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Das Mittelerde-Alphabet: Ein Adventskalender

KurzgeschichteAllgemein / P12 / Gen
01.12.2020
26.02.2021
40
29.830
10
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03.12.2020 555
 
"Müssen wir diese Stammbäume wirklich lernen, Nana?"
Mit herzzerreißendem Blick schaute Elrohir seine Mutter an.
"Ja, das müsst ihr, Liebling", erwiderte Celebrían sanft, aber doch in einem Tonfall, der keinen Widerspruch duldete. Doch so schnell gab ihr Sohn nicht auf.
"Aber wieso? Die Namen klingen alle gleich, und außerdem sind die doch bis auf deine Eltern eh schon alle gestorben, obwohl sie unsterblich waren!", beschwerte er sich.
"Stimmt gar nicht!", mischte sich sein Zwillingsbruder Elladan ein. "Vaters Großvater, Tuor, und der Großvater von Vaters Mutter, Beren, und ihre Vorfahren waren Edain, und die sind sterblich. Deshalb sind wir ja Halbelben."
"Richtig", lobte Celebrían ihren Ältesten. "Weißt du, Elrohir, es gibt viele Gründe, warum ihr diese Namen lernen solltet. Denn ihr müsst eure Vorfahren kennen, um zu verstehen, wer ihr selbst seid. Du hast Recht, die meisten von ihnen sind schon tot, denn auch Elben können im Kampf sterben. Und es gab viele Kämpfe in den vergangenen Zeitaltern. Dadurch ist euer Vater einer der Letzten aus einem sehr mächtigen Geschlecht der Elben, zu dem auch meine Mutter gehört - wäre es sein Wunsch, könnte er sich Hochkönig der Noldor nennen. Und wenn ihr mir sagen könnt, wie sich diese königliche Abstammung aus dem Stammbaum eures Vaters herleiten lässt, dann lasse ich euch für den Rest dieses Tages damit in Ruhe."
Diese Aussicht gefiel Celebríans Söhnen ganz offensichtlich, sodass ihr Ehrgeiz neu geweckt war.
"An Vaters menschlichen Vorfahren kann es schon mal nicht liegen", schloss Elrohir zunächst das Offensichtliche aus.
Elladan überlegte angestrengt.
"Was ist mit Luthien, Berens Gemahlin, der Tochter von Thingol?"
Elrohir schüttelte entschieden den Kopf.
"Thingol war doch kein Noldo!"
"Aber Melian, Luthiens Mutter, ist eine Maia, und das ist doch schon ziemlich königlich, oder?", hielt Elladan dagegen.
"Trotzdem, das kann es nicht sein", beharrte Elrohir. Ratlos sahen die beiden ihre Mutter an. Celebrían lächelte.
"Da ihr mir mit eurer Diskussion gezeigt habt, dass ihr die Stammbäume doch schon erstaunlich gut gemeistert habt, werde ich es euch verraten. Es ist eigentlich ganz einfach. Idril, die Mutter eures Großvaters Earendil, war die Urenkelin von Finwe, dem ersten Hohen König der Noldor."
"Es ist eigentlich ganz einfach", wiederholte Elladan ungläubig, was Celebrían ein herzliches Lachen entlockte. Elrohir beschloss, die gute Laune seiner Mutter auszunutzen.
"Dürfen wir jetzt trotzdem gehen? Bitte, Nana! Wir wollten unbedingt Glorfindel auf dem Kampfplatz zusehen, und er hat versprochen, nachher mit uns einen Ausritt zu machen!"
Auch wenn Celebrían der Meinung war, dass ihre Söhne froh sein sollten, in vergleichsweise friedlichen Zeiten und in der Sicherheit von Bruchtal aufwachsen zu können, hatte sie doch Verständnis. Natürlich bewunderten sie einen Krieger wie Glorfindel. Und vielleicht konnte er ihnen ja auch etwas Freude daran bereiten, die Stammbäume zu lernen, wenn sie merkten, dass dies alles nicht bloß trockene Theorie war.
Deshalb sagte sie:
"Ausnahmsweise lasse ich euch heute mal davonkommen. Viel Spaß beim Reiten!"
Augenblicklich sprangen die beiden auf und waren in Windeseile verschwunden. Celebrían sah ihnen nach, von tiefem Glück erfüllt, dann begab sie sich auf die Suche nach ihrem geliebten Gemahl. Ja, sie liebte Elrond aus tiefsten Herzen. Doch nicht aufgrund seiner königlichen Abstammung, sondern um seiner selbst willen.
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