Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

don't break the rules

GeschichteHorror, Liebesgeschichte / P16 / Het
OC (Own Character) Takao Kazunari
02.12.2020
20.02.2021
4
16.208
1
Alle Kapitel
1 Review
Dieses Kapitel
1 Review
 
 
02.12.2020 3.761
 
Herzlich willkommen zu meiner Fanfiktion „don't break the rules“! Wie schon in der Kurzbeschreibung steht, ist diese Geschichte der erste Teil einer Quadrologie. Insgesamt besteht dieses Projekt also aus 4 Geschichten von 4 verschiedenen Charakteren, die ich nach und nach zusammenfüge. Jede Geschichte dreht sich um das Thema Geister.

Ich wünsche viel Spaß beim Lesen und würde mich über Rückmeldung/ konstruktive Kritik freuen.

~°~°~°~°~°~°~°~°~°~°~°~°~°~°~°~°~°~°

Ouija
Regeln zur Benutzung:
1. Spiele niemals allein.
2. Spiele niemals auf einem Friedhof.
3. Verabschiede dich immer.



„Takao... Takao!...“, versuchte Midorima seinen schwarzhaarigen Freund aus dessen Gedanken zu reißen, doch auch nachdem er mehrfach dessen Namen genannt hatte, kam noch immer keine Reaktion von Takao. „Hey, Bakao!“ Erst die erneute, diesmal etwas energischere Wiederholung seines 'Spitznamens' und ein leichter Klaps auf den Hinterkopf des Schwarzhaarigen seitens seines Freundes und Teampartners konnten den Jungen aus seiner Abwesenheit reißen. „Hey! Was soll das Shin-chan?!“ „Du bist selbst schuld, wenn du nicht mehr auf deinen Namen reagierst. Ich habe dich gefühlte fünfzig Mal angesprochen, aber du starrst nur weiter Löcher in die Luft wie du es schon den ganzen Tag lang machst. Wenn ich so darüber nachdenke, machst du das eigentlich schon die ganze Woche über. Geht es dir gut?“ „Aww, Shin-chan, machst du dir etwa Sorgen um mich?“ Der Schwarzhaarige warf seinem Teampartner ein neckisches Grinsen zu, woraufhin dieser nur genervt die Augen verdrehte und sich erhob. „Vergiss, dass ich gefragt habe.“, gab er trocken von sich und ließ den Schwarzhaarigen einfach sitzen. Zumindest hatte er das vor, doch blieb Takao natürlich nicht einfach dort sitzen und folgte Midorima selbstverständlich. „Gib es zu, Shin-chan, du machst dir Sorgen um deinen besten Freund.“ „Halt die Klappe, Bakao.“ Selbstredend beließ es Takao nicht dabei, einerseits weil er Midorima nur zu gern aufzog, andererseits um zu kaschieren, dass es ihm wirklich nicht sonderlich gut ging und das schon seit einigen Tagen, wie Midorima zuvor so treffend angemerkt hatte.

Angefangen hatte das Ganze mit einem harmlosen Streich, den der Schwarzhaarige seiner jüngeren Schwester spielen wollte. Zu diesem Zwecke hatte er sich ein Ouija-Brett zugelegt. Ihre Eltern hatten die Geschwister am vergangenen Wochenende für einen Abend allein gelassen und der Schwarzhaarige hatte vorgehabt, seiner Schwester weiszumachen, sie hätten Geister im Haus. Mithilfe des Ouija-Brettes hatte er ihr dies beweisen wollen. Natürlich war er es gewesen, der die Planchette auf dem Brett bewegte, doch auf seine Schwester hatte es die gewünschte Wirkung ausgeübt. Diese war nun dementsprechend sauer auf ihn und sprach seit dem Wochenende nicht mehr mit ihrem Bruder, worum er sich allerdings weniger Sorgen machte. Der Junge war der Meinung, sie würde sich bald wieder beruhigt haben und dann auch wieder mit ihm sprechen, so wie es immer war.
Jedoch bereitete ihm etwas Anderes Sorgen. Nachdem er seiner Schwester den Streich gespielt hatte, hatte er das Brett in seinem Zimmer unter dem Bett verstaut, fand es am nächsten Morgen jedoch auf seinem Schreibtisch wieder. Zu diesem Zeitpunkt hatte er sich noch nichts weiter dabei gedacht, doch blieb es nicht dabei. Er hatte das Brett erneut unter sein Bett gelegt und fand es, als er nach einiger Zeit sein Zimmer wieder betrat, auf seinem Bett wieder. Dies ging ein paar Mal so. Immer wieder verstaute Takao das Brett irgendwo in seinem Zimmer und fand es nach einiger Zeit an einem völlig anderen Ort wieder. Zuerst hatte er geglaubt, seine Schwester wollte sich an ihm rächen und würde deshalb des Brett immer wieder verschieben, doch auch nachdem er sein Zimmer abschloss und den Schlüssel immer bei sich trug, fand er das Brett nie dort auf, wo er es zuletzt hingelegt hatte. Dies ging vier Tage lang so, bis sich am fünften Tag noch etwas veränderte. Takao hatte das Brett mitsamt der Planchette auf seinen Schreibtisch gelegt und war ins Badezimmer gegangen. Als er dieses wieder verließ, trat er auf die Planchette, die irgendwie hinter ihn auf den Fußboden gelangt war. Das Brett lag auf seinem Bett. Sein Zimmer war abgeschlossen gewesen. Niemand außer ihm war darin.

Heute war Freitag, der sechste Tag nachdem er seiner Schwester den Streich gespielt hatte. Dieses Brett ließ ihm mittlerweile keine Ruhe mehr. In jeder freien Sekunde dachte er darüber nach, wie es von alleine von einem Ort zum Anderen kam. War es womöglich doch nur seine Schwester, die sich bei ihm revanchieren wollte? Doch wie konnte sich das Brett dann hinter verschlossener Tür bewegen? Takao war sich sicher, dass er sich das nicht alles eingebildet hatte, doch konnte er auch keine logische Erklärung dafür finden. Geister konnten es nicht gewesen sein, die gab es schließlich nicht und das Brett war ja auch nur ein Spiel und nicht echt. Oder war vielleicht doch etwas Wahres an dem Ganzen dran? Nein, das war Blödsinn. Oder? Er rang eine ganze Weile mit diesen Gedanken, wusste nicht so recht, was er tun sollte, bis er letztendlich einen Entschluss fasste. Er beschloss, der Sache auf den Grund zu gehen und das Brett noch einmal zu benutzen, am besten noch heute Abend.


Als Takao an diesem Abend das Brett zur Hand nahm, sich im Schneidersitz auf sein Bett setze und das Brett vor sich legte, fühle er sich sehr unbehaglich in seinem Zimmer, als würde ihm sein Unterbewusst sagen wollen, er solle von seinem Vorhaben ablassen. Trotzdem entschied er sich dazu, das Brett erneut zu benutzen. Es war schon sehr spät. Er musste schließlich sichergehen, dass seine Familie bereits schlief, um eventuelle Unterbrechungen und Störungen zu vermeiden. Es war sehr dunkel in seinem Zimmer. Nur die kleine Nachttischlampe spendete etwas Licht. Der Junge nahm die Planchette zur Hand, legte sie auf die Mitte des Brettes, seine Fingerspitzen an der Rand der Planchette, und folgte der Gebrauchsanweisung des Hexenbrettes, welche er, anders als die Regeln und Hinweise, die er achtlos auf den Schreibtisch geworfen hatte, neben dem Brett platziert hatte. >Ziehe für jeden Spieler einen Kreis mit der Planchette<, lautete die nächste Anweisung. Da er allein spielte, zog er nur einen Kreis. Dann las er die Worte unter den einzelnen Schritten der Gebrauchsanweisung laut vor. „In Freundschaft vereint, im Herzen treu, kommt zu uns Geister, habt keine Scheu.“
Für einen kurzen Moment hielt er inne. Er hatte alle Schritte abgearbeitet. Der Kanal war geöffnet. Er atmete noch einmal tief durch, bevor er begann. „Sind hier irgendwelche Geister anwesend?“, fragte er ins Dunkel seines Zimmers. Nichts geschah. „Ist hier jemand, der Kontakt mit mir aufnehmen möchte?“, versuchte er es noch einmal. Wieder nichts. Gerade als er dachte, dass dies alles doch nur Schwachsinn sein musste und er sich vermutlich doch alles nur eingebildet hatte, und das Ganze abbrechen wollte, schien plötzlich eine unsichtbare Kraft an seinen Händen zu ziehen. Er bekam einen Schreck, als seine Hände die Planchette schließlich auf >Ja< führten. Sofort zog er die Hände von dem Stück Holz weg. Er versuchte sich zu beruhigen, indem er sich zurück ins Gedächtnis rief, dass dies Alles nicht echt war und vermutlich sein Unterbewusstsein seine Hände bewegt hatte. So funktionierte das Spiel schließlich. Trotzdem stellte er eine weitere Frage. „Wie viele Geister sind hier?“
Hatte er das Alles hier bis gerade eben noch für einen Schwindel gehalten, wurde er nun eines besseren belehrt. Ihm blieb vor Schreck fast das Herz stehen, als die Planchette sich von ganz allein, ohne dass er seine Hände daran hatte, nach unten zu den Zahlen bewegte und letztendlich auf der 1 stehen blieb. „Hast du das Brett bewegt, wenn ich nicht hingesehen habe?“, rang er sich durch, eine weitere Frage zu stellen. Als die Geisterhand diese Frage mit einem weiteren >Ja< beantwortete, sprang er vom Bett auf, machte das Licht in seinem Zimmer an, packte sowohl Brett als auch Planchette zurück in den flachen Karton und verstaute diesen in einem Schubfach.


Er wünschte sich, niemals dieses verfluchte Hexenbrett angefasst zu haben, als er sich einige Minuten später in sein Bett legte und fast schon verzweifelt versuchte einzuschlafen. Das Licht ließ er größtenteils an, da er sich viel zu unwohl fühlte, als dass er es im Dunkeln hätte aushalten können, und trotzdem viel es ihm lange Zeit über schwer, einzuschlafen. Doch auch als er nach einer gefühlten Ewigkeit endlich einschlafen konnte, sollte er keine Ruhe finden können. Bereits kurz nachdem er in den Schlaf gefunden hatte, wurde er von Albträumen geplagt.
Er fand sich in einer düsteren Umgebung wieder, einem langen, grauen Gang mit spärlichem Licht.  Alle paar Meter hingen alte, verdreckte Lampen von der Decke. Manche davon waren schon kaputt, von den übrigen flackerten bereits die Glühbirnen. Der Gang war eine Art Gefängnistrakt. Auf beiden Seiten befanden sich einige Zellen, verschlossen mit dicken Gitterstäben. Es war außergewöhnlich still, etwas zu still. Er vernahm nicht einen einzigen Ton, nicht einmal seine eigenen Schritt konnte er hören, als er den Flur vorsichtig ein paar Schritte entlang lief. Takao wusste nicht, wo er war, und genau das war es, was ihm Angst machte. Er sah skeptisch ins Dunkle am Ende des Ganges. War da etwas, das sich in den Schatten versteckte, oder spielten ihm seine Augen einen Streich? Er konnte es nicht genau erkennen, wagte sich allerdings nicht, auch nur den kleinsten Schritt näher heran zu gehen. Er war wie gelähmt, konnte weder vor noch zurück, als er plötzlich ein Geräusch vernahm. Ein Geräusch, als würde Jemand atmen. Es war ungewöhnlich laut und glich eher einem Röcheln. Außerdem hörte es sich so an, als hätte der Verursacher dieses Röchelns eine Sauerstoffmaske oder dergleichen aufgesetzt. Jeder Atemzug, den er hören konnte, jagte Takao einen Schauer über den Rücken.
Er starrte weiter ins Dunkel. Etwas schien sich dort zu bewegen. Dem Jungen schien das Blut in den Adern zu gefrieren, als aus den Schatten etwas heraus trat. Es war eindeutig eine menschliche Gestalt, doch in welchem Zustand? Die Erscheinung war barfüßig und trug eine Art Krankenhausnachthemd, zerschlissen und so dreckig, dass man dies sogar noch aus dieser Entfernung erkennen konnte. Darüber hinaus hatte die kahle Figur tatsächlich eine Sauerstoffmaske auf dem Gesicht. Es hing noch ein Stück Schlauch daran, ein sehr kurzes Stück. Die Gestalt war mager, hatte graue Haut und eine eigenartige Haltung, nicht ganz aufrecht und etwas schief. Sein Gang war schlurfend und abgehackt, quälend langsam und etwas wankend. So begann dieses eigenartige Wesen auf Takao zuzugehen. Schritt für Schritt. Der Junge wollte davon laufen, doch irgendetwas schien ihn festzuhalten. Eine Art unsichtbare Kraft, die nicht zuließ, dass er sich von der Stelle bewegte. Hinzu kam seine Furcht, die ihn nahezu lähmte. Noch nie zuvor hatte er solch eine Angst verspürt. Je näher die groteske Figur ihm kam, desto panischer wurde der Schwarzhaarige. Er versuchte beinahe schon krampfhaft aus diesem Albtraum aufzuwachen.

Plötzlich blieb die Gestalt stehen, starrte den Jungen an. Die Zeit schien einen Moment lang stillzustehen, bis plötzlich auf die vorherige Starre der Gestalt eine ruckartige, viel zu schnelle Bewegung folgte, mit der es begann auf den Jungen zu zurennen und das in einer Geschwindigkeit, die Takao niemals von diesem Wesen erwartet hätte. Gerade als die Gestalt in Sekundenschnelle immer näher an ihn heran kam, schrak Takao aus diesem Albtraum auf. Er wachte schweißgebadet auf, fuhr mit einem lauten Aufschrei nach oben und fand sich zu seiner Erleichterung in seinem Bett wieder. Allerdings sollte diese Erleichterung nicht länger als ein paar wenige Sekunden anhalten, denn kaum hatte er festgestellt, dass er wohlbehalten in seinem Zimmer in seinem Bett lag, musste er feststellen, dass er sich in absoluter Dunkelheit befand. Noch nie war ihm sein Zimmer so düster vorgekommen. Es war pechschwarz. Der bedeckte Himmel tat sein übriges. Das Licht war aus. Wieso war das Licht aus? Hatte er es denn nicht an gelassen, als er zu Bett ging? Das hatte er, aus Angst vor der Dunkelheit. Diese packte ihn sofort wieder, als ihm diese Tatsache bewusst wurde. Er zitterte am ganzen Körper, sah sich unruhig in seinem Zimmer um. Zwar konnten sich seine Augen kaum an die Finsternis gewöhnen, doch seinem Gehirn reichte das wenige Licht von außen, um aus den schemenhaften Umrissen, die der Junge langsam erkennen konnte, verzerrte Schattengebilde zu schaffen, die ihm nur noch mehr Angst machten. War da nun etwas oder bildete er sich dies ein?
Letzteres redete er sich krampfhaft ein, um sich irgendwie zu beruhigen. Zwecklos. Er war sich sicher, dieser eine Schatten in seinem Zimmer gehörte dort nicht hin. Sein Herz, das ohnehin schon wie wild schlug, begann erneut zu rasen, sein Atem wurde schneller, flacher. Ganz im Gegensatz dazu standen die zweiten Atemgeräusche, die er nun vernahm. Ein tieferes, langsameres Atmen, abgequälter, schwerfälliger und vor allem nicht natürlich. Das gleiche Geräusch wie in seinem Traum, als würde jemand mit einer Sauerstoffmaske... Der Junge sprang schlagartig auf, hastete so schnell er konnte zu dem Lichtschalter in der Nähe seiner Tür, welcher die große Deckenbeleuchtung einschalten würde und schlug hastig darauf, als er förmlich an die Wand fiel. Ruckartig drehte er sich um, presste seinen Rücken gegen die kalte Wand und suchte mit seinen Augen panisch das Zimmer ab. Zwar war es nicht sonderlich aufgeräumt, aber nicht so unordentlich, dass man jemanden darin hätte übersehen können. Da war niemand. Nichts, was nicht dort hingehörte. Auch das Geräusch war verschwunden.

Es mussten Minuten gewesen sein, in denen der Junge einfach nur dastand, an die Wand gedrückt, die Hand noch immer auf dem Lichtschalter, misstrauisch die vertraute Umgebung begutachtend, die ihm jetzt so fremd und unsicher vorkam. Langsam begann er sich wieder zu rühren. Schaltete jede Lampe ein, die sich in seinem Zimmer befand. Er wagte sich unter sein Bett zu sehen, in seinen Schrank. Er suchte jede Ecke noch einmal ab. Alles stimmte. Es gab nichts, das ihn hätte beunruhigen können. Trotzdem konnte er nicht in diesem Zimmer bleiben. Er nahm sich sein Kissen, seine Decke und zog für den Rest der Nacht auf die Couch im Wohnzimmer. Auch hier ließ er das Licht an, genau wie in seinem Zimmer, obwohl er gar nicht darin war. Zwar hatte er nicht jede Lampe angelassen, doch jegliche Beleuchtung auszuschalten, bevor er das Zimmer verließ, hatte er sich nicht gewagt. Die Deckenlampe war an geblieben. Die Schatten, welche die Deckenlampe des Wohnzimmers auf seine Umgebung warf, beunruhigten ihn zwar auch etwas, doch noch lange nicht so wie dieser Eine in seinem Zimmer, dessen Quelle er im Licht nicht hatte ausmachen können. Das Licht ausschalten, um zu kontrollieren, ob der Schatten auch wirklich da war, wagte er nicht. Es dauerte lange, bis Takao sich wieder soweit beruhigt hatte, dass er sich erneut schlafen legen konnte. Auch wenn er sich dabei äußerst unwohl fühlte.

Am nächsten Morgen wachte er durch die Sonnenstrahlen auf, die durch das Fenster direkt auf sein Gesicht schienen. Es war noch sehr früh am Morgen, niemand außer ihm war wach. Das war der Nachteil daran, dass er im Wohnzimmer geschlafen hatte, denn dort war es schon bei Zeiten sehr hell. Da er ohnehin nicht damit rechnete, wieder einschlafen zu können, beschloss er aufzustehen und sich Frühstück zu machen. So konnte er es außerdem etwas herauszögern, zurück in sein Zimmer zu gehen, denn wenn er ehrlich war, wollte er dies immer noch nicht. Die Angst der vergangenen Nacht saß ihm noch immer in den Knochen. Irgendetwas tief in ihm wehrte sich vehement dagegen, zurück in dieses Zimmer zu gehen. Allerdings konnte er es auch nicht ewig vermeiden, das war ihm klar. Wenigstens machte der Gedanke daran, dass es jetzt hell war und die Sonne in sein Zimmer schien, die Sache etwas erträglicher. Letztendlich gab es ihm den Mut dazu, sein Zimmer wieder zu betreten.
Alles schien normal und friedlich, wenn man einmal davon absah, dass das Licht erneut ausgeschaltet war, obwohl er es definitiv an gelassen hatten, und das Ouija-Brett ebenfalls wieder mitten in seinem Zimmer lag. Dieses verfluchte Ding löste mittlerweile einen tiefen Zorn gemischt mit Frustration in ihm aus. Er wollte es loswerden, unbedingt und so schnell wie möglich. Er zog sich schnell seinen Schlafanzug aus und seine normalen Alltagssachen an, dann schnappte er sich das Brett und brachte es nach draußen, warf es in eine der Mülltonnen, stapfte wieder ins Haus und setzte sich im Wohnzimmer vor den Fernseher, um seinen Kopf wieder frei zu kriegen. Erst einige Zeit später stand auch der Rest seiner Familie auf, zuerst seine Schwester, kurz darauf seine Eltern. Letztere verdonnerten ihn recht schnell dazu, seine Hausaufgaben zu machen und zu lernen. Takao erhob sich also mehr oder weniger freiwillig von der Couch und ging widerwillig in sein Zimmer. Einerseits hatte er keine Lust auf Hausaufgaben, andererseits mochte er noch immer nicht in seinem Zimmer sein, aus gutem Grund. Er öffnete die Tür, ging hinein und da lag es. Mitten auf dem Bett. Das Ouija-Brett. Wie um Himmels willen war das Hexenbrett zurück in sein Zimmer gekommen?


Der Tag verlief ziemlich ruhig und ohne weitere ungewöhnliche Vorkommnisse, was Takao allerdings nur wenig beruhigte. Je näher der Abend rückte, desto unruhiger wurde er und das unbehagliche Gefühl in seiner Magengegend wurde von Stunde zu Stunde stärker. Er spielte schon seit einiger Zeit mit dem Gedanken, einfach wieder ins Wohnzimmer zu ziehen und dort zu schlafen, als er irgendwann spät am Abend beschloss ins Bett zu gehen, da er sich vor Müdigkeit nicht mehr halten konnte. Es war schon sehr spät, eigentlich schon nachts. Er wusste selbst nicht so genau, wie er es geschafft hatte, so lange wach zu bleiben. Immerhin hatte er in der vorherigen Nacht nicht besonders lang und vor allem sehr schlecht geschlafen, aber irgendwie war es ihm doch gelungen, sich wach zu halten. Noch immer versuchte er nahezu krampfhaft nicht einzuschlafen, aber die Erschöpfung übermannte ihn letztendlich doch und er schlief ein. Er schlief ruhig und fest, bis er äußerst unsanft geweckt wurde.
Ein sehr lautes Geräusch riss ihn unsanft aus dem erholsamen Schlaf. Eine Art Knall, als würde jemand eine Tür mit aller Kraft zuknallen. Sofort schrak er auf und sah sich um, wenn er auch nicht viel erkennen konnte im Halbdunkel, allerdings gab es auch nicht wirklich etwas zu sehen. Woher das Geräusch gekommen war, konnte er nicht ausmachen. Seine Türen waren Beide zu gewesen. Oder hatte jemand an die Tür gepocht? Doch so laut war das kaum möglich. Vielleicht kam es ihm aber auch nur lauter vor als es eigentlich war, weil er geschlafen hatte. Er stand also auf und ging zu seiner Zimmertür, um diese zu öffnen und nachzusehen, ob vielleicht seine Schwester davor stand. Es wäre nicht das erste Mal gewesen, vor allem bei Gewitter kam es hin und wieder vor, dass seine Schwester zu ihm kam und mit unter seine Bettdecke kroch, einer der wenigen Momente, in denen sich die Beiden ausgezeichnet verstanden. Dass das Licht dieses Mal an geblieben war, beruhigte ihn etwas, als er durch sein Zimmer lief. Das Gegenteil bewirkte jedoch die Tatsache, dass der gesamte Flur leer war, als er seine Zimmertür öffnete und hinaus spähte. Noch schlimmer wurde es, als er die Tür wieder schloss und ihr den Rücken zu kehrte, als plötzlich erneut ein ungewöhnlich lautes Hämmern an dieser zu hören war. Er sprang vor Schreck förmlich von dieser weg und starrte sie im Darauffolgenden mit weit aufgerissenen Augen an. Der Flur war leer gewesen. Da war niemand auf der anderen Seite der Tür. Außerdem war das Pochen an der Tür viel zu laut gewesen, fast schon unnatürlich.

Einen kurzen Moment überlegte er, die Tür erneut zu öffnen, entschied sich dann aber sehr schnell dafür, einfach abzuschließen und sich schnellstmöglich in sein Bett zu legen. Kaum lag er darin, begann das Licht zu flackern. Jetzt bekam er wieder Panik. Genau wie in der Nacht zuvor. Er nahm sein Handy zur Hand und schaute auf die Zeitanzeige. Diese schaltete gerade auf 3:03 um. Er musste etwa gegen Punkt drei Uhr aufgewacht sein. Sehr lange hatte er also noch nicht geschlafen. Vielleicht sollte er wirklich wieder auf die Couch im Wohnzimmer ziehen? Doch dann müsste er die Tür öffnen, was er ja eigentlich vermeiden wollte. Er lag angespannt da und horchte, ob nochmal etwas an die Tür schlagen würde. Das Klopfen, dass er kurz darauf vernahm, kam jedoch nicht von der Tür, sondern entsprang vielmehr der Wand neben ihm. Als würde jemand an der anderen Seite mit den Knöcheln daran schlagen, um Klopfzeichen zu geben. Takao wartete ab, aber es blieb still. Wenn er sich einfach wieder schlafen legte...
Doch dazu sollte es nicht kommen. Zuerst wurde das Klopfen in der Wand energischer, ließ ihm bald schon keine Ruhe mehr. Da er darauf allerdings nicht reagierte, ließ sich, was auch immer Verursacher für diese seltsamen Vorkommnisse war, etwas Anderes einfallen. Schließlich begann irgendetwas an seiner Tür zu kratzen. Erst von außen, kurz darauf klang es so, als würde es von innen kommen. Bald darauf glaubte er Schritte in seinem Zimmer zu hören, konnte aber nichts sehen. Das Licht flackerte immer schlimmer, bis das Flimmern plötzlich aufhörte. Auf einmal wurde das Licht immer heller und heller, was eigentlich gar nicht passieren dürfte. Plötzlich war das ganze Zimmer hell erleuchtet. Takao begann sich aufgescheucht umzusehen und blieb mit seinen Augen förmlich an seinen Vorhängen kleben, denn er glaubte eindeutig Beine und Füße hinter diesen hervorragen zu sehen, als genau in diesem Moment die Glühbirnen durch die zu hohe Spannung zersprangen. Nun war alles finster. Wieso musste das ausgerechnet jetzt passieren? Stand dort nun Jemand hinter den Vorhängen oder nicht? Takao versuchte etwas im Dunkeln zu erkennen, doch seine Augen gewöhnten sich nur sehr langsam an die neuen Lichtverhältnisse. Allerdings funktionierten seine Ohren sehr gut, sodass er deutlich das inzwischen leider bekannte Röcheln hören konnte. Die gleichen unterdrückten Atemgeräusche wie letzte Nacht. Doch dieses Mal, war etwas anders. Takao glaubte plötzlich Geflüster zu hören, bis er letztendlich etwas genauer verstehen konnte. „Hinter dir“
Takao brauchte keine Sekunde, um aus seinem Bett aufzuspringen und wie von der Tarantel gestochen zur Tür zu rennen. Jetzt bereute er, diese abgeschlossen zu haben, denn auch wenn es nur einen kurzen Moment dauerte, den Schlüssel wieder herum zu drehen, dauerte es dem Jungen in diesem Augenblick zu lange. Er wollte einfach nur so schnell wie möglich weg von dieser unheilvoll tiefen, kratzigen, ächzenden Stimme, die ihm so nah gewesen war, als er diese zwei Worte glaubte verstanden zu haben, und nun hinter ihm zu lachen begann. Noch nie war er so schnell aus seinem Zimmer gerannt und würde vermutlich auch nicht so schnell wieder zurück gehen. Wieder einzuschlafen konnte er nun selbstredend komplett vergessen. Er schaltete jedes Licht ein, das er finden konnte, kauerte sich auf der Couch zusammen und fing an zu beten, dass es bald hell werden und er bis dahin seine Ruhe haben würde.
Review schreiben
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast