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What about us?

von SimsGirlK
GeschichteDrama / P12 / Gen
Draco Malfoy Lucius Malfoy Narzissa Malfoy OC (Own Character)
27.11.2020
26.04.2021
68
91.806
6
Alle Kapitel
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Dieses Kapitel
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31.03.2021 2.375
 
Dienstag, 26.05.98, Nachmittag

Als ich mit dem Essen fertig war, blickte ich wieder zum Strand herunter. Ich konnte ein paar Muscheln sammeln. Nach Krebsen war mir nicht so sehr. Außerdem war das mit einem Muggel in der Nähe nicht möglich. Es gab Würmer die sich am Ufer in den Sand eingruben, theoretisch konnte ich die auch ohne Magie finden, doch dann müsste ich fast direkt ans Wasser.

Ich war schon nervös genug, das brauchte ich nicht auch noch. Muscheln zu sammeln schien mir in Ordnung. Zumindest dicht an den Klippen.
Also packte ich meine Sachen wieder ein und machte mich auf den Weg zur Treppe und anschließend nach unten. Ich suchte nach der Schale einer bestimmten Muschel, was mich zumindest ein wenig ablenkte. Und die Zeit verstrich, während ich mich den Strand entlang arbeitete.

Nach einer Weile jedoch beobachtete ich wie der Mensch mit dem Surfboard ein ganzes Stück weiter vor mir auf das Ufer zusteuerte. Ich war nicht sicher ob er mich sah und wenn was ich tun wollte. Wenn es Nero war, wollte ich wirklich mit ihm sprechen? Worüber? Er war wahrscheinlich kein Zauberer und wenn doch, keiner aus den richtigen Familien.

„Ariana!“
Hektisch schob ich die magische Dose zurück in meine Tasche.
„Du hast eine wahnsinns Party verpasst!“ rief Nero, während er mit Surfboard unter dem Arm in meine Richtung joggte. Er war nass.

Möglichst genervt blickte ich zu ihm. Warum erzählte er sowas?
„Was für eine Party?“ hakte ich verständnislos nach. War das Smalltalk? Begann man so ein Gespräch? Was interessierte mich das?
Nero stellte das Board ab und grinste mich an: „Haha.“ begann er sarkastisch: „Es hätte dir gefallen. Vielleicht deine Laune etwas verbessert...“

Krampfhaft versuchte ich mich zu erinnern worüber wir das letzte Mal gesprochen hatten. Alles woran ich mich erinnern konnte war der Brief. Daran wollte ich nicht denken. Hatte ich ihm nicht deutlich gemacht, dass er nicht zu meinem Umgang gehörte? Oder so ähnlich?

„Was machst du heute hier?“ bohrte der Kerl beiläufig nach. Wieder haftete ihm diese Leichtigkeit an. Das war irritierend.
„Spazieren.“ brummte ich skeptisch. Warum wollte er unbedingt mit mir interagieren? War ich nicht abweisend genug?
„Mit besserer Laune?“ grinste er frech.

Ohne das einer Antwort zu würdigen begann ich weiterzugehen. Selbst wenn ich mit ihm hätte reden wollen, ich verstand nicht wie. Er war komisch. Unnachgiebig.
„Wir müssen nicht über deine Familie sprechen. Oder deine Probleme.“ bot Nero überraschend ernst an, natürlich schob er noch hinterher: „Du kannst auch ein bisschen von deinen angenehmen Erfahrungen berichten...“ Wie er das sagte war das definitiv eine Anspielung. Ich hatte nur keinen Schimmer worauf.

Genervt starrte ich zu ihm rüber und er ruderte sofort zurück: „Jaja, ist gut, war nur ein Scherz.“
„Seid ihr alle so?“ fragte ich noch immer verständnislos. Kein Wunder, dass meine Eltern mich immer von allen unwürdigen Familien ferngehalten hatten. Draco war ganz anders. Jeder Zauberer, den ich kannte war anders. Keiner war so albern und ungehobelt. Wenn er in dieser Gegend wohnte, musste er sich doch seinem Stand entsprechend verhalten.

Nero zog übertrieben die Augenbrauen hoch: „Du hängst nicht viel mit uns rum, was?“
„Hab noch keinen Grund dafür gefunden.“ erwiderte ich schlicht und blickte nach vorne. Solange er in meiner Nähe war konnte ich nicht vernünftig suchen. Doch immerhin lenkte er mich etwas ab. Lieber regte ich mich über ihn auf als mir Sorgen zu machen.

„Ich geb mir Mühe es nicht zu vermasseln.“ versprach Nero sarkastisch.
„Warum bist du eigentlich ständig hier?“ hakte ich skeptisch nach. Warum war er immer hier wenn ich auch hier war?
Er zuckte mit den Schultern und blickte auf das Meer hinaus: „Ich warte auf besseres Wetter. Meine Eltern lassen mich nicht mehr an die guten Strände fliegen also muss ich nehmen was ich kriegen kann...“
Nicht mal diese Aussage legte fest ob er nun ein Muggel war oder nicht. Halb gab ich es schon auf das herausfinden zu wollen.

„Arbeit… oder Schule…?“ schlug ich weiter vor.
„Ich hab die Sommerferien dieses Jahr ein bisschen vorgezogen.“ grinste er schamlos.
Meinen verurteilenden Blick konnte ich nicht zurückhalten. Für so etwas hatte ich kein Verständnis. Faulheit in jeder Art war unverzeihlich. Vor allem wenn es um Bildung ging. Wollte er nicht das Beste aus sich herausholen? Wo war sein Ehrgeiz?

„Du bist auch hier.“ verteidigte er sich keiner Schuld bewusst. Das war aber ein Unterschied. Ein gewaltiger Unterschied.
„Ich werde Zuhause unterrichtet. Meine Prüfungen finden nächste Woche statt.“ stellte ich klar. Sobald der Prozess durch war, würde ich auch sofort weiter lernen. Meine Leistungen würden wegen der Umstände nicht sinken. Das konnte und würde ich nicht zulassen.

Nero zuckte unbekümmert mit den Schultern: „Ich werde nie arbeiten müssen, alles was ich will ist surfen.“
Mein Blick wurde noch eine Spur abschätziger. Das war kein Grund auf eine angemessene Bildung zu verzichten oder diese nicht zu würdigen. Mit was für Werten war er aufgewachsen?
Kopfschüttelnd blickte ich geradeaus den Strand hinunter. Er war mit Sicherheit ein Muggel.

„Was willst du?“ wandte er sich herausfordernd an mich.
Überlegen entgegnete ich: „Weiß ich noch nicht. Aber mit meiner Ausbildung halte ich mir alle Optionen offen.“
Aus dem Augenwinkel sah ich wie er übertrieben die Augen verdrehte: „Klingt als ob du das Leben nicht genug genießt.“

Er hörte sich noch immer unbekümmert und nicht verurteilend an, was mich gleich noch wütender machte.
„Weißt du, ich wollte nur ein bisschen spazieren und den Kopf frei kriegen...“ setzte ich an, aber Nero unterbrach mich: „Ich wollte dich nicht beleidigen! Das war ein Scherz, weil du nicht zur Party wolltest.“
Was für eine Party? Wann hatte er etwas von einer Party gesagt?

Frustriert seufzte ich und zog es ernsthaft in Erwägung nach Malfoy Manor zurückzukehren. Doch was sollte ich dort tun? Nervös im Kreis gehen und warten? Wie lange konnte es noch hin sein, bis der Prozess abgeschlossen war?

„Gut, keine Scherze mehr.“ versuchte Nero mich zu besänftigen, was zumindest halbwegs funktionierte. Ich richtete meine Konzentration auf ihn: „Also, du gehst eigentlich zur Schule?“ Vielleicht würde ich etwas über seinen Stand erfahren.
Mit einem unbeteilligten Schulterzucken erwiderte er: „Es gab da einen Vorfall, ich gehe erst nächstes Jahr wieder hin. Denke ich.“

Das passte zumindest auch ein wenig auf Hogwarts. Ich erblickte eine von den Muscheln die ich suchte und hob sie auf. Während Nero weitersprach, so genau hörte ich nicht zu, sammelte ich weiter Muscheln und steckte diese lose in meine Tasche. Zwischendurch stellte er mir Fragen, ich wich meistens aus oder drehte die Fragen um. Mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit bemerkte er das, drängte aber nicht weiter.

Nach einer ganzen Weile, mittlerweile gingen wir den Weg wieder zurück, dachte ich über einige Fakten aus Geschichte der Zauberei nach und ignorierte die Geschichte von Wellen in Sydney. Oder San Francisco? San Diego? Wie auch immer. Die Sonne sank mehr und mehr, auch wenn es noch eine Weile dauern würde, bis der Himmel sich verfärbte. Ich starrte gedankenverloren über den Sand und bemerkte plötzlich eine Bewegung. Sie schien von nirgendwo zu kommen, doch der Sand hatte sich eindeutig bewegt. Es bildete sich eine Rille. Und dann noch eine und noch eine. Noch bevor die letzte Linie erschien war mir klar was passierte. Das war Thad. Thad hinterließ im Sand ein M, denn die Malfoys kamen wieder. Oder das Urteil war gefällt. Wie auch immer, ich würde keine weitere Sekunde verschwenden und mich sofort auf den Rückweg machen. Sobald ich den Muggel losgeworden war.

„Nero, ich muss sofort weg.“ kündigte ich an und drehte mich schon zu den Klippen. Der Aufgang war ziemlich weit weg, ich musste nur an eine Stelle von wo er mich nicht sehen konnte: „Die Wind wird stärker, willst du nicht wieder ins Wasser?“
„Ähm...“ brachte er hervor, doch dafür hatte ich keine Zeit.

„Ich muss weg.“ wiederholte ich und lief in einer geraden Linie zu den Klippen. Hoffentlich ging er einfach. Mit einem vorsichtigen Blick zurück stellte ich Gegenteiliges fest. Er starrte mir hinterher. Gut, Zeit für andere Vorgehensweisen. In meiner Tasche griff ich nach meinem Zauberstab und sammelte meine Konzentration. Ich spürte den verstärkten Wind in meinen Haaren und schickte ihn weiter in Richtung Ufer. Mein Blick fiel zurück. Nero war stehen geblieben und hatte sein Surfboard neben sich in den Sand gesteckt. Es war mir ein Rätsel warum er das den ganzen Weg mitgeschleppt hatte. Doch als der Wind nun bei ihm ankam, bog sich das Brett gefährlich nach hinten und während Nero dagegenhielt, brach das Board durch. Damit war er genug abgelenkt und ich nutzte die Möglichkeit zu disapparieren.

Sobald ich festen Boden unter den Füßen hatte schritt ich eilig auf Malfoy Manor zu. Ich musste sie sehen. Ich musste sie alle drei sehen und das am besten sofort! Mein Atem beschleunigte sich, während die große Tür immer näher kam. Ich hatte keine Ahnung wie viel Zeit vergangen oder wie spät es war. Es war wahrscheinlich früh am Abend, hatte der Prozess wirklich den ganzen Tag gedauert? War das ein gutes oder ein schlechtes Zeichen? Was würde ich tun, wenn ich lediglich Narcissa vorfinden würde?
Mir war übel. Wenn Thad mir doch nur eine eindeutigere Nachricht hätte zukommen lassen. Ich musste wissen was passiert war!

Warum war der Weg nur so lang?
Endlich kam ich an der Tür an und stieß sie mit angehaltenem Atem auf. Wie in Zeitlupe hob ich meinen Blick vom Boden und betete innerlich unaufhörlich.
Im Flur standen zwei Personen.

Mein Herz setzte einen Schlag aus. Ich fühlte mich benommen, gleichzeitig als würde ich jeden Moment umfallen oder mich übergeben. Einen Moment verschwamm das Bild vor mir und ich sah nur die sorgfältig hochgesteckten Haare von Narcissa und ihren langen, hellgrünen Mantel. Mir war schwindelig.
Ich verwendete alle Kraft darauf meinen Blick zur zweiten Person zu schwenken. Sehr schwerfällig schärfte sich das Bild und ich erblickte die langen, glatten Haare. Lucius.

Mein Herzschlag hatte vorher ausgesetzt? Jetzt überschlug er sich. Panik stieg in mir auf, während ich krampfhaft versuchte den unumgänglichen Gedanken nicht zu denken.
Die beiden drehten sich zu mir und plötzlich lief die Zeit wieder in normaler Geschwindigkeit. Sie standen nur ein kurzes Stück von mir entfernt, ich musste sie überrascht haben, denn sie sahen mich mit üblich arrogantem Blick eindringlich an. Mein Gesicht war eingefroren. Lucius, der ebenfalls noch seinen schwarzen Mantel trug und seinen Zauberstab an seinem Gehstock in der Hand hielt, klemmte letzteren entschlossen unter seinen Arm und kam die kurzen Schritte zu mir herüber. Ohne Vorwarnung legte er auf einmal seine Hände mit den dünnen, kalten Finger an meinen Kiefer und zog seine Lippen in die Breite. Seine Augen begannen zu funkeln und nur langsam verstand ich was hier vor sich ging.

„Die Welt gerät wieder in ihre Bahnen.“ verkündete Lucius triumphierend mit einem überlegenen Lächeln.
Trotz der seltsamen Situation entspannten sich meine Gesichtsmuskeln und ich ließ ein leichtes, hoffnungsvolles Lächeln zu. Narcissa trat hinter Lucius und blickte, nun ebenfalls lächelnd über seine Schulter zu mir. Eine Frage bildete sich in meinem Kopf, doch bevor ich sie stellen konnte, erwiderte Narcissa schon: „Draco ist schon oben.“

Lucius ließ mich los und bevor ich mich zu sehr von seinem Verhalten oder dieser Geste generell irritieren lassen konnte, lief ich ohne zu überlegen auf die Treppen zu. Ich musste ihn sehen. Ich musste meine Augen davon überzeugen, dass er wirklich und tatsächlich noch da war. So schnell wie ich konnte lief ich die Treppen nach oben und sah am Fuß vor dem zweiten Stock wie er aus meinem Blickfeld trat. Noch einmal beschleunigte ich mein Tempo. Ich rannte nahezu die Treppe nach oben und bog in die gleiche Richtung. Mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit war er auf dem Weg zu seinen Zimmern. Den Weg kannte ich glücklicherweise.

Ich bog um eine weitere Ecke und sah ihn in schwarzem Anzug auf seine Tür zugehen. Die hellen Haare stachen fast noch mehr heraus als sonst. Er drehte sich zu mir, er musste meine Schritte hören, doch falls nicht sprach ich schon mit möglichst ruhiger Stimme: „Hey.“ Mein Atem rasselte.
Draco sah zu mir und verharrte an der Tür. Sein Gesichtsausdruck war üblich arrogant. Er sah nicht so froh aus wie seine Eltern.
„Hey.“ erwiderte er fast abwartend.

„Du bist noch da.“ Erst als es heraus war, erinnerte ich mich, dass er genau diese Worte schon zu mir gesagt hatte. Ich gab mir größte Mühe meinen Atem zu beruhigen.
„Sieht so aus.“ entgegnete er mit fester Stimme. Warum sah er so ernst aus? Freute er sich nicht? War er nicht erleichtert? Ich war es. Ich war so erleichtert!
Meine Lippen verzogen sich schon wieder zu einem Lächeln. Nun etwas mehr als zuvor und ich sprach aufrichtig: „Freut mich.“

Auf einmal schien es mir seltsam, dass wir noch immer an unterschiedlichen Enden im Flur standen, doch gleichzeitig nahm ich es kaum wahr. Draco hielt meinen Blick einen Moment fest und dann hoben sich seine Mundwinkel ebenfalls. Ein wenig nur, aber deutlich genug. Etwa eine Sekunde lächelte er halb, dann drehte er sich abrupt wieder zu seiner Tür und verschwand darin.
Ich drehte mich ebenfalls zurück und holte noch ein paar Mal tief Luft. Unwillkürlich wurde mein Lächeln breiter. Ich konnte die Leichtigkeit in meinem Herzen kaum begreifen.

Anschließend kehrte ich in mein Zimmer zurück und packte meine Tasche aus. Meine Laune war blendend, auch als ich kurze Zeit später umgezogen zum Abendessen herunterging. Narcissa und Lucius saßen schon dort und Lucius verschwendete keine Zeit vom Prozess zu berichten. Von der Euphorie angesteckt lauschte ich gespannt und erfuhr nach und nach, dass beide Männer freigesprochen waren, jedoch eine Bewährungsstrafe von mehreren Jahren bekommen hatten. Das schien Lucius nicht zu bekümmern. Auch Narcissa sah wesentlich entspannter aus als üblich, immer wieder blickte sie zu ihrem Mann und lächelte leicht.

Lediglich Draco blieb stumm wie gewohnt und starrte grimmig auf seinen Teller. Das war ein wenig beunruhigend, doch andererseits hatte er die Nacht wahrscheinlich kaum geschlafen und dann einen anstrengenden Tag hinter sich gehabt. Ich war schon wahnsinnig müde und ich war nur stundenlang durch die Gegend gelaufen. Ich freute mich unheimlich auf mein Bett.
Zwar nahm ich mir nach dem Essen vor noch etwas zu lernen, weil ich dafür aber schon mal im Bett liegen wollte, schlief ich ziemlich sofort ein ohne wirklich angefangen zu haben. Ich schlief so gut wie schon lange nicht mehr.
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