelernt, dass es sich wohl um einen sogenannten Oneshot gehandelt hatte) war ihm wie von selbst von der Hand gegangen.

Seitdem hatte es sein Account „Dämonenflüsterer“ auf eine respektable Anzahl an regelmäßigen Lesern gebracht, die mit Argusaugen auf die Updates lauerten und ihn mit vielen, herzlichen Worten verwöhnten. Ein Gefühl, dass schnell zu einer heimlichen Leidenschaft, ähnlich einer Sucht wurde. Und so wurden in beinahe jeder freien Minute weitere Kapitel geschrieben, denn Inspiration hatte er, weiß Gott, genug.


Ein weiterer Kommentar erschien auf dem Bildschirm. Er musste gerade erst abgeschickt worden sein. Wie immer erfüllte ihn das Gefühl der Vorfreude auf die kommenden Worte. Er klickte das Alarmzeichen an und die Website mit den Nachrichten baute sich aktualisiert vor seinen Augen auf.



***Du erbärmlicher Wicht! Wie kannst du es nur wagen, dieses wundervolle Wesen mit deinem beschämenden Geschreibsel zu beleidigen?!? Engel haben KEINEN Sex! Sie reden nicht darüber! Sie denken auch nicht daran! Tu uns allen einen Gefallen und krieche in das Loch zurück, aus dem du gekrochen kamst.
DeinDämonischerAlbtraum666***



Er schnappte ein paar Mal nach Luft. Das kam überraschend. Er war nicht daran gewöhnt, dass jemand so mit ihm sprach. Er erinnerte sich tatsächlich an kein einziges Mal, dass er derart barsch angegangen worden war. Natürlich gab es Meinungsverschiedenheiten, vielleicht sogar kleinere Konflikte, zum Beispiel mit Bekannten oder Kollegen, aber diese hatten sich nicht so ungehobelt ausgedrückt. Doch es entsprach nicht seinem Naturell ebenso rüde auf eine solche Nachricht zu reagieren. Viel mehr wollte er wissen, wieso dieser arme Tor so aufgebracht war, vielleicht ließe sich das Elend ja ein wenig lindern. Und so schrieb er eine, wie er fand, wirklich aufmunternde Nachricht an DeinDämonischerAlbtraum666.



***Lieber Freund, es erschüttert mich zu lesen, dass meine Geschichte dich augenscheinlich so erzürnt hat. Dies war, weiß Gott, nicht meine Absicht. Vielmehr schrieb ich diese Zeilen, um meine Leser zu erfreuen. Und mich vielleicht auf ein klein wenig. 0:)
Ganz nebenbei kann ich mir nicht vorstellen, dass ein Engel eine Form der Liebe, egal wie sie sich auch äußert, verteufeln würde. Engel, als Wesen gemacht aus Liebe, sind dazu meiner Meinung nach gar nicht in der Lage, sie lieben einfach. Bitte verzeih‘, wenn ich dich beleidigt habe, es war nicht meine Intention.
Mit besten Grüßen
Dein Dämonenflüsterer***



Er hoffte, dass er diesem aufgebrachten Menschen ein wenig Ruhe hatte bescheren können. Diese arme Seele musste wohl einen wirklich, wirklich scheußlichen Tag gehabt haben, wenn sie derart die Fassung verlor. Gleichzeitig legte er aber auch für sich fest, dass dies wohl der Punkt war, an den viele Autoren irgendwann einmal kommen mussten. Es war nur eine Frage der Zeit gewesen, bis er damit konfrontiert werden würde, dass nicht jeder Leser seine Texte mögen würde, aber er hoffte, dass es ein Einzelfall bleiben würde. Er hatte einige Autoren persönlich gekannt, hatte aber, vermutlich weil es zu diesem Zeitpunkt keine direkte Relevanz für ihn gehabt hatte, nie mit ihnen darüber gesprochen, wie sie mit diesem Umstand umgingen. Denn das Gefühl, dass man etwas sehr Persönliches von sich Preis gibt, indem man seine Gedanken veröffentlicht und dies dann verrissen wurde, war kein schönes. Er machte sich eine mentale Notiz, bei einer sich zukünftig ergebenden Möglichkeit in Erfahrung zu bringen, wie professionelle Schriftsteller mit dieser Gefahr umgingen.

Um sich von seiner getrübten Stimmung abzulenken, wandte er sich der vielen anderen Kommentare seiner treuen Leserinnen und weniger Leser zu, denn dieser Teil seiner Arbeit hier auf der Plattform machte ihm besonders viel Spaß. Es war bezaubernd die Eindrücke und Ahnungen der anderen Mitglieder zu verfolgen und zu schauen, ob sie vielleicht völlig auf dem Holzweg waren mit ihren Einfällen, wie es wohl im nächsten Kapitel weiter gehen würde. Ein neuer Kommentar ploppte auf.



***Hallo Dämonenflüsterer,
wie sehr ich mich gefreut habe, als mein Alarm angezeigt hat, dass du wieder etwas hochgeladen hast. Ich bin so ein großer Freund deiner Art zu schreiben. Du schaffst es die richtigen Worte für sämtliche Situationen zu finden. Deine Empathie und dein Vorstellungsvermögen müssen immens sein. <3
Ich freue mich auf das nächste Kapitel.
Deine CroW***



Dies besänftigte sein aufgewühltes Gemüt ein wenig, sodass er sich nach einer weiteren Tasse wärmenden Tees wieder in der passenden Stimmung befand, um vielleicht noch das ein oder andere Kapitel zu schreiben.
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