Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Hetalia: Sing für mich

Kurzbeschreibung
OneshotHumor, Freundschaft / P12 / Gen
Deutschland Russland
04.12.2020
04.12.2020
1
3.368
2
Alle Kapitel
2 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 
 
04.12.2020 3.368
 
Sämtliche Länder nahmen an der Konferenz über die Sicherheitsmaßnahmen der Welt teil. Auch Ivan Braginski, die Personalisierung von Russland, musste dem Treffen beiwohnen.
Die rücksichtslose Arroganz einiger Länder bewirkte allerdings, dass die Gespräche allzu schnell endeten. Immer, wenn ein Vorschlag eingeworfen wurde, wurde geprüft, wer die Idee einwarf, und dementsprechend widersprochen.
So hatte Frankreich seine Idee mit der europäisch-unabhängigen Armee vorgeschlagen und keine Sekunde später hatte Großbritannien sein Veto eingelegt und auch Alfred hatte sein Wort dagegen erhoben. Kein Wunder: Würde Europa auf sich selbst aufpassen können, dann benötigten sie die Unterstützung der USA nicht mehr und die Truppen müssten aus Europa abgezogen werden. Was auch zur Folge hätte, dass Russland aufatmen könnte.
Nur, wie Deutschland einwarf, würde diese Idee ewig brauchen, bis sie die Unterstützung aus Amerika ersetzen und eigenständig Schutz bieten könnte. So gewissenhaft und weitsichtig wie er war kaum ein anderes Land. Auch Deutschlands medizinischer Fortschritt war beachtlich, wie Russland genau wusste. Das Land hatte schließlich Nawanly das Leben gerettet, nachdem ein Nervengift-Anschlag auf ihn verübt worden war.

Hach ja, das waren Nachrichten, die er über sich hatte ergehen lassen müssen! Unter anderem kursierte das Gerücht, dass sein Chef daran schuld war. Ivan selbst hatte auch eine Theorie, aber wenn er diese preisgäbe, würde ihm keiner glauben. Was solls, sind eh sterbliche Menschen mit ihren Probleme, die sie in Namen der Länder auslösen.
Trotz der dunklen Aussichten gab es immer noch Dinge auf der Welt, die einen glücklich stimmen konnten.

Lächelnd schaute der große Russe zu Deutschland herüber. Ludwig spürte diesen Blick und erwiderte ihn mit einem fragenden, leicht skeptischen Blick. Daraufhin musste Ivan kichern. Allein der Gedanke, dass Ludwig seinen Gefallen wirklich erfüllen würde, schien für diesen strengen Typen beinahe unmöglich. Als ob Ludwig das tun würde, wenn Russland ihn darum bitten würde! Was hatte er sich dabei gedacht? Das würde niemals passieren… dennoch war es einen Versuch wert. Allein die Reaktion zu sehen, wenn er ihn um diesen Gefallen bat, war Grund genug, um es zu wagen. Angst vor Ablehnung hatte er nicht. Schließlich kannte das kalte Land nichts anderes, als über den Tisch gezogen zu werden.

Die Pause war die perfekte Möglichkeit, sein Vorhaben durchzuziehen, ohne dass der Deutsche etwas zu meckern hatte. Naja, meckern würde er zwar, aber ohne triftigen Grund. Ohne Ankündigung platzte Ivan in das Gespräch des Deutschen mit Frankreich und fragte: „Deutschland, ich muss mit dir reden, kommst du?“

Leicht perplex schauten die blauen Augen auf den Russen. Dann wandte er sich an Frankreich, der ohne ein Wort verstand und ging. Resigniert schnaufte Ludwig und erhob sich von seinem Stuhl. Lächelnd war Ivan klar, dass er fragen konnte. Aber nicht in diesem Raum. Es war ein privates Anliegen und kein anderes Land sollte davon wissen.


„Geht es um Nawanly, dann wiederhole ich mich…,“ fragte Ludwig und wollte seine Platte von ‚Ich-weiß-von-nichts‘ auflegen. Doch der Russe stoppte ihm: „Njet!“

Sofort verstummte der Deutsche und wunderte sich, worum es dann ging. Nicht Politisches? Oder doch? Vielleicht die Nord-Stream-Pipeline. Genau, das musste es sein.

Ivan schaute um sich. Das Misstrauen, dass sie vielleicht verfolgt wurden, war immer vorhanden. Erst als der Russe sicher sein konnte, dass sie unter sich waren, fragte er: „Sag mal Deutschland, kennst du die Band Rammstein?“

Eine merkwürdige Stille brach ein und Ludwig wiederholte unsicher: „Ramm... stein?“

„Da. Die Band aus Deutschland,“ bestätigte Ivan mit leicht rötlichen Wangen.

„J-ja, ist mir bekannt. Warum?“ Der Deutsche schluckte. Er hatte mit allem gerechnet, aber nicht damit.


„Nun ja... ich wollte sie nochmal singen hören. Generell liebe ich die deutsche Hardrock-Szene. Eure Sprache ist so knallhart und belebend zugleich. Es ist schön, euren Texten zuzuhören, die eine tiefe Botschaft beinhalten und doch mit diesem harten Klang begleitet werden, und, wie ihr so euren Frust äußert,“ gestand der Russe schwärmend und verbarg seine roten Wangen hinter seinem langen Schal.

„Oh... danke? Ähm... ich besitze keine Tickets, falls du das wünscht und alle Tourneen sind verschoben worden. Aber ich könnte sie vorbestellen und dir geben. Ähm, Backstage?“ Ludwig musste sich erst in diese ungewöhnliche Situation einfinden, fand aber schnell eine Lösung.

„Njet… das hätte ich auch gekonnt. Ich dachte nur, du könntest da irgendetwas machen, damit ich sie morgen hören könnte oder so. Nun, da muss ich wohl warten,“ seufzte Ivan, trotz niedriger Erwartungen enttäuscht.

Ludwig sah Ivan hinterher, als er niedergeschlagen den Flur verließ. Grübelnd folgte der Deutsche ihm in den Konferenzsaal. Diese überaus menschliche Anfrage ließ Deutschland nicht kalt. Allein wie der Russe darüber geredet hatte, bewies doch, dass er es ernst gemeint hatte. Ivan gab sich so eine Blöße und es wäre falsch, ihn so alleinzulassen. Ludwig seufzte und setzte sich auf seinen Platz. Irgendetwas musste er doch tun können. Nur was?

Die Gespräche reichten noch in den späten Abend hinein. Erst dann durften die Länder sich in ihre Hotels zurückziehen, doch auch nur solange bis der neue Tag anbrach und neue Diskussionen starten würden. Noch waren sie zu keiner Lösung gekommen und umso länger sie stritten und keine Kompromisse eingingen, umso länger würden die Diskussionen andauern. Ivan wollte wie die anderen ein Taxi rufen, doch Deutschland stoppte ihn.


„Russland, du kommst heute mit mir,“ sagte Ludwig und zeigte auf seinen Autoschlüssel. Leicht verwirrt hob Ivan eine Braue, aber willigte ein.

Als beide Länder in den schwarzen Volkswagen einstiegen, sagte Ludwig nebenbei: „Das, was heute Abend passieren wird, bleibt geheim. Wehe du erzählst etwas davon weiter, dann kannst du die Pipeline vergessen!“

„Oha, eine Drohung von dir, Deutschland. Jetzt bin ich aber gespannt, was du mit mir vor hast.“ Der Russe grinste verschlagend und wollte selbst entscheiden, ob er es weiter erzählen würde oder nicht. Er ließ sich nicht erpressen.

„Können wir uns wenigstens einigen, dass niemand hiervon erfährt?“, seufzte Deutschland und fuhr endlich los.

„Das kommt auf den Abend an, Deutschland,“ lächelte der große Mann scheinheilig.

„Na schön. Nenn mich ab jetzt Ludwig. Wir werden etwas unter die Menschen gehen,“ erwähnte der Deutsche. Leicht verwundert blickte der großwachsende Mann ihn an, nickte aber dann.

Die grelle LED-Schrift BAR-PARTY-CLUB ließ eine Ahnung zu. Cocktail-Symbole unterstrichen die Aussage mit einem hellen Leuchten.

„Oh, wir gehen etwas trinken? Ich bin erstaunt… das gewissenhafte Deutschland will sich am Vortag volllaufen lassen,“ erwähnte Ivan leicht höhnisch.

„Sei still und komm endlich,“ zischte Ludwig verärgert und stieg aus. Egal wie schlecht der Deutsche gelaunt war, Ivan würde es sich gut gehen lassen.  

Die bescheidene Bar war abgedunkelt und nur die Bühne wurde großzügig mit an der Wand hängenden Laternen beleuchtet. Es gab viele Sitzecken und auf den Tischen befanden sich Kerzen mit einem Stapel Zettelchen und Stiften. Einige Gäste tranken aus ihren Gläser, während ein Amateur-Sänger versuchte, den Text auf dem Bildschirm vor seinen Füßen nachzusingen. Die Gäste konnten den Text auf dem Bildschirm hinter dem Sänger überprüfen und mitsingen.

„Eine Karaokebar,“ korrigierte Ivan seine erste Einschätzung.

„Genau. Japan hat mich auch einmal in so eine Bar mitgeschleppt. Es war… wie auch immer…“ Der Deutsche errötete etwas von seiner Erinnerung an sein erstes Mal in einer Karaokebar.
„Ich habe sie im Internet gefunden und, naja, jetzt sind wir hier. Willst du etwas trinken?“, lenkte Ludwig ab, bevor er sich verplappert würde.

„Da, Wodka. Ich sichere uns einen Platz,“ nahm der Russe die Ablenkung an und spähte nach freien Plätzen, während Ludwig die Getränke besorgte. Nachdem der erste Sänger fertig war, erschien eine Anzeige auf der Tafel, die mitteilte, dass gewisse ‚Holy Girls‘ das Lied Womanizer von Britney Spears singen werden. Kichernde Mädels mit leichter Kleidung betraten die Bühne und erhielten allein wegen ihrer Ausstrahlung Beifall und Jubel.

Ludwig kam mit einer Flasche Wodka und einem Glas Bier wieder. Ein Schnapsgläschen stellte er vor Ivan ab und übergab ihm die Flasche. Nach kurzem Betrachten wusste Ludwig, dass er das Gewicht des Gläschen unnötig mitgeschleppt hatte. Der Russe trank aus der Flasche. Kopfschüttelnd meinte Ludwig streng: „Es bleibt bei einer Flasche heute."

„Was?“, wollte Ivan protestieren, aber der Deutsche setzte nach: „Denk dran, morgen ist Konferenz!“

Augenverdrehend ließ der Aschblonde diese Ausrede durchgehen und füllte sein Schnapsglas. So konnte er sein heiliges Wasser besser einteilen. Der Abend sollte nicht schon nach zehn Minuten enden. Ludwig kritzelte etwas auf den Zettel des Tisches und ließ diesen bedeckt in seiner Brusttasche verschwinden. Ivan hatte keinen Plan, was er darauf geschrieben hatte, vielleicht die Planung für morgen… oder aber er führte eine Strichliste von seinen Gläschen.

„Hast du Hunger?!“, hörte der Russe seinen Sitznachbarn wegen des lauten und schlechten Englisches der Mädels rufen.

„Hunger? Hier kann man Essen?“, wiederholte der Angesprochene erstaunt und sah auf die Karte von den Angeboten des Hauses. Schulterzuckend nahm Ivan die Karte an sich und sah sich die Spezialitäten an. Nichts Russisches, fiel ihm auf. Bis auf den Wodka natürlich. Sonst typische Gasthausangebote mit Pommes, Schnitzel, sogar Pasta. Doch er hatte Hunger. Das Bisschen, was die Kantine angeboten hatte, ließ einen nicht verhungern, aber auch nicht auf Dauer sättigen.
„Pommes mit Currywurst,“ entschied sich der Mann mit der Karte und der Deutsche nickte.

Eine Kellnerin mit asiatischer Herkunft kam an ihren Tisch heran und Ludwig bestellte die Wünsche auf Englisch. Die junge Frau notierte fleißig und Ivan hob sein Schnapsglas und fragte mit zwei ausgestreckten Fingern nach einem zweiten Gläschen. Lächelnd und nickend notierte sie sich das und symbolisierte ihren Gästen, dass sie es verstanden hatte. Schon verschwand sie in der Menge. Inzwischen hatte sich die Musik geändert. Statt gackernden Mädels, sang eine ältere Frau ein unbekanntes, ruhiges Lied auf ihrer Landesprache. Einige Gäste sangen mit. Wohl ein lokal bedeutungsvolles Lied.

„Ich komme gleich zurück,“ kündigte der Blonde an. Ohne groß dessen Verschwinden zu kommentieren, versucht Ivan die Musik mitzuverfolgen. Allerdings lag ihm das Genre nicht so, weshalb der Schluck des eisklaren Wodka ihn ablenkte.

„Bin wieder da,“ sagte Ludwig. Ivan fragte verwundert: „Wo warst du? Das ging ja schnell.“

„Ach, das wirst du gleich selbst herausfinden,“ meinte der Deutsche geheimnisvoll und die Kellnerin brachte das zweite Gläschen, ohne Essen. Das würde noch etwas dauern.

„Nun gut, Ludwig,“ nahm der Unwissende das Geheimnis an und füllte das zweite Gläschen für seinen Gegenüber.

Ludwig wollte erst protestieren, doch hielt dann inne. Er wusste aus Büchern, dass man sofort Sympathiepunkte bei Russen verlor, wenn man ihr Wodkaangebot ablehnte. Dazu kam, dass sich Ivan von Natur aus schwertat, jemandem zu vertrauen. Die hauchdünne Chance wollte Ludwig nicht verstreichen lassen und sagte stattdessen: „Danke.“

Ivan begann zu strahlen. Er hatte mit Ablehnung gerechnet. Heute überraschte ihn Deutschland immer wieder aufs Neue. Wie kam das? Dabei dachte er, er würde das Land in und auswendig kennen und wäre ihm immer einen Schritt voraus. Doch anscheinend hatte er noch lange nicht alles gesehen. Gemeinsam stießen sie mit ihren Gläsern an und tranken mit einem Schluck alles weg. Deutschland verzog das Gesicht und brachte den erfahrenden Wodkatrinker zum Grinsen.
„Noch eins?“, fragte Ivan frech.

„Später, noch muss ich klar denken,“ konnte der Gastgeber Zeit schinden. Insgeheim hoffte er ja, dass die Flasche leer sein würde, bevor Ivan ihn das nächste Mal fragen würde.

„Gut, dann später,“ nickte Ivan und schloss die Flasche. Seinen Mantel hatte er über seinen Stuhl gehängt. Der Schal war aus Gewohnheit noch an. Ergebend seufzte Ludwig und schaute auf die Bühne, wo die Frau immer noch ihre Ballade sang.

„Ludwig,“ sprach sein Sitznachbar ihn an.

„Ja?“ Der Angesprochene wandte sich zum größeren Mann.

„Warum hast du mich eingeladen? Aus Mitleid oder Trost oder erwartest du etwas von mir?“, fragte Ivan.

„Nein. Nichts von alldem,“ verneinte Ludwig verlegen.

„Was dann?“, setzte Ivan nach.

„Das wirst du früh genug erfahren, wenn du nicht schon von selbst darauf gekommen bist,“ wich Ludwig erneut der Fragerei aus. „Es ist eine Überraschung," fügte er hinzu.

„Eine Überraschung für mich, womit habe ich das verdient?“, wollte der Eingeladene genauer wissen. Schließlich hatte er ihm keinen Anlass gegeben, so nett zu ihm zu sein.

„Gar nicht, aber ich kann niemanden einfach so stehen lassen, wenn er mich um Hilfe bittet. Egal wie nervtötend die Anliegen auch sein mögen oder von wem sie sind und nebenbei kann ich hier auch einmal abschalten. Die Konferenz hat mir die letzten Nerven geraubt,“ erklärte der Deutsche und nahm einen Schluck seines Biers.

„Ich habe schon von deiner seltsamen Hilfsbereitschaft gehört. Dein Land hat einmal einem Mafiosi geholfen, der mit über 40 Messerstichen ins Krankenhaus eingeliefert worden war. Unter schwerer Bewachung wurde er behandelt und anschließend mit seiner Frau in Sicherheit geflogen,“ erinnerte sich Ivan an eine Geschichte, die Schlagzeilen und Unfassbarkeit hervorgerufen hatte.

„Erinnere mich nicht daran. Der Mafiosi klagte, dass er nicht mehr in unser Land einfliegen darf.“ Der Deutsche massierte sich die Schläfen und Ivan amüsierte sich.

„Also wenn ich einmal schwerkrank sein sollte, kann ich mit deine Hilfe rechnen, oder?“, warf Ivan ein.

Deutschland durchlöcherte ihn skeptisch, aber verdrehte dann die Augen. „Höchstwahrscheinlich. Du muss dir nur helfen lassen.“

„Oh? So einfach ist das? Würdest du es nicht ausnutzen wollen?“, setzte Ivan neugierig nach.

„Das würde ich eher dir zutrauen. Ich könnte mir vorstellen, dass wir Anforderungen stellen würden… aber nichts Handgreifliches,“ erwiderte der Mann mit dem Bierglas.

„Interessant,“ lächelte der Aschblonde.

Der Bildschirm zeigte einen neuen Kandidaten auf und die Zuschauer konnten ‚Ludwig‘ lesen und daneben den Song, der gesungen werden soll. Rammstein - Sonne.

„Oh, ich bin dran. Gut.“ Ludwig konnten seinen Aufruf erkennen und warf Jackett sowie Krawatte über seinen Stuhl. Ivan traute seinen Augen kaum. Passierte das wirklich?

„Du singst jetzt?!“,  wollte der ratlose Mann sichergehen, ob das hier echt war und nicht nur die berauschende Wirkung des Alkohols. Er hatte nicht viel zu sich genommen.

„Du wolltest Rammstein, also…,“ grinste Deutschland, denn zum ersten Mal war Russland mehr als verblüfft und das sah man ihm an. Der Sänger ging zur Bühne und schnappte sich das Mikrophon. Das erklärte mehr als 1000 Worte. Ivan suchte sich einen freien Platz in der Nähe der Bühne, um nichts zu verpassen. Seit wann sang Deutschland?

„Eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs, sieben, acht, neun, aus,“ war der Start des Liedes, das Deutschland auch mit einer rauen, tiefen Stimme einleitete. Im Hintergrund hörte man von den Boxen die Instrumente, die den Sänger mit Pepp begleiteten und so perfekt mit der deutschen Hardrockstimme harmonierten. Viele Gäste schauten auf, denn es war nicht üblich, weitere Fremdsprache als Englisch zu hören, und dazu noch so passiv-aggressiv.

„Alle warten auf das Licht
Fürchtet euch fürchtet euch nicht
Die Sonne scheint mir aus den Augen
Sie wird heut Nacht nicht untergehen
Und die Welt zählt laut bis zehn," sang Ludwig.
Ivan gestand sich selbst ein, dass er ihm nicht zugetraut hätte, dass er singen konnte. Klar, viele Bands wie Eisbrecher, Oomps, Subway to Sally und Rammstein kamen aus seinen Land. Aber vor allem diesem strengen, zurückhaltenden, gewissenhaften Deutschen traute man so ein Talent einfach nicht zu. Es war zwar nicht die Band persönlich, doch beinahe das Gleiche, weil Ludwig imposante Noten hinzugeben konnte. Vermutlich durch den Frust der ganzen erfolglosen Konferenzen.

„Eins - Hier kommt die Sonne
Zwei - Hier kommt die Sonne
Drei - Sie ist der hellste Stern von allen
Vier - Hier kommt die Sonne,“ wurde nun der Refrain mit einer mitreißenden Melodie gesungen. Der stolze Fan hätte fast mitgesungen, wollte sich aber nicht die Blöße geben. Deutschland könnte sich das zu Nutze machen und ihn damit aufziehen. Nein, diesen Triumph gönnte er Ludwig nicht. Allerdings waren die anderen Zuschauer bereit, das Aufzählen auf Deutsch nachzuahmen. Sie waren zwar diese Musikrichtung nicht gewohnt, aber begeistert waren einige schon. Kein Wunder, Deutschland brachte es auch überzeugend rüber. Würde er eine CD verkaufen, dann könnte sich der Russe vorstellen diese heimlich zu kaufen. Nur war das sehr unwahrscheinlich.

„Die Sonne scheint mir aus den Händen
Kann verbrennen kann dich blenden
Wenn sie aus den Fäusten bricht
Legt sich heiss auf dein Gesicht
Legt sich schmerzend auf die Brust
Das Gleichgewicht wird zum Verlust
Lässt dich hart zu Boden gehen
Und die Welt zählt laut bis zehn!“, kraftvoll, wie es der Sänger konnte, strapazierte er seine tiefe Stimme. Es war wie eine Befreiung aus dem grauen Alltag, der ihn mit Ketten fest in der Realität hielt. Zugegeben, als Japan ihn zum Karaoke-Singen eingeladen hatte, hatte der Deutsche gar nicht singen wollen. Nur Italien hatte ihn dazu überzeugen können, doch als er angefangen hatte, zu singen, hatte alles gestimmt. Von diesem Tag an verstand Ludwig auch, warum die Musik seines Landes so wichtig war.

„Eins - Hier kommt die Sonne
Zwei - Hier kommt die Sonne
Drei - Sie ist der hellste Stern von allen
Vier - Und wird nie vom Himmel fallen
Fünf - Hier kommt die Sonne
Sechs - Hier kommt die Sonne
Sieben - Sie ist der hellste Stern von allen
Acht, neun - Hier kommt die Sonne,“ endete das Lied mit leichtem Applaus, auch wenn das den Deutschen herzlich wenig kümmerte. Er war nicht auf der Bühne gegangen, um beachtet zu werden, sondern nur, um zu singen und sich so von dem inneren Frust zu befreien, und, weil er gleichzeitig einem Land und Kollegen, Ivan, eine Freude machen konnte. Als Ivan ihn wegen Rammstein gefragt hatte, war Deutschland komplett verblüfft gewesen. Aber es stimmte, Ivan und seine Landsleute schienen die Musik zu verstehen und zu mögen. Ludwig gab zu, dass er sich sehr geschmeichelt gefühlt hatte und er hoffte, dass Ivan mit dem Alternativauftritt zufrieden war. Das war das Mindeste, was er hatte tun können.


Als Ludwig wieder auf seinem Platz saß, hörte er einen privaten Applaus.
„Jetzt weiß ich, vorher deine Landsleute ihre Musik herhaben," spaßte der Fan und hörte mit dem Beifall auf.

„Ach, quatsch. Ich habe es eher von ihnen. Ich hoffe, dass war zufriedenstellend. Besser geht‘s nicht,“ meinte der Sänger und nahm einen größeren Schluck seines Biers, was gleich leer sein würde. Das war Russlands Stichwort, zwei Gläschen aufzufüllen.

„Du warst ganz okay. Besser so als gar nicht. Spasibo,“ bedankte sich der Mann mit violetten Augen. Dann fragte er: „Ich wusste gar nicht, dass du singen kannst. Wie kommt das?“

„Ach, damals hat Japan, Italien und mich zum Karaokeabend eingeladen und da hat es sich ergeben. Seitdem besuche ich gelegentlich eine Bar, wenn ich eine finde,“ beantwortete Ludwig die Frage und nahm das Gläschen an. Im Hintergrund sang ein Pärchen ein Duett von König der Löwen auf ihrer Sprache, auch wenn die Melodie dieselbe war.

„Falls du wieder eine Karaokebar besuchen solltest, gebe mir ruhig Bescheid,“ bat der Russe und trank.

„Gern, aber das muss unter uns bleiben. Ich will vor den anderen Ländern nicht mein Gesicht verlieren,“ bestätigte der Gastgeber und stellte sein Gläschen auf den Kopf, damit das Nachfüllen unmöglich wurde.

„Aber vor mir darfst du dein Gesicht verlieren oder was?“, fragte Russland, verwundert und amüsiert zugleich.

„Ha. Nicht ganz… du hast zuerst dein Gesicht verloren, als du mich wegen Rammstein gefragt hast. Außerdem müssen wir Fans doch zusammenhalten, oder?“, stellte der Deutsche fest und nahm Papier und Stift in die Hand.

Ivan hielt kurz inne und flüsterte: „Zusammenhalten.“

„Nicht in deinen Konflikten, das ist Sache der Politik. Aber so auf menschlicher Basis könnten wir auf Konzerte gehen oder so,“ stellte Deutschland richtig und wurde leicht rot vor Verlegenheit.

„Natürlich. Etwas anderes hätte ich auch nicht erwartet. Wer weiß, wie mein Land sich in Zukunft entwickeln wird. Vielleicht ist ein freundschaftliches Bündnis wieder drin. Bis dahin freue ich mich auf die Konzerte,“ meinte Russland, der verstand, dass es erst einmal ausreichen musste, eine heimliche, nicht-politische Beziehung aufzubauen. Schließlich waren die Politiken ihrer Länder zu unterschiedlich und voller Widersprüche. Auf Dauer würde es nur Stress geben.
Nichtsdestotrotz waren sie Länder. Das Land vor ihm war viel kleiner als seins, aber es hatte viele Herausforderungen gemeistert, an denen er gescheitert war. Deutschland war am Anfang seiner Tage zu Nazideutschland mutiert, doch er hatte sich inzwischen in ein vielseitiges, humanes Land entwickelt. Wer wusste schon, was eines Tages sein würde?

Sein Gegenüber riss ihn aus seiner Gedankenwelt: „Hey, Ivan, Lust auf Moskau von Rammstein? Du kannst ja den russischen Part singen.“

Lächelnd schaute der Russe auf Deutschland und erwiderte: „Da.“


Nachwort:
hiermit bedanke ich mich herzlich an chunni, die meine Geschichte verbesserte und so meine Grammatikalische Problemchen verstecken konnte. Jetzt könnt ihr fließen lesen. XD
LG Dany
PS: Ich empfehle auch mal in ihre hammer-schaurigen Story "Rote Augen" reinzulesen. XD
Review schreiben
 
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast