Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

25 Fragen über eure Ehe

KurzgeschichteHumor, Freundschaft / P12 / Gen
Kriminalhauptkommissar Freddy Schenk Kriminalhauptkommissar Max Ballauf
04.12.2020
21.02.2021
3
2.919
1
Alle Kapitel
1 Review
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
 
04.12.2020 1.452
 
Es war ein ungewöhnlicher Tag im Polizeipräsidium: Tobias Reisser hatte Urlaub, Schenk blätterte gähnend ein paar Flyers und Ballauf kam gut ausgeruht zur Arbeit.
„Tag, Freddy! Was gibt’s?“
„Nichts. Sag mal, erinnerst du dich vielleicht, war der letzte Sommer auch so leer? Gibt es weniger Morde, wenn die Sonne scheint, oder wie soll ich das verstehen?“
„Na, freu dich doch!“
Ballauf kam lächelnd zu ihm und legte die Hände auf die Stuhllehne.
„Das tut dir offensichtlich gut, was? Mehr Sport, Zeit zum Friseur zu gehen ... Obwohl, so wie du heute aussiehst, würde ich eher an den Schönheitschirurgen denken“, meinte Schenk.
„Ach, komm. Wozu sollte ich zum Schönheitschirurgen, wenn der einzige Mensch, der mich mehrere Stunden am Tag ertragen muss, bist du? Und du erträgst mich sowieso.“
Schenk lächelte faul, den Kopf auf der Hand gestützt.
„Danke, sehr rücksichtsvoll. Aber – mal eine Änderung zu machen schadet nicht, einfach so, damit ich zum Beispiel sage, wenn du reinkommst: Max, du hast heute eine besondere Ausstrahlung.“
Ballauf setzte sich vor ihn und atmete ein bisschen angespannt aus, denn die Langeweile machte ihn unruhig. Schenk schaute ihn fragend an.
„Und?“.
„Was, und?“
„Ich habe gesagt: Max, du hast heute eine besondere Ausstrahlung. Verrätst du mir dein Geheimnis? Neue Liebe?“
Balauf kam mit dem Gesicht näher, als wollte er dem Kollegen ein Geheimnis verraten.
„Schlafen, Freddy. Meine neue Liebe heißt: schlafen. Sollst du auch probieren. Mal ehrlich, haben wir nichts zu tun? Es reicht, wenn ich 9 Stunden am Stück schlafen kann, ich will nicht auch bei der Arbeit von meinem Schlafverhalten reden. Was liest du da? Das sind keine Unterlagen, nicht einmal Bücher!“ Ballauf bemühte sich, die nach unten gekehrte Schrift vom Flyer zu lesen, den Schenk in der Hand hielt. „25 Fragen ...“
„Ach, was Dummes. »25 Fragen über eure Ehe«. Ich war gestern Abend bei einer Veranstaltung mit meiner Frau – für Ehepaare, die seit über 25 Jahren verheiratet sind. Und da haben wir das hier bekommen, eine Art Gesellschaftsspiel. Es sind 25 Fragen, vielmehr Situationen im Alltag, wo die Ehe auf die Probe gestellt wird. Daraus haben die Veranstalter ein Wettbewerb entwickelt. Jedes Paar, das an diesem Wettbewerb teilgenommen hat, sollte sich überlegen und dann die gemeinsame Lösung auf den jeweiligen Konflikt beschreiben. Waren sich die beiden über eine Sache in 5 Minuten nicht einig, dann schieden sie aus dem Wettbewerb aus. 6 Paare haben mitgemacht. Die anderen haben gestimmt. Am Ende gab’s einen Preis.“
„Und? Habt ihr gewonnen?“
„Ich hab nicht mitgemacht, mir war peinlich. Ich habe mich mit anderen unterhalten, dann bin ich rausgegangen, zurückgekehrt, ich habe Zigarren geraucht, Leute kennen gelernt – noch war es nicht vorbei – dann habe ich meiner Frau gesagt, so, jetzt reicht’s, ich will nach Hause. Zum Glück war sie selbst müde, sonst hätten wir uns gestritten. Aber schade, eigentlich. So was kann bestimmt lustig sein. Vorausgesetzt, die beiden Partner haben Lust darauf.“
„Tja ...“ Ballauf wollte sich über ihn lustig machen: „Schade, dass Tobias gerade Urlaub hat, sonst hättest du das Spiel mit ihm spielen können.“
Schenk schaute ihn an, als hätte er gerade einen Einfall gehabt.
„Warum nicht mit dir?“
„Mit mir? Das geht nicht. So viel Erfahrung als Ehemann habe ich nicht, das weißt du doch.“ Ballauf schüttelte den Kopf und die Schultern.
„Dann sei du die Ehefrau. Oder – wie das bei den gleichgeschlechtlichen Beziehungen heißt“, schlug Freddy vor.
„Freddy. Bei der gleichgeschlechtlichen Ehe gibt es entweder keine oder zwei Frauen, soweit ich das Konzept richtig verstanden habe.“
„Ja, aber wenn hier steht: »Der Ehemann macht das und das«, »Die Dame macht das und das«, dann wollen wir wissen, wer von uns gemeint ist. Also, ich bin der Ehemann. Wir stellen uns vor, wir sind seit 25 Jahren verheiratet und gehen schnell die Fragen durch. Dann haben wir eine halbe Stunde totgeschlagen und können langsam anfangen, an das Mittagessen zu denken.“
„Ja, aber das ist nicht richtig: Wir sollten nicht seit 25 Jahren verheiratet sein, sondern seit 20. Wir arbeiten ja seit 20 Jahren zusammen. Oder?“
„Von mir aus. Wir sollten übrigens die 20 Jahre feiern, Max.“
„Lies mal die erste Frage.“
„So, hier steht ... »Ihr seid bei einer Party von gemeinsamen Freunden eingeladen« ...“
Ballauf unterbrach ihn:
„Gemeinsame Freunde? So wie ... von Prinz? Lissy? Franziska?“
„Für dich ist alles nur Arbeit. Wir haben andere Freunde, nicht alle müssen bei der Mordkommission arbeiten, sonst würden wir nicht zur Party gehen, sondern zur Party bleiben. Es sind auch Fragen, die ich weglassen würde, es geht zum Beispiel um »den Ort, wo ihr euch kennen gelernt habt«, »wann und wie ihr euch ineinander verliebt habt« und für den Ehemann: »als du den Antrag gemacht hast« und so weiter. Also, da müssen wir viel improvisieren oder lieber diese Fragen weglassen.“
Aber Ballaufs Interesse schien erst von diesen Fragen geweckt zu sein. Er lächelte.
„Nee, warum? Gerade das finde ich lustig. Wo haben wir uns kennen gelernt?“
„Bei einer Leiche, Max. Du hast Reisekleider getragen und ich ein langes Gesicht, weil ich so einen Scheißtag hatte.“
„Das meinte ich nicht. Stell dir vor: vor genau 20 Jahren haben wir geheiratet. Wir mussten uns von früher kennen, nicht? Also, woher?“
Schenk zuckte mit den Achseln.
„Von der Arbeit? Von einem Sportverein?“
„Sportverein ... Schwimmen?“
„Ich schwimme nicht, ich schwebe im Wasser“, antwortete Schenk autoironisch. „Fußball, vielleicht?“, schlug er vor.
„Kann damit nichts anfangen. Joggen fällt ebenfalls aus ...“
„Dein Fingerspitzengefühl ist überwältigend, Max“.
„Hey, du weißt, was ich meine, ich treffe dich noch nie auf meiner Laufstrecke. Es sei denn, du fährst parallel mit dem Auto und berichtest mir über den Fall. Sport geht also nicht. Vielleicht doch bei einer Leiche.“
„Also bei einer anderen Leiche als damals 1997, als wir uns eigentlich kennen gelernt haben?“
„Ich könnte schwer antworten, »Nein, Freddy, bei derselben Leiche, nur ein paar Jahre früher«! Mensch ... Natürlich bei einer anderen Leiche. Weiter: Nach wie vielen Jahren haben wir geheiratet?“
„Ähm ... 5?“
„Klingt gut. Wer hat dem anderen zuerst gesagt, dass er sich verliebt hat?“
„Ähm ... du?“
„Schon gut, wie du willst.“ Ballauf hatte bisher nichts einzuwenden. „Wer hat den Antrag gemacht?“
„Ich, natürlich!“, sagte Schenk.
„Und wo?“
Schenk verschränkte die Arme vor der Brust und schaute nachdenklich in die Ferne. Nach einer Weile sagte er:
„Was fällt dir ein?“
„Du hast doch den Antrag gemacht, also den Ort, die Stimmung gewählt, das ganze Theater in Gang gesetzt. Also?“
Schenk schaute ihn an.
„Also dir würde ich am Rheinufer auf der Domseite den Antrag machen.“
„Romantisch. Abend, Morgen? Sonne hoch? Hitze, Regen, Hagel, Schneeweiß, wie denn?“
„Stockfinster?“, grinste Schenk.
„Oh, Mann ... Eine Laterne hattest du zumindest dabei?“
„Das ist nicht dein Ernst, oder? Das übernehmen wir? Gut, dann hatte ich eine Laterne dabei.“
„Und ähm ... was habe ich gesagt?“
„Du hast »ja« gesagt, wenn wir 20 Jahre lang verheiratet sein wollen.“
„Nur »ja«? Ein bisschen fantasielos, findest du nicht?“
„Was willst du gesagt haben? Was hat deine Frau damals gesagt?“
„Sie hat gesagt ... »Max, wollen wir nicht endlich mal heiraten?« oder etwas in diesem Sinne.“
Schenk fuhr sich mit der Hand über das Gesicht und schaute ihm lange zu. Dann fragte er mit Geduld in der Stimme, als hätte der Kollege eine lange Leitung:
„Und was hast du darauf geantwortet?“
„»Mhm«.“
„»Mhm«?! Also bei mir kommst du mit so was nicht. Du sagst »ja«, OK?“
„Und du? Wie hast du den Antrag formuliert?“
Schenk musste sich nun anstrengen.
„»Max, immer, wenn ich dich sehe ...«“
„Es ist gerade Stockfinster“, murmelte Ballauf unzufrieden.
„Gut, dann anders. »Max, ich kenne dich seit 5 Jahren, aber ich will mein ganzes Leben mit dir verbringen. Würdest du ...«“
„Langweilig ...“
„Aber es macht doch keinen Unterschied, hier fragt keiner, was ich gesagt habe!“
„Ja, aber du musst mich überzeugen!“, sagte Max zimperlich und bewegte sich dabei mit Koketterie.
Schenk beugte sich nun über den Tisch und sagte bedrohlich, den Oberkörper auf den geballten Fäusten gestützt:
„»Max, wenn du mich nicht heiratest, knalle ich dich ab.« Besser so?“
Der andere zögerte.
„Jedenfalls kann ich das Angebot nicht ablehnen. Aber sag mal ... wenn ich nun »ja« sage, was verstehst du darunter, dass ich dich heiraten will oder dass du mich abknallen kannst? Oder nur dass ich dir zugehört habe?“ Ballauf wiegte die Möglichkeiten mit einer analytischen Miene.
Schenk rollte die Augen.
„Du weißt, dass wir noch nicht bei der ersten Frage sind, ja?“
„Wir haben nicht einmal geheiratet! Schon gut, Freddy, ich sage dann: »Du kannst mich nicht abknallen, weil du den Ring in der eine und die Laterne in der anderen Hand hältst. Ich will dich trotzdem heiraten.«“
„Ungefähr genauso lang wie »ja«. Gut, dann können wir anfangen, zusammenzuleben.“
„Warte mal, warte mal. 5 Minuten hast du gesagt? Ich wette, wir schaffen das schneller.“ Ballauf legte eine Stoppuhr auf den Tisch. „So. Fangen wir an!“
Review schreiben
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast