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Victoria Blake - Unsolved Secrets

Kurzbeschreibung
GeschichteMystery, Fantasy / P18 / Gen
Vampire Zombies & andere Untote
29.11.2020
14.01.2022
5
11.231
1
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29.11.2020 2.160
 
Schweißgebadet schnellte ich von meinem Bett auf. Mein Herz raste und ich fasste mir automatisch an die Stelle an der das Messer mich getroffen hatte. Meine Adern pulsierten, so schnell wie das Blut hindurch schoss. Als ich mich wieder einiger Maßen beruhigt hatte ließ ich meine Fingerspitzen noch über meine Lippen gleiten. Noch immer spürte ich seine Lippen die auf meine gepresst waren. Der Traum war einfach zu real, als dass ich ihn in ein paar Minuten verarbeiten konnte. Seine Berührungen sind in meiner Haut wie eingebrannt und hielten mich noch etwas gefangen. Ein wenig Traurigkeit überkam mich, als mir schlussendlich doch der Gedanke kam, dass es nur ein Traum war. Ich sah zur Uhr und ..nicht schon um 7..

Ich lies mich nach hinten umfallen und zog mir die Decke über den Kopf. Ich fühlte mich kein bisschen erholt durch diesen Traum und jetzt muss ich auch schon aufstehen. Ein großer Seufzer verließ mein Körper und widerwillig rutschte ich aus meinem Bett in meine schwarzen Plüschhausschuhe hinein. Mühselig schleppte ich mich in Richtung Badezimmer. In der Früh wirkten Zombies definitiv fitter als ich. Ich drehte den Wasserhahn auf und spritze mir das Eiswasser ins Gesicht, in der Hoffnung doch etwas erfrischter auszusehen. Der Blick in den Spiegel lies mich dann aber doch etwas erschrecken, ich fühlte mich nicht nur wie ein Zombie, ich sah auch noch aus wie einer. Dieser Traum hat definitiv seine Spuren an mir hinterlassen. Ich zog mich aus und sprang schnell unter die Dusche. Das heiße Wasser war sehr erholsam, nur leider war dies von kurzer Dauer. Ich weiß nicht wieso aber das Wasser sprang plötzlich auf kalt um und prasselte auf mich nieder. Für einen Augenblick erstarrte ich, denn damit hatte ich nicht gerechnet. Schnell drehte ich das Wasser ab, doch noch ein paar restliche kalte Tropfen liefen aus dem Duschkopf heraus und fielen aus meine noch warme Haut. Seine Berührungen waren auch kalt kam es mir wieder in den Sinn. Nicht nur dass seine Lippen kalt waren, er war generell kalt. Ist so etwas Möglich? Kann man komplett kalt sein, wenn man vorher in der Sonne lag?

Meine Gedanken kreisten rund um den Traum und so richtig konnte ich ihn nicht los lassen. Das nötigste erledigte ich noch am Waschbecken, denn nach dem Schock mit dem kalten Wasser, hatte ich jetzt nicht noch mal Bock unter die Dusche zu springen. Mit dem Fön musste ich nachhelfen um meine langen, schwarzen Haare zu föhnen. Mein Vater sagte früher immer, dass ich fast aussehe wie Schneewittchen mit meinen Ebenholz-schwarzen Haaren. Ich wünschte mir, dass er es heute nochmal zu mir sagen könnte. Vor ein paar Jahren, kurz vor meinem Schulabschluss, hat er sich selbst das Leben genommen. Niemand konnte sich erklären wieso, nicht mal ich obwohl wir uns so nahe standen. Das letzte was ich von ihm gefunden hatte war eine Notiz an mich auf dem Nachttisch, die er wohl eine Nacht zu vor dort platziert hatte. Alles was drin stand war: Ich liebe dich, Dad.

Ich vermisste ihn wirklich sehr, auch wenn es jetzt schon wieder ein paar Jahre her ist. Aber immer wenn ich an ihn denke, muss ich mir doch die ein oder andere Träne zurück halten. Ich rubbelte mich derweilen mit dem Handtuch trocken und überlegte schon was ich anziehe. Mein Kleiderschrank war zum zerbersten voll doch hatte ich nichts zum anziehen, ihr kennt es. Wieder einmal wühlte ich gefühlt alles heraus und es landete, wie immer, auf dem Boden. Ich wusste nicht genau wieso ich das immer tat, am ende zog ich doch meist fast das selbe an. Ein Griff zu meinem Lieblingsshirt, dazu eine schwarze, zerrissene Röhrenjeans, ein paar Nietengürtel mit Ketten dran. Perfekt.

Ich rannte erneut zum Spiegel und entschied mich heute für doch etwas mehr Makeup als sonst, schließlich musste ich meine fetten Augenringe abdecken. Danach machte ich mich auf den Weg nach unten und zog mir, beim vorbeigehen, noch eine Banane aus der Obstschale. Ich bin eher nicht so der Frühstücksmensch. Zumal war ich sowieso schon spät dran um jetzt noch ausgiebig Frühstücken zu können. Rasch schlüpfte ich in meine schwarzen Schnürstiefel und schmiss mir meine Lederjacke drüber.

Knapp aus der Tür raus bemerkte ich, dass die Schlüssel noch drin hingen. Shit! Gerade noch so schaffte ich es die Tür aufzuhalten bevor sie ins Schloss fiel. Nachdem ich dem Schrecken, einen Schlüsseldienst zu holen und viel Geld zu blechen, aus dem Weg gegangen war konnte ich mich beruhigt in mein Auto bequemen. Ich lehnte mich nochmal zurück und schloss die Augen um mich zu sammeln. Beim Auto fahren sollte ich konzentriert bleiben. Doch vor meinem inneren Auge er schien er wieder. Nichtmal seinen Namen hat er mir im Traum verraten. Schade sonst könnte ich ihn benennen, diesen mysteriösen Mann der mir anscheinend den Kopf verdreht hat.

Was rede ich da? Er existiert doch sowieso nicht und somit wischte ich meinen Gedanken bei Seite und machte mich bereit. Erst noch mein Handy mit Bluetooth verbinden damit ich auch Musik hören kann. Immerhin brauchte ich ein Stück bis zur neuen Uni aber immerhin war sie nur 10 Minuten weiter entfernt als die, an der ich zuvor studiert hatte. Die Fahrt stellte sich als er monoton heraus. Jeder Baum am Straßenrand stand perfekt eingepflanzt und in Reihe auf dem Fußweg. Das Stadtbild erschien wie immer perfekt, obwohl es die Welt meist nicht war. Kurz vor mir schaltete die Ampel auf rot und ich konnte gerade noch so Bremsen. Ich sah mich um und hoffte, dass keiner bemerkt hat, wie sehr ich doch in Gedanken versunken war. Mein Blick blieb an einem Mann hängen der knapp neben mir auf der rechten Straßenseite entlang ging. Er hatte lange, braune Haare und zog meine Aufmerksamkeit mit seiner eindrucksvollen Kleidung auf sich.

Kann es sein? Nein eher unwahrscheinlich. Möglicherweise sah er auch gar nicht wirklich so aus und ich habe nur etwas gesehen, dass ich sehen wollte. Ich wurde aus meinen Gedanken gerissen als Autos hinter mir wild anfingen zu Hupen. Ups! Ich legte den Gang ein und versuchte so schnell wie möglich los zu fahren. Aber wie man gelernt hat sollte man das lieber nicht tun, denn so wurde es mir zum Verhängnis und ich würgte mein Auto ab. Super, wie ich solche Situationen liebe - nicht. Durch meine Hektik habe ich die einzige Chance verpasst "Mister Mystery" nochmal von vorn zu sehen. Aber ich gehe davon aus, dass mir meine Fantasie mir dann doch ein Streich gespielt hat. Von daher ist es nicht so schlimm. Das restliche Stück zur Uni verlief ohne weitere Vorkommnisse und ich konnte schließlich vor der Uni parken. Ich fühlte mich total angespannt. Neue Situationen waren noch nie mein Ding gewesen. Ich mochte es nicht mich mit neuen Gegebenheiten auseinander zu setzten, das verursacht in mir Stress. Auch wenn ich mich meist wie der Fels in der Brandung gebe, so hab ich doch meine versteckten Schwächen.

Noch stand ich bei meinem Auto und sah mich um. Das Gebäude und der Parkplatz waren schon mal viel Größer als an meiner alten Universität. Super, noch mehr Menschen. Eigentlich wollte ich nie wirklich studieren, ich hab es meinem Vater zu liebe getan, denn ich habe ihm versprochen etwas ordentliches aus mir zu machen. Ich wollte immer Pianistin werden, er fand diese Idee auch gut aber erst wenn ich etwas festes gelernt habe. Dennoch fühlte ich mich in gewisser Weise hier fehl am Platz, das Studentenleben war nicht meins. So richtig wusste ich auch nicht was ich studieren sollte. Ich schrieb mich immer in neue Fächer ein, die mir eventuell gefallen könnten, aber noch keins hat mir so richtig zugesagt. Dafür habe ich einfach schon zwei Semester vergeudet. Am liebsten würde ich etwas mit Musik machen, aber keine Uni in der Umgebung hatte solche Kurse im Angebot. Und ich wollte mein Elternhaus nicht verlassen, das ist schließlich das einzige was mir blieb. 99 Prozent der Kurse die ich belegte, brachten mich nicht weiter, dennoch schaffte ich jeden einzelnen davon mit den besten Noten abzuschließen. Lernen fiel mir noch nie schwer und ich hatte das Glück immer die beste aus der Klasse zu sein. Das war eins meiner Talente die ich in die Wiege gelegt bekommen habe, genau wie das Klavier spielen. Durch meine guten Noten, hatte ich auch ein Stipendium bekommen, um überhaupt studieren zu können. Denn ohne hätte ich mir so was nicht leisten können. Zu meinem Glück konnte ich das Stipendiumgeld einlösen wann ich wollte und hatte noch Zeit mir vorher etwas dazu zu verdienen. Wir hatten leider nie viel Geld, kamen aber gut über die Runden. Demnach gab es auch nichts was ich hätte erben können, als mein Vater starb. Mit dem letzten Rest, den mein Vater übrig lies, hat sich meiner Mutter gleich aus dem Staub gemacht und ist mit ihrem neuen Lover, der im übrigen mein damaliger Klavierlehrer war, nach Florida gezogen. Wir hatten nun schon eine ganze Weile kein Kontakt mehr, aber daran habe ich nichts auszusetzen. Immerhin hat sie mich ohne weiteres einfach im Stich gelassen und höchst wahrscheinlich, leider habe ich keine stichfesten Beweise dafür, meinen Vater schon eine ganze Weile betrogen. Denn als ich das Letzte mal Klavierstunden hatte war ich nicht älter als Zehn.

Jahrelang war meine Mutter meine engste Vertraute und meine Bezugsperson. Sie hat sich nie etwas anmerken lassen, dass es zwischen ihr und meinem Vater nicht gut läuft. Ich kann ihr einfach nicht verzeihen, dass sie mich in dem Moment als ich sie am meisten brauchte, einfach hatte fallen lassen und mich und meinen Vater so hintergangen hat.

Da stand ich nun und sah in der Gegend umher und versuchte meine Gedanken zu ordnen. Ich betrachtete die Menschen die an mir vorbei gingen, insbesondere die Mädels die tuschelten. Ein Gefühl des Unwohlseins verfolgt mich, seit ich hier angekommen bin. Die meisten reden sicherlich über mich, aber vielleicht wissen sie es auch nicht und reden über etwas anderes. Warum stört es mich diesmal so, dass über mich geredet wird? Sonst in der High School war es mir völlig egal und ich stand meinen Mann. Aber jetzt erwischt mich alles 10 mal Schlimmer, meinem Gefühl nach. Ich kann mir diese Angst selbst nicht erklären, die mir momentan zu schaffen macht.

Ich hatte mich nach dem Verlust meines Vaters etwas gehen lassen. Ich habe mich einfach verloren und hatte niemanden der mir bei stand. Bis ich Samuel traf, doch leider war er mein Dozent an der Uni. Wir ließen uns dennoch auf einander ein. Er war überhaupt nicht mein Typ, doch er war für mich die erst beste Möglichkeit meinen Gefühlen und meiner Einsamkeit zu entkommen. Ich habe ihn eigentlich nur aus Eigennutz benutzt, nicht weil ich Gefühle für ihn hatte. Seine hatte ich dabei ganz außen vor gelassen. Für mehr als Ablenkungssex brauchte ich ihn nicht. Als ich bemerkte, was ich da tat, war ich entsetzt und enttäuscht von mir selbst und so versuchte ich die Sache wieder zu beenden. Allerdings lief er mir nach wie ein Hund, machte mir ständig neue Liebeserklärungen und das nicht mal diskret in der Uni. Natürlich kam es wie es kommen musste und es blieb nicht ungesehen. Zudem ging dann auch ein Video von uns beiden herum, wie uns jemand in der Sportdusche erwischt hat. Was lernen wir daraus? Niemals den Dozenten in der Dusche vernaschen. Aber es war nun mal so passiert und ändern hätte ich daran auch nichts können. Ich trat dennoch sehr souverän auf und lies mir meine Unsicherheit nicht anmerken. Kurze Zeit danach wurden wir dann auch schon aufgefordert in das Büro des Dekans zu kommen. Ich bereitete mich innerlich schon auf meinen Rauswurf vor, doch der Dekan lies mir die Wahl ob ich bleiben oder gehen möchte.


» Ich gehe » , sagte ich bestimmt.

Samuel sah mich an. Ich wusste nicht was mir seine Augen erzählten. War er traurig? War er wütend? Kurz dachte ich einen kleine Funken Hoffnung in seinen Augen gesehen zu haben, dass wir jetzt doch ein Paar werden könnten. Aber ich machte ihm vor dem Büro noch klar, dass wir das niemals werden und verließ sofort das Gebäude. Ich wollte einfach nur verschwinden. Über den Campus begegnete ich einer Menge über mich redender Studenten. Einige Kerle machten widerliche Bemerkungen. Die meisten Mädels sahen mich verachtend an und musterten mich von oben bis unten. Nur noch ein Stück und ich bin daheim... dachte ich mir und atmete tief durch.

Daheim angekommen war ich etwas am Ende. Wie konnte so was nur passieren? Wie konnte ich so was zu lassen? Ich hasste mich selbst. Ich hasste, dass nun alle Welt über mich redet. Wie sollte ich meine Maske aufrecht erhalten wenn mich nun alles so verunsichert. Seufzend lag ich auf dem Bett. Mein Handy vibrierte ununterbrochen. Samuel. Er bombardierte mich mit Nachrichten und anrufen. Ich blockierte seine Nummer, ein Glück waren wir nie bei mir zu Hause, sonst würde er jetzt vor der Tür stehen. Eins war klar, ich musste mich jetzt wieder auf mich konzentrieren.
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