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Weihnachtszeit mit den Winter-Beckmann's

von zazzy84
GeschichteRomance, Familie / P18 / MaleSlash
Ingo "Easy" Winter Richard "Ringo" Beckmann Tobias Lassner Vivien "Vivi" Köhler
29.11.2020
14.01.2021
4
26.386
8
Alle Kapitel
20 Reviews
Dieses Kapitel
3 Reviews
 
 
29.11.2020 7.111
 
Hallo Ihr Lieben!

Sicherlich nicht die "neueste" Idee eine Story über die Weihnachtszeit, aber irgendwie habe ich das Gefühl das es dieses Jahr ein wenig zu kurz kommen könnte. Da dachte ich, pausiere ich mein zukünftiges Projekt und schreibe dramafreien Weihnachts-Fluff.

Lieben Dank an meine Beta fürs Vorab-Lesen :)

So, genug geschrieben. Viel Spaß beim Lesen.

PS: Über Reviews egal welcher Art freue ich mich, also lasst gern was da. ;)

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1. Advent oder Wie dekorieren wir unsere erste Wohnung?

„Du bist aber früh auf!“ bemerkte Leni und lächelte, als Easy bereits seinen Blick über die Auslage der Konditorei schweifen ließ und bereits eine Auswahl traf. Er sah zu ihr auf und nickte grinsend. „Ha! … ich war sogar schon im Keller, die Weihnachtsdeko holen. Morgen ist schließlich der 1. Advent … aber bevor es nachher richtig ans Schmücken geht, wollte ich in aller Ruhe mit Ringo frühstücken.“ erklärte Easy fast ein bisschen stolz.

Wissend nickte Leni, wusste sie schließlich genau, wie sehr Easy die Weihnachtszeit liebte. „Du willst ihn also bestechen?! …“ grinste sie ihn an und sah genau, dass Easy ein klein wenig rot wurde.

Leicht verlegen, weil er so durchschaubar war legte er den Kopf schief. „Was? Nein … ja … also nicht direkt … ein bisschen vielleicht?“ gab Easy dann aber zu und zuckte die Schultern.

Leni hielt mit der Zange ein Gebäck-Stück in die Luft, bevor sie es in den von Easy mitgebrachten Brötchenbeutel gab. „Dann packe ich dir mal ein Nuss-Croissant mit ein, die isst er momentan ganz gern. ...“ erklärte sie mit einem Zwinkern, bevor sie wissen wollte, ob sie den Rest wie immer zusammenstellen sollte.

„Ja gern und danke, du bist die Beste! ...“ strahlte Easy Pacos Tochter an, bezahlte und verschwand dann mit einem „... Ich wünsche dir noch einen wundervollen Tag!“ durch die Tür hinter der Theke, um dann gut gelaunt und pfeifend über den Innenhof zu flitzen. Selbst für den kurzen Weg hatte er sich mit seiner dünnen Stoffhose und dem Sweater ein wenig verschätzt. Es war doch schon wieder um einiges kälter als er gedacht hatte. Schnell schloss er die Wohnungstür im Erdgeschoss auf, damit er flott wieder ins Warme gelang.

Da von Ringo noch keine Spur war, entschied Easy sich, in aller Ruhe den Tisch zu decken. Er drapierte alles um den Adventskranz herum, den er gestern Abend noch vom Blumenladen die Straße herunter abgeholt hatte und der eigentlich keiner war. In der WG war alles immer etwas ausgefallener gewesen. Mehr Deko, mehr Chaos, einfach mehr von all dem, was nie Ringos Ding war, aber es Easy zu liebe mitgemacht hatte. Aber in diesem Jahr hatten sie ihre eigene Wohnung, in der sie tun und lassen konnten was sie wollten. Das genossen er und auch Ringo wahnsinnig, was Easy hoffen ließ, dass sich dies auch ein wenig auf Ringos Stimmung in Bezug auf Weihnachten auswirkte.

Im Radio lief gerade obligatorisch Maria Carey die sich nichts außer ihrem Liebsten zu Weihnachten wünschte und natürlich konnte Easy diesen Wunsch durchaus nachvollziehen. Nichts war so wichtig, als einen Menschen an seiner Seite zu haben, der einen respektierte, unterstützte und vor allem liebte. Aber er konnte sich da wirklich nicht beklagen, denn in Ringo hatte er diesen jemand gefunden. Lächelnd und mit summend bewegte er sich wie ein Wirbel durch den offenen Küchenbereich, schnippelte Obst klein und stellte die Müsliflocken für seinen Mann bereit. Als er dann Momente später sein Werk begutachtete, war er mehr als zufrieden mit sich. Jetzt war nur die Frage, ob Ringo das auch so sehen würde.

Der Kaffee war fast durch die wahrscheinlich sündhaft teure Maschine gelaufen, die sie im letzten Jahr von Benedikt Huber zur Hochzeit geschenkt bekommen hatten. Vorgestern war dieses Ereignis auch schon wieder ein Jahr her gewesen. Easy musste schmunzeln als er daran dachte, wie froh sie gewesen waren, dass sie dieses Ereignis nicht bei den anderen in der WG teilen mussten. Das hätte ihnen nur wieder Gelächter eingebracht und Kommentare, wie kitschig sie doch insgeheim wären und hätten nicht richtiger liegen können.

Er wie auch Ringo hatten ohne das Wissen des anderen früher Schluss gemacht, um sich gegenseitig zu überraschen. Ringo überraschte Easy mit roten Rosen und einem kleinen Wohnzimmer-Picknick. Am Abend bereitete Easy Ringos Lieblingsessen zu, denn Essen gehen stand einfach momentan nicht zur Diskussion. Wie schon bei ihrer Verlobungsfeier brannten in der ganzen Wohnung Kerzen und sie genossen einfach den Moment. Als Easy dann an den restlichen Verlauf des Abends dachte spürte er bereits wieder die Hitze in sein Gesicht steigen. Sie hatten an ihrer Liebe zueinander keinen Zweifel gelassen, egal ob durch Worte oder durch Gesten und Liebkosungen. Das war es was sie nach all den Vorkommnissen der letzten Monate benötigten und es war rundum perfekt gewesen.

Während Easy so gedankenverloren dastand, hatte er nicht bemerkt, dass er nicht mehr allein war. Ringo stand bereits in der Tür zum Wohnzimmer und beobachtete seinen Mann, der irgendwas zu überlegen schien, während er zur Musik mit dem Fuß wippte und auf den reichlich gedeckten Tisch sah. So leise wie möglich schlich Ringo auf Zehenspitzen zu ihm und legte seine langen Arme um die Schultern seines Mannes. „Guten Morgen mein Schatz.“ flötete er munter.

„Woahahhhh!“ erschreckte sich Easy und zuckte so zusammen, dass Ringo sofort ein schlechtes Gewissen bekam, wobei er sich genauso das Lachen verkneifen musste. Schnell vergrub Ringo seine Nase an Easys Hals. „Sorry Bärchen, …“ murmelte er gegen die weiche Haut unter Easys Ohr und presste seine Lippen im nächsten Augenblick auf die Stelle. Easy erschauderte und schmiegte sich in die Arme seines Mannes. „Nicht schlimm, … war nur der erste Schreck!“ entgegnete er, wobei er den Kopf ein Stück drehte, um Ringos Lippen einzufangen. Nur zu gern erwiderte der Größere den Kuss, in dem sie versanken. Fast wie nebenbei drehten sich ihre Körper zueinander, standen – knutschend wie Teenies – mit geschlossenen Augen da und genossen die Nähe des anderen.

Nach einer Weile löste Easy den Kuss für Ringos Empfinden viel zu schnell und sah ihn von unten herauf an. Seine Lippen presste er aufeinander wie so oft, wenn sie sich küssten. Fast so als wolle er das Gefühl noch ein wenig länger genießen. Es waren genau diese kleinen Eigenarten an Easy, die Ringo so wahnsinnig liebte und stupste dessen Nase mit seiner eigenen an. „Möchtest du mir mal erzählen, warum ich gerade allein wach werden musste und du schon so früh auf den Beinen bist?“ wollte Ringo mit einer gewissen Neugierde in der Stimme wissen.

Easy grinste Ringo mit funkelnden Augen an, der Schalk stand ihm ins Gesicht geschrieben. „Wieso??? Wolltest du etwa ausgerechnet heute kuscheln Schatz?“

„Du weißt genau was ich meine Easy Winter! … Aaaaber ja, … vielleicht … unter gegebenen Umständen, … hätte ich auch gern noch ein wenig mit dir gekuschelt. …“ gab Ringo letztlich mit leiser werdender Stimme zu und sah aus blau grauen Augen auf ihn herab. Easys Lächeln wurde immer breiter und strich dabei mit dem Daumen der in Ringos Nacken verschränkten Hände über dessen Haaransatz und fiel ihm plötzlich um den Hals. „Awwww, Haaase … ich liebe dich!“ Ringo konnte sich gerade noch so halten, ohne dass er das Gleichgewicht verlor.

Er schloss Easy fester in die Arme, erwiderte die Worte und sog dessen einzigartigen Geruch in sich auf und am liebsten hätte er ihn einfach bei der Hand genommen, um ihn wieder ins Bett zu befördern. Kuscheln klang gerade irgendwie perfekt, doch genauso sehr genoss er einfach den Augenblick und ihn durchdrang ein Glücksgefühl, welches er früher nie so gespürt hatte. Er musste lächeln und presste seine Lippen auf die lockigen Haare seines Mannes. An seiner Brust ertönten kleine Seufzer und er musste lächeln.

Das letzte Blubbern der Kaffeemaschine holte sie aus ihrer kleinen Welt zurück und Easy löste sich wie aufs Stichwort von ihm. „Komm, ich habe Frühstück gemacht. ...“ bemerkte er nochmal überflüssigerweise und küsste ihn kurz auf die Lippen und war dann auch schon hinter der Theke verschwunden. „… Setz dich schon mal, der Kaffee kommt sofort!“

„Ähm, Schatz, was ist … wo kommt das Gesteck plötzlich her? … Wer soll das denn alles essen?“ Während Ringo an seinem angestammten Platz am Ende des Tisches Platz genommen hatte, ließ er seinen Blick über den Tisch schweifen und sah nun zu Easy der mit ihren beiden Tassen, sowie der Kaffeekanne zu ihm trat. Mit den Schultern zuckend goss er jedem von der schwarzen Flüssigkeit ein und setzte sich dann an die Seite neben Ringo, der mittlerweile mehr als irritiert dreinschaute.

„Nun, ich dachte halt … ein ausgiebiges Frühstück wäre ganz schön, ...“ dabei nahm er das Nuss-Croissant aus dem Brotkorb und legte es seinem Liebsten auf den Teller. „… so am ersten Advents-Wochenende. Deswegen auch ein Kranz.“ erklärte Easy und machte Anführungszeichen in der Luft bei dem Wort Kranz und nickte in Richtung des Objekts. Abwartend sah er zu Ringo. Der sah von seinem Lieblingsgebäck, zu dem Gesteck und dann mit hochgezogener Augenbraue zu Easy.

„… So so, da hast du aber ganz schön aufgefahren…“ bemerkte er, überlegte dann ein wenig enttäuscht. „… Oh ne, du musst gleich noch zu einem Shooting, oder?“ Doch Easy schüttelte noch während er den Gedanken äußerte den Kopf. „Nein Schatz, wir haben schließlich gesagt die Wochenenden gehören uns. ...“ Sachte fuhr er mit den Fingern über Ringos Hand, die auf dem Tisch lag.

Sie hatten die letzten Wochen genug für drei gearbeitet, um ihre Schulden abzubauen, die wegen seinem Alleingang in Rio auch noch angestiegen waren. Allerdings ging es nicht so schnell voran, wie sie es sich vorgestellt hatten. Ringo machte unter der Woche täglich länger, was ihm allerdings nur mäßig durch Herrn Huber gedankt wurde. Zudem hatte er ihm vor ein paar Monaten ermöglicht, sich wieder eigene Objektive zu kaufen, damit er ohne finanzielle Einbußen seine Aufträge erfüllen konnte. Dafür verkaufte er seine geliebte Armbanduhr und bei dem Gedanken daran, bekam Easy direkt wieder ein schlechtes Gewissen, schließlich war sie das Einzige was sein Mann noch von dessen Vater hatte.

„Hey Schatz! …“ versuchte Ringo Easys Aufmerksamkeit zu erlangen, woraufhin dieser ihn verwirrt ansah. „… Wo warst du denn gerade?“ wollte er mit einem sanften Lächeln wissen. Easy zuckte mit den Schultern. „Nur in Gedanken. … Sorry, was hast du gesagt?“

„Ich habe nur gesagt, dass wir uns das auch verdient haben. …“ meinte Ringo erklärend und deutete dann verlegen auf das Nuss-Croissant. „… Woher wusstest du das eigentlich? … So oft hol ich mir das doch gar nicht.“

„Ich habe meine Quellen, du Schleckermaul!“ grinste Easy ihn an und nahm sich dann eines seiner geliebten Körner-Brötchen. Ringo wusste natürlich genau wen Easy damit meinte, machte aber nur „Mhhhm“, nahm einen Schluck von seinem Kaffee. Er lugte Easy über den Rand der Kaffeetasse hinweg an, als im Radio plötzlich die ersten leisen Töne von ‚It‘s beginning to look a lot like Christmas‘ erklangen und da fielen Ringo die Kartons auf, die vor der Garderobe standen und nun gab auch alles andere Sinn.

„Und wie nutzen wir unser freies Wohnende??? ... Wollen wir was unternehmen? Bisschen raus oder so? … Oder schwebt dir etwas anderes vor???“ fragte Ringo betont beiläufig und wartete gespannt auf die Reaktion seines Mannes, der von seinem Handy aufsah.

Easy hatte nicht mit dieser Frage gerechnet und eigentlich auch gedacht, dass das Gesteck Hinweis genug sei auf seine Tagesplanung, doch dem schien nicht so. „Ähm naja, eigentlich…“ begann er und überlegte sich die richtigen Worte, was ihn jedoch unter Ringos neugierigem Blick schwerfiel. „Aaber wenn du gern was machen möchtest, dann … chrrmmm … schlag was vor!“ antwortete er schließlich.

Doch zu Easys Verwunderung rollte Ringo mit den Augen und sah Easy vorwurfsvoll an. „Easy Winter!!! … Ich bin zwar manchmal ein emotionaler Krüppel und etwas schwer von Begriff, aber so blind bin ich auch nicht.“ erwiderte Ringo und zeigte auf die Kartons.

Easy fühlte sich ertappt und spürte förmlich, wie ihm die Röte ins Gesicht stieg. „Najaaa, ich dachte … jetzt, wo wir eine eigene Wohnung haben ...“ begann Easy zögerlich. „… wäre es schön, wenn wir ein klitzekleines bisschen dekorieren würden.“

Ringo zog eine Augenbraue nach oben. „Ist das so? … Ein kleines bisschen nur?“ Er musste sich ein Grinsen verkneifen, denn Easy sah einfach so zum Anbeißen aus, wenn er diesen Hundewelpen-Blick auflegte und ihn mit einem hochgezogenen Mundwinkel nickte. Ringo nickte in Richtung der Kisten. „Das sieht aber ganz anders aus mein Schatz. … Bist du dir sicher, dass du nicht den Nordpol geplündert hast?“

Easy machte eine überlegende Kopfbewegung und entgegnete „Entspann dich Hase. … Ich habe nicht mal großartig Geld ausgegeben. ...“ Allerdings bemerkte er Ringos angespannten Gesichtsausdruck. „Echt nicht, ich habe Ute gefragt, ob ich mal durch die Deko vom Schiller schauen darf die im Keller stand und sie hatte nichts dagegen, da sie eh jedes Jahr wechselt.“ Eigentlich fand er seine Idee genial, es war eine perfekte Win-Win-Situation, doch jetzt wo sein Mann so gar keine Reaktion zeigte, zweifelte er und hatte plötzlich das Gefühl das Ringo irgendwie sauer war.

Wahrscheinlich hatte er einfach Angst das jemand mitbekam, das sie sich finanziell ganz schön übernommen hatten in diesem Jahr. Dies war eine der Eigenarten von Ringo, die er nie richtig ablegen konnte oder wollte, sich darüber zu sorgen, was andere über ihn oder sie als Paar dachten. Easy wusste einen Moment lang nicht, was er sagen sollte und legte seine Hand auf Ringos nackten Unterarm. Als sein Daumen wie von selbst begann über die weiche, glatte Haut zu streifen, sah Ringo ihn endlich an. „Hase, es tut mir leid. … Ich versteh, wenn du sauer bist … Ich dachte es sei eine gute Idee. … Ich weiß, Weihnachten ist nicht so deins und das ich bei Ute gefragt hab, ist dir peinlich. … Wir müssen auch nicht groß schmücken. … Ich kann das auch alles wieder …“

„EASY!!!! ...“ unterbrach Ringo den Redeschwall des älteren, der ihn nun wie ein aufgescheuchtes Reh ansah. „… Bist du jetzt fertig?“ Zu dem irritierten Blick gesellte sich ein zögerliches Nicken. Ringos Hand legte sich auf die seines Liebsten, drückte sie zaghaft und seine Lippen bildeten eine schmale Linie. „Gut, dann hör auf. … Erstmal, ich bin nicht sauer, wie kommst du da drauf? … Und ja du hast recht, Weihnachten war bisher nie meine Lieblingszeit im Jahr. …“

Easy wollte gerade Luft holen und erwidern, dass er ihm dann auch nicht damit auf die Nerven gehen würde, doch Ringo ließ ihn nicht zu Wort kommen. „… Schatz, lass mich ausreden. ... Durch dich habe ich mich in so vielerlei Hinsicht verändert, … naja, … dass ich durchaus auch mit Tanne, Lichterketten und Glitzer klarkomme. … Aaaber ...“ doch weiter kam der Jüngere nicht, denn bereits zum zweiten Mal an diesem Morgen fiel Easy ihm um den Hals.

„Alles was du willst Schatz. ...“ lachte Easy und man konnte die Vorfreude förmlich greifen die von ihm ausging. Ringo bekam nicht mehr hervor als ein genuscheltes „Sag das nicht zu laut! …“ woraufhin Easy ihn interessiert ansah und sich fragte, ob sein Mann etwas bestimmtes im Sinn hatte. „Okaaaayy! … Was schwebt dir vor???“ wollte Easy wissen und seine Stimme klang ein klein wenig heiserer als zuvor, zogen an seinem inneren Auge doch zig Szenarien vorbei, die nicht wirklich jugendfrei waren.

Ringo lachte auf. „Easy Winter, du hast nur das eine im Sinn! …“ bemerkte er und fügte dann hinzu „… Darauf komme ich sicher noch zurück!“ Um seine Aussage zu unterstreichen, gab er Easy einen kleinen Klaps auf den Hintern und freute sich diebisch als Easy ein klein wenig zusammenzuckte. Zeitgleich bemerkte er aber auch, dass sich Easys Pupillen weiteten und er sich mit der Zunge über die Unterlippe fuhr.

Einen Moment brauchte Easy, um sich zu sammeln, seine Stirn lehnte an Ringos, zweimal atmete er tief durch und flüsterte. „Das nehme ich dann mal als Versprechen.“ Frech, sowie ein wenig verlegen grinsend und mit wackligen Beinen setze er sich wieder hin, hielt aber immer noch mit seinem Liebsten Blickkontakt, welcher bestätigend nickte.

„Kannst du! … Aber nochmal zurück zum eigentlichen Thema. Hast du echt gedacht, du musst mich bestechen, weil ich etwas gegen Weihnachtsdeko habe? ...“ fragte Ringo neugierig und erntete ein entschuldigendes Schulterzucken. Ringo rollte mit den Augen. „… Schaatz. In der WG war mir das einfach immer zu bunt und schrill. Doch wenn wir es hier etwas dezenter angehen lassen, dann bin ich voll dabei. … Ist das ok für dich?“ Erklärte der größere und freute sich als Easy zustimmte. Genussvoll biss er von seinem Nuss-Croissant ab und leckte sich über die Lippen. „Mhhhh, … himmlisch.“ seufzte er und hielt Easy die andere Hälfte auffordernd hin. Glücklich lehnte Easy sich hinüber, probiert und musste Ringo zustimmen. „Wow, das ist wirklich gut, aber ...“ meinte er und beugte sich abermals zu seinem Liebsten rüber. „… nichts gegen einen Kuss von dir!“ wisperte er und legte seine Lippen auf die von Ringo, was dieser nur allzu gern erwiderte.

Am späten Vormittag war ihre Wohnung dann schon kaum wieder zu erkennen, wobei Easy sich schon für seine Verhältnisse echt zurückhielt. Doch dieser war einfach nur happy. Darüber, wie weit sie im Laufe der Jahre gekommen waren und das er in Ringo die Liebe seines Lebens gefunden hatte.

Nachdem sie noch ausgiebig zu Ende gefrühstückt hatten, beschlossen sie, sich einen groben Überblick zu verschaffen. So konnten sie gleichzeitig schauen, welche Farbe für sie in Frage kam und entschieden sich für Töne in blau-grau sowie kupferfarbene Akzente. Dies passte auch wunderbar zu dem Gesteck welches Easy bereits im Voraus besorgt hatte und nachtblaue Kerzen enthielt.

So verbrachten sie also den Vormittag damit Lichterketten in den Fenstern anzubringen, Tannengirlanden um die Türrahmen zu befestigen und diverse Deko-Gegenstände zu platzieren. Immer wenn ein Weihnachtslied im Radio lief machte er es lauter und sang selbst lautstark mit. Bei einem Song stand Ringo gerade am gekippten Fenster, als Ute und Benedikt durch den Innenhof liefen. Man konnte Easy mit Sicherheit bestens hören, denn sonst hätte sein Chef nicht so irritiert geschaut. Ute hatte ein Lächeln auf den Lippen und winkte zum Gruß, was Ringo erwiderte. Aber nicht zuletzt durch Easys Euphorie ließ er sich auch selbst ein wenig anstecken und so bekam zum Beispiel der Flamingo auf der Kommode im Wohnzimmer eine kleine Nikolausmütze auf, was Easy sowohl amüsant als auch wahnsinnig liebenswert fand.

Doch eine Frage brannte Ringo aber immer noch auf der Seele, während er seinem Mann einen glitzernden Stern reichte, um diesen an dem Vorsprung zwischen den Fenstern zu befestigen. „Easy? … Wieso dachtest du es sei mir peinlich vor Ute?“

Den Stern entgegennehmend murmelte Easy etwas unverständliches, da er den zweiten Haken noch im Mund hatte. Nachdem er diesen auch in der Wand versenkt hatte und der Stern an seinem Platz hing, stieg er von dem kleinen Hocker und stellte sich dicht vor seinen Mann. Die Hände legte er an Ringos Seiten. „Ich dachte halt es wäre dir unangenehm. Ich weiß doch das du nicht willst, dass alle wissen, dass wir Geldsorgen haben. … Wegen mir.“ gab Easy kleinlaut zu und senkte den Kopf.

Ringo legte die Arme um Easy und zog ihn an sich. „Ach Bärchen, das ist echt süß von dir, aber mal ehrlich, meinst du nicht, das hat eh längst die halbe Schillerallee gecheckt? … Wir gehen nur noch am Wochenende in die Kondi, im Schiller essen wir nur dann, wenn keiner von uns beiden nach einem langen Tag mehr Bock hat zu kochen und die restliche Zeit schuften wir uns so krumm, dass wir abends nicht mal mehr ne Stunde auf der Dachterrasse durchhalten. … Ich finde, es geht nicht weniger auffällig. … Aber wir sind sicherlich auch nicht die einzigen die mal so eine Phase haben. …“ versuchte Ringo die richtigen Worte zu finden.

„Vielleicht hast du recht. … Wenn es sich wenigstens gelohnt hätte.“ meinte Easy mit diesem Unterton den Ringo nur zu gut kannte und schwieg dann wieder. Natürlich wusste der jüngere sofort, worauf Easy anspielte und er konnte es nachvollziehen. Beide hatten die Hoffnung gehabt, dass die Leihmutterschaft ohne Komplikationen ablief, auch wenn sie sich der Chancen sehr wohl bewusst waren. Doch es sollte einfach nicht sein und so hatten sie den Wunsch von einem Kind erst mal aufgegeben und wollten sich auf ihre Beziehung konzentrieren.

„Ich weiß mein Schatz. Ich weiß. ...“ erwiderte Ringo leise mit sanfter aber ebenso brüchiger Stimme, denn auch ihn ließ das Thema nicht kalt. Doch Worte halfen in diesen Momenten nicht und so zeigte er Easy einfach das er ihn verstand. Sie gaben sich einen Moment der Melancholie hin und hielten sich gegenseitig. Ringo zog es das Herz zusammen, das Easy immer noch so sehr litt, denn er merkte sehr wohl, dass sein Mann stumme Tränen weinte, auch wenn dieser versuchte es so gut wie möglich zu verbergen.

Easy hatte sich vorgenommen, dieses ganze Thema nicht mehr zu sehr an sich ran zu lassen, aber ab und an scheiterte er kläglich, doch Ringo fing ihn meist wieder auf und das, obwohl er selbst diesen Schmerz empfand. Aber nun stand er hier, in einer schon größtenteils wunderschön geschmückten Wohnung und heulte Ringo das Hemd voll. Eine viertel Stunde hielt Ringo ihn einfach nur, gab ihm Halt und er beruhigte sich langsam wieder. Ein verlegenes Glucksen entwich Easy und sah Ringo von unten herauf an. „Sorry, ich wollte nicht. …“ stammelte der schwarzhaarige Lockenkopf, während der größere ihm die Spuren seiner Tränen wegstrich.

Zärtlich legte Ringo beide Hände an Easys Wangen. Sofort spürte er, wie die Haut begann zu kribbeln. Er lehnte sich in die Berührung und sah Ringo an, als dieser ihn auf seinen blau-grauen Augen musterte. „Ist schon ok, ich verstehe es doch … und ich verspreche dir, wir werden sicherlich bald ein Kind haben. … So wahr ich hier stehe und dir Glitzersterne anreiche.“ hörte er Ringo mit einem Schmunzeln in der Stimme. Sein Mann schaffte es halt immer wieder, die Stimmung zu lockern und Easy musste tatsächlich ein wenig die Lippen verziehen.

Ringos Augen schnellten zu den Lippen seines Mannes und dann wieder hinauf. „War das etwa gerade ein kleines Lächeln??“ fragte er mit amüsierter, sanfter Stimme. Der Lockenkopf schob einen Mundwinkel noch höher und nickte leicht. Easy fühlte sich nun wieder etwas leichter, wissend das Ringo immer an seiner Seite wäre. „Danke … ich … ich wollte nicht …” versuchte Easy sich zu erklären.

„Alles gut. Wofür hast du denn sonst so einen einfühlsamen Ehemann?? … Aber nuuun lass uns mal einen Platz für unseren Adventskalender suchen!“ meinte der größere und Easy vernahm ein gewisses Glitzern in Ringos Augen, was ihn zum Kichern brachte. Daran hätte er eigentlich schon merken müssen, dass Ringo Weihnachten in diesem Jahr nicht ganz so abgeneigt war. Er hatte im Spaß vor drei Wochen gemeint, dass sie sich ja einen Adventskalender zusammen teilen könnten und Ringo hatte ohne langes Zögern zugestimmt. Natürlich dachte er das Ringo ihn nur auf den Arm nähme, bis er dann zwei Tage später von einem Fototermin wiederkam und auf dem Tresen einen Kalender zum selbst befüllen vorfand. Darauf lag ein kleiner Zettel: ‚Wenn ich darf, möchte ich die ungeraden Tage für mich beanspruchen. :D Liebe dich, dein Hasi - PS. In der Wanne ist noch ein Plätzchen frei ;)‘ Warum er danach immer noch dran gezweifelt hatte, dass Ringo was gegen eine geschmückte Wohnung haben würde, wusste er selbst nicht. Wahrscheinlich aus reiner Gewohnheit.

Doch nun hing nach kurzer Zeit ein lange rot-weiße Schnur an der Wand und daran baumelten lauter kleine Päckchen. Easy klatschte freudig in die Hände. „Woohoo!! … Das sieht toll aus.“ Juchzte er und Ringo bewunderte die Begeisterungsfähigkeit seines Liebsten, stimmte ihm jedoch zu 100 Prozent zu. „Mhhhmmm. Da hast du recht. … Aber Bärchen? … Es wird nicht gelunkert.“ ermahnte Ringo Easy scherzhaft, kannte er doch seinen Mann mittlerweile nur zu gut. Die Schnute die Easy daraufhin zog war göttlich und Ringo musste lachen, worauf er sich einen kleinen Stupser in die Seite einhandelte. „Du bist‘n Idiot!“ frotzelte Easy und innerhalb kürzester Zeit war eine wilde Kabbelei entstanden, was schlussendlich in einer leidenschaftlichen Knutsch-Fummelei auf dem extra für die Wohnung angeschafften Sessel endete.

Jäh unterbrochen wurden sie durch die schrille Türklingel, welche im Sturm betätigt wurde. Mit hitzigem Blick und wild schlagendem Puls sahen sich die Männer an. Synchron schüttelten beide leicht grinsend den Kopf, jeder mit dem Gedanken, nicht gestört werden zu wollen. Gerade als sie sich erneut einander widmen wollten, ging das Klingeln in ein nicht weniger nervendes Klopfen über. Ringo gab einen schnaubenden Laut von sich und rollte mit den Augen. Wenn das nicht wichtig war, würde er demjenigen eigenständig den Hals herumdrehen. „Jaaaahaaa! … Moment!“ rief er laut während Easy sich bereits widerwillig von seinem Schoß erhob und versuchte seine Klamotten soweit es ging zu richten. Mit einem Schmunzeln auf den Lippen ging er zur Tür, wartete bis auch Ringo wieder halbwegs passabel aussah und öffnete dann.

Vor ihnen stand ein aufgeregter Tobi mit einem freudig wedelnden Stinker, der Easy direkt mit einem Bellen begrüßte. „Warum geht denn keiner von euch ans Handy?“ wollte ihr bester Freund und Halbbruder wissen, während er wie selbstverständlich in ihre Wohnung trat und sich ein wenig empört zu ihnen umdrehte.

„Komm doch rein. ...“ grummelte Ringo mehr zu sich selbst, bevor er zu Easy trat, der gerade die Tür geschlossen hatte und die Arme von hinten um ihn schlang. „… Sorry, liegen noch an der Ladung im Schlafzimmer. Haben sie wohl überhört.“ beantwortete er dann mit deutlicherer Stimme Tobias Frage.

„Hhmmm, … wohl eher übertönt, ... so wie ihr ausseht.“ gab Tobias mit einem anzüglichen Grinsen zurück. Das ihnen beiden die Farbe ins Gesicht schoss, war nicht förderlich und auch wenn es nicht ganz das war, was Tobi vermutete, versuchten sie es gekonnt zu übergehen.

„Was ist denn so dringend, dass uns hier bald die Tannengirlanden um die Ohren fliegen und du die halbe Nachbarschaft nervst?“ wollte Ringo wissen, derweil er seinen Kopf auf Easys ablegte.

Kurz sah Tobi sich um und bemerkte erst jetzt die bereits weihnachtlich geschmückte Wohnung der beiden. Schnell wandte er jedoch seinen Blick erst auf Stinker und dann auf das Ehepaar, welches ihn abwartend musterte. „Naja, ich muss da nachher zu dieser Anwalts-Veranstaltung nach Koblenz und ich habe gerade erst gelesen, dass es mit Begleitung ist. … Also kommt Vivi nun doch mit. ...“ begann Tobias und dachte das würde sich schon als Erklärung reichen.

Easy dämmerte sofort, was Tobias wollte und dass Ringo es auch ahnte bemerkte er an dessen typischen ‚mmhmmm‘s‘, die er immer machte, wenn er eine Aussage sehr wohl registrierte, aber erstmal nicht reagierte. Doch so einfach mussten sie es seinem besten Freund natürlich nicht machen. „Am ersten Advent??? … Hmmm. Aber cool, Vivien freut sich bestimmt schon.“ meinte Easy daher nur und bemerkte auch Ringos leichtes Kichern.

„Hoahh. … Echt jetzt??“ machte Tobias und deute mit den Armen auf seinen strubbeligen Begleiter. „Ich kann Stinker nicht mitnehmen. … Da dachte ich … naja, weil Conor und Nika sind auch weg …“

Ringo versuchte so ernst wie möglich zu bleiben als er frotzelnd meinte. „Wie, die haben dort keinen Platz für ein wuscheliges Floh-Taxi?“ Dafür erntete er einen kleinen Hieb von Easy, der aber genauso schmunzeln musste über Tobias genervtes Gesicht, der sofort protestierte. „Spinnst du? … Stinker hat keine Flöhe! Ne mein kleiner?? …“ Der quirlige Hund bellte seinen Besitzer daraufhin an. „Seht ihr!?“ meinte Tobi mit hochgezogenen Augenbrauen und legte dann eine fragende Mimik auf.

Ringo entwich ein genervtes Seufzen. „Brüderchen, kannst du zum Punkt kommen? … “ Er hasste dieses Drum-Herum-Geeiere. Auf der einen Art amüsierte es ihn, auf der anderen Seite wüsste er seine Zeit mit Easy auch sinnvoller zu nutzen.

„Naja, … würdet ihr Stinker bis morgen Abend nehmen? … Ich habe auch alles dabei und er ist ganz lieb. Wir haben das vorher besprochen.“ rückte Tobias endlich mit der Sprache heraus. „… Ich würde auch nicht fragen, wenn es nicht wichtig wäre … außerdem seht es doch als Übung für den Fall an, das ihr irgendwann selbst einen kleinen Schreihals habt.“ meinte Tobias locker und grinste über seinen eigenen Spruch im Glauben, das das Thema nicht mehr so sensibel war. Das dieser Gedanke mehr als falsch war, bemerkte er direkt im nächsten Augenblick, als mehrere Dinge zeitgleich geschahen.

Ringo bekam große Augen und schüttelte langsam den Kopf. Tausend Gedanken schossen im durch den Kopf. Easy versteifte sich, wand sich aus Ringos Umarmung und ging geradewegs an Tobias vorbei. „Das ist ja ein Wahnsinns Trost!“ murmelte er mehr zu sich selbst, doch sein bester Freund verstand jedes Wort.

„Schaaatz, jetzt wart...“ rief Ringo Easy hinterher, wurde jedoch durch das Zufallen der Schlafzimmertür unterbrochen. Na toll. Sein Blick fiel auf Tobias, der nun doch zumindest den Anschein machte, als sei es ihm unangenehm.

Betreten sah dieser nach unten. „Chhrrmmmm, dass … ähm …“

Ringo ließ die schultern hängen. „Der Spruch war unnötig, aber jetzt ist es passiert. Konntest ja nicht ahnen, dass wir das Thema erst heute Morgen hatten. Ist für mich auch nicht einfach, aber ich komme eher damit klar, was nicht heißt das ich es mir nicht genauso wünsche.“ erklärte er mit leiser und brüchiger Stimme an seinen Halbbruder gewandt.

„Ich weiß. Tut mir leid! … Ich wusste wirklich nicht … chrmmm …“ stammelte Tobi und legte Ringo eine Hand auf die Schulter, was dieser mit einem leichten Kopfnicken zur Kenntnis nahm. „… Naja, wir müssen in ner Stunde los. … Ähm, … kommt ihr klar???“ wollte er noch wissen, bevor er sich mit Stinker verabschiedete. Den konnte er nach dem Fauxpas wohl nicht mehr bei den Jungs lassen.

Ringo nickte. „Er beruhigt sich schon wieder und ich habe doch sowieso kein Herz. …“ erwiderte Ringo und verzog die Lippen zu einer schmalen Linie. Wie oft hatte er sich das selbst gesagt, ebenso oft von anderen gehört und irgendwann selbst geglaubt.

„Das stimmt nicht, Richard und das weißt du. Schon lange nicht mehr, das kann jeder sehen. Du tust Easy mehr als gut, sonst wäre er schon längst daran zerbrochen und ohne ein Herz, könntest du nicht mal diesen Wunsch verspüren. … Naja, sorry nochmal.“ sagte Tobias und Ringo konnte an dessen Stimmlage hören, dass er es ernst meinte. Tobias drehte sich um „… bis morgen dann.“

Er war bereits an der Wohnungstür als Ringo in aufhielt. „Tobi? … Danke! …“ dann nickte er in Richtung des wuscheligen kleinen Hundes. „Aber hast du nicht etwas vergessen?“

Der Anwalt war nunmehr irritiert. „Was? … Aber …“

Ringo legte den Kopf schief, während er ihn ansah und verschränkte die Arme vor seiner Brust. „Na komm schon. Als wenn wir Nein gesagt hätten.“ Erklärte Ringo und steckte die Hand aus, um Tasche und Leine von Stinker entgegenzunehmen, die Tobias im zögerlich reichte.

Stinker sah zwischen ihnen hin und her als Tobias sich kurz hinhockte und ihn am Ohr kraulte. „Und dass mir keine Klagen kommen.“ Dann stand er auf, blickte Ringo nochmal an. „Danke. Ihr habt was gut!“ erklärte er und dann war er auch schon zur Tür hinaus.

Einen Moment lang war Ringo unschlüssig, was er nun machen sollte. „Tja, mein Freund, da dein anderer Buddy gerade einen Augenblick braucht, kümmern wir uns mal um dich. Vielleicht find ich ja noch ein Stück unserer Lieblings-Salami. Was hältst du davon?“ meinte er an Stinker gewandt, nahm ihm das Halsband ab und streichelte ihn am Kopf. Ein kurzes Kläffen und ein freudiges Wedeln waren ihm Antwort genug.

Um sich selbst ein wenig abzulenken, räumte er zeitgleich noch die Kisten zusammen, wobei ihm immer mal noch, dass ein oder andere Dekoelement in die Finger fiel, wovon er meinte das es noch ganz gut zu ihnen passen würde. Zwischendurch sah er kurz nach Easy. Zusammengerollt lag der auf Ringos Bettseite und musste eingeschlafen sein.

Stinkers Blick verfolgte ihn auf Schritt und Tritt vom Sofa aus, derweil er schon mal etwas zum Abendessen vorbereitete. „Na schau mal, was ich da noch gefunden habe!! ...“ Ringo ging zum Sofa hinüber und setzte sich neben den kleinen wuscheligen Gast. Er stellte den Teller auf den kleinen Wohnzimmertisch und schmunzelte über sich selbst, dass er seine letzten Scheiben Salami mit Stinker teilte, der Ringo in dem Moment zu seinem Best-Buddy kürte.

Easy fühlte sich besser, als er langsam wach wurde. Er blinzelte kurz, musste erst realisieren, wo er war und setzte sich auf die Bettkante. Die Nachttischlampe brannte, was ihn irritierte und Ringos Handy war weg. Als er zum Fenster sah war es bereits dunkel. Hatte er wirklich so lange geschlafen und warum hatte Ringo ihn denn nicht geweckt? Ach ja, er war ins Schlafzimmer geflüchtet nach Tobias blödem Spruch und hatte Ringo einfach stehen lassen. Ein toller Ehemann war er. So hatte er sich den Tag auch nicht vorgestellt. Er hoffte das Ringo nicht allzu böse auf ihn war. Da musste er sich auf jeden Fall noch was einfallen lassen.

Als er ins Wohnzimmer trat stieg ihm der Duft von Pasta in die Nase. Er sah auf die Uhr am Radion und erschrak. Es war bereits kurz nach neun am Abend, doch von Ringo keine Spur, doch auf dem Tresen lag eine Notiz. ‚Hi Bärchen! Hoffe dein Dornröschen-Schlaf tat gut, wollte dich nicht wecken. Im Ofen steht Pasta. Bin aber auch gleich wieder da, musste nur mit unserem zotteligen Übernachtungsgast mal vor die Tür. ;) Ich liebe dich! :* Hasi‘ Easy sah sich um. Tatsächlich, um das Sofa herum lagen lauter Hundespielzeuge und der Lieblings-Kauknochen von Stinker. Eigentlich hatte er nicht damit gerechnet das Ringo zustimmen würde und dann auch noch mit ihm Gassi gehen würde. Aber sein Mann tat zuletzt immer öfter etwas, womit man nicht rechnete. Der Rest der Wohnung war bereits wieder auf Vordermann gebracht und auch die Deko hatte noch etwas zugelegt. Unwillkürlich trat ein Lächeln auf Easys Lippen. Hatte er doch scheinbar den besten Mann der Welt und genau dieser Gedanke ließ sein Herz immer wieder schneller schlagen.

Mit einem Teller der vegetarischen Lasagne, wollte Easy gerade ein Selfie von sich an Ringo schicken, als dieser zur Tür hereinkam. Gerade als der Stinker los machte, sprang dieser schwanzwedelnd zu Easy auf die Couch. Doch der hatte seine Augen fest auf den großen, schlanken Mann am Eingang geheftet. In seiner hellgrauen Jacke, dem grau-schwarzen Schlaufen-Schal und den dezent rosa gefärbten Wangen sah er einfach zum Anbeißen aus. Easy dachte spontan an ihr erstes offizielles Date, damals im Februar und es zauberte ihm ein Lächeln auf die Lippen, auf die sich nun die kalten Lippen seines Mannes legten. Kalt auf Warm, gegensätzlich, wie sie es selbst oft waren und doch ergänzten sie einander wie niemand anders.

„Hey Sleepy! ...“ wisperte Ringo liebevoll gegen Easys Lippen, die er im selben Moment zu einem Lächeln verzog. An seinem Pullover zog Easy Ringo ein Stück näher, wunderte sich wann dieser Jacke und Schal abgelegt hatte und intensivierte den Kuss. Er umschloss die Lippen des Größeren mit seinen und neckte ihn, indem er an dessen Unterlippe knabberte, nur um kurz darauf mit der Zunge über dieselbe Stelle zu fahren. Mit hektischen Atemzügen entließ er Ringo schließlich aus dem Kuss. „Hey hübscher Mann! …“ säuselte er und sah Ringo unverhohlen an, der ihn aus grau-blauen Augen ebenso musterte. Amüsiert stellte Easy fest, dass die Wangenfarbe noch ein wenig zunahm unter ihrem intensiven Blickkontakt. Er ließ einen Finger über die Lehne wandern und streifte wie nebenbei Ringos Hand. „… kommst du her zu mir? … Wir könnten noch ein Glas Wein trinken.“ fragte er mit warmer tiefer Stimme.

Ringo zog keck eine Augenbraue hoch, nickte dann und durch sein Lächeln bildeten sich um seine Augen diese kleinen wundervollen Fältchen. „Wenn da gleich noch Platz ist, gern.“ erwiderte er und deutete auf Stinker, der gemerkt hatte, dass das Betteln nach Lasagne nicht von Erfolg gekrönt war. Also hatte er sich auf die andere Couchseite gelegt und döste vor sich hin. Easy musste über sein skeptisches Gesicht lachen und meinte. „Für dich geht er sicherlich in sein Körbchen, kann doch schließlich froh sein, dass du dich den Nachmittag über um ihn gekümmert hast. …“ Kurz unterbrach er sich selbst und fügte dann hinzu. „… Danke dafür übrigens. ...“ Dann stupste er den kleinen Hund an und der trollte sich in Richtung seines Platzes, den die zwei ihm in der neuen Wohnung extra eingerichtet hatten.

„Das will ich doch hoffen, habe mit ihm meine letzte Salami geteilt.“ gab Ringo augenzwinkernd zurück und ging in Richtung Kühlschrank und bekam nur mit wie Easy zu dem Hund zuflüsterte. „Hab ja immer schon geahnt, dass er dich eigentlich mag.“ Ringo schmunzelte und nebenbei, von Easy unbemerkt, zog er sein Handy aus der Hosentasche, betätigte ein paar Tasten. Schon sprang ein digitales Kaminfeuer im Fernseher an und das Licht wurde gedimmt. Die Lichterketten spendeten zudem ein angenehm schummriges Licht. Easy sah ihn mit überraschtem, aber auch fragendem Blick an, woraufhin Ringo stolz sein Handy in die Höhe hielt. „Ich habe da ein bisschen was eingerichtet.“

Mit zwei Gläsern und der zuvor geöffneten Flasche Wein schlenderte er zurück zu Easy, der mittlerweile seinen Teller geleert hatte. „Ich gebe zu, ich bin beeindruckt. … Auch hiervon.“ betonte er und deutete auf den Teller auf dem Tisch. Verlegen zuckte Ringo mit den Schultern. „Habe mich nur ans Rezept gehalten. … Hier.“ meinte der größere, reichte Easy eines der gefüllten Gläser und setzte sich dann zu seinem Liebsten. Easy hatte einen Arm auf der Rückenlehne der Couch. „Komm her mein kleiner Hobby-Koch. Es war wirklich köstlich. … Danke.“ lächelte Easy und als Ringo sich an seine Seite kuschelte, zog er ihn noch ein wenig fester an sich. „Habe ich dir schon mal gesagt, wie sehr ich dich liebe???“ sprach er mit leiser Stimme und streichelte die Wange des jüngeren, der sich in diese Berührung schmiegte. Ringo sah zu ihm hoch und schüttelte den Kopf. „Hmmm. …“ machte er und tat so als müsse er angestrengt nachdenken. „… ich glaube schon, aber ich werde nicht müde es zu hören.“ meinte er keck, wobei sein Grinsen immer breiter wurde.

„Ich liebe dich Ringo Beckmann.“ wisperte Easy, sah ihm tief in die Augen und konnte das Glitzern darin erkennen, als er die Worte aussprach. „Und ich liebe dich, über alles.“ antwortete Ringo mit fester Stimme und reckte sich Easy entgegen, um sich einen Kuss von ihm zu stehlen. Vorsichtig legten sich ihre Lippen aufeinander. Sie gaben sich diesen Moment hin und genossen es sich gegenseitig zu spüren, brauchten jedoch irgendwann wieder Luft zum Atmen und lösten sich voneinander. Mit verliebtem Blick sahen sie sich an. Ringo trank einen Schluck vom Wein und stellte sein Glas ab. Seufzend ließ er seinen Kopf in den Schoß seines Mannes fallen. Wie von selbst fuhr Easys Hand in Ringos schlanken Nacken und begann mit seinen Fingerspitzen über die glatte Haut zu fahren.

Es verging ein Moment der Stille, indem die beiden einfach beieinandersaßen und auf die Flammen im Fernseher sahen. „Daran könnte ich mich gewöhnen.“ bemerkte Ringo, während er die Zärtlichkeiten seines Schatzes genoss. Das hauchzarte Gefühl sandte immer wieder kleine Schauer durch seinen Körper. Easy sah liebevoll auf ihn hinab. „Du wirst mir doch nicht sentimental??“ schmunzelte er, worauf der größere den Kopf langsam schüttelte. „Nein, aber so ein Kamin hätte schon was. Und wann haben wir zuletzt wirklich mal nen Abend so gehabt? Das ist schön. …“ gab er mit halb geschlossenen Lidern zurück, hob einen Arm und strich über Easys Wange, spürte die Bartstoppeln in seiner Handfläche. „… geht es dir denn ein bisschen besser? … Ääähm, Tobias tat es übrigens leid. Er hat nicht nachgedacht. Er wollte sogar Stinker wieder mitnehmen. … Aber das konnte ich dem Struppi doch nicht antun.“

Der kleinere sah auf ihn herab, nachdenklich, suchte nach Worten. „Du bist echt süß. … Und … es geht schon. Chrrrm … Ringo, ich … ich muss mich entschuldigen. Naja, ich war wohl ziemlich egoistisch in letzter Zeit. …“ begann Easy und sein Mann wollte ihn schon unterbrechen, aber Easy bedeutete ihm das er noch nicht fertig war. „Nein Schatz warte. … Ich meine es ernst. Ich habe mein Wohl immer wieder über das deine gestellt. Meine Wünsche als wichtiger empfunden als die deinen. Dachte ständig, dass es dir nicht genauso viel ausmachen würde. Doch dem war … oder besser gesagt ist nicht so. Das tut mir unendlich leid und ich bin wirklich froh dich zu haben. … Du zeigst mir mit jedem Tag mehr, was für ein Mensch hinter deiner harten Schale steckt und ich werde es irgendwie wieder gut machen. …“

In Ringos Augen sammelten sich salzige Tränen bei Easys Worten. Er wollte etwas erwidern, aber seine Stimme versagte ihm. Diese Worte aus Easy Mund zu hören tat einfach gut. Sein Herz schlug wild und Ringo spürte, wie sich Erleichterung in seinem Inneren ausbreitete. Er hatte immer unterbewusst gedacht, dass ausgerechnet Easy der Einzige war, der es irgendwie nicht gemerkt hatte. Doch manchmal brauchte es wohl ein Schubser in die richtige Richtung.

„Hey, nicht weinen.“ stieß Easy aus, als er die Tränen sah und strich die feuchte Spur von seiner Wange. Schniefend hielt Ringo Easys Hand fest und zog sie zu seinen Lippen, um dessen Fingerspitzen zu küssen. „Schon ok Schatz. A … aber du hast nicht ganz unrecht, auch an mir geht es nicht spurlos vorbei. Vielleicht hätte ich auch was sagen sollen. Trotzdem danke für deine Worte. Aber gemeinsam schaffen wir das. … Da bin ich mir mehr als sicher. … Doch vielleicht genießen wir jetzt erst mal die Adventszeit, feiern Weihnachten und Silvester, was denkst du?“

Langsam nickte Easy und lächelte Ringo mit seinem typischen Grübchenlächeln sanft an. Wie von selbst verschränkten sich ihre Finger und sie sahen einen Augenblick einfach ihre Hände an und ihre Eheringe schimmerten im Schein der Lichter um sie herum. „Das klingt vernünftig und eventuell ...“ kurz überlegte Easy und fügte dann hinzu „… überlegen wir morgen mal was wir so verschenken und ob wir eigene Weihnachtskarten verschicken möchten. Wäre doch ganz cool. … Also wenn du magst.“

„Mmmmh. … Klingt perfekt, … aber bitte ohne diese pinken Mützen.“ murmelte Ringo, da Easy immer noch seinen Nacken kraulte. Daraufhin musste Easy kichern. „Und das wo sie dir sooooo gut steht mein Hase.“ Ringo sah ihn vorwurfsvoll an. „Nur über meine Leiche, Bärchen.“ Schnell beugte Easy sich hinunter und küsste Ringo, der den Kuss nur zu gern erwiderte. „Ok ok. So weit gehen wir mal nicht. Ich brauche dich doch noch. … Also keine Mützen.“ zwinkerte er als er sich von dem größeren löste und seine Hand über Ringos Seite legte und immer wieder langsam mit seinen Fingern darüberfuhr.

Den restlichen Abend schwelgten sie einfach in dieser überaus gemütlichen Advents-Stimmung, die beide an diesem Tag überkommen hatte. Immer wieder tauschten sie Blicke und kleine Zärtlichkeiten, genossen die Nähe des anderen. Natürlich schmiedeten sie zwischendurch Pläne für die kommenden Wochen.

Irgendwann, es war schon bereits mitten in der Nacht, sah Easy zum Fenster hinaus und im Schein der Laterne sah er einige wenige Schneeflocken zu Boden tanzten. Ganz federleicht sahen sie aus. „Liebling, schau mal! Der erste Schnee.“ flüsterte er leise zu Ringo, fast so als hätte er Angst das die Flocken sonst direkt wieder schmelzen würden. Doch von Ringo kam keine Antwort und als Easy auf ihn hinabsah, bemerkte er das sein Mann tief und fest schlief. Zärtlich strich er ihm eine Strähne aus der Stirn, worauf hin Ringo kurz blinzelte und ihn ansah.

„Schlaf weiter. …“ murmelte Easy und zog die Decke vom anderen Ende des Sofas über sie beide. Mit liebevollem Blick beobachtete er Ringo und freute sich jetzt schon auf den ersten Advents-Sonntag.
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