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Alles, was man über Reviews wissen sollte

GeschichteAllgemein / P6
05.12.2020
05.12.2020
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Einleitung

Die Frage, wie mit Reviews generell umgegangen werden soll, wird schon sehr lange und immer wieder aufs Neue diskutiert, wie man an wiederkehrenden Fragen und verschiedenen Diskussionen in den einzelnen Threads im Forum sieht.
Einige Nutzer hätten gerne eine Funktion, mit der sie ungeliebte Reviews von sich aus löschen können, ohne diese wie bisher vorher einem Operator zu melden, der dann letztendlich über die Löschung entscheidet. Gefolgt von Nachfragen, warum man das nicht einfach ändern kann, weil man ja als Autor das Recht an seinen Geschichten hat und entsprechend entscheiden sollte, welche Reviews man dort sehen möchte und welche nicht.
Allerdings werden, wie im Regelwerk und in der FAQ erklärt, Reviews nur dann gelöscht, wenn sie unter anderem unsachliche Kritik oder persönliche Beleidigungen enthalten. Auch konstruktive Kritik muss man als Autor erdulden, selbst wenn man diese subjektiv anders sieht. Warum das so gehandhabt wird, ist leider nicht gründlich genug erklärt, zumindest meine ich das an der Häufigkeit dieser review-spezifischen Fragen und Diskussionen zu erkennen.
Deshalb werde ich hier sowohl die rechtliche Grundlage als auch die Unterschiede zwischen konstruktiver und unsachlicher Kritik erklären, um das Thema hoffentlich mehr Nutzern verständlich zu machen.
Fangen wir zunächst einmal mit der wichtigsten Frage überhaupt an: Wie ist ein Review überhaupt einzuordnen?


Was ist ein Review?

Ein Review oder eine Rückmeldung sind, wie der Name sagt, eigene Ansichten, Überlegungen, Lob und auch gefundene Mängel für die Geschichte oder das neueste Kapitel eines Autors.
Mit anderen Worten, sie sind nichts anderes als eine Kritik, laut dem Duden eine prüfende Beurteilung und deren Äußerung in entsprechenden Worten. Kritiken gibt es unter anderem zu Büchern, Filmen, Serien, Aufführungen und vielen Sachen mehr und jeder wird mindestens eine bereits gelesen haben. Zwangsläufig stößt man auf Kritiken, wenn man sich zu literarischen, künstlerischen oder filmischen Werken informieren möchte.
Seid ehrlich: Wenn ihr eine potenziell spannende Geschichte findet, klickt ihr vielleicht auf die Reviews, falls ihr zu diesem Zeitpunkt noch unentschlossen seid. Reviews sind der perfekte Überblick, ob die Geschichte interessant sein könnte oder nicht. Natürlich gibt es sehr unterschiedliche Meinungen zu Geschichten, aber ebenso unterschiedlich fallen Reviews stilistisch aus und man kann sich frei entscheiden, an welchen man sich eher orientiert.
Kritiken sind urheberrechtlich geschützt. Vielleicht kennen einige von euch die Gerichtsverfahren, in denen es um Abstracts – verkürzte Versionen – von Buchrezensionen geht. Die Frage, ob diese Abstracts als eigenständige Werke weiter lizenziert werden können, während sie nur ausführliche Rezensionen von renommierten Zeitungen zusammenfassen, ist eine schwierige. Wen das interessiert, sollte sich das BGH-Urteil „Perlentaucher“ anschauen. Weiter werde ich darauf nicht eingehen, das hier sollte nur ein kleines Beispiel sein, dass professionelle Kritiken urheberrechtlich geschützt sind.


Reviews in Bezug auf das Urheberrecht

Professionelle Kritiken und Reviews verbindet eins: Sie sind beide laut dem Urhebergesetz Schriftwerke nach § 2 Abs. 1 Nr. 1 und zählen damit zu Sprachwerken, die „durch Schriftzeichen oder andere Zeichen äußerlich erkennbar gemacht“ (BGH, I ZR 106/78) werden. Ihr merkt, das umfasst so ziemlich alles, was man irgendwie zu Papier oder auf anderweitige Oberflächen bringen kann. Romane, Gedichte, Drehbücher, Hörspiele, Abhandlungen, Artikel, technische Vorschriften und vieles mehr.
Die wichtige Frage ist die „persönliche geistige Schöpfung“, etwas verständlicher ausgedrückt geht es darum, ob der jeweilige Text von der Gedankenführung einer Person stammt und nicht nur zufällig aneinandergereihte Worte enthält. Das sollte bei einem Review keine große Frage darstellen, geht es bei diesem primär um Gedanken und Eindrücke über das Kapitel oder die Geschichte.
Als Urheber eines solchen Reviews ist man logischerweise die einzige Person, die über die Veröffentlichung entscheiden kann (§ 12 Abs. 1 UrhG), das Gleiche gilt für die Geschichten hier. Daraus ergibt sich auch, dass der Review-Autor als einzige Person über die Löschung des Reviews entscheiden kann, solange es nicht gegen andere Rechte verstößt. Diese werden im nächsten Punkt genauer erläutert. Dieser Punkt steht auch im FAQ: „(Unerwünschte) Reviews können nicht eigenhändig vom Autor (der Geschichte) gelöscht werden“. Diese Regel ist auf genau dieses Urheberrecht zurückzuführen, das ich eben kurz erklärt habe.

Kurz gesagt, hat der Autor eines Reviews auf dieses das gleiche Recht wie der Autor des entsprechenden Textes, auf den sich das Review bezieht. Es ist auch egal, wie viel Zeit man in das jeweilige Produkt investiert hat oder wie lang der jeweilige Text im Einzelfall ist.
Deshalb wird ein Autor ein Review nicht einfach löschen können, weil ihm dessen Inhalt nicht passt.
Den Spieß könnte man auch umdrehen: Ein Autor eines Reviews könnte die Passagen, die ihm nicht gefallen, ebenfalls löschen. Ihr merkt, was für ein großes Problem das ergäbe. Beide Autoren haben gleichermaßen das Recht auf ihren Text, egal um welche Art von Text es sich auch handeln mag.



Verschiedene Arten von Kritik

Im Regelwerk steht, dass unsachliche und beleidigende Reviews gelöscht werden. Das betrifft nicht alle kritischen Reviews, denn es gibt unterschiedliche Arten von Kritik. Konstruktive Kritik ist die sinnvollste Kritikart, denn sie hat einen bestimmten Sinn und Zweck. Unsachliche Kritik und Beleidigungen sind, wie der Name andeutet, persönlich gemeint und haben keinen anderen Zweck, als den Autor persönlich anzugreifen. Deshalb erfolgt hier die Klärung der Frage: Was ist der Unterschied zwischen konstruktiver Kritik sowie unsachlicher Kritik beziehungsweise reiner Beleidigung?


Konstruktive Kritik

Wenn man den Begriff „konstruktive Kritik“ bei einer beliebigen Suchmaschine eingibt, wird man mit Ergebnissen erst einmal erschlagen. Es fällt auf, dass die meisten aus dem Arbeitsleben stammen, denn dort ist konstruktive Kritik ein sehr wichtiger Punkt.
Kritik ist eine Beurteilung, wie ich bereits oben erläutert habe. Konstruktive Kritik hingegen ist eine spezielle Art, denn neben der Hervorhebung von Stärken und Schwächen schlägt sie im Idealfall auch gleich Verbesserungen vor. Synonyme zu konstruktiv sind unter anderem aufbauend, fördernd und bringen die Idee der Kritik auf den Punkt: Sie soll dem Empfänger der Kritik helfen, seine Schwächen auszubügeln und sich gleichzeitig seiner Stärken bewusst zu werden. Um das alles etwas anschaulicher zu gestalten, hier ein kurzes Beispiel.

„Die grundsätzliche Idee ist gut. Aber du solltest auf deine Rechtschreibung und Grammatik achten, da teilweise sehr offensichtliche Fehler in deinem Text sind.“

Was genau ist der Inhalt des Textes? Er lässt sich in zwei Punkte gliedern: Der erste ist das Lob für die Idee an sich, egal um was es sich auch handeln möge. Der zweite Punkt betrifft Rechtschreibung und Grammatik. Scheinbar ist der Text gespickt mit Fehlern, die man im bestmöglichen Fall korrigiert, um weiteren Reviews, die Kritik an der RGZ äußern, vorzubeugen.
Ich gebe zu, hier steht kein konkreter Lösungsvorschlag. Aber man kann ihn sich denken, er lautet „Korrigiere deine Fehler, es sind viele“.
Konstruktive Kritik kann man mit einer neutralen Wortwahl wie oben, aber auch in einer etwas härteren Wortwahl äußern.

„Ganz ehrlich: Bei deinem Text konnte ich mich auf die Idee an sich nicht konzentrieren, die nicht schlecht ist, weil ich ständig gedanklich die Rechtschreib- und Grammatikfehler ausbessern musste, die teilweise richtig in meinen Augen brennen. Bevor du die Namen der Personen ständig unterschiedlich falsch schreibst, schau dir wenigstens mal die richtige Schreibweise an, das ist eine Sache von einer Minute.“

Diese Worte sind deutlich schärfer als die oben. Aber: Es ist noch immer konstruktive Kritik, denn auch hier wird sehr deutlich auf die Fehler aufmerksam gemacht und zusätzlich direkt ein Lösungsvorschlag für die Namen geliefert. Solange man nicht direkt auf die Person des Autors anspielt und sich nur auf den vorliegenden Text bezieht, bleibt die Kritik auch bei härteren Tonfällen sachlich.
Ihr erkennt es bereits: Konstruktive Kritik ist sehr subjektiv. Bei dem zweiten Beispiel wird es der betroffenen Person erst einmal schwerfallen, die Konstruktivität überhaupt zu erkennen und sich nicht direkt beleidigt zu fühlen. Für die Reaktion auf kritische, aber sachliche Reviews empfehle ich euch wärmstens dieses Tutorial:
Wie gehe ich mit kritischen Reviews um und wie arbeite an meiner Kritikfähigkeit.
Hier wird sehr gut und mit einer Portion Humor beschrieben, wie man am besten mit Kritik umgeht und ich kann euch jeden einzelnen Tipp nur ans Herz legen. Kritikfähigkeit ist eine wichtige Eigenschaft, die man nicht nur auf dieser Plattform benötigt, sondern auch im richtigen Leben und die man sich regelrecht antrainieren muss, weil man sie nicht von heute auf morgen lernen kann. In der Online-Welt habt ihr immerhin die Möglichkeit, eine Nacht darüber zu schlafen, während ihr im direkten Gespräch sofort zu einer angemessenen Reaktion gezwungen seid.


Unsachliche Kritik und Beleidigung

Unsachliche Kritik bezeichnet man auch als destruktive Kritik, sie ist damit das Gegenteil zur konstruktiven Kritik. Entsprechend möchte sie den Empfänger nicht aufbauen oder ihm helfen, sondern zusätzlich niedermachen. Sie ist oftmals auch verletzend und sehr persönlich, weshalb sie  auch gern Beleidigungen gegenüber der Person des Autors enthält. Ein gutes Beispiel für unsachliche Kritik wäre ein Review wie folgendes:

„Bevor du auch nur ein halbwegs guter Autor wirst, wird mein Goldfisch auf dem Mars landen! Oder selbst Autor werden, denn offenbar hast du noch weniger Talent zum Schreiben als dieser. Such dir am besten ein anderes Hobby, für das du etwas Begabung zeigst, denn hier bist du völlig fehl am Platz.“

Erkennt ihr den Unterschied zu dem konstruktiven Review mit etwas härterer Wortwahl? Wenn nicht, dann stellt euch die Frage, was euch eine solche Rückmeldung bringt. Genau, rein gar nichts. Ihr wisst nicht, auf was die Kritik eigentlich abzielt, denn sie ist einzig und allein auf den Autor gerichtet. Der Text scheint ausbaufähig zu sein, mehr weiß man nicht.
Ein Review wie dieses ist zum einen nicht hilfreich, zum anderen verletzend und das wird dann auch von einem Operator gelöscht. Antwortet am besten gar nicht darauf, sondern meldet es gleich, denn eine Antwort wird euch nichts bringen.

Es gibt auch destruktive Kritik in Bezug auf Texte, um die Abgrenzung zur Beleidigung etwas klarer zu zeigen. Hier wäre ein solches Beispiel.

„Dein Text strotzt nur so vor Fehlern, die maximal Viertklässler machen würden. Lösche deine Geschichte am besten direkt wieder, denn hierbei ist tatsächlich Hopfen und Malz verloren.“

Auch hier erkennt man keinerlei Anhaltspunkte, was genau ausbaufähig ist. Zusätzlich sind die Hinweise auf das angebliche Schreibniveau eines Grundschülers und der „Tipp“, die Geschichte zu löschen, nicht aufbauend, sondern ein zusätzlicher Tritt in die Magengrube des Autors.
Wenn ihr euch nicht sicher seid, ob es noch konstruktiv oder schon destruktiv ist: Meldet das betroffene Review. Eine Meldung, die abgelehnt wird, hat keinerlei negative Auswirkungen vonseiten der Operatoren auf euch. Und teilweise bekommt ihr in solchen Fällen auch eine kurze Begründung, warum die Kritik noch konstruktiv ist, das handhabt aber jeder Operator anders.

Was ein Operator nicht kann, ist euch die negativen Gefühle nach einer solchen Rückmeldung nehmen. Denn auch wenn sie gelöscht sein mag, in eurem Kopf schwirrt sie noch immer herum und vermiest euch mindestens den restlichen Tag. Dafür gibt es kein Allheilmittel oder die perfekte Lösung, denn mit so etwas umzugehen, ist eine subjektive Sache, in der jeder anders entscheiden wird. Versucht einfach, über so etwas zu stehen, auch wenn sich das abgedroschen anhören mag. Wenn ihr euch einigelt oder die Geschichte abbrecht, hat der Review-Autor genau das erreicht, was er erreichen wollte. Fragt euch dann, ob ihr euch damit die Niederlage eingestehen wollt oder ob ihr das nicht eher als Ansporn seht, euch zu verbessern.


Kommen wir zum nächsten Punkt: Beleidigung. Sie kann auch als Verletzung oder, für die Österreicher, Insultierung genannt werden und drückt damit den einzigen Zweck aus, den sie hat. Sie möchte verletzen. Um auf das Rechtssystem zurückzukommen, dort wird Beleidigung als „Angriff auf die Ehre durch vorsätzliche Kundgabe der Missachtung“ (Creifelds, Rechtswörterbuch) bezeichnet.
In gewisser Weise ist eine Beleidigung ein Sonderfall von destruktiver Kritik. Sie zielt rein auf die Person des Autors, genauer auf die persönliche Ehre.

„So hohl, wie du dich in deinen Texten anhörst, ist sogar der Abschluss an einer Sonderschule eine unüberwindbare Hürde, nicht wahr? Verstehst du eigentlich, was ich dir da schreibe oder sollte ich auf einfachere Worte zurückgreifen?“

Das ist ein typisches Beispiel für eine Beleidigung, das auch nicht weiter erläutert werden muss. Sobald eine Rückmeldung negative Andeutungen auf den Autor macht, wird es sich wahrscheinlich um eine Beleidigung handeln. Dabei geht es aber wirklich nur um Andeutungen bezüglich der Person des Autors, nicht um Vorlieben beim Schreiben oder ähnliches. Der Vorwurf, die Geschichte könne doch nur an einem Smartphone geschrieben worden sein, ist keine Beleidigung.



Zusammenfassung

Man merkt, die Beurteilung, was ein Review ist, ist im Gegensatz zur Einordnung von Kritikarten relativ einfach. Merkt euch einfach: Wenn es keinen triftigen Grund gibt, kann ein Review nicht gelöscht werden. Triftige Gründe sind unsachliche Kritik und Beleidigungen, denn diese verletzen wiederum euch in euren Rechten, weshalb dann das Recht des Review-Autors auf sein Review hintenan steht. Wenn ihr euch nicht sicher seid, meldet das entsprechende Review. Und seid nicht sauer, wenn der Operator nicht derselben Meinung ist wie ihr, denn ihr als subjektiv Betroffener habt eventuell eine andere Ansicht als ein neutraler Außenstehender.
Eine genaue Unterteilung kann ich nicht geben, denn der Unterschied zwischen einer sehr kritischen, aber konstruktiven und einer destruktiven Kritik ist etwas, das völlig unterschiedlich von verschiedenen Personen bewertet werden wird.
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