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don't break the rules

GeschichteHorror, Liebesgeschichte / P16 / Het
OC (Own Character) Takao Kazunari
02.12.2020
14.10.2021
9
36.092
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14.10.2021 3.906
 
Wird eine Person von einem Menschen in irgendeiner Weise bedroht oder angegriffen, so kann er zur Polizei gehen. Wenn man aber von einer unsichtbaren Macht angegriffen wird, von etwas, das man selbst nicht greifen kann, bleibt diesen Menschen nichts anderes übrig, als sich an solche Personen zu wenden, die mit eben diesen Mächten verbunden sind.

~ Takaos Sicht ~

Ich starrte bestimmt schon fünf Minuten lang in den Spiegel und wollte es einfach nicht wahr haben, aber es war tatsächlich so. Meine Wange war blau. Mein Vater hatte mich so hart geschlagen, dass sich ein Teil der Haut über den Wangenknochen und ein kleiner Teil über dem Kieferknochen bläulich verfärbt hatten. Tränen liefen mir über die Wangen. So sollte ich jetzt also in die Schule gehen? Aber krank machen konnte ich nicht. Auch weil Shin-chan mir gestern noch eine Nachricht geschickt hatte, das Akimichi-chan mich wohl gesucht hatte, 'weil sie nun doch Hilfe bräuchte'. Das bedeutete dann wohl, dass sie mein Angebot zur Nachhilfe doch annahm. Also machte ich mich doch für die Schule fertig und schlich nach unten.
Überraschenderweise brannte unten Licht. Vorsichtig näherte ich mich und spähte um die Ecke ins Wohnzimmer hinein, mit der Befürchtung, der Geist wäre hier. Obwohl ich das Brett weggeworfen hatte, hörte ich ihn trotzdem die ganze Nacht. Doch im Wohnzimmer saß niemand Anderes als mein Vater. Er sah ziemlich fertig aus und saß geknickt auf der Couch. Nach einer Weile bemerkte er mich. „Kazunari.“ Ich hatte keine Lust, mir wieder Vorwürfe anhören zu müssen, also wollte ich ihn einfach ignorieren und weitergehen. Allerdings kam ich nicht sehr weit. Mein Vater hielt mich auf und an der Schulter fest. „Hey, hey, hey... Warte mal.“, drehte er mich überraschenderweise behutsam zu sich um und sah sich mein Gesicht an. Dabei bemerkte ich, dass er ziemliche Augenringe hatte. Hatte er nicht richtig geschlafen... wegen dem Krach, den der Geist verursachte?
Mit einem gequälten Gesichtsausdruck sah er mich an. „Es tut mir so unendlich leid.“, entschuldigte er sich bei mir und nahm mich in den Arm. Völlig perplex und überrumpelt war ich steif wie ein Brett. „Ich hatte mir geschworen niemals meine Kinder zu schlagen. Es tut mir so leid.“ Planlos stand ich da, hörte meinem Vater zu, wie er sich entschuldigte. Zwar tat es gut zu wissen, dass es ihm leid tat, aber es änderte nichts an der derzeitigen Situation. Das wurde mir nach einem Moment auch klar. „Lass mich bitte los.“ Ich spürte förmlich, wie ihm dieser Satz die Kraft entzog, aber ich konnte es nicht ertragen, dass er mich umarmte, weil ich wusste, dass er mir trotz allem nicht glaubte. Er ließ mich los und ich ging wortlos zur Tür. „Willst du nichts zu essen mitnehmen?“ „Nein.“, entgegnete ich ihm kühl und monoton und verließ dann das Haus.

~ Akimichis Sicht ~

Wieder kam ich recht knapp in der Schule an, weil ich zu lange geschlafen hatte. Fast hätte ich meinen Wecker nicht gehört. Vermutlich lag es daran, dass ich abends Schwierigkeiten beim Einschlafen hatte. Mir gingen einfach zu viele Sachen durch den Kopf und es war ziemlich schwer, mein Gehirn einfach mal auszuschalten. Hatte ich am Abend davor noch über dieses hässliche Dämonenvieh nachgedacht, wollte mir gestern Abend Takao einfach nicht mehr aus dem Kopf gehen. Ständig musste ich daran denken, wie wir uns auf dem Schuldach in den Armen gelegen hatten. Er war so schön warm gewesen, ich hätte noch Stunden mit ihm kuscheln können. Es war schon eine ganze Weile her, dass ich mich einmal so wohlgefühlt habe, genauso lang wie es her war, dass mich Jemand so liebevoll in den Arm genommen hatte. Natürlich umarmte mich auch meine Tante, aber das war immer noch etwas Anderes. Bei Takao fühlte es sich irgendwie anders an. Ich wusste nicht genau wieso, aber ich wollte unbedingt nochmal in seinen Armen liegen. Ich wollte nochmal seinen schnellen Herzschlag hören und nochmal seinen Geruch in der Nase haben. Wieso roch dieser Kerl eigentlich so verdammt gut? Dieser Gedanke machte mich richtig fuchsig. Was lief da gerade falsch mit mir?
Ich flitzte in Richtung des Klassenraumes. Irgendwie freute ich mich darauf, Takao wiederzusehen. Als ich jedoch auf meinem Weg zu meinem Platz an ihm vorbei ging, verflog meine gute Laune. Wieso war seine linke Wange denn bitte blau? Ich blieb vor ihm stehen und sah ihn an. Takao bemerkte meinen Blick und senkte sofort den Seinen, versuchte die betroffene Stelle zu verdecken. Langsam schlich ich auf meinen Platz. Woher kam der blaue Fleck? Meine Tante hatte mir gestern, gleich nachdem ich nach Hause gekommen war, mitgeteilt, dass der 'süße Junge aus meiner Klasse' wieder bei ihr gewesen sei und nachdem feststand, dass sie von Takao redete, hatte sie mir gesagt, dass er wohl von einem bösen Geist heimgesucht wurde. Ob der wohl dafür verantwortlich war?

In der Pause saß Takao ziemlich still da und starrte trübsinnig vor sich hin. Midorima-kun saß noch neben ihm. Außer uns Dreien war allerdings niemand im Klassenraum. „Willst du denn nichts essen?“, erkundigte sich Midorima-kun bei ihm. „...oder hast du wieder nichts dabei?“, nutzte ich die Gelegenheit und mischte mich in das Gespräch der Beiden ein. Takao sah mich erst überrascht an und dann etwas verlegen und leicht errötet zur Seite. Ich stellte meinen Stuhl über Eck neben ihn und platzierte mein Essen vor uns. „Nimm dir was du willst.“ „Aber... Akimichi...“ „Was?“ „Ich kann dir doch nicht dein Essen wegnehmen.“ „Tust du ja auch nicht. Ich gebe es dir ja schließlich freiwillig. Ich esse das eh nicht alles.“ Noch immer sah er mich unsicher an. „Nun nimm schon oder muss ich dich füttern?“ Leicht errötend nahm er sich dann endlich doch etwas. Er musste wirklich ziemlichen Hunger haben. Er hielt sich zwar sehr stark zurück mit dem Essen, aber man sah es ihm trotzdem sehr deutlich an. Ich schob ihm das Essen dichter vor die Nase und widmete mich stattdessen seinem Bluterguss. Er zuckte etwas zusammen als ich seine Wange berührte. „Entschuldige bitte.“ „Es tut nicht weh, ich... hab mich nur erschrocken.“, murmelte er zurecht. Nachdem ich mir den Bluterguss genauer angesehen hatte, streichelte ich mit den Fingern vorsichtig über seine Wange.
„Hast du dich mit einer Tür angelegt, oder was?“, witzelte ich ein bisschen herum in der Hoffnung, dass er wirklich nur irgendwo dagegen gelaufen war. „Nicht ganz... mit meinem Vater.“, antwortete er mir. Das ging dann wohl daneben. Zwar war ich einigermaßen froh darüber, dass der Geist nicht der Verursacher dafür war, doch dass sein Vater ihn geschlagen hatte, das gefiel mir ganz und gar nicht. Behutsam nahm ich ihn in der Arm. Es war mir auch egal, dass Midorima-kun neben uns saß. Ich konnte Takao nicht einfach so hier sitzen lassen. Er sah fix und fertig aus. Nach einer Weile ließ ich ihn wieder los, allerdings nicht ohne ihm beständig über seine freie Hand und gelegentlich noch über seinen Unterarm zu streichen. Er bekam davon eine Gänsehaut, was mich ein wenig zum Grinsen brachte. Es kostete mich noch einiges an Überredungskunst, ihm auch noch den Rest meines Essens aufzuquatschen, aber er hatte sowieso keine Chance gegen mich. „Iss es und gib Ruhe. Du brauchst das, wenn du zu Hause so wenig isst.“ „Na wenn du meinst...“

In der nächsten Pause wanderte ich gerade durchs Treppenhaus , als ich die Stimmen von Takao und Midorima-kun hörte. Eigentlich wollte ich schnell weitergehen, ich wollte die Beiden schließlich nicht belauschen, aber die Fetzen, die ich verstand, hielten mich vom Gehen ab. Schlussendlich belauschte ich sie doch. Takao erzählte Midorima-kun bruchstückhaft von dem Geist und was bei ihm zu Hause alles los war. Er tat mir schrecklich leid. Am liebsten hätte ich ihn gleich wieder in den Arm genommen. Etwas machte mich aber stutzig. Zwar legte Takaos Heimsuchung, wie wir alles erst einmal zu bezeichnen pflegten, bis wir wussten, womit genau wir es zu tun hatten, Verhaltensweisen eines Poltergeistes an den Tag, doch etwas war merkwürdig. Ob nun Poltergeist, der böse geworden ist, oder böser Geist, der sich ähnlich wie ein Poltergeist verhält, dieses Vieh war irgendwie zu aggressiv für einen Geist. Was mir am meistens Sorgen machte war, dass er anscheinend stärker wurde und das auf eine für Geister recht unübliche Weise. Meine Tante hatte sich doch nicht etwa geirrt? Oder gab es etwas, das wir noch nicht wussten?“

Irgendwann in der letzten Stunde tauchte plötzlich eine eigenartige Präsenz ganz in meiner Nähe auf. Ich spürte, dass etwas in der Schule war, das hier nicht hingehörte. Was ich spürte wirkte bedrohlich und absolut bösartig. Ich versuchte es zu ignorieren, aber es ging nicht. Irgendwie kam mir dieses Gefühl auch bekannt vor. Vielleicht war es wieder dieses dämonische Miststück, das mich neulich durch die Wohnung geschleudert hatte? Ich beschloss der Sache auf den Grund zu gehen. Ich entschuldigte mich bei unserem Lehrer mit der Ausrede, ich würde mich nicht gut fühlen und dass ich auf die Krankenstation müsste. Er ließ mich also gehen, doch machte ich mich nicht auf den Weg in zur Krankenstation. Ich lief so leise wie möglich durch die Flure, auf der Suche nach dem Wesen, dass ich in meiner Umgebung gespürt hatte. Jedoch fand ich nichts. Auch nach dem Stundenklingeln war ich immer noch nicht fündig geworden. Irgendwann gab ich es auf und ging zurück zum Klassenraum, um meine Tasche zu holen. Allerdings war die nicht mehr da. Irgendjemand musste sie wohl mitgenommen haben. Ich vermutete Takao dahinter und versuchte mein Glück zuerst auf der Krankenstation, doch hatte ich ihn da, wie sich durch die Krankenschwester herausstellte, knapp verpasst. Also lief ich nun erneut durch die Schule, dieses Mal auf der Suche nach Takao.

~ Takaos Sicht ~

Noch immer war ich auf der Suche nach Akimichi-chan. Wo war sie denn nur hingegangen? Laut der Krankenschwester war sie ja niemals auf der Krankenstation angekommen. Ich begann mir Sorgen um sie zu machen. Die Schule wurde leerer und leerer. Bald war niemand mehr auf den Gängen, aber von Akimichi-chan war noch immer nichts zu sehen. Wo trieb sie sich nur herum? Irgendwo musste sie doch sein! Ich steuerte die nächste Treppe an, um noch einmal eine Etage höher nach ihr zu suchen. Kaum war ich an dieser angekommen, wurde ich fündig. Obwohl ja eigentlich ich gefunden wurde.
„Takao!“, rief mich Jemand und als ich meinen Kopf hob und zum oberen Treppenende drehte, sah ich dort Akimichi-chan stehen. „Ich suche dich schon überall.“, begann sie den oberen Teil der gegenläufigen Treppe herunter zu laufen, während ich begann die untere Treppe hinauf zu gehen. Doch als sie noch nicht einmal auf der Hälfte des oberen Abschnitts war, blieben wir Beide abrupt stehen, als wir plötzlich ein eigenartiges Geräusch wahrnahmen. Ich kannte dieses Röcheln leider nur zu gut. Mit einem unguten Gefühl im Magen und einer bösen Vorahnung im Hinterkopf sah ich abermals nach oben, während Akimichi-chan sich skeptisch umdrehte.
Oben an der Treppe stand der Geist, der mich heimsuchte. Er stand stumm da, aber ich befürchtete, dass dies nicht mehr lange so bleiben würde. Leider sollte ich damit auch noch recht behalten. Plötzlich stürmte das Miststück auf Akimichi-chan zu und bevor irgendjemand von uns reagieren konnte, packte dieses Vieh sie an den Oberarmen, hob sie an und warf sie rücklings über das Treppengeländer. Reflexartig ließ ich unsere Schultaschen fallen und versuchte sie irgendwie aufzufangen und zu verhindern, dass sie auf die Treppenstufen aus Stein prallte und sich ernsthaft verletzte. Tatsächlich brachte ich es irgendwie zustande, dass sie sozusagen auf mich viel. Das führte zwar dazu, dass sie mich mit zu Boden riss, aber das war mir lieber, als dass sie sich irgendetwas bei dem Sturz brach.

Letztendlich saß ich mehr oder weniger auf der Treppe, mein linkes Bein stand leicht angewinkelt auf einer weiter unten liegenden Treppenstufe, während mein rechtes Bein eigentlich ausgestreckt nach unten hing. Mit dem linken Arm stützte ich mich nach hinten ab, sodass ich mehr oder weniger aufrecht sitzen konnte, mit dem rechten Arm hielt ich Akimichi-chan fest und presste sie so fest an mich wie es nur ging. Sie lag auf mir, ihren Rücken an meiner Brust und mit ihrem Becken auf meinem, mein linkes Bein quasi zwischen ihren Beinen, den rechten Arm über meinen Arm und ihren Oberkörper und die linke Hand auf eine untere Stufe aufgestützt. Völlig perplex starrte sie nach oben. Mein Blick folgte ihrem. Der Geist war weg. Akimichis Atmung war schnell, sehr schnell. Außerdem spürte ich, wie sie am ganzen Körper zu Zittern begann und wie dies immer stärker wurde. „Ist dir was passiert?“, fragte ich sie, doch anstatt mir zu antworten, schob sie meinen Arm, der um ihre Hüfte lag, beiseite und schob sich von mir herunter. Sie stand etwas ungeschickt und ziemlich hastig auf und taumelte die Treppe mehr herunter als sie ging und versuchte auf ziemlich wackeligen Beinen davonzulaufen.
Ich stand ebenfalls auf und lief ihr nach, wollte sie aufhalten, doch das war gar nicht mehr nötig. Sie stand nur wenige Schritte von der Treppe entfernt an der Wand und stützte sich mit ihrer rechten Hand daran ab, während sie mit zittrigen Knien versuchte zu stehen. Es half nichts. Sie brach nur eine Sekunde später zusammen und sackte auf den Boden. Gleich darauf schlang sie die Arme um sich und begann zu wimmern und zu schluchzen. Ich kniete mich sofort vor sie und legte ihr meine Hand auf die Schulter. Kaum spürte sie meine Berührung, viel sie mir um den Hals und klammerte sich an mir fest, vergrub ihr Gesicht an meiner Schulter. Sie zitterte am ganzen Körper wie Espenlaub und begann Sturzbäche zu weinen. Mir wurde ziemlich schnell klar, dass der Schock von dem Sturz eine Art Nervenzusammenbruch bei ihr ausgelöst hatte. Ich drückte sie fest an mich, begann ihr sanft über den Rücken zu streicheln und wiegte sie ein wenig vor und zurück. Auch atmete ich so ruhig es mir möglich war, um sie zu beruhigen. Um sie zu trösten, flüsterte ich ihr beruhigende Worte ins Ohr. „Alles okay... du bist sicher... ich bin für dich da... ich passe auf dich auf... Hab keine Angst, ich bin bei dir...“

Wir saßen einige Minuten nur da und ich versuchte sie zu trösten und irgendwie wieder zu beruhigen. Irgendwann wurde sie ruhiger. Das Schluchzen ließ nach und ihr Atem passte sich dem  Meinem an. Sie löste ihre Arme, die sie um meine Schultern geschlungen hatte, von mir, nur um sie anschließend wieder um meine Hüfte zu schlingen, damit sie sich besser an meine Brust kuscheln konnte. Ich legte meinen linken Arm um ihre Hüfte, den rechten um ihre Schultern und gab ihr einen Kuss auf die Haare. Mein Herz machte dabei zwar einen Satz, aber ich musste es tun. Anscheinend störte es sie auch nicht, denn sie drückte mich als Reaktion darauf noch ein kleines bisschen fester.
„Danke, dass du da bist.“, meinte sie nach einem Moment. „Kein Problem. Das ist das Mindeste, dass ich für dich tun kann.“ „Mhm... so hatte ich mir das eigentlich nicht vorgestellt...“ „Was denn?“ „Das nächste Mal, dass ich in deinen Armen liege.“ Ich zuckte ein wenig, als sie das sagte. Bedeutete das etwas, dass sie vorgehabt hatte, mich nochmal zu umarmen? „Naja... Ich sollte mich vielleicht langsam mal auf den Heimweg machen.“, meinte sie und löste sich aus meiner Umarmung, stand auf. Plötzlich war ihre Wärme weg. „Warte!“, stand ich ebenfalls auf. „Ich kann dich doch nicht so nach Hause laufen lassen. Du zitterst doch außerdem immer noch.“ „Ich komme schon zurecht.“ „Nein, ich bringe dich nach Hause.“ „Aber musst du denn nicht zum Training?“ „Aber... Willst du dich vielleicht an den Rand setzen und zusehen? Dann kannst du dich noch ein bisschen erholen.“ „Na gut...“, gab sie dann doch nach. „Ich hab dir dein Shirt nass geheult.“, verzog sie plötzlich etwas die Miene und fuhr mit den Fingern über den nassen Stoff. „Ich ziehe mich sowieso gleich um.“, lachte ich und zauberte ihr damit tatsächlich ein leichtes Lächeln auf die Lippen, bevor wir unsere Sachen holten, natürlich trug ich ihre Tasche, und zur Turnhalle gingen.

Die anderen Teammitglieder waren etwas erschrocken, als sie Akimichi-chan mit ihren vom Weinen geröteten und geschwollenen Augen ankommen sahen, aber nachdem sie mehrfach beteuerte, dass es ihr gut ging, ließen sie sie in Ruhe. Der Coach nahm sie mit zu sich auf die Bank und ich konnte sehen, wie er sich regelmäßig nach ihrem Befinden erkundigte und sich ein wenig um sie kümmerte. Vermutlich kam da der Vaterinstinkt durch, schließlich hatte er auch eine Tochter in einem ähnlichen Alter. Allmählich hellte sich Akimichis Stimmung wieder auf. Ich war wirklich froh darüber, denn ich mochte es kein Stückchen, sie traurig zu sehen. Ich hatte sie lieber mit einem Lächeln. Ihre Tränen taten mir zu sehr in der Seele weh.
Als wir gerade eine Pause machten, setze ich mich zu ihr auf die Bank. „Wie fühlst du dich?“, fragte ich sie. Auch der Rest des Teams tummelte sich in ihrer Nähe. „Schon viel besser. Ich bin froh, dass ich nicht alleine sein muss. Außerdem macht es wirklich Spaß euch zuzusehen.“, antwortete sie mir mit einem Lächeln. Dies hielt jedoch nicht lange an und ihr Blick verfinsterte sich, als sie durch die offenen Türen der Turnhalle nach draußen sah. Dort stand Jemand. Eine männliche Person, etwa in unserem Alter. Sein Aussehen war schwer auszumachen aus der Entfernung. Auf jeden Fall hatte er kurzes schwarzes Haar und trug schwarze Klamotten. Von der Jacke bis zu den Schuhen war alles schwarz. „Entschuldigt mich einen Moment.“, meinte Akimichi in einem eigenartigen Tonfall, stand auf und marschierte schnurgerade in die Richtung dieses Typen.

~ Akimichis Sicht ~

„Was willst du hier?“ „Du bist ziemlich kühl.“ „Erzähl du mir nichts von 'kühl', Tadashi. Also, was willst du hier?“ „Du hast mich doch angerufen.“ „Da war ich nicht ganz bei Sinnen. Außerdem habe ich dir gestern schon geschrieben, dass ich dich nicht brauche.“ „Das hat sich aber anders angehört, als du mir die Nachricht hinterlassen hast. Deshalb bin ich auch zu dir gekommen, aber du warst nicht zu Hause, also habe ich mein Glück hier an deiner Schule versucht.“ „Warum? Was willst du jetzt von mir? Du interessierst dich doch schon lange nicht mehr für mich.“ „Das ist nicht wahr! Du solltest wissen, dass du mir niemals egal sein könntest. Du bedeutest für mich alles, Miyuki.“ „Dafür hast du dich aber ziemlich lange nicht mehr gemeldet und dich noch länger nicht blicken lassen, Tadashi.“ „Ich weiß und es tut mir leid. Es war ein Fehler. Es war auch ein Fehler, dich einfach so allein zu lassen, ohne ein Wort. Das hätte ich nicht machen dürfen.“
„Stimmt, das hättest du nicht machen sollen. Ich war wochenlang fix und fertig. Ich lag tagelang weinend im Bett. Weißt du eigentlich, was du mir angetan hast? Gerade als ich dich am meisten brauchte, haust du ab. Ich weiß, du hattest schon immer deine Probleme mit diesem Thema und hast dich daran gerannt, aber musste das wirklich sein?! War das wirklich notwendig?!“ „Miyuki...“ „Du hast dich nie mit mir ausgesprochen, ist dir das eigentlich klar?!“, ich wurde immer lauter, das hörte ich selbst. Wenn man mich drinnen noch nicht hören konnte, dann würde es sicherlich nicht mehr lange dauern, bis es soweit war. Doch ich konnte nicht anders. Auf einmal wollte ich meinem ganzen Ärger und Frust Luft machen und ich ließ meine Wut direkt an Tadashi aus.

„Du bist so ein Egoist! Wie konntest du mich nur so im Stich lassen?! Wieso hast du mich so lange allein gelassen?! Warum kommst du jetzt überhaupt wieder angelatscht?!“ „Ich wollte mich vergewissern, dass es dir gut geht. Ich frage mich jeden Tag, wie es dir geht. Ich suche schon lange nach einem Vorwand, um mal wieder vorbeizuschauen. Dein Anruf erschien mir als gute Gelegenheit.“ „Ach was, einfach so vorbeizuschauen ist wohl zu viel verlangt? Aber wie dem auch sei, es geht mir gut, du kannst also wieder gehen.“ „Hast du in den letzten Tagen mal in de Spiegel gesehen? Du siehst nicht unbedingt so aus, als würde es dir gut gehen.“ „Die meisten Spiegel zu Hause sind verhangen. Davon einmal abgesehen, ich weiß wie ich aussehe und das geht dich übrigens einen Dreck an.“
„Das war kein Unfall, oder? Es hat diesen Grund, nicht wahr?“ „Fängst du jetzt schon wieder damit an? Seit ich denken kann, versuchst du mir das auszureden. Willst du denn nicht verstehen, dass ich damit nicht aufhören kann? Wird eine Person von einem Menschen in irgendeiner Weise bedroht oder angegriffen, so kann er zur Polizei gehen. Wenn man aber von einer unsichtbaren Macht angegriffen wird, von etwas, das man selbst nicht greifen kann, bleibt diesen Menschen nichts anderes übrig, als sich an Leute wie mich zu wenden. Leute wie uns, aber du hast dich ja noch nie zu uns zugehörig gefühlt und du gibst einen Dreck auf deine Begabungen und die Fähigkeit, Menschen zu helfen.“ „Ja und das hat einen Grund, den gerade du kennen solltest oder hast du etwa schon vergessen, was mit Chizu passiert ist?“
„Das ist jetzt nicht dein Ernst? Das hast du mich jetzt nicht wirklich gefragt?“ Ich spürte, wie mir wieder Tränen in die Augen kamen, während ich meine Hände wütend zu Fäusten ballte. „Du Mistkerl... Dir ist klar, dass ich das alles mitangesehen habe? Ich war dabei, musste zusehen und du kommst mir wirklich mit so einem dämlichen Spruch?! Du bist so ein Arsch!“

~ Takaos Sicht ~

Akimichis aufgebrachte Stimme war in der Turnhalle gut zu hören, auch wenn man nicht verstehen konnte, was sie schrie. Aber man konnte definitiv hören, dass sie sehr wütend war. Ich kämpfte mit mir, nicht einfach nach draußen zu rennen. Sollte ich es tun? War das nicht irgendwie unangebracht? „Takao.“ Der Coach sah mich mit einer Mischung aus Sorge und Ernst an. „Sieh mal nach ihr.“, meinte er und machte eine Kopfbewegung in Richtung der Tür. Das musste er mir nicht zweimal sagen. Sofort rannte ich nach draußen. Kaum hatte ich einen Fuß nach draußen gesetzt, konnte ich hören, was der Typ zu ihr sagte. „Miyuki, es... es tut mir leid, ich -“ „Versuch bloß nicht, mich anzufassen!“, hörte ich Akimichi-chan diesen Kerl anfauchen und sah, wie sie einen Schritt zurück wich. Als der Typ ihr näher kam und seine Hände nach ihr ausstreckte, brannten bei mir die Sicherungen durch.
„Sie hat gesagt, du sollst sie nicht anfassen!“, schnappte ich mir Akimichi-chan und zog sie an mich ran, legte schützend die Arme um sie und drehte sie etwas von dem mir Unbekannten weg, sodass ich quasi zwischen den Beiden stand. „Was... Wer bist du denn?“ „Das sollte ich lieber dich fragen, aber eigentlich will es auch gar nicht wissen. Mach, dass du wegkommst, und lass Akimichi in Ruhe!“, fuhr ich ihn an. Der Typ sah mich einen Moment lang stumm an, dann begann er, sich ein paar Schritte von uns zu entfernen. „Wir reden ein andermal weiter.“, meinte er zu Akimichi, bevor er sich umdrehte und ging. Ich sah ihm noch einen Moment nach, dann wandte ich mich an Akimichi. „Alles in Ordnung?“ Akimichi blieb stumm. Sie sah noch immer diesem Typen nach. „Könnte besser sein.“, meinte sie schließlich und löste sich von mir. „Akimichi?“ „Ich brauche mal einen Moment für mich.“, meinte sie und lief in die entgegengesetzte Richtung zu der, welche der Typ eingeschlagen hatte, auf den Schulhof. Ich beschloss, sie erst einmal in Ruhe zu lassen und ging wieder in die Turnhalle.
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