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Twenty four days before christmas

von Helier
SammlungAllgemein / P16 / MaleSlash
02.12.2020
25.12.2020
26
26.092
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02.12.2020 1.171
 
Mit rauchendem Kopf sackte ich immer mehr über dem aufgeschlagenen Buch vor mir zusammen. Ich nahm die Buchstaben kaum noch wahr, und die Informationen die mir der Text vermitteln wollte schon gar nicht. Seufzend klappte ich den Wälzer zu und streckte mich, wodurch der Stuhl unter mir knarzte.
Heute Morgen war ich in die Bibliothek der Universität geflüchtet, um in Ruhe an meiner Masterarbeit zu schreiben. Zu Hause war durch meine Verlobte das Winter Wonderland eingezogen. Direkt nach Thanksgiving hatte meine kleine Weihnachtselfe angefangen, unsere Wohnung für Weihnachten herzurichten. Ich ließ Lizzy gewähren, da ich wusste, dass es ihr Lieblingsfeiertag war.
Doch heute, am 1. Dezember, hatte ich das Gefühl sie mutierte: von einer ganz normalen Weihnachtselfe zu einer Weihnachtselfe, die auf Zuckerstange war. Es war süß, aber auch anstrengend. Als dann noch meine Mutter und Großmutter hereinschneiten und mir eröffnet wurde, das Sofia und Serah ebenfalls kommen würden, da die Frauen sich zum Marathon-Kekse-backen verabredet hatten, räumte ich meinen Schreibtisch und fuhr zur Uni. Sie sollten ihren Spaß haben, aber ich brauchte Ruhe.
Die hatte ich in der Bibliothek gefunden, doch nach vier Stunden recherchieren, sortieren und schreiben, streikte mein Hirn. Kaffee, das war nun genau dass, was ich brauchte. Ich fischte mein Smartphone aus der Hosentasche. Der Startbildschirm zeigte einige Nachrichten meiner kleinen Weihnachtselfe an. Fotos die belegten, dass unsere Küche nun eine Backstube war. Was für ein Chaos. Die Frauen sahen allerdings sehr vergnügt aus, was mich schmunzeln ließ. Ich öffnete den nächsten Chat und fragte meine beiden besten Kumpels, in unserem „Männerrunde“-Chat, ob sie Zeit für einen Kaffee hätten. Sie waren beide in der Uni, soweit ich wusste. Luke war der Erste der antwortete:
//„ Du sprichst mir aus der Seele. Mensa in 15 Minuten?“//
Ein Daumen nach oben Smiley war meine Antwort. Geschwind verschwand mein Schreibkram im Rucksack. Das Aufstehen weckte meine müden Glieder, die vom langen Sitzen ganz steif geworden waren. Auf dem Weg zur Mensa würden sie sich wieder lockern können. Da der Campus der University of New Orleans nicht gerade klein war, hatten sie genug Zeit dazu.

Luke und ich betraten gemeinsam die Mensa im University Center. Evan hatte geschrieben, dass er bereits da sei, Kaffee besorgte und unseren Stammtisch verteidigen würde. Wir waren genau zur Mittagszeit eingetroffen und die Mensa platze aus allen Nähten. Ein Stimmengwirr erfüllte den Raum und alle wuselten mit ihren Tabletts durch den riesigen Raum. Zielsicher kämpften mein bester Freund und ich uns durch die Menge.
„Das nächste Mal nehmen wir den Kaffee mit und setzen uns raus“, sagte Luke und ließ sich seufzend auf einem Stuhl neben Evan sinken. Ich setzte mich gegenüber von den beiden auf einen weiteren. „Bei den winterlichen Temperaturen, bist du verrückt?“, fragte Evan überspitzt und wir drei brachen in Gelächter aus. In meiner Heimatstadt wurde es nie kalt. Unser Kalt waren gute 68°F im Dezember. Wenn es richtig kalt wurde, fiel das Thermometer auch mal auf 64,4°F. Draußen sitzen war also auch im Dezember kein Thema.
„Eure Küche sieht übrigens aus, als wäre eine Zuckergussbombe explodiert. Sofia hat mir ein Bild geschickt“, sagte Evan und holte sein Smartphone hervor.
„Serah mir auch! Ja, es sah dem ganz ähnlich“, bemerkte der Blonde und schaute sich Evans Bild an. Danach präsentierte es mir der Braunhaarige. Im Hintergrund waren mittlerweile mehrere Bleche mit Keksen zu sehen, die bunt verziert wurden.
„Wer soll die Massen bloß essen?“, fragte ich mich laut und nippte an meinem Kaffee, der meine müden Geister zu kitzeln begann. Ja, die Pause war genau das richtige gewesen.
„Ach, zur Not wird Lizzy sie vernichten. Jetzt wo sie einen Braten in der Röhre hat, ist sie bestimmt ganz wild auf Zucker.“ Evans Grinsen verschwand, als er meinen bösen Blick sah. Ich fand diese Bezeichnung einer Schwangerschaft schon immer abwertend, und jetzt, wo es um meine Verlobte ging, noch mehr. Und mein Krümelchen.
„Könntest du bitte aufhören, mein Kind mit einer Feiertagsspeise zu vergleichen und seine Mutter mit einem Küchengerät?“
„Uhhh… ich würde sagen der Vaterbeschützerinstinkt funktioniert bei dir.“ Frech grinsend nippte mein guter Kumpel an seinem Kaffee, während ich ihn weiter mit Blicken durchbohrte.
„Hast du denn schon was für deine Liebste zu Weihnachten?“, fragte er mich nun, um die Situation zu entschärfen. Damit hatte er ins Schwarze getroffen. Für meine kleine Weihnachtelfe war mir noch kein Weihnachtsgeschenk eingefallen. Um ehrlich zu sein, hatte ich auch nicht viel drüber nachgedacht. Doch nun war Dezember und Weihnachten kam jeden Tag näher.
„Nein, leider nicht“, gab ich seufzend zu.
„Flynn, ich bin schockiert. Ich hätte gedacht du wärst besser vorbereitet und Luke und ich könnten uns ein paar Tipps abholen.“ Okay, Evan hatte also auch noch nichts für Sofia. „Aber musst du ihr überhaupt noch was schenken? Du hast ihr einen Heiratsantrag gemacht und einen Bra… sie geschwängert. Was willst du ihr da noch schenken?“
„Ein Eigenheim?“, warf Luke als Idee ein. Evan prustete in seinen Kaffee. Nun wurde Luke von meinem Blick durchbohrt.
„Ihr zwei braucht gar nicht witzeln, ihr scheint ja selber keine Ideen für eure Ladies zu haben.“
„Treffer, versenkt“, gab Evan zu und nippte wieder an seinem Becher. „Können die Mädels nicht einfach einen Wunschzettel schreiben, so wie Emily? Bei der weiß ich ganz genau, was ich besorgen muss.“ Emily war Sofias vierjährige Schwester, die bei den beiden lebte.
Die Idee war gar nicht so schlecht. Es würde das Schenken eindeutig leichter machen. Aber ob die Mädels sich darauf einlassen würden?
Es war schöner wenn man seinen Partner mit etwas überraschen konnte, was nicht auf einer Liste stand. Doch dafür brauchte man eine Idee und wie es aussah, waren wir drei alle gleich ratlos, was dies betraf.
„Sof ist doch so eine Shopping Queen. Es gibt doch bestimmt eine teure Handtasche, auf die sie ein Auge geworfen hat“, schlug ich Evan vor.
„Eine? Das ist untertrieben. Aber ich möchte ihr nicht die Hundertste schenken, die sie nur einmal benutzt. Ich möchte… was Besonderes.“ Mit vielsagenden Blicken, die mit schiefem Grinsen untermalt wurden, sahen Luke und ich den Braunhaarigen an. Es war erstaunlich, wie sehr er sich durch diese Beziehung verändert hatte. Er war ein richtiger Familienmensch geworden, oder besser gesagt: er zeigte ihn. Dass in Evan schon immer ein Familienmensch geschlummert hatte, da war ich mir sicher. Er hatte ihn nur gut versteckt. „Hört auf, so dumm zu grinsen. Ihr zwei seid doch nicht besser. Ihr wollt euren beiden Mädels auch keine „null-acht-fünfzehn Geschenke“ machen, oder?“ Da hatte er Recht. Grübelnd schauten wir drei in unserer halbvollen Kaffeebecher.
„Vielleicht bringt eine gemeinsame Shopping Tour uns auf gute Ideen!“ Gleichzeitig schauten Evan und ich zu Luke auf. „Das klingt gar nicht mal so doof“, erwiderte Evan und schielte zu mir, als müsste ich das ganze absegnen.
„Ich bin dabei. Auch wenn es bestimmt die Hölle wird.“ Einkaufen gehen in der Weihnachtszeit war die reinste Katastrophe.
„Ach, ich dachte für Lizzy und den Braten würdest du durch alles gehen. Hey…“ Es reichte! Mit vernichtend funkelnden Augen warf ich Evan das Zuckerpäckchen entgegen, das ich nicht gebraucht hatte.
 
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