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... wie ein Flügelschlag auf nackter Haut

GeschichteMystery, Liebesgeschichte / P18 / Het
Die deutsche Nationalmannschaft FC Bayern München OC (Own Character)
05.12.2020
13.05.2021
72
174.119
2
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9 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
 
05.12.2020 1.039
 
Herzlich Willkommen zu dieser nicht ganz einfach zu nehmenden, im zweiten Teil auch verkorksten, pseudo-mysteriösen Geschichte. Ich hoffe, ihr könnt ihr trotzdem etwas abgewinnen. Letztlich geht es - wie so oft - um zwei Suchende, die zunächst aneinander vorbeisuchen, ehe sie begreifen, dass sie sich im Grunde nur finden müssen. Doch dieses Finden gestaltet sich als ziemlich schwer und kaum aushaltbar.

Entstanden ist die Geschichte im Winter 2011, fertiggestellt wird sie nun 10 Jahre später, wobei ihre Überarbeitung noch aussteht. Bitte verzeiht die v.a. in den ersten Kapiteln vermehrt auftretenden Schusselfehler, die ich nach und nach ausmerzen werde.

Viel Spaß beim Lesen!
Über Kommentare und Sterne freue ich mich sehr!

Herzlichen Dank!
KT


Versaut!



Verdammt! Ich hatte ihn versaut. Ein unbedachter Augenblick und ab waren sie: seine Haare! Von einem Augenblick zum anderen sah er wie ein gerupftes Huhn aus und ich war meinen Job los. Gekündigt, weil ich ihn verschnitten hatte.

Klar, warum war er auch ausgerechnet in unseren Salon gekommen? Mir hatten die Hände gezittert, als ich gesehen hatte, wer vor mir stand. Keine gute Voraussetzung, um zu arbeiten. Sein Lächeln, die ruhigen Gesten. Er war gar nicht hektisch gewesen, meinte nur wie selbstverständlich: „Ich habe es eilig. Könnten Sie mir bitte dabei helfen, heute Abend gut auszusehen?“

Dazu hatte er mich angelächelt. Einnehmend. Doch mich hatte das keineswegs beruhigt.

„Äh …ja. Ich weiß nicht“, hatte ich gestottert.

„Doch, ich bin mir sicher, dass Sie das können“, hatte er lächelnd erwidert – leicht schleppend, wie es seine Art war. Und seine Hände hatte er mit leicht gespreizten Fingern auf die Lehnen des Frisiersessels gelegt. Wie in diversen Fernsehsendungen, in denen er auf die Schwierigkeiten einer guten Ernährung aufmerksam machte und im gleichen Atemzug für seine Nahrungsergänzungsmittel sowie Schönheitspillen warb. Er – der Mann mit den sehenden Händen, wie ihn seine Vereinskollegen nannten. Oder einfach Doktor Feelgood. Ich schluckte.

„Ich habe heute Abend einen Vortrag auf einem internationalen Ärztekongress hier in München.“

Ich hatte nur genickt und gespürt, wie mein Blutdruck stieg.

„Wie hätten Sie es denn gern?“

Das war das Einzige, was ich herausbrachte. Mein Herz schlug mir bis zum Hals.

„Hinten die Spitzen und vorne eine feine Fönwelle.“

Nur mit Mühe hatte ich verstanden, was er sagte und hatte genickt. Er schwieg, ich ebenso. Denn worüber hätte ich mich mit ihm unterhalten sollen? Er hatte sich entspannt zurückgelehnt und doch tatsächlich die Augen geschlossen. Und dann bemerkte ich, wie sich seine Brust hob und senkte, ganz entspannt, während meine Hände so furchtbar zitterten, dass ich zusehen musste, Kamm und Schere überhaupt noch halten zu können. Schon allein ihn zu berühren, hatte mich Überwindung gekostet.

Im Allgemeinen kommen in unseren Salon keine Prominenten, sondern ganz normale Menschen von nebenan. Unser Repertoire an Frisuren war ausreichend, wenn auch wenig experimentell – dank unserer Chefin. Wir waren ein ganz normaler Salon für ganz normale Menschen, die sich eben mal ganz schnell einen guten Schnitt verschaffen wollten, nur um dann wieder ihren Geschäften nachgehen zu können. Nichts Besonderes – kein Udo Walz jedenfalls.  

Warum also war er in unseren Salon gekommen? Und warum hatte ausgerechnet ich ihn bedienen müssen? War ihm nicht klar, dass er mit seinem Auftauchen einfache Menschen überforderte?

Diese blöden Gedanken machte ich mir nun, als ich in der Kneipe an der Ecke gegenüber meiner Wohnung saß und einen Schnaps nach dem anderen in mich hineingoss. Ich war meinen Job los. Fristlos gekündigt. Und ich wusste nicht, wie ich meine Miete im nächsten Monat zahlen sollte. Was sollte ich denn tun? Hartz IV beantragen? Auf Jobsuche gehen? Beides gleichzeitig? Wenn ich Hartz IV erhielte, müsste ich vielleicht aus meiner Wohnung raus. Zwei Zimmer – 700 Euro Miete. Das würden die mir nicht zahlen. Zu teuer!

Verdammt nochmal – ich hatte es versaut! Mein Leben war ein einziger Scherbenhaufen. Und das nur, weil ich einen klitzekleinen Fehler gemacht hatte … Schnippschnapp machte ich mit Zeige- und Mittelfinger der linken Hand ganz dicht vor meinem Auge … und ab waren sie gewesen – seine Haare. Mir waren einfach die Nerven durchgegangen.

Als er gesehen hatte, was ich aus ihm gemacht hatte, war er, wie von der Tarantel gebissen, aufgesprungen und wäre beinahe so, wie er war: hinten kurz – vorne noch immer lang – aus dem Salon gerannt. Nur mit Mühe hatte ihn meine Chefin zurückhalten können.

„Körperverletzung“, hatte er gebrüllt. „Das ist ...“

Er hatte mitten im Raum gestanden, wie ein Feldherr, der den Krieg verloren hatte, es aber nicht wahrhaben wollte. So hätte ich ihn mir nie vorgestellt. Dass er so ausrasten konnte. Seine Augen hatten finster gefunkelt. Böse. Richtig böse. Aber gleichzeitig sah er eben wie ein gerupftes Huhn aus. Und wäre ich nicht so versteinert gewesen, hätte ich laut gelacht. So wie jetzt … So what?! Ich war meinen Job los und konnte mich wohl auch nicht mehr in München als Friseurin bewerben. Mir würde es ewig anhängen, ihn verunstaltet zu haben. Ihn, der doch so viel Wert auf seine Frisur legt. Hinten kurz und vorne lang … ich prustete in mein Schnapsglas und nickte.

„Inkompentent. Sie sind vollkommen inkompentent! Seien Sie froh, wenn ich keine rechtlichen Schritte gegen sie einleite …“

Jetzt zuckte ich mit den Schultern. Und wenn schon. Wenn er es getan hätte … Greif mal einem nackten Mann in die Tasche. Oder einer nackten Frau. Und inkompetent? Dann war ich es eben.

Ich schnappte mir das nächste Gläschen. Vor Jahren hatte ich diesen Beruf erlernt, weil ich mit meiner Haarkunst die Welt revolutionieren wollte. Ich hatte mir eingeredet, immer zu wissen, welche Frisur wem am besten stand. Ich wollte die Menschen zur Geltung bringen und ihnen mit meinen Frisuren zu mehr Selbstbewusstsein verhelfen.  Na ja … Ich war nie schlecht gewesen, aber auch nicht herausragend. Es gab Bessere. Aber so ein Fehler war mir noch nie passiert. Noch nie. Und nun hatte ich die Quittung für mein Verhalten. Im Grunde war das alles skurril. Und ich würde drüber lachen, wenn es nicht so verdammt scheiße gelaufen wäre. Entlässt mich meine Chefin nur, weil Müller-Wohlfahrt in unseren Salon stolzierte und nach einer Fönwelle und einem Spitzenschnitt verlangt hatte. Mein Gott, ob dessen Haare nun einen Zentimeter länger oder kürzer waren – wen störte es? Jetzt trug er eben eine Kurzhaarfrisur, die ihn viel jünger machte und ich war meinen Job los. So sah es aus!
 
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