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Weihnachtszeit mit den Winter-Beckmann's

von zazzy84
GeschichteRomance, Familie / P18 / MaleSlash
Ingo "Easy" Winter Richard "Ringo" Beckmann Tobias Lassner Vivien "Vivi" Köhler
29.11.2020
22.03.2021
5
37.212
9
Alle Kapitel
24 Reviews
Dieses Kapitel
3 Reviews
 
14.01.2021 6.570
 
Hallo Ihr Lieben!

Ist überhaupt noch jemand da??? Naja, ich hoffe es.

Auch jetzt wünsche ich euch noch ein frohes neues Jahr! Was soll ich sagen????? Ich muss mich bei euch entschuldigen. Aber wahrscheinlich kennt ihr das selbst auch. Oft kommt es anders als man es sich vornimmt. Leider!!

Natürlich danke ich euch für jedes Review (um die ich mich jetzt als nächsten kümmere ;) ) und Like.
Das motiviert mich noch die zwei letzten geplanten Kapitel zu beenden.

So, aber nun wünsche ich euch viel Spaß und hoffe ich habe euren Geschmack getroffen.

Liebe Grüße,

Sarah

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4. Advent oder Tatsächlich… Liebe

Wo war dieser verflixte Pfandschein??? Ringo zermarterte sich das Hirn. Er war sonst immer so sorgfältig und gerade in diesem Fall sollte er es doch erst recht sein. Dieser kleine Zettel war sein Weg zurück zu dem was ihm von seinen Eltern beziehungsweise seinem Vater geblieben war. Ringo war eigentlich nie sonderlich sentimental gewesen, aber natürlich hing er an diesem Teil.

Aber um sie eines Tages wieder zu bekommen, benötigte er den Pfandschein, der nun offensichtlich verschwunden war. Er hatte ihn doch in seine Aktentasche getan oder war es der Terminkalender gewesen? An seinem Arbeitsplatz hatte er ihn nicht. Da kam er gerade her, obwohl das jetzt im Nachhinein betrachtet sicherlich der bessere Ort gewesen wäre. Nein, im besten Fall hätte er mit Easy darüber gesprochen. Er war so ein Idiot.

„Hey Ringo! Du hast doch vor ner Stunde schon Feierabend gemacht, oder nicht???“ unterbrach Vivien seinen Gedankengang als er vor das Gebäude von HuberBau trat. Stinker sah ihn freudig an, weshalb er automatisch in die Hocke ging und den Vierbeiner hinterm Ohr kraulte. Dann sah er seine ehemalige Mitbewohnerin an. „Ne, stimmt schon. Ich habe nur was gesucht und dachte ich hätte es im Büro liegen lassen. Aber Fehlanzeige.“

Langsam kam er wieder hoch und steckte gedankenverloren die Hände in die Taschen. „Okayy. Hoffentlich nichts Wichtiges? …“ fragte Vivien, obwohl sie sich durch Tobias und Easy denken konnte um was es ging. Ringo schüttelte reflexartig den Kopf. „Alles gut. …“ meinte er, merkte jedoch selbst, wie wenig überzeugend es klang. Aber sollte er sich jemandem anvertrauen oder war das etwas nur zwischen ihm und Easy?

Vivien sah ihn forschend an und Stinker kläffte. „Du, wir wollten gerade eine kleine Runde drüben im Park drehen. Vielleicht magst du mitkommen??“ schlug sie dem größeren vor. Ringo überlegte kurz, willigte dann ein und sie liefen Richtung Park. Dort angekommen ließ Vivien Stinker von der Leine, der wie außer Rand und Band über die Wiese flitzte und ergriff direkt das Wort. „Du siehst nicht aus, als wäre alles gut, wenn ich ehrlich bin. … Also was ist los?“

Ringo druckste ein wenig herum und rang mit sich. „... Wahrscheinlich sollte ich da besser erst mit Easy drüber reden.“ murmelte er nur, doch Vivi verstand es dennoch. „Den sehe ich hier aber gerade nicht und irgendwas beschäftigt dich, so sehr, dass du mit uns in den Park gehst. … Hör mal, ich weiß ich bin nicht Easy, der wüsste sicher was mit dir ist. Der kann ja schließlich ‚Ringonisch’, aber vor Weihnachten sollte nicht mal ein Richard Beckmann so nachdenklich herumlaufen.“ erklärte sie völlig überzeugt, um ihn ein bisschen aus der Reserve zu locken.

Das gelang ihr, denn etwas schmunzeln musste Ringo nach Viviens Worten. „Ringonisch?? …“ Vivien nickte lächelnd und versuchte zu erklären was sie meinte. „Man, was Besseres fiel mir nicht ein. Aber ihr halb halt so eine Connection die keiner sonst versteht! Umgedreht ist es ja nicht anders.“

„Ja, das ist was dran.“ stimmte er zu und Vivien bemerkte für einen Moment diesen verknallten Blick bei Ringo. „… Also eigentlich geht es um die Sache nach Rio vor ein paar Monaten. … Als ich da von dir erfuhr, was Easy getan hatte, wollte ich ihm helfen. …“ seine Stimme war leise, aber deutlich und sie klang traurig. Die junge Frau wusste, wie schwer es Ringo fiel, sich emotional jemand anderem als Easy zu öffnen, daher ließ sie ihm die Zeit, die er brauchte.

Ringo musste ein paar Mal schlucken, bevor die Worte seinen Mund verließen. „... Doch jede Lösung, die mir in den Sinn kam, war nicht schnell genug. … Aber als ich dann einen Blick auf meine Uhr warf, eigentlich nur um zu sehen, wann Easy vom Shooting käme, wusste ich es plötzlich. … Ich musste mich … von der Uhr meines Vaters trennen. …“

Er schwieg einen Moment und sah auf sein Handgelenk hinunter, als er durch die Jacke eine Hand an seinem Oberarm bemerkte. „Du hast sie für Easy weggegeben?“ Er nickte mit einem traurigen Lächeln. „Wow. … Ich bin sprachlos. Sie hat dir doch immer so viel bedeutet.“ meinte Vivien, ehrlich beeindruckt.

„Ich liebe ihn halt, … mehr als alles andere. Er ist meine Familie, mein Anker, auch wenn er manchmal übers Ziel hinausschießt. So konnte ich wenigstens ein bisschen helfen. Aber wäre ich nicht so ein Honk bestände zumindest noch die minimale Chance sie irgendwann wieder zu bekommen … aber jetzt?“ erwiderte Ringo zähneknirschend und mit betretener Miene.

Vivien versuchte ihn so ratlos wie nur möglich anzuschauen. „Wie meinst du das? Hast du eine Rückkauf-Option?“

Der größere sah sie an. „Fast. … Aber bitte behalt das für dich!“ Ein kurzes Zustimmen der jungen Frau genügte ihm und er holte nochmal tief Luft. „… Ich habe sie zum Pfandleiher gebracht. Es musste ja flott gehen. Nur finde ich den Schein jetzt nicht mehr und ohne den kann ich nicht mal die Frist verlängern. Ich habe schon angerufen. …” kaum hatte er das ausgesprochen, ließ er die Schultern hängen, aber er merkte auch, dass es ihm gut tat mal darüber zu sprechen.

Vivien dagegen fühlte sich nun in einer kleinen Zwickmühle, wusste sie schließlich, dass die Uhr nicht verloren war. „Puh, …“sagte sie, um ein wenig Zeit zu schinden. „… Das ist natürlich saublöd, aber warum hast du nicht mit Easy gesprochen?“ wollte sie wissen.

Ringo zuckte mit dem Schultern. „Bis du des Wahnsinns? Ich wollte einfach nicht das Easy ständig versucht sie wieder auszulösen, weil er sich schuldig fühlt …“ erklärte er und Vivien nickte. „Stimmt. Wir wissen ja wie Easy ist. Aber mal ehrlich, er kann sich echt glücklich schätzen, dich zu haben. … Du könntest ihn vielleicht hintenrum fragen, ob er was gesehen hat.“ schlug sie vor und sie gingen noch ein Stück, bevor sie wieder umdrehten und langsam wieder Richtung Schillerallee liefen.

„Hab ich. Aber ich wollte auch keine schlafenden Hunde wecken, daher bin ich nicht weiter drauf eingegangen …“ erklärte der Größere, den Stinker gerade schief ansah, während Vivien ihn anleinte. Ringo schmunzelte. „… Ne ne, du warst nicht gemeint und jetzt ab nach Hause. Ich muss das Auto für morgen packen und es ist echt scheiße kalt. … Ach und Vivi. … Danke.“ meinte Ringo, rieb sich die Hände und hauchte warme Luft hinein.

Vivien schüttelte den Kopf. „Nicht dafür. …“ erwiderte sie und lächelte ihn warm an. „… und ich drück die die Daumen, dass du den Schein doch noch findest, so als kleines Weihnachtswunder.“ zwinkerte sie, worauf Ringo aber nur noch mit einem in Gedanken gebrummelten „Mmhmm.“ antwortete.

***


Als Easy mit Tobias die Straße entlangkam verschloss Ringo gerade das WG-Auto. Die beiden waren nach Feierabend noch mal in die Stadt gefahren. Tobias brauchte noch ein Weihnachtsgeschenk für Vivien und er konnte endlich Ringos Geschenk abholen. Mitte der Woche war das Geld auf Tobias Kanzlei-Konto eingetroffen, was sie extra so besprochen hatten, damit die Überraschung nicht vorher schon durch Zufall aufflog. Er und Tobias hatten alles genau geplant und selbst der Pfandleiher war involviert, der Ringo schweren Herzens zu Beginn der Woche an die Regularien erinnern musste.

„Ein bisschen plagt mich mein schlechtes Gewissen schon. Man kann sehen, wie es an ihm nagt, auch wenn er nie was sagen würde.“ murmelte Easy mit einem Kopfhieb in Richtung seines Mannes.

Tobias verstand was er meinte und er zog auch wirklich seinen Hut vor Ringo das er einen solchen Schritt gegangen war. „Verstehe ich, aber es sind ja nur noch ein paar Tage. Dann kannst du ihm eine riesige Freude machen. Der wird aus allen Wolken fallen! Also sei locker!“ erwiderte sein bester Kumpel mit einem milden Lächeln.

Easy nickte. „Hast wohl recht. Bist gar nicht son Esel!“ zwinkerte er lachend und lief dann beschwingten Schrittes zu seinem Liebsten hinüber. „Hey Schatz!“ begrüßte Easy Ringo und gab ihm einen Kuss zur Begrüßung, den Ringo nur zu gern erwiderte. „Hey!“ antwortete der dann und wandte sich ebenso an Tobias. „Hi. Na, konnte mein Mann dir bei dem Geschenk für Vivien helfen?“

„Ja, auf jeden Fall.“ entgegnete Tobias und hielt einige der Tüten hoch, achtete aber darauf, dass nichts von der kleinen Juwelier-Tüte zu sehen war. Easy schmiegte sich an ihn und sah ihn von unten herauf an. „Wir haben ein tolles Armband gefunden und ein echt schönes Kleid. Wird ihr super stehen!“ erklärte er ganz stolz.

„Hmmmmm. Gut, dass du mitgegangen bist. … Wer weiß was mein Halbbrüderchen sonst geholt hätte.“ merkte Ringo an und schmunzelte. Tobias bekam große Augen und sah Ringo funkelnd an. „Ha ha, sehr witzig. Ich hätte bestimmt auch so was gefunden. … Außerdem vielleicht bist du ja auch der schwierige Partner und Easy brauchte Hilfe!?“ konterte er und zog grinsend eine Augenbraue hoch.

Sofort sah Ringo schockiert Easy an, der ihm beschwichtigend über die Schulter strich und Tobias einen frammigen Blick zuwarf. „Habt ihr es jetzt mal???“ wollte er dann wissen, sah zwischen den beiden hin und her. Zuerst deutete er auf Tobi. „Du, brauchst manchmal wirklich nen Schubs. Aber entschieden hast du letztlich selbst …“ erklärte er und wand sich dann an seinen Mann. „… und duuu kannst manchmal schon ein bisschen schwierig sein, aber das macht nichts, ich kenn dich schließlich!“ bemerkte Easy mit sanfter Stimme, gab Ringo einen Kuss auf die Wange. Im Inneren freute er sich jetzt schon auf Ringos Gesicht, wenn der die Schachtel aufmachte, die momentan noch in einer von Tobias Tüten verborgen war.

„Ganz unrecht hast du ja nicht …“ lenkte Tobias ein und sah seinen Bruder an, der daraufhin auch nickte und zugab, dass er sicherlich ab und an einen sehr eigenwilligen Geschmack habe. Nun grinste Easy über beide Wangen, denn er hasste es, wenn seine zwei liebsten Menschen auf der Welt sich in der Wolle hatten. Tobias sah die beiden an. „Also ich weiß ja nicht, wie es euch geht, aber mir ist kalt und außerdem wartet deine Freundin bestimmt auch schon.“

„Wir gehen auch rein. Ich wollte nur schon mal alles für morgen ins Auto packen, was wir zum Weihnachtsbaum schlagen brauchen!“ erklärte Ringo und Easy hüpfte direkt klatschend auf und ab. „Uhh, ich freu mich schon so.“ juchzte er, worauf Ringo lächelnd die Augen verdrehte und der Anwalt doch ein wenig schmunzelte. „Und du bist dir sicher, worauf du dich da eingelassen hast??“ wollte er wissen. Von Easy erntete er einen empörten Blick und von Ringo ein zögerliches Nicken.

***


Warum genau hatte er nochmal den Vorschlag gemacht, ihren ersten Baum selbst zu schlagen, statt ihn beim Stand an der Straßenecke zu kaufen? überlegte Ringo, während er durch unzählige Baumreihen stapfte und wahrscheinlich bereits die halbe Tannenschonung durchlaufen hatte. Eingepackt in dicke Jacken, Schal und Handschuhe waren sie ein wenig außerhalb von Köln zu einem Bauern gefahren, der eine eigene Tannenschonung hatte. Es war urig, gemütlich und da sogar Schnee lag echt idyllisch. Auch sein Liebster war begeistert und zückte zu jeder Gelegenheit das Handy, um Schnappschüsse fürs ‚Familienalbum‘ zu machen, wie er sagte. Außerdem musste er schon gestehen, dass es ihn wirklich freute das Easy so happy war.

Aber ansonsten hatte Tobias recht gehabt, er hatte so ganz und gar nicht gewusst, wo er sich da reinmanövriert hatte. Easy zelebrierte die Auswahl förmlich, begutachtete jeden in Frage kommenden Baum äußerst kritisch. „Ach Schatz, ein bisschen größer darf er ruhig sein!“ meinte er beim ersten, obwohl das Bäumchen aussah wie gemalt. Die nächsten waren „nicht proportional genug“, „zu schmal“ oder „zu wuchtig". Die nächste Tanne, die beiden gefiel und einfach perfekt aussah, hatte leider ein entscheidendes Manko. Sie war mit ihren knapp drei Metern eher etwas für den Innenhof der Schillerallee als für ihr Wohnzimmer. „Wir können ja einen Durchbruch zu Sina hoch machen! … Dann brauchen die sich keinen kaufen.“ grinste Easy, worauf Ringo belustigt den Kopf schüttelte. „Du bist verrückt! … Die werden sich bedanken!“ lachte er frei auf und legte dann von hinten die Arme um seinen Schatz. Er legte seine Lippen auf Easys Wange. „… Ich liebe dich, du Spinner!“

Easy drehte seinen Kopf in Ringos Richtung, ihre Lippen trafen sich. Weich, aber kühl durch die Winterluft schmiegten sie sich gegeneinander und sie vergaßen den ‚perfekten‘ Baum für einen kleinen Augenblick. Easy legte seine rechte Hand an Ringos Wange und lehnte an dessen Brust, während sie in einem Kuss versanken. So standen sie hier in der weißen Landschaft, die nicht mehr als eine Fahrstunde von daheim entfernt war. Sie lösten ihren Kuss erst, als sie ein leises Räuspern hörten. Mit einem verlegenen Grinsen murmelte sie ein „Sorry“ in Richtung des Pärchens, für welches sie zeitgleich Platz machten, ohne sich voneinander zu lösen. Die winkten ab. „Alles gut, wir wissen, wie es ist frisch verliebt zu sein! … Frohe Weihnachten!“

Easy und Ringo erwiderten die Festtags-Grüße und wandten sich einander zu. Beide hatten ein breites Grinsen im Gesicht wobei bei Easy die Grübchen und bei Ringo die Lachfältchen hervortraten. „Wenn die wüssten! …“ kicherte Easy und hauchte seinem Mann einen Kuss auf die Wange. „… Wobei ganz Unrecht haben sie nicht. Ich verliebte mich täglich neu in dich.“

Ringo spürte trotz des eisigen Wetters wie Wärme ihn ergriff. Die Aufrichtigkeit in Easys Bernsteinfarbenen Augen rührte ihn und er musste kurz schlucken. „Es geht mir nicht anders Bärchen.“ meinte Ringo mit einem sanften Stupser mit der Nase gegen die seines Liebsten. Dessen Wangen färbten sich rosa, was sicherlich nicht ausschließlich an der kühlen Dezember-Luft lag. Es entlockte Easy ein Lächeln und bei Ringos tieferen Tonlage durchlief seinen Körper sofort Kribbeln und er dachte an einen ausgiebigen Kuschelabend daheim.

Entschlossen und mit einem Funkeln in den Augen drehte er sich in Ringos Armen. „Also wenn wir unsere frische Verliebtheit nachher noch ausleben wollen, dann sollten wir uns langsam mal für eines dieser nadeligen Monster entscheiden!“ erklärte er voller Überzeugung mit diesem spitzbübischen Funkeln in den Augen. „Das stimmt mein Schatz. Aber ich bin nicht derjenige der bisher an jedem Baum was auszusetzen hatte!“ lachte Ringo auf.

Easy schob die Unterlippe zu einem Schmollmund vor. „Ok, ok. Ich versuche ein wenig toleranter zu sein. Aber die Reihe gehen wir noch ab. Vielleicht ist da ja UNSER Baum bei!“ Ringo stimmte zu und ergriff dann Easys Hand. „Abgemacht und wehe ich bekomme nachher keine heiße Schokolade!“

Eine knappe Stunde später trugen sie dann endlich ihren auserwählten Baum zum Auto und verstauten ihn. Er war nun doch ein wenig kleiner ausgefallen, passte so aber wenigstens auf die Liegefläche hinten im Auto. „Das machen wir im nächsten Jahr wieder!“ juchzte Easy, während er sich zu Ringo umdrehte, der noch die Säge verstaute. Der warf Easy einen zweifelnden Blick zu und sah dann auf seinen Finger hinab. „Nur wenn ich dann so einen Handschuh mit Stahlgewebe bekomme. Wie kann sich ein Splitter durch so dicke Handschuhe bohren?“ Easy kramte bereits nach dem Verbandskasten. „Ach Hase, sowas passiert. Aber dein persönlicher Leibarzt wir dich ganz schnell davon befreien. …“ erklärte er und hielt triumphierend die Pinzette hoch, die er in dem Mäppchen fand. „… Setz dich!“

Seufzend nahm Ringo Platz und hielt Easy seinen linken Ringfinger hin. Easy hatte noch nicht mal seine Hand berührt, da machte Ringo bereits einen zischenden Laut, worauf Easy kichern musste. „Schatz, bitte! Du musst schon stillhalten. …“ mahnte Easy ihn und zog sachte die Hand wieder zu sich. „… ich bin auch ganz vorsichtig. Denk an was Schönes.“ plapperte Easy drauf los und während Ringo noch überlegte, hielt sein Mann ihm im nächsten Moment schon die Pinzette mit dem fiesen Splitter entgegen. „GESCHAFFT! …“ jubelte er, während Ringo ihn mit großen Augen ansah. „… Der war aber groß. Spürst du noch was?“ wollte Easy pflichtbewusst wissen und öffnete bereits die Tube mit der desinfizierenden Salbe, während Ringo leicht über die Stelle am Finger strich, um dann den Kopf zu schütteln. „Pocht ein bisschen, aber nein ich glaube nicht. … Danke Schatz!!“ erwiderte Ringo und beobachtete wie Easy sehr akribisch die Salbe verteilte und einen kleinen Verband um den Finger wickelte. Ein prüfender Blick zum Abschluss und Easy legte ganz behutsam seine Lippen auf den Finger und deutete einen Kuss an. „Wieder gut?“

Ringo legte den Kopf schräg und meinte spitzbübisch. „Wenn ich jetzt noch einen Kuss bekomme denke ich werde ich es überleben.“ Easy verdrehte schmunzelnd die Augen und beugte sich dann zu Ringo hinüber. Nachdem sie sich wieder voneinander lösten sah Easy den größeren an. „Besser?“ wollte er wissen, woraufhin Ringo breit lächelte und nickte. „Ja, ich denke das wird gehen.“ Easy verstaute derweil die Materialien wieder in der kleinen Verbandstasche. „Das ist gut. Ich hab das fiese Ding mal aufbewahrt, damit du hinterher sagen kannst, wie tapfer du warst. …“ flachste der kleinere, worauf Ringo ihn mit zusammengekniffenen Augen ansah. „Ha ha, … das tat echt weh! … Und ich dachte du liebst mich!“ murrte der größere und schob die Unterlippe vor.

Easy wusste das Ringo es nicht so meinte, sein Schatz wollte einfach betüdelt werden. „Och mein Hasilein. Du weißt ja gar nicht, wie sehr ich dich liebe und um das zu unterstreichen, gehen wir jetzt noch einen schönen warmen Kakao trinken und ich habe auch gesehen, dass die Bratäpfel und Waffeln anbieten. … Schön mit heißen Kirschen und Sahne! Wie klingt das?“ säuselte Easy und suchte Ringos Blick, der wie ein kleiner Junge dasaß und darauf wartete, dass man ihm eine Freude machte. Als sich Ringos Mundwinkel nach oben schoben, war Easy klar, dass er genau das richtige vorgeschlagen hatte und Ringo einfach nicht widerstehen konnte.

***


Ein kühler Wind kam durch das Fenster und auf Ringos Unterarm bildete sich eine Gänsehaut. Instinktiv versuchte er die Decke ein wenig höher zu ziehen ohne dass er richtig wach würde. Doch das war gar nicht so einfach, wenn Easy dicht an seinen Rücken geschmiegt lag und einen Arm um seinen Oberkörper gelegt hatte. Warum nochmal schlief er auch im Winter nur mit einem dünnen T-Shirt?

Draußen war es noch ganz still und so vermutete Ringo, dass es noch früh am Morgen sei. Außerdem war Sonntag und das hieß für sie beide ausschlafen. Um Easy nicht aufzuwecken versuchte Ringo sich so vorsichtig und langsam wie möglich zu drehen. Doch der brummelte nur kurz vor sich hin, passte seine Position an, indem er den Kopf nun auf Ringos ablegte und im nächsten Moment atmete er schon wieder ganz ruhig und gleichmäßig.

Der nächste Luftzug wehte hinein und ließ Ringo ein wenig frösteln. Doch die Luft war kalt und klar, so wie er es liebte. Außerdem konnte der Tag nicht besser starten als mit dem Mann, den man über alles liebte neben sich. Behutsam zog Ringo an der Bettdecke, zog sie über ihre Arme und spürte sofort, wie es wieder etwas kuscheliger wurde.

Selbst noch völlig verschlafen blinzelte er hinunter. Die Locken seines Mannes standen in alle Richtungen. Ringo schmunzelte, er liebte das und fand es eigentlich immer ganz sexy, wenn Easy mal auf Fön und Haargel verzichtete. Vielleicht sollte er ihn nachher mal bitten heut so einen Tag einzulegen. Träge hob er seine freie Hand und strich eine Strähne aus Easys Stirn, was diesen zufrieden seufzen ließ.

Ringo wusste nicht genau warum, aber sein Mann wirkte im Allgemeinen positiver in den vergangenen Tagen. Die letzten Monate hatten sie als Paar und auch jeden für sich sehr geprägt, aber insgesamt wirkte Easy ausgeglichener. Das ließ letztlich auch ihn seine manchmal negativen Gedanken vergessen und dafür war er Easy äußerst dankbar. Zärtlich ließ er seine Fingerspitzen über Easys Arm wandern, bevor er einen Kuss auf dessen Haar platzierte. Er ließ den Kopf wieder ins Kissen sinken und lauschte dem ruhigen Atem seines Liebsten, worauf er auch noch mal die Augen schloss. Er war bedingungslos glücklich, vor allem wenn sein Schatz es war.

Gegen zehn Uhr lagen sie immer noch oder vielmehr wieder im Bett. Easy hielt Ringo das letzte Stück Orange an die Lippen, der davon abbiss und ihm bedeutete die andere Hälfte zu nehmen. „Das haben wir ewig nicht gemacht. …“ nuschelte er, während er die Orange aß. Sein Mann sah ihn mit hochgezogener Augenbraue an und Easy deutete auf das Tablett, welches über ihren Beinen aufgestellt war. „Na, so richtig lange geschlafen, kuscheln und dann Frühstück im Bett. … Das sollten wir unbedingt beibehalten. …“ Kurz überlegte er und entschied dann. „... Mindestens einmal im Monat.“ erklärte er und sah Ringo mit seinem Welpen-Blick an von dem er wusste, dass Ringo dem nichts abschlagen konnte. Der lachte auf und drehte sich zu ihm. „Du denkst auch, dass ich nicht weiß was es bedeutet, wenn du diesen Blick auflegst. …“

Unschuldig legte Easy den Kopf schief und zog einen Mundwinkel noch ein wenig höher. „Ich weiß gar nicht, was du meinst.“ murmelte er und machte sich daran, das Tablett auf den Boden zu stellen. Ringos Blick lag auf ihm, als er sich wieder zu ihm drehte. „Natüüürlich nicht Bärchen. … genauso wenig als du gestern wegen dem Schlittschuhlaufen gebettelt hast. …“ bemerkte dieser schmunzelnd, während Easy langsam zu ihm krabbelte und seine Augen über den schlanken Körper wandern ließ. „Ich möchte doch nur nicht das du auf diese verzichten musst. … Wobei ich ja echt nicht glauben kann, dass du das noch nie gemacht hast!“ meinte Easy mehr zu sich selbst und stieß ein ungläubiges Lachen aus.

„Kira hat das gern gemacht, aber ich bin da zu unbeholfen für. … Aber das wirst du ja dank deines Dackelblicks nachher selbst sehen.“ versuchte Ringo so mürrisch wie möglich zu erwidern, doch Easys Finger strichen unter Ringos Shirt und der Anflug war verflogen. Easy spürte wie die Bauchmuskeln sich unter seinen Berührungen zusammenzogen und nahm jede Regung zufrieden wahr. „Dann muss ich wohl noch einmal ein wenig Überzeugungsarbeit leisten. …“ sagte Easy keck. Er sah Ringo tief in die Augen, während er seine Lippen leckte und dann mit seinem Kopf unter dem Shirt verschwand, um die weiche Haut am Bauch des größeren, der nur ein ersticktes Keuchen von sich gab, mit Küssen zu übersähen. Er wollte sich doch schließlich noch für das kleine Techtelmechtel vor dem Frühstück revanchieren.

Dumpf hörte er wie Ringo immer wieder seinen Namen murmelte, doch ließ er ihm keine Chance die Führung zu übernehmen. Je weiter Easy sich vorwagte, desto mehr spürte er, dass es seinen Mann und auch ihn gleichermaßen erregte. Rasch entledigte Easy sie ihrer eh bereits wenigen Kleidung, denn auch wenn er gerade nicht im Fokus stand wollte er nicht auf den hautnahen Körperkontakt verzichten. Ganz eng lag er bei Ringo, genoss die Körperwärme und liebkoste ihn mit Händen und Lippen. Unaufhörlich tauschten sie Blicke und Küsse aus, konnten voneinander nicht genug bekommen. Easy merkte jedoch, dass Ringo versuchte sich zusammen zu reißen und so rutschte er ein wenig tiefer und nur Sekunden später umschloss er Ringos Männlichkeit mit dem Mund. Sofort nahm er dessen Anspannung wahr und wie sich eine Hand an seiner Schulter festklammerte und die andere sich in das Laken bohrte. Er war sich sicher, dass sein Mann kurz vorm Höhepunkt stand und so ließ er seine Hand über dessen Bauch hinauf gleiten. Zärtlich begann er eine der Brustwarzen zu reizen, was Ringo ein tiefes Stöhnen entlockte und Easy noch ein wenig mehr anspornte.

Ringo schluckte mühsam. „Schatz bitte …“ presste er hervor, doch Easy ließ sich nicht beirren, er wollte alles und im nächsten Moment konnte Ringo nichts mehr zurückhalten. Sein ganzer Körper spannte sich an, entlud sich und Easy nahm alles auf, was Ringo ihm gab. Als die Wellen abebbten entließ Easy ihn und kuschelte sich ganz nah an Ringo der ihn in seine Arme schloss.

Zärtlich küssten sie sich, als Ringos Atmung es wieder zu ließ. „Du machst mich fertig. … Ich bin dir Haut und Haar verfallen, weißt du das eigentlich?“ raunte Ringo, was Easy zum Nicken brachte. „Ich glaube ich habe es gerade erlebt.“ wisperte er und strich mit den Fingerspitzen über Ringos Oberarm, dem nur ein mehr als zufriedenes „Mmmhmm ...“ über die Lippen kam.

***


Die kleinen leuchtenden Punkte, die vom Schein der Lichterketten stammten, tanzten im Takt der Weihnachtsmusik über die Eisfläche. Die klare Luft war von den verschiedensten Düften, wie Tanne, Glühwein, Waffeln oder Bratwürstchen durchzogen und immer wieder trudelten kleine sowie auch größere Schneeflocken vom Himmel abwärts. In der Ferne konnte man über die anderen Häuser hinweg noch die Spitzen des Kölner Doms erkennen, die in der frühen Dunkelheit bereits beleuchtet waren.

Die Eisfläche war nicht mehr so voll wie noch vor einer Stunde und man konnte gut mal ein paar Meter laufen, ohne das einem ständig andere Leute entgegenkamen. Der erste Eiskontakt war nicht nach Ringos Vorstellung verlaufen, landete er doch kurzum auf dem Hosenboden. Aber er nahm es zu Easys Überraschung recht gelassen und ließ sich von seinem Mann aufhelfen und sogar führen.

Anfangs sah es noch etwas unbeholfen aus. „Wenigstens weiß ich jetzt, warum du so rigoros gegen einen Hochzeitstanz warst.“ scherzte Easy, als er Ringo einige Runden später am Arm festhielt, nachdem dieser kurz ins Straucheln geraten war und wartete das er sein Gleichgewicht wiederfand.

„Ha ha, sehr witzig Herr Winter! …“ entgegnete der größere mit einem brummigen Blick der Easy direkt ein schlechtes Gewissen bereitete. Kurzum kam er vor ihm zum Stehen, so dass auch Ringo stoppen musste. Er legte eine Hand auf Ringos Wange und strich mit dem Daumen darüber. „Du weißt schon das das ein Spaß war?!? …“ wollte der kleinere wissen und sah Ringo von unten herauf an. Dessen Gesicht war in den warmen Schein der funkelnden Lichter getaucht, jedoch sah er ihn nicht direkt an. Er schien etwas sagen zu wollen, also gab Easy ihm einen Moment, während die anderen Besucher sie umfuhren.

„Naja, ja … nein. Ach Mensch, ich weiß auch nicht. Ich dachte wir wären okay damit gewesen. …“ begann er und Easy wollte schon antworten als Ringo weitersprach. „… Aber hätte ich gewusst, dass es dir vielleicht doch mehr bedeutet ...“ meinte er mit einem nachdenklichen Ton, woran Easy bemerkte, dass das gerade in eine völlig falsche Richtung ging. „… hätte ich trotzdem nicht darauf bestanden oder dich genötigt.“ erwiderte Easy. Mit der Hand an der Wange bedeutete er Ringo ihn anzusehen und sprach erst weiter als dieser reagierte. „Schatz, wirklich unsere Hochzeit war perfekt und ich würde sie jederzeit wieder so haben wollen. ...“

Ringo zog fragend eine Augenbraue hoch. „Jaa?“ fragte er hoffnungsvoll. Easy nickte und wog dann kurz überlegend den Kopf hin und her. „… Najaaa, außer vielleicht die Hochzeitsnacht. Die hätte gern etwas ruhiger sein dürfen.“ schmunzelte Easy und sah gleichzeitig das sich Ringos Gesicht entspannte. „Ja stimmt, die war etwas zu turbulent und das auch noch außerhalb eines Bettes.“ raunte er grinsend und beugte sich dann für einen Kuss zu Easy hinab.

Sie lösten sich und Easy betrachtete forschend Ringos Gesicht, doch der mürrische Anflug schien fort. „Sind wir wieder gut miteinander?“ wollte er dann wie zur Bestätigung wissen. Der größere nickte. „Natürlich. Ich habe es falsch aufgefasst. Ich hatte Angst, dass du etwas nachtrauerst, nur weil ich wieder meinen Kopf durchsetzen wollte!“ Ungläubig schüttelte Easy den Kopf. „NIE!!! Ich bereue nichts, was uns betrifft! …“ erklärte er und betonte jede Silbe so gut er konnte. Dann nahm er die Hand seines Mannes und zog ihn vorsichtig weiter. „… Merk dir das! Und jetzt komm wir holen uns einen Punsch, sonst frieren wir hier noch fest.“

So zogen sie weiter ihre Runden und Ringo wurde immer besser. Es schien ihm sogar irgendwann ein wenig Spaß zu machen, auch wenn er das nicht freiwillig zugäbe. Aber Easy merkte es an seiner ganzen Körperhaltung, die sich immer mehr entspannte. Nach einer kleinen Stärkungspause reichte es sogar das sie nur noch Hand in Hand liefen. Easy genoss es so etwas simples wie Eislaufen mit Ringo zu unternehmen. Vor allem wenn er sich klar machte, was andere in Ringos Alter normalerweise unternahmen, fand er es bemerkenswert, wie gefestigt er war. Stets zeigte er Easy und seinem Umfeld wieviel ihm ihre Beziehung bedeutete und dass er sich immer auf ihn verlassen konnte.

Als es auf den Abend zuging wurde die Eisfläche allmählich wieder voller und das Paar nutzte den Moment als das Eis aufbereitet wurde, um ihre Schlittschuhe zu tauschen. Die Nasen tief in ihren Schals vergraben schlenderten sie noch über den angrenzenden Weihnachtsmarkt, der direkt am Dom vorbeiführte. Easy hatte sich bei Ringo eingehakt und so bummelten sie langsam an den Ständen entlang. Ab und an blieben sie stehen, um die Auslage ein wenig genauer zu betrachten oder sie genossen einfach nur wortlos ihr Beieinandersein sowie die gemütliche Atmosphäre. Es schneite immer noch, mal mehr mal weniger. Doch im Gegensatz zu den letzten Jahren blieben die weißen Flocken dieses Jahr auch mal liegen und bildeten auf den kleinen Büdchen eine schöne glitzernde Schicht.

Obwohl sie bereits alle Geschenke für ihre Freunde hatten fanden sie noch je eine persönliche Kleinigkeit für Tobi und Vivien. Neben einem Geschenk für beide zusammen lag ihnen das sehr am Herzen. Schließlich hatten die zwei sie zu jeder Zeit unterstützt und dafür waren sie ihnen einfach dankbar, denn so Freunde gab es nicht so oft. Glücklich sah Easy Ringo an. „Da werden die Zwei sich bestimmt freuen.“ mutmaßte er und Ringo stimmte zu. „Ja, das denke ich auch. Verdient haben sie es sich auf alle Fälle! … Haben wir dann für alle was?“ fragte er nach und schaute Easy an.

„Ich denke schon. Für die beiden …“ begann er und hielt die Tüten in die Höhe. „… den Kinogutschein für Conor und Nika ...“ ergänzte Ringo. „Genau und das für Kira hattest du ja schon und das habe ich Chris Anfang der Woche persönlich in die Hand gedrückt als er die anderen Pakete im Büdchen abgeholt hat. Sollte also eigentlich schon fast da sein.“ verkündete Easy stolz, worauf Ringo ihn liebevoll ansah. „Bester Ehemann. Danke!“ murmelte er und gab Easy einen Stups mit der Nase, bevor er ihm einen schnellen Kuss gab. „Gern. … Aber eigentlich habe ich dir für dieses schöne Wochenende zu danken. Es war wirklich toll!“

Langsam gingen sie weiter, mit dem Vorhaben sich langsam auf den Weg nach Hause zu machen. Den Abend wollten sie auf der Couch mit einem Glas Wein und einem Weihnachtsfilm ausklingen lassen. Doch erst nachdem die Geschenke eingepackt waren. Auf dem Rückweg zog es sie noch zu einem der Süßigkeitenstände, bei dem Ringo sich nicht entscheiden konnte und gefühlt von allem etwas nahm. Easy fragte sich immer, wo sein Mann das alles ließ. Er brauchte die Leckereien nur anschauen und hatte gefühlt das Kilo mehr auf den Hüften. Aber sie liebten sich, egal wie gegensätzlich sie waren.

„Irgendwann bekommst du noch nen Zuckerschock! …“ schmunzelte Easy, als Ringo etwas von seiner Zuckerwatte stibitzte, doch der rollte nur mit den Augen. „Das, mein Schatz trainiere ich nachher mit dir direkt wieder ab.“ erwiderte Ringo ganz trocken und zwinkerte seinem Mann zu. Easy stupste ihn tadelnd mit der Schulter an, konnte aber nicht leugnen, dass ihm bei diesem Gedanken direkt die Wärme ins Gesicht kroch. Aber zugeben würde er das nicht direkt. „Was habe ich da nur für ein versextes Wesen geheiratet?? … Du kannst echt unmöglich sein, Herr Beckmann!“ frotzelte Easy lachend und zupfte sich ein neues Stück der Zuckerwatte ab. Genau wissend, dass Ringo ihn ansah, schob er sich die Zuckermasse zwischen die Lippen.

Ringo wollte eigentlich noch etwas auf Easys frechen Kommentar wiedergeben, doch als er aus dem Augenwinkel bemerkte, wie Easy sich die klebrig süße Masse von den Fingern leckte, war es um ihn geschehen. Im nächsten Moment wirbelte er Easy an der Hand herum, der nur ein überraschtes „Ringoo …“ von sich gab, als er sich plötzlich an eine Büdchenwand gelehnt wiederfand. „Wenn du so weiter machst, zeige ich dir gleich wie versext ich bin. …“ raunte der größere mit tiefer Stimme und erstickte Easys Kichern, in dem er seine Lippen auf die seines Mannes presste. Mit einer Hand stütze er sich neben Easys Kopf ab und die andere hatte er in seinen Nacken gelegt. Easy selbst war so perplex, dass er beinahe die Tüten sowie die süße Leckerei fallen ließ, erwiderte jedoch Ringos Verlangen. Der strich ein paar Mal während ihrer kleinen Knutscherei mit seiner Zungenspitze über die von Easy und schmeckte das süße Toffee-Aroma der Zuckerwatte, aber auch Easy selbst. Die Kombi ging ihm durch und durch, doch er musste sich bremsen und so ließ er nur mit größter Willensstärke von Easy ab.

Einen Moment standen sie schwer atmend da, sahen sich einfach nur an und versprachen einander stumm eine Fortsetzung. Erst als über ihnen das Glockengeläut von Kölns Wahrzeichen einsetzte, konnten sie den Blick voneinander abwenden. Ein wenig verlegen verließen sie die Nische am Weihnachtsmarkt-Stand. Ringo nahm Easy die Tüten ab, aber nur um dann seine frei gewordene Hand mit seiner zu verschränken. „Das war unerwartet.“ gestand Easy nach ein paar Metern. Ringo erblickte ein strahlendes Grübchen-Lächeln was ihn einfach mit Glück erfüllte und drückte liebevoll Easys Hand.

***


Belustigt bemerkte Easy rasch das Geschenkpapier und Klebestreifen nicht so Ringos Ding waren. Zum x-ten Mal pappte nun schon der Klebestreifen an sich selbst und nicht auf der Faltkante des Geschenkpapiers die er mit der anderen Hand zu fixieren versuchte. Ein leises Fluchen entwich ihm als er wieder einen der kleinen Schnipsel zusammenknüllte und über den Tisch schnipste. „Mist.“

Easy grinste. „Komm ich helfe dir. Ich will ja nicht, dass du Zornesfalten bekommst.“ Flötete er mit sanfter Stimme und hielt einen Finger auf die Kante damit Ringo sie in Ruhe fixieren konnte. Resigniert seufzte Ringo. „Danke. … Was würde ich nur ohne dich tun?“ murrte er, schob Easy das Päckchen hinüber und sah ihn eindringlich an. Easy nahm es an sich und vollendete es mit gekonnten Handgriffen. „Dann würdest du entweder alles unverpackt verschenken oder hast jemanden wie mich der es dir einpackt. Zu not im Laden …“ Er schnitt ein Stück Schleifenband ab, schlang es um den Gegenstand und verknotete es, um dann eine Schleife zu binden.  „… was dann aber nicht so schön wie das hier ist und jedem anderen gleicht.“ Erklärte er und hielt das fertige Päckchen in die Luft.

Fasziniert beobachtete Ringo seinen Mann und schüttelte immer wieder ungläubig den Kopf. „Du bist umwerfend. Woher kannst du das?“ fragte er bewundernd, worauf Easy mit den Schultern zuckte. „Videos im Netz und ausgetestet. … Ist doch aber alles Nebensache. Es zählt das es von Herzen kommt.“ meinte Easy und warf Ringo einen liebevollen Blick zu.

„Ha ha, das merk dir dann bitte für den Moment, wenn wir Bescherung machen.“ entgegnete dieser mit einem etwas gequälten Blick. Easy musste kichern und legte seine Hand auf die große schlanke Hand, strich zärtlich darüber. „Schatz, du könntest mir etwas in einem Kartoffelsack schenken und ich würde mich freuen, als wäre es in einer mit Samt ausgeschlagenen Metallbox oder so! …“ bekräftigte Easy mit sanfter Stimme. Langsam stand er auf, stellte sich hinter Ringo und legte die Hände auf dessen Schultern. Er drückte seine Lippen auf den Haarschopf seines Mannes. „… Aber das aller wichtigste ist doch eh, dass wir uns haben.“ wisperte Easy. Ringo legte den Kopf in den Nacken und blickte zu Easy hinauf. „Das hast du schön gesagt und so schnell wirst du mich eh nicht los.“ entgegnete er zwinkernd.

In einer flinken Bewegung drückte Easy ihm einen Kuss auf die Nase. Dann begann mit seinen Händen Ringos Schultern zu massieren, Ringo reagierte mit einem zufriedenen Brummen und ließ den Kopf wieder nach vorn fallen. „Mhhhmmm, fang besser nicht an, sonst darfst du das den ganzen Abend machen.“ nuschelte er, doch Easy hatte dennoch verstanden. Ein Grinsen bildete sich und er ließ zu Ringos Unmut von ihm ab. „So so. Dann mach du doch schon mal Couch, Film und Wein startklar. Ich räum hier schnell auf.“ Verwirrt sah Ringo auf den Tisch und dann seinen Mann an. „Ähm, wann hast du denn die anderen verpackt??“ fragte er ungläubig, was Easy ein wenig erheiterte. „Naja, während du dich mit dem Klebeband gestritten hast.“ verkündete er und begann bereits die umherliegenden Sachen wieder an ihren Platz zu räumen. Bewundernd erhob sich Ringo, murmelte etwas wie „… unglaublich“ und fing seinerseits an seine gerade von Easy erhaltenen Aufgaben zu erledigen.

Ein wenig später lagen sie dann auf der ausgeklappten Couch im Wohnzimmer. Ringo hatte sämtliche Kissen zusammengesucht, die Schnuckeleien vom Weihnachtsmarkt und den Wein bereitgestellt. Recht zügig hatten sie sich auf ‚Tatsächlich Liebe‘ geeinigt und lagen nun zusammengekuschelt unter der großen flauschigen Decke, die sie zur Hochzeit geschenkt bekommen hatten. Die Massage hatten sie auf später verschoben, tauschten aber dafür immer wieder kleine Zärtlichkeiten aus oder fütterten sich gegenseitig mit den Schokofrüchten.

„Die Stelle mochten meine Mom und Kira immer besonders …“ stieß Ringo hervor als die berühmte Pappschild-Szene kam. Seine Stimme klang ein wenig belegt und Easy war sich nicht sicher, wie er darauf reagieren sollte. Sonja und Paul waren immer ein sensibles Thema und nicht zuletzt, weil er so verblüfft war, dass sein Mann so frei heraus etwas erzählte. Er ging davon aus, dass es war, weil gerade kein Blickkontakt zwischen ihnen bestand, da er seitlich in Ringos Armen lag und zum Bildschirm sah. „Das kann ich gut verstehen, die Szene ist einfach toll. …“ antwortete er, während er Ringos Arm dichter zu sich zog und ihre Finger miteinander verschränkte, wobei ihre Eheringe leicht aneinanderstießen und einen leisen metallischen Klang von sich gaben.

Ringo wars sich bewusst, dass es schon feige war, dass er manchmal nur so mit seinem Mann über seine Eltern sprechen konnte oder es vielleicht auch wollte, damit Easy seine Verletzlichkeit nicht so sehr sah. Es gab immer wieder Momente, in denen er sich noch Vorwürfe machte, wegen dem was zuletzt zwischen ihm, Kira und seinen Eltern vorgefallen war, auch wenn sie deutlich weniger waren als noch vor sechs Jahren. Außerdem überwogen mittlerweile auch einfach die Erinnerungen, gerade wenn solche Ereignisse wie Weihnachten vor der Tür standen. Das hatte er nicht zuletzt auch Easy zu verdanken, der ihm des Öfteren deutlich gemacht hatte, dass es gut tat sich an die schönen Dinge zu erinnern. Dafür sowie für Easys Reaktionen in solchen Situationen war er ihm so wahnsinnig dankbar. Easy wusste, wie er tickte und machte das Beste aus dem was er ihm gab.

Easy holte tief Luft. „Hattet Paul und du denn auch eine Lieblingsszene?“ murmelte er fast lautlos und so schnell, dass er hoffte Ringo hätte es gar nicht gehört. Doch die Hoffnung zerstreute Ringo. Kurz überlegte er. „Ja, die wo Kevin das Haus präpariert, um die Einbrecher zu stellen. Das war, wenn dann so unser Ding.“ erwiderte Ringo in seiner typisch trockenen Art und musste kurz auflachen, als Easy einen frustrierten Laut ausstieß. Er konnte förmlich sehen, dass sein Mann die Augen verdrehte und küsste zärtlich die empfindliche Haut an Easys Nacken. „Sorry …“ murmelte er. „Aber mal im ernst, Paul mochte die Szene, wo Hugh Grant tanzt. Die finde ich auch ganz witzig und der Hüftschwung von ihm ist auch nicht zu verach …“ Weiter kam er allerdings nicht, denn Easy drehte abrupt den Kopf und sah ihn mit großen Augen an, was Ringo beinahe losprusten ließ. Er legte den Zeigefinger an Easys Lippen. „… lass mich ausreden. … Er ist nicht zu verachten, aber deiner gefällt mir tausendmal besser!“ Mit diesen Worten und einem breiten Grinsen zog er Easy, der sich mittlerweile zu ihm gedreht hatte, am Shirt-Kragen zu sich, um ihm einen verheißungsvollen Kuss zu geben. Kaum trafen sich ihre Lippen war der Film und auch das kleine Gespräch vergessen. Dafür vollendeten sie schließlich das, was sie bereits den ganzen Tag unterschwellig begonnen hatten.
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