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Eine verzauberte Weihnacht

GedichtFamilie, Liebesgeschichte / P12 / Gen
01.12.2020
25.12.2020
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02.12.2020 395
 
Ein frostiger Wind empfängt mich, als ich die Türe öffne.
Mein Mantel peitscht gegen den unnachgiebigen Wind, während meine schweren Schuhe auf dem Asphalt knirschen. Zitternd presse ich meine Tasche an meine Brust, meine Hände sind bitterkalt und rau, und meine Nase ist gerötet wie die des kleinen Rudolfs.
Einige Menschlein sitzen wahrscheinlich vor ihrem Fernseher, lauschen den familiären Klängen, dem Kinderlärm, die Stimmen ihrer Liebsten oder dem knisternden Feuer ihres Wärme spendenden Kamins.
Ich jedoch bin Lehrer und gehe meinen Weg zur Schule.
Kahle Äste winken mir freundlich, wenn ich ihren Weg passiere. Junge dick eingepackte Kinder kreuzen meinen Weg hüpfend mit ihren Freunden und einige ältere Pärchen trudeln lächelnd und nach Zimt riechend – wahrscheinlich die ersten Kekse für ihre ungeduldigen Enkel backend – an mir vorbei.
Die Schule erscheint mir umso kälter.
Überall graue Flure und müde Äuglein, die ich wieder nach 45 Minuten vergessen werde.
Ein so gewöhnlicher Tag, der 2. Dezember.
Die Weihnacht scheint sich um meinen Hals zu legen, umarmt mich wohlig, um zu flüstern, sie sei mir ganz nah, obwohl ich dies wahrlich noch nicht spüren kann.
Die Aufsätze meiner Schülerinnen und Schüler häufen sich und der Stapel scheint sich zu verdoppeln, wenn ich mal nicht schaue. Mein goldener Stift mit den Zuckerstangen – und Tannenbaumverzierungen schwebt über das dünne Papier und mein Verstand ist gefangen inmitten dieser unendlich langen Flure aus Silben und Wörtern. Fremde Gedanken streifen an mir vorbei, manche erfassen mich, manche auch wieder nicht.
Und plötzlich ist 16 Uhr und der Tag scheint mir schon vorüber.
Als ich die restlichen Unterlagen zusammenpacke, blicke ich auf die kahlen weißen Wände und frage mich, ob ich sie doch schmücken sollte.
Aber ich würde dies eh wieder vergessen.
Es ist ja auch erst der 2. Dezember.
Ich klammere mich an meinen Schal und wappne mich gegen die Kälte, als ich die Tür aufstoße.
Der Hof ist verlassen, doch wahrlich nicht einsam.
Es herrscht eine solch friedvolle Ruhe und beinah spüre ich – erahne ich, dass dieser Moment nur für mich bestimmt sein sollte.
Ein kleines Schneeflöckchen fällt Pirouetten drehend auf meine Nase und hinterlässt eine angenehme Kälte.
Völlig verdutzt schaue ich empor und da! - Erneut tanzen winzige Flöckchen auf meine Stirn.
Lachend strecke ich die Arme empor und umarme den ersten Schnee und seine elegant gezeichneten Vorboten, welche glitzernd die Lüfte beherrschen.
Der 2. Dezember ist wahrlich kein gewöhnlicher Tag!
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