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von SimsGirlK
GeschichteDrama / P12 / Gen
Draco Malfoy Lucius Malfoy Narzissa Malfoy OC (Own Character)
27.11.2020
26.04.2021
68
91.806
6
Alle Kapitel
15 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
08.04.2021 4.623
 
Montag, 01.06.98

Den ersten Morgen der Prüfungswoche klappte alles wie geplant. Thad weckte mich, ich machte mich fertig und wir trafen Narcissa unten am Kamin. Mithilfe von Flohpulver reisten wir sofort ins Ministerium und fanden den Weg auf den richtigen Flur auf Anhieb. Das Prozedere hatte sich nicht geändert, die Leute vom Ministerium prüften meinen Zauberstab, die Unterlagen und zeigten mir den Prüfungsraum. Wie üblich stand dort lediglich ein Tisch mit einem Stuhl davor, sowie Federn und Tinte. Für den schriftlichen Teil musste ich meinen Zauberstab mit meinen Sachen zusammen abgeben, doch auch die praktischen Prüfungen mit Zauberstab fanden in diesem Raum statt.

Pünktlich um acht waren Narcissa und Thad verschwunden, ich saß ohne meine Sachen an dem Tisch und eine mir fremde Mitarbeiterin reichte mir die Prüfungsaufgaben für Geschichte der Zauberei. Ich hatte vier Stunden Zeit.

Das Problem mit dem Zuhause unterrichtet werden war eindeutig, dass in den Prüfungen jedes Thema abgefragt wurde. Die Schwerpunkte waren unterschiedlich, doch um sicherzustellen, dass ich keine Lücken hatte wurde wesentlich mehr verlangt als in den Prüfungen in Hogwarts. Dort wurde den Lehrern vertraut.
Ein weiterer Grund warum mein Vater sich gegen Hogwarts entschieden hatte. Für mich zumindest. Manchmal fragte ich mich wie er die Prüfungen wohl gestaltet hätte, wenn das Jahr normal weitergelaufen wäre.

Die schriftliche Prüfung für Geschichte der Zauberei war übel. Es wurde nach etlichen kleinen Details gefragt und dann ein Aufsatz über verschiedene Theorieansätze verlangt. Ich hatte gut gelernt und kein Problem mit den Antworten, was mir fehlte war Zeit. Vor allem für die längeren Antworten verlor ich mich leicht in Zusatzinformationen, die definitiv keine Punkte brachten. Bei meiner zweiten Korrektur, Fehler fand ich selten, eher ergänzte ich noch etwas, kam die Ministeriumsmitarbeiterin wieder herein und nahm mir die Papiere ab.

Erste Prüfung erledigt, acht weitere ausstehend, dachte ich innerlich seufzend. Mein Kopf fühlte sich schwammig an.
Ich bekam meine Sachen wieder und traf dort auch gleich auf Thad.
„Wo ist Narcissa?“ fragte ich sofort.
„Sie wartet im Restaurant, Miss Carrow.“ erwiderte er und deutete mir den Weg. Das machte Sinn, ich hätte schließlich auch früher fertig sein können.
Während ich mit Thad zurück durch die Flure lief, gab ich ihm meine Bücher und Unterlagen aus meiner Tasche, die ich nun nicht mehr brauchte. Er würde sie später wegsortieren.

Wir kamen zurück ins Atrium, wo wir am Morgen auch angekommen waren. Ich hatte nicht viel Ruhe gehabt mich umzusehen, doch nun lag eine Pause von zwei Stunden vor mir. Hier hatte sich im Vergleich zum Vorjahr einiges geändert. Um den großen Springbrunnen stand ein Gerüst, dahinter wurde wohl etwas Neues gebaut. Ich hatte den alten Brunnen in der Zeitung gesehen und verstand nicht warum der Abriss eine solche Priorität hatte. Es war nur ein Brunnen.

Thad und ich gingen an dem Gerüst vorbei und ich ignorierte die Blicke mit hoch erhobenem Haupt. Mit meiner Mutter fiel mir das leichter. Wir waren immer angestarrt worden. Ob nun wegen der Bekanntheit meiner Familie oder dem Hauselfen, der uns nicht von der Seite wich.

Ich widerstand dem Drang mir durch die Haare zu fahren und konzentrierte mich auf das Restaurant. Normalerweise hatte es einen schönen Blick auf den Brunnen. Es war hauptsächlich für Besucher mit hohem Ansehen und Einkommen angelegt, sodass ich dort während der Pausen meine Ruhe hatte. Ich hatte mit meiner Mutter meistens am Fenster gesessen, sodass ich in Ruhephasen die Leute beobachten konnte, die durch das Ministerium hechteten.

Mit einem Fingerschnipsen öffnete Thad die Tür und ich trat in den wesentlich ruhigeren, gesäulten Raum. Narcissa erblickte ich sofort über eine Zeitung gebeugt an einer Nische vor den Fenstern. Es waren nur zwei andere Männer im Restaurant, die auffälligen Kopfschmuck trugen. Sie unterhielten sich beim Essen mit schnellen Klacklauten.
Ich trat durch den Raum und schon auf halber Strecke bemerkte Narcissa mich.

„Wie ist es gelaufen?“ erkundigte sie sich, als ich am Tisch ankam. Sie hatte eine Teetasse vor sich stehen, in der nicht mehr viel übrig war und faltete ihre Zeitung zusammen. Auf der Titelseite prangte ein überdimensionales Bild von Harry Potter.

„Ganz gut, denke ich. Die schriftlichen Fächer sind immer einfacher.“ erwiderte ich und nahm ihr gegenüber Platz. Sie wirkte gelassener als in den letzten Tagen bei den Mahlzeiten. Ob das an der Abwesenheit der anderen beiden Malfoys lag? Oder dem Ortswechsel?

„Heute Nachmittag kommt Verwandlung?“ hakte sie nach und ich nickte. Ein Ober kam zu unserem Tisch und reichte uns Speisekarten. Mit den Jahren hatte ich gelernt während der Prüfung auch zu essen wenn ich keinen Hunger hatte. Es gab nichts schlimmeres als in dem Prüfungsraum zu sitzen und von meinem knurrenden Magen abgelenkt zu werden. Das Essen hier hatte sich nicht wirklich geändert, ich wusste was mir schmeckte und so bestellten wir sehr zügig. Mein Nervositätslevel war annehmbar, doch wie ich schon zu Narcissa gesagt hatte, die praktischen Prüfungen waren schwieriger. Nicht zwangsweise wegen der Aufgaben, sondern wegen dem direkten Kontakt zu einem Ministeriumsmitarbeiter. Wenn die mir zugeteilte Frau mich nicht mochte, konnte mich das wertvolle Punkte kosten. Bisher hatte zumindest meine Mutter die Mitarbeiter immer gekannt, was zumindest kein Hindernis gewesen war. Ich hoffte einfach inständig, dass die Mitarbeiterin mich objektiv bewertete.

Während wir aßen ließ Narcissa mich ein wenig von der Prüfung berichten. Ich erfuhr von ihr, dass sie in Verwandlung ihre ZAG-Prüfung abgelegt und hervorragende Ergebnisse erzielt hatte. Das überraschte mich nicht, sie war eine geborene Black, natürlich war sie eine talentierte Hexe. Sie bot ihre Hilfe an, als wir mit Essen fertig waren, doch ich versicherte ihr, dass ich nur noch einmal durch das Buch blättern wollte. Das war die Wahrheit. Wirklich lernen konnte ich so kurz vor der Prüfung sowieso nichts mehr, dazu gab es aber auch keinen Anlass. Ich war gut vorbereitet.

Also bekam ich einen eigenen Tee und während Narcissa wieder in der Zeitung las, überflog ich verschiedene Kapitel in meinem Verwandlungsbuch. Das war angenehm friedlich und beruhigte meine etwas hibbeligen Nerven ungemein. Ab und zu wagte ich einen Blick durch das Fenster, wo verschiedene Zauberer auf ihrem Weg durch das Ministerium waren. Ein paar Gesichter kannte ich, die meisten waren mir jedoch fremd. Ich beobachtete sie trotzdem gerne. Zumindest so lange wie sie meinen Blick nicht bemerkten.

Um Viertel vor zwei machten Narcissa und ich uns auf den Rückweg zum Prüfungsraum. Weil ich noch minderjährig war durfte ich dort nicht allein aufschlagen und brauchte einen Erwachsenen dabei. Besonders weil es nur noch weniger als ein Monat bis zu meinem Geburtstag war, fand ich das mehr als albern. Nach der Prüfung reichte wenigstens Thad, auch wenn Narcissa versprach pünktlich um sechs auf mich zu warten. Das war sehr lieb von ihr.

Wie zuvor auch gab ich meine Habseligkeiten, dieses Mal abgesehen von meinem zuvor noch einmal geprüften Zauberstab, ab und folgte der Mitarbeiterin in den nun nicht mehr leeren Raum. Er war für die Prüfung vorbereitet, die genauso wie jede andere vier Stunden betrug. Immerhin gab es zwischendurch ein paar kurze Pausen in denen ich mich sammeln konnte. Nach jeder Stunde eine.

Pünktlich um zwei begann meine Prüfung und ich erhielt den ersten Block aufgaben. Wie erwartet hatten sie viel mit den Veränderungen im Gesicht zu tun, doch glücklicherweise beherrschte ich die Zauber allesamt. Ich musste die Zauber aber nicht nur demonstrieren, sondern auch erklären. Im Prinzip wurde der sonst schriftliche Teil nun also mündlich abgefragt. Auch darauf war ich vorbereitet. Die Frau war nicht überragend nett, doch erschien mir fair. Sie machte die Prüfung nicht unnötig unangenehm.

Nach den vier Stunden hatte ich sämtliches Zeitgefühl verloren, fühlte mich aber allen voran völlig erledigt. In meinem Gehirn summte es als ich meine Sachen wiederbekam, was mir gar nicht gefiel. Ich war nicht sicher ob ich mich am Abend noch einmal auf Zaubertränke für den nächsten Morgen konzentrieren könnte.

Ich schob den Gedanken auf als ich Narcissa sah. Sie kam auf mich zu und legte eine Hand an meine Schulter, als ich bei ihr ankam: „Wie lief es?“ Ihre Lippen waren zu einem ganz leichten Lächeln verzogen, dass man bestimmt auf weitere Entfernung nicht erkennen konnte.

„Jeder Zauber hat geklappt und ich konnte jede Frage beantworten.“ fasste ich zusammen, während wir schon in Richtung Ausgang liefen. Dann wurde es ein bisschen zu laut zum Unterhalten, weil im Ministerium plötzlich sehr viele Zauberer unterwegs waren. Alle schienen in die gleiche Richtung zu wollen wie wir und tatsächlich gab es im Atrium Schlangen vor den Kaminen. Narcissa und ich traten hoch erhobenen Hauptes durch die Massen, wodurch sich immerhin ein wenig Raum um uns bildete. Wir kamen ganz gut zu den Kaminen durch und ich trat zuerst hinein. Es tat gut, dass wir wieder normal behandelt wurden. Nun ja, normaler. Zumindest besser als bei Madam Malkins.

Im nächsten Moment färbten die Flammen sich schon grün und ich trat aus dem großen Kamin in Malfoy Manor. Auf einmal war es sehr still.
„Miss Carrow.“ begrüßte mein Hauself mich. Thad kam in meine Richtung und half mir aus meinem Mantel.
„Das Abendessen ist in einer halben Stunde angerichtet.“ fuhr er fort, als auch Narcissa neben mir stand. Wie zuvor schon zog sie ihren Mantel einfach aus und er schwebte magisch über den Flur. Ich folgte ihr auf halbem Weg, wollte mich vor dem Essen aber noch ein wenig zurückziehen. Also nahm ich Thad mit nach oben und ließ ihn meine Tasche umsortieren. Den nächsten Tag stand am Vormittag Zaubertränke und am Nachmittag Verteidigung gegen die Dunklen Künste an. Für beides brauchte ich nicht wirklich lernen, doch ich las gerne in dem Zaubertränkebuch. Allerdings vielleicht lieber später. Ich war wirklich erledigt und setzte mich schon vorsichtshalber nicht auf das Bett, weil ich befürchtete einzuschlafen. Stattdessen setzte ich mich nah ans Feuer und nahm mir eine von Tante Anthemias Büchern vor. Das wollte ich den nächsten Tag auch auf jeden Fall mitnehmen.

Ich kam nicht weit, bis Thad wieder auftauchte und mich zum Essen rief. Mittlerweile hatte ich auch wieder Hunger, wahrscheinlich weil ich mir um den nächsten Tag nicht viele Gedanken machte.
Ich kam kurz vor Draco im Speisesaal an, wo Lucius sofort alles über meine Prüfungen wissen wollte. Auf eine Art erinnerte mich das an meine Eltern, da mein Vater ähnlich reagiert hatte, doch andererseits kam ich nicht umhin zu vermuten, dass Lucius so etwas wie Stolz für mich zeigte. Es gab mir gleichzeitig ein wohles, warmes und unangenehmes Gefühl, weil Draco dabei war und gerade von seinem Vater entweder ignoriert wurde oder überhebliche Blicke zugeworfen bekam. Draco sah zwar unbeeindruckt aus wie immer, trotzdem fühlte ich mich nicht ganz wohl.
Ich war froh als ich in mein Zimmer zurück konnte und im Handumdrehen mit meinem Zaubertrankbuch in der Hand einschlief. Die Prüfungswoche war die Hölle und es war erst ein Tag um.

Dienstag, 02.06.98

Den nächsten Morgen wachte ich auf ohne geweckt zu werden, ich war aber auch sehr früh eingeschlafen. Meine Konzentration war wieder vollständig regeneriert und ich hatte nicht vor diese sofort mit Lernen wieder zu vernichten. Ich blieb im Bett liegen und las weiter in dem Buch. Es ging um einen Teppichhändler im Orient, der sich mit einem Drachen anlegte. Bisher hatte er schon zwei mal seine gesamte Ware verbrennen lassen. Es war irgendwie amüsant das Buch zu lesen.

Eine Weile später kam Thad mit meinem Frühstück und ich machte mich für den Tag fertig. Ab und an sah ich nun doch in meine Lehrbücher, mehr Gedanken machte ich mir aber für den Mittwoch, wenn ich ausschließlich schriftlich geprüft wurde. Das war am anstrengendsten. Praktisch ging wenigstens immer schnell um.
Ich traf Narcissa wie am Tag zuvor vor dem Kamin und wir machten uns wieder auf den Weg durch das Ministerium. Für die Zaubertränke-Prüfung durfte ich meinen frisch geprüften Zauberstab mitnehmen, alles andere ließ ich wieder draußen. Dieses Mal stand in der Mitte des Raumes ein großer Kessel in dem es brodelte und der Tisch mit dem Stuhl am Rand. Meine Prüferin kannte ich aus dem letzten Jahr, sie war mir gegenüber sehr freundlich und machte sofort Andeutungen, dass sie vollstes Vertrauen in meine Fähigkeiten und Kenntnisse hatte. Das war motivierend. Aber es lief auch fantastisch. Ich identifizierte den halbfertigen Trank sofort als Essenz des Wahnsinns, konnte auch die fünf anderen Proben in Reagenzgläsern bezeichnen und beantwortete dann jede Frage zu verschiedensten Tränken mit ihrer Wirkung und Zubereitung, während ich die Zutaten für den Kessel in der Mitte verarbeitete. Natürlich war auch wieder ein Blutegel dabei, ich brauchte tatsächlich eine Kieferplatte, hatte das aber lange genug geübt. Ich erledigte die Entnahme sauber und erntete ein zufriedenes Nicken. Die Prüfung fing an mir wirklich Spaß zu machen. Mit Leichtigkeit beantwortete ich jede Frage und war mangels weiterer Aufgaben sogar etwas früher fertig. Als die Frau die Prüfung für beendet erklärte, spürte ich ein plötzliches Verlangen nach meiner Mutter. Niemandem wollte ich gerade mehr von meiner Leistung berichten. Ein Gefühl der Schwere überkam mich.

Thad wartete am Eingang und wieder sortierten wir ein paar Bücher aus. Narcissa wartete wie am Vortag im Restaurant. Heute waren außer uns noch ein Mann und ein Paar dort, sie aßen allerdings alle schweigsam. Ich setzte mich an den gleichen Platz wie am Tag zuvor. Narcissa erkundigte sich nach der Prüfung und ich erzählte ein wenig. Nicht viel, meine Gedanken schweiften noch immer wieder zu meiner Mutter. Sie schien meine Stimmung zu bemerkten und wechselte das Thema. Sie erzählte von ihrem Vormittag, sie war in der Winkelgasse unterwegs gewesen und hatte einige Dinge besorgt. Es war angenehm ihr zuzuhören. Es lenkte mich tatsächlich gut ab.

Nach dem Essen widmete ich mich meinem Buch. Verteidigung gegen die Dunklen Künste wurde praktisch geprüft, wirklich viel vorbereiten konnte ich nicht. Zumindest nicht mehr. Den theoretischen Teil bekam ich gut hin. Erst als zwei Uhr immer näher rückte wurde ich doch wieder ein wenig nervös. Ich blätterte durch mein Buch und las noch einmal das Kapitel über Dementoren. Mit keinem einzigen Wort waren in diesem Buch Letifolds erwähnt. Ich hatte es überprüft.

Etwas später kam ich wieder pünktlich auf dem richtigen Flur an. Während mein Zauberstab geprüft wurde, kam ein großer, breiter Mann auf mich zu. Er hielt einen Stapel Papiere in der Hand und blickte grimmig zu mir herunter. Mit einem Blick auf den obersten Zettel sprach er: „Ariana… Carrow?“ Seine kleinen Augen verengten sich noch weiter: „Das bist du?“ setzte er ungeduldig hinzu.

Es war nicht so, dass er mir Zeit zum Antworten gegeben hatte. Außerdem war er ganz schön unhöflich. Ich straffte meine Schultern und nickte. Tonlos drehte der Mann sich um und stampfte den Flur entlang. Ich bekam meinen Zauberstab wieder. Innerlich betete ich inständig, dass das nicht mein Prüfer war. Auch wenn alles dafür sprach.

Mit einem unterdrückten Zögern folgte ich dem gleichen Flur und sah die Tür zu meinem Prüfungsraum schon offen stehen. Das versprach nicht viel. Ich riss mich zusammen. Er konnte mich nicht schlecht bewerten, wenn ich alles richtig machte. Ich musste mich nur konzentrieren und nicht verunsichern lassen. Er konnte nicht viel schlimmer sein als mein Vater.

„Dann lass mal sehen was du von deinen Eltern gelernt hast.“ spottete der Mann, sobald ich über die Schwelle trat: „Dir ist klar, dass du nicht in den Dunklen Künsten, sondern der Verteidigung geprüft wirst, ja?“
Mein Gesicht blieb neutral. Ich ließ es mir nicht anmerken, wie sehr ich mich jetzt schon über diesen Mann aufregte! Er war unmöglich! Und unfassbar respektlos!

Ich nickte wieder.
„Hast du alle deine Habseligkeiten abgegeben?“ stellte er die erste Frage nach Protokoll. Sein Blick lag abwesend auf dem obersten Formular. Eine verzauberte Feder schwebte darüber um meine Antworten mitzuschreiben.
„Habe ich.“ brachte ich mit ruhiger Stimme zustande. Ich ließ den Mann nicht aus den Augen. Er würde mir meinen Schnitt nicht kaputt machen.

„Was ist damit? Ist der magisch?“ Der Mann deutete überlegen auf meine Finger.
Automatisch wanderte meine Hand an meinen Familienring. Den hatte ich noch nie für eine Prüfung ablegen müssen!

Der Mann verzog seinen Mund zu einem gehässigen Grinsen: „Leg den Ring ab.“
Ich zögerte eine Sekunde. Noch nie hatte mich da jemand zu gezwungen!
„Mach schon, ich hab nicht den ganzen Tag Zeit!“ knurrte er herausfordernd ungeduldig.

Der Ärger in mir wuchs. Warum hatte der Mann so ein Problem mit mir? Warum konnte ich ihm nicht einfach einen Fluch aufhalsen und um einen anderen Prüfer bitten?
Ich zog den Ring von meinem Finger. Mit zwei Schritten trat ich wieder auf den Flur und rief nach Thad. Auf keinen Fall würde ich meinen Ring hier irgendwo hinlegen. Er war ein unbezahlbares Wertstück.

„Einen Sklaven hältst du dir auch?“ stichelte der Mann sobald ich mich wieder zur Tür drehte.
Bei Merlin, in meinem ganzen Leben war ich keinem so respektlosen Zauberer begegnet! War der ein Muggel? Er musste von denen abstammen! Bestimmt hatte er Minderwertigkeitskomplexe, gegenüber meinem Blut! Niemals hatte sich mir gegenüber jemand so furchtbar verhalten!

Es kostete mich alles zu Schweigen und mich auf die Prüfung zu konzentrieren. Wenn er doch nur einfach anfangen würde.
Meine Finger verkrampften sich um meinen Zauberstab. Hoffentlich bestand eine Aufgabe darin ihn anzugreifen!

Nach zwei weiteren bissigen Bemerkungen über meine Eltern begann der Mann endlich mit der ersten Aufgabe. Es ging um eine Demonstration von Schutzzaubern, die seinen Flüchen standhalten mussten. So weit, so gut. Er ließ mich eine Handvoll Kreaturen identifizieren, die ich entweder anhand weniger Merkmale knapp beschrieben bekam, oder auf einem Bild ansah. Auch das bekam ich sehr gut hin. Mit jeder Frage die ich richtig beantwortete wurde der Kerl gemeiner und boshafter. Als es im dritten Teil der Prüfung um Dementoren ging, versuchte er mich mit verwandten Wesen einzuschüchtern, wobei ich Lucius das erste Mal dankbar für seinen Unterricht war. Glücklicherweise versteifte sich der Mann sehr auf den Letifold, wodurch es mir erspart blieb den Patronus zu demonstrieren. Den musste ich für die Prüfung nicht können, noch nicht zumindest, doch es tat gut keine Grenzen einbüßen zu müssen.

Zum Ende hin hatte ich das Gefühl die Fragen gingen weit über den Lehrplan hinaus, doch er hatte mit seinen Andeutungen durchaus recht gehabt. Von meinen Eltern hatte ich eine menge gelernt.
Auch wenn ich nach wie vor wütend war, gab mir das die nötige Genugtuung hoch erhobenen Hauptes aus dem Raum zu treten. Dieser Mann war ein Wurm. Er ergötzte sich an seiner Machtposition und davon wollte ich kein Teil sein.
Meine Eltern hatten Recht mich von den Muggelgeborenen fernzuhalten. Die waren eine grauenhafte Entschuldigung für Zauberer.

Narcissa sah mir meine Laune an als ich aus der Prüfung kam und ließ mich netterweise in Ruhe. Von Thad bekam ich sofort meinen Ring wieder, mit dem ich mich gleich besser fühlte. So ein Mistkerl! Noch vor einem Jahr hätte meine Mutter dafür gesorgt, dass so jemand gefeuert wurde! Nein, so jemand hätte mich gar nicht erst prüfen dürfen!

Zurück in Malfoy Manor stapfte ich die Stufen zu meinem Zimmer hoch. Ich spürte diese Wut in mir, die ich irgendwie loswerden musste. Ich war noch nicht sicher wie. Wütend schnaubte ich und warf meine Tasche auf das Bett. Der Mantel folgte und noch immer fühlte ich mich nicht besser. Das Kribbeln unter meiner Haut wurde intensiver. Das Verlangen nach Gewalt machte sich in mir breit. Etwas zerstören…

Mit meinem Zauberstab in der Hand schoss ich über den Flur. Es gab extra einen Raum für so etwas. Es gab diese Übungspuppen und gerade wollte ich, dass von ihnen nichts übrig blieb!
Wie hatte dieser Mann es wagen können?!

Ich riss die Tür zum Trainingsraum auf und war einen kurzen Moment abgelenkt. Draco saß am Schreibtisch und fuhr ruckartig herum. Damit hatte ich ihn wohl überrascht. Was meine Aufmerksamkeit aber auf sich zog war was er in den Händen hielt. Eins von meinen Büchern. Mein Verwandlungsbuch um genau zu sein. Nachdem er einen solchen Aufstand darum gemacht hatte, dass ich seine Bücher nicht ausleihen durfte! Mein Ärger richtete sich auf ihn, auch wenn ich versuchte das zu verhindern.

„Prüfung lief nicht gut?“ riet er halb ironisch und mit seiner üblichen Arroganz, während er das Buch sinken ließ. Vielleicht konnte ich auch ihn angreifen. Andererseits wollte ich kein sich wehrendes Opfer.
Ich stand noch immer an der Tür und versuchte mich zu entscheiden was ich wollte. Meinen Zauberstab hielt ich nach wie vor fest umklammert. Plötzlich ließ ich meinen Arm nach vorne schnellen und eine der Übungspuppen explodieren.

„Prüfer!“ knurrte ich nachdem der Knall verebbt war. Es dampfte von dem Haufen Asche. Ich war noch nicht sicher ob es mir damit besser ging. Vielleicht wenn ich mir vorstellte es wäre sein dämlicher Kopf! Wie der Mann gegrinst hatte, als er mich zwang den Ring abzulegen! Die nächste Puppe zersplitterte. Wie er meine Eltern beleidigt hatte! Eine Puppe ging in Flammen auf. Wie respektlos er sich mir gegenüber verhalten hatte! Die brennende Puppe kehrte sich von innen nach außen. Wie er wieder und wieder versucht hatte es mir möglichst schwer zu machen! Die Puppe zerschmolz zu einer dicken Flüssigkeit und sammelte sich am Boden.

Vor Wut bebend starrte ich noch immer dorthin. Warum ging es mir damit nicht besser?! Ich stand kurz davor meinen Zauberstab hinterher zu werfen!
Ein Geräusch riss mich aus der Konzentration. Ich fuhr herum und sah wie Draco das Buch losließ. Er musste es auf den Tisch gelegt haben. Sein Blick blieb bei mir, ganz so als wollte er die Gefahr nicht aus den Augen lassen.
Frustriert ließ ich meinen Zauberstab sinken. Das war nicht meine Absicht gewesen. Gleichzeitig wusste ich aber auch nicht was ich tun sollte. Wieder gehen? Weiter machen?
Ich entschied mich für die dritte Möglichkeit. Stumm reparierte ich die Puppen.

„Was ist passiert?“ fragte Draco vorsichtig. Er klang sehr vorsichtig. Ob er immer noch damit rechnete, dass ich ihn angreifen würde. Ich hatte darüber nachgedacht. Doch er klang auch als wollte er Hilfe anbieten. Irgendwie.
„Dreckiges Schlammblut…“ brummte ich und erklärte an Draco gewandt: „Nie in meinem Leben bin ich so behandelt worden!“

Aufmerksam drehte er sich auf dem Stuhl zu mir um und kurz war ich unschlüssig ob ich mich zu ihm setzen sollte. Meine Gedanken waren abgelenkt.
„Letzten Monat hätte mein Vater den für solche Worte umgebracht!“ brach es aus mir hervor. Die Wut war noch immer unangetastet dort. Ich wusste nicht wohin damit.

„Meine Mutter hätte den als Prüfer nie zugelassen! So eine Respektlosigkeit! So unprofessionell!“ schimpfte ich weiter: „Sind alle Blutsverräter so?“
Draco besah mich mit einem wenig mitleidigen Blick. Er zögerte einen kurzen Moment und entgegnete dann langsam: „Einige. Hat das deine Prüfung beeinträchtigt?“

Etwa auf halbem Weg zu ihm registrierte ich, dass ich mich bewegte.
„Nicht von meiner Seite! Ich habe jede Frage beantwortet und jede Aufgabe erfüllt! Der wird mir meinen Schnitt nicht kaputt machen!“ fauchte ich.

Er zog einen kurzen Moment die Augenbrauen etwas hoch. Kannte er so etwas nicht? Benahmen sich die Leute den Malfoys gegenüber nicht auch so? Zumindest seit Lucius in Askaban gewesen war?
„Mein Vater sollte nicht davon erfahren.“ unterbrach er meine Gedanken plötzlich. Ich blickte ihn abgelenkt an. Was hatte Lucius damit zu tun?

„Zumindest bis du die Ergebnisse hast.“ fuhr er fort. Nach wie vor sah er ernst aus. Einen Moment hielt ich inne und zwang mich zum Nachdenken. Was würde Lucius tun, wenn er von meiner Prüfung hörte? Wahrscheinlich das gleiche wie meine Eltern auch. Einen Kleinkrieg beginnen. Meine Eltern waren in der Position gewesen so einen jederzeit zu gewinnen, doch bei Lucius war das etwas anders. Sein Prozess war gerade eine Woche her. So sehr ich den Blutsverräter leiden sehen wollte, riskieren wollte ich dafür nichts. Weder meine Noten noch die Malfoys. Sollten meine Noten aber nicht gerechtfertigt sein, würde ich dem Kerl persönlich einen Besuch abstatten!
Naja, wahrscheinlich nicht.

„Wie gehst du mit sowas um?“ wandte ich mich direkt an Draco. Es lenkte mich von meiner Wut ab und weil ich mich gerade aufs Hinsetzen konzentrierte, kam mir erst zu spät der Gedanke, dass diese Frage wahrscheinlich beleidigend war. So forsch und überheblich wie ich klang konnte er das nicht viel anders verstehen.

Plötzlich erinnerte ich mich an unseren Ausflug in den Buchladen. Dort war Draco einigen Kerlen begegnet, die furchtbar respektlos gewesen waren. Er war weggegangen. Und ich hatte die beiden verflucht. Das gab mir noch immer ein gutes Gefühl.

Erst als Draco zu sprechen begann wurde mir klar wie lange er gezögert hatte. Mit zusammengebissenen Zähnen brummte er: „Früher habe ich mich gewehrt. Respekt eingefordert.“

Nun schwieg ich. Das war bei einem Ministeriumsmitarbeiter und dem aktuellen Ruf meiner Familie nicht wirklich eine gute Idee.
„Wer war es?“ hakte Draco plötzlich nach.
Irritiert blickte ich ihn an. Was für eine Rolle spielte das? Oder wollte er etwas tun? So abgeneigt war ich nicht…
„Kemper, Kerper…“ riet ich laut. So genau wusste ich das nicht mehr. Ich merkte mir nur die Namen von wichtigen Leuten.

„Kepner?“ bot Draco an.
Langsam nickte ich. Das klang richtig. Vielleicht hätte ich mir den Namen doch genauer merken sollen. Andererseits konnte ich den jederzeit herausfinden. Wenn ich mich wehren wollte. Nach der Ergebnisbekanntgabe.

Dracos Blick wanderte zum anderen Ende des Raumes, während er ruhig erklärte: „Kepner ist kein Schlammblut. Halbblut zwar, aber nicht Muggelstämmig. Er hat einen Muggel geheiratet.“
Ich gab mir Mühe nicht das Gesicht zu verziehen. Damit war der Kerl eindeutig ein Blutsverräter.

Draco suchte meinen Blick und schloss bedeutungsvoll: „Vor etwa zwei Monaten wurde seine Frau ermordet.“
Während sich ein Gefühl von einer gedämpften Schwere in mir breit machte, wich ich seinem Blick aus. Das erklärte ein wenig die Boshaftigkeit hinter den Worten des Mannes. Ich kam nicht dagegen an etwas Mitleid mit ihm zu haben. Solange wie ich verdrängte was er zu mir gesagt hatte. Wegen seinen Leuten waren meine Eltern im Gefängnis und ich machte ihn dafür schließlich auch nicht verantwortlich.

„Das entschuldigt sein Verhalten nicht.“ sprach ich distanziert. Hm. Irgendwie war da weniger Wut in meinem Bauch.
„Tut es nicht.“ stimmte Draco mir ähnlich abwesend zu.

Skeptisch blickte ich zu ihm herüber: „Seit wann setzt du dich für Blutsverräter ein?“
Er gab ein verächtliches Schnauben von sich und beteuerte: „Glaub mir, ich halte so viel von denen wie du.“ Bei der überdeutlichen Arroganz in seiner Stimme ging es mir schon gleich wieder etwas besser. Das klang nicht nach Mitleid.

Mit in die Ferne gerichtetem Blick fuhr er jedoch fort: „Ich habe nur die Leute von unserer Seite wesentlich schlimmere Dinge tun sehen.“
Dazu schwieg ich. Mein erster Instinkt war es das nicht vergleichen zu wollen. Das war nicht dasselbe. Doch so einfach war das nicht. Ich fragte mich was Draco gesehen hatte, doch gleichzeitig auch was meine Eltern getan hatten. Alles was ich wollte war Respekt. Der stand mir als Geburtsrecht zu und ich war es nicht gewohnt diesen verweigert zu bekommen.

Immerhin fühlte ich mich nun nicht mehr wütend. Wann auch immer das passiert war. Ich war müde und erledigt. Der nächste Tag würde mit den beiden schriftlichen Prüfungen besonders hart werden.
Bevor ich etwas weiteres sagen konnte, tauchte Thad auf und rief uns zum Essen.

Lucius stellte ein paar Fragen zu meinen Prüfungen, Narcissa wimmelte das ganze aber unter dem Vorwand meiner Müdigkeit etwas ab. Ich war ihr sehr dankbar. Kurze Zeit später stand ich wieder in meinem Zimmer und legte meinen Fokus auf die restlichen Prüfungen. Oder genauer auf den nächsten Tag. Gerade wollte ich mich auf nichts weiter konzentrieren. Glücklicherweise waren schon zwei von fünf Tagen und vier von neun Prüfungen durch. Das war fast die Hälfte. Ich war gut vorbereitet und im schriftlichen Teil konnte mich keine Blutsverräter herausfordernd. Selbst als ich später im Bett lag dachte ich noch an einige der Kommentare. Ob ich nach Bekanntgabe der Ergebnisse in jedem Fall Lucius auf ihn hetzen konnte? War Lucius so wirksam wie meine Eltern?

Irgendwie wollte ich es herausfinden.
Meine letzten Gedanken vor dem Einschlafen galten jedoch seiner toten Frau. Woher hatte Draco davon eigentlich gewusst?
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